19,99 €
Das Buch beginnt mit dem Urknall des Universums, gefolgt vom Entstehen der Erde und der Menschheit bis hin zur Darstellung der ersten Zivilisationen am Nil, am Euphrat und Tigris, also der Zeit vor den alten Ägyptern und dem der Sumerer vor fünfeinhalbtausend Jahren. Ab dieser Zeit wird die Geschichte deutlich differenzierter erzählt, wobei die Darstellung den Kerngebieten innerhalb der sog. Glücklichen Breiten rund um die Erde folgt. Innerhalb der sog. Glücklichen Breiten gab es das Westliche Kerngebiet mit dem sog. Fruchtbaren Halbmond, das Kerngebiet im Nordwesten Indiens und in Pakistan, das Östliche Kerngebiet in China zwischen dem Gelbem Fluss und dem Jangtse sowie das in Mittel - und Südamerika im heutigen Mexiko und in Peru. Von den Kerngebieten sind die Entwicklungen der Pflanzen- und Tierwelten sowie die Kulturen der Menschheit ausgegangen, wobei die im Westlichen Kerngebiet die früheste war. Die Entwicklungen 'wanderten‘ nach der letzten Eiszeit in den Kerngebieten von Süden nach Norden, im Westlichen Kerngebiet von Mesopotamien und vom Nilgebiet bis zum Norden des heutigen Europäischen Kontinents. Als in Mesopotamien und in Ägypten bereits hochentwickelte Gemeinwesen entstanden, als Pyramiden und kunstvolle Bewässerungs-systeme, die ägyptischen Hieroglyphen und die Keilschrift der Mesopotamier entwickelt wurden, lebten unsere Vorfahren im heutigen Europa klimabedingt noch in deutlich einfacheren Verhältnissen und waren Analphabeten. Die Entwicklung im Östlichen Kerngebiet begann etwa zweitausend Jahre später als die im Westen, aber die im Osten lebenden Menschen holten, gemessen am Energieverbrauch, nach und nach auf, bis sie die im Westen um ca. 1.200 bis 1.000 v. Chr. aufgrund des klimabedingten Zusammenbruchs im Mittelmeerraum einholten. Seit dieser Zeit hat es mehrere Führungswechsel zwischen Ost und West, zwischen China und Europa bzw. Nordamerika bis hin zum offenbar derzeit zu erwartenden neuen Wechsel gegeben. Auch die Kernzentren in Nordwesten Indiens und in Pakistan sowie in Mittel- und Südamerika folgten dem Westlichen und irgendwann auch dem Östlichen Kernzentrum. Nach diesem Überblick folgt die Geschichte zahlreicher Staaten auf den fünf Kontinenten, wobei die der größeren Staaten des Europäischen Kontinents am eingehendsten erzählt werden. Aber auch über die Geschichte Asiens mit China, Australiens und Neuseelands, Indiens, Afrikas, Nord- und Lateinamerikas erfährt der Leser so manches, wobei der Autor seine Informationen aus Fachbüchern, Magazinen und dem Internet anhand von mehr als zweieinhalbtausend Fußnoten dokumentiert. Die Religionen spielen in der Geschichte ebenfalls eine bedeutende Rolle. Nicht nur in den monotheistischen Religionen, auch im Buddhismus werden seit Jahrtausenden Friedfertigkeit und Empathie gefordert. Dennoch hat es dunkle Zeiten gegeben, die bis heute nicht alle überwunden sind. Das Buch endet mit vermeintlichen Erkenntnissen und Fragen zur Geschichte, wobei im Mittelpunkt steht, weshalb in uns Menschen so häufig das Kriegerische und Böse das Friedliche, Gute und Empathische zu dominieren scheint. Ist Überlegenheit um jeden Preis ein prägendes Ziel der Evolution oder sind vielen Menschen Macht, Glanz, Bedeutung und Reichtum so wichtig, dass sie das Leid und die Armut anderer mehr oder minder bedenken-los in Kauf nehmen? Was muss geschehen, damit die Welt friedlicher wird?
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 2840
Veröffentlichungsjahr: 2025
Die Geschichte der Menschheit
Der stete Wunsch nach Frieden
Kiel 2025
Sönke Boysen
Cover
Titelblatt
Vorwort
Vom Universum bis zum Leben auf der Erde
Vor 13,8 Milliarden Jahren: Das Universum entsteht
Vor 13 Milliarden Jahren: Die Galaxien entstehen
Vor 4,57 Milliarden Jahren: Die Sterne oder Sonnen entstehen
Vor 4,5 Milliarden Jahren: Die Erde und die anderen Planeten entstehen
Vor 4 Milliarden Jahren: Das Leben entsteht
Vor 335 Millionen bis vor 200 Millionen Jahren: Pangaea
Die Geschichte der Menschheit
Geschichte bis Ende der letzten Eiszeit
Geschichte ab Ende der letzten Eiszeit
Die Geschichte des westlichen Kerngebiets
Vorausschau auf die kulturelle und kriegerische Reise im westlichen Kerngebiet vom Süden in den Norden
Vor 12.900 Jahren: Entwicklung der Menschheit im Fruchtbaren Halbmond
Vor 10.500 (Spanne 10.000 bis 12.000) Jahren: Beginn der Landwirtschaft
Vor 11.000 Jahren: Steinkreise am Göbekli Tepe
3100 V. Chr.: Ägypten130
2. Jahrtausend V. Chr.: Die Hethiter144
1200 V. Chr.: Zusammenbruch im westlichen Kerngebiet
1000 bis 100 V. Chr.: Entwicklung beschleunigt sich wieder
1000 V. Chr.: Israel
1000 V. Chr.: Die Araber
1000 V. Chr.: Die Phönizier – Karthager – Punier237
1000 bis 100 V. Chr.: Die Etrusker240
Ab 1000 V. Chr.: Die Meder und die Perser242
800 bis 500 V. Chr.: Erneut Klimawandel
700 bis 146 V. Chr.: Altes Griechenland und danach252
Etwa 500 V. Chr.: ‚Achsenzeit’279
Ab 115 V. Chr.: Seidenstraßen, Steppen- und Seewege und deren globaler Einfluss280
Beginn der christlichen Zeitrechnung
3./4. Jahrhundert n. Chr.: Alte Reiche zerfallen326
753 V. bis 476 n. Chr.: Weströmisches Reich und danach
375 bis 493 n. Chr.: Die Völkerwanderung375
324 bis 1453 n. Chr.: Oströmisches Reich – Byzanz – Konstantinopel400
Ab 622 n. Chr.: Die Islamische Expansion, die Osmanen415
Ab ca. 650: Beginn der islamischen Sklavenhaltung
Ab 600: Die Balkanstaaten
748 bis 814 Karl der Große
800 bis 1050: Die Wikinger508
Ab 15. Jahrhundert: Die großen Europäischen Staaten
Frankreich516
Deutschland
Preußen
Österreich
Niederlande, Belgien und Luxemburg955
Vereinigtes Königreich Großbritannien
13. Jahrhundert: Hungersnöte in Europa
1291: Schweiz
Um 1300: Wanderung der Sinti und Roma nach Europa1094
1347-1351: Die große Pestepidemie in Europa und die Zeit danach1102
Ab 15. Jahrhunderts: Europa wird führender Kontinent
1500-1800: Kleine Eiszeit
1500: Iberische Halbinsel
Ab 15. Jahrhundert: Russland und Nachbarländer1168
Ab 20. Jahrhundert: Ukraine
Länder an der Ostsee (im Einflussbereich Russlands)
16. bis 18. Jahrhundert: Europäer machen Beute
17. und 18. Jahrhundert: Zeit der Aufklärung
Die Geschichte des mittleren Kerngebietes
Der indische Subkontinent
1500 V. Chr.: Indien
Die Geschichte des östlichen Kerngebietes
841 V. Chr.: Die Geschichte Chinas1504
Ab ca. 1200: Die Mongolen und ihr Vordringen bis nach Preußen1612
Südostasien
Zentralasien
Ab 5. Jahrhundert n. Chr.: Japan
Ab 1897: Korea
1770: Australien1752
1769: Neuseeland
Die Geschichte Afrikas1770
Frühgeschichte
Entwicklung
Afrikanische Regionen
Sahelzone
West- und Südafrika
Subsahara-Afrika
Ostafrika
Zentralafrika
Die Geschichte Amerikas
Die Entdeckung Amerikas
Lateinamerika
Kolonialzeit
Karibik
Mittelamerika
Südamerika2079
Nordamerika2109
Urbevölkerung
Besiedlung durch die Europäer
Vereinigte Staaten von Amerika ab 1787
Kanada
Gegenwart und Zukunft
1957: Die Eroberung des Weltraums
2024: Klimawandel, Natur- und Artenschutz, Mikroplastik
2025: Neue Weltordnung
2025: Europa versus USA versus China
Anlagen
Anlage 1: Leibeigene, Sklaven, Zwangsarbeiter
Anlage 2: Gewaltopfer in den Kriegen und Aufständen, Völkermorde
Anlage 3: Antisemitismus
Anlage 4: Erkenntnisgewinne – Lehren aus der Geschichte
Historische Interdependenzen um 1200 V. Chr. und eine Zeitenwende
Die Schuldfrage für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts
Bestimmungsgründe der Geschichte
Wendepunkte der Geschichte der Kontinente
Rangfolge bedeutender Menschen
Anlage 5: Kernsätze der Philosophie2472
Philosophie des Westens
Philosophie des Ostens
Dank
Quellen
Primäre Literatur
Ergänzende Literatur
Historische Belletristik
Magazine
Fußnoten
Urheberrechte
Cover
Titelblatt
Vorwort
Vorwort
Urheberrechte
Cover
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
107
108
109
110
111
112
113
114
115
116
117
118
119
120
121
122
123
124
125
126
127
128
129
130
131
132
133
134
135
136
137
138
139
140
141
142
143
144
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
163
164
165
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
208
209
210
211
212
213
214
215
216
217
218
219
220
221
222
223
224
225
226
227
228
229
230
231
232
233
234
235
236
237
238
239
240
241
242
243
244
245
246
247
248
249
250
251
252
253
254
255
256
257
258
259
260
261
262
263
264
265
266
267
268
269
270
271
272
273
274
275
276
277
278
279
280
281
282
283
284
285
286
287
288
289
290
291
292
293
294
295
296
297
298
299
300
301
302
303
304
305
306
307
308
309
310
311
312
313
314
315
316
317
318
319
320
321
322
323
324
325
326
327
328
329
330
331
332
333
334
335
336
337
338
339
340
341
342
343
344
345
346
347
348
349
350
351
352
353
354
355
356
357
358
359
360
361
362
363
364
365
366
367
368
369
370
371
372
373
374
375
376
377
378
379
380
381
382
383
384
385
386
387
388
389
390
391
392
393
394
395
396
397
398
399
400
401
402
403
404
405
406
407
408
409
410
411
412
413
414
415
416
417
418
419
420
421
422
423
424
425
426
427
428
429
430
431
432
433
434
435
436
437
438
439
440
441
442
443
444
445
446
447
448
449
450
451
452
453
454
455
456
457
458
459
460
461
462
463
464
465
466
467
468
469
470
471
472
473
474
475
476
477
478
479
480
481
482
483
484
485
486
487
488
489
490
491
492
493
494
495
496
497
498
499
500
501
502
503
504
505
506
507
508
509
510
511
512
513
514
515
516
517
518
519
520
521
522
523
524
525
526
527
528
529
530
531
532
533
534
535
536
537
538
539
540
541
542
543
544
545
546
547
548
549
550
551
552
553
554
555
556
557
558
559
560
561
562
563
564
565
566
567
568
569
570
571
572
573
574
575
576
577
578
579
580
581
582
583
584
585
586
587
588
589
590
591
592
593
594
595
596
597
598
599
600
601
602
603
604
605
606
607
608
609
610
611
612
613
614
615
616
617
618
619
620
621
622
623
624
625
626
627
628
629
630
631
632
633
634
635
636
637
638
639
640
641
642
643
644
645
646
647
648
649
650
651
652
653
654
655
656
657
658
659
660
661
662
663
664
665
666
667
668
669
670
671
672
673
674
675
676
677
678
679
680
681
682
683
684
685
686
687
688
689
690
691
692
693
694
695
696
697
698
699
700
701
702
703
704
705
706
707
708
709
710
711
712
713
714
715
716
717
718
719
720
721
722
723
724
725
726
727
728
729
730
731
732
733
734
735
736
737
738
739
740
741
742
743
744
745
746
747
748
749
750
751
752
753
754
755
756
757
758
759
760
761
762
763
764
765
766
767
768
769
770
771
772
773
774
775
776
777
778
779
780
781
782
783
784
785
786
787
788
789
790
791
792
793
794
795
796
797
798
799
800
801
802
803
804
805
806
807
808
809
810
811
812
813
814
815
816
817
818
819
820
821
822
823
824
825
826
827
828
829
830
831
832
833
834
835
836
837
838
839
840
841
842
843
844
845
846
847
848
849
850
851
852
853
854
855
856
857
858
859
860
861
862
863
864
865
866
867
868
869
870
871
872
873
874
875
876
877
878
879
880
881
882
106
883
884
885
Vorwort
Das vorliegende Buch ist z.T. eine Neuauflage des Buches ‚Friedlich waren wir leider nie … Geschichte der Menschheit.‘ Die erste Fassung wurde jedoch an vielen Stellen gekürzt, Fehler wurden korrigiert und weitere Kapitel hinzugefügt oder ergänzt. Insgesamt gesehen ist es mehr als nur eine Neuauflage, was u.a. durch die nicht enden wollende Zeitenwende geradezu erforderlich geworden ist. Auch die Kernaussagen, die Lehren aus der Geschichte, sind nicht alle gleichgeblieben.
Wer sich mit der Geschichte beschäftigt, fragt sich sehr bald, ob die vielen Kriege und die Gewalt sowie das Streben nach immer mehr Materiellem hinzunehmende Normalität oder vermeidbar sind. In zahlreichen Abhandlungen wurde bis in die Neuzeit hinein die These vertreten, dass die Menschen als Jäger und Sammler friedlich waren. Erst als sie mit der Landwirtschaft begannen und Eigentum zu verlieren hatten, sollen Habsucht und Neid zu Mord und Totschlag geführt haben.
Das wurde in den 1970er Jahren und auch noch später bezweifelt. Anthropologen meinten, dass wenigstens 90 % der Jäger und Sammlergesellschaften sich bekriegt hätten. Falsch sei danach die These vom friedlichen ‚Edlen Wilden‘. Neu (2024) ist wiederum das Ergebnis von Archäologen, Evolutionsbiologen und Historikern, dass es die kollektive Gewalt erst gibt, seitdem die Menschheit sesshaft geworden ist.
Wir Menschen sind ‚vernunftbegabt’, aber die Geschichte ist keine Abfolge vernünftiger Entscheidungen. Wenn es so wäre, hätte sie anders, sehr viel friedlicher verlaufen müssen. Das Streben nach Macht, Reichtum, Prestige und verheißender Größe war allzu häufig größer als rationales Denken und Handeln. Ebenfalls negativ wirkten sich Aggressivität, Revanchedenken, Festhalten an Erbfeindschaften, religiöse, rassistische und kulturelle Intoleranz, Grandiosität und Imperialismus aus. Während der zurückliegenden 10.000 Jahre hat es nach Zählungen von Historikern 14.500 Kriege gegeben, in denen 3,5 Milliarden Menschen gestorben sind, 10.000 Jahre lang Tag für Tag 1.000 Kriegstote. Die Kosten für die Aufrüstungen und die während der Kriege zerstörten Werte waren und sind unermesslich. Zwar hat der Rüstungswettlauf während dieser Zeit zu technischen Innovationen und dem damit verbundenen Fortschritt für die Menschheit geführt, aber eine langsamere Entwicklung wäre für unseren Planeten vermutlich vorteilhafter gewesen, hätte uns selbst mehr Optionen eröffnet, mit Problemen umzugehen, die uns bald überfordern könnten.
Die Beschäftigung mit der Geschichte ist auch ein Stück weit desillusionierend. Aus der zeitlichen Distanz sieht man häufig die Fehler der Ahnen, aber die Bandbreite und die Wiederholung der Fehlentscheidungen lässt die Hoffnung schwinden, dass die Menschen daraus lernen. Das aktuelle Wiedererstarken des Nationalismus und Faschismus zeigt, dass selbst Entwicklungen, die sich gerade im letzten Jahrhundert als verhängnisvoll erwiesen haben, uns Menschen so wenig gelehrt haben.
Die vielen Kriege und die Gewalt könnten die Vermutung aufkommen lassen, dass wir Menschen im Grunde böse sind, wie der englische Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679) meinte. Er prägte die Worte ‚Homo homini lupus‘ (‚Der Mensch ist dem Menschen Wolf‘), sah die Menschen als gewalttätige Egoisten, die nach dem eigenen Vorteil strebten, nach dem Besitz möglichst vieler materieller Güter. Im Naturzustand herrsche daher Krieg aller gegen alle. Deshalb trat er für einen aufgeklärten Absolutismus ein, wollte über Krieg und Frieden nicht vom aus seiner Sicht gewalttätigen Volk, sondern von einem Fürsten entscheiden lassen. Die böse Seite von uns Menschen gibt es tatsächlich, aber sie ist nur eine Seite der Medaille. Die andere zeigt, dass wir auch zur Nächstenliebe, zur Empathie, zur Hilfsbereitschaft und sogar zum Altruismus fähig sind. Trotz aller Kriege möchte die Mehrheit der Gesellschaft friedlich leben, vorausgesetzt sie wird nicht zum ‚gerechten Krieg‘ indoktriniert. Das gilt für alle Menschen, nicht nur für die im ‚Goldenen Westen‘, sondern auch für die in Asien, Australien, Afrika und Südamerika.
Welche dieser beiden Seiten die Oberhand gewinnt, ist allzu häufig – auch ohne Propaganda und Indoktrination – interessengesteuert. Als das Römische Reich zusammenbrach, begann in Europa das Mittelalter. Nationen gab es noch nicht, aber starke Anführer, die – von egoistischem Machtwillen, Ehrgeiz und Gewinnsucht getrieben – in zahllosen Kleinkriegen aus den Stammesgebieten größere Einheiten erkämpften: zu Kerngebieten künftiger Staaten. So entstanden nach und nach die Reiche der europäischen Fürsten, stets vom Eigeninteresse der Herrscher und ihrer häufig am Gewinn beteiligten Gefolgschaft dominiert. Die Interessen des gemeinen Volkes wurden kaum berücksichtigt. Sie mussten für die Fürsten und den am Erfolg beteiligten Adel arbeiten oder wurden selbst in Kriege gezwungen, in der Regel ohne Gewinnbeteiligung. Die Fürsten stellten sich als von Gott berufene Herrscher dar und sahen sich wohl auch so. ‚Gott will es‘ war die jahrhundertelange Begründung für die Teilung der Bevölkerung in oben und unten. Konsequent sprach noch Kaiser Wilhelm II. von ‚meinem Reich, meiner Armee und meiner Regierung‘. In den westlichen Demokratien – und darüber hinaus – erscheint es den meisten Menschen heute richtig, vom Volk gewählte Parlamente und von diesen kontrollierte Regierungen über Krieg und Frieden entscheiden zu lassen, auch wenn ehedem Thomas Hobbes dem Volk nicht vertraute. Um Hobbes Befürchtungen zu berücksichtigen, müssen wir auf die soziale Kontrolle untereinander achten. Bereits in den ersten Demokratien der Neuzeit stellte man den Parlamenten zur Kontrolle zweite Kammern an die Seite und begrenzte die Macht der Regierungen und auch der Parlamente durch die Bildung einer dritten Gewalt, die Rechtsprechung. Ein Beispiel dafür ist die amerikanische Verfassung. Dennoch bietet auch sie keine absolute Sicherheit vor Kriegen, die das Volk nicht will. Die Präsidenten Lyndon B. Johnson und Richard Nixon führten den äußerst unpopulären Vietnamkrieg, ohne dass der Kongress eine Kriegserklärung ausgesprochen hatte. Die deutsche Regierung entschloss sich mit Zustimmung des Bundestages aus Bündnistreue zu den USA für die Teilnahme am Afghanistankrieg, wagte aber lange Zeit nicht, der Bevölkerung die ganze Wahrheit zu sagen. Von Krieg wurde zunächst kaum gesprochen, nur von Hilfen für die afghanische Zivilbevölkerung, insbesondere für die unterdrückten Frauen und Mädchen.
Auch Einzelpersonen, insbesondere junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren, verüben Gewalttaten. In diesem Alter ist die bei uns Menschen gelegentlich genetisch sowie hormonell angelegte Gewalt besonders ausgeprägt und kann dann leichter zu spontanen Gewaltausbrüchen führen. Außerdem verrohen Kriege häufig junge Soldaten. Der wohlhabende, demokratische, liberale Staat lässt mehr Freiraum für Empathie, für das Gute im Menschen.
Die Gewalt ist insbesondere in den liberalen Staaten über lange Zeit deutlich zurückgegangen, aber in den letzten Jahren nehmen wir das aufgrund der zahllosen Berichte in den Medien anders wahr: vielfach haben traumatisierte, gewalttätige Immigranten auch einheimische Extremisten und solche mit psychischen Problemen zu Gewalttaten angeregt. Möglicherweise muss der liberale Staat zeitlich begrenzt die gewohnt freundlich-liberale Haltung etwas modifizieren, um seiner Aufgabe, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten, besser wahrnehmen zu können.
Was die Kriege anbetrifft, wäre aus meiner Sicht schon viel gewonnen, wenn die Völker sich auf einige Leitlinien verständigen könnten, nämlich dass
- Nationalismus, Faschismus, Kommunismus und auch der ungebremste Kapitalismus, die sich in der Realität so eindeutig disqualifiziert haben, abzulehnen sind (die chinesische Führung hat vom Kommunismus kaum mehr als den staatlichen Dirigismus übernommen),
- Demokratie mit tatsächlich funktionierender Gewaltenteilung und mehr das Ziel sein sollte (s.u.),
- die Freiheit der Andersdenkenden das Maß für Freiheit sein sollte,
- die Freiheit der Andersdenkenden dort ihre Grenze findet, wo das Gemeinwohl gefährdet wird.
Die Beschäftigung mit der Geschichte stellt uns auch vor die Frage, ob das Streben nach materiellen Gütern, begründet durch Angst vor Hunger und Leid, vor ständiger Belastung durch Arbeit sowie dem Wunsch nach einem unbeschwerten Leben und nach Bewunderung, unabänderlich ist. Bisher mag es uns erscheinen, dass Menschen zu nahezu jeglicher Gewalt unter Ausblendung von Mitgefühl bereit sind.
Ich habe dieses Buch während eines Zeitraums von deutlich mehr als zehn Jahren verfasst. Während dieser Jahre begann eine neue Zeitenwende, und zwar in Bezug auf:
- die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Anthropologie,
- die politischen und militärischen Entwicklungen in Russland, in China, im Nahen Osten sowie in den USA und in Europa,
- die Auswirkungen des Klimawandels, des Artensterbens und der Verbreitung von Kunststoffen in den Weltmeeren sowie die Chancen und Bedrohungen durch die Künstliche Intelligenz.
Im Jahr 2022 bekam Svante Pääbo, Direktor des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, den Nobelpreis für Medizin und Physiologie für seine Forschungen zur menschlichen Evolution. Pääbo fand heraus, dass die anatomisch modernen Menschen, die Homo sapiens, die Neandertaler nicht verdrängt, sondern assimiliert haben. Wir tragen durchschnittlich zu 2 % Neandertaler-Gene in uns. Johannes Krause, seit 2020 ebenfalls Wissenschaftler am o.g. Max-Planck-Institut, hat begonnen, die Wanderungsbewegungen der frühen Menschen zu erforschen, mit dem Ergebnis, dass unsere bisherigen Annahmen z.T. revidiert werden müssen.
Die politische und militärische Entwicklung wurde am 24. Februar 2022 durch den Angriff Russlands auf die Ukraine und die zunehmende Aggressivität Chinas grundlegend verändert. Europa hat erhebliche Probleme, ausreichend Energie zu generieren. Die Regierungen Deutschlands haben die Politik der russischen Regierungen seit 1969/70 definitiv falsch eingeschätzt. Das ist eine Zäsur in der Geschichte.
Ebenso hat der Überfall der Terrororganisation der Hamas am 7. Oktober 2023 vom Gazastreifen aus und den darauffolgenden militärischen Aktionen Israels einerseits sowie der Hamas-Terroristen, der Hisbollah, der jemenitischen Huthi-Miliz und des Iran andererseits, die politische und militärische Lage im Nahen Osten verschärft und die USA sowie die EU zunächst in eine ungewollte Gegnerschaft zu den Palästinensern und deren arabischem Umfeld gebracht. Währenddessen ist der Antisemitismus international, auch in Deutschland, massiv angestiegen.
Seit dem 20. Januar 2025 ist der Republikaner Donald Trump erneut Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, und Europa muss nun endgültig realisieren, dass die mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 auf unserem Kontinent begonnene Zeitenwende noch nicht beendet ist. Bisher sind noch nicht das volle Ausmaß und die letztendlichen Ziele der künftigen amerikanischen Innen- und vor allem Außenpolitik zu erkennen, aber sicher ist, dass auf die Europäer jetzt finanziell und wehrtechnisch außerordentliche Aufgaben zukommen. Das kollidiert in Deutschland u.a. damit, dass der seit Langem bestehende Generationenvertrag so nicht mehr zu halten ist. Bisher wagt die Politik nicht, daran Grundlegendes zu ändern oder zu ergänzen.
Der vor 80 Jahren von Wissenschaftlern festgestellte Anstieg des anthropogen erzeugten Kohlendioxids hat 2022 und 2023 zu massiven klimabedingten Schäden geführt, zu Schäden, die auch von den Skeptikern anzuerkennen sind und die eine weitere Zeitenwende erzwingen dürfte. Auch das massive Artensterben erfordert eine Zeitenwende.
Dies alles dürfte die bisherigen Möglichkeiten der liberalen Marktwirtschaft – den Wohlstand so Vieler nördlich des Äquators ständig weiter zu heben, ergänzt durch soziale Wohltaten – erheblich reduzieren. Der japanische Philosoph Kohei Saito ist sogar der Auffassung, dass der Kapitalismus bzw. die liberale und auch die soziale Marktwirtschaft nicht in der Lage sind, die Klimakrise zu meistern. Er schlägt stattdessen einen ökologischen Marxismus vor. Der amerikanische Philosoph Michael J. Sandel schlägt vor, der Politik den Vorrang vor der Wirtschaft zu geben, wobei er sich wiederum auf einen Essay des politischen Theoretikers Pratap Bhanu Mehta aus Indien bezieht. Beide wenden sich gegen das Unbehagen in der Demokratie aufgrund der ungezügelten Märkte, aber das trifft ebenso für die Unfähigkeit des bisherigen marktwirtschaftlichen Systems zu, die Klimakrise und den extremen Artenschwund noch in den Griff zu bekommen.
Den diesbezüglichen Vorrang der Politik sehen die Verfassungen des Westens nicht vor, so dass er derzeit nicht möglich erscheint, es sei denn, die Völker einigen sich auf neue verfassungsgebende Versammlungen. Hier muss weitergedacht werden, von Fachleuten und gerne auch von Laien, was im Kapitel ‚Erkenntnisgewinne‘ geschieht. Eine Darstellung der Weltgeschichte braucht eine Gliederung, die Kompromisse erfordert und letztlich immer etwas unbefriedigend sein wird. Als in Deutschland der Dreißigjährige Krieg ausgetragen wurde, stand die Welt in Asien, Amerika und Australien ja nicht still, aber eine horizontale (synoptische) und gleichzeitig vertikale (zeitliche) Darstellung wäre nur in Form von Tabellen darstellbar, nicht aber im Text, ohne die Zusammenhänge aus dem Blick zu verlieren. Um diese erkennbar zu machen, wurden die im Text näher definierten Kerngebiete zusammengefasst und nacheinander abgehandelt.
Meine Darstellung der Weltgeschichte ist höchst selektiv. Ich reduziere sie weitgehend auf das aus meiner Sicht Wesentliche während des Holozäns, den etwas mehr als 12.500 Jahren seit der Kalt- bzw. Eiszeit und dabei auf die wichtigsten Regionen bzw. Länder, auf die bedeutendsten Ereignisse, auf die großen Kulturen und Weltreligionen. Im Hinblick auf diese Beschränkung mag es verwundern, dass anfangs sogar die Entstehung des Universums und die vorgeschichtliche Zeit der Menschheit dargestellt wird. Damit soll deutlich werden, dass unsere Zeit auf der Erde kaum mehr als der Sekunde eines ganzen Tages gleicht und dass wir trotz aller beeindruckenden Leistungen entbehrlich sind.
Wo nähere Erklärungen hilfreich bzw. von Interesse sein können, habe ich Exkurse eingefügt. Die Abbildungen sind in den allermeisten Fällen nicht unbedingt zum Verständnis erforderlich, machen die schriftlichen Darstellungen aber anschaulicher.
Ich beschränke die Darstellung auf das Wesentliche und stelle sie dabei gleichzeitig ungleichgewichtig dar. Bestimmte Ereignisse oder Zeitabschnitte sind ausführlicher, andere hingegen kürzer dargestellt als dem Leser angemessen erscheinen mag. Alexander der Große und Karl der Große waren bedeutende Männer der Geschichte, aber Alexanders Reich ging nach seinem frühen Tod infolge der Kriege der Diadochen unter und auch Karls Frankenreich wurde aufgeteilt und verlor damit an Bedeutung.
Andererseits sind nach den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert die Angelsachsen als dominierende Mächte in Wissenschaft und Kultur hervorgegangen, haben die Geschichte so geschrieben, wie sie sie sehen, dabei andere Nationen und Kulturen manchmal kritischer als sich selbst präsentiert, was ich durchaus als eine Herausforderung an die political correctness verstehe. Hier wird die Darstellung z.T. ausführlicher.
Schließlich habe ich mich bemüht, Erkenntnisse aus diversen Darstellungen zu ein und demselben Ereignis zu gewinnen. Diese stelle ich in gesonderten Abschnitten am Schluss des Buches dar. Dabei geht es um die:
- möglicherweise evolutionär nicht optimal bestimmten Menschen in Bezug auf Friedfertigkeit, Genügsamkeit und Vernunft,
- Bestimmungsgründe der Geschichte,
- historischen Interdependenzen um 1200 v. Chr.,
- Schuldfrage für die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts,
- Konstanten bzw. kulturellen Prägungen in der Geschichte,
- Wanderungen der Kultur von Süd nach Nord und von West nach Ost,
- parallelen Entwicklungen in den Kerngebieten,
- Umbrüche im westlichen Kerngebiet.
Die Darstellung der Geschichte der Menschheit ist ohne Informationen aus zahlreichen Wissenschaftsdisziplinen – der Archäogenetik, Astrophysik, Philosophie, Theologie, Geografie, Geologie pp. – nicht möglich. Die Wissenschaft, insbesondere die Archäogenetik, kommt immer schneller zu Ergebnissen, die die einst sicher geglaubten Kenntnisse korrigiert. Ohne seriöse Fachbücher, Magazine und zunehmend auch Internetrecherchen wäre Vieles in diesem Buch bereits vor der Veröffentlichung überholt. Letztendlich wurden auch die Möglichkeiten der KI genutzt und dann ebenso wie andere Hilfsmittel in den Fußnoten angegeben.
Sönke Boysen, Kiel 2025
