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Nicht erst seit Corona sind Fördergelder für so manchen Unternehmer oder Start-up-Gründer lebensnotwendig. Doch wissen die meisten gar nicht, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Erstmals stellt Dr. Thomas Jesch ein umfangreiches Nachschlagewerk zu allen wichtigen Fördergeld-Programmen vor, die es Unternehmen, aber auch Vereinen und Stiftungen und sogar Auszubildenden und Studenten ermöglichen, ihr volles Potenzial zu entfalten. Schritt für Schritt zeigt er, welche Fördergelder jeweils infrage kommen und wie sie beantragt werden. Ein einzigartiger und gleichsam verständlicher Ratgeber für die Reise durch den »Fördergelddschungel«.
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Seitenzahl: 256
Veröffentlichungsjahr: 2021
Dr. Thomas Jesch
2021
Fördergelder akquirieren für Existenzgründer sowie kleine und mittlere Unternehmen
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen:
1. Auflage 2021
© 2021 by FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,
Türkenstraße 89
D-80799 München
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Die im Buch veröffentlichten Ratschläge wurden von Verfasser und Verlag sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Ebenso ist die Haftung des Verfassers beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.
Redaktion: Judith Engst
Korrektorat: Anja Hilgarth
Umschlaggestaltung: Catharina Aydemir
Fotos: Kapitel 1 (S. 9): neftali/shutterstock.com; Kapitel 2 (S. 15): Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Richard Perlia; Kapitel 3 (S. 47): Deutsche Bank AG, Historisches Institut, Frankfurt am Main; Kapitel 4 (S. 179): Ursula Seitz-Gray; Kapitel 5 (S. 183): Universitätsarchiv Frankfurt am Main
Satz: abavo GmbH, Buchloe
Druck: Druck: Florjancic Tisk d.o.o., Slowenien
ISBN Print 978-3-95972-410-4
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-763-1
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-764-8
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
www.finanzbuchverlag.de
Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de
Vorwort
Kapitel 1 »Strategie. Ein großes Wort.«
Worum geht es hier?
Doppelstrategie für Unternehmer und Fördergeber
Formulare, Formulare
Kapitel 2 Für Auszubildende, Studenten und Unternehmer
Ausbildung
Die digitale Schule
Ausbildungsförderung
Studium
BAföG – besser als sein Ruf
Studienkredite
Studienstipendien
Die deutschen Begabtenförderungswerke
Auslandsstudium
Gründerstipendien
Rund um die eigenen vier Wände
Eigenheimförderung
Energieneutralität fördern lassen
Existenzgründung
Start-up-Nation Germany
Die Rolle der Bürgschaftsbanken
Know-how (nicht nur) für Existenzgründer
Energieunternehmer werden
Existenzgründer in der Krise
Kapitel 3 Für Unternehmen
Fremdkapital – Eigenkapital – Zuschuss
Im Zins-Maschinenraum der KfW
Derivative Sicherheit
Zinsabsicherungs-Matrix nach Schöning/Dietz
Eine (sehr) kurze Geschichte der Fördergelder
Frankfurt am Main als Cluster für Spezialbanken
ERP-Sondervermögen – das Perpetuum mobile der Fördergelder
Deutschlands Wiederaufstieg in Europa
Das Hausbankprinzip
Zweierlei Durchleitung
Zur heutigen Rolle der Förderbanken
EIB und EIF – die europäischen Fördertöpfe
KfW – die deutsche Förderbank
Die Förderbanken der Länder
Probleme bei der Verteilung von Fördergeldern der Förderbanken?
Vor- und Nachteile von Fördergeldern
Politische Zuständigkeiten
5-mal ESI
Ansiedlung
Gemeinschaftsaufgabe regionale Wirtschaftsstruktur (GRW) – vom Zonenrand in die Kohäsion
Aufbau, Forschung und Entwicklung
Der mehrjährige Finanzrahmen und der Kampf um die Zukunft
ZIM und IGF – die deutschen Forschungsklassiker
Patente schützen
Forschung steuern mit dem Forschungszulagengesetz
Beteiligungskapital
Stille Förderer
Hermesdeckungen und die Exportförderung
Lieferantenkredit
Schutzschirm für die deutsche Wirtschaft 2020
Andienungspflicht
Akkreditiv
Case Study: Hollywood in Hannover – die deutsche Filmförderung
Absicherung in der Krise
Systemische Bedeutung – die Staatsbeteiligung
Kurzarbeitergeld
KfW-Risikoübernahme in der Corona-Krise
Case Study: Krisenhilfe für Gastronomen
Unternehmensnachfolge
Exkurs: branchenspezifische Ansätze
Beispiel 1
Die Fördergeld-Strategie am Beispiel des Unternehmers I
Gründung
Wachstum Inland
Wachstum Ausland
Arbeitsplatzsicherung
Unternehmenssicherung
Sonstige
Der Antrag
Wann? Zum Zeitpunkt der Antragsstellung
Wie? Antragsinhalte
Wo? Ihr Ansprechpartner
Unter welchen Umständen? Erwägung einer Antragsrücknahme?
Was? Wartefristen, Liquidität und Bescheid
Wer? Verantwortliche für die Mittelverwendungskontrolle
Hält doppelt genäht besser?
Das Kumulierungsverbot
Die Kombinationsmöglichkeiten
Der Zweck bestimmt die Fördergelder – zum »Fördergeld-Design«
Lohnt sich eine Fördergeld-Strategie?
Mögliche organisatorische Verankerung
Externe Lösung – der Fördergeld-Berater
Interne Lösung – der Fördergeld-Manager
Kapitel 4 Für Vereine
Sind Vereine förderungswürdig?
Gründung und Gemeinnützigkeit
Vereinsarbeit
Vereinte Hilfe
Kapitel 5 Für Stiftungen
Womit geht man als Unternehmer (am besten) stiften?
Wer fördert, der möge gefördert werden
Zustiftungen einwerben
Bildung lässt man sich etwas kosten
Quellen
Glossar
Anhang I Fördergelder in Deutschland
Anhang II Fördergelder in Europa
Anhang III KfW-Gesetz
Anhang IV KfW-Programme (Auswahl)
Referenzen und Ressourcen
Wir leben in schwierigen Zeiten. Schwierig sind sie für Fluglinien und Reiseveranstalter, Restaurants und Hotels, für Messeveranstalter und Konzertagenturen – ja für viele Unternehmen inner- und außerhalb der entsprechenden Lieferketten und damit auch für die dort Beschäftigten. Liquidität bricht weg, Kurzarbeit muss eingeführt werden. In einer solchen Situation sind Fördergelder für manche lebensnotwendig.
Krisen- und Aufbauzeiten sind Zeiten für Förderinstitutionen. Aber Hand aufs Herz: Haben Sie auch nur einen annähernden Überblick über die Mittel, die hier – gut verborgen im viel kritisierten »Förderdschungel« – brach liegen? Dieses Buch soll bei deren Erschließung helfen.
Als Leser erhalten Sie wichtige Hinweise für Unterstützungsmöglichkeiten in der Pandemie-Phase. Und ebenso für bessere Zeiten, wenn wieder die unternehmerischen Alltagsherausforderungen dominieren, von denen viele ebenfalls förderungsberechtigt sind. Denn die Buchidee entstand in einer solchen wirtschaftlichen Normalphase, als Fortschreibung einer jahrzehntelangen auch publizistischen Tätigkeit im Bereich Private Equity/Venture Capital. Insofern sind auch die entsprechenden Förderprogramme natürlich Bestandteil dieses Bandes.
Der Autor dankt dem Verlag und insbesondere Tobias Schudok, Judith Engst und Anja Hilgarth für eine wirklich intensive und konstruktive Begleitung des Vorhabens von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung. Er dankt zudem seinen Lesern schon jetzt sehr herzlich für Hinweise auf Ungenauigkeiten und Lücken sowie für weitere Kapitelideen – gerne unter [email protected].
Das Manuskript wurde Ende Januar 2021 letztmalig aktualisiert. Angesichts der derzeitigen Entwicklung empfiehlt es sich, insbesondere bei Fördergeldern mit Corona-Bezug dringend, aktuelle Entwicklungen im Auge zu behalten.
Das Manuskript gibt die privaten Analysen und Ansichten des Verfassers wieder. Diese sind zwangsläufig nicht immer deckungsgleich mit jenen seines Arbeitgebers, dem das Manuskript auch nicht zur Prüfung vorlag.
Noch ein Letztes: Sobald es wieder möglich ist, möchte ich erstmalig mit interessierten Lesern eine Wanderung zum Förderturm auf dem Lüderich bei Bergisch-Gladbach unternehmen (vielleicht schon im Spätsommer 2021, aber das wird festgelegt, wenn mehr Gewissheit herrscht). Die ersten fünf Leserinnen oder Leser, die mir eine E-Mail an [email protected] mit dem Betreff »Förderturm Lüderich« schicken, übernachten vor Ort in einem guten Mittelklassehotel auf meine Kosten. Mitarbeiter des Verlages sind von der Teilnahme ausgeschlossen – dürfen aber gerne wie alle übrigen Interessenten mitwandern.
Und nun recht viel Erfolg beim Erklimmen des Buchgipfels!
Thomas Jesch
So oder so ähnlich dürfte sicherlich der Gedankengang bei dem einen oder anderen Leser sein, der dieses Werk in physischen wie virtuellen Buchläden prüfend durchblättert.
Wovon reden wir überhaupt? Lassen Sie uns im Folgenden zunächst die Begriffe »Fördergeld« und »Strategie« klären. Leicht abgeändert nach Duden definiert sich »Fördergeld« folgendermaßen: Fördergeld, das; Substantiv, Neutrum: Geldbetrag, der [von EU, Bund, Ländern oder Kommunen] zur Förderung von etwas ausgegeben wird. »Fördermittel« haben als Pluralwort die Bedeutung von »Fördergeldern«, sind also synonym zu verwenden.
Es geht in diesem Buch also primär um die materielle Förderung – allerdings werden Maßnahmen der immateriellen Förderung (zum Beispiel Beratungsangebote) durchaus erwähnt, wo dies zielführend ist.
Dabei wollen wir zum einen für unsere Zwecke auch Gelder privater Institutionen berücksichtigen und zum anderen immer wieder auch steuerliche Hinweise geben, wo dies in engem Zusammenhang mit dem jeweiligen Förderkonzept steht.
Fördergelder lohnen sich. Darin sind wir uns sicher einig. Die Chancen, dass bei den Tausenden Programmen, die in Deutschland zur Verfügung stehen, etwas für Sie dabei ist, sind nicht schlecht (und Spielarten innerhalb der einzelnen Programme sind dabei noch gar nicht berücksichtigt). Zumal diese Zahl nur Fördergelder im engeren Sinn betrifft.
Denn für Zwecke dieses Buches wollen wir wie bereits erwähnt grundsätzlich sämtliche in Deutschland in Frage kommenden Geldquellen einer Betrachtung unterziehen, die – entlang des Lebenszyklus von Mensch und Organisation – für förderungswürdige Vorhaben erhältlich sind. Im Zentrum stehen hier einerseits der Existenzgründer beziehungsweise Unternehmer in Person mit seinem Finanzierungsbedarf und andererseits das entsprechende Unternehmen.
Zielgruppe dieser Publikation sind nicht die Vertreter finanzschwacher Kommunen auf der Suche nach Investitionshilfen, obwohl es auch hiervon reichlich gibt. Aber nicht immer haben Land oder Kommune Interesse an Projekten, bei denen auch nach Förderung durch EU oder Bund eine Deckungslücke von 10 bis 50 % verbleibt. Oft konkurrieren mehrere förderfähige Projekte um Gelder aus dem eigenen Haushalt.
Eine Strategie haben heißt vereinfacht: sich einen Plan für ein bestimmtes Verhalten machen, um damit ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Genau das sollen Sie nach Lektüre dieses Buches – Ihrem persönlichen Förderziel strukturiert zumindest näherkommen, denn eine Erfolgsgarantie kann der Autor leider nicht geben. Dieses Buch möchte in die Tiefe gehen, was Strukturen und organisatorische Zusammenhänge anbelangt, nicht aber noch das letzte kommunale Fördermittelangebot mit Detailkonditionen abbilden.
Wenn Sie sich dann festgelegt haben und ein Förderprogramm in einem ganz anderen Bereich entdecken, welches für Sie auch in Frage kommen könnte: umso besser. Dann erreichen Sie Ihr Ziel – und das des Fördergebers. Denn dieser hat die Förderung nicht angeboten, damit sie unabgerufen liegenbleibt. Am Ende werden immer noch etwa 90 % der gesamtwirtschaftlichen Investitionen privat erbracht.
Das mag auch daran liegen, dass nur ein gutes Viertel (27,7 %) mittelständischen Entscheider 2020 Förderkredite aktiv angeboten bekam und auch in Anspruch genommen hat. Das ergab eine Befragung von Entscheidern durch das Finanzierungs-Vergleichsportal Compeon. 19 % haben das Angebot nicht genutzt – vor allem wurden der Mehrheit der Entscheider (53,3 %) Förderkredite gar nicht erst angeboten.
Akzeptieren Sie dies, und machen Sie sich aktiv auf die Suche. Auch wenn Sie sich ein übersichtlicheres und transparenteres Förderangebot wünschen mögen – letztlich gibt es Gründe dafür, warum es Illusion bleiben dürfte: Wirtschaftliches und politisches Geschehen verläuft in Zyklen, die sich laufend in neuen oder geänderten Programmen mit veränderten Förderschwerpunkten niederschlagen. Sie kommen also nicht daran vorbei, diese Dynamik auch positiv zu sehen, da vielleicht ein neues Programm hinzukommt, welches Ihren Förderbedarf eins zu eins abdeckt.
Wenn dieses Buch sein Ziel erreicht, mehr Transparenz im Bereich der Fördergelder zu schaffen, so geht die Strategie des einen oder anderen Lesers auf, einer Förderung strukturiert einen guten Schritt näher zu kommen. Indirekt geht zudem die Strategie des Fördergebers auf, einen möglichst vollständigen Mittelabruf zu erreichen.
Um Fördermittel zu erhalten, ist ein Antrag nötig. Natürlich wäre es wunderbar, Ihnen hier bereits ein digitales Tool zur Verfügung stellen zu können, das automatisch Ihre Stammdaten einfügt und Sie dann über den weiteren Verfahrensgang per E-Mail auf dem Laufenden hält. Aber das ist Zukunftsmusik. Und wird es vielleicht bei der Vielzahl der Fördermittelgeber bleiben.
Das Werk ist weder Datenbank noch Adressliste.
Eine gedruckte Datenbank im Bereich der Fördergelder wäre im Zweifelsfall schon bei Erscheinen veraltet. Die bestehenden Förderprogramme haben oft eine zeitliche Befristung, werden alternativ oder kumulativ im Detail laufend überarbeitet, werden in ihren Richtlinien regelmäßig angepasst und verändert. Aber darauf kommt es für die Fördergeld-Strategie erst einmal nicht an, wie Sie im Verlauf der Lektüre sehen werden. Denn auch Ihre Ausgangslage als Mensch, Existenzgründer oder Unternehmer ist dynamisch, sodass Ihnen eigene Nach-Recherchen nicht erspart bleiben werden.
Die einzige »Adressliste« im Anhang dieses Werkes ist daher sinnvollerweise eine Übersicht jener Berater und Datenbanken, die Sie zusätzlich zur Buchlektüre auf den Nutzen für Ihre Zwecke hin überprüfen sollten. Denn vorliegend handelt es sich nicht um ein Arbeitsbuch, das konkrete Hilfestellung für einzelne Förderanträge und dazu gleich ein Formular zum Ausfüllen bietet. Aus den oben erwähnten Gründen ist das auch gar nicht möglich.
Vor dem Ausfüllen der Anträge brauchen Sie auch keinen »Respekt« mehr zu haben; Sie werden bei Ihrer Recherche schnell feststellen: So kompliziert sind die entsprechenden Formulare in der Regel gar nicht mehr. Die Digitalisierung hält auch im Bereich der Fördergelder seit einigen Jahren Einzug, viele Formulare können inzwischen online aufgerufen und in aller Ruhe zu Hause ausgefüllt werden. Zudem stehen Ihnen erfahrene Berater bei der Vorbereitung der Förderanträge zur Seite.
Also, nur Mut: Ideen zu verschiedenen Förderprogrammen und bestenfalls auch schon die Grundlage für Ihre eigene »Fördergeld-Strategie« werden Sie nach der Lektüre dieses Buches auf jeden Fall haben.
Ein letzter Hinweis: Nutzen Sie auch den Index dieses Buches. Gerade bei sehr speziellem Förderbedarf besteht eine Chance, entsprechende Förderprogramme darüber zu erschließen.
Einer erfolgreichen unternehmerischen Karriere ist eine gute Ausbildung ausgesprochen förderlich. Hierbei ist erfreulich, dass das ohnehin erfolgreiche duale System der Berufsausbildung immer durchlässiger wird in Richtung Studium. Am Anfang müssen wir jedoch alle zunächst die in Deutschland noch recht »analoge« Schulbank drücken. Stehen bereits auf dieser Stufe Fördergelder zur Verfügung? Aber ja!
Die Corona-Monate haben eine von den beteiligten Parteien oft geführte Diskussion beendet: Die Frage, ob Schüler, die mit digitalen Medien arbeiten, besser abschneiden, stellt sich da kaum noch, wo ein physischer Unterricht aus Gründen der gesundheitlichen Hygiene schlichtweg nicht möglich ist. Auch die Prüfungsvorbereitung in einer Pandemiephase lässt sich digital-kollektiv besser vorbereiten. Bildungsökonom Prof. Dr. Ludger Wößmann vom ifo Institut in München schätzt (in: ifo Schnelldienst, 2020, 73, Nr. 06, 38-44), dass Einkommenseinbußen von 3 bis 4 % im späteren Erwerbsleben drohen, wenn der Lernstoff von einem Drittel Schuljahr fehlt.
In Bayern und Baden-Württemberg gibt es schon einige digitale Schulen, Robotik-AGs und WLAN sind dort geläufig.
Im Mai 2019 konnte der Bund über eine Grundgesetzänderung 5,5 Mrd. Euro für die digitale Ausstattung der Schulen im weiterhin föderalen Bildungssystem zur Verfügung stellen. Offenbar ist hiervon zum Redaktionsschluss dieses Werkes nur ein sehr geringer Anteil abgerufen worden.
Die Schulträger müssen die Fördergelder bei ihrem jeweiligen Bundesland beantragen, welches auf Basis seiner Förderrichtlinien entscheidet, und die Leistungen müssen über eine öffentliche Ausschreibung vergeben werden. Die Schule selbst muss einen Medienentwicklungsplan beim Schulträger einreichen, in dem darzulegen ist, wie der Unterricht mittels Digitalisierung qualitativ verbessert wird.
Wer aber schreibt den Medienentwicklungsplan? Hier können gegebenenfalls Impulse von der Elternschaft ausgehen. Das Konzept kann Monate in Anspruch nehmen. Manchmal wartet zudem der Landkreis, bis die Konzepte aller Schulen vorliegen. Umgekehrt gibt es aber auch Landkreise, die eigene Mitarbeiter abstellen, um die Schulen in IT-Angelegenheiten zu beraten.
Die Mittel vom sogenannten DigitalPakt Schule können zum Aufbau einer Schul-Cloud eingesetzt werden (ein bundesweit einheitlicher Prototyp existiert nicht); bis zu 20 % dürfen die Schulträger (Gemeinden, Städte und Landkreise) zudem für Laptops oder Tablets ausgeben.
Was in Sachen Schul-Digitalisierung möglich ist, zeigt exemplarisch Dänemark, wo bereits seit den 90er-Jahren eine nachhaltige Förderung betrieben wurde. Außerdem wurde seit 2012 eine nationale IT-Strategie umgesetzt: Jeder Schüler, jeder Lehrer verfügt heute über einen Laptop. Unterrichtsmaterialien werden über die Cloud zur Verfügung gestellt. Das sind wichtige Schritte zur Überwindung der »digitalen Kluft«: Harvard-Professor Raj Chetty hat US-Daten aus dem Frühjahr 2020 ausgewertet, als der Unterricht größtenteils online ablief (in: The Quarterly Journal of Economics, Volume 135, Issue 3, August 2020, Pages 1567–1633). Danach sanken die Lernerfolge von Schülern im untersten Einkommensquartil um 60 % – verglichen mit lediglich 20 % bei den Schülern im obersten Einkommensquartil. Was die technischen Voraussetzungen wie Internetanschluss oder Breitbandzugang anbelangt, war dies oftmals keine Kostenfrage. In einer etwas älteren Umfrage des Pew Research Center (https://pewrsr.ch/2GrhLUj) gaben 34 % der Teilnehmer ohne Internetanschluss an, dass sie aus Desinteresse bisher darauf verzichtet hätten.
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bietet zur Unterstützung der dualen Berufsausbildung zum Beispiel »ausbildungsbegleitende Hilfen« (abH) und die »Assistierte Ausbildung« (AsA) an.
Die abH sind Maßnahmen, die Bewerbern mit besonderer Hilfebedürftigkeit die Aufnahme, die Fortsetzung sowie den Abschluss einer betrieblichen Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen ermöglichen sollen. Dem Ausbildungsbetrieb entstehen grundsätzlich keine Kosten. Das Angebot umfasst zum Beispiel Maßnahmen zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten sowie zur Förderung fachpraktischer und fachtheoretischer Fähigkeiten.
Unter dem Kürzel »AsA« unterstützt die Bundesagentur für Arbeit Azubi und Betrieb durch Maßnahmen mit dem Ziel des erfolgreichen Abschlusses der Berufsausbildung. Dies kann neben einer ausbildungsbegleitenden auch eine ausbildungsvorbereitende Phase umfassen. Von der Bundesagentur für Arbeit beauftragte Bildungsträger stehen den ausbildenden Betrieben zur Seite.
Bevor wir uns dem BAföG als tragender Säule der Studienfinanzierung zuwenden, sei noch auf eine Reform des Aufstiegs-BAföG (vormals »Meister-BAföG«), eine 1996 eingeführte finanzielle Unterstützung für Fachkräfte, hingewiesen. Aufstiegs-BAföG ist ausschließlich für berufliche Aufstiegsfortbildungen verfügbar. Dies sind Fortbildungen, die auf öffentlich-rechtliche Prüfungen nach dem Berufsbildungsgesetz, der Handwerksordnung beziehungsweise auf gleichwertige Abschlüsse vorbereiten.
Hierbei werden insgesamt bis zu drei Fortbildungsstufen bezuschusst:
Geselle > Techniker
Techniker > Meister
Meister > Betriebswirt
50 % der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren werden vom Staat übernommen, der Rest wird als Darlehen gewährt. Der Zuschuss zum Lebensunterhalt beträgt bei Vollzeitmaßnahmen 100 %. Seine genaue Höhe ist abhängig von Familienstand und Haushaltseinkommen. Schließlich wird die Hälfte der Materialkosten für das Meisterstück gefördert, bis zu einer Grenze von 2000 Euro.
Ein Studium zahlt sich aus, Akademiker verdienen nach einer Studie des ifo Instituts im Durchschnitt fast doppelt so viel wie Menschen ohne Hochschulabschluss (https://www.ifo.de/DocDL/sd-2017-07-woessmann-etal-bildungsrenditen-2017-04-13.pdf).
Zuvor allerdings gilt es, fünf oder mehr Jahre ohne wesentliche Einkünfte zu überbrücken – oftmals sind auch noch beachtliche Studiengebühren zu entrichten.
Wo die Eltern frei nach der »Düsseldorfer Tabelle« nicht zum Lebensunterhalt beitragen können oder sollen, gibt es Finanzierungsalternativen, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) unterstützt junge Menschen bei einer schulischen Ausbildung oder dem Studium. Seit 1971 soll per Rechtsanspruch sichergestellt werden, dass sich auch Kinder von Eltern mit niedrigem Einkommen einen Hochschulbesuch leisten können. Seitdem wurden – Stand 2020 – mehr als 4 Mio. Studenten aus dem Programm unterstützt.
Das BAföG hat bereits eine Transformation vom Vollzuschuss über ein Volldarlehen hin zum jetzigen Mischmodell hinter sich.
Gefördert werden Bachelor- und Masterstudium. Die Höchstförderung beläuft sich ab dem Wintersemester 2020/2021 auf 861 Euro. Der BAföG-Rechner erlaubt näherungsweise eine individuelle Kalkulation zum Beispiel in Abhängigkeit vom Einkommen der Eltern und der Anzahl der Geschwister, welche sich ebenfalls in Ausbildung befinden.
Der Antrag ist jährlich aufs Neue beim zuständigen Studentenwerk zu stellen, sinnvollerweise sechs bis acht Wochen vor Semesterbeginn. Antragsberechtigt sind auch ausländische Studierende mit Bleibeperspektive, beispielsweise anerkannte Flüchtlinge. Das Studium muss vor Vollendung des 30. Lebensjahres begonnen werden, bei Masterstudiengängen vor Vollendung des 35. Lebensjahres.
Viele Studierende verzichten auf BAföG, weil sie eine Verschuldung fürchten. Hierbei sollte man aber beachten, dass nur die Hälfte der Förderungssumme nach fünf Jahren als zinsloses Darlehen zurückgezahlt werden muss. Die monatliche Regelrate liegt bei 130 Euro, Ausnahmen sind aber möglich. Studierende müssen insgesamt nicht mehr als 10 000 Euro zurückzahlen. Ein Erlass der Restschuld kann nach 20 Jahren beantragt werden, wenn sich der oder die Betroffene aufrichtig um Tilgung bemüht hat.
Auch kann man innerhalb des Bewilligungszeitraums einen gewissen Betrag hinzuverdienen, ohne eine (anteilige) Anrechnung befürchten zu müssen. So wird zum Beispiel ein Minijob mit 450 Euro monatlich nicht angerechnet. Allerdings schafften zuletzt weniger als 40 % der Hochschulabsolventen ihren Bachelor-Abschluss in der vorgeschriebenen Zeit. Zu extensiv betriebene Nebenjobs können ein Grund hierfür sein.
Laut Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) finanzierten sich in Deutschland 2019 nur 3 % der Studierenden über einen Studienkredit, hiervon wiederum 80 % bei der Förderbank KfW.
So können Studenten bei der KfW ein zunächst zinsloses Darlehen von bis zu 650 Euro im Monat beantragen. Sicherheiten werden nicht verlangt, es reichen eine Immatrikulationsbescheinigung und nach sechs Semestern ein Leistungsnachweis, welcher belegt, dass der Darlehensnehmer das Studium auch tatsächlich angetreten hat. Mit der Rückzahlung muss erst nach einer Karenzphase von 18 bis 23 Monaten begonnen werden. Der KfW-Studienkredit ist offen für alle staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland und sämtliche Studienrichtungen. Der Darlehensbetrag muss allerdings anders als beim BAföG komplett inklusive Zinsen zurückgezahlt werden. Die Zinsen zieht die KfW grundsätzlich von Anfang an jeden Monat vom Auszahlungsbetrag ab – es kann allerdings ein Zinsaufschub beantragt werden. Auch entfällt coronabedingt der Zins bis 31. März 2021. Der KfW-Studienkredit ist ohne Weiteres mit dem Erhalt von BAföG kombinierbar.
Eine Alternative bietet das Bundesverwaltungsamt mit seinem Bildungskredit, welcher auch für schulische Berufsausbildung zur Verfügung steht. Auch hier werden keine Sicherheiten verlangt. Es stehen bis zu 7 200 Euro über 24 Monate zu einem sehr wettbewerbsfähigen Zinssatz zur Verfügung. Auch hier ist eine Kombination mit BAföG möglich.
Bei einem Studium in Nordrhein-Westfalen sollte man zusätzlich das Angebot der Darlehenskasse der Studierendenwerke in Nordrhein-Westfalen prüfen. Hier können bis zu 12 000 Euro aufgenommen werden, davon bis zu 1000 Euro monatlich. Als Sicherheit ist eine Bürgschaft etwa durch die Eltern erforderlich.
Wo die Höhe des Zinssatzes nicht das Hauptkriterium ist, sollte auch das Angebot der privaten Geschäftsbanken an Studienkrediten konsultiert werden. Schließlich sind in den letzten Jahren alternative Finanzierungskonzepte wie der 2005 aufgesetzte Bildungsfonds von CareerConcept entstanden.
Steuerlich ist allerdings zu bedenken, dass Ausgaben für ein Erststudium in Deutschland nach wie vor nur begrenzt als Sonderausgaben mit derzeit 6000 Euro pro Jahr abzugsfähig sind, wie das Bundesverfassungsgericht im Januar 2020 bestätigt hat (Az. 2 BvL 22/14). In unbegrenzter Höhe abzugsfähige Werbungskosten liegen dagegen vor, wenn nach einem ersten beruflichen oder akademischen Abschluss zum Beispiel berufsbegleitend spezielle Masterabschlüsse erworben werden.
Das Start-up »DeineStudienfinanzierung« hilft Studierenden dabei, eine adäquate Finanzierung zu finden, Es prüft zum Beispiel auch, ob ein BAföG-Anspruch besteht. Über die digitale Plattform können auch entsprechende Anträge gestellt werden. Ist dieser erfolgreich, ist eine geringfügige Gebühr fällig.
Die wohl erste deutsche Studienstiftung wurde von Konrad Arnold 1485 in Freiberg gegründet. Die Wurzel einer allgemeinen Förderung wurde aber erst 1922 mit der Darlehenskasse der deutschen Studentenschaft gelegt.
Etwa jeder zwanzigste Student in Deutschland erhält heute ein Stipendium.
Die 1925 gegründete »Studienstiftung des deutschen Volkes« ist politisch und konfessionell unabhängig – und äußerst selektiv. Auf zehn Bewerber kommt etwa eine Zusage. Gleichwohl versuchen es die meisten Studenten gerade dort mit einer Bewerbung. Jährlich werden rund 2500 Stipendiaten aufgenommen, was die Studienstiftung zur größten Förderungsinstitution in Deutschland macht. Die Studienstiftung steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Für ein Stipendium muss man grundsätzlich von einem Veranstalter kooperierender Schülerwettbewerbe, von einem Rektor, Hochschullehrer oder Hochschulpräsidenten vorgeschlagen werden.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und private Förderer finanzieren seit 2011 jeweils zur Hälfte das Deutschlandstipendium. Beim Deutschlandstipendium erhalten Studenten monatlich 300 Euro. Gute Noten und gesellschaftliches Engagement erhöhen die Förderungschancen. Das Deutschlandstipendium soll schwerpunktmäßig Studenten aus Nichtakademiker-Familien zugutekommen. Bewerbungen erfolgen über die jeweilige Hochschule, welche an dem Programm teilnehmen muss.
Ein recht attraktives Aufstiegsstipendium bietet die »Stiftung Begabtenförderung« (SBB) Studienaspiranten mit Berufsausbildung und mehrjähriger Praxiserfahrung an. Jährlich können etwa 1000 Stipendien vergeben werden. Für ein Vollzeitstudium werden monatlich derzeit 815 Euro überwiesen. Die SBB vergibt auch das Weiterbildungsstipendium. Es soll junge Absolventen einer Berufsausbildung zum Beispiel bei einem berufsbegleitenden Studium unterstützen.
Studenten mit überdurchschnittlichen Leistungen und sozialem Engagement können sich auch von einem der 13 Begabtenförderungswerke mit monatlich bis zu 1000 Euro unterstützen lassen, welche ihrerseits Zuwendungen vom Bundesforschungsministerium erhalten. Die meisten Stiftungen haben hierbei einen religiösen beziehungsweise parteipolitischen Hintergrund oder sind gewerkschafts- oder arbeitgebernah.
In alphabetischer Reihenfolge sind dies
Avicenna-Studienwerk (muslimische Begabtenförderung)
Cusanuswerk – Bischöfliche Studienförderung (katholisch)
Evangelisches Studienwerk Villigst (protestantisch)
Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (jüdische Begabtenförderung)
Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nah)
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FDP-nah)
Hanns-Seidel-Stiftung (CSU-nah)
Hans-Böckler-Stiftung (gewerkschaftsnah)
Heinrich-Böll-Stiftung (parteinahe Stiftung von »Bündnis 90/Die Grünen«)
Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU-nah)
Rosa-Luxemburg-Stiftung (parteinahe Stiftung von »Die Linke«)
Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) und Studienförderwerk Klaus Murmann (unternehmer- beziehungsweise arbeitgebernah)
Studienstiftung des deutschen Volkes (politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig)
4 % der Teilnehmer an einer Allensbach-Studie mit dem Titel Großer Bedarf – wenig Förderung. Studienfinanzierung 2010 gaben an, sich bei der Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw) beworben zu haben.
Das »Studienförderwerk Klaus Murmann« der sdw gewährt geförderten Stipendiatinnen und Stipendiaten neben der finanziellen Unterstützung ein vielseitiges, interdisziplinäres Förderangebot, das unter dem Leitmotiv »Unternehmerisches Denken und Handeln in gesellschaftlicher Verantwortung« steht und der Persönlichkeitsentwicklung dient. Gefördert werden Studierende und Promovierende aller Fachbereiche, um ihren Gemeinsinn und ihre unternehmerische Grundhaltung weiterzuentwickeln. Die Bewerbung erfolgt über ein Bewerbungsportal.
Das »Elitenetzwerk Bayern« hat sich zum Auftrag gesetzt, junge Menschen auf dem Weg zur Führungs- und Verantwortungselite zu begleiten. Es gibt dazu landesweite Elitestudiengänge; gefördert werden auch Wissenschaftler in internationalen Doktorandenkollegien. Das Elitenetzwerk Bayern geht auf eine Initiative der Bayerischen Staatsregierung aus dem Jahr 2002 zurück. Mit dem Max-Weber-Programm als Teil des Elitenetzwerks Bayern werden seit 2005 begabte Studierende an bayerischen Hochschulen gefördert. Historisch lässt es sich auf das sogenannte Hundhammer-Stipendium zurückführen, das seit 1948 vergeben wurde. Das Programm umfasst eine Bildungspauschale von 1 290 Euro pro Semester und finanzielle Unterstützung bei Auslandsaufenthalten sowie eine fachliche und persönliche Betreuung. Durchgeführt wird das Programm von der Studienstiftung des deutschen Volkes. Derzeit können jährlich 400 Stipendiaten neu aufgenommen werden.
Das Land Berlin fördert seit 2017 Studenten ausgewählter Hochschulen aus den Bereichen Öffentliche Verwaltung, Verwaltungsinformatik und Soziale Arbeit mit 850 Euro brutto monatlich. Mehr als die Hälfte der Bewerber hatte jüngst Aussicht auf eine Zusage. Die Stipendiaten sollen nach Studienabschluss mindestens drei bis fünf Jahre für das Land Berlin arbeiten.
Insgesamt sollte man rechtzeitig vor Studienbeginn eine intensive Recherche starten. Einen Überblick gibt der »Stipendienlotse« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Auch ohne eine hervorragende Abiturnote kann man sich manchmal zum Beispiel über den Herkunfts- oder Studienort für ein Stipendium qualifizieren.
Reisen bildet, (Aus-)Bildung in anderen Ländern wird gefördert und kann sich auch steuerlich durchaus lohnen. Dabei können die Kosten eines Auslandsstudiums durchaus in erheblichem Umfang abzugsfähig sein. Zu unterscheiden ist hierbei nach Vollzeitstudium, Studiensemestern(n) und Forschungsaufenthalten, bei denen eine doppelte Haushaltsführung begründet wird.
Aufbaustudiengänge können mit ihren Kosten per Verlustvor- oder -rücktrag möglicherweise in andere Veranlagungszeiträume übertragen werden.
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert grundsätzlich auch Studenten mit eher durchschnittlichen Leistungen bei anderweitigen Stärken und Profilmerkmalen – wobei die akademische Leistung allerdings klar im Mittelpunkt steht. DAAD-Zuschüsse werden für Auslandsaufenthalte gewährt. Unter den etwa 90 Fördermöglichkeiten gibt es zum Beispiel Jahresstipendien für Studienaufenthalte im Ausland, Stipendien für ein Masterstudium im Ausland sowie Forschungsstipendien für Doktorandinnen und Doktoranden. Was die Förderhöhe anbelangt, arbeitet der DAAD mit länderspezifischen Stipendienraten.
Das EU-Programm »Erasmus+« soll vor allem auch Jugendlichen aus benachteiligten Verhältnissen Bildungsmöglichkeiten und Mobilität ermöglichen. Vollzeitstipendien stehen für die »Erasmus Mundus Joint Master Degrees« zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um internationale Exzellenzstudiengänge, die von mindestens drei europäischen Hochschulen angeboten werden. Ein Beispiel unter vielen: der von der Erasmus University Rotterdam koordinierte »European Master in Health Economics and Management«. Im »Erasmus+«-Programm gibt es zudem die Möglichkeit, zinsgünstige Darlehen für ein komplettes Vollzeit-Masterstudium im Ausland zu beantragen. Für Bachelor-Absolventen mit Wohnsitz in Deutschland steht dies derzeit allerdings nur für ein Masterstudium in Spanien zur Verfügung. Dies soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade für Bachelor-Studenten die Erasmus-Förderung extrem wichtig ist. Über 40 000 Deutsche profitieren hiervon jedes Jahr.
Das Rhodes-Stipendium ist eines der ältesten internationalen Stipendien. Cecil John Rhodes (1853–1902) schuf in seinem Testament die Grundlagen für eine Stiftung, die seit 1902 Stipendien für ein ein- bis dreijähriges Studium an der University of Oxford vergibt. So kommen inzwischen jährlich mehr als 90 Stipendiaten und Stipendiatinnen nach Oxford. Zu den deutschen Stipendiaten zählten zum Beispiel Adam von Trott zu Solz und Richard von Weizsäcker. Die Auswahl erfolgt neben akademischen Qualitäten auch nach Charaktereigenschaften sowie nach sportlichen Fähigkeiten. Ansprechpartner in Deutschland ist derzeit Prof. Dr. Dr. Nils Ole Oermann von der Leuphana Universität Lüneburg.
Bisher wurden diverse Möglichkeiten zur Ausbildungs- und Studienfinanzierung vorgestellt – auf nationaler wie internationaler Ebene. Dies erlaubt die Wahl zum Beispiel betriebswirtschaftlicher Studiengänge. Auf eine unternehmerische Karriere im weiteren Umfang bereitet dies noch nicht vor. Aber auch dafür gibt es spezifische Fördermaßnahmen. Steigen wir also in das Kernthema dieser Publikation ein.
Das Bundeswirtschaftsministerium zum Beispiel will der deutschen Gründungszurückhaltung nicht nur im Hochtechnologiebereich entgegentreten. Hierbei fokussiert sich die Förderung auf vier Themengebiete:
Entwicklung einer neuen Gründungskultur
gründungsbezogene Ausbildung an Schulen und Hochschulen
zielgerichtete Unterstützung von innovativen Gründungen
Unternehmensnachfolge
Das Förderprogramm EXIST des Bundeswirtschaftsministeriums will als Teil der »Hightech-Strategie für Deutschland« seit 1998 den Wissens- und Technologietransfer von den Hochschulen in neue Unternehmen beschleunigen und adressiert damit die ersten drei der genannten Themengebiete. Kofinanziert wird EXIST durch ESF-Mittel (Mittel des Europäischen Sozialfonds). Durch die Gründungsförderung Know-how der Hochschulen privatwirtschaftlich nutzbar zu machen und auf diese Weise finanzielle Mittel zu generieren, welche weitere Forschungsvorhaben ermöglichen, klingt überzeugend.
EXIST unterteilt sich in die folgenden Förderprogrammlinien:
EXIST-Gründungskultur: Adressaten sind die bundesdeutschen Hochschulen. Diese sollen mittels des Programms angehalten werden, eine hochschulweite Gründungsstrategie zu entwickeln und zu implementieren. EXIST-Gründungskultur wurde 2007 im Rahmen des Förderprogramms »EXIST III« gestartet.
EXIST-Gründerstipendium: Hier werden für maximal zwölf Monate Stipendien für Studierende beziehungsweise Studienabsolventen (Teams mit maximal drei Personen) vergeben, die die unternehmerische Selbstständigkeit anstreben. Das Stipendium wird über die jeweilige Hochschule beantragt. Die Gründung darf erst nach Antragstellung erfolgen. Monatlich werden – in Abhängigkeit vom Qualifikationsniveau – 1000 Euro (Studierende), 2500 Euro (Absolventen) beziehungsweise 3000 Euro (Promovierte) ausgezahlt. Dazu können – in Abhängigkeit von der Teamgröße – Zahlungen für Sachmittel und Coachings in Höhe von maximal 30 000 Euro kommen. Eine Befragung geförderter Unternehmensgründer zeigt, dass die Überlebensquote von Unternehmen der EXIST-Gründerstipendiaten überdurchschnittlich hoch ist und dass die geförderten Gründungen eine vergleichsweise hohe durchschnittliche Mitarbeiterzahl aufweisen. Was die Herkunft der Stipendiaten anbelangt, liegen Berlin, München und Dresden vorn.
EXIST-Forschungstransfer: Dieses aus Mitteln des ESF kofinanzierte Programm lässt sich in die Förderphasen I und II unterteilen. In Phase I werden Sachmittel in Höhe von maximal 250 000 Euro gewährt, zum Beispiel, um Businessplan und Prototyp zu erstellen. In der Förderphase II, kurz nach der Gründung, wird ein Gründungszuschuss von bis zu 180 000 Euro für weitere Entwicklungsarbeiten, die Aufnahme der Geschäftstätigkeit sowie die Schaffung der Voraussetzungen für eine externe Unternehmensfinanzierung ausgezahlt. Antragsteller für die Förderphase II sollten kleine technologieorientierte Kapitalgesellschaften sein, welche im Verlauf von Phase I gegründet wurden.
Das Förderinstrument »VIP+« (Validierung des technologischen und gesellschaftlichen Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unterstützt Forscher auf dem Weg von der Grundlagenforschung hin zum vermarktbaren Produkt. Eine erfolgreiche Validierung reduziert das Risiko für Kapitalgeber, in die weitere Entwicklung des Produkts zu investieren. Zu entsprechenden Validierungstätigkeiten zählen zum Beispiel die Durchführung von Testreihen und Pilotanwendungen, die Entwicklung von Demonstratoren und Funktionsmodellen, Erfindungsadaptionen, Marktanalysen und Schutzrechtsanalysen. Weiterführende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten werden bis zu drei Jahre mit maximal 1,5 Mio. Euro bezuschusst. Anträge können jederzeit gestellt werden.
Der »GO-Bio«-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums ist ein branchenspezifisches Angebot für gründungsbereite Forscherteams im Bereich Life Science. Die entsprechenden Auswahlrunden finden seit 2005 statt. Antragsberechtigt sind Hochschulen und Forschungseinrichtungen, nicht die potenziellen Gründer selbst. Grundsätzlich können über maximal vier Jahre verteilt bis zu 8 Mio. Euro bezuschusst werden. Spezifische Coachings und Beratungsleistungen können gesondert gefördert werden. Die Förderhöhe und -dauer unterscheidet sich nach Phase I (vor der Gründung) und Phase II (nach der Gründung). Der Aufwand für die Antragstellung ist allerdings recht hoch und am Ende werden auch nur sehr wenige Projekte gefördert. Mit der Fördermaßnahme »GO-Bio initial« unterstützt das Bundesforschungsministerium die Identifizierung und Entwicklung früher lebenswissenschaftlicher Forschungsansätze mit deutlichem Innovationspotenzial – bereits zum Zeitpunkt einer skizzenhaften Verwertungsidee.
Auf Ebene der Bundesländer existieren einige entsprechende Programme im Bereich der Gründungsstipendien, teilweise hochschulgebunden. Sie erfordern in der Regel einen Wohn- und/oder geplanten Unternehmenssitz im jeweiligen Bundesland. In Schleswig-Holstein wurden die 2002 bis 2011 vergebenen I-SHGründerstipendien einer Evaluation unterzogen. Wichtig: Mit der Auflösung der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein sind diese Stipendien (zunächst) entfallen. Ein Ergebnis: 80 % der Gründungsprojekte wären nach der Befragung ohne die ISH-Gründerstipendien nicht mehr beziehungsweise nur mit stark verminderter Intensität weiterverfolgt worden.
Die Förderbank KfW haben Sie bereits im Zusammenhang mit dem von ihr vergebenen Studienkredit kennengelernt. Durchaus vielschichtig ist auch ihr Programm im Bereich Immobilienerwerb und -sanierung. Möglicherweise war der forschende Existenzgründer ja so erfolgreich (oder so sparsam), dass er bereits den Eigenkapitalanteil für einen Immobilienerwerb ansparen konnte, sodass ein solches privates Projekt in die Lebensplanung passt. Dann sollten auch die passenden Fördermittel beansprucht werden.
Knapp die Hälfte der Einwohner Deutschlands lebt in den eigenen vier Wänden. Zwei Drittel des Wohnungsbestandes wurden vor 1979 gebaut, ein Viertel ist sogar älter als die Bundesrepublik.
