Die ewige Wiese - Doris K. Neumann - E-Book

Die ewige Wiese E-Book

Doris K. Neumann

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Beschreibung

In seinem zweiten Buch erzählt uns der Kater-Riese Teddy wieder von seinen Erlebnissen und Begegnungen im Land hinter dem Regenbogen. Von Oma-Frauchen und dem Katzenmann auf der ewigen Wiese, von besonderen Tagen und seinen nächtlichen Besuchen bei seinem Frauchen. Von Begegnungen mit Tieren, denen die Menschen auf der Erde Schlimmes angetan haben und die im Regenbogenland Frieden finden. Es gibt Gudrun, das verrückte Huhn, das Chaos ins Regenbogenland bringt. Und die uns Lachtränen in die Augen treibt. Wieder zieht Teddy mit seinen Erzählungen seine Leser in seinen Bann. Und auch die traurigsten Geschichten zaubern uns am Ende ein Lächeln ins Gesicht. Auch dieses Buch verbindet Traurigkeit mit einem Lächeln. Tränen der Trauer mit Tränen vor Lachen. Hoffnungslosigkeit durch den Verlust des geliebten Tieres mit der Hoffnung eine neue Kammer des Herzens mit einer neuen herrenlosen Seele zu füllen. Die Erzählungen sollen auch zum Nachdenken anregen und vielleicht ein wenig dazu beitragen, dass wir Menschen im Umgang mit unseren Tieren, seien es Nutztiere oder Haustiere, achtsamer umgehen. Hinter den Geschichten steht der Glaube, dass wir uns alle einmal hinter dem Regenbogen wiedersehen werden und gemeinsam in für alle Ewigkeit auf der ewigen Wiese zusammen sind.

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Seitenzahl: 366

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Das Buch ist für meine Mama, die mich die Liebe zu den Tieren gelehrt hat und die mir im zarten Alter von vier Jahren Lesen und Schreiben beigebracht hat.

Vielen Dank auch an alle Testleserinnen und Testleser.

Vor allem ein dickes Danke an Yvonne Borsien-Gartmann und Andrea Letfus-Kreuz, die zur Titelfindung maßgeblich beigetragen haben.

Inhaltsverzeichnis

Armut

Muttertag

Struppi und die Waldbewohner

Die kleine Mama

Musci

Arko

Frau Siggi

Lenny

Der Wissende

Da geht was

Der Freundeslauf

Igel

Katastropholus

„eure Erde“

Grummel

Der Teich

Erika

Freunde

El Blanco

Die Frage

Hexe on Tour

Luce und Sole

Brutus

Rolli-Blitz

Streit!

Rocky

Merlin

Claire

Gudrun

Hühnerhimmel

Bestien

Zweifel

Flummi

Tanzbär

Das verrückte Huhn

Der glitzernde Baum

Sunny

Weg der Besinnung

Die ewige Frage

Stäbchen im Po

Nachbarn

Bella

Safari

Hartmut

Brief an Teddy

ARMUT

Hallo ihr lieben Zweibeiner, hier ist wieder euer Teddy.

Heute habe ich keine schöne Geschichte. Es gibt da etwas, was mich schon seit einiger Zeit sehr bedrückt...

Schon seit einer ganzen Weile kommen immer mehr Waisenkinder und Tiere, die alleine und krank sterben mussten, zu uns.

Viele von ihnen hatten Frauchen und Herrchen bei euch auf der Erde. Aber die konnten die Weißkittel, die ihnen hätten helfen können nicht bezahlen.

Im besten Fall haben sie ihre Tiere in das was ihr „Tierheim“ nennt, gebracht. Aber dort sehnten sich die Tiere nach ihrem Zuhause und viele starben aus Kummer.

Aber ganz viele wurden einfach weggeworfen. Ausgesetzt. Alleine, weit weg von ihrem Zuhause. Sie fanden nicht mehr nach Hause. Waren es nicht gewöhnt, alleine Fresschen zu suchen. So verhungerten viele. Oder sie waren vorher ihr ganzes Leben lang nur in den Wohnungen ihrer Herrchen und Frauchen und kannten das Leben und vor allem die Gefahren in der sogenannten Freiheit nicht.

Viele von ihnen - Hundis und Katzies – rannten blind über diese „Straßen“, weil sie ihr Zuhause suchten. Und wurden von den Autos überfahren.

Oder sie hatten schon eine Krankheit in sich, die nicht geheilt werden konnte, weil so viele der Zweibeiner sich die Behandlung nicht mehr leisten konnten. Aber anstatt sich Hilfe zu suchen und ihre Tiere durch einen Weißkittel heilen zu lassen, haben sie sie einfach ausgesetzt. So hat sich die Krankheit verschlimmert und die Tiere sind ganz alleine elend gestorben.

Wie Kringelchen. Die alte Kätzin, die heute über die Brücke kam und in Zukunft bei uns bleiben wird. Obwohl sie ein Herrchen hatte...doch der hat sie in ihrer Not alleine gelassen.

Wie schon so oft kam Hexe zu mir und wir gingen gemeinsam zur Brücke. Der Regenbogen leuchtete uns schon entgegen und wir stellten uns an den Rand der Treppe um auf unser neues Tierchen zu warten.

Und dann kam sie. Ganz langsam. Sie tastete sich vorwärts. Hexe sprach sie an, doch sie ging an uns vorbei. Sie war taub und blind! Aus ihrem Mund wuchs etwas, was da nicht hingehörte. Sie konnte ihr Mäulchen nicht mehr schließen und aus ihrer Nase lief roter und gelber Schleim. Ihr Fell war vollkommen struppig und mit kahlen Stellen übersät durch die man die Haut sah.

Auf den ersten Blick sah sie uralt aus.

Sie brach am Ende der Brücke einfach zusammen und schlief ein.

Nach langer Zeit wachte sie auf und wie wir alle auf der Wiese war sie wieder vollkommen gesund. Sie konnte sehen und hören und das böse Ding in ihrem Mund war verschwunden. Sie war eine hübsche Tigerin mit einem lustig gekringelten Schwänzchen

Und sie fing an zu erzählen:

„Ich bin Kringelchen. Ich hatte viele Jahre ein schönes Zuhause bei meinem Frauchen und meinem Herrchen. Irgendwann war Herrchen plötzlich jeden Tag zu Hause. Er war immer ein ganz lieber Zweibeiner, aber plötzlich saugte er jeden Tag an komischen Flaschen und wurde immer böser. Und er roch nicht mehr gut. Auch zu Frauchen war er nicht mehr lieb.

Und dann war Frauchen plötzlich verschwunden. Bevor sie ging, nahm sie mich fest in den Arm und versprach mir, dass sie mich „holen“ würde, wenn sie eine „Wohnung“ gefunden hätte. Dabei machte sie mein Fell ganz nass.

