Die Formeln der Erfolgreichsten II - John Train - E-Book

Die Formeln der Erfolgreichsten II E-Book

John Train

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Beschreibung

Warren Buffet, John Templeton, Benjamin Graham, Jim Rogers, George Soros – bei diesen Namen werden die meisten Trader sofort hellhörig. Denn: weltweit gibt es nicht mehr als vielleicht 20 dieser Ausnahme-Trader, die es geschafft haben, aus eigener Kraft viele Millionen zu verdienen. Jeder davon setzte auf seine eigene Strategie: Rogers auf Rohstoffe, Buffet auf die Methode des Value Investings, usw. Eine Eigenschaft ist jedoch bei allen zu erkennen – ob in der Vergangenheit oder heute – das sichere Gespür für profitable Trends ist bei allen vorhanden. Aber wie denken die »Meister«? Welche Informationsquellen nutzen sie? Wie sehr verlassen sie sich auf Fakten und wie sehr auf Psychologie? Und warum kaufen Sie welche Aktien? In seinen Büchern widmet John Train nicht nur jedem Meister des Geldes ein eigenes Kapitel, er stellt auch deren faszinierende Persönlichkeit vor und enthüllt die einzigartigen Anlagestrategien. Der Leser erfährt woran die Großen dieser Branche erkennen, ob ein Markt zu hoch oder zu niedrig bewertet ist und wann es sich lohnt, an den Aktienmärkten zu investieren. Unter der Anleitung der Großen können sowohl Laien als auch professionelle Anleger ihre Gewinne maximieren.

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Seitenzahl: 567

Veröffentlichungsjahr: 2006

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John Train

Die Formeln derErfolgreichsten2

John Train

Die Formeln derErfolgreichsten2

George Soros, Jim Rogers und Co.Strategien der größten Finanzgenies der Welt

Aus dem Amerikanischen von Horst Fugger

FBV

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der DeutschenNationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überhttp://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

2. Auflage 2013

© 2006 by Finanzbuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Original edition copyright © 1989 by John Train. All rights reserved.

Published by arrangement with HarperCollins Publishers, Inc. Der Text basiert auf der 1994 bei HarperBusiness erschienenen Paperback-Fassung mit dem Titel „The New Money Masters“.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Übersetzung: Horst Fugger

Gesamtbearbeitung: UnderConstruction, München

Umschlaggestaltung: Angelika Feldwieser

Lektorat: Dr. Renate Oettinger

Druck: Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN Print 978-3-89879-783-2

ISBN E-Book (PDF) 978-3-86248-407-2

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86248-833-9

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.finanzbuchverlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unterwww.muenchner-verlagsgruppe.de

eBook by ePubMATIC.com

Inhalt

Danksagung

Geleitwort von Senator Claiborne Pell

Vorwort

Inhalt

1 Jim Rogers: „Top-down“-Investor

2 Michael Steinhardt: Strategischer Händler

3 Philip Carret: Der Geldverstand

4 George Soros: Globaler Spekulant

5 Altes Geld: Neues Geld, das gelernt hat zu überleben

6 George Michaelis: Apostel des Kapitalertrags

7 John Neff: Disziplin, Geduld … und Gewinne

8 Ralph Wanger: Kleine Metaphern

9 Das Management von Harvards Geld

10 Peter Lynch: Gnadenlose Jagd

11 Schlussfolgerungen, Nachwort

Anhang

I. James Rogers‘ Investitions-Arbeitsblatt

II. Kapitalbeteiligungen des Soros-Fonds-Managements

III. Auszüge aus den Kommentaren zu Source Capital

IV. Portfolio und statistisches Profil von Source Capital

V. „Bericht-Karten“ des Windsor Fonds

VI. Das Portfolio des Windsor Fonds

VII. Auszüge aus den Berichten des Acorn Fonds

VIII. Das Portfolio des Acorn Fonds

IX. Das Portfolio der Harvard Management Company

X. Das Portfolio des Fidelity Magellan Fonds

Danksagung

Ich danke Kenneth Lubbock für seinen Rat und seine organisatorische Unterstützung, Virginia Armat für ihre redaktionelle Hilfe, Helen Train, Barbara Philips, Jane Vaughan, Piers Dixon und Charles Phipps für die Durchsicht des Manuskripts und Claudette Teen und Diane Scarborough für ihre Geduld mit meiner unleserlichen Handschrift und meinen undeutlichen Diktaten.

Ein Teil von „Das Management alten Geldes“ erschien in der New York Times, ein anderer Teil im Harvard Magazin, genau wie „Das Management von Harvards Geld“ und die Abschnitte über Philip Carret und Michael Steinhardt.

Geleitwort

Vor zehn Jahren schrieb ich ein Geleitwort zu Die Formeln der Erfolgreichsten - 1. Dank dieser Unterstützung – aber vielleicht war es auch das Verdienst des Werkes selbst – wurde das Buch ein Bestseller und ist seither immer wieder aufgelegt worden. Jetzt erscheint die Fortsetzung, und ich wünsche ihr ebensolchen Erfolg.

Da wir gerade bei Glasnost sind, sollte ich gestehen, dass ich nicht nur John Trains Cousin, sondern auch sein Kunde bin. Nachdem das klargestellt ist, kann auch gesagt werden, dass die Aktien, die seine Firma gekauft hat, während der letzten zehn Jahre einen Gesamtertrag von 19 Prozent abgeworfen haben und er somit in der gleichen Liga spielt wie die Leute, über die er schreibt. Er weiß also, wovon er spricht.

Claiborne Pell

Vorwort

Dieses Buch soll das Studium der neun großen Investoren aus The Money Masters, das 1980 erstmals veröffentlicht wurde, ergänzen.

Seither sind einige der ursprünglichen Meister von der Bildfläche verschwunden und neue Meister sind aufgetaucht – in einigen Fällen Praktiker neuartiger oder ungewohnter Techniken.

Es schien also an der Zeit, den Horizont erneut abzusuchen. Zur Abwechslung habe ich auch untersucht, wie einige berühmte Institute und reiche Familien ihre Investitionen handhaben. Ich hoffe, die Leser haben Freude an einer Durchleuchtung der komplizierten und manchmal verzerrten Mechanismen hinter dem nichtssagenden äußeren Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit. Und ich habe eine berühmte Person einbezogen, Philip Carret, der mit seiner mehr als sechzigjährigen Erfahrung im Geschäft alles andere als „neu“, dafür aber umso lehrreicher ist.

Nach der Untersuchung der nun folgenden Fälle werde ich im Abschnitt Schlussfolgerungen versuchen zusammenzufassen, was wir aus ihnen lernen können: wie sich diese Meister von ihren Vorgängern unterscheiden und wie man von ihren Entdeckungen profitieren kann.

Ich sollte auch erwähnen, dass ich bei mehreren der „Meister“ Geld investiert habe.

Es ist nicht die Absicht dieses Buches, spezielle Investitionsratschläge zu erteilen, sondern nur, allgemeine Beobachtungen wiederzugeben. Der Autor, der Verlag und die zitierten Quellen lehnen jegliche Verantwortung für Verluste, die aus der Anwendung ihrer Vorschläge entstanden sein mögen, ab.

1. Jim Rogers

„Top-down“-Investor

Besonders erfolgreiche Investoren entwickeln bisweilen neuartige Anlagestrategien. Einer von ihnen ist Jim Rogers: Er setzt auf ganze Länder. Er erkennt, dass ein Land viel versprechender ist als allgemein angenommen, und macht seinen Einsatz, bevor andere Anleger auch nur begreifen, dass eine derartige Transaktion rein technisch möglich ist.

Nehmen wir z. B. Portugal. Nach der Machtübernahme durch die extreme Linke im Jahr 1974 befand sich das Land am Rande eines Bürgerkrieges. Die Situation ähnelte derjenigen Chiles unter Salvador Allende. Die Regierung holte Berufsaktivisten ins Land, die dabei helfen sollten, die Machtergreifung durch die Kommunisten vorzubereiten: Im Falle Chiles waren das mehrere tausend aus Kuba, im Falle Portugals einige hundert aus der Sowjetunion. Das Kapital floh ins Ausland, und die Wirtschaft brach zusammen. Dann erkämpfte die portugiesische antikommunistische Partei ihre Rückkehr an die Macht und löste die radikale Linke ab. Das Risiko einer Machtergreifung durch die Kommunisten schwand, und das Land atmete auf. Nach und nach kehrte auch das Vertrauen zurück. Der Tourismus und die Wirtschaft lebten wieder auf, auch wenn sie das frühere Niveau bei weitem nicht mehr erreichten. Es gab ein paar bedeutende ausländische Investitionen in die Industrie, aber die Börse, sowieso nur eine äußerst bescheidene Angelegenheit, blieb Ausländern verschlossen.

1984 hielt Rogers die Zeit für gekommen. Er trat wegen Investitionen vor Ort an die portugiesischen Finanzbehörden heran. 1985, sechs Monate später, erhielt er die Erlaubnis, etwaige Gewinne aus Geschäften an der örtlichen Börse in Dollar umzutauschen. Das führende Kapitalanlageunternehmen in Lissabon hielt portugiesische Werpapiere für nicht empfehlenswert und riet ihm ab, sie zu kaufen. Rogers wies dennoch an, alle 24 Aktien, die an der Lissaboner Börse notiert waren, und anschließend auch alle Neuemissionen zu erwerben. Schließlich waren insgesamt 35 Wertpapiere in seinem Besitz. Seither geht es mit Portugal bergauf. Sein kühner Schachzug war ausgezeichnet gelungen.

Ein weiterer Coup glückte Rogers 1984 in Österreich. Die österreichische Börse stagnierte bei knapp über der Hälfte ihres Niveaus von 1961, also von vor 23 Jahren. Mehrere europäische Länder hatten Investitionsanreize gegeben, um ihre Kapitalmärkte anzukurbeln. Zu ihnen gehörte auch Frankreich, dessen Wirtschaft und Währung unter der sozialistischen Regierung von Françoise Mitterrand zusammengebrochen waren. Rogers erkannte, dass sich die österreichische Regierung anschickte, dem Beispiel dieser Länder zu folgen. Er war sicher, dass die europäischen Geldmanager, die ihr Augenmerk auf alles richteten, was sich bisher nicht bewegt hatte, zu gegebener Zeit den Blick auf Österreich lenken würden. Er erkundigte sich bei der New Yorker Zweigstelle von Österreichs wichtigster Bank nach ausländischen Investitionsmöglichkeiten in österreichische Wertpapiere. Bei der Bank wusste man nichts darüber: Es hatte praktisch noch kein Anlegerinteresse an diesem, zwar weitgehend sozialistisch geprägten, aber stabilen und erfolgreichen Land gegeben. Außerhalb Österreichs waren so wenige Informationen erhältlich, dass Rogers persönlich nach Wien fuhr, um Erkundigungen einzuholen. Im Finanzministerium fragte er nach, welche politischen Parteien oder andere Interessen einer Liberalisierung der Börse und einer Förderung ausländischer Investitionen entgegenstünden. Als er erfuhr, dass es keine gebe, wusste er, dass sein Vorhaben nicht misslingen würde.

Ein Problem kristallisierte sich dennoch heraus: Morgan Stanleys Internationaler Index führte österreichische Wertpapiere auf, die zum 67fachen Gewinn gehandelt wurden – eine erschreckend hohe Zahl. Durch Nachforschungen entdeckte Rogers jedoch, dass dies eine völlig irreführende Statistik war, da der Index aus nur neun Unternehmen bestand, von denen drei Geld verloren. Morgan Stanley sagte weiterhin, der österreichische Markt sei nicht liquide genug. Wie sich herausstellte, war dies aber nur deshalb so, weil die meisten Transaktionen außerhalb der Börse stattfanden: Es gab einen regen Handel der Banken untereinander. „Man sollte Morgan Stanley erschießen“, war Rogers freundlicher Rat. Andererseits war dank Morgan Stanleys düsterer Zahlen und wahrscheinlich auch wegen der geistigen Unbeweglichkeit der ausländischen Anleger fast kein anderes externes Interesse an Österreich vorhanden. Also machte Rogers seinen Einsatz, und bereits im nächsten Jahr stieg der Aktienindex der Kreditanstalt um 145 Prozent.

Während dieser Zeit wuchs bei Rogers die Überzeugung, dass der deutsche Markt für einen Aufschwung bereit war. 15 Jahre lang war es ruhig um ihn gewesen, und im Land wuchs der Druck, seinen Kapitalmarkt zu liberalisieren. Zu dieser Zeit sagte er: „Der deutsche Markt wird in den nächsten drei Jahren überaus profitabel sein. Er wird einen spektakulären Aufschwung erfahren, der die Deutschen völlig überrumpeln wird.“ Er rief einen deutschen Börsenmakler an und erklärte, eine Reihe von Aktien kaufen zu wollen. Der Makler fragte, ob er Rogers Empfehlungen, Berichte, Zeitungsartikel, Tageskurse zusenden solle. „Nein“, antwortete Rogers. „In Deutschland wird es eine unglaubliche Explosion geben. Wenn ich die Kurse auf regulärerer Basis sehe, verkaufe ich die Aktien vielleicht.“ Er kaufte, und der Markt zeigte eine Aufwärtsbewegung. Im Sommer 1986, nachdem sich die Kurse in 18 Monaten verdoppelt hatten, verkaufte er wieder.

Rogers tätigt genauso gerne Leerverkäufe, wie er sich mit Aktien eindeckt – das heißt, dass er Aktien verkauft, die er gar nicht besitzt, in der Hoffnung, sie später billiger zurückkaufen zu können. „Es macht großen Spaß, ein Land zu finden, über das keiner etwas weiß“, sagt er. „Noch besser ist nur ein Land, in dem die Kurse hochgetrieben worden sind, und daraufhin leerzuverkaufen.“ Im gleichen Jahr, in dem er seine Spekulationskäufe in Österreich tätigte, setzte er auf einen Abschwung des schwedischen Marktes, der in vier Jahren um das fast Sechsfache gestiegen war. Der Kursverfall an der schwedischen Börse lag nur etwa zehn Prozent über dem des Folgejahres, aber die besonderen Spekulationsfavoriten, die Rogers leerverkaufte, darunter Ericsson, ASEA, Pharmacia und Gambro, fielen um 40 bis 60 Prozent.

1986 versuchte er es wieder mit Leerverkäufen, diesmal in Norwegen. Er erklärte: „Sie hatten enorme Erdöleinkommen und dachten, es würde immer so weitergehen. Seit damals ist der Ölpreis eingebrochen. Und dieser Preis war früher im Jahr so hoch wie nie zuvor gewesen. Es liegt nahe, hier leerzuverkaufen.“ Die norwegische Börse stieg, sackte dann aber im Crash von 1987 ab. Im November 1987 kaufte Rogers seine norwegischen Aktien, zusammen mit seinen gesamten anderen ungedeckten Wertpapieren, zurück.

1985 versuchte sich Rogers auf der malaiischen Halbinsel. Zu dieser Zeit hatte Singapur eine 42-prozentige Sparrate. Premierminister Lee Kuan Yew hatte, aus wirtschaftlicher Sicht, die Schraube eng angezogen. Er verlangte sowohl von den Arbeitgebern als auch von den Arbeitnehmern, in einen zentralen Rentenfonds einzuzahlen. Dann erlaubte er, dass von einem Teil des Geldes Standardaktien gekauft wurden. Schließlich senkte er auch die Steuern auf Investitionen. Das schuf die Voraussetzungen für eine Steigerung der Nachfrage nach Aktien, löste diese aber letztlich nicht aus, da die Wirtschaft und die Börse ganz allgemein schwach waren. Hatte das Wachstum 1984 noch 8,2 Prozent betragen, so war es im zweiten Viertel des Jahres 1985 auf minus 1,4 Prozent gesunken. Daraufhin leitete die Regierung eine Reihe von Notmaßnahmen ein, um die Wirtschaft anzukurbeln. Aber Pan Electric, eine große Holdinggesellschaft mit Sitz in Singapur und Dutzenden von Tochtergesellschaften in Hongkong, Malaysia, Bermuda, Brunei und Großbritannien ging Bankrott. Die Regierung geriet in Panik, und am 2. Dezember schlossen die Börsen von Singapur und Kuala Lumpur.

Rogers erklärte seinen Freunden von der Regierung, dass dies ein großer Fehler sei, und als die beiden Börsen einige Tage später wieder öffneten, waren die Kurse wirklich um ein Viertel gefallen. Für Rogers war das aber ein Signal dafür, dass der Tiefpunkt erreicht war, und er stieg ein. Malaysia untersagte öffentliche Neuemissionen von Wertpapieren, bis die Ordnung an der Börse wiederhergestellt sei; Singapur sprach ein ähnliches Verbot aus. Diese Einschränkung des Angebots, gepaart mit wachsender Nachfrage durch die Steuersenkungen, ließ die Kurse schließlich steigen. Beide Börsen verdoppelten ihre Werte in den folgenden 18 Monaten. Rogers glaubt, dass beide Länder, da sie ursprünglich Rohstoff-Wirtschaften sind, weiterhin erfolgreich sein werden, wenn man voraussetzt, dass die Warenkurse sogar leicht steigen könnten.

Rogers sagt auch Brasilien zu, wo er einen bestimmten Geldbetrag investiert hat, obgleich man die Währung nicht umtauschen kann. In Brasilien stieg er Anfang der 70er-Jahre ein. Ein leitender Angestellter der Börse hatte ihm gesagt, es sei für Ausländer unmöglich, dort offen zu investieren; man müsse über den Schwarzmarkt handeln.

„Na gut, wo ist der Schwarzmarkt?“, hatte Rogers gefragt.

„Ich bin der Schwarzmarkt“, war die Antwort des Mannes gewesen.

Rogers eröffnete ein Bankkonto auf den Namen eines Brasilianers, dem er nie begegnet war, ließ seine Aktiengeschäfte darüber laufen, zahlte die Bankgebühren und verdiente eine Menge Geld. „Die ganze Börse stieg innerhalb weniger Jahre um das Zehn- oder Fünfzehnfache. Nicht nur eine Aktie, sondern die gesamte Börse! Das ist, als würde der Dow Jones auf 23.000 springen!“, sagt er.

Rogers hat gewöhnlich kein Interesse daran, einen Strohmann einzuschalten, um die Börsenkontrollen zu umgehen. Was geschieht, wenn der Mann stirbt? John Templeton hat Rogers erzählt, dass er in Korea kauft, aber da das theoretisch legal nicht möglich ist, weiß Rogers nicht, wie er es in der Praxis anstellt.

Rogers war immer darauf bedacht, seine Wertpapierbestände in seinem eigenen Namen bei der größten Bank des jeweiligen Landes zu halten, vorzugsweise bei einer mit einer Zweigstelle in New York. Er argumentiert, dass die größte Bank im Falle einer nationalen Krise als Letzte in Konkurs gehen wird.

Schlüsseltests für ein gutes Land

Rogers vier Kriterien für ein Land, in das zu investieren sich lohnt, sind:

1. Das Land muss wirtschaftlich erfolgreicher sein, als es vorher war.

2. Es muss ihm besser gehen, als allgemein angenommen wird.

3. Die Währung muss umtauschbar sein. Währungskonvertibilität ist ein interessantes Problem. Grundsätzlich findet er es am besten zu warten, bis er eine Währung umwechseln kann. Soll ein Währungsumtausch erst im folgenden Monat möglich gemacht werden, so wartet er diesen einen Monat ab. Der Grundgedanke dabei ist, dass man immer noch genügend Zeit für Investitionen hat, wenn die Währung erst einmal konvertierbar ist.

4. Es muss Liquidität für den Anleger vorhanden sein. (Deshalb kauft er keine Aktien ohne amtliche Zulassung.) „Ich möchte immer aussteigen können, wenn ich mich geirrt habe“, sagt er.

Abgesehen von allem anderen ist es sinnlos zu kaufen, wenn andere Ausländer das nicht auch können. Deshalb betritt Rogers ein Land am liebsten auf konventionelle Weise, um zu sehen, welche Erfahrungen diejenigen machen, die nach ihm kommen. Manche Leute behaupten, z.B. dem Vorstandsvorsitzenden der Zentralbank vorgestellt zu werden. Laut Rogers wäre es aber auch möglich, dass dieser Würdenträger es kaum erwarten kann, Investoren anzulocken. Weniger gut eingeführte Anleger werden dagegen wahrscheinlich nicht auf die gleiche Weise empfangen.

Rogers betrachtet Indonesien als Kaufkandidaten. 1988 machte es seine Währung konvertierbar. Der pazifische Raum boomt, Indonesien ist reich an Bodenschätzen, und seine große und fähige Bevölkerung gewöhnt sich an die Vorzüge des Kapitalismus. Es wurde eine Kommission gebildet, die Ausländer zu Investitionen ermutigen soll. Die Behörden beschlossen, eine Börse zu eröffnen, weil das auch die anderen Länder in der Region getan hatten. 24 Aktien wurden zum Börsenhandel zugelassen (von denen aber nur ein paar auch Ausländern zugänglich waren). All diese Maßnahmen hatten Erfolg. Dann stellten sie sich die Frage: „Wie können wir die einheimische Bevölkerung zum Aktienerwerb anregen, nachdem es uns gelungen ist, Ausländer zum Kaufen zu bewegen?“ Laut Rogers beginnt der ganze Investitionsprozess dort gerade erst, und wenn er Recht hat, wird er sich noch stark entwickeln. Er glaubt, dass die landwirtschaftlichen Produkte, die die Wirtschaft stützen, stark ansteigen werden, und er sagt auch einen Aufschwung beim Erdöl in dieser Region voraus. „In fünf Jahren werden Merrill Lynch und James Capel dort Büros haben. In sieben Jahren wird der Warenhandel boomen; sogar Bache wird eine Zweigstelle aufgemacht haben, und das wird der Höhepunkt sein. Ein Investor, der bereit ist, etwas zu riskieren, sollte sich an einen indonesischen Börsenmakler wenden und alle Aktien und Neuemissionen, die er bekommen kann, kaufen.“

Neulich habe Templeton ihn angerufen, sagt Rogers, und ihn darauf hingewiesen, dass die Dinge in einem bestimmten Land außerordentlich preiswert erschienen. Rogers antwortete, es würde ihn interessieren, warum sie so preiswert seien. Es gebe massenhaft Länder, in denen die Aktien billig seien und auch billig blieben, also wolle er die Gründe für einen möglichen Umschwung erfahren. Als er in Österreich und Portugal kaufte, hätten die Investoren nicht einmal gewusst, wie man eine Investition in diesen Ländern praktisch durchführen sollte. Als er erfuhr, dass diese Informationen zukünftig erhältlich sein würden, sah er dort bessere Investitionsmöglichkeiten vorher, die sich auf eine steigende Nachfrage aus dem Ausland stützten.

Unbebautes Land

Ich beschrieb Rogers meine eigenen Erfahrungen hinsichtlich der Suche nach einer Möglichkeit, von neuen Erdölfunden im Ausland zu profitieren. Ich hatte erkannt, dass Parkplätze in Provinz- oder Landes-Hauptstädten ein interessanter Ansatz sind. Sie unterliegen keiner Mietkontrolle, und man muss keine großen Kapitalbeträge für Verbesserungen hineinstecken. Schließlich fließt immer ein großer Teil des Gewinns aller Mineralienfunde an die Regierung, weil sie die Ölgewinne unweigerlich besteuert. Dann baut sie die betroffenen Ministerien aus, was mehr Beamte, mehr Büros und mehr Wohnungen mit sich bringt. So kommt ein starkes Wachstum in der Hauptstadt zustande. Sogar in Schottland war das während der Ölbohrungen in der Nordsee eine viel einfachere Lösung, als herauszufinden, welche Forschungsgesellschaften die besten Gebiete hätten oder welche die führenden Unternehmen beim Verkauf von Ölleitungen oder bei der Bereitstellung von Hubschrauberdiensten für die Bohrinseln seien. Die Preise für unbebautes Land in der Hauptstadt werden schließlich emporschnellen und einem in der Zwischenzeit zu einem relativ sorgenfreien Leben verhelfen.

Rogers stimmte zu, wies aber darauf hin, dass sich unbebauter Boden, wenn etwas schief ginge, vielleicht nicht verkaufen ließe. Die Börse könne auf die Hälfte oder sogar auf ein Viertel ihres Wertes einbrechen, aber dort könne man wenigstens aussteigen. Ich erwiderte, dass auch Börsen – und zwar gar nicht selten – geschlossen oder hoffnungslos illiquide werden könnten. Das war vorher übrigens in vielen der Länder, von deren Erholung er später profitierte, geschehen. In Frankreich gibt es gewöhnlich eine Flucht aus finanziellen Vermögenswerten in Grundbesitz, wenn die Lage sehr heikel wird. Und es kann von Vorteil sein, wenn man nicht in der Lage – und somit auch nicht versucht – ist zu verkaufen: Unbebauten Boden auf sehr lange Sicht zu behalten ist wahrscheinlich die profitabelste aller Investitionsstrategien. Rogers leugnet das nicht, zieht für sich selbst jedoch Liquidität vor.

Voreiliges Handeln

Manchmal versucht Rogers sein Glück in einem bis dahin unentdeckten Land zu früh. 1985 hatten die Unruhen im Iran und in Afghanistan die Versorgung des Westens mit orientalischen Teppichen stark eingeschränkt. Durch eine Information ermutigt, dass die nepalesische Wirtschaft dank verstärkter Nachfrage nach Teppichen dort boomen würde, reiste Rogers nach Katmandu. Der Leiter der nepalesischen Börse war ziemlich erstaunt über das Interesse dieses einzelnen Amerikaners. Es zeigte sich, dass die Börse lediglich aus neun Aktien bestand, die nur in geringem Umfang gehandelt wurden. Rogers erinnert sich daran, gedacht zu haben, als er in die winzigen Geschäfte in Katmandus Hauptstraße blickte: „Das ist eine wirklich primitive Gesellschaft. Sie ist zu weit entfernt und zu kompliziert, und es gibt absolut keine Kommunikationsmöglichkeiten.“ Er entschied, dass es wahrscheinlich besser sei, einen Motorradausflug in den Himalaya zu unternehmen, als hier zu investieren.

Hintergrund

Wie bekommt man ein Gespür für die Risiken und Möglichkeiten in verschiedenen Ländern? Durch Reisen und indem man Geschichte und Philosophie studiert – aber nicht an der Wirtschaftsfakultät. Rogers sagt, er habe Erfolg gehabt, weil er Dinge entdeckt habe, die andere nicht interessiert hätten, und Orte, zu denen die anderen zwar noch nicht gelangt, aber dabei seien, sie zu entdecken. Rogers zitiert Kipling: „Was kann derjenige über England wissen, der nur England kennt? Er behauptet, in den Vereinigten Staaten zu seiner Sicht von England und in England zu seiner Sicht von den Vereinigten Staaten gelangt zu sein.“

Schon als Student interessierte er sich für internationale Währung und Investitionsbestrebungen. Als er Anfang der 60er-Jahre nach seinem Studienabschluss in Yale nach Oxford ging, wo er ein Stipendium erhalten hatte, wuchs in ihm die Überzeugung, dass das Pfund Sterling nachgeben würde. Daher spazierte er Tag für Tag mit nur ein paar Shilling in der Tasche herum und hoffte, seine Dollar nach der unvermeidlichen Abwertung zu einem günstigeren Kurs umtauschen zu können. Wahrscheinlich war sie wirklich unvermeidlich, aber Rogers war bereits in die Vereinigten Staaten heimgekehrt, als die britische Regierung das Pfund schließlich fallen ließ.

Als angeblich „armer Junge aus Alabama“ wuchs Rogers in Demopolis (7.800 Einwohner) auf, wo das Telefon der Familie die einprägsame Nummer 5 hatte. Die nächstgelegene größere Stadt, Selma, mit der gewaltigen Einwohnerzahl von 19.000 war 50 Meilen entfernt. Sein Vater, Mitglied einer alten Familie aus Alabama, leitete ein Werk für die Borden Chemical Company, die Leim und Formaldehyd herstellte.

Rogers besuchte Yale und machte 1964 seinen Abschluss. Da er nicht genau wusste, was er machen sollte, bewarb er sich an mehreren Hochschulen und führte auf dem Campus Vorstellungsgespräche mit einigen Firmenanwerbern. Einer der Gesprächspartner von Dominick & Dominick war in Hell’s Kitchen in New York City aufgewachsen. Rogers und sein Interviewer fanden Gefallen aneinander und ein Jobangebot war die Folge. Zu dieser Zeit, so erklärte Rogers, habe er beschlossen, im Herbst nach Oxford zu gehen: Er fragte seinen neuen Freund, ob er nur den Sommer über arbeiten könnte. Das war zwar ungewöhnlich, doch schließlich arrangierte man sich. Damals konnte Rogers eine Aktie nicht von einem Pfandbrief unterscheiden. Aber er verliebte sich fast auf der Stelle in das Wertpapiergeschäft.

„Was mir daran gefiel, war nicht so sehr die Geldinvestition, denn damals hatte ich kein Geld, sondern dass alles, was man zu tun hatte, war, seinen Verstand zu gebrauchen und die Welt aufmerksam zu beobachten. Zu dieser Zeit interessierte es mich sehr, was auf der Welt vorging, und ich verschlang die Bücher geradezu. Man musste nicht die richtige Krawatte tragen1, man musste nicht in den Countryclub eintreten, und man musste keiner Vereinigung angehören. Man konnte machen, was man wollte, und wurde auch noch dafür bezahlt. Ich dachte, das sei das Aufregendste, was ich je erlebt hätte.“ In diesem Herbst ging er nach Oxford, wo er, da er klein ist, als Steuermann bei den Ruderwettkämpfen eine blaue Mütze verdiente. (Merkwürdigerweise wuchs auch John Templeton in einer südlichen Kleinstadt auf und besuchte Yale und Oxford. Der Rektor von Balliol stellte ihn und Rogers einander vor.)

Rogers hat eine bescheidene, fast schüchterne Art zu sprechen, aber er redet außerordentlich schnell und ist sehr sachbezogen. Er trägt stets ein Sportjacket mit nicht dazu passender Hose und keinen Mantel, nicht einmal in New Yorks bitterkaltem Winterwetter. Als er in die Vereinigten Staaten zurückkam, wurde ihm klar, dass sein größtes Interesse den internationalen Finanzen galt. Er wollte einer der „Züricher Gnome“ sein, die überall und in alles investierten. Im Sommer 1965 kehrte er zu Dominick & Dominick zurück, um am Freihandelsschalter der Firma zu arbeiten. Dann folgten zwei Jahre in der Armee, wo er das Portfolio seines Kommandeurs verwaltete und in ihm der Entschluss reifte, reich zu werden. „Ich wollte genug verdienen, um mich nie wieder um Arbeit sorgen zu müssen“, sagt er.

Sofort nach der Armee arbeitete Rogers bei Bache und danach für Dick Gilder, wo er, wie er sich ausdrückt, begriff, „dass es besser sei zu lernen, mit Zahlen umzugehen. So viele Menschen wussten in den 60er-Jahren nicht, was sie eigentlich taten. Aber auch heute werden viele Leute reich, ohne recht zu wissen, warum.“ Anschließend ging er zu Neuberger & Berman.

Als er 1970 für Arnhold und S. Bleichroeder arbeitete, lernte er George Soros kennen. Sie wurden das erfolgreichste Zweigestirn im Investitionsgeschäft. Während ihrer Zusammenarbeit hatten sie kein einziges erfolgloses Jahr, und vom 31. Dezember 1969 bis zum 31. Dezember 1980 erfuhr der Soros-Fonds einen Wertzuwachs von 3.365 Prozent, während sich der Standard & Poor’s-Generalindex um 47 Prozent verbesserte. Als sie anfingen, waren sie nur zu zweit mit einer Sekretärin. Soros war der Händler, und Rogers spezialisierte sich auf die Analysen.

Das Merkmal des Fonds war unabhängiges Denken: Weder Rogers noch Soros hatten viel Zeit für Wall-Street-Analysten. „Das ist ein schneller Weg in den Bankrott.“ Aber Rogers hält sich nicht nur für einen Contrarian, den er als jemanden beschreibt, der seit 1959 jedes Jahr U.S. Steel, jetzt USX, gekauft und Geld verloren hätte. Man muss sowohl Recht haben als auch anders sein.

Der größte Erfolg des Fonds rührte von der Fähigkeit her, große und allgemeine Veränderungen vorherzusehen – langfristige, nicht zyklische. Rogers, der sich bei seinen eigenen Investitionen immer noch daran orientiert, erklärte damals: „Es interessiert uns nicht so sehr, was ein Unternehmen im nächsten Quartal verdienen oder wie der Aluminiumexport 1975 aussehen wird, sondern vielmehr, wie stark soziale, wirtschaftliche und politische Faktoren das Schicksal eines Industriezweiges oder einer Aktiengruppe in nächster Zeit beeinflussen werden. Wenn der Unterschied zwischen dem, was wir suchen, und dem Aktienkurs groß ist, so ist uns das nur recht, denn dann können wir Geld verdienen.“ Das nennt die Wall Street die „Top-down“-Methode.

Ein Jahrzehnt nach der Firmengründung waren Soros und Rogers immer noch die einzigen Denker im Unternehmen, obgleich die Belegschaft auf 13 Mitarbeiter gestiegen war. Im gleichen Zeitraum war der Fonds, der mit einer Verwaltungssumme von zwölf Millionen Dollar begonnen hatte, auf 250 Millionen angewachsen – einer der Faktoren, die Rogers 1980 dazu bewogen, auszusteigen. Er hält große Fonds für unkontrollierbar. Sein Anteil an den Gewinnen betrug bei seinem Ausscheiden 14 Millionen Dollar.

Rogers beschreibt sich selbst als „großen Einzelgänger, Abtrünnigen, Misanthropen.“ Er hat ziemlich unkonventionelle Ansichten und ist mit dem Motorrad quer durch Lateinamerika gefahren. Er behauptet, Menschen im Allgemeinen nicht zu mögen, obgleich es ihn befriedige, Wertpapieranalyse an der Wirtschaftsfakultät der Columbia-Universität zu lehren. Er tauschte das Honorar für seinen ersten Kurs gegen eine lebenslange Mitgliedschaft bei den Sporteinrichtungen von Columbia. Warren Buffett, der eine von Rogers Vorlesungen besuchte, sagte, es sei „absolut sensationell …“ gewesen. Rogers mache dasselbe, was Graham vor 30 Jahren gemacht hatte – nämlich die Realität der Welt des Investments in das Klassenzimmer zu bringen.

Er plant, den Großteil seines Geldes Oxford und Yale für Reisestipendien zu hinterlassen, um auch anderen das gleiche horizonterweiternde Angebot angedeihen zu lassen, das auch er hatte. Studenten, die zustimmen, 75 Prozent der beiden Folgejahre außerhalb ihres eigenen Landes zu verbringen, erhalten 18.000 Dollar pro Jahr. Sonst gibt es keine Einschränkungen. Zu seinen Columbia-Studenten sagt er: „Studiert Geschichte und Philosophie. Studiert alles, nur nicht Wirtschaft: Arbeitet als Kellner, trampt durch den Fernen Osten.“ Nur so, betont er, könnten sie zu einem abgerundeten Weltbild gelangen.

Rogers dachte selbst einmal daran, einen Magistertitel zu erwerben. Doch ein Seniorchef bei Dominick & Dominick sagte zu ihm: „Verlieren Sie lieber ein paar Mäuse, und Sie werden bei einem einzigen Handel mehr lernen als in zwei Jahren auf der Wirtschaftsschule.“ Rogers ging nicht und lernte wirklich bald, wie man Geld verliert. 1968 begann er als Spekulant. Im Januar 1970 nahm er an, dass eine Baisse bevorstünde, und erwarb von seinem ganzen Geld Verkaufsoptionen auf Maschinenwerkzeugunternehmen. Am 26. Mai 1970 verkaufte er seine Optionen wieder. „Ich hatte den Tag genau erwischt“, sagt er. Viele von ihnen hatten ihren Wert in drei oder vier Monaten verdreifacht. Dann erholten sich die Kurse für einige Monate, und Rogers tätigte wieder Leerverkäufe. Danach stiegen die Kurse zwei Jahre lang stark an. Rogers verlor sein ganzes Geld. Es war zwar nicht viel, aber es war alles, was er besaß. Er glaubt, der Dominick-Chef hätte Recht gehabt: Es war eine äußerst nützliche Erfahrung, die er glücklicherweise auf eine Weise machte, die ihn nur 5.000 und nicht 50 Millionen Dollar kostete.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er beschlossen, dass die beste Methode für ihn, ein Vermögen zu verdienen, sei, einen Hedge-Fonds zu verwalten, wo er kaufen, verkaufen und auch leerverkaufen könnte. Seither hat er nie aufgehört leerzuverkaufen und ein Vermögen verdient. „Es ärgert mich auch heute noch, wenn jemand meint, ich hätte nur Glück gehabt“, sagt er. „Bei Leerverkäufen ist es noch schlimmer: Ich erkläre ihnen, dass etwas schief gehen wird, dass sie ihre Aktien verkaufen sollen. Ich sage ihnen, dass ich selbst leerverkaufen werde. Daraufhin antworten sie mir, dass laut Morgan Guarantie bei diesem Industriezweig eine Hausse bevorsteht. Dann geraten die Unternehmen in Schwierigkeiten, und die Kurse sinken. Danach geben die Leute mir die Schuld. Sie haben mich sogar für geringere Ölpreise verantwortlich gemacht. Ich habe diese Geschichte vom ‚Mord an dem Boten‘ nie verstanden, bis es mir selbst widerfahren ist!“

Indem er seiner internationalen Neigung folgte, eröffnete Rogers 1971 ein offizielles, der Steuer unterworfenens Bankkonto in der Schweiz und begann, Goldbarren zu je einer Unze in Kanada zu kaufen, noch bevor das Eigentum an ungemünztem Gold in den Vereinigten Staaten wieder legal war. Eine Fotografie von Cartier-Bresson, die sich in seinem Besitz befindet und die eine brodelnde Menschenmenge vor der Nationalbank von China 1949 zeigt, die darauf wartet, ihr Papiergeld in Gold umzutauschen, begeisterte ihn. Er brachte immer etwa ein oder zwei Barren gleichzeitig in die Vereinigten Staaten, um nicht zu viel Ärger zu bekommen, falls man ihn erwischen sollte. Er hat eine bedeutende Menge Gold als „Versicherungspolice“, obgleich er nicht glaubt, dass der Preis bald steigen wird: Wenn sich die Situation in Südafrika verschlechtert, so werden die Regierung, die Verbände und Privatpersonen das Gold, das sie im Ausland verwahren, verkaufen, da das alles ist, was sie zu verkaufen haben. Das wird den Preis niedrig halten. Er hat weitere „Versicherungen“ in Schweizer Franken und große D-Mark-Bestände. Als Alternative hält Rogers den Holländischen Gulden, den Österreichischen Schilling und den Singapur Dollar für zufrieden stellend. 1987 vermutete er, der Dollar würde dem Yen gegenüber stark nachgeben, bemerkte dann aber, dass der Tokioter Markt manipuliert wurde. Es verwundert ihn, dass amerikanische Investoren immer noch nicht begriffen haben, dass Auslandswährung und Pfandbriefbesitz als Sicherheit gegen einen Verfall des Dollars und des US-Marktes vonnöten sind.

Jetzt, nachdem er sich „zurückgezogen“ hat und sein eigenes Geld verwaltet, sagt Rogers: „Alle träumen davon, das große Geld zu machen, aber lasst es euch gesagt sein, das ist nicht leicht.“ Seinen eigenen Erfolg schreibt er nur seinem Fleiß zu. Über seine Zeit als Vollzeit-Geldverwalter sagt er: „Das Wichtigste in meinem Leben war meine Arbeit. Bevor meine Arbeit nicht erledigt war, machte ich nichts anderes.“ Als er sich George Soros anschloss, zog er in ein schönes „Haus der schönen Künste“ am Riverside Drive. Jeden Tag fuhr er mit dem Rad ins Büro am Columbus Circle, wo er ohne Unterbrechung arbeitete – und innerhalb von zehn Jahren keinen einzigen Urlaub nahm. Er wohnt noch immer in dem Haus, das im Stil eines britischen Clubs möbliert ist. „Damals arbeitete ich sehr intensiv“, sagt er. „Ich wusste wirklich sehr viel von den Geschehnissen auf der Welt, so viel, wie ein einzelner Mensch nur wissen kann.“ Er sagt, er habe nie Angst gehabt, vielleicht falsch zu liegen, wenn sich seine Ansichten von denen aller anderen unterschieden. „Andere Leute können nachts nicht schlafen. Ich schlafe immer ein, sobald mein Kopf das Kissen berührt.“

Die Zukunftsaussichten

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat die Kontrolle verloren: Die Währung gibt schneller nach als je zuvor in der Geschichte. Die Entwertung der Währung dauerte in Rom 300 Jahre, in Spanien ein Jahrhundert oder mehr und im England des 19. Jahrhunderts 50 Jahre, aber in den letzten zwölf Jahren hat das Defizit der Vereinigten Staaten stärker zugenommen als während der ganzen Geschichte des Landes. Im 18. und 19. Jahrhundert waren die Vereinigten Staaten ein Nettoschuldner, aber das Geld wurde für ertragbringende Wirtschaftsgüter eingesetzt. Jetzt wird es für Militärausgaben und Transferzahlungen aufgenommen. Innerhalb von zwei oder drei Jahren werden die Auslandsschulden der Vereinigten Staaten diejenigen des Restes der Welt übersteigen. Es gebe keinen Fall in der Geschichte, sagt Rogers, wo die Reservewährung der Welt so schnell abgewertet worden sei, und diese Revolution spiegelten die Finanzmärkte noch nicht völlig wider.

Weitere Schritte

Was auch als Nächstes geschehe, es müsse einfach schlecht sein, meint Rogers. Bald werden jene ausländischen Staaten, die den Vereinigten Staaten Darlehen gewähren, damit aufhören, wenn ihnen klar wird, dass die Konditionen hier außer Kontrolle geraten. Dann hat die Regierung drei Möglichkeiten:

1. Nichts zu unternehmen und die amerikanische Öffentlichkeit das Defizit finanzieren zu lassen. Aber wir haben nur eine Sparquote von drei Prozent, daher werden die Zinssätze auf 18 bis 20 Prozent steigen. Zu diesem Zeitpunkt wird der Pfandbrief-Markt verschwinden, und Umtauschkontrollen werden eingeführt (nicht jedoch für Geld, das noch hier ist).

2. Zu versuchen, durch Finanzpolitik die Spartätigkeit zu ermutigen.

3. Die Ausgaben zu kürzen.

Jede dieser Maßnahmen wird die Wirtschaft schwächen. Eine unvermeidliche Finanzkrise wird die Folge sein. Finanzunternehmen werden massenweise in Konkurs gehen. Viele Wall-Street- und Tokioter Firmen werden aufgeben. Ob es zu diesem Zeitpunkt zu einer Depression kommt, wird an den Politikern liegen: Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie aber das Falsche tun. Doch auf jeden Fall werden bis 1992 die Republikaner hinweggefegt worden sein.

Um der Katastrophe zuvorzukommen sind nach Rogers Ansicht mehrere Schritte nötig.

Erstens sollte die Kapitalertragsteuer abgeschafft werden. Dann sollten die Steuern auf Ersparnisse reduziert werden, indem man etwa großzügige Maßnahmen für Renten- und Keogh-Pläne wieder eingeführt. Die Beendigung dieser Förderungen 1986 war ein schwerer Fehler.

Doch Rogers glaubt, dass das Grundproblem nicht die Steuern, sondern die Ausgaben sind. Z. B. gibt die US-Regierung jährlich fünf Milliarden Dollar aus, um 16.600 Zuckerbauern zu subventionieren. Wir zahlen 22 Cent pro Pfund, obgleich der Weltpreis neun Cent pro Pfund beträgt. Das hat eine beklagenswerte Auswirkung auf Lateinamerika, das seinen Zucker zu keinem anständigen Preis verkaufen kann. Laut Rogers wäre man stattdessen besser beraten, den amerikanischen Zuckerbauern eine beträchtliche Summe zu zahlen, um ganz aus dem Markt auszusteigen.

Investitionen in Aktien

Bei der heimischen Portfolioinvestition setzt Rogers genauso auf ganze Branchen, wie er bei ausländischen Investitionen auf Länder setzt. Zuerst entwikkelt er ein umfangreiches Investitionskonzept. Dann kauft er jede erhältliche Aktie eines Industriezweiges, von dem er glaubt, er stünde vor einem Wendepunkt, genauso, wie er jede Aktie eines Landes kauft. Nach welchen Kriterien wählt er die Branchen aus? Er hält nach einer langfristigen beträchtlichen Veränderung Ausschau und ignoriert unbeständige Geschäftsbedingungen. „Wenn man billig kaufen und teuer verkaufen will, muss man nach unerkannten oder unentdeckten Konzepten oder Veränderungen suchen. Wenn man etwas entdeckt, darf man es nicht ansehen und sagen: ‚Das ist ein brauner Teppich.‘ Man muss vielmehr fragen: ‚Wie kann sich dieser Teppich verändern oder, wird sich dieser Teppich verändern? Welche Ereignisse können eintreten, die ihn in zwei oder drei Jahren verändern werden?‘ Wenn man ein bankrottes Unternehmen betrachtet, so muss es nicht immer zwangsläufig wirklich bankrott sein. Wenn man eine Firma ansieht, die sprunghaft wächst, so muss sie nicht zwangsläufig wirklich sprunghaft wachsen. Man muss also nach Veränderungen Ausschau halten. Und mit Veränderung meine ich langfristige und nicht nur konjunkturbedingte Veränderung. Ich suche nach Unternehmen, die auch dann gut abschneiden, wenn sich die Wirtschaft im Abschwung befindet. Ein Beispiel wäre die Erdölindustrie in den 70er-Jahren. Es war egal, was in der Wirtschaft geschah. Der Ölindustrie und den Öl-Aktien ging es gut. Einer der Gründe dafür, dass es der Wirtschaft nicht gut ging, war sogar die Tatsache, dass es den Öl-Aktien so gut ging, weil sie alle boomten. Aber genau das meine ich mit langfristiger Veränderung. In der Ölindustrie fand innerhalb von zehn Jahren eine wichtige Veränderung statt.“

Rogers hält vor allem nach vier Arten der Veränderung Ausschau:

1. Katastrophen. Beispiele hierfür sind Lockheed, Chrysler, International Harvester. Unternehmenskrisen dieser Größenordnung deuten darauf hin, dass die ganze Branche, zu der dieses Unternehmen gehört, sich in einer katastrophalen Lage befindet. Wenn sich ein gesamter Industriezweig in einer Krise befindet und zwei oder drei wichtige Firmen davon bankrott sind oder kurz vor dem Bankrott stehen, ist es gewöhnlich so, dass die ganze Branche zu einem Kurssprung bereit ist, falls sich an der Situation etwas grundlegend ändern könnte. Als Beispiel für einen Sektor, der einen Katalysator für eine Veränderung benötigt, nennt Rogers die Stahlindustrie: Sie ist seit Jahren bankrott, aber es passiert nichts, um ihr aus der Patsche zu helfen.

2. Veränderungen zum Schlechteren. Diese fallen gewöhnlich in die Kategorie „Bäume wachsen nicht in den Himmel“. Wenn eine Branche so beliebt ist, dass institutionelle Anleger 80 Prozent der Aktien ihrer Spitzenunternehmen besitzen, so kann man ziemlich sicher sein, dass die Aktien an der Börse überbewertet sind. In einer derartigen Situation shortet Rogers viele der Aktien dieses Industriezweiges und nicht nur eine. Hier muss man besonders vorsichtig sein. Denn nur, weil etwas hoch bewertet wird, heißt das nicht unbedingt, dass es nicht noch viel weiter ansteigen kann. Deshalb versucht er, genau zu berechnen, wann der Umschwung zum Schlechteren stattfinden wird.

3. Neue Trends. Das „natürliche Aussehen“ war ein Beispiel dafür. Als die Frauen in den 70er-Jahren begannen, sich von übertriebenem Make-up und sogar von jeglichem Make-up abzuwenden, analysierte Rogers Avon Products und erkannte, dass es bei mehr als 70fachen Gewinnen einfach fallen musste. Er tätigte Leerverkäufe bei 130 Dollar und glich ein Jahr später bei weniger als 25 Dollar aus.

Zu ihnen gehörten auch Kindertagesstätten, Wohnmobile, Krankenhausketten und das Abfallgeschäft. Rogers erinnert sich daran, 1969 bei einer Abfall-Tagung dabeigewesen zu sein, als ein neuer Rivale gerade die Marktkontrolle in diesem Bereich an sich riss, die bisher von Stadt und Mafia ausgeübt worden war. Die anderen Delegierten, von denen einige ziemlich raue Gesellen waren, waren verblüfft: Es war tatsächlich jemand aus der Wall Street zu einer Tagung über Abfall aufgetaucht! Doch viele dieser rauen Gesellen besitzen Häuser in Palm Beach, und einige ihrer Unternehmen sind an der New Yorker Börse notiert. Im Moment sieht er ein Wachstum bei den Gärtnereizulieferern – Baumschulen usw. – wegen der steigenden Zahl von Rentnern und ihrem Bedarf an Freizeitaktivitäten.

Ein weiteres Beispiel sind Motorräder. In den 50er-Jahren bedeutete „Motorrad“ (wie er sagt) „minderwertig“, „billig“. In den 60er-Jahren jedoch konnte Honda folgenderweise werben: „Auf einer Honda begegnen ihnen die nettesten Leute“, vielleicht sogar Malcolm Forbes. Leider erkannte Rogers dieses Konzept nicht rechtzeitig, aber er sagt, wäre er schlau genug gewesen, hätte er sich ausrechnen können, dass Honda ein gutes Geschäft werden würde, wie Japan überhaupt.

Andere Veränderungen bei Haupttrends umfassen Krankenhäuser, die eine oder zwei Generationen vorher von Stadtverwaltungen und Wohlfahrtsorganisationen geleitet worden waren, heute aber mehr und mehr von auf Gewinn ausgerichteten Unternehmen verwaltet werden; und Wohnmobile, die man in Rogers Kindheit als Gräuel ansah – seine Mutter wollte nicht, dass er sich mit den Leuten abgab, die in ihnen wohnten; sie nannte sie „Wohnwagen-Gesindel“.

Ganz ähnlich verhält es sich mit Hotelketten. Rogers weist darauf hin, dass das Hilton während der vergangenen 30 Jahre an der Börse um das 100fache gestiegen sei. Früher gab es Hotels in den verschiedenen Städten, sogar sehr feine Hotels, die aber alle verschiedene Besitzer und Verwalter hatten. Dann erkannte man, dass die Wirtschaftlichkeit und die Qualitätskontrolle erheblich verbessert werden könnten, wenn man sie als Kette unter demselben Banner leiten würde.

Eine andere weitreichende Veränderung ereignete sich in den 70er-Jahren, als der Kindergarten von der Kindertagesstätte abgelöst wurde. „Als ich klein war, ging ich in den Kindergarten. Und der Kindergarten war nur eine kleine Dame am Ende der Straße, die alle Kinder im Viertel aufnahm und auf uns aufpasste, während unsere Mütter an den Strand gingen oder taten, was die Mütter damals eben so taten. Das war aber wirklich nicht besonders organisiert oder effizient oder wirtschaftlich. In den 70er-Jahren kamen die Kindertagesstätten auf. Ihre Entstehung hatte vielerlei Gründe: Erstens waren sie effizienter, organisierter, und es war billiger für die Eltern, ihre Kinder in Kindertagesstätten zu schicken. Aber auch die Steuergesetze wurden dahingehend geändert, dass es Anreize dafür gab, die Kinder wegzugeben und zu arbeiten. Und wir erlebten das ganze Phänomen der arbeitenden Frauen. Ich meine, Mütter gingen wieder arbeiten oder begannen zu arbeiten oder wollten arbeiten. Es galt also, ein völlig neues Konzept, einen ganzen Markt zu entwickeln, und ein paar schlaue Kerle setzten sich zusammen und schufen die Kindertagesstätten-Ketten. Kindercare ging 1972 an die Börse. Das war lediglich ein unbekanntes Unternehmen aus Alabama, von dem man so viele Aktien hätte kaufen können, wie man nur wollte. Ich erinnere mich deswegen daran, weil ich damals der einzige institutionelle Anleger war. Jetzt ist das natürlich eine sehr dynamische Branche.“

4. Wenn die Regierung beschließt zu handeln. Dann deckt sie ein Problem mit Geld zu. 1974 wurde Rogers der größte außenstehende Aktionär von Lockheed, als das Gerücht umging, dass dieses Unternehmen kurz vor dem Bankrott stünde. Rogers fiel auf, dass im israelisch-arabischen Krieg von 1973 die ägyptische Luftwaffe außergewöhnlich viele Erfolge gegen die Israelis verbuchen konnte, obgleich die Israelis viel bessere Flugzeuge und Piloten hatten. Er entdeckte, dass die Ägypter mit elektronischen Geräten aus der Sowjetunion ausgestattet waren, mit denen die Vereinigten Staaten den Israelis nicht dienen konnten, da sich unsere Rüstungsbemühungen während des Vietnam-Krieges auf das tägliche Versorgungsmaterial konzentriert hatten, was zu Lasten langfristiger technischer Entwicklungen gegangen war. Als er dies erfuhr, folgerte Rogers, dass die Vereinigten Staaten im Bereich der Rüstungselektronik versuchen würden, gegenüber der Sowjetunion aufzuholen. Lockheed hatte eine der besten. Die Aktie stieg von zwei auf 120 Dollar, Loral stieg von 0,35 auf 31 Dollar und E-Systems von 0,50 auf 45 Dollar. Damals war E-Systems nicht sehr bekannt, aber Rogers entdeckte es, als er bei Lockheed und Northrop nachfragte, wer ihre schärfsten Konkurrenten seien, und indem er Handelszeitschriften las und Rüstungsexperten konsultierte. Als die Aktien von E-Systems auf 8 Dollar angestiegen waren, sprach Rogers mit einem Banker darüber, dem zwar die Geschichte gefiel, der aber sagte, er könne sie für seine Bank nicht kaufen, bevor sie nicht auf mindestens zehn Dollar gestiegen seien, da dies der Mindestkurs sei, den ihm die Institutspolitik auferlegt habe. Die Menschen hätten verschiedene „verrückte Kriterien“, sagt Rogers, wie z.B. dass ein Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 50 Millionen Dollar haben müsse oder Ähnliches.

Bei der Betrachtung von Regierungstrends stieß Rogers auch auf Inkassofirmen, ein interessantes Geschäft, das den meisten von uns wohl entgehen würde. Die Regierung vergibt Darlehen an Studenten, kleine Firmen und an viele andere. Jahrzehntelang unternahm sie keine großen Anstrengungen, das Geld bei Fälligkeit zurückzubekommen. Ende der 70er-Jahre beschloss sie, diese Arbeit privaten Inkassoagenturen zu überlassen. Eine Milliarde Dollar zu bewegen bedeutet für die Regierung wenig, aber auch nur ein geringer Bruchteil davon kann im Geschick eines kleinen Unternehmens, wie es Inkassoagenturen im Allgemeinen sind, eine gewaltige Veränderung bewirken.

Eine weitere Entdeckung waren Bagger. 1975 erkannte das Korps der Armeeingenieure, das die inländischen Wasserwege schiffbar halten musste, dass seine nicht mehr neuen Bagger abgenutzt waren. Die Ingenieure hatten drei Möglichkeiten: neue Bagger zu kaufen, die alten generalzuüberholen oder das Geschäft Vertragspartnern zu überlassen. Das Korps entschied sich für Letzteres und senkte seinen Baggerbestand von 44 auf acht. (Davor hatten alle unabhängigen Baggerfirmen zusammen 24 Bagger besessen.) Ein Unternehmen, Great Lakes Dredging, stieg daraufhin an der Börse um 1.000 Prozent.

Ein anderer Fall, bei dem eine Regierungsintervention einen Industriezweig veränderte, waren Altenheime. Bis zu den 60er-Jahren hatten sich die jungen Leute um ihre Eltern gekümmert, aber dann griff die Regierung mit Medicaid, Medicare und der Unterstützung für die Altenheime verstärkt ein. Altenheimunternehmen begannen, in großem Umfang an die Börse zu gehen. Als eines der größten, Four Seasons, Bankrott ging, kam heraus, dass es die Bücher gefälscht hatte, und viele andere Unternehmen hatten ungedeckte Konten und verdienten eigentlich gar kein Geld. Weitere Skandale folgten. Daher brach die ganze Branche an der Börse zusammen. Nach einer Weile fiel Rogers auf, dass einige der Unternehmen ihre Transaktionen verstärkt hatten, kleinere Abteilungen und verlustreiche Betriebe verkauften und allmählich wieder Gewinn bringend arbeiteten. Er besuchte also eine Reihe von ihnen und erkannte bald, dass, obgleich in letzter Zeit wegen der allseits bekannten Probleme dieser Branche wenige Altenheime gebaut worden waren, die amerikanische Bevölkerung unaufhaltsam alterte. Daher investierte er in eines der Unternehmen, Beverly Enterprises, das eine starke Kursverbesserung erfuhr.

Das Baggerbeispiel beleuchtet ein anderes zentrales Prinzip von Rogers: die Bedeutung von Angebot und Nachfrage. Rogers sagt, der Trick, reich zu werden, liege darin, Angebot und Nachfrage richtig einzuschätzen. Weder den Kommunisten noch Washington noch sonst irgendjemandem sei es gelungen, dieses Gesetz aufzuheben, bemerkt er. Ich glaube, das ist einer der brauchbarsten Gedanken in diesem Buch.

Als Beispiel für dieses Prinzip führt er die Erdölindustrie an. Warum, so fragt Rogers, stieg der Ölpreis in den 70er-Jahren so gewaltig? Allgemein nimmt man an, dies sei das Tun der OPEC gewesen. Aber, so antwortet er, die OPEC habe seit 1960 jedes Jahr versucht, den Rohölpreis heraufzusetzen, aber niemals mit Erfolg: Jedesmal sei der Preis wieder gesunken. Der wahre Grund reicht weiter zurück. In den 50er-Jahren bestimmte der Oberste Gerichtshof, dass die US-Regierung den Preis von Erdgas festlegen dürfe. Daraufhin legte die Regierung ein so extrem niedrigen Preis fest, dass es langsam unprofitabel wurde, überhaupt Erdgas zu fördern. Es wurde oft einfach verbrannt – als weithin sichtbare Fackel, wenn es bei der Förderung von Erdöl als Nebenprodukt anfiel. Deshalb wurde Ende der 50er- und während der 60er-Jahre sehr wenig nach Erdgas gebohrt. Zur gleichen Zeit erkannten die Verbraucher aber den Vorzug von Gas als Brennstoff: Es ist billiger und sauberer als Öl oder Kohle. Immer mehr Haushalte stiegen auf Gas um, gleichzeitig nahm aber die Bohrtätigkeit ab. Daher konnten Anfang der 70er-Jahre viele der Gas-Gesellschaften die Nachfrage nicht mehr decken. Rogers erinnert sich daran, bemerkt zu haben, dass die Broschüren für Pipeline-Pfandbriefe nicht mehr versprachen, dass die Versorgung mit Gas ausreichen würde, um die Zinsen auf die Pfandbriefe zu zahlen. Aus dem Geschäftsbericht von Helmerich & Paine, einem Bohrturm-Zulieferer, erfuhr er, dass die Anzahl der Bohrtürme, die noch in Betrieb waren, ständig zurückging, einfach weil die notwendigen Probebohrungen nicht vorgenommen wurden, um die nationale Öl- und Gasversorgung aufrechtzuerhalten.

Rogers fuhr nach Tulsa und besuchte eine Reihe von Bohrunternehmen. Alle berichteten von fürchterlichen Geschäftsbedingungen. Er erkannte, dass es unvorstellbar sei, dass man die Pipelines in Konkurs gehen lassen und so die Versorgung von Gasherden im ganzen Land stoppen würde. Also begann er, Aktien der Erdölgesellschaften, der Ölschiefergesellschaften und aller anderen in diesem Industriezweig zu kaufen, indem er mit den Bohrunternehmen an Land begann, die am meisten litten. Nicht lange danach gaben der Preisanstieg der OPEC um das Vierfache und das Ölimbargo dem Markt einen gewaltigen Auftrieb. Doch bereits 1971, zwei Jahre bevor es der OPEC schließlich 1973 gelang, die Preise zu erhöhen, hatte Rogers erkannt, dass die Gasindustrie dramatische Verbesserungen erfahren musste, zwei Jahre, bevor es der OPEC schließlich 1973 gelang, die Preise zu erhöhen. Die OPEC lieferte lediglich den, wie man in der Physik sagt, Auslöser.

Dann jedoch folgte das „Bäume wachsen nicht in den Himmel“-Nachspiel. Als das Öl von 2,89 auf mehr als 40 Dollar pro Barrel gestiegen war, gab es im ganzen Land ein Öl-Spar-Gelage: Isoliermaterialien für Gebäude, kleinere Autos, rationellere Geräte. Und gleichzeitig fand eine gewaltige Zunahme an Bohrungen nach Öl statt. Als Folge dieser beiden Faktoren gab es eine Umkehrung der Angebot-Nachfrage-Situation, und so ist es auch geblieben. Ähnliches spiele sich derzeit bei den Aktien der Versorgungsbetriebe ab, sagt Rogers. Er sieht eine bedeutende, von der Regierung unterstützte Veränderung in dieser Branche: Diese Unternehmen, so glaubt er, seien sichere Kandidaten für die Aufhebung regulierender Bestimmungen. Es sei schwierig, ihnen noch ungünstigere Bestimmungen aufzuerlegen, als sie sowieso schon hätten, deshalb müsse eine Verbesserung eintreten. Es bestehe sogar die Aussicht auf vollständige Deregulierung. Bisher habe es keine Übernahmen, keine Aufkäufe von verschuldeten Betrieben und nur eine Fusion gegeben. Einige der Unternehmen hätten einen riesigen positiven Cashflow. Rogers besitzt wahrscheinlich ungefähr 30 verschiedene Aktien von Versorgungsunternehmen, die er seit 1981 gekauft hat. Er erwartet nicht, sie vor den 90er-Jahren zu verkaufen, und wahrscheinlich wird er dann die ganze Gruppe verkaufen, und zwar mehr oder weniger gleichzeitig. Für ihn stellen sie eigentlich eine einzige Aktie oder zumindest ein einziges Konzept dar.

Besonders General Public Utilities und Dominion Resources, vormals Virginia Electric, sagen ihm zu. Dominion hatte einige Atomkraftwerke gebaut. Schließlich gab es dann eines davon auf und ließ es unvollendet. Als Rogers anfing zu kaufen, warf die Aktie 13 bis 14 Prozent ab. Mit dem Ende des Kapital-Ausgabe-Programms des Unternehmens und sinkenden Öl- und Gaspreisen verbesserte sich Dominions Lage dramatisch. Rogers weist darauf hin, dass im Versorgungsgeschäft ein größer werdendes Territorium von Nachteil sein kann – man muss Kraftwerke bauen, um die Nachfrage decken zu können. Er glaubt, dass es für die Gesundheit des Geschäftes viel besser wäre, Wettbewerb zwischen verschiedenen Unternehmen in verschiedenen Territorien, auch jenseits der Zuständigkeitsgrenzen, zuzulassen.

Weitere Versorgungsbetriebe, von denen er viel hält, sind Northern Indiana und Public Service of Indiana. Von Letzterem, dessen Kapital abnimmt, kaufte Rogers 9,60 kumulative Vorzugsaktien zu 62 Dollar. Bald stiegen sie auf über 90 Dollar. Die Aktie warf 20 Dollar an kumulierten Dividenden ab, die bald ausgezahlt werden. Zu diesem Zeitpunkt wird Rogers Aktie ihn 42 Dollar gekostet haben, was einem fast 20-prozentigen Ertrag gleichkommt. Rogers meinte, er würde die Aktien des Unternehmens vielleicht verkaufen, wenn es begänne, eine Dividende auszubezahlen. In den 90er-Jahren kann die Gesellschaft bestimmt vier Dollar pro Stammaktie verdienen. Sie kann überschüssige Leistungskapazitäten aus benachbarten Gebieten kaufen und, wenn nötig, ihre Atomkraftwerke zu gasbetriebenen Kraftwerken umrüsten.

Techniken und Strategien

Welche Techniken wendet Rogers bei der Aktienauswahl an? Eine wurde bereits erwähnt: Er spricht niemals mit Brokern und Wertpapieranalysten. „An diese Leute muss man verkaufen.“ Was sie sich vorstellten, funkioniere nicht, so behauptet er – sie folgten dem Herdentrieb: „Selbst wenn man sie darauf hinweist, dass Veränderungen bevorstehen, glauben sie es nicht, sondern tun jeden Beweis, den man anführt, verächtlich ab.“

Seiner Ansicht nach ist es das Wichtigste, „eine Methode zu entwickeln, unabhängig zu denken“, wie er und George Soros es so gewinnbringend getan haben. Er sagt: „Ich habe es immer als viel besser empfunden, mich hinzusetzen und selbst zu lesen. Ich war nicht besonders schlau, deshalb verwirrte es mich nur, wenn ich mit anderen sprach. Ich war viel erfolgreicher, wenn ich mich zurücklehnte, las, Dinge herausfand und mir Absurditäten ausdachte, ganz egal, wie unsinnig sie auch sein mochten. Ich fand es viel leichter und profitabler, mich an das zu halten, worüber ich gut Bescheid wusste, und nicht an das, was mir irgendjemand erzählte.“

Er sagt, er habe eine vertrauliche Information nie zu Geld machen können, auch wenn es legal und ethisch vertretbar gewesen wäre. In neun von zehn Fällen sei sie verkehrt, meint Rogers, entweder weil sie sachlich falsch oder weil sie unterwegs durcheinander geraten sei. „Wenn man eine Insider-Information von dem Direktor eines Unternehmens bekommt, verliert man wahrscheinlich die Hälfte seines Geldes. Erhält man sie vom Vorstandsvorsitzenden, so verliert man alles. Man sollte sich also davon fernhalten“, rät er.

Als er als Geldmanager vollzeitbeschäftigt war, las er Zeitungen aus mindestens fünf verschiedenen Ländern, etwa 40 Zeitschriften und ungefähr 80 Handelsblätter, darunter Variety, Publishers Weekly, Iron Age usw. Die meisten davon seien todlangweilig und voller Unsinn, der von Agenturen für Öffentlichkeitsarbeit vermittelt werde. Aber manchmal finde man einen vielsagenden Artikel oder eine interessante Anzeige. Außerdem las er Hunderte von Geschäftsberichten und verfolgte die Geschäftszahlen vieler Unternehmen. Er liest immer noch sehr viel, aber doch weniger als früher.

Viele von Rogers Investitionsideen entstehen durch die Beobachtung der Welt um uns herum. Eine typische Entdeckung war Banc One. Sein Broker bei Merrill Lynch sagte, er würde es begrüßen, wenn Rogers ein Kassenkonto eröffnete, was ihm bei der Firma einige Punkte einbringen würde. Rogers bemerkte, dass die Schecks für sein Kassenkonto bei der Banc One gezogen wurden, von der er noch nie gehört hatte. Er sah das Unternehmen an und fand heraus, dass es ein Computersystem hatte, das dafür ausgerüstet war, am Wachstum der Scheck- und Kreditkartenabrechnung aller übrigen großen Broker teilzunehmen. Je mehr er das Unternehmen studierte, desto besser gefiel es ihm. Bald wurde er Aktionär. Die Aktie stieg von sechs Mitte 1980 auf 30 Mitte 1986.

Schauen Sie nach unten, bevor Sie nach oben sehen

Eine seiner zentralen Ideen beim Kauf von Aktien ist es, darauf zu achten, dass die Aktie so billig ist, dass selbst, wenn alles schief gehen sollte, im schlimmsten Fall sein Kapital eine Zeit lang brach liegt. „Bevor ich nach oben sehe, blicke ich nach unten“, sagt Rogers. Ein Beispiel wäre, die Aktien eines Unternehmens zu kaufen, das gerade bankrott ist. Trotzdem kann man bei Leerverkäufen nie sicher sein: Wie richtig Sie vielleicht auch liegen, der Markt könnte sich gegen Sie wenden und Sie eine Menge Geld kosten.

Er macht keinen Versuch, Steuern zu umgehen. Als er in den Norden kam, habe er, wie er sagt, „nach einem Steuerproblem getrachtet“. Er machte nie von Steuerschlupflöchern Gebrauch. Die meisten davon seien wirtschaftlich katastrophal, meint er.

Getreu seinem Prinzip mit allem zu handeln, was ihn reicher macht, ist Rogers auch bei Warentermingeschäften aktiv. Er hat mit Orangensaft gehandelt, mit Rapsöl und Kartoffeln, und er hat sich sogar einen Sitz an der Zuckerbörse gekauft, als indirekte Methode, auf höhere Zuckerpreise zu setzen.

Außerdem achtet er immer darauf, sowohl Baisse- als auch Haussepositionen zu besitzen. Es gibt immer jemanden, der es besser macht, und irgendwo könnte etwas schief gehen.

Der Investitionszyklus

Eine seiner Hauptregeln ist: Verlieren Sie kein Geld: Wenn Sie die Fakten nicht kennen, so spielen Sie nicht. Nehmen Sie Ihr Geld, legen Sie es in Schatzbriefen oder in einem Geldmarkt-Fonds an. Lehnen Sie sich einfach zurück, gehen Sie an den Strand, spielen Sie Dame, machen Sie, wozu Sie gerade Lust haben. „Plötzlich taucht etwas auf, von dem Sie wissen, dass es das Richtige ist. Nehmen Sie Ihr ganzes Geld aus dem Geldmarkt-Fonds heraus, legen Sie es in, was immer es auch sein mag, an und bleiben Sie für drei, vier, fünf, zehn oder wie viele Jahre auch immer, dabei.

„Sie werden wissen, wann Sie wieder verkaufen müssen, da Sie besser darüber informiert sind als irgendjemand sonst. Nehmen Sie Ihr Geld heraus, legen Sie es wieder in dem Geldmarkt-Fonds an und warten Sie auf die nächste Gelegenheit. Wenn diese dann kommt, werden Sie noch viel mehr Geld machen. Deshalb ist mein grundlegender Rat, kein Geld zu verspielen. Bleiben Sie bei dem, was Sie kennen, und suchen Sie etwas, womit Sie eine Menge Geld verdienen können.“

Tabellen

Rogers liebt es, Tabellen aufzustellen. Sie sind sein wichtigstes analytisches Werkzeug. „Tausende von Tabellen, massenhaft Zahlen.“ Er benutzt keinen Computer, sondern lässt die Arbeit von Hand ausführen. Früher beschäftigte er drei Leute für diese Aufgabe, heute ist es nur noch einer. Er hat keinen Zugang zu computergestützten Basisdaten, weil er nicht sicher ist, ob ihre Fakten zuverlässig sind. Er sagt, es sei besser, gar keine als eine falsche Information zu haben: Wenn die Grundfakten falsch seien, resultiere daraus eine geometrische Anhäufung von Folgefehlern, die wahrscheinlich zu einer falschen Schlussfolgerung führten. Vor allem sollte man solche Zahlen aus zweiter Hand meiden, die man z.B. im Standard & Poor’s, in Value Line oder in den Berichten der Maklerhäuser fände. Es sei ganz wichtig, auf Geschäftsberichte zurückzugreifen und auf die 10 Ks – eine etwas detailliertere Version, die die Börsenaufsichtsbehörde verlange.

Rogers sagt, wenn er an ein Unternehmen schreibe, so bitte er immer um alle Meldungen bei allen Aufsichtsbehörden. Manchmal gebe es Meldungen, von denen er nichts wisse. Er weist darauf hin, dass man für ausländische Unternehmen an amerikanischen Börsen, vor allem den amerikanischen Verwahranstalten, das US-Formblatt 20 K verlangen könne, da die Geschäftsberichte von ausländischen Unternehmen außerordentlich nichtssagend seien. Das Formblatt 20 K entspricht dem 10 K, das ein amerikanisches Unternehmen zusätzlich zu seinem Geschäftsbericht einreichen muss.

Was den Finanzstatus anbelangt, so meint Rogers, dass die Bilanz viel wichtiger sei als die Gewinn- und Verlustrechnung. Er legt auch großen Wert auf das Abschreibungskonto. Er kauft gerne Unternehmen, die sich am Rande des Bankrotts befinden. Die Barmittel, die aus der Abschreibung zur Verfügung stehen, können ihm einen Hinweis darauf geben, ob die Firma trotz ausgewiesener Verluste überleben will. Wertberichtigung und Schuldentilgung sind Buchhaltung und nicht, wie er sagt, „aus dem Fenster geworfene Barmittel“.

Er hat über die Jahre hinweg sein eigenes Tabellenformat entwickelt. Wenn er einen ernsthaften Fehler macht, so fügt er seiner ursprünglichen Tabelle eine neue Zeile hinzu, um aufzuzeigen, was er vorher übersehen hat: den Trend der Forderungen einer Gesellschaft oder etwas anderes. Er hält es für wichtig, langfristige Tabellen – zehn bis 15 Jahre – zu erstellen, um die nötige historische Perspektive zu schaffen, um ein Unternehmen zu verstehen (Beispiel siehe Anhang I).

Er betrachtet z. B. den Profit über mehrere Jahre hinweg: Waren die Ergebnisse gut, so fragt er nach dem Warum. Waren sie schlecht, so fragt er erneut nach dem Warum. Rogers kauft gerne, wenn die Dinge zwar schlecht stehen, sich aber gerade am Wendepunkt zum Besseren befinden – und nicht, wenn es schon besser geht. Deshalb muss er wissen, inwieweit sich die Lage noch verschlechtern kann, aber auch, inwieweit sie sich verbessern kann.

Rogers sagt, er wisse, dass die Baisse von 1987 ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht habe, weil er niemals anderen Menschen begegnete, die ihre Tabellen von Hand fertigten. In guten Jahren funktioniere alles, aber in schlechten Zeiten lerne man, vorsichtig zu sein.

Einige der Koeffizienten, die er sorgfältig berücksichtigt, sind:

1. Kapitalaufwand

a) absolut

b) als Abschreibungsprozentsatz

c) als Bruttoanlagenprozentsatz

d) als Nettoanlagenprozentsatz

Das Verhältnis vom Kapitalaufwand zur Abschreibung ist keine wissenschaftliche Kennziffer, gibt aber, wenn man es über viele Jahre verfolgt, einen aufschlussreichen Einblick. Ist es sehr hoch, ist man wahrscheinlich an einem Höchststand, ist es sehr niedrig – d. h. wenn niemand Geld ausgibt –, sind die Aussichten gut, denn die Vorräte von dem, was das Unternehmen produziert, werden spärlicher.

2. Als Nächstes betrachtet er die Verhältnisse von Verkäufen zu Forderungen, von Schulden zum Eigenkapital und die anderen. Wenn es fast keine Bestände gibt, die Forderungen niedrig sind, die Gewinnspanne 20 Prozent und die Eigenkapitalverzinsung vor Steuern 25 Prozent beträgt und der Kapitalaufwand um 40 bis 50 Prozent pro Jahr wächst, so hält Rogers einen klassischen Höchststand für gekommen und somit eine viel versprechende Zeit, um Leerverkäufe zu tätigen.

Er bemerkt, dass zu irgendeiner Zeit einmal alles als Wachstumsaktie betrachtet worden sei. Selbst Aluminium sei in den 40er und 50er Jahren als Wachstumsindustrie angesehen worden. Die meisten Wachstumsunternehmen hätten sich irgendwann erholt. Das mache sie aber nicht wirklich erneut zu Wachstumsunternehmen. Wenn sie aber als Wachstumsaktien angesehen würden … dann böte sich eine günstige Gelegenheit leerzuverkaufen.

Wie man Höchststände entdeckt

Als Beispiel dafür, wie ein Unternehmen aussieht, wenn es davor steht, sich zu verschlechtern, führt Rogers Finanzdienstleister an, wie Investitionsbanker und Börsenmakler. Sie stellen riesige Belegschaften ein, erweitern ihre Dienste und nehmen Geld auf. Man kann lesen, dass die meisten Abgänger der Wirtschaftsfakultät von Harvard erklärt haben, Investitionsbanker werden zu wollen. Das ist die Zeit, wenn das Ende naht. 1980 z.B. stellte Atari fünf Prozent der Abgänger der Wirtschaftsfakultät von Harvard ein. Drei Jahre später ging Atari in Konkurs. 1986 stellte auch Goldman Sachs fünf Prozent von ihnen ein und geriet innerhalb von zwei Jahren in eine gewaltige Krise, mit Massenentlassungen, der Stornierung von Bauvorhaben usw.

Gegen Ende 1986 verkündete Rogers im Barron’s, dass er einen weiteren großen Aufschwung an der Börse, gefolgt von einem Zusammenbruch, erwarte und dass er bereits Aktien einiger Investitionsbanken und Börsenmakler leerverkaufe, weil sie zu sehr expandierten, in großem Stil ihr Personal verstärkten, neue Büros aufmachten und auch die anderen Merkmale eines zyklischen Höchststandes aufwiesen. Praktisch alle von ihnen hatten 1987 wirklich einen ernsten Abschwung zu verzeichnen.

Wie man Tiefpunkte erkennt

Rogers schaut gerne auf seine erprobten Verhältniszahlen, um zu sehen, wie schlimm es wirklich werden kann; und wenn sie die untere Grenze erreicht haben, so unterstellt er, dass sie wieder nach oben gehen werden. Wenn z.B. drei oder vier der großen Unternehmen in einer Branche Geld verlieren, wie es bei der Automobilindustrie Ende der 70er-Jahre der Fall war, so wird es entweder bald gar keine Autoindustrie mehr geben – was höchst unwahrscheinlich ist –, oder aber die Bedingungen werden sich verbessern. Und tatsächlich erfuhr dieser Industriezweig, der in den 60er-Jahren stark überreguliert war,2 in den 70er-Jahren eine Lockerung der Bestimmungen, und sein Kapitalbedarf nahm ab. Also kaufte er Ford, General Motors und American Motors (leider nicht Chrysler). Ein ähnlicher Wendepunkt steht heute der Atomindustrie bevor. Sie hat zwar endlose Probleme, aber dennoch ist eine solche Industrie vonnöten. Also sucht Rogers nach dem Zeitpunkt, zu dem man kaufen sollte. Wenn er sieht, dass mehrere große Unternehmen Geld verlieren und dass die Kapitalausgaben aufhören, so hält er nach einer Erholung in dieser Branche Ausschau.

Benjamin Grahams Hauptregel war, zu kaufen, wenn eine Aktie so billig war, dass man nichts verlieren konnte. Rogers Variante ist, zu kaufen, wenn es einen Grund für eine Veränderung zum Besseren gibt.