Die Geschichte der Menschheit - Sönke Boysen - E-Book

Die Geschichte der Menschheit E-Book

Sönke Boysen

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Beschreibung

Das Buch beginnt mit dem Urknall des Universums, gefolgt vom Entstehen der Erde und der Menschheit bis hin zur Darstellung der ersten Zivilisationen am Nil, am Euphrat und Tigris, also der Zeit vor den alten Ägyptern und dem der Sumerer vor fünfeinhalbtausend Jahren. Ab dieser Zeit wird die Geschichte deutlich differenzierter erzählt, wobei die Darstellung den Kerngebieten innerhalb der sog. Glücklichen Breiten rund um die Erde folgt. Innerhalb der sog. Glücklichen Breiten gab es das Westliche Kerngebiet mit dem sog. Fruchtbaren Halbmond, das Kerngebiet im Nordwesten Indiens und in Pakistan, das Östliche Kerngebiet in China zwischen dem Gelbem Fluss und dem Jangtse sowie das in Mittel - und Südamerika im heutigen Mexiko und in Peru. Von den Kerngebieten sind die Entwicklungen der Pflanzen- und Tierwelten sowie die Kulturen der Menschheit ausgegangen, wobei die im Westlichen Kerngebiet die früheste war. Die Entwicklungen 'wanderten‘ nach der letzten Eiszeit in den Kerngebieten von Süden nach Norden, im Westlichen Kerngebiet von Mesopotamien und vom Nilgebiet bis zum Norden des heutigen Europäischen Kontinents. Als in Mesopotamien und in Ägypten bereits hochentwickelte Gemeinwesen entstanden, als Pyramiden und kunstvolle Bewässerungs-systeme, die ägyptischen Hieroglyphen und die Keilschrift der Mesopotamier entwickelt wurden, lebten unsere Vorfahren im heutigen Europa klimabedingt noch in deutlich einfacheren Verhältnissen und waren Analphabeten. Die Entwicklung im Östlichen Kerngebiet begann etwa zweitausend Jahre später als die im Westen, aber die im Osten lebenden Menschen holten, gemessen am Energieverbrauch, nach und nach auf, bis sie die im Westen um ca. 1.200 bis 1.000 v. Chr. aufgrund des klimabedingten Zusammenbruchs im Mittelmeerraum einholten. Seit dieser Zeit hat es mehrere Führungswechsel zwischen Ost und West, zwischen China und Europa bzw. Nordamerika bis hin zum offenbar derzeit zu erwartenden neuen Wechsel gegeben. Auch die Kernzentren in Nordwesten Indiens und in Pakistan sowie in Mittel- und Südamerika folgten dem Westlichen und irgendwann auch dem Östlichen Kernzentrum. Nach diesem Überblick folgt die Geschichte zahlreicher Staaten auf den fünf Kontinenten, wobei die der größeren Staaten des Europäischen Kontinents am eingehendsten erzählt werden. Aber auch über die Geschichte Asiens mit China, Australiens und Neuseelands, Indiens, Afrikas, Nord- und Lateinamerikas erfährt der Leser so manches, wobei der Autor seine Informationen aus Fachbüchern, Magazinen und dem Internet anhand von mehr als zweieinhalbtausend Fußnoten dokumentiert. Die Religionen spielen in der Geschichte ebenfalls eine bedeutende Rolle. Nicht nur in den monotheistischen Religionen, auch im Buddhismus werden seit Jahrtausenden Friedfertigkeit und Empathie gefordert. Dennoch hat es dunkle Zeiten gegeben, die bis heute nicht alle überwunden sind. Das Buch endet mit vermeintlichen Erkenntnissen und Fragen zur Geschichte, wobei im Mittelpunkt steht, weshalb in uns Menschen so häufig das Kriegerische und Böse das Friedliche, Gute und Empathische zu dominieren scheint. Ist Überlegenheit um jeden Preis ein prägendes Ziel der Evolution oder sind vielen Menschen Macht, Glanz, Bedeutung und Reichtum so wichtig, dass sie das Leid und die Armut anderer mehr oder minder bedenken-los in Kauf nehmen? Was muss geschehen, damit die Welt friedlicher wird?