Doch sie kam nicht mehr. Ich war alleine mit Herrchen. Der saugte immer mehr an diesen Flaschen und oft vergaß er, mich zu füttern. Trotzdem glaube ich, dass er mich lieb hatte. Manchmal nahm er mich in den Arm und kuschelte mit mir. Wie früher.

Doch irgendwann merkte ich, dass es mir nicht so gut ging. Irgendetwas wuchs da in meinem Mund. Das Essen fiel mir schwer. Ich versuchte immer mit der Pfote das störende Dings wegzumachen, aber es ging nicht. Außerdem schmerzte mein Auge und ich konnte immer schlechter sehen.

Herrchen bemerkte, dass mit mir etwas nicht in Ordnung war. Er packte mich in das Kästchen mit den Stäbchen und wir gingen zu dem Weißkittel. Ein Brumsdings hatte er nicht mehr.

Der Weißkittel schaute mir ins Mäulchen und seine Pfoten drückten auf mir herum. Dann leuchtete er mir mit einem Stäbchen ins Auge und sagte, dass ich „blind“ werden würde.

Er erklärte dann meinem Herrchen, dass er mir helfen könnte und dass ich wieder ganz gesund werden würde. Er müsse mich operieren und dann wäre alles wieder gut. Herrchen fragte, was das „kosten“ würde. Der Weisskittel sagte etwas, was ich nicht verstand. Es war kein richtiges Wort. Er nannte es „Preis“.

Herrchen legte seinen Kopf in seine Hände und dann sagte er zu dem Weißkittel, dass er sich das nicht leisten könne, weil er alleine und „arbeitslos“ sei.

Der Weißkittel empfahl ihm, sich an den „Tierschutzverein“ zu wenden und um Hilfe zu bitten. Also packte mich mein Herrchen wieder in mein Kästchen und wir liefen ganz weit bis zu einem Haus, aus dem ganz viele Hundistimmen herausschallten.

Da kam eine Frau heraus, die nur sagte, dass sie „voll“ seien und dass sie keine Katze mehr aufnehmen könnten.

Herrchen nahm mich wieder auf und dann gingen wir zu einem kleinen Häuschen, wo Herrchen sich hinstellte und aus dem Fenster kamen einige dieser Flaschen die er leersaugte.

Dann gingen wir weiter und irgendwann roch es komisch. So wie die Waldbewohner, die an diesem „Weihnachten“ immer in der Höhle wohnten.

Da stellte Herrchen mein Kästchen einfach auf den Boden und ging weg. Er sagte nur noch: „Tut mir leid Kumpel, ich kann es mir nicht leisten. Mach`s gut!“

Ich hatte Angst! Ich hatte Hunger und Durst! Und ich hatte Schmerzen. Schlimme Schmerzen. Und auf dem einen Auge konnte ich nichts mehr sehen. Das andere Auge war auch nicht mehr so gut.

Irgendwie versuchte ich aus dem Kasten zu kommen. Ich warf mich herum, immer wieder und wieder. Und irgendwann gingen die Stäbchen auf und ich konnte fliehen.

Um mich herum waren nur Waldbewohner, die ihr Zweibeiner „Bäume“ nennt. Ich irrte umher und suchte mein Herrchen und mein Zuhause. Aber ich fand nichts von beiden. Alles war fremd. Und meine Schmerzen wurden immer schlimmer.

Ich schleckte Wasser aus Pfützen und versuchte Flitzies gegen den Hunger zu fangen. Aber ich sah immer schlechter und so entkamen mir die meisten. So knabberte ich an Gras und Sträuchern, aber satt wurde ich davon nicht.

Irgendwann kam ich an einen Platz, an dem es nach Fresschen roch. Mittlerweile konnte ich fast gar nichts mehr sehen und es war merkwürdig still um mich geworden.

Aber das Fresschen konnte ich riechen. Ich schlich mich heran und sah in meinem Nebel vor den Augen eine Zweibeinerin, die viele Steinchen mit Fresschen füllte. Ich schlich mich heran. Und dann spürte ich plötzlich eine Zweibeinerpfote. Die strich ganz zart über mein Fell und nahm mich hoch.

Ihre Stimme hörte ich nur ganz von Ferne. Warum nur, ich war doch direkt auf ihrem Arm...

Sie sagte: „Wir bringen Dich jetzt zum Arzt, da wird Dir geholfen...“

Dann kam ich wieder in ein Kästchen und wurde in einen Raum, in dem es nach Weißkittel roch, gebracht. Es wurde wieder an mir herumgedrückt und schließlich sagte eine ganz leise Stimme: „Wir müssen ihn erlösen!“

Und jetzt bin ich hier.“

Wir waren beide sehr traurig, denn solche oder ähnliche Geschichten mussten wir und auch die Freunde aus anderen Gruppen in der letzten Zeit immer häufiger hören.

Was war denn nur auf der Erde los?

Denkt ihr nicht daran, wenn ihr ein Tier zu euch holt, dass es auch einmal krank oder alt wird? Dass es dann zum Weißkittel muss? Dass es dann besonders eure Liebe braucht?

Das es dann etwas von dem, was euch anscheinend am Wichtigsten ist, braucht? Was das ist? Offenbar euer GELD! Ich weiß nicht was das ist, aber es muss unglaublich wichtig sein!

Aber es gibt offenbar auch immer mehr Zweibeiner, die es sich nicht mehr leisten können, ihre Tiere von Weißkitteln gesund machen zu lassen. Viele von ihnen sind schon alt und haben ihre Tiere schon sehr lange. Sie kaufen sich selbst nur das allernötigste um ihren geliebten Tieren ein schönes Leben bieten zu können.

Irgendwann werden sie voneinander getrennt, weil die Zweibeiner aus ihrer Wohnung in „Pflegeheime“ - das hört sich schlimm an – gebracht werden. Die Tiere kommen oft ins Tierheim, weil sie dort nicht mitdürfen. Sowohl die alten Zweibeiner, die ihre Tiere so sehr lieben, als auch die – meist alten – Tiere zerbrechen daran, wenn sie getrennt werden. Warum dürfen sie nicht zusammen bleiben?

Hier bei uns geht es allen wieder gut. Wenn die Frauchen und Herrchen über die Brücke gehen, dann bringen wir und unsere Freunde aus den anderen Gruppen sie wieder zusammen und sie gehen gemeinsam zur ewigen Wiese

Aber könnten sie das nicht schon auf der Erde bis zum Ende sein?

Euer nachdenklicher und ziemlich trauriger Teddy

MUTTERTAG

Hallo hier ist euer Teddy, der heute etwas verwundert ist.

