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Nach den Büchern der Erlebnisse von ihrem Seelenkater Teddy im Regenbogenland - "die ewige Wiese" und "die geheime Bücke" erzählt die Autorin in diesem Buch von für uns Zweibeiner alltäglichen Situationen und von Erlebnissen mit ihren Fellnasen. Doch nach ihren Erzählungen kommen die Fellnasen zu Wort. Jede einzelne hat ihren eigenen Charakter und dementsprechend erlebt jede von ihnen die verschiedenen Situationen ganz anders als Frauchen. Da werden Staubsauger zu gefräßigen Monstern, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit an die Wand gefesselt werden müssen. Nussmühlen mutieren zu armen Tieren, die mit ihrem einzigen Bein an den Tisch geschraubt werden, damit sie nicht umfallen. Die Fellnasen erleben Abenteuer mit merkwürdigen Tieren, die in der Luft stehen können und komisch knattern. Sie halten zusammen gegen böse Katerfeinde und Kalli liebt die Pfotenschoner des Nachbarn, weil die so gut riechen und er immer so schön träumt, wenn er den Kopf hineinsteckt... Ihr werdet eure Fellnasen auf vielen Seiten wiedererkennen, aber ihr werdet sie vielleicht nach der Lektüre des Buches auch besser verstehen.
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Seitenzahl: 716
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Mummel und Jeannie
Das neue Zuhause
Die neue Freiheit
Die Rotbuche
Hanibal Lecter
Tomtom und Filou
Traurige Ereignisse
Ein neuer Weg
Karoline
Auf Freiersfüßen
Papa Hanibal
Mausi und Hexe
Kinderstube
Weisskittel
Frei!
Hexe ist weg
Geschenke
Klein Hanibal
Der Retter
Jeannie
Gewitter im Kopf
Schnee
Trennung
„Heimkehr“
Ausbruch
Die neue Freiheit
Revierkampf
Unfreiwilliger Ausflug
Mitbringsel
Bedrohte Tierwelt
Pieks!
Verwüstung
Zusammenhalt
Neue Nachbarn
Diebe
Mausi und Säftel
Advent, Advent, der Kater brennt
Mummelchen
Ein ganz normaler Tag
Gefahr!
Schuhklau
Mausi
Graf Zahn
Lazarus
Treppauf Treppab
Der Osterhase kommt
Frühjahrsputz
Grillabend
Die weisse Pracht
Das Raubtier
Schrecken
Fliegen
Die neuen Lappen
Das letzte Kapitel
Mein neuer Partner hat zwei Katzen, was mich etwas über den Tod meiner Seelenkatze Hexe tröstet, die ich im stolzen Alter von 26 Jahren über die Regenbogenbrücke gehen lassen musste. Ich wusste, dass mir meine Hexe vom Regenbogenland aus zuschaut und sagte in Gedanken zu ihr: „Du bist immer in meinem Herzen, aber das Leben geht weiter, und jetzt muss ich meine Abenteuer ohne Dich erleben.“
Jeannie und Minka - die Zwei sind nun mittlerweile seit über acht Jahren zusammen, scheinen aber verschiedene Sprachen zu sprechen. Minka - Mummel – ist eine ganz verschmuste und ein wenig einfach gestrickte Katze. Jeannie dagegen ist sehr reserviert und nur schmusig, wenn sie es will. Sie ist auf alle Fälle die Clevere und die Chefin von beiden. Minka ist ein ganz zartes Tigermädchen mit etwas - na ja... - Übergewicht und einem ganz lieben Gesicht. Jeannie sieht mit ihrer extrem dunklen Schildpattzeichnung und den wunderschönen bernsteinfarbenen Augen ziemlich unheimlich und immer etwas ernst aus.
Minka war gleich zu Beginn sehr zutraulich. Sie ist eine richtige kleine Schmuserin. Ihr Wichtigstes ist lecker essen und vor allem durch die Gegend getragen werden und schmusen. Sie freute sich immer, wenn ich freitags abends auftauchte und dann wurde sie zuerst durch die Wohnung getragen. So etwa nach zehn Minuten musste ich sie doch wieder absetzten, weil mir sonst die Arme abgebrochen wären. Ich schätze, dass sie damals so ungefähr 9 Kilo wog.
Die Begrüßung von Jeannie bestand in den ersten drei Monaten darin, dass sie mich anfauchte und sich dann verzog. Dann kam sie das ganze Wochenende nur zum Essen und Klo gehen hervor. Ich habe versucht, sie mit den leckersten Dingen zu bestechen, aber sie hat ihren eigenen Kopf. Gut, dann ließ ich sie eben ganz in Ruhe und einfach links liegen, auch wenn mir das sehr schwer fiel.
Irgendwann lagen wir abends auf der Couch und plötzlich saß Jeannie neben uns. Sie machte gar nichts und beobachtete uns. Ich habe sie weiter ignoriert, nur mein Freund hat sie leicht im Genick gekabbelt. Sie hat das zwar sichtlich genossen, mich dabei jedoch nicht aus den Augen gelassen. Aber den ersten Schritt hatte sie getan.
Nun wurde sie von Wochenende zu Wochenende zutraulicher. Ich durfte beim nächsten Besuch schon mal anfassen. Sie war zwar skeptisch und schnurrte auch nicht, aber sie fauchte wenigstens nicht mehr.
Mummel dagegen schmiss sich vor lauter Liebe nur so durch die Gegend. Mein Freund war leicht hektisch und die kleine Dicke erschrak oft. Bei mir fand sie offenbar die Ruhe, die sie brauchte.
Irgendwann beschlossen wir, zusammenzuziehen und ich freute mich darauf. Auch darauf, dass ich die beiden Fellies bald jeden Tag um mich haben würde, aber sie waren nun einmal nicht MEINE Katzen, sondern seine, auch wenn ich die beiden sehr lieb gewonnen habe.
Aber sie ersetzten mir nicht meine Hexe. Diese Wunde wird niemals richtig zuheilen
Jeannie …
So lange wohnen wir jetzt schon hier und sind zufrieden! Ich habe mich an diese etwas einfältige Artgenossin gewöhnt, die Herrchen mit mir zusammen aus diesem „Tierheim" geholt hat. Ich toleriere sie, auch wenn sie manchmal an mir rumschlecken will. Dann gehe ich einfach weg, ich mag das nicht!
Wir haben einen schönen Platz draußen vor unserem großen Zimmer, wo wir in der Sonne liegen können. Das Dussel latscht mir immer nach, aber ich mache doch mein Ding. Wenn ich will, kann ich Herrchen ärgern, in dem ich mal eben abhaue. Natürlich nur nach nebenan, ich hab es ja gut hier! Aber Herrchen wird dann immer so schön hysterisch! Ich verstecke mich und gehe dann immer irgendwann nach Hause. Dann ist er so froh, so dass ich die besten Leckerlies bekomme.
Jetzt hat er plötzlich eine neue Zweibeinerin nach Hause gebracht. Die letzte ist schon sehr lange weg, da waren wir noch ziemlich jung. Aber im Gegensatz zu der letzten riecht die hier sehr interessant! Hm, den Geruch kenne ich noch aus dem „Tierheim", die riecht nach einer Artgenossin.
Mummel schmeißt sich natürlich gleich ran! Ich fauche erst mal! Aber die Zweibeinerin lässt sich gar nicht abschrecken. Sie geht einfach weg und schmust mit Mummel. Gut, soll Sie, ich habe mein Herrchen! Er versteht das auch sofort und krabbelt mich. Mmmmmmh, was brauchen wir wieder so ´ne komische Zweibeinerin? Die macht Herrchen nur wieder traurig...
Ähhh, was wird das denn? Herrchen geht zu der Neuen und kümmert sich nicht mehr um mich? Der krabbelt die!.Ich beschließe, zu verschwinden, wenn sie kommt. Wäre doch gelacht, wenn ich die nicht vertreiben kann!
Die kommt jetzt oft. Gut, sie bringt mir immer Leckerlis mit und redet auch sehr lieb zu mir. Außerdem mögen sie Mummel und vor allem Herrchen auch sehr. Ich schaue sie mir doch mal aus der Nähe an.
Na ja, einiges ist ja schon schön mit der „Neuen". Sie bringt Herrchen bei, dass unsere Näpfe vor neuem Fresschen sauber gemacht werden müssen. Die haben immer gerochen...! Außerdem hat sie das böse Streu, das immer so an den Pfoten wehgetan hat, ausgetauscht. Das Neue ist schön weich und macht schöne Piselkugeln und es riecht gar nicht mehr. Toll! Da kann man prima drin rumgraben. Und Herrchen hat auch gelernt, dass das Klo jeden Tag sauber gemacht wird. Früher waren da immer viele Piesels und Kackas drin, das war ziemlich eklig...
Außerdem bekommen wir nicht mehr nur dieses Stinkefutter aus den großen Dosen, sondern lecker Essen, das auch gut riecht und noch besser schmeckt.
Alles in allem tut das neue Frauchen meinem Herrchen und uns gut.
Gut, akzeptiert, aber Herrchen bleibt meiner!
Minka
Ich habe ein neues Frauchen! Irgendwann kam sie, ich weiß nicht mehr genau wann, aber sie war einfach da.
Sie ist so lieb zu mir, ganz anders als die andere Katze, die schon so lange bei uns wohnt und immer böse mit mir ist. Nie darf ich sie abschlecken und nie darf ich bei ihr liegen. Und wenn sie bei Herrchen liegt, darf ich auch nicht dazu. Mein Herrchen ist auch sehr lieb zu mir, aber ich fühle mich immer ein wenig alleine
Das ist jetzt anders. Wenn mein neues Frauchen kommt, nimmt sie mich auf den Arm und trägt mich durch die Gegend. Dabei krabbelt sie mich und redet mit ihrer leisen Stimme mit mir. Und sie pustet mir in meine Fell an meinem Rücken, das ist schon warm und tut so gut.
Anfangs ist sie nicht jeden Tag dagewesen, aber jetzt ist sie immer hier und ich darf auch nachts in ihrem Bett schlafen. Und jetzt gibt es jeden Tag frisches und leckeres Fresschen, immer etwas Neues. Das ist so schön, ich habe doch immer so viel Hunger! Die andere Katze faucht auch nicht mehr, wenn sie Frauchen sieht, sondern lässt sich jetzt auch mal kraulen. Hoffentlich mag mich Frauchen auch noch, wenn diese „Tschiniee“ jetzt nicht mehr böse zu ihr ist…
Lange haben wir gesucht und nun haben wir es gefunden: Unser gemeinsames Heim. Ein schönes Haus mit einem großen Garten in einer ruhigen Gegend. Rundum nur Gärten, ideal für unsere beiden Mädels, die bis jetzt nur den Balkon kannten und jetzt die Freiheit kennenlernen werden.
Nun liegt viel Arbeit vor uns. Ich bin ein letztes Mal in Frankfurt und viele Freunde helfen, meine Möbel und Kisten im LKW zu verstauen. Als ich mit meinem Wagen losfahre, schaue ich unweigerlich in den Rückspiegel. Aber da ist ja keine Hexe mehr auf der Ablage. Ich gehe diesen Weg alleine ... aber mit Hexe im Herzen! Es ist jetzt ein Jahr her, aber der Schmerz hört nicht auf!
Das Haus ist eingerichtet, nun holen wir Mummel und Jeannie aus der Wohnung meines Freundes ab. Unsere beiden Miezen sind bislang nur eine kleine Zweizimmerwohnung mit einem Balkon gewöhnt. Mal sehen, wie die beiden reagieren.
Wir setzen die beiden in ihre Transportkörbe. Wie erwartet, ist das bei Mummel ganz einfach. Sie schaut voller Vertrauen in mein Gesicht und lässt sich brav in ihr Körbchen setzen. Bei Jeannie ist es doch „etwas" schwieriger ... sie wehrt sich mit Zähnen und Krallen. Es geht dann schließlich doch mit einem Handtuch, das wir ihr über den Kopf legen.
Nun sind die beiden eingezogen und entdecken ihre neue Welt. Zu Anfang ist tiefe Gangart angesagt. Treppen kennen die beiden gar nicht, und schon gar nicht solche, die offen sind. Es dauert mehrere Anläufe, bis es mal nach oben geht.
Nach drei Wochen im neuen Heim machen wir die Terrassentür auf. Die beiden haben sich mittlerweile eingelebt und nun wollen wir es mit der Freiheit probieren.
Wir lassen den beiden Zeit. Meine Hexe wäre sofort on Tour gegangen. Aber die beiden bleiben drin! Ganz vorsichtig gehen sie zur Tür, aber sie trauen sich nicht raus, obwohl wir beide draußen sitzen. Irgendwann traut sich Jeannie über die kleine Schwelle...sie schaut sich auf der Terrasse um und geht nur bis zum Rand, an dem der Rasen anfängt. Sie kennt ja nur den Balkon und den Steinbelag, wahrscheinlich meint sie, dass es da nicht weitergeht. Sie legt sich in die Sonne und geht dann irgendwann wieder rein.
Bei Mummel dauert es länger. Immer wieder nimmt sie Anlauf und schaut sehnsüchtig nach Jeannie und uns, aber sie traut sich nicht raus. Es dauert einen Tag, bis sie endlich rauskommt. Sie tapst ganz vorsichtig bis zu uns und Schwupps, sitzt sie auf meinem Schoß. Sie schaut mich an, als wollte sie sagen: Gell, das hab ich gut gemacht! Sie ist richtig stolz auf ihren mutigen Ausflug!
Mummel...
In den letzten Tagen ist hier alles ganz komisch! Unser neues Frauchen mit der schönen leisen Stimme, die immer die besten Leckerlies hat und an die ich mich immer so schön rankuscheln kann ist jetzt ganz oft da. Das ist schön, ich habe sie richtig lieb! Mein Herrchen ist zwar mein allerliebster, aber Frauchen kommt gleich danach!
In den letzten Tagen haben die beiden immer beieinander gesessen und in den großen Papierbögen gewühlt, aus denen Frauchen mit immer so nette Kügelchen macht, mit denen ich dann spielen kann. Dann haben sie mit einem kleinen Ding bunte Striche in die Papierbögen gemalt und danach in das kleine schwarze Brettchen gesprochen. Dann sind sie immer weggefahren und sind meist ziemlich enttäuscht zurückgekommen. Ich musste sie dann immer trösten, indem ich mich von Frauchen herumtragen ließ. Na ja, so ein großes Opfer war das nicht für mich.
Heute haben sie wieder mit dem Brettchen gesprochen und sind dann weggefahren. Nach einiger Zeit - es war ziemlich lange, ich habe schon wieder großen Hunger - sind sie zurückgekommen und Frauchen hat mich hochgenommen und mir erzählt, dass wir „zusammenziehen" und ein „Haus" haben. Aha, keine Ahnung, muss aber was Tolles sein, also freue ich mich und schnurre ganz arg.
Ich gehe zu Jeannie und will ihr erzählen, dass da irgendwas Schönes auf uns zukommt, aber sie ist wie immer mürrisch zu mir und knurrt mich an. Warum macht sie das nur, ich will doch nur lieb zu ihr sein...
Frauchen ist nun schon einige Tage nicht hier gewesen. Ich mache mir Sorgen, dass sie nicht wiederkommt. Herrchen ist auch ganz komisch. Dauernd schleppt er große Kartons an, in die er seine ganzen Sachen reinsteckt. Dann sind fremde Leute in der Wohnung, die sich unsere Möbels anschauen und manches mitnehmen. Ich verstehe das alles nicht und will Jeannie fragen, aber die hat sich wieder mal verkrümelt, da störe ich sie besser nicht. Ich bin ganz verwirrt und Herrchen hat auch gar nicht so viel Zeit wie sonst. Dauernd ist er weg und erzählt was von „Haus renovieren". Das hier macht mich ganz durcheinander, ich habe ein wenig Angst, aber ich weiß nicht genau, wovor...
Unsere Wohnung ist nun ziemlich leer. Ganz ungemütlich! Nur die Couch und Herrchens Bett stehen noch da. Aber da kommt endlich Frauchen wieder und trägt mich durch die leere Wohnung. Sie sagt zu mir, dass wir nun in unser „Haus umziehen". Scheint schön zu sein, sie freut sich so. Nun trägt sie mich zu dem Korb, in dem ich immer zu dem Mann mit den Pieksern gefahren werde. Aber der ist ja eigentlich immer ganz lieb zu mir, deshalb macht mir das nichts aus. Ich lege mich in das Körbchen und will ein wenig schlafen.
Aber das geht nicht! Herrchen will Jeannie auch in ihr Körbchen legen, aber die schreit wie verrückt und tut Herrchen weh. Er hat schon die dicken schwarzen Hände angezogen, aber Jeannie wehrt sich wie verrückt. Was die nur immer hat! Frauchen kommt nun mit einem Händeabwischlappen und legt ihn Jeannie über den Kopf und nun kann Herrchen sie endlich in den Korb setzten. Endlich Ruhe! Aber nein, sie schreit in dem kleinen Häuschen, das auf Rollen steht und Krach macht, immer noch rum.
Dann sind wir endlich angekommen. Aber hier sieht es irgendwie ganz anders aus, als bei dem Pieksemann! Einiges ist mir vertraut, das hat auch in unserer Wohnung gestanden. Aber das meiste ist fremd! Und es riecht komisch! Irgendwie nach Frauchen, aber auch noch anders, vertraut und doch fremd. Jetzt hab ich´s: Eine Artgenossin. Hm, vielleicht eine, die lieb zu mir ist? Ich schnüffel alles ab und suche, aber da ist nichts. Frauchen kommt zu mir und nimmt mich auf den Arm. Sie sagt: „Na Mummel (so heiße ich jetzt auch...) suchst du meine Hexe? Die ist leider jetzt im Regenbogenland." Dabei läuft ihr Wasser über das Gesicht und sie ist anscheinend sehr traurig. Ich schmiege mich ganz eng an sie und das scheint sie zu trösten.
Ich habe jetzt alles abgesucht und keine „Hexe" gefunden. Das „Regenbogenland" ist wohl doch weiter weg. Gut, dann erkunde ich mal hier die neue Wohnung. Scheint jetzt unser Zuhause zu sein. Ich versuche, Jeannie zu überreden, dass sie mit mir zusammen guckt, aber die will nicht. Sitzt unter der Couch und will in Ruhe gelassen werden.
Die Wohnung ist ja nicht groß! Da bin ich schnell fertig mit umschauen. Aber da sind in der Wand so komische Bretter, die gehen nach oben und nach unten. Da kann man durchschauen. Aber sie scheinen ganz fest zu sein, Frauchen und Herrchen treten da immer drauf und verschwinden dann irgendwo oben oder unten. Hm, geht es da etwa weiter? Aber ich trau mich nicht...
Jeannie ist mittlerweile unter ihrer Couch vorgekommen und schaut sich auch um. Sie hat die Bretter auch entdeckt und steht auf dem unteren Brett. Aber sie traut sich auch nicht! Ha!
Das hat sie wohl gehört! Sie dreht sich um, schaut mich wieder mit dem überheblichen Blick an, der mich so einschüchtert und läuft einfach hoch. Hm, kann ich das auch? Ich will ja schon wissen, was da oben ist. Also, ganz vorsichtig auf das erste Brett. Hält! Aber da ist hinten keine Wand, da kann man runterschauen. Oh je, da geht es ja ganz tief runter, da sind ja auch noch Bretter an der Wand, die nach unten gehen. Was ist denn das für eine komische Wohnung? Aber das ist erst mal egal, ich will jetzt auch mal wissen, was da oben ist. Trau ich mich? Ja, jetzt oder nie, Augen zu und hoch, aber ganz vorsichtig! Nach ganz langer Zeit bin ich oben angekommen. Ui, da sind ja noch viele Zimmer! In dem einen ist das komische Ding, in dem Frauchen und Herrchen immer mit Wasser bespritzt werden und das andere, das immer rauscht, wenn sie draufsitzen. Ich glaube, das ist so was wie unser Klöchen, aber so eins will ich nicht!
Und da ist noch ein Zimmer, das kenne ich, da sitzt Herrchen immer an so einem großen Tisch vor einem Lichtbrett und drückt auf komische Knöpfchen auf so einem anderen Brett. Da leg ich mich immer drauf und dann freut er sich! Gut, kenn ich.
Da ist ja auch mein Schlafzimmer! Aber das Bett kenn ich nicht. Viel größer als das in unserer Wohnung. Aber schön. Und es riecht auch nach der Artgenossin. Das werde ich gleich mal ändern, ich lege mich hin und schlafe auch gleich ein, war ja auch alles sehr aufregend!
Als ich aufwache, liegt Jeannie auf der anderen Seite im Bett. Aber ich traue mich nicht zu ihr, sie sieht mich schon wieder aus ganz kleinen Schlitzen an und grollt leise. Gut, sehe ich mich mal alleine weiter um.
Da gehen ja noch mehr Bretter nach oben...jetzt traue ich mich und schleiche hoch. Da ist ja Frauchen! Schön, sie freut sich mich zu sehen und nimmt mich gleich auf den Arm und zeigt mir alles. Hier ist unsere Couch aus der alten Wohnung, da freue ich mich! Und Frauchen hat auch so einen Fernseher mit Knöpfchenbrett auf einem riesengroßen Tisch. Sie erzählt mir, dass sie jetzt oft zu Hause arbeiten wird.
Wir sind jetzt schon ganz lange hier und Herrchen und Frauchen sitzen oft hinter der durchsichtigen Wand auf schönen Stühlen unter einem bunten Dach, aber wir dürfen nicht raus. Jeannie ist schon ganz sauer und motzt rum, aber ich bin nur traurig, dass ich nicht dabei sein darf.
Heute ist plötzlich die Wand auf! Aber irgendwie unheimlich ist das schon! Unsere alte Sonnenplatte hatte an den Rändern so eine Wand, wo man nicht weiterkonnte, aber hier kann man ganz weit gucken. Komisch, ich trau mich nicht...
Jeannie traut sich wieder mal zuerst! Ich ärgere mich, dass immer sie die Mutige ist, aber ich kann nun mal nicht anders. Sie geht bis zum Rand und zu dem komischen grünen Ding, das nicht nach oben geht, sondern nach hinten und legt sich dann hin. Morgen probiere ich das auch, heute guck ich mir das noch an...
Ich habe es getan! Ich bin draußen. Es ist so schön, aber auch komisch, man kann so weit gucken, das war in der alten Wohnung nicht so. Ob das weh tut, wenn man auf das Grüne tritt? Das lasse ich lieber mal Jennie probieren.
Jetzt lege ich mich erst mal auf Frauchens Schoß und freue mich, dass ich so mutig bin!
Wir haben uns mittlerweile gut in unserem neuen Zuhause eingelebt. Dadurch, dass ich viel von zu Hause arbeiten kann und nur ein- bis zweimal in der Woche zu Terminen nach Frankfurt fahre, bin ich für meine kleine Bande fast die ganze Woche da.
Mummel liegt – wenn ich oben in meinem Büro bin, immer bei mir auf dem Schreibtisch. Jeannie ist zwar immer etwas reserviert, aber das liegt wohl in ihrem Wesen. Sie kommt wenn sie möchte und schmust dann auch mit mir.
Aber das Größte für die Beiden ist der Garten. Nachdem sie herausgefunden haben, dass man auch auf dem Rasen laufen kann, toben die beiden den ganzen Tag durch das Gras. Und das Schöne ist, dass sie sich nur auf unserem Grundstück aufhalten. Der Zaun ist die Grenze.
Die beiden fühlen sich sichtlich wohl, sie wälzen sich auf dem Rasen und fangen Fliegen, Schmetterlinge und allerlei anderes Getier. Wenn ich das beobachte, muss ich immer an meine Hexe denken, wenn sie etwas gefangen hat und mir das als Geschenk brachte. Wie sie sich immer gefreut hat, wenn ich irgendwelchen Mäusen hinterhergejagt bin und sie anschließend gelobt habe. Das machen die beiden gar nicht. Sie fangen und – fressen!
Bei schönem Wetter nehme ich mir das Laptop und das Telefon mit auf die Terrasse und arbeite dort. Den beiden gefällt das offenbar auch, denn wenn ich oben im Büro bin, dürfen die beiden nicht raus. Ich habe noch etwas Angst, die beiden Stubentiger alleine rauszulassen. Aber wenn ich draußen arbeite, dann können Mummel und Jeannie den ganzen Tag rein und raus wie sie wollen.
Heute ist wieder so ein schöner Sommertag und ich richte mich häuslich mit allem auf der Terrasse ein. Es lebe die Technik, wer hat schon den Luxus, seine Arbeit in so schöner Umgebung verrichten zu können! Die beiden sind auch direkt mit mir raus und Mummel liegt neben mir auf dem anderen Sessel und Jeannie ist wieder mal unter ihrem geliebten Rosenstrauch.
Plötzlich stolziert ein wunderschöner schwarzer Kater über unser Grundstück. Den habe ich hier noch nie gesehen, aber vor kurzem sind neue Nachbarn eingezogen, vielleicht gehört der dahin? Mummel sieht ihn und rennt sofort ins Haus. Jeannie dagegen höre ich durch den ganzen Garten knurren. Sie steht wie eine Salzsäule und macht einen großen Buckel und stellt den Schwanz. Oh je, jetzt gibt´s gleich Fetzerei! Aber der Große schaut nur kurz hin, markiert (gottlob sind unsere beiden kastriert!), hüpft über den Zaun und verschwindet.
Jeannie findet das offenbar hochinteressant! Sie schnüffelt erst mal an der Markierung und geht dann an den Zaun. Bislang hat sie ihn als „Wand“ akzeptiert...aber nun schaut sie sehr interessiert auf das Nachbargrundstück. Sie geht auf die Hinterbeine und stellt die Vorderbeine an den Zaun.