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Seitenzahl: 2840

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die Geschichte der Menschheit

Der stete Wunsch nach Frieden

Kiel 2025

Sönke Boysen

Cover

Titelblatt

Vorwort

Vom Universum bis zum Leben auf der Erde

Vor 13,8 Milliarden Jahren: Das Universum entsteht

Vor 13 Milliarden Jahren: Die Galaxien entstehen

Vor 4,57 Milliarden Jahren: Die Sterne oder Sonnen entstehen

Vor 4,5 Milliarden Jahren: Die Erde und die anderen Planeten entstehen

Vor 4 Milliarden Jahren: Das Leben entsteht

Vor 335 Millionen bis vor 200 Millionen Jahren: Pangaea

Die Geschichte der Menschheit

Geschichte bis Ende der letzten Eiszeit

Geschichte ab Ende der letzten Eiszeit

Die Geschichte des westlichen Kerngebiets

Vorausschau auf die kulturelle und kriegerische Reise im westlichen Kerngebiet vom Süden in den Norden

Vor 12.900 Jahren: Entwicklung der Menschheit im Fruchtbaren Halbmond

Vor 10.500 (Spanne 10.000 bis 12.000) Jahren: Beginn der Landwirtschaft

Vor 11.000 Jahren: Steinkreise am Göbekli Tepe

3100 V. Chr.: Ägypten130

2. Jahrtausend V. Chr.: Die Hethiter144

1200 V. Chr.: Zusammenbruch im westlichen Kerngebiet

1000 bis 100 V. Chr.: Entwicklung beschleunigt sich wieder

1000 V. Chr.: Israel

1000 V. Chr.: Die Araber

1000 V. Chr.: Die Phönizier – Karthager – Punier237

1000 bis 100 V. Chr.: Die Etrusker240

Ab 1000 V. Chr.: Die Meder und die Perser242

800 bis 500 V. Chr.: Erneut Klimawandel

700 bis 146 V. Chr.: Altes Griechenland und danach252

Etwa 500 V. Chr.: ‚Achsenzeit’279

Ab 115 V. Chr.: Seidenstraßen, Steppen- und Seewege und deren globaler Einfluss280

Beginn der christlichen Zeitrechnung

3./4. Jahrhundert n. Chr.: Alte Reiche zerfallen326

753 V. bis 476 n. Chr.: Weströmisches Reich und danach

375 bis 493 n. Chr.: Die Völkerwanderung375

324 bis 1453 n. Chr.: Oströmisches Reich – Byzanz – Konstantinopel400

Ab 622 n. Chr.: Die Islamische Expansion, die Osmanen415

Ab ca. 650: Beginn der islamischen Sklavenhaltung

Ab 600: Die Balkanstaaten

748 bis 814 Karl der Große

800 bis 1050: Die Wikinger508

Ab 15. Jahrhundert: Die großen Europäischen Staaten

Frankreich516

Deutschland

Preußen

Österreich

Niederlande, Belgien und Luxemburg955

Vereinigtes Königreich Großbritannien

13. Jahrhundert: Hungersnöte in Europa

1291: Schweiz

Um 1300: Wanderung der Sinti und Roma nach Europa1094

1347-1351: Die große Pestepidemie in Europa und die Zeit danach1102

Ab 15. Jahrhunderts: Europa wird führender Kontinent

1500-1800: Kleine Eiszeit

1500: Iberische Halbinsel

Ab 15. Jahrhundert: Russland und Nachbarländer1168

Ab 20. Jahrhundert: Ukraine

Länder an der Ostsee (im Einflussbereich Russlands)

16. bis 18. Jahrhundert: Europäer machen Beute

17. und 18. Jahrhundert: Zeit der Aufklärung

Die Geschichte des mittleren Kerngebietes

Der indische Subkontinent

1500 V. Chr.: Indien

Die Geschichte des östlichen Kerngebietes

841 V. Chr.: Die Geschichte Chinas1504

Ab ca. 1200: Die Mongolen und ihr Vordringen bis nach Preußen1612

Südostasien

Zentralasien

Ab 5. Jahrhundert n. Chr.: Japan

Ab 1897: Korea

1770: Australien1752

1769: Neuseeland

Die Geschichte Afrikas1770

Frühgeschichte

Entwicklung

Afrikanische Regionen

Sahelzone

West- und Südafrika

Subsahara-Afrika

Ostafrika

Zentralafrika

Die Geschichte Amerikas

Die Entdeckung Amerikas

Lateinamerika

Kolonialzeit

Karibik

Mittelamerika

Südamerika2079

Nordamerika2109

Urbevölkerung

Besiedlung durch die Europäer

Vereinigte Staaten von Amerika ab 1787

Kanada

Gegenwart und Zukunft

1957: Die Eroberung des Weltraums

2024: Klimawandel, Natur- und Artenschutz, Mikroplastik

2025: Neue Weltordnung

2025: Europa versus USA versus China

Anlagen

Anlage 1: Leibeigene, Sklaven, Zwangsarbeiter

Anlage 2: Gewaltopfer in den Kriegen und Aufständen, Völkermorde

Anlage 3: Antisemitismus

Anlage 4: Erkenntnisgewinne – Lehren aus der Geschichte

Historische Interdependenzen um 1200 V. Chr. und eine Zeitenwende

Die Schuldfrage für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts

Bestimmungsgründe der Geschichte

Wendepunkte der Geschichte der Kontinente

Rangfolge bedeutender Menschen

Anlage 5: Kernsätze der Philosophie2472

Philosophie des Westens

Philosophie des Ostens

Dank

Quellen

Primäre Literatur

Ergänzende Literatur

Historische Belletristik

Magazine

Fußnoten

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Vorwort

Das vorliegende Buch ist z.T. eine Neuauflage des Buches ‚Friedlich waren wir leider nie … Geschichte der Menschheit.‘ Die erste Fassung wurde jedoch an vielen Stellen gekürzt, Fehler wurden korrigiert und weitere Kapitel hinzugefügt oder ergänzt. Insgesamt gesehen ist es mehr als nur eine Neuauflage, was u.a. durch die nicht enden wollende Zeitenwende geradezu erforderlich geworden ist. Auch die Kernaussagen, die Lehren aus der Geschichte, sind nicht alle gleichgeblieben.

Wer sich mit der Geschichte beschäftigt, fragt sich sehr bald, ob die vielen Kriege und die Gewalt sowie das Streben nach immer mehr Materiellem hinzunehmende Normalität oder vermeidbar sind. In zahlreichen Abhandlungen wurde bis in die Neuzeit hinein die These vertreten, dass die Menschen als Jäger und Sammler friedlich waren. Erst als sie mit der Landwirtschaft begannen und Eigentum zu verlieren hatten, sollen Habsucht und Neid zu Mord und Totschlag geführt haben.

Das wurde in den 1970er Jahren und auch noch später bezweifelt. Anthropologen meinten, dass wenigstens 90 % der Jäger und Sammlergesellschaften sich bekriegt hätten. Falsch sei danach die These vom friedlichen ‚Edlen Wilden‘. Neu (2024) ist wiederum das Ergebnis von Archäologen, Evolutionsbiologen und Historikern, dass es die kollektive Gewalt erst gibt, seitdem die Menschheit sesshaft geworden ist.

Wir Menschen sind ‚vernunftbegabt’, aber die Geschichte ist keine Abfolge vernünftiger Entscheidungen. Wenn es so wäre, hätte sie anders, sehr viel friedlicher verlaufen müssen. Das Streben nach Macht, Reichtum, Prestige und verheißender Größe war allzu häufig größer als rationales Denken und Handeln. Ebenfalls negativ wirkten sich Aggressivität, Revanchedenken, Festhalten an Erbfeindschaften, religiöse, rassistische und kulturelle Intoleranz, Grandiosität und Imperialismus aus. Während der zurückliegenden 10.000 Jahre hat es nach Zählungen von Historikern 14.500 Kriege gegeben, in denen 3,5 Milliarden Menschen gestorben sind, 10.000 Jahre lang Tag für Tag 1.000 Kriegstote. Die Kosten für die Aufrüstungen und die während der Kriege zerstörten Werte waren und sind unermesslich. Zwar hat der Rüstungswettlauf während dieser Zeit zu technischen Innovationen und dem damit verbundenen Fortschritt für die Menschheit geführt, aber eine langsamere Entwicklung wäre für unseren Planeten vermutlich vorteilhafter gewesen, hätte uns selbst mehr Optionen eröffnet, mit Problemen umzugehen, die uns bald überfordern könnten.

Die Beschäftigung mit der Geschichte ist auch ein Stück weit desillusionierend. Aus der zeitlichen Distanz sieht man häufig die Fehler der Ahnen, aber die Bandbreite und die Wiederholung der Fehlentscheidungen lässt die Hoffnung schwinden, dass die Menschen daraus lernen. Das aktuelle Wiedererstarken des Nationalismus und Faschismus zeigt, dass selbst Entwicklungen, die sich gerade im letzten Jahrhundert als verhängnisvoll erwiesen haben, uns Menschen so wenig gelehrt haben.

Die vielen Kriege und die Gewalt könnten die Vermutung aufkommen lassen, dass wir Menschen im Grunde böse sind, wie der englische Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679) meinte. Er prägte die Worte ‚Homo homini lupus‘ (‚Der Mensch ist dem Menschen Wolf‘), sah die Menschen als gewalttätige Egoisten, die nach dem eigenen Vorteil strebten, nach dem Besitz möglichst vieler materieller Güter. Im Naturzustand herrsche daher Krieg aller gegen alle. Deshalb trat er für einen aufgeklärten Absolutismus ein, wollte über Krieg und Frieden nicht vom aus seiner Sicht gewalttätigen Volk, sondern von einem Fürsten entscheiden lassen. Die böse Seite von uns Menschen gibt es tatsächlich, aber sie ist nur eine Seite der Medaille. Die andere zeigt, dass wir auch zur Nächstenliebe, zur Empathie, zur Hilfsbereitschaft und sogar zum Altruismus fähig sind. Trotz aller Kriege möchte die Mehrheit der Gesellschaft friedlich leben, vorausgesetzt sie wird nicht zum ‚gerechten Krieg‘ indoktriniert. Das gilt für alle Menschen, nicht nur für die im ‚Goldenen Westen‘, sondern auch für die in Asien, Australien, Afrika und Südamerika.

Welche dieser beiden Seiten die Oberhand gewinnt, ist allzu häufig – auch ohne Propaganda und Indoktrination – interessengesteuert. Als das Römische Reich zusammenbrach, begann in Europa das Mittelalter. Nationen gab es noch nicht, aber starke Anführer, die – von egoistischem Machtwillen, Ehrgeiz und Gewinnsucht getrieben – in zahllosen Kleinkriegen aus den Stammesgebieten größere Einheiten erkämpften: zu Kerngebieten künftiger Staaten. So entstanden nach und nach die Reiche der europäischen Fürsten, stets vom Eigeninteresse der Herrscher und ihrer häufig am Gewinn beteiligten Gefolgschaft dominiert. Die Interessen des gemeinen Volkes wurden kaum berücksichtigt. Sie mussten für die Fürsten und den am Erfolg beteiligten Adel arbeiten oder wurden selbst in Kriege gezwungen, in der Regel ohne Gewinnbeteiligung. Die Fürsten stellten sich als von Gott berufene Herrscher dar und sahen sich wohl auch so. ‚Gott will es‘ war die jahrhundertelange Begründung für die Teilung der Bevölkerung in oben und unten. Konsequent sprach noch Kaiser Wilhelm II. von ‚meinem Reich, meiner Armee und meiner Regierung‘. In den westlichen Demokratien – und darüber hinaus – erscheint es den meisten Menschen heute richtig, vom Volk gewählte Parlamente und von diesen kontrollierte Regierungen über Krieg und Frieden entscheiden zu lassen, auch wenn ehedem Thomas Hobbes dem Volk nicht vertraute. Um Hobbes Befürchtungen zu berücksichtigen, müssen wir auf die soziale Kontrolle untereinander achten. Bereits in den ersten Demokratien der Neuzeit stellte man den Parlamenten zur Kontrolle zweite Kammern an die Seite und begrenzte die Macht der Regierungen und auch der Parlamente durch die Bildung einer dritten Gewalt, die Rechtsprechung. Ein Beispiel dafür ist die amerikanische Verfassung. Dennoch bietet auch sie keine absolute Sicherheit vor Kriegen, die das Volk nicht will. Die Präsidenten Lyndon B. Johnson und Richard Nixon führten den äußerst unpopulären Vietnamkrieg, ohne dass der Kongress eine Kriegserklärung ausgesprochen hatte. Die deutsche Regierung entschloss sich mit Zustimmung des Bundestages aus Bündnistreue zu den USA für die Teilnahme am Afghanistankrieg, wagte aber lange Zeit nicht, der Bevölkerung die ganze Wahrheit zu sagen. Von Krieg wurde zunächst kaum gesprochen, nur von Hilfen für die afghanische Zivilbevölkerung, insbesondere für die unterdrückten Frauen und Mädchen.

Auch Einzelpersonen, insbesondere junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren, verüben Gewalttaten. In diesem Alter ist die bei uns Menschen gelegentlich genetisch sowie hormonell angelegte Gewalt besonders ausgeprägt und kann dann leichter zu spontanen Gewaltausbrüchen führen. Außerdem verrohen Kriege häufig junge Soldaten. Der wohlhabende, demokratische, liberale Staat lässt mehr Freiraum für Empathie, für das Gute im Menschen.

Die Gewalt ist insbesondere in den liberalen Staaten über lange Zeit deutlich zurückgegangen, aber in den letzten Jahren nehmen wir das aufgrund der zahllosen Berichte in den Medien anders wahr: vielfach haben traumatisierte, gewalttätige Immigranten auch einheimische Extremisten und solche mit psychischen Problemen zu Gewalttaten angeregt. Möglicherweise muss der liberale Staat zeitlich begrenzt die gewohnt freundlich-liberale Haltung etwas modifizieren, um seiner Aufgabe, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, besser wahrnehmen zu können.

Was die Kriege anbetrifft, wäre aus meiner Sicht schon viel gewonnen, wenn die Völker sich auf einige Leitlinien verständigen könnten, nämlich dass

- Nationalismus, Faschismus, Kommunismus und auch der ungebremste Kapitalismus, die sich in der Realität so eindeutig disqualifiziert haben, abzulehnen sind (die chinesische Führung hat vom Kommunismus kaum mehr als den staatlichen Dirigismus übernommen),

- Demokratie mit tatsächlich funktionierender Gewaltenteilung und mehr das Ziel sein sollte (s.u.),

- die Freiheit der Andersdenkenden das Maß für Freiheit sein sollte,

- die Freiheit der Andersdenkenden dort ihre Grenze findet, wo das Gemeinwohl gefährdet wird.

Die Beschäftigung mit der Geschichte stellt uns auch vor die Frage, ob das Streben nach materiellen Gütern, begründet durch Angst vor Hunger und Leid, vor ständiger Belastung durch Arbeit sowie dem Wunsch nach einem unbeschwerten Leben und nach Bewunderung, unabänderlich ist. Bisher mag es uns erscheinen, dass Menschen zu nahezu jeglicher Gewalt unter Ausblendung von Mitgefühl bereit sind.

Ich habe dieses Buch während eines Zeitraums von deutlich mehr als zehn Jahren verfasst. Während dieser Jahre begann eine neue Zeitenwende, und zwar in Bezug auf:

- die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Anthropologie,

- die politischen und militärischen Entwicklungen in Russland, in China, im Nahen Osten sowie in den USA und in Europa,

- die Auswirkungen des Klimawandels, des Artensterbens und der Verbreitung von Kunststoffen in den Weltmeeren sowie die Chancen und Bedrohungen durch die Künstliche Intelligenz.

Im Jahr 2022 bekam Svante Pääbo, Direktor des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, den Nobelpreis für Medizin und Physiologie für seine Forschungen zur menschlichen Evolution. Pääbo fand heraus, dass die anatomisch modernen Menschen, die Homo sapiens, die Neandertaler nicht verdrängt, sondern assimiliert haben. Wir tragen durchschnittlich zu 2 % Neandertaler-Gene in uns. Johannes Krause, seit 2020 ebenfalls Wissenschaftler am o.g. Max-Planck-Institut, hat begonnen, die Wanderungsbewegungen der frühen Menschen zu erforschen, mit dem Ergebnis, dass unsere bisherigen Annahmen z.T. revidiert werden müssen.

Die politische und militärische Entwicklung wurde am 24. Februar 2022 durch den Angriff Russlands auf die Ukraine und die zunehmende Aggressivität Chinas grundlegend verändert. Europa hat erhebliche Probleme, ausreichend Energie zu generieren. Die Regierungen Deutschlands haben die Politik der russischen Regierungen seit 1969/70 definitiv falsch eingeschätzt. Das ist eine Zäsur in der Geschichte.

Ebenso hat der Überfall der Terrororganisation der Hamas am 7. Oktober 2023 vom Gazastreifen aus und den darauffolgenden militärischen Aktionen Israels einerseits sowie der Hamas-Terroristen, der Hisbollah, der jemenitischen Huthi-Miliz und des Iran andererseits, die politische und militärische Lage im Nahen Osten verschärft und die USA sowie die EU zunächst in eine ungewollte Gegnerschaft zu den Palästinensern und deren arabischem Umfeld gebracht. Währenddessen ist der Antisemitismus international, auch in Deutschland, massiv angestiegen.

Seit dem 20. Januar 2025 ist der Republikaner Donald Trump erneut Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, und Europa muss nun endgültig realisieren, dass die mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 auf unserem Kontinent begonnene Zeitenwende noch nicht beendet ist. Bisher sind noch nicht das volle Ausmaß und die letztendlichen Ziele der künftigen amerikanischen Innen- und vor allem Außenpolitik zu erkennen, aber sicher ist, dass auf die Europäer jetzt finanziell und wehrtechnisch außerordentliche Aufgaben zukommen. Das kollidiert in Deutschland u.a. damit, dass der seit Langem bestehende Generationenvertrag so nicht mehr zu halten ist. Bisher wagt die Politik nicht, daran Grundlegendes zu ändern oder zu ergänzen.

Der vor 80 Jahren von Wissenschaftlern festgestellte Anstieg des anthropogen erzeugten Kohlendioxids hat 2022 und 2023 zu massiven klimabedingten Schäden geführt, zu Schäden, die auch von den Skeptikern anzuerkennen sind und die eine weitere Zeitenwende erzwingen dürfte. Auch das massive Artensterben erfordert eine Zeitenwende.

Dies alles dürfte die bisherigen Möglichkeiten der liberalen Marktwirtschaft – den Wohlstand so Vieler nördlich des Äquators ständig weiter zu heben, ergänzt durch soziale Wohltaten – erheblich reduzieren. Der japanische Philosoph Kohei Saito ist sogar der Auffassung, dass der Kapitalismus bzw. die liberale und auch die soziale Marktwirtschaft nicht in der Lage sind, die Klimakrise zu meistern. Er schlägt stattdessen einen ökologischen Marxismus vor. Der amerikanische Philosoph Michael J. Sandel schlägt vor, der Politik den Vorrang vor der Wirtschaft zu geben, wobei er sich wiederum auf einen Essay des politischen Theoretikers Pratap Bhanu Mehta aus Indien bezieht. Beide wenden sich gegen das Unbehagen in der Demokratie aufgrund der ungezügelten Märkte, aber das trifft ebenso für die Unfähigkeit des bisherigen marktwirtschaftlichen Systems zu, die Klimakrise und den extremen Artenschwund noch in den Griff zu bekommen.

Den diesbezüglichen Vorrang der Politik sehen die Verfassungen des Westens nicht vor, so dass er derzeit nicht möglich erscheint, es sei denn, die Völker einigen sich auf neue verfassungsgebende Versammlungen. Hier muss weitergedacht werden, von Fachleuten und gerne auch von Laien, was im Kapitel ‚Erkenntnisgewinne‘ geschieht. Eine Darstellung der Weltgeschichte braucht eine Gliederung, die Kompromisse erfordert und letztlich immer etwas unbefriedigend sein wird. Als in Deutschland der Dreißigjährige Krieg ausgetragen wurde, stand die Welt in Asien, Amerika und Australien ja nicht still, aber eine horizontale (synoptische) und gleichzeitig vertikale (zeitliche) Darstellung wäre nur in Form von Tabellen darstellbar, nicht aber im Text, ohne die Zusammenhänge aus dem Blick zu verlieren. Um diese erkennbar zu machen, wurden die im Text näher definierten Kerngebiete zusammengefasst und nacheinander abgehandelt.

Meine Darstellung der Weltgeschichte ist höchst selektiv. Ich reduziere sie weitgehend auf das aus meiner Sicht Wesentliche während des Holozäns, den etwas mehr als 12.500 Jahren seit der Kalt- bzw. Eiszeit und dabei auf die wichtigsten Regionen bzw. Länder, auf die bedeutendsten Ereignisse, auf die großen Kulturen und Weltreligionen. Im Hinblick auf diese Beschränkung mag es verwundern, dass anfangs sogar die Entstehung des Universums und die vorgeschichtliche Zeit der Menschheit dargestellt wird. Damit soll deutlich werden, dass unsere Zeit auf der Erde kaum mehr als der Sekunde eines ganzen Tages gleicht und dass wir trotz aller beeindruckenden Leistungen entbehrlich sind.

Wo nähere Erklärungen hilfreich bzw. von Interesse sein können, habe ich Exkurse eingefügt. Die Abbildungen sind in den allermeisten Fällen nicht unbedingt zum Verständnis erforderlich, machen die schriftlichen Darstellungen aber anschaulicher.

Ich beschränke die Darstellung auf das Wesentliche und stelle sie dabei gleichzeitig ungleichgewichtig dar. Bestimmte Ereignisse oder Zeitabschnitte sind ausführlicher, andere hingegen kürzer dargestellt als dem Leser angemessen erscheinen mag. Alexander der Große und Karl der Große waren bedeutende Männer der Geschichte, aber Alexanders Reich ging nach seinem frühen Tod infolge der Kriege der Diadochen unter und auch Karls Frankenreich wurde aufgeteilt und verlor damit an Bedeutung.

Andererseits sind nach den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert die Angelsachsen als dominierende Mächte in Wissenschaft und Kultur hervorgegangen, haben die Geschichte so geschrieben, wie sie sie sehen, dabei andere Nationen und Kulturen manchmal kritischer als sich selbst präsentiert, was ich durchaus als eine Herausforderung an die political correctness verstehe. Hier wird die Darstellung z.T. ausführlicher.

Schließlich habe ich mich bemüht, Erkenntnisse aus diversen Darstellungen zu ein und demselben Ereignis zu gewinnen. Diese stelle ich in gesonderten Abschnitten am Schluss des Buches dar. Dabei geht es um die:

- möglicherweise evolutionär nicht optimal bestimmten Menschen in Bezug auf Friedfertigkeit, Genügsamkeit und Vernunft,

- Bestimmungsgründe der Geschichte,

- historischen Interdependenzen um 1200 v. Chr.,

- Schuldfrage für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts,

- Konstanten bzw. kulturellen Prägungen in der Geschichte,

- Wanderungen der Kultur von Süd nach Nord und von West nach Ost,

- parallelen Entwicklungen in den Kerngebieten,

- Umbrüche im westlichen Kerngebiet.

Die Darstellung der Geschichte der Menschheit ist ohne Informationen aus zahlreichen Wissenschaftsdisziplinen – der Archäogenetik, Astrophysik, Philosophie, Theologie, Geografie, Geologie pp. – nicht möglich. Die Wissenschaft, insbesondere die Archäogenetik, kommt immer schneller zu Ergebnissen, die die einst sicher geglaubten Kenntnisse korrigiert. Ohne seriöse Fachbücher, Magazine und zunehmend auch Internetrecherchen wäre Vieles in diesem Buch bereits vor der Veröffentlichung überholt. Letztendlich wurden auch die Möglichkeiten der KI genutzt und dann ebenso wie andere Hilfsmittel in den Fußnoten angegeben.

Sönke Boysen, Kiel 2025