Am Sonntag kam meine Hexe mit allen Freunden zu mir und sagte, dass ich mitkommen solle. Ich fragte sie, wo es hingehen würde und sie erklärte, dass wir Oma-Frauchen besuchen wollen.

Wir? Ich auch? Ostern war doch erst und auch wenn wir hier bei uns keine Zeit kennen und den ewigen Moment leben, so ist es doch noch nicht Weihnachten.Und nur an diesen beiden besonderen Tagen darf auch ich über die geheime Brücke auf die ewige Wiese um Oma-Frauchen zu besuchen.

Also trottelte ich etwas lustlos neben meiner Hexe her und war fest davon überzeugt, dass ich wieder einmal auf der Wiese vor der kleinen geheimen Brücke bleiben musste um auf die Rückkehr der anderen zu warten.

Hexe bemerkte meine Ratlosigkeit und lächelte leise. Dann fing sie an zu sprechen: „Weißt Du Teddy, die Zweibeiner haben außer unseren beiden besonderen Tagen noch einen Tag, den sie den Müttern gewidmet haben, den Muttertag. An diesem Tag besuchen sie ihre Mütter und bringen ihnen Blümis und Geschenke. Sie backen Kuchen und laden sie zum Essen ein. Und dieser Tag ist heute. Deshalb besuchen wir Oma-Frauchen, weil sie ja keinen Besuch von ihrer Tochter – unserem Frauchen Doris – bekommen kann. Und an diesem besonderen Tag darfst auch Du sie besuchen, obwohl Du sie ja zu ihren Lebzeiten nicht gekannt hast. Aber sie hat Dich in ihr Herz geschlossen und deshalb ist die Brücke zur ewigen Wiese heute auch für Dich geöffnet.“

Das freute mich sehr, denn auch ich hatte Oma-Frauchen lieb gewonnen und freute mich darauf, sie wiederzusehen. Aber trotzdem war ich immer noch etwas ratlos und fragte Hexe: „Warum brauchen die Zweibeiner einen besonderen Tag um ihre Mamas zu ehren? Um ihnen Geschenke zu bringen und arme Blümis zu töten? Oder Kuchen zu backen und die Mamas zum Essen einzuladen? Und vor allem: Um sie zu besuchen? Die Mama ist doch nicht nur an diesem Tag ihre Mama. Sondern immer! Jeden Tag, nicht nur an diesem „Muttertag“! Was machen denn die Zweibeiner an den anderen Tagen mit ihren Mamas? Besuchen sie sie nicht? Das verstehe ich nicht!“

Hexe schaute nachdenklich und sagte, dass ich meine Frage am besten später dem Oma-Frauchen stellen solle. Die war sehr weise und wusste bestimmt eine Antwort darauf. Damit gab ich mich zufrieden und freute mich nun darauf, die Mama unseres Frauchens wiederzusehen.

Da waren wir auch schon auf der Wiese vor der kleinen Holzbrücke angekommen und sahen auf der anderen Seite schon Oma-Frauchen auf der ewigen Wiese inmitten der schönsten Blümis auf ihrer Bank sitzen. Auf ihren Schoß saß ihre geliebte Katze Minka und dicht neben ihr kuschelte sich die kleine Madeleine mit ihrer Joie – unserem kleinen Bunti – an sie. Die beiden schienen sich sehr zu freuen und winkten uns fröhlich zu.

So gingen wir über die kleine Holzbrücke. Ich ließ die anderen vorgehen, so ganz traute ich mich doch noch nicht. Zu groß war die Angst, wieder gegen die unsichtbare Mauer zu stoßen und enttäuscht zu werden. Aber dann machte ich vorsichtige Schritte auf die Brücke und – die unsichtbare Mauer war weg!

So hüpfte ich den anderen hinterher und war auch ganz schnell bei der Bank um Oma-Frauchen mit Minka und die kleine Madeleine mit Joie – meinem ehemaligen kleinen Schützling – zu begrüßen. Es war ein fröhliches Wiedersehen und Oma-Frauchen knuddelte und herzte jeden von uns ausgiebig. Am meisten freute sie sich aber, Wutti und Wutz wiederzusehen. Die beiden hatte sie zuletzt gesehehen, als unser Frauchen noch ein kleines Mädchen war. Die beiden pfiffen wie verrückt und konnten sich vor Freude gar nicht mehr einkriegen.

Da sahen wir von Weitem Ziemzer und unsere liebe Buffy mit ihrem Herrchen herankommen. Herrchen nahm Oma-Frauchen in die Arme und kam zu jedem von uns und knuddelte jeden herzlich. Dann setzte er sich zu Oma-Frauchen und Madeleine auf die Bank und Buffy und Ziemzer kamen zu uns und wir alle freuten uns, einmal wieder zusammenzusein.

Nun, wo die große Begrüßung vorbei war, traute ich mich unserem Oma-Frauchen die Fragen zu stellen, auf die mir Hexe keine Antwort geben konnte.

Da wurde die Mama unseres Frauchens sehr nachdenklich. Sie schaute einen Moment in die Ferne und dann begann sie zu sprechen:

„Mein lieber Teddy, Du hast die richtigen Fragen gestellt! Warum müssen wir Menschen einen „Muttertag“ feiern? Ich hatte das Glück, keinen Muttertag zu brauchen. Meine Kinder – Harald und Doris – waren immer für mich da. Wir hatten immer ein sehr enges Verhältnis und viel Spaß miteinander. Aber auch in schweren Zeiten waren wir immer füreinander da. Und wir hatten viele schwere Zeiten in denen nicht alles eitel Sonnenschein war. Aber auch da hielten wir immer fest zusammen.

Die beiden waren nicht nur für mich sondern auch füreinander da. Wenn wir uns nicht sehen konnten, haben wir miteinander telefoniert. Als mein Mann nicht mehr bei mir sein wollte, hat mein Sohn Harald mir geholfen, nicht zugrunde zu gehen und mich gezwungen, wieder Nahrung zu mir zu nehmen. Doris hatte in der selben Zeit die selbe Erfahrung wie ich mit ihrem Mann Hans machen müssen.“ Dabei warf sie einen Blick auf das Herrchen von Ziemzer und Buffy, der beschämt seinen Blick senkte.

Dann erzählte sie weiter: „Doris hat in dieser schweren Zeit mit Dir liebe Hexe bei mir gewohnt und wir haben uns gegenseitig wieder aufgerichtet. Jeden Sonntag haben wir zu dritt gemeinsam gegessen und wir waren ein tolles Team.

Wir brauchten keinen Muttertag!

Aber viele Menschen benutzen diesen Muttertag als Alibi. Ihre Mütter sitzen das ganze Jahr alleine in ihren Wohnungen oder - was noch viel schlimmer ist – alleine in Altenheimen und warten. Warten auf ihr Kinder, die sie großgezogen haben. Die sie lieben.

Und sie finden ganz viele Entschuldigungen dafür, dass ihre Kinder sie nicht besuchen. Zu allererst: Keine Zeit! Dann: Der Job, die Entfernung, kein Geld für das Benzin, schlechtes Wetter, Schweissfüsse – Mütter finden immer eine Entschuldigung!

Und dann – am Muttertag – kommen sie. In Scharen! Mit Riesenblumensträußen. Pralinen, sie wissen nicht einmal, dass ihre Mama die nicht essen dürfen (das Pflegepersonal freut sich!). Dann zerren sie ihre Mama in ein überfülltes Lokal und anschließend setzen sie ihre Mama wieder ab und verschwinden. Bis zum nächsten Muttertag...!“

Oma-Frauchen hatte mir eine Antwort gegeben und ich fand das sehr traurig. Doch nach einem Moment erhob sie noch einmal ihre Stimme:

„Ich will euch einmal ein Beispiel für „Muttertag“ geben! Doris hat nach ihrer Trennung lange Zeit mit einem sehr lieben Mann in Krefeld gewohnt. Für mich war das sehr schlimm, weil wir noch nie so weit voneinander gewohnt hatten. Auch wenn wir jeden Tag miteinander telefonierten oder uns besuchten, sie war sehr weit weg.

Besonders schlimm war es, als sie fast ein Jahr weg war und die Weihnachtszeit bevorstand. Die schönste und emotionalste Zeit des Jahres. In dieser Zeit waren wir oft unterwegs um Weihnachtsgeschenke zu suchen. Oder wir haben Plätzchen gebacken, auch für die Fellnasen. Oder wir haben die Wohnungen dekoriert. Da hat sie mir sehr gefehlt.

Wir hatten auch immer einen Adventskalender und machten jeden Tag gemeinsam das Türchen auf. Das ging nun alles nicht mehr und machte mich traurig. Aber ich hätte niemals meiner Doris diesen Kummer erzählt. Ich wollte, dass sie auch dort im weit entfernten Krefeld glücklich war.

Es war der 30.November des zweiten Jahres von Doris Umzug nach Krefeld. Da klingelte es bei mir an der Tür. Ich ging an die Sprechanlage und fragte, wer da sei.

Die Antwort war „ein Päckchen für sie.“ Ich sagte dem Postboten, dass er es unten hinlegen sollte. Ich wohnte in der ersten Etage und wunderte mich, als der Postbote sagte, dass er es lieber hochbringen würde. Und da kam er. Mit einem Riesenpaket. Schnaufend! Schwitzend!

Das musste ein Irrtum sein! Ich hatte nichts bestellt! Da wollte mich bestimmt jemand betrügen. Es tat mir leid, aber das Ding musste er wieder mitnehmen! Man hörte ja soviel Böses!

Der Postbote wuchtete das Paket wieder hoch, da fiel mein Blick auf den Absender: Meine Tochter Doris! Ich schrie auf und vor Schreck lies der Postbote das Paket fallen. Es schepperte ziemlich und er erschrak.

Ich gab ihm ein Trinkgeld und er brachte das Paket in mein Wohnzimmer.

Da rief ich Doris an und wollte wissen, was das sollte. Sie war in der Arbeit und sagte nur: „Schau einfach mal rein.“

So holte ich meine Schere und öffnete das Paket. Darin waren ganz viele Päckchen. Große, kleine, ganz kleine. Und alle waren wunderschön eingepackt und auf alle war eine Zahl geklebt. Ich holte sie alle heraus und dann zählte ich sie durch. Es waren 24.

Es war ein Adventskalender!

Am Abend rief ich Doris an und sie sagte mir, dass sie das ganze Jahr diesen Adventskalender zusammengetragen hatte. Immer, wenn sie etwas sah, von dem sie dachte, dass es mir gefallen könnte, hat sie es gekauft. Das Päckchen mit der 24 war das Weihnachtsgeschenk und das würden wir gemeinsam öffnen. Das hatte sie bereits im Februar gefunden.

Für mich wurden die nächsten 23 Tage ein festes Ritual. Jeden Morgennach dem Frühstück öffnete ich mein Päckchen. Und es war immer etwas wunderschönes darin. Aber vor allem war eines darin: Liebe!

Und dieses Ritual wiederholte sich 10 Jahre lang.“

Oma-Frauchen hatte mir meine Fragen beantwortet. Aber trotzdem machte mich die Antwort ein wenig traurig.

Sie hatte Glück, dass sie eigentlich keinen „Muttertag“ brauchte. Dass ihre Kinder immer an ihrer Seite waren.

Ihr lieben Zweibeiner, die meisten von euch werden auch keinen Muttertag brauchen um euren Mamas zu zeigen, dass ihr sie liebt. Für die anderen, die angeblich keine Zeit haben...denkt daran, dass eure Mama eines Tages – und das kann sehr plötzlich sein – nicht mehr da ist. Und das ist endgültig.

Euer Teddy

STRUPPI UND DIE WALDBEWOHNER

Hallo, hier ist wieder euer Teddy.

Wir waren immer noch bei Oma-Frauchen zu Besuch auf der ewigen Wiese weil ja Muttertag war und wir sonst nicht so oft hierherkommen durften.

Oma Frauchen hat mir meine Fragen beantwortet und uns eine schöne Geschichte von Frauchen erzählt. Nun saßen wir alle noch beisammen und genossen gemeinsam diesen schönen Tag.

Plötzlich kam etwas durch das hohe Gras und die schönen Blümis gerast. Wutti und Wutz, die beiden Meerschweinchen sprangen laut pfeifend auseinander und Hanibal machte einen Riesenbuckel und stellte sich zum Angriff auf. Und da kam auch schon etwas durch die Luft geflogen und landete auf Oma-Frauchens Schoß. Die fing laut an zu lachen und sagte nur: „Struppi, mein kleiner Bengel!“

Aha, wieder einmal der bekloppte Dackel. Der immer durch die Gegend raste, der vor Übermut nur so sprühte und der uns schon ab und an in den Wahnsinn trieb. Aber eigentlich war er ja ganz lieb. Er konnte nur nicht begreifen, dass hier bei uns kein Tier gejagt werden durfte. Auch nicht aus Spaß. Aber er behauptete immer, dass er nur spielen wollte. Und davon ließ er sich auch nicht abbringen!

Nun saß er bei Oma-Frauchen auf dem Schoß, Minka war vor Schreck hinuntergefallen und legte sich nun beleidigt zu Madeleine und Joie.

Oma-Frauchen krabbelte dem frechen Dackel das Fell und der schien das sehr zu genießen. Sie erzählte, dass sie Struppi schon als winzigen Welpen kennengelernt hatte und dass ihr am meisten gefallen hatte, dass dieser winzige Kerl vor nichts und niemandem Angst hatte. Sie beschrieb es als „kein gesundes Selbstbewusstsein, sondern eine grenzenlose Selbstüberschätzung – Rauhaardackel eben!“

Dackel hatte sich nun zusammengerollt und machte keinerlei Anstalten seinen Platz zu verlassen.

Da fing Oma-Frauchen an zu erzählen:

„Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war ich sehr, sehr krank. Ich musste von heute auf morgen meine Familie verlassen und wurde in eine Klinik im Taunus gebracht. Ich durfte fast ein halbes Jahr keinen Besuch empfangen, weil meine Krankheit sehr ansteckend war. Auch meine Familie durfte mich nicht besuchen. Das war eine ganz schlimme Zeit. Damals gab es noch keine Handys und in dem Krankenhaus gab es nur zwei öffentliche Telefonzellen die von allen Bewohnern unserer „Hustenburg“ - so nannten wir die Klinik – benutzt wurden.

So konnten wir auch nur ganz wenig telefonieren, weil das öffentliche Telefon eigentlich immer besetzt war.

Nach einem halben Jahr durfte ich endlich den ersten Besuch bekommen und meine ganze Familie samt Schwiegersohn kam angefahren und es war eine riesengroße Wiedersehensfreude. Nun war die Aussicht ja auch da, dass ich wieder ganz gesund werden würde und in einer gewissen Zeit wieder nach Hause dürfte.

Nachdem wir uns ausgiebig begrüßt hatten, sagte Doris, dass wir nun noch ein neues Familienmitglied begrüßen müssten. Mir kam sofort der Gedanke: Ich werde Oma!!! und eine große Freude erfüllte mich.

Wir gingen aus der Klinik heraus auf den Parkplatz zu Doris´ Auto. Hä? Na ja, vielleicht war ja das Ultraschallbild im Auto...

Dann öffnete Doris die Autotür und heraus kam ein geölter Blitz. Struppi! Sofort kam er zu mir gerannt und sprang aus vollem Lauf in meinen Arm. Und in mein Herz! Ok, mein Enkel hatte Fell!

Er war damals 6 Monate alt und ein richtiger kleiner Bengel. Er zog an der Leine, als wäre er eine Dogge. Und wenn man ihn rief und sagte „kommst Du oder nicht?“ Dann kam er oder nicht. Ganz einfach, er machte was er wollte!

Wir gingen nun spazieren, um unsere „Hustenburg“ war ja nur Wald und ich musste ja auch noch ganz viel an die frische Luft.

Meine liebe Familie kam nun jedes Wochenende mit Struppi und wir gingen ganz viel im Wald spazieren. Der kleine Bengel schien diesen Wald zu lieben, ständig war seine Nase am Boden und es war gut, dass er an der Leine war.

Dann kam die schöne Nachricht, dass ich in der nächsten Woche nach Hause dürfte. Da war ich fast neun Monate in der Klinik. Nun kam meine Familie ein letztes Mal zu Besuch und in der Woche darauf durfte ich endlich wieder zu Hause.

Wir gingen mit Struppi in den Wald. Und er tat so, als wäre er der liebste Hund der Welt. Er lief brav bei Fuß. Wenn wir Rast machten, legte er sich sofort ab. Und so waren wir einen Moment nicht aufmerksam. Wir saßen auf einer Bank und ruhten uns aus. Da fragte plötzlich Doris „Wo ist Struppi?“ Wir schauten auf die Leine und daran hing nur noch das leere Halsband.

Und der Hund war weg!

So mein kleiner Bengel, und jetzt erzählst Du weiter!“

Und so setzte sich der Dackel hin und fing an zu erzählen:

„Ich war noch nicht lange bei Herrchen und Frauchen, da haben wir ganz oft die Mama von meinem Frauchen mitten im Wald besucht. Sie wohnte da in einer großen Höhle und freute sich immer ganz doll, wenn wir kamen. Wir liefen dann immer ganz lange durch ein tolles Gebiet, dass die Zweibeiner „Wald“ nannten. Und da roch es so gut. Nach Sachen, die ich nicht kannte. Die ich aber eigentlich sehr gerne kennenlernen wollte.

Aber ich hatte ja dieses komische Band um den Hals an dem eine Schnur hing, an der ich Frauchen spazierenführte.

Bei unserem letzten Spaziergang bemerkte ich, dass die Zweibeiner ganz aufgeregt waren und dauernd von „Heimkommen“ und „Freude“ und „Gesund“ sprachen. Und gar nicht auf mich aufpassten.

Und so nutzte ich meine Chance. Als wir wieder bei einer Bank anhielten und die Zweibeiner sich quasselnd hinsetzten, nutzte ich die Chance und zog ganz langsam meinen Kopf aus diesem Band.

Und war frei!

Ich schlich mich langsam von der Bank weg und dann war ich plötzlich in einer neuen Welt. Alles roch so gut. Und alles sah ganz fremd aus. Da wo wir wohnten, waren ganz viele Brumsdingse und alles war platt und der Boden war ganz hart. Am Rand von dem harten Boden war manchmal so ein wenig Kitzelgras, aber das roch bei Weitem nicht so gut wie das hier.

Hier war der Boden weich und überall wuchsen Sachen, die ich nicht kannte. Und ganz große Waldbewohner wuchsen in den Himmel. Es war toll! Das würde ich mir alles noch viel genauer ansehen!

Plötzlich hörte ich von ganz weitem meinen Namen! Es war Frauchen´s Stimme. Ok, sie war noch da! Sie würde sicher auf mich warten, also konnte ich mich auch noch weiter hier umsehen.

So schlich ich noch weiter durch das grüne, weiche Durcheinander und plötzlich hatte ich um mein Schnäuzchen ganz viel klebriges Zeug und auf meiner Nasenspitze krabbelte ein komisches Tier. Ein Schleck und es war in meinem Mund. Aber es schmeckte nicht so sehr gut. So langsam wurde es finster und ich kam auf eine große Wiese mit Kitzelgras. Da standen ganz viele riesengroße Tiere. Einige hatten große Stöcke auf dem Kopf. Die anderen hatten ihre Kinder dabei und alle aßen ganz friedlich ihr Gras. Trotzdem machte ich einen großen Bogen und tauchte wieder in das, was die Zweibeiner „Wald“ nannten, ein.

Ich beschloss nun, nach Frauchen zu sehen und ging zurück zur Bank. Da saß Frauchen und irgendwie schien sie auf etwas zu warten. Die anderen waren alle weg. Aber sie hatte etwas zu essen und ihr Trinkflasche dabei. Und für mich stand ein Steinchen mit Leckerlies da.

Ok, alles in Ordnung, ich konnte weiter auf Streifgang gehen! Mein Steinchen würde ich später leeressen.

So ging ich wieder in den Wald, es gab noch viel zu entdecken!

Auf meinem Streifzug entdeckte ich plötzlich ein Loch im Boden. Mein Instinkt sagte mir, dass ich da hinein musste!

Es war ein sehr langer und schmaler Gang. Ich schlich hinein und immer tiefer in den Gang hinein. Es war stockdunkel und meine Nase sagte mir, dass ich nicht alleine war. Ganz leise schlich ich voran und plötzlich hörte ich ein Rascheln vor mir.

Aber ich krabbelte weiter und da war plötzlich eine kleine Höhle und es lagen kleine Würmelies drin. Aha, Abendessen! Ich wollte mir gerade eines nehmen, da hörte ich hinter mir ein ziemlich böses Fauchen. Ich versuchte mich herumzudrehen, aber es war sehr eng, so dass ich es nicht beim ersten mal schaffte. Aber da spürte ich schon den ersten Schmerz, das Fauchvieh hatte mich in mein Bein gebissen. Und schon konnte ich mich herumdrehen und mich wehren.

Ich schaute in gelbe Augen und eine spitze Schnauze. Und die Schnauze fauchte böse. Aber ich wehrte mich und biss in diese Schnauze. Und das ganz fest. Das Fauchtier kam irgendwie an mir vorbei und stellte sich vor den Würmelies auf.

Langsam zog ich mich böse knurrend aus dem Loch zurück. Aber nun hatte ich auch eigentlich genug Abenteuer für heute und wollte zu meinem Frauchen zurück.

So ging ich durch den Wald zurück zu der Bank, wo Frauchen auf mich wartete. Und richtig – sie saß noch auf der Bank und machte ihre lustigen Grunzgeräusche! Und mein volles Steinchen war auch noch da!

Als ich gerade dabei war, mein Steinchen leerzuessen, hörten die Grunzgeräusche auf und Frauchen schnappte mich von meinen Steinchen weg. He- ich hatte doch noch Hunger!

Aber sie drückte mich ganz feste, ich bekam kaum noch Luft! Und ihre Augen machten mein Fell ganz nass. Was war denn mit ihr los?

Es war leider der letzte Ausflug, den ich so ganz ohne die Schnur machen durfte. Ab da hatte ich so ein Zeugs um meine Brust, aus dem ich nicht mehr ausbüxen konnte.“

Nun war es schon spät und der „Muttertag“ war vorüber. Wir gingen wieder alle gemeinsam über die geheime Brücke auf unsere Wiese und freuten uns auf unser nächstes Wiedersehen und viele neue Geschichten.

Liebe Grüße euer Teddy

DIE KLEINE MAMA

Hallo liebe Freunde, hier ist wieder euer Teddy.

Heute wurden Hexe und ich wieder einmal zur Brücke gerufen. Wie immer wussten wir nicht, was auf uns zukommen würde. So setzten wir uns an unser Ende der Brücke und warteten.

Nach einiger Zeit sahen wir unseren Neuankömmling. Es war eine kleine Tigerkätzin die eigentlich nur aus einem riesengroßen Bauch bestand. Sie war ganz offenbar trächtig und die Geburt stand ganz kurz bevor. Ganz langsam schlich sie über die Brücke und musste sich immer wieder hinlegen.

Als sie endlich bei uns angekommen war, legte sie sich auf das Gras und schlief sofort ein. Das machen alle unsere „Neuen“ wenn sie hier ankommen. In dem Schlaf legen sie ihre Schmerzen, ihre körperlichen und seelischen Wunden ab und werden auf ihr neues Dasein auf der Wiese vorbereitet.

Hexe betrachtete die kleine Tigerin und ihren Bauch. Sie sagte zu mir, dass sich eigentlich die Kleinen in dem Bauch bewegen mussten. Aber da war nichts. Die Kleinen waren offenbar mit ihrer Mama gestorben.

Das hatten wir noch nie. Wir wussten nicht, was mit den Babys passieren würde wenn ihre Mama wach würde. Würden sie einfach verschwinden? Oder würde die Mama vielleicht nicht mehr aufwachen? Wir konnten nur abwarten...

Nach einer Weile – ihr wisst ja, dass wir hier keine „Zeit“ kennen – wachte die Mama auf und in diesem Moment begann sich ihr Bauch zu bewegen. Sie legte sich auf die Seite und kurz darauf kam das erste Baby aus ihr heraus. Es ging ganz schnell und die Mama-Katze schien keine Schmerzen zu haben. Sie drehte sich zu ihrem Kleinen herum und schleckte es sauber. Dann ging alles ganz schnell. Hintereinander kamen noch fünf Babys aus ihrer Mama heraus und sie kümmerte sich vorbildlich und die Kleinen. Sie legte die Winzlinge an ihre Zitzen und schien unendlich glücklich zu sein. Die fiepten, tranken ihre erste Nahrung bei Mama und schliefen dann ein.

Da erst bemerkte sie Hexe und mich. Ganz verwundert schaute sie uns an und fragte, wo sie denn sei. Das letzte an das sie sich erinnern konnte, war, dass es ihr gar nicht gut ging und dass sich das erste Mal in ihrem Leben freundliche Zweibeiner um sie kümmerten. Sie spürte zarte Berührungen und dann hörte sie nur noch „sie ist gegangen und die Kleinen sind mit ihrer Mama gegangen...“ und dann sah sie den Regenbogen und etwas rief sie über die Brücke.

Wir fragten, wie denn ihr Name sei und ob sie Frauchen oder Herrchen auf der Erde hatte. Sie wusste nicht, was ein „Name“ sei und so erklärten wir ihr, dass sie damit von Frauchen oder Herrchen gerufen worden sei. Sie überlegte kurz und dann sagte sie, dass sie zusammen mit einem Kater bei Zweibeinern gewohnt hätten. Sie wurde von den beiden „Scheisskatze“ und der Kater „Mistvieh“ genannt. Das waren dann wohl ihre Namen.

Wir erklärten ihr, dass das keine richtigen Namen seien. Hier bei uns sollte sie nun einen schönen Namen bekommen und für ihre Babys mussten wir ja auch noch schöne Namen finden. Sie schaute sich um und sah die vielen Blümis um uns herum. Gedankenverloren sagte sie, dass sie gerne so wie die bunten Dingsens heißen möchte. So beschlossen wir, dass sie den Namen „Blümchen“ tragen sollte. Das gefiel ihr sehr gut. Um die Namen der Kleinen wollten wir uns später kümmern.

Die Kleinen schliefen immer noch und so konnten wir noch nicht zu unserer Gruppe zurückgehen. Also fragten wir unser Blümchen wo sie denn hergekommen sei und was sie so früh – denn sie war noch sehr jung – zu uns gebracht hatte.

Sie überlegte kurz, schleckte über ihre schlafenden Jungen und fing dann an zu erzählen:

„Schon als kleine Kitten kamen mein Bruder und ich von unserer Mama weg und wurden zu den beiden Zweibeinern gebracht. Anfangs waren die noch ganz lieb zu uns und wir bekamen auch regelmäßig Fresschen. Wir hatten gemeinsam nur ein Klöchen und da war oft ganz viel Pipi und Kacka drin. Das hat gar nicht gut gerochen.

Als mein Brüderchen das erste Mal kein sauberes Fleckchen mehr in dem Klöchen gefunden hatte und vor das Klöchen sein Pipi gemacht hatte, kam der Zweibeinerkater und nahm mein Brüderchen im Genick und tunkte sein Gesicht in das Pipi und schrie ihn dabei an. Brüderchen bekam ganz viel Angst und versteckte sich. Er traute sich dann nicht mehr in das Klöchen und machte sein Geschäft ab da in irgendwelche Ecken. Ab da wurde es noch viel Schlimmer! Kater wurde nur noch beschimpft und der Zweibeiner schlug ihn und schmiss ihn auch oft durch die Höhle.

Das Klöchen wurde nun noch weniger saubergemacht und ich machte dann auch mein Geschäft irgendwo in der Höhle. Dann wurde ich auch gehauen und mit dem Gesicht durch mein großes und kleines Geschäft geschmiert. Das war so eklig!

Nach einer Zeit wurden wir auf einen kleinen Kasten ohne Deckel vor der Höhle gesperrt. Und da mussten wir ganz lange wohnen. Es gab ein kleines Klöchen, das immer schmutzig war. Fresschen und Trinken war nicht immer da. Ab und zu bekamen wir einen Napf voll Futter, der dann aber auch für uns beide lange ausreichen musste. Wir hatten viel Hunger und oft kam Wasser von oben und wir konnten uns nirgends verstecken. So kuschelten wir uns zusammen und warteten, dass wir wieder in die Höhle durften. Aber wir konnten zwar in die Höhle hineinschauen und sahen, dass die beiden Zweibeiner auf ihrem Sitzkasten sassen. Sie hatten nun ein neues Tier bei sich sitzen, das von den beiden gekuschelt und mit Leckerlies gefüttert wurde.

Dann kam der Tag, an dem es mir ganz komisch war. Es zwickte und zwackte und mein Brüderchen roch plötzlich ganz anders für mich. Irgendwie – gut...: Ich rollte mich auf dem schmutzigen Boden hin und her und mein Brüderchen machte plötzlich Sachen mit mir, die mir nicht gefielen. Das tat mir so weh. Aber irgendwann war das auch vorbei und wir kuschelten wieder zusammen.

Aber irgendwas war merkwürdig. Ich spürte, dass da irgendetwas in mir anders war. Irgendetwas – wuchs in mir. Was war denn das? Ich hatte auch viel mehr Hunger und es störte mich plötzlich, wenn mein Brüderchen mit mir kuscheln wollte. Mein Bauchi wurde immer dicker, obwohl wir doch fast nichts zum Essen bekamen.

Nach einiger Zeit wurde mein Brüderchen immer stiller und schlief ganz viel. Ich merkte auch, dass mit mir irgendetwas nicht in Ordnung war. Ich wurde immer schwächer und mir war schrecklich heiß. Und das Gezappel in meinem Bauch, was ich in der letzten Zeit immer gespürt hatte, wurde immer weniger. Ich hatte auch gar keinen Hunger mehr. Wollte nur noch schlafen.

Brüderchen war nun ganz still geworden und ich stupste ihn an, aber er reagierte nicht. Da ging plötzlich die durchsichtige Wand zu der Höhle auf und der Zweibeiner schaute sie Brüderchen an und sagte „das Mistvieh ist verreckt, aber die Scheisskatze lebt noch. Wir bringen die ins Tierheim, sollen die doch sehen, wie sie die durchbringen!“

So stopften sie Brüderchen und mich in einen kleinen Kasten mit Stäbchen davor und dann rumpelten sie mit ihrem Brumsdings eine Weile herum. Dann war plötzlich Ruhe und der Kasten wurde irgendwo hingestellt.

Brüderchen lag neben mir und ich spürte, dass er nicht mehr bei mir war. Ich war auch ganz schwach und das Zappeln in mir hatte ganz aufgehört. So schlief ich auch ein.

Ich wachte auf, als der Kasten wackelte und Stäbchen sich öffneten. Irgendetwas hob mich heraus und ich hörte von ganz weit weg eine ganz liebe Stimme. „Dem kleinen Kater können wir nicht mehr helfen, aber vielleicht ist die Kleine noch zu retten. Sie ist schwanger, aber ich spüre die Babys nicht.“ Dabei streichelte die Zweibeinerin mich und irgendetwas machte mein Fell ganz nass. Aber ich hatte keine Angst und fühlte mich geborgen.

Und dann sah ich den Regenbogen...!“

Die Kleinen waren nun wach und nun mussten wir sehen, wie wir die kleine Familie zu unserer Gruppe bekommen. Da tauchten Hanibal und Schildie auf. Irgendetwas hatte ihnen gesagt, dass wir Hilfe brauchen. Aber so ist das hier. Es braucht keine Worte...

Gemeinsam nahmen jeder von uns ein Kleines im Genick und trugen sie zu unserer Gruppe. Da angekommen, legte sich Blümchen sofort wieder auf die Seite und die Babys kuschelten sich an die Zitzen und tranken. Alles schien nun in Ordnung zu sein.

Aber Blümchen schien unruhig zu sein. Dauernd hob sie ihr Köpfchen und schnupperte. Dann sprang sie plötzlich auf und schaute sich um. Wir schauten auch, aber da war nichts!

Doch in einiger Entfernung sahen wir einen Kater sitzen. Ein Tiger. Und er schaute zu uns herüber. Und Blümchen schaute zu ihm. Dann lief sie zu ihm und schnupperte an ihm. Und dann brachte sie ihn zu uns.

Es war ihr Brüderchen!

Er sollte nun auch einen richtigen Namen bekommen. Blümchen meinte, dass Rainbow doch schön sei und er fand das auch. So war das beschlossen.

Nun hatten wir auf einen Schlag sieben neue Mitglieder in unserer Gruppe. Aber es würde wahrscheinlich so sein, dass Rainbow und Blümchen mit den Kleinen in absehbarer Zeit eine eigene Gruppe gründen würden.

Aber bis dahin waren sie ein Teil von uns!

Gute Nacht, euer Teddy

MUSCI

Hallo meine Lieben Zweibeinerinnen und Zweibeiner.

Heute komme ich mit einer ungewöhnlichen Geschichte zu euch. Dazu muss ich euch zuerst etwas erzählen:

Frauchen und ich freuen uns immer sehr, dass mittlerweile so viele von euch meine Geschichten mögen. Jedes Mal, wenn ich Frauchen eine neue Geschichte erzählt habe und sie die für euch getippselt hat, schreiben viele von euch ganz liebe Worte unter die Geschichte. Viele fühlen sich an ihre Tiere erinnert und oft soll ich Grüße ausrichten.

Woher ich das weis? Wenn Frauchen eure lieben Worte liest, spricht sie immer mit mir. Und oft besuche ich sie dann und schaue ihr über die Schulter. Sie scheint das zu bemerken und liest mir dann eure Worte vor. Das sind immer ganz besondere Momente.

Aber dann kam dieser Tag, an dem Frauchen die – wie sie sagt – Kommentare las und sie ganz still wurde. Ich spürte hier oben, dass etwas sie ganz besonders berührte und machte mich auf den Weg zu ihr weil ich wusste, dass sie mich jetzt braucht.

Sie saß an ihrem Tippselkasten und es lief Wasser aus ihren Augen. Behutsam schleckte ich einen Tropfen weg und sie sagte „Teddy, wenn Du mich hörst, hilf bitte“

Und dann fing sie an vorzulesen:

„Lieber Teddy, Ich habe als Kind eine ganz schlimme Geschichte erlebt, die ich bis heute nicht verwunden habe, und für die ich mich immer noch verantwortlich fühle. Könntest du für mich im Regenbogenland die kleine Katze Musci (mit langem U!) und ihre 4 Babys suchen?? Vielleicht könnte ich dann meinen Frieden damit machen und Musci den ihren finden . Ich erzähle dir, was vor über 40 Jahren passiert ist. Ich war 6 Jahre alt und wie jedes Jahr mit meinen Eltern die Sommerferien über auf Mallorca. Meine Eltern hatten ein Lieblingsrestaurant, in das wir regelmäßig einkehrten. Ein altes Mallorquinisches Landhaus mit tollem Garten zum Sitzen. Betrieben von einem Deutschen Ehepaar und ein Mallorquinisches Paar arbeitete in der Küche. Besonders freute ich mich immer auf die "Hauskatze" Musci. Eine wunderschöne weiße Katze mit grauen Tigerflecken. Schon damals gab es für mich nichts schöneres als Katzen. Auch an diesem schicksalhaften Tag rannte ich Musci nach, krabbelte ihr unter den Tischen hinterher. Aber sie hatte keine Lust zum Spielen und als ich sie zu sehr bedrängte, kratzte sie mir quer übers Gesicht. Ich hab gebrüllt wie am Spieß und alle kamen sofort angelaufen. Nach dem ich "versorgt" war ( war nur ein oberflächlicher Kratzer) und mich beruhigt hatte, schlich ich hinters Haus um zu sehen wo Musci geblieben war. Da sah ich den Koch, wie er sie am Nackenfell hielt und in einen gemauerten Schacht mit Holzdeckel warf. Und ihre 4 kleinen weißen Babys hinterher.... seine Frau stand in der Küchentür, die Hände vor das Gesicht geschlagen. Und als sie aufschaute traf mich ihr Blick. Voller Hass und Trauer. Der Schacht war die Zisterne... Ich habe erst später realisiert, was dort wirklich passiert ist. Als ich wieder bei meinen Eltern am Tisch saß, brachte mir die Wirtin ein "Trost- eis". Der Koch erschien bei uns am Tisch und sagte: Musci fue a la piscina! Musci ist ins Schwimmbad gegangen. Ich habe das nie vergessen und fühle mich unendlich traurig und schuldig. Bitte suche sie im Regenbogenland und sage ihr, dass ich das nicht gewollt habe und es mir unendlich leid tut. Das haben Sie und Ihre Babys einfach verdient. Ganz liebe Grüße und vielen Dank für all die wunderbaren Geschichten von C.“

Nachdenklich kehrte ich zurück zu unserer Gruppe und die anderen bemerkten sofort, dass etwas nicht stimmte.

So erzählte ich von dem schlimmen Erlebnis der lieben Zweibeinerin und wir entschlossen uns, dass wir die kleine Musci und ihre Kinder suchen müssten!

Aber wie sollten wir das anstellen? Unsere Wiese war riesig und es gab unzählige Tiere.

So trugen wir das Wenige, was wir wussten zusammen. Wo sie auf der Erde gewohnt hatten, wie sie aussahen und wann das Unglück geschehen war. Wobei das eigentlich keine Rolle spielte, den Zeit war bei uns nicht wichtig.

So teilten wir uns auf und machten uns auf den Weg. Hanibal hatte noch die Idee, dass er den „Katzenmann“ auf der ewigen Wiese aufsuchen würde und da der eine riesengroße Katzengruppe hatte, kannte vielleicht eine von ihnen unsere gesuchte Musci.

Ich ging mit Hexe und Kalli los und trafen unterwegs viele Gruppen und erzählten unsere Geschichte.Und alle wollten helfen und nach der gesuchten Musci Ausschau halten.

So wanderten wir über die Wiese und suchten. Wir bekamen viele Hinweise, aber alle erwiesen sich als falsch.

Wir hatten schon fast die Hoffnung verloren, da sahen wir Hanibal und Schildie, die auf Poco saßen, herangeflogen. Als sie bei uns ankamen, sprangen sie von Poco herunter und berichteten uns aufgeregt, dass der Katzenmann ihnen von einer großen Katzengruppe erzählt hatte, die alle von diesem „Mallorca“ stammten. Vielleicht konnten wir Musci und ihre Kinder dort finden.

Wir sprangen alle auf den Rücken von Poco und irgendwann kamen wir zu einer großen Gruppe, in der nur Katzen von diesem „Mallorca“ waren. Die meisten hatten nie ein Zuhause gehabt. Sie lebten von dem, was ihnen die Zweibeiner hinwarfen.

Oft kamen auch Zweibeiner, die ganz doll lieb zu den Katzen waren und ihnen leckeres Fresschen und viele Schmuseeinheiten gaben. Aber die waren nach kurzer Zeit dann auch wieder weg. Aber das ist eine andere Geschichte...

Wir teilten uns auf und fragten jeden in der Gruppe nach Musci und ihren Kindern. Und plötzlich stand da direkt vor mir eine wunderhübsche weiße Katzen mit Tigerflecken und hinter ihr vier schneeweiße Katzenkinder.

„Hallo, ich bin Musci. Ich habe gehört, ihr sucht mich?“