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Wir alle kennen Arbeitslosigkeit – Die neue Herausforderung ist die Arbeiterlosigkeit Die Bevölkerungsentwicklung kannte über Jahrhunderte nur eine Richtung: Wachstum. Doch nun zeichnet sich eine Trendwende ab: Die Bevölkerung wird schrumpfen. In Deutschland, in Europa, und bald auf der ganzen Welt. Sinkt mit ihr auch unser Wohlstand? Droht uns eine jahrzehntelange Rezession, gar ein Jahrhundert des Rückschritts? »Mister Arbeitsmarkt« (Business Insider) Dr. Sebastian Dettmers, CEO von StepStone, zeigt, wie ernst die Krise ist, die unserer Gesellschaft durch die Arbeiterlosigkeit bevorsteht. Er macht aber auch klar: Wir haben es in der Hand, unsere Zukunft zu gestalten. Sein Buch gibt zahlreiche Impulse für das Meistern dieser Krise und für eine neue Revolution von Wirtschaft und Arbeit. Es enthält konkrete Lösungsvorschläge und beantwortet die wichtigste Frage: Wie kann durch qualifizierte Migration, neue Bildungskonzepte, mehr Geschlechtergerechtigkeit oder sinnvolles Automatisieren von Arbeitsprozessen der Arbeitsmarkt völlig neu gedacht werden?
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Seitenzahl: 336
Veröffentlichungsjahr: 2022
SEBASTIAN DETTMERS
Warum eine schrumpfende Bevölkerung unseren Wohlstand bedroht und was wir dagegen tun können
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Originalausgabe, 3. Auflage 2023
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Redaktion: Jordan Wegberg
Korrektorat: Silvia Kinkel
Umschlaggestaltung: Sonja Vallant
Satz: Daniel Förster
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-95972-595-8
ISBN E-Book (PDF) 978-3-98609-125-5
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98609-126-2
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Vorwort
Teil 1 Worauf unser Wohlstand beruht
Wachstum und Wohlstand: Nur eine Anomalie der Geschichte?
Ausbruch aus der Armutsfalle
USA: Dank »American Dream« (noch) Wirtschaftsmacht Nummer eins
China: Auf der Überholspur
Vereinigtes Königreich: Eine Insel auf Sonderwegen
Deutschland: Die Wachstumskräfte schwinden
Teil 2 Auf dem Weg in die Arbeiterlosigkeit
Die falsche Angst vor der Überbevölkerung
Von der »Population Bomb« zum »Population Drop«
Blick in die Zukunft: Wie sich die Weltbevölkerung entwickelt
Schwindende Produktivität: Die verkannte Gefahr für unseren Wohlstand
Es braucht einen New Deal
Teil 3 Wie wir den Wohlstand retten
Gesucht: Qualifizierte Einwanderer
Investition in Innovation: Zukunft gestalten statt Vergangenheit verwalten
Konsequent automatisieren: Unproduktive Tätigkeiten übernimmt Kollege Roboter
Bildung: Gleiche Chancen für alle Kinder
Mindestlohn: Der verkannte Booster für mehr Produktivität
Arbeitsmarkt: Mehr Flexibilität wagen
Diversität: Das Ende der Unterschiede
Teil 4 Ein New Deal gegen die Arbeiterlosigkeit
Gegensteuern auf dem Weg in die Arbeiterlosigkeit
Quellenverzeichnis
Vor etwa 200.000 Jahren entwickelte sich der moderne Mensch. Die ersten 199.750 Jahre sind schnell erzählt: Es war eine Zeit minimalen Fortschritts und stagnierender Lebensbedingungen. Ob ein Mensch vor 2000 Jahren, im Mittelalter oder im 18. Jahrhundert geboren wurde – es erging ihm kaum besser, als wenn er in der Steinzeit geboren wäre. Die Lebenserwartung stagnierte bei gut 30 Jahren, 95 Prozent der Menschen lebten in Armut und kämpften jeden Tag ums Überleben.1 Die Bevölkerung wuchs in homöopathischen Dosen. Doch vor rund 250 Jahren geschah etwas in der Geschichte absolut Einzigartiges: Der Mensch entkam der Armutsfalle.
Die Industrialisierung brachte den Menschen innerhalb weniger Generationen einen zuvor unvorstellbaren Wohlstand. Am Anfang stand ein aus heutiger Sicht simpel anmutendes Gerät: die »Spinning Jenny«. Die weltweit erste Spinnmaschine leistete genauso viel wie bis dahin acht Arbeiter. Sie gab den Startschuss zu einer einzigartigen Explosion der Produktivität. In den USA, in Deutschland und England stiegen die Produktivität und damit der Wohlstand bis heute um das bis zu Dreißigfache, weltweit immerhin um das Fünfzehnfache.2
Das Automobil ersetzte das Pferd, und nur 40 Jahre später flog der Mensch mit dem Flugzeug um die ganze Welt. Auf eines konnten sich die wachsenden Volkswirtschaften und ihre Unternehmen dabei immer verlassen: einen nicht versiegenden Zustrom an Arbeitskräften, vom Land in die Städte und von Land zu Land. Zudem wurde der Mensch nun immer älter. Dank ausreichender Ernährung und medizinischem Fortschritt – Antibiotika, Impfstoffe und moderne Operationstechniken – kam es global zu mehr als einer Verdoppelung der Lebenserwartung. Die Weltbevölkerung verachtfachte sich, von 1 Milliarde im Jahr 1800 auf heute fast 8 Milliarden Menschen.3
Der immense technische Fortschritt war nicht nur in der Lage, die rasant wachsende Zahl von Menschen zu ernähren. Global gesehen mehrte er auch deren Wohlstand enorm. Die weltweite Wirtschaftsleistung wuchs in den vergangenen 250 Jahren um mehr als das Hundertfache.4 Natürlich gibt es nach wie vor gravierende Unterschiede zwischen einzelnen Regionen, Ländern und Kontinenten, doch auch in weniger entwickelten Ländern sind heute Güter und Dienstleistungen in breiten Bevölkerungsschichten selbstverständlich, die noch vor wenigen Generationen weltweit nur wenigen vorbehalten oder schlicht unvorstellbar waren. Dazu gehört sauberes Trinkwasser genauso wie eine medizinische Grundversorgung und die Möglichkeit, in kurzer Zeit große Distanzen zu überbrücken, genauso wie der Schulbesuch für alle Jungen und Mädchen.
Die vergangenen 250 Jahre seit Beginn der industriellen Revolution waren in vielerlei Hinsicht einzigartig. Mittlerweile ist der daraus resultierende Wohlstand zu einer Selbstverständlichkeit geworden – und wir beginnen zu vergessen, dass er auf Wachstum gründet und ohne Wachstum nicht funktioniert. Eine gefährliche Entwicklung, denn schon seit den 1970er-Jahren stottert der Wachstumsmotor. Dies zeigt sich insbesondere bei der Produktivität, der entscheidenden Triebfeder für einen steigenden Wohlstand. 2018 kam der Anstieg der Pro-Kopf-Produktivität in Deutschland zum Stillstand. Ein Alarmzeichen, denn je produktiver die Beschäftigten, desto größer die Spielräume für Lohnzuwächse und desto höher letztendlich der Wohlstand.
Mittlerweile zerbrechen sich Wissenschaftler in vielen Ländern über ein Phänomen den Kopf, das in Deutschland »Produktivitätsparadoxon«, in Großbritannien »Productivity Puzzle« und in den USA »Productivity Slowdown« genannt wird. Es erscheint unbegreiflich, dass die Beschäftigten trotz Automatisierung, trotz Digitalisierung nicht produktiver werden. Erfüllen Roboter, Internet und Smartphones die in sie gesetzten Hoffnungen nicht? Nutzen wir sie nicht richtig? Messen wir eventuell ihren Beitrag zum Wirtschaftsgeschehen falsch? Oder gibt es andere Faktoren, die unsere Produktivität zunehmend hemmen?