Ich rufe sie und sie schaut auch zu mir. Als ich langsam zu ihr hingehe und sie locke, schaut sie mich nochmal an und – hüpf – ist sie über den Zaun. Ich rufe sie, aber sie ignoriert mich total. Mal schauen: Die Nachbarn sind nicht zu Hause. Also klettere ich auch über den Zaun und bleibe prompt an den Rosen nebenan hängen. Autsch! Aber Hängenbleiben ist nicht alles, ich stolpere vor Schreck und stürze in einen wunderschönen Zierstrauch und im Fallen nehme ich auch noch ein paar Blumen mit. Mist! Ich habe ein halbes Blumenbeet verwüstet!
Jeannie sieht sich meinen Heimholversuch in Ruhe an und bewegt sich in Richtung nächster Zaun. Schnuppern und - hüpf – drüber! Ich bekomme fast einen Herzanfall. Wenn mein Freund nach Hause kommt und seine Jeannie ist weg bekommt der einen Schreikrampf. Ich muss sie wiederfinden! Aber ich kann doch nicht durch fremde Gärten laufen...! Hinter unseren Gärten geht ein kleiner Weg entlang, dahin führt eine Gartentür. Dafür haben wir auch einen Schlüssel. Wo ist der???? Ich suche und finde ihn nicht! Ist Klar! Also: drüber klettern! Ratsch – jetzt ist mir die Hose geplatzt! Ist jetzt auch egal, ich muss Jeannie finden. Ich renne den Weg auf und ab und rufe Jeannie. Einige Nachbarn, die in ihren Gärten arbeiten sind natürlich schon auf mich aufmerksam geworden. Ich erkläre ihnen, dass ich meine Katze suche und beschreibe sie ihnen. Also rennen mittlerweile sieben erwachsene Menschen durch ihre Gärten und rufen und locken Jeannie. Nichts!
Sie wird doch nicht bis zur Straße gelaufen sein? Bitte nicht, die kennt das doch gar nicht! Ich renne wie eine Blöde zur Straße und rufe wie eine Verrückte. Wieder nichts! Ich bin jetzt über drei Stunden am Suchen und habe sie nicht gefunden. Mein Freund kommt gleich nach Hause und dann müssen wir eben gemeinsam weitersuchen. Mir ist ganz schlecht, ich muss ihm jetzt gleich sagen, dass SEINE Jeannie weg ist.
Ich gehe zu unserem Haus und klettere wieder über das Gartentor. Ratsch – die Hose reißt noch weiter auf...
Und was sehe ich da auf dem Tisch liegen: Jeannie!
Sie pennt vollkommen entspannt und als sie mich hört, erhebt Madame sich und streckt sich ganz genüsslich. Sie schreitet ins Haus und setzt sich vor ihren Napf. Der wird gefüllt und ihre Majestät stärkt sich.
Da geht die Tür auf und mein Freund kommt nach Hause. Er streichelt seine Jeannie, „na meine Kleine, hast du wieder schön in der Sonne gelegen?“
Dann sieht er mich und ist offenbar völlig fassungslos. Ich stehe vor ihm mit zerrissenen Hosen, vollkommen zerkratzt und verdreckt. Das war mir gar nicht so bewusst, aber jetzt...
Er sagt nur „sag mal, an welchem Projekt arbeitest Du eigentlich? Machst Du Feldforschungen?“ Dann prusten wir beide vor Lachen einfach los.
Madame ist das wohl zu laut, sie verzieht sich nach oben...
Jeannie...
Es ist richtig schön hier! Wir haben hier so viel Platz und können den ganzen Tag diese Wandbretter hoch und runterlaufen und uns überall hinlegen. Hier kann ich dem Mummel, wie es jetzt heißt, auch mal besser aus dem Weg gehen. Die nervt mit ihrer dauernden Liebebedürftigkeit.
Das neue Frauchen ist jetzt auch oft zu Hause. Zu Anfang war das etwas komisch, früher hatte ich den ganzen Tag meine Ruhe! Aber sie stört nicht. Sie geht morgens die Wandbretter bis ganz hoch und ist dann den ganzen Tag oben. Wenn ich will, besuche ich sie und hole mir ein paar Schmuseeinheiten. Wenn ich dazu keine Lust habe, lege ich mich auf meine Lieblingsplätze und schlafe.
Aber was besonders schön ist, wenn es warm draußen ist, nimmt Frauchen den ganzen Kram von dem großen Brett mit auf die Sonnenplatte. Dann darf ich raus wie ich will.
Mittlerweile habe ich bemerkt, dass man von der Sonnenplatte auf dieses grüne Zeug kann! Es ist ganz weich und kitzelt an den Füßen. Es schmeckt auch gut, aber dann muss ich immer spucken. Das tut richtig weh!
Da ist auch so ein schöner Busch, da sind lauter Blümis dran, die riechen so gut. Da lege ich mich immer drunter und schlafe. Schön hier! Da kommt Mummel auch nicht hin und nervt, die hat Angst vor den Pieksern an dem Busch.
Heute liege ich wieder unter meinem Busch und döse. Plötzlich kommt mir ein stechender Geruch in die Nase und da sehe ich ihn auch schon: Ein großer Artgenosse! Auf meinem Grünzeugs! Das geht gar nicht!!! Ich stelle mich sofort auf und zeige ihm meinen runden Rücken und meinen Schwanz mache ich auch ganz dick! Aber das scheint ihn nicht zu beeindrucken. Er geht an die schönen Blümis von Frauchen und macht da einen leckeren Geruch hin. Dann hüpft der einfach über die Grenze. Das geht doch gar nicht, oder? Das schaue ich mir mal aus der Nähe an. Aber erst mal lecker Geruch schnuppern...ahhh! Nun zur Grenze. Ich stelle mich hoch und taste mal drüber. Da passiert nichts! Ob ich da auch so einfach drüber hüpfen kann? Versuch eins! Hüpf – geklappt!
Ha, hier geht es ja weiter.
Ich sehe den großen Schwarzen in einem kleinen Loch an dem Haus nebenan verschwinden. Das Loch geht auf, als er in der Nähe ist. Das muss ich mir mal ansehen! Ich gehe auch dahin, aber da ist kein Loch. Alles zu! Ich laufe hin und her, aber ich sehe zwar den großen Schwarzen, aber ich komme nicht rein. Hmm, komisch, aber da kümmere ich mich später drum. Nun schaue ich erst mal, wie es weitergeht. Nebenan höre ich Frauchen rufen, ja, ich hör dich schon, aber erst mal muss ich hier gucken! Sie gibt ganz komische Laute von sich, ob sie sich wehgetan hat? Na ja, ist mir eigentlich auch egal!
Da ist noch so eine Drüberhüpfmauer! Und hüpf! Ach schön, da ist Beute! Aber da ist ein komischer Kasten drum, da komm ich nicht dran. Aber die riechen so lecker. Na ja, sie sind etwas groß und haben komische Schlappohren. Ich strecke mal meine Pfote rein, aber ich komme nicht ran.
Mittlerweile merke ich, dass ich etwas müde werde. Warum höre ich eigentlich von überall her meinen Namen? Irgendwie komisch! Ich gehe jetzt nach Hause. Keiner da! Wo ist Frauchen, ich habe schließlich Hunger! Mal auf den Tisch legen, irgendwann muss sie ja kommen, sie lässt uns doch sonst nie alleine.
Ach da kommt sie ja! Hüpf und Plumps! Also, ich springe eleganter über diese komische Mauer...
Ab zum Futternapf, die Pflicht ruft, Frauchen!
Da kommt auch Herrchen nach Hause. Er streichelt mich, dann geht er zu Frauchen und plötzlich machen die diese Freugeräusche. Aber dieses Mal werden die immer lauter und das ist mir zu viel. Ich gehe nach oben in mein Bett!
Wir wohnen jetzt schon drei Jahre in unerem Häuschen und fühlen uns alle eigentlich sehr wohl hier. Unsere beiden Fellnasen genießen ihre Freiheit. Mummel bleibt meist auf dem Grundstück, hopst höchstens mal zum Nachbar. Jeannie dagegen unternimmt mittlerweile weitere Streifzüge, bleibt aber immer in der „sicheren Zone“.
Ich habe mich vor einem Jahr selbständig gemacht und habe nun einen schönen Laden in der Innenstadt. Es ist alles prima, aber die ständige weite Fahrerei nervt. Ich habe schon mehrmals zu meinem Freund gesagt, dass wir eine Wohnung in der Stadt finden müssten, die so ruhig liegt, dass wir die beiden rauslassen können, aber wir trotzdem zu Fuß zu unseren Geschäften gehen können (mein Freund ist auch selbständig, sein Laden liegt genau um die Ecke von meinem...). Er meint darauf hin immer nur, ich würde „die eierlegende Wollmilchsau“ suchen, die gäbe es nun mal nicht...
Ha, es gibt sie! Ich habe durch Zufall die eierlegende Wollmilchsau gefunden! Eine ganz tolle Maisonette Wohnung mitten in der Stadt, drei Minuten zu Fuß von unseren Geschäften entfernt. Und das Schöne ist, die Wohnung geht nach hinten raus, da ist eine große Grünanlage und es ist ruhig. Eine Oase mitten in der Stadt. Wir haben sofort zugegriffen! Die Wohnung ist sogar noch etwas größer als unser Haus und hat zwei Balkone und eine Terrasse. Ideal für unsere Katzies. Der eine Balkon ist im zweiten Stock, direkt vor unserem Wohnzimmer und von dort geht eine Wendeltreppe nach unten auf die Terrasse in der ersten Etage des Hauses. Daran schließt ein Garagendach an und davor steht eine alte Rotbuche, deren Äste weit auf das Garagendach wuchern. Deren Brisanz haben wir leider nicht erkannt, als wir die Wohnung mieteten...
Der Umzug geht reibungslos vonstatten. Mummel geht wie immer brav in ihre Kiste und bei Jeannie hilft der Handtuchtrick.
In der neuen Wohnung das alte Bild, tiefe Gangart, alles erkunden. Da jedoch die Möbel aus dem Haus sind und die beiden nun auch schon Treppen kennen, geht es dieses Mal recht schnell mit der Eingewöhnung.
Also lassen wir die beiden dieses Mal bald raus. Sie können ja nur auf den Balkon und die Terrasse. Denken wir...
Jeannie ist – wie gewohnt – die mutigere. Sie schnuppert erst mal den Balkon ab und inspiziert dann die Treppe. Etwas unheimlich scheint die ihr schon vorzukommen, denn die Stufen sind aus Metallgittern und somit kann man nach unten durchgucken. Ganz vorsichtig versucht sie, den Löchern aus dem Weg zu gehen. Schwer möglich...also erst mal Rückwärtsgang und auf dem Balkon die Lage sondieren. Nach einiger Zeit wird es wieder versucht. Und siehe da, sie hat sich offenbar etwas überlegt: An jeder Stufe ist vorne ein etwas breiterer Metallsteg, da treten wir jetzt drauf und schreiten ganz langsam runter.
Mummel sitzt an der Wohnzimmertür und schaut sich das alles aus sicherer Entfernung an. Als Jeannie nach unten entschwindet, traut sie sich auch raus. Aber nur auf den Balkon. Sie schaut zwar nach unten, aber das ist doch noch nichts für sie. So legt sie sich in die Sonne und ist zufrieden.
Jeannie ist mittlerweile unten angekommen. Da die Terrasse sehr groß ist, hat sie erst einmal damit zu tun, alles zu untersuchen. Eine Ecke findet sie besonders spannend, die schnuppert sie ganz lange ab. Wir werden bald erfahren, was es damit auf sich hat...
Von unserer Terrasse geht es über eine kleine Mauer zu der Nachbarterrasse und von dort über ein kleines schmales Mäuerchen auf ein großes Dach. Und dann geht es in zwei Kriegsruinen und viele Dächer...Es erinnert mich alles ein wenig an die Wohnung, wo meine Hexe jeden Abend über die Dächer gezogen ist und einmal eingesperrt war. Hoffentlich finden meine Beiden die Möglichkeit nicht raus!
Aber Jeannie scheint zufrieden zu sein und legt sich auf einen Stuhl, den wir schon unten aufgestellt haben und schläft.
Gut, alles im grünen Bereich, ich gehe nach oben in mein Büro und arbeite.
Als ich fertig bin, gehe ich nach unten ins Wohnzimmer und schaue nach den beiden. Mummel liegt immer noch in der Sonne. Aber wo ist Jeannie? Nicht mehr auf dem Stuhl! Nicht mehr auf der Terrasse. Ich suche in der Wohnung, nix! Wieder raus, vielleicht beim Nachbarn auf der Terrasse? Nö!
Plötzlich sehe ich aus den Augenwinkeln, dass da ganz unten in der Grünanlage etwas Dunkles herumläuft. Ich schaue genauer: Jeannie! Mir wird ganz schlecht! Wie kommt die denn dahin?
DIE ROTBUCHE!
Die muss da runter gekrabbelt sein auf ihr geliebtes Gras. Wie bekomme ich die wieder hoch? Wenn ich dahin will, muss ich um den ganzen Block rennen, bis dahin ist die über alle Berge ...egal, ich muss dahin. Also, mit Puschen und in Räuberzivil auf den Weg gemacht. Auf der Straße werde ich schon etwas komisch angeschaut. Wahrscheinlich denken die Leute, ich sei irgendwo ausgebrochen...na gut, mir fehlt eigentlich nur noch die enge weiße Jacke, die auf dem Rücken geschlossen wird!
Endlich bin ich in der Anlage angekommen und habe Glück: Jeannie ist ganz in der Nähe und schnuppert gerade die Bänke ab. Aber wie soll ich die einfangen? Ich kann schlecht mit ihr auf dem Arm über die Straße laufen, das geht schief! Also muss ich sie dazu bringen, die Rotbuche wieder hochzuklettern.
Ich gehe langsam auf sie zu und locke sie. Aber sie bleibt immer so weit von mir weg, dass ich nicht rankomme. Sie schnuppert die Bänke ab, die hier rund um den Platz stehen und schaut immer wieder zu mir hin. Aber da muss irgendetwas sehr interessantes sein...
Dann sehe ich ihn! Ein Riesenkater, schwarz-weiß, sitzt regungslos am Ende der Grünanlage und beobachtet uns. So ein Riesentier habe ich noch nicht gesehen! Da ist selbst Minou, der 9-Kilo-Kater von meiner Freundin ein Zwerg dagegen! Plötzlich ist er weg! Wie ein Geist...unheimlich!
Ich wende mich wieder meiner Jeannie zu. Die muss unbedingt wieder nach oben. Aber sie scheint alle Informationen gesammelt zu haben und schreitet auf den Baum zu. Hüpf-hüpf-hüpf und sie ist wieder oben. Und ich stehe hier rum wie ein Depp! Ich überlege ernsthaft, auch den Baum hochzuklettern, um nicht wieder in meinem Aufzug über die Straße zu müssen, aber das lasse ich dann doch lieber.
Also, Augen zu und durch! Ist ja nicht so weit...! Auf der Straße senke ich meinen Blick und will schnell nach Hause. Ist ja nicht so weit..., da kommt natürlich der Ruf: „Hallo Frau Neumann, noch ein schöner Abendspaziergang?“ Eine meiner Kundinnen steht vor mir und mustert mich von oben bis unten. Hätte ich jetzt nicht wirklich gebraucht!
Dann bin ich endlich wieder zu Hause und Jeannie sitzt schon ganz gemütlich auf der Couch und putzt sich. Sie hat über die Rotbuche einen neuen Weg in die Freiheit gefunden und ist offenbar zufrieden.
Jeannie...
Es ist viel schöner als früher! Ich muss jetzt nicht immer in der kleinen Wohnung sein, sondern darf jeden Tag raus! Hier riecht es überall so lecker und ich hüpfe immer über die kleinen Wackelmauern, durch die man durchgucken kann. Ich war auch schon mal ein bisschen weiter, aber da war es sehr laut und da sind ganz viele von den Häuschen auf Rädern vorbeigerollt und haben Krach gemacht. Nein, da gehe ich nicht mehr hin!
Aber es gibt genug Wege, die schön sind und wo kein Krach ist. Die erkunde ich alle und manchmal begegnen mir auch Artgenossen. Meistens gehe ich denen aus dem Weg, ich will meine Ruhe haben!
In den letzten Tagen ist es komisch zu Hause. Herrchen und Frauchen packen unsere Sachen in Kisten. Was wird das? Mummel ist wieder mal ganz hektisch und versteht nicht was los ist. Na ja, so richtig verstehe ich das auch nicht! Das letzte Mal, als Herrchen seine Sachen eingepackt hat, sind wir anschließend hierhergekommen. Sollen wir jetzt wieder zurück? Das will ich nicht, hier ist es doch schön!
Wir werden in Herrchens Zimmer gesperrt, da ist aber nichts mehr drin außer unserem Krabbelbäumchen und den Klos und was zu essen. Ungemütlich! Im Haus ist viel Lärm, viele fremde Stimmen...
Da kommt Herrchen mit unseren Piekskisten. Da will ich nicht rein! Ich will nicht zu dem Pieksmann und nicht zurück in das kleine Zuhause, wo ich nicht spazieren gehen kann! Er nimmt Mummel hoch und die Doofe lässt sich einfach in die Kiste setzen! Mit mir nicht! Aber da wird es dunkel um mich und etwas liegt auf meinem Kopf. Ich sehe nichts und hocke mich hin. Da merke ich, dass ich hochgenommen werde und als es wieder hell ist, sitze ich in der Kiste. Verdammt, Herrchen hat mich überlistet!
Nun muss ich wieder in das Rollhäuschen und ich zeige Herrchen, dass ich das nicht mag! Ich schreie aus Leibeskräften. Aber es nützt nichts. Es rumpelt und brummt und Herrchen erzählt mir irgendwas von „neuer Wohnung“. Pfft, mir doch egal, ich will meine schöne große Sonnenplatte und meine Freiheit!
Dann bleibt das blöde Rollhäuschen endlich stehen und Herrchen trägt uns ganz viele Wandbrettchen nach oben. Dann macht er das Türchen von der Kiste auf und ich kann endlich wieder raus. Hm, das ist nicht das alte Zuhause! Es ist ganz groß hier! Und da stehen auch die Möbels, die in unserem letzten Zuhause standen. Ui, da gehen auch Brettchen nach oben...
Mummel krabbelt ganz langsam aus ihrer Kiste und verschwindet sofort unter dem weichen Sitzkasten, wo Frauchen und Herrchen abends immer in die lustige Bilderkiste, die auch sprechen kann, gucken.
Ich mache mich vorsichtshalber mal klein und schleiche die Brettchen hoch. Hui, wie in unserem letzten Zuhause, lauter schöne Zimmer. Anders, aber die Möbels sind gleich! Da ist ja mein Bett! Und da das große Stelzenbrett, wo das Knöpfchenbrett von Frauchen draufsteht. Und im nächsten Zimmer steht das Knöpfchenbrett von Herrchen!
Also wieder nach unten! Da muss es ja dann auch irgendwo nach draußen gehen, wo das schöne weiche Gras ist. Aber es ist alles zu. Ich kann durch die eine Tür nach draußen sehen, aber da ist kein Gras. Nur eine kleine Sonnenplatte!
Wir sind jetzt einige dunkle und helle Zeiten hier und nun macht Frauchen die Tür zu der kleinen Sonnenplatte auf. Ich gehe direkt mal raus und Mummel kommt auch nach. Sie schaut sich um und legt sich in die Sonne! War´s das? Nee! Auf der einen Seite ist die Sonnenplatte offen, mal schauen, was da ist!
Das ist komisch! Ich gehe an den Rand, aber da geht es ganz tief runter! Und da sind keine Brettchen an der Wand, sondern lauter Löcher mit ganz keinen Rändern. Da kann man durchgucken und wenn man drauftritt, piekst das an den Pfoten. Aber irgendwie muss ich doch da runter kommen! Und ganz da unten ist Gras! Wie komme ich da hin?
Aber erst einmal muss ich diese Lochbrettchen überwinden. Ich lege mich hin und überlege...und schaue mir diese Brettchen nochmal genauer an.
Jetzt hab´ ich es! Am Rand von diesen Löchern ist es etwas breiter. Da kann ich drauftreten, ohne dass es mir wehtut. Jo, auf geht´s! Erst mal vorsichtig, aber nun bin ich unten. Schön hier! Und es riecht sehr interessant. Da war schon mal ein männlicher Artgenosse. Hmm, leckerer Geruch!
Ich schnuppere alles ab und jetzt bin ich etwas müde! Aber da stehen ja meine weichen Stühle und da leg ich mich erst mal hin, ich muss ja noch überlegen, wie ich zu dem leckeren Gras komme...
Ich döse so vor mich hin und da fällt mir der große Busch am Ende meiner neuen Sonnenplatte ins Auge. Mal hingehen! Der Strauch geht ganz nach unten und ist unten ganz dick! Sieht aus, als wenn man da ganz bequem runterkönnte! Das versuche ich jetzt mal. Rein in den Strauch und da sind ganz dicke, runde Stangen. Da komme ich ganz bequem runter. Ha, lecker Gras! Erst mal knabbern! Aber was ist das? Hier riecht es total interessant! Hmm, das riecht nach einem Artgenossen. Mal alles abschnuppern.
Was stört mich denn da? Hmpf, Frauchen! Die hüpft hier rum und ruft mich. Kann die mich nicht einfach mal in Ruhe lassen? Ich weiß schon, wie ich heimkomme! Heisse ich Mummel?
Aber die gibt keine Ruhe! Gut, dann gehe ich eben wieder nach Hause. Ich habe alle Informationen, die ich brauche. Hier wohnt ein richtiger Revierkater, der Geruch ist ganz toll! Aber es gibt auch noch andere Artgenossen, aber die riechen alle ähnlich, wie der Revierkater. Bin mal gespannt!
Aber jetzt habe ich Hunger und bin müde! Ich gehe zu meinem großen Strauch und es ist ganz bequem, nach oben zu kommen.
Einmal am Napf stärken und dann schlafen.
Schön hier, bin mal auf den Revierkater gespannt..
In unserer Wohnung fühlen wir uns alle sehr wohl. Wir haben ja quasi ein Haus im Haus, nur ohne die lästige Gartenarbeit. Trotzdem können wir fast ungestört auf der Terrasse sitzen, da die Nachbarn fast nie draußen sind.
Auch unsere beiden Miezen haben sich prima eingewöhnt. Mummel liegt gerne auf der Terrasse, sie hat sich mittlerweile bei Jeannie abgeschaut, wie man die Metalltreppe runtergeht. Dann liegt sie stundenlang auf ihrem Stuhl mit dem weichen Polster und genießt die Sonne.
Jeannie liebt ihre Rotbuche! Mit Ihrer Hilfe kann sie nach unten in die Grünanlage und da rumstromern. Sie ist aber immer in dem eingezäunten Bereich und bleibt meist nicht lange unten. Der Baum macht ihr viel mehr Spaß. Da kann sie drin rumklettern und auf den dicken Ästen liegen.
Ich habe immer ein etwas ungutes Gefühl wenn sie unten in der Anlage ist, da stromern doch einige Katzen rum. Unter anderem das Monster. Den habe ich jetzt aber schon einige Zeit nicht gesehen und wenn er da war, war es meist in der Dämmerung.
Komisch ist, dass alle Katzen, die hier rumlaufen, schwarz-weiß sind. Das Monster muss der Urahn aller Katzen hier im Viertel sein!
Der Kerl muss aber doch auch schon einige Male bei uns auf der Terrasse gewesen sein. Jeannie und Mummel schnuppern dann immer wie wild alles ab. Aber er lässt sich nicht blicken!
Er ist wie ein Geist...
Es wird jetzt langsam Winter und draußen ist es schon saukalt. Ich habe nun schon einige Male den großen Kater in der Dämmerung unten um die Buche schleichen sehen und einmal habe ich ihn im Halbdunkel auf der Terrasse gesehen. Von einer Sekunde zur anderen war er da und dann schon wieder verschwunden.
Unseren beiden Fellnasen ist es jetzt zu kalt draußen und sie bleiben lieber drinnen. Der Dicke tut mir schon leid! Muss bei der Eiseskälte sein Fresschen selbst fangen. Mein großes Katzenmutterherz beschließt, ihm auf der Terrasse etwas zum Essen hinzustellen.
Ich stelle ein Schälchen mit Futter und eins mit Katzenmilch nach unten und lege mich am Fenster auf die Lauer um ihn endlich mal richtig zu sehen. Aber er tut mir den Gefallen nicht. Morgens sind die Schälchen leer, aber gesehen habe ich ihn nicht.
Eines Abends waren wir unterwegs und kamen spät nach Hause. Zu Hause angekommen, habe ich erst einmal unsere beiden Fellnasen gefüttert. Plötzlich fängt Jeannie an zu knurren und rennt zur Balkontür. Davor sitzt wie ein Ölgötze das Monster. Er bewegt sich nicht, obwohl Jeannie wie eine Wilde an der Tür kratzt. Er schaut nur vollkommen starr in die Wohnung.
Jetzt kann ich ihn mir mal anschauen. Mein Gott, ist das ein Riese! Schwarz-weiß mit einem riesen Katerkopf. Aber er muss in seinem Leben schon einige Kämpfe durchgestanden haben. Beide Ohren sind total zerfleddert, die Nase ist vollkommen vernarbt und unter dem einen Ohr hat er eine große verschorfte Wunde. Sieht schon furchteinflößend aus! Aber irgendwie tut er mir auch wieder leid.
Da draußen Schnee liegt, beschließe ich, ihm sein Futter hier oben auf dem kleinen Balkon hinzustellen, da haben wir einen Tisch stehen, darunter ist es geschützt.
Ich mache die Tür auf und will die Schälchen rausstellen und schon ist er verschwunden. Wenn die Spuren im Schnee nicht wären, würde ich an mir zweifeln, ob ich ihn wirklich gesehen habe.
Er kommt auch nicht mehr, solange wir im Wohnzimmer sind, aber am nächsten Morgen sind beide Näpfe leer. Ich stelle ihm jetzt immer sein Fresschen hier oben hin, vielleicht wird er ja doch etwas zutraulich. Wäre der erste, den ich nicht zahm bekomme...
Über zwei Wochen lang kommt er nur in der tiefen Nacht zu Fressen und morgens sind dann die Näpfe leer.
Dann plötzlich komme ich abends nach Hause und er sitzt schon vor den leeren Näpfen unter dem Tisch. Ich mache die Tür auf, um die Näpfe reinzuholen und er geht sofort weg, aber er bleibt auf der halben Treppe stehen und wartet, bis ich sein Abendessen serviert habe. Kaum habe ich die Tür zu gemacht ist er schon unter dem Tisch und schlingt das Fresschen nur so in sich hinein. Guter Gott, hat der Kerl einen Hunger! Na ja, er frisst sicher auf Vorrat, weil er ja früher nie wusste, wann er wieder was fängt.
Einige Abende später sitzt er wieder unter seinem Tisch und als er weggeht, sehe ich, dass er humpelt. Oh je, hoffentlich hat er nichts Schlimmes...ich mache die Tür auf, aber er geht sofort außer Reichweite. Was können wir nur tun?
Da fällt mir das Hasenhäuschen, das wir noch im Keller haben, ein. Sofort jage ich meinen Freund nach unten und der schleppt das sperrige Ding die vielen Treppen herauf. Das stellen wir auf die Terrasse und polstern es schön warm aus. Da kann er sich erholen. Unter das Vordach von dem Häuschen stelle ich sein Futter.
Gut, daß wir das Ding aufgehoben haben, da war Platz für drei Hasen und das dürfte auch für Monster genügen.
Über Nacht schneit es wie verrückt und als ich morgens nach unten schaue, sehe ich die Spuren von großen Tatzen, die zu der kleinen Hütte führen. Und siehe da, es guckt ein kleines Stück schwarzes Schwänzchen raus. Und das am helllichten Tag. Er hat es angenommen! Und es scheint ihm gutzutun, dass er sich da ausruhen kann.
Die nächsten zwei Tage bleibt er in dem Häuschen und lässt es zu, daß ich ihm seine Näpfchen fülle. Am dritten Tag ist er so plötzlich verschwunden, wie er aufgetaucht ist.
Doch am nächsten Abend steht er plötzlich vor unserer Wohnzimmertür und schaut herein als wollte er sagen: „Hallo, ich bin da und habe Hunger!“ Dann geht er langsam die Treppen zur Terrasse hinunter.
Er humpelt mittlerweile nicht mehr, aber geht immer noch in sein Häuschen.
Seit einigen Tagen schneit es nicht mehr under wartet jeden Abend zur gleichen Zeit unter seinem Tisch auf dem Balkon vor dem Wohnzimmer. Er rennt auch nicht mehr weg, wenn ich ihm sein Fresschen raus bringe. Er geht zwei Schritte zur Seite aber er bleibt auf dem Balkon. Aber er beobachtet jede meiner Bewegungen mit Argusaugen und fängt erst an zu fressen, wenn ich die Tür geschlossen habe. Für unsere Beiden ist das wohl wie fernsehen...die sitzen beide hinter der Tür und schauen zu.
Nun wird es langsam Frühjahr und der Dicke kommt nun schon fast fünf Monate zu uns. Da es jetzt schon abends etwas wärmer ist, lassen wir nun wieder die Balkontür auf. Anfangs hat der große Kater sich nicht mehr an sein Fressen getraut, aber dann hat er wohl gemerkt, dass wir ihm nichts wegnehmen und ihm auch nichts antun.
Unsere Beiden trauen sich auch raus und Jeannie faucht ihn jedes Mal im Vorbeigehen an. Dann schaut er nur mal kurz auf und frisst weiter. Mummel hat sich die ganze Zeit nicht vorbei getraut, aber dann fasst sie sich endlich ein Herz und geht raus. Ich bekomme fast einen Herzschlag, sie geht direkt auf ihn zu und frisst aus seinem Napf. Oh je, gleich gibt´s Prügel! Aber der Dicke geht einen Schritt zur Seite und lässt Mummel essen. Bevor sie wieder rein geht, schnuppert sie noch mal an ihm und er lässt es sich gefallen.
Ich setze mich jetzt abends, wenn er kommt immer hinter die Tür auf den Boden und rede leise mit ihm. Am Spiel seiner Ohren, sehe ich, dass er sich interessiert. Und dann habe ich ja auch noch die Geheimwaffe: Stängelchen!
Ich mache die klein und werfe ihm die Stückchen zu, eiei, das schmeckt wohl! Ich werfe die Stückchen immer ein wenig näher zu mir und anfangs ist er sehr vorsichtig, aber letztendlich siegt die Gier. Er kommt bis auf wenige Zentimeter an mich heran, hüpft dann immer wieder in die sichere Distanz zurück.
Nach einigen Tagen habe ich ihn soweit, dass er nicht mehr wegspringt. Jetzt kommt der nächste Schritt: Ich halte das Stängelchen in der Hand und biete es ihm so an. Da ist er skeptisch...ein Schritt vor, einer zurück, aber wieder siegt die Gier: Er reißt mir das Ding aus der Hand und geht sofort unter seinen Tisch und frisst es. So geht das einige Abende lang und ich lasse ihn ganz in Ruhe, wenn er sein Stängelchen erbeutet hat.
Nun halte ich das Stängelchen fest, als er es mir aus der Hand reißen will. Das verblüfft ihn. Aber er kommt ganz langsam und ich halte das Stängelchen ganz ruhig in der Hand. Und – oh Wunder – er kommt heran und frisst mir das Stängelchen aus der Hand. Dann schnuppert er an meinem Finger und hüpft wieder unter seinen Tisch. Aber von nun an bekommt er jeden Abend seine Stängelchen aus der Hand und er fängt auch schon an zu stupsen. Außerdem schnurrt er seit neuestem. Das hört sich an, wie ein verrosteter Blecheimer, hat er wohl noch nicht oft gemacht.
Wenn ich ihm nun abends sein Fresschen rausbringe, stupst er immer ganz zart mein Bein an. Dieses Monster geht mir bis zum Knie und entdeckt wohl eben seine zarte Seite. Das ist an einem Abend der Moment, an dem ich glaube, ich könnte ihn zum ersten Mal streicheln...
Fehler – Fehler – Fehler!
In dem Moment, in dem ich die Hand nach seinem Kopf ausstrecke und kurz über ihm bin, springt er hoch und krallt sich mit beiden Pfoten in meinen Arm und beißt mit voller Kraft in meine Hand. Mit seinen Krallen reißt er meinen gesamten Unterarm in Fetzen. Als ob er vor sich selbst erschreckt, springt er sofort weg und rennt die Treppen runter. Ich Idiotin habe ihn von oben angefasst, da muss er doch erschrecken! Das weiß ich doch!
Dann packt mich plötzlich der Schmerz, ich schaue an meinem Arm hinunter und da erst sehe ich, dass ich blute wie ein abgestochenes Schwein. In meiner Hand habe ich eine große Bisswunde und mein Arm sieht aus wie rohes Hackfleisch.
Frank wickelt meinen Arm in ein großes Handtuch und wir fahren sofort in die Klinik. Der Arzt schaut sich meinen Arm an und fragt mich, ob wir Leoparden züchten. Solche Prankenhiebe würde man sonst nur bei Dompteuren zu sehen bekommen. Dann verbindet er mich und dann legt er eine ganze Batterie Spritzen bereit.
Ich bin nun immun gegen alles! Tetanus, Tollwut, Lungenwürmer, Blutvergiftung und wahrscheinlich auch Fußpilz, Haarausfall und Zahnstein. Es waren gefühlte 100 Spritzen! War aber eh egal, nach der zweiten bin ich umgekippt...
Als wir spät nach Hause kommen, sitzt der Dicke vor der Tür und schaut rein, als wollte er sagen, „ich wollte mal nach Dir sehen“. Dann mampft er seinen Napf leer.
Aber seit heute hat er endlich seinen Namen: Hanibal Lecter, der Menschenfresser aus dem Schweigen der Lämmer...
Hanibal...
Seit langer Zeit wohne ich hier in meinem Revier. Viele Katzenmädchen habe ich schon bestiegen und ich habe viele Kinder, von denen hier auch noch einige wohnen.
Alle nehmen sich hier vor mir in Acht, ich bin der Stärkste hier und das habe ich schon vielen Eindringlingen, die mein Revier haben wollten, klar gemacht.
Ich wohne in den kaputten Häusern, die hier stehen und in die keine Zweibeiner reingehen. Hier ist alles mit grünem Zeug überwuchert und es gibt für mich genug zum Jagen. Tagsüber schlafe ich hier und nachts streife ich durch mein Revier.
Seit einiger Zeit wohnen hier zwei neue Katzenmädchen. Die eine ist schon eine Schönheit, sie kommt auch immer mal hierher in mein Revier. Aber sie riecht nicht mehr lecker...die andere ist immer weiter oben in meinem Revier, auf dieser komischen Platte, auf die die neuen Zweibeiner ein rundes Dach auf einem Bein und merkwürdige Schalen mit weichen Lappen hingestellt haben. Auf diese weichen Lappen legt sich das andere Katzenmädchen immer drauf.
Ich habe mir das Ganze jetzt schon mehrmals in der Nacht angesehen. Sieht irgendwie schon gemütlich aus. Ich habe mich auch mal draufgelegt, es ist schon kuschelig und riecht nach Katzenmädchen, aber die ist auch nichts mehr für mich...
Aber meine Duftmarke hinterlasse ich doch immer, die beiden sollen schon merken, wer hier der Herr ist!
In der warmen Zeit ist es immer schön hier, aber ich rieche, dass es bald wieder kalt wird. Dann kommt wieder dieses kalte weiße Zeug vom Himmel und ich finde nicht mehr genug zum Essen. Und in meinen kaputten Häusern ist es dann auch nicht mehr schön. Dann beneide ich immer die Artgenossen, die in diesen hellen Höhlen bei den Zweibeinern wohnen. Die sind dick und fett und ich habe Hunger.
Ich habe schon einmal vor langer Zeit versucht, in so eine helle Höhle reinzugehen, aber die Zweibeiner waren sehr böse und der mit der tiefen Stimme hat etwas Hartes nach mir geworfen. Das hat mir sehr wehgetan, seitdem gehe ich den Zweibeinern aus dem Weg.
Es ist jetzt richtig kalt geworden und ich bin wieder einmal auf das Dach, wo die neuen Katzenmädchen wohnen, geklettert. Ich habe von unten gerochen, dass hier irgendetwas Essbares liegen muss. Jaaa, die Zweibeiner haben wohl zwei kleine flache Steine mit Fresschen hier vergessen. Ahh, lecker! Ganz schnell essen, bevor die es bemerken, dass sie es vergessen haben. Und in dem anderen flachen Stein ist weißes Wasser, das ganz anders schmeckt als das Wasser, was ich aus den Pfützen trinke. Aber so lecker. Ganz schnell aussaufen. Und jetzt nix wie weg, bevor sie es merken, dass ich das aufgegessen habe, sonst bekomme ich wieder etwas Hartes aufs Fell geworfen.
Am nächsten Abend habe ich schon wieder diesen leckeren Geruch in der Nase. Ich klettere hoch und - ja, wieder die kleinen flachen Steine mit Fresschen! Schmeckt heute anders als gestern, aber auch richtig lecker. Und das weiße Wasser ist auch wieder dabei. Warum vergessen die nur dauernd das Fresschen hier? Egal, schnell aufessen und dann wieder nichts wie weg.
Komisch, da steht jetzt jeden Abend Fresschen auf dem Dach. Und nie kommt jemand und schimpft und schreit mit mir. Ist das etwa für mich? Das wäre ja schön, aber ich kann das noch nicht glauben. Also schnell alles aufessen, falls morgen nichts mehr da ist.
Da kann man sich dran gewöhnen. Ich muss mir nun nichts mehr zum Essen fangen, jeden Abend steht etwas für mich da!
Aber was ist denn heute Abend los? Die Steinchen sind leer! Da liegt nur dieses blöde weiße Zeug drin, das jetzt wieder vom Himmel fällt. Hm, was mache ich nun, ich habe doch Hunger! Ich schleiche mal diese komischen Dinger, durch die ich durchschauen kann, nach oben. Alles Dunkel! Plötzlich wird es ganz hell und das eine Katzenmädchen springt an der Tür hoch. Pfft, mir doch egal, ich habe Hunger!
Da kommt die Zweibeinerin mit neuen flachen Steinchen raus und die riechen wieder lecker. Ich renne nach unten und warte in meinem Versteck hinter der kleinen Mauer. Aber sie kommt nicht runter! Dafür kommt der leckere Geruch jetzt von oben. Ich warte, bis oben alles dunkel ist und schleiche dann hoch. Ahh, unter dem kleinen Dach auf Beinen steht mein Fresschen! Da kommt auch dieses weiße Zeug nicht dran und ich werde nicht nass. Schön!
Ich bekomme jetzt jeden Abend mein Fresschen unter dem kleinen Dach und so langsam habe ich auch nicht mehr so viel Angst vor den Zweibeinern, die können mir ja nichts tun, da ist ja diese durchsichtige Wand dazwischen, die sie „Tür“ nennen.
Heute habe ich mir in dem kaputten Haus, in dem ich wohne, an meinem Bein sehr wehgetan. Ich habe Mühe, den großen Baum hochzukommen, aber ich will zu meinem Fresschen. Die Zweibeinerin hat mich gesehen, wie ich mit meinem kaputten Bein hochgekommen bin und macht die Tür auf. Oh je, jetzt will die mich bestimmt verhauen! Ich hoppele die Treppe runter und verstecke mich.
Da höre ich aus meinem Versteck, dass die beiden Zweibeiner mit etwas Großem in den Pfoten das Eisending runterkommen. Sie stellen ein kleines Haus unter das Eisending, dahin, wo das weiße Zeug nicht hinkommt. Dann legt die Zweibeinerin noch Lappen in das Häuschen und sagt „so mein Dicker, das ist jetzt Dein Häuschen“. Mit wem redet die? Egal, die beiden sind weg und ich gehe hoch, essen. Aber es ist so kalt und mir tut mein Bein weh. Das komische Haus schaue ich mir nochmal an. Da riecht es auch lecker...mal schauen! Da sind ja auch Leckerlies drin. Die sind wie die in dem flachen Stein. Ist das für mich? Ich krabbele mal rein. Ahh, weich und warm. Ganz anders als in dem kaputten Haus. Hier bleib ich! Meins!
Und ich bleibe in meinem schönen Haus und ruhe mich aus. Es ist schön warm hier und die Zweibeinerin stellt mir meine Steinchen direkt vor meine Nase. Endlich einmal ohne Angst schlafen...
Mein Bein ist bald wieder heil, aber ich habe beschlossen, in dem kleinen Haus zu bleiben. Scheint auch in Ordnung zu sein, es vertreibt mich keiner!
Es ist nicht mehr so kalt und die Steinchen mit meinem Fresschen stehen wieder oben vor dieser „Tür“. Also hoppse ich nun wieder jede Abend die Lochbrettchen hoch. Es stört mich auch nicht, daß hinter dieser „Tür“ die Zweibeinerin sitzt und irgendwie vor sich hin brabbelt. Solange sie mir nichts tut ist mir das egal.
Die beiden Katzenmädchen dürfen auch wieder raus. Die hübsche Dunkle macht immer die Wilde wenn sie an mir vorbeigeht. Na ja, soll sie! Die andere traut sich heute auch mal raus und kommt zu mir. Sie fragt mich, ob sie mitessen darf und ich erlaube es ihr. Sie freut sich und schnuppert an mir. Schon lieb das Dickerchen!
Die Zweibeinerin sitzt jetzt jeden Abend an der Tür und redet mit mir. Ich verstehe zwar nicht alles, aber sie hat eine schöne leise Stimme und sie scheint mir nichts tun zu wollen. So langsam gewöhne ich mich an sie.
Jetzt hat sie jeden Abend Leckerlies für mich. Die wirft sie mir hin und ich hole sie mir. Schönes Spiel! Dann hält sie sie fest und ich muss sie mir holen, das ist schon etwas aufregend, will sie mir wirklich nichts tun?
Nein, alles in Ordnung! Sie ist lieb zu mir! Jetzt esse ich das Leckerli aus ihrer Hand und sie hält ganz still. Mal schnuppern, nein, alles in Ordnung! Ich fühle mich richtig wohl und stupse sie an. Da macht mein Hals auf einmal ganz komische Geräusche, aber es tut mir gut!
Nun spielen wir das Stupsespiel jeden Abend. Das scheint ihr zu gefallen und ich mag es auch. Doch plötzlich will sie nach mir greifen, ich sehe nur die Hand über mir und bekomme Angst. Das kenne ich, die will mich hauen. Blitzschnell greife ich an und haue ihr meine Krallen in den Arm und beiße in die Hand. Ich bin so erschrocken! Aber sie ist doch eigentlich gar nicht Böse, warum will sie mich jetzt hauen. Ich lasse los und renne weg.
Ich bin ganz durcheinander. Wollte die liebe Zweibeinerin mich wirklich hauen? Ich gehe nochmal vorsichtig an die Tür, aber da ist niemand, alles Dunkel! Da warte ich nochmal ab... irgendwann wird es drinnen hell und die Zweibeinerin kommt an die Tür und macht auf. Sie hat einen ganz weißen Arm und riecht komisch. Ich gehe langsam rückwärts aber sie redet ganz lieb zu mir. Ist die gar nicht böse mit mir?