Der stotternde Wachstumsmotor trifft uns zur Unzeit. Denn obendrein versiegt nun auch noch der Zustrom an Arbeitskräften. Schon bald wird die Menschheit zu schrumpfen beginnen. Und es werden weder ein Virus noch ein Krieg, noch eine Naturkatastrophe sein, die zu Bevölkerungsverlusten führen. Es wird vielmehr der Wohlstand sein.
Mit den Wohlstandsgewinnen der letzten 250 Jahre ging nicht nur eine steigende Lebenserwartung einher, sondern auch eine rückläufige Geburtenrate. Egal ob wir nach Deutschland, Italien oder Spanien, in die USA, nach China oder Japan blicken: die Fertilität reicht nicht mehr aus, um die Bevölkerung stabil zu halten. Dieser länder- und kulturübergreifende Trend wird China, Japan, Italien und Spanien bis Ende des Jahrhunderts die Hälfte ihrer Einwohner verlieren lassen, Deutschland mindestens 20 Prozent und sogar rund ein Drittel der Erwerbsbevölkerung.5
Wir erleben eine Zeitenwende. Der wichtigste Treiber des Wachstums der letzten 250 Jahre geht zur Neige: der Mensch. Statt Arbeitslosigkeit droht die Arbeiterlosigkeit. Mehr noch: Treffen sinkende Bevölkerungszahlen und eine stagnierende Pro-Kopf-Produktivität aufeinander, bedeutet das nichts anderes als ein Schrumpfen der Wirtschaft oder mit anderen Worten: jahrzehntelange Rezession. Auf die industrielle Revolution könnte ein Jahrhundert des Rückschritts folgen. Wobei es die einzelnen Wirtschaftsmächte mit unterschiedlicher Wucht treffen wird.
Die noch größte Volkswirtschaft der Welt, die USA, ist traditionell ein Einwanderungsland und kann so dem eigenen Bevölkerungsschwund entgegenwirken. Zudem investiert das Land mittlerweile Billionen US-Dollar in eine Stärkung von Industrie, Infrastruktur und Bildung und profitiert darüber hinaus von einem innovativen Hightech-Sektor. China wird noch jahrzehntelang damit beschäftigt sein, die Produktivitätslücke zum Westen schließen. Allerdings wird das Reich der Mitte schon bald die verheerenden Folgen der viel zu niedrigen Geburtenraten zu spüren bekommen.
Europa, Ursprung der industriellen Revolution, wird hingegen gleich doppelt getroffen. Während der Bevölkerungsrückgang bereits im vollen Gange ist, stagniert hier auch die Produktivität und damit der Fortschritt. Die Folge: Unternehmen halten Investitionen zurück oder verlagern sie in wachstumsstärkere Regionen. Ähnliches ist bei Forschung und Entwicklung zu beobachten. Wo vor wenigen Jahrzehnten der alte Kontinent dominierte, rangeln nun amerikanische und asiatische Koryphäen um die Spitzenplätze. Die europäischen Staaten ächzen unter der Last steigender Sozialausgaben und suchen ihr Heil in einer wachsenden Verschuldung. Großer Protest bleibt bislang aus. Das Feuer, das die industrielle Revolution einst entfachte, brennt aus. Erleben wir bald ihr Gegenteil: die Unrevolution?
Die Unrevolution wäre eine stille Revolution – ohne Kämpfe und ohne Widerstand. Sie käme leise daher, kaum wahrnehmbar. Das Wachstum würde sich verlangsamen, der Fortschritt erlahmen, bahnbrechende Innovationen ausbleiben. Davon würde keine Zeitung Notiz nehmen, kein Fernsehsender berichten. Früher oder später käme es zu Rezessionen ohne erkennbare Ursache. Auch das wäre kein Grund zur Aufregung, denn bislang folgte auf jeden Abschwung ein Aufschwung.
Über die Jahre hinweg würden wir uns an negative Wachstumsraten gewöhnen. Daran, dass Unternehmen weniger investieren, weil sie keine Wachstumschancen sehen. Dass die Infrastruktur verfällt, weil die Steuereinnahmen sinken. Dass die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Bildung zurückgehen. Dass die Kosten für Rente und Gesundheit in einer alternden Gesellschaft explodieren. Dass die Staaten immer höhere Schulden aufnehmen, um handlungsfähig zu bleiben. Dass unser Wohlstand sinkt.
Und weiterhin bliebe es still. Niemand würde sich erheben, niemand auf die Straße gehen. Denn die Unrevolution breitet sich dort aus, wo Gesellschaften altern und die Bevölkerung schrumpft. Alte Gesellschaften meiden Konflikte, sie demonstrieren nicht und beginnen schon gar keine Revolution.6 Die Unrevolution wäre ihr Gegenteil. Sie wäre durch Nicht-Handeln charakterisiert – genau das macht sie so gefährlich. Und die Gefahr rückt näher. Sehr nah. Viele Anzeichen sprechen dafür, dass die Unrevolution längst begonnen hat.
Doch die Unrevolution ist kein Schicksal, sie geschieht durch Unterlassen. Und dagegen können wir etwas unternehmen. Vielerorts ist dies bereits der Fall. Unternehmer gehen neue Wege, um die Produktivität zu steigern und Arbeitskräfte zu finden. Die Politik in anderen Ländern mobilisiert mehr Menschen für den Arbeitsmarkt und fördert gezielt hochproduktive Branchen. Öffentliche wie private Kapitalgeber investieren in Bildung sowie in disruptive Innovationen. All das macht Mut.
Noch können wir handeln, um die Wachstumskräfte auf unserem Kontinent neu zu entfachen. Dazu dürfen wir nicht mehr länger die Augen vor dem verschließen, was um uns herum passiert, und müssen beginnen, Konsequenzen zu ziehen, damit die Arbeiterlosigkeit nicht unseren Wohlstand zunichtemacht.
In meiner Arbeit komme ich immer wieder mit Unternehmen und Menschen zusammen, die dies genauso sehen – und handeln. Sie leisten ihren Beitrag, um die Produktivität mit Innovationen, mit Automatisierung und Digitalisierung nachhaltig zu steigern. Sie betreten unbekanntes Terrain und bauen mit disruptiven Ideen neue Firmen, ja ganze Branchen auf. Sie öffnen Firmentüren für Menschen mit Migrationshintergrund und ältere Arbeitssuchende und leben eine diverse Firmenkultur. Und sie beschreiten neue Wege in der Bildung von Menschen. All dies erlaubt einen Blick in die Zukunft und macht Mut. Davon soll dieses Buch handeln.
Im ersten Teil dieses Buches, »Worauf unser Wohlstand beruht«, führe ich in die Problematik ein. Ich beschreibe die einzigartige Wohlstandsexplosion in den vergangenen 250 Jahren und zeige den entscheidenden Beitrag des massenhaften Zustroms von Arbeitskräften sowie des technischen Fortschritts. Dabei werfe ich Schlaglichter auf Deutschland, die USA, China und das Mutterland der industriellen Revolution: das Vereinigte Königreich.
Der zweite Teil zeigt, was Wachstum und Wohlstand bedroht: die Arbeiterlosigkeit, ausgelöst durch eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung sowie stagnierenden Fortschritt. Bevölkerungsprognosen für alle Kontinente zeigen, wie schnell die Menschheit in den kommenden Dekaden altert und schrumpft. Ich analysiere, warum wir kaum noch produktiver werden, und beschreibe zudem die entscheidenden Produktivitätshemmnisse.
Teil drei macht an zahlreichen Beispielen deutlich, wie wir der Arbeiterlosigkeit entkommen können. Auch wenn die Wege zur Bewahrung unseres Wohlstands mit politischen Forderungen verbunden sind, folgen sie keinem Parteiprogramm. Die Erhöhung des Renteneintrittsalters ist genauso ein Thema wie ein höherer Mindestlohn, eine Flexibilisierung der Arbeitsmärkte genauso erforderlich wie eine neue Zuwanderungsstrategie. Vielleicht liegt gerade hier aktuell ein Problem in vielen Industriestaaten. Das klassische Rechts-Links-Schema verhindert einen unverstellten Blick auf die Herausforderungen und blockiert konstruktive Lösungsansätze.
So ist zum Beispiel Deutschland seit Langem ein Einwanderungsland. Doch bis heute weigert es sich, dies mit allen Konsequenzen anzuerkennen und die Voraussetzungen für eine gezielte Migration und eine erfolgreiche Integration zu schaffen. Dabei brauchen wir schon in dieser Dekade rund eine halbe Million Einwanderer pro Jahr, um die Verrentung der Generation der Babyboomer zumindest zum Teil auszugleichen, danach noch mehr. Ohne ein aktives Werben um Einwanderer, eine systematische und gezielte Steuerung der Migration und eine erfolgreiche Integration drohen schon bald Hunderttausende Arbeitsplätze unbesetzt zu bleiben.
Um Arbeiterlosigkeit zu verhindern, brauchen wir ein Upgrade der Arbeit. Wenn weniger arbeitende Menschen einen immer größer werdenden Sozialstaat finanzieren sollen, braucht es mehr Investitionen in Innovation und Fortschritt. Automatisierung und Digitalisierung versprechen riesige Produktivitätssprünge, doch wir nutzen sie nicht. Wir müssen daher konsequent neue Wege gehen, gemeinsam mit Kollege Roboter und mit Algorithmen zusammenzuarbeiten.
Dabei werden wir unsere Fähigkeiten auf den Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts abstimmen müssen – ein Jahrhundert, in dem wir uns nicht mehr an Maschinen anpassen, sondern Maschinen und Algorithmen an unsere Arbeit. Statt Gehorsam und Fleiß braucht es dafür Kreativität und die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen. Ohne ein Upgrade auf Bildung wird das Upgrade auf Arbeit jedoch scheitern. Denn noch heute kann ein Fünftel der Jugendlichen in Deutschland nicht einmal auf Grundschulniveau lesen und scheitert an einfachen Aufgaben wie dem Fahrkartenkauf am Automaten.
Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter so sehr wie der Mindestlohn. Führt er zu mehr Gerechtigkeit, oder vernichtet er Arbeitsplätze? Beides vielleicht, vor allem aber halte ich die Beschäftigung einer Vielzahl von Menschen im Niedriglohnbereich für ein Symptom mangelnden Fortschritts. Daher müssen wir uns zum Ziel setzen, den Mindestlohn über die kommenden zehn Jahre hinweg weiter zu steigern.
Warum? Weil Unternehmen die Hauptverantwortung dafür tragen, den Fortschritt voranzutreiben. Der Mindestlohn ist keine soziale Wohltat, sondern eine Abgabe für unproduktive Arbeitsplätze. Der Mindestlohn soll Unternehmen dazu motivieren, in die Produktivität ihrer Mannschaft zu investieren, so ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden und den Wohlstand zu steigern.
Da uns im 21. Jahrhundert eher Arbeiterlosigkeit als Arbeitslosigkeit droht, trägt ein steigender Mindestlohn dazu bei, die schrumpfende Zahl der Erwerbstätigen möglichst wertschaffend zu beschäftigen. Das ist nicht nur gut für Arbeitnehmer, sondern auch gut für die Wirtschaft und am Ende für unseren Wohlstand.
Die Beispiele zeigen: Die Arbeiterlosigkeit ist eine Folge der Entscheidungen von Menschen und kann von Menschen überwunden werden. Statt der stillen Unrevolution beginnt damit eine »laute« Revolution – eine Revolution, die unsere Gesellschaft verändert und eine neue Ära einläutet.
Der vierte Teil schließlich beschreibt eine Vision für unsere Zukunft: Wie ein Upgrade auf Arbeit gelingen kann. Wie wir Aufstiegschancen für alle Menschen schaffen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrer Hautfarbe. Wie wir wieder träumen, von Moonshots, von einer Zukunft, in der es unseren Kindern besser geht als uns selbst. Und noch eine Erkenntnis folgt: Wir können auch die Überbevölkerung samt ihrer negativen Auswirkungen auf das Klima und das Ökosystem der Erde aufhalten. Durch Wohlstand.
Warum schreibe ich dieses Buch? Ganz einfach: Die Arbeiterlosigkeit trifft uns völlig unvorbereitet. Und sie betrifft uns alle. Hinter uns liegen 250 Jahre explodierender Bevölkerungszahlen. Als ich vor gut 40 Jahren geboren wurde, lebten 4,4 Milliarden Menschen auf diesem Planeten, bald sind es doppelt so viele. Das bedeutete auch: bis heute gab es für jede neue Fabrik, für jedes neue Büro immer genügend Arbeitskräfte. Und für jedes Produkt, für jede Dienstleistung ließen sich immer mehr Kunden gewinnen. Die wachsende Bevölkerung ist Grundlage für unser Wachstum, Grundlage für unseren Wohlstand. Und dieser wachsende Wohlstand war bis heute die Basis für das Funktionieren demokratischer Gesellschaften. Oder kennen Sie eine Demokratie, die vor der industriellen Revolution dauerhaft funktioniert hat?
Ich halte die Arbeiterlosigkeit neben dem Klimawandel für die größte Gefahr unserer Zeit: für unseren Wohlstand, für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt, für das Funktionieren der Demokratie. Wir können uns nicht vorstellen, welche Auswirkungen schrumpfende Bevölkerungszahlen auf unsere Gesellschaft, auf die Weltwirtschaft haben. Weil wir es noch nie erlebt haben, nicht in diesem Ausmaß.
Betroffen sind praktisch alle entwickelten Volkswirtschaften: Europa, Nordamerika, Asien. In der Geschichte gibt es keine historische Blaupause für das, was uns bevorsteht, keine erprobten Lösungsansätze. Es liegt an uns, diese heute zu entwickeln und aus der Unrevolution eine Revolution zu machen. Ich wünsche mir eine solche Revolution. Denn ich will genau wie meine Großeltern und Eltern, dass es meinen Kindern besser geht und dass sie in Frieden und Wohlstand leben können. Dafür habe ich dieses Buch geschrieben.
All die Arbeit würde indes verpuffen, wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser, nicht dieses Buch zur Hand nehmen. Ich freue mich, dass Sie nun mit mir auf eine Entdeckungsreise gehen – vom Beginn der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert bis zum Jahr 2100. Sie werden erfahren, wie unser Wohlstand entstand, was ihn gefährdet und mit welchen Ansätzen wir ihn bewahren und erhöhen können. Es geht um Fortschritt, um Wachstum und um die Fähigkeit des Menschen, Außergewöhnliches zu leisten. Natürlich stehen wir derzeit vor enormen Herausforderungen. Doch wir können sie meistern. Wir werden neue Antworten finden, damit es unseren Kindern einmal besser geht.
Dafür brauchen wir Mut. Genau das möchte ich mit diesem Buch: Mut machen, die Arbeiterlosigkeit zu verhindern und neue Wege zu mehr Produktivität und mehr Wohlstand zu gehen. Das wird nicht leicht, es erfordert große Anstrengungen von Politik, Unternehmen und Bürgern sowie die Bereitschaft, Dinge zu verändern, sie frei vom klassischen Rechts-Links-Schema zu beurteilen und Risiken einzugehen. Doch es lohnt sich!
Dieses Buch wäre nicht ohne die Unterstützung zahlreicher Menschen zustande gekommen. Mein Dank gilt daher meinem Team bei StepStone – für seinen Input, seine Ideen und seine Unterstützung. Besonders danken möchte ich meinen Kollegen Tobias Zimmermann und Franziska Eckhardt, die mich bei der Konzeption und Entwicklung unermüdlich unterstützt haben. Sie haben bis tief in die Nacht recherchiert, gedacht und diskutiert, damit dieses Buch erscheinen konnte. Ich danke auch Christoph Keese und Frank Dopheide. Sie haben mich im Sommer 2021 überhaupt erst davon überzeugt, dass man mit Büchern die Welt verändern kann – zumindest ein bisschen. Dank gebührt auch Sabine Langohr von der Keil & Keil Literatur-Agentur sowie Friederike Thompson von der Münchner Verlagsgruppe, die mich über den gesamten Prozess der Bucherstellung fantastisch unterstützt haben.
Ich danke auch meiner Frau – Swantje Dettmers. Sie hat mich nicht nur in stundenlangen Diskussionen immer wieder herausgefordert. Ohne ihre Erfahrung aus der Bildungsforschung hätte ich übersehen, wie wichtig Bildung für unsere Zukunft ist. Viele Ideen in diesem Buch entstammen außerdem dem Dialog mit Unternehmern und Managern sowie mit Wissenschaftlern und Arbeitsmarktexperten. Sie alle aufzuführen würde die Dimension eines Vorworts sprengen. Einige finden sich mit ihren Werken im Literaturverzeichnis wieder. Daher an dieser Stelle nur ein Wort: Danke!
Es ist Montag, der 1. Februar 2021. Draußen ist es düster, nass und kalt. Im Büro herrscht Totenstille, die meisten unserer 3500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sitzen seit Monaten fast ausschließlich am heimischen Schreibtisch. Hinter uns liegt der stärkste Einbruch der Weltwirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg – ausgelöst durch ein Virus: 2020 brach die Wirtschaft weltweit um 3 Prozent ein, in den entwickelten Volkswirtschaften sogar um fast 5 Prozent.1 Großbritannien, bekannt für seine lang zurückreichenden Statistiken, meldete mit knapp 10 Prozent den stärksten Wirtschaftseinbruch seit über 300 Jahren.2
Gleich zu Beginn der Corona-Pandemie stürzten die Aktienindizes der USA, Großbritanniens, Deutschlands und Japans binnen weniger Wochen um teilweise fast 40 Prozent. Globale Lieferketten kamen zum Erliegen. Vor den großen Häfen der Welt lagen Hunderte Containerschiffe ohne Auftrag – sie wurden zum Sinnbild der gravierenden wirtschaftlichen Folgen. 400.000 Seeleute strandeten auf See und konnten nicht zu ihren Familien heimkehren.3 Arbeitslosenzahlen schnellten in die Höhe, in den USA von gut 3 auf fast 15 Prozent4 – das gab es zuletzt 1933 während der Großen Depression, der bislang größten Wirtschaftskrise in der Geschichte der USA.
Um Arbeitsplätze zu sichern, setzten vor allem in Europa etliche Regierungen auf milliardenschwere Kurzarbeitsprogramme. Experten schätzen, dass einzig so über 50 Millionen Menschen ihren Job behalten konnten. Während der Finanzkrise ein gutes Jahrzehnt zuvor war es nur ein Bruchteil dessen gewesen. Allein in Deutschland liefen zum Höhepunkt der Pandemie Kosten von rund 500 Millionen Euro auf – pro Woche. Regierungen in aller Welt nahmen Billionen von neuen Staatsschulden auf, damit sich die Pandemie so wenig wie möglich auf ihre Wirtschaftsleistung auswirkt.
Derartige Auswirkungen auf das weltweite Wirtschaftsgeschehen hatten weder die Ölkrise noch der Irak-Krieg oder die Finanzkrise von 2008 gehabt. Aber ist ein Virus wie SARS-Cov-2 auch in der Lage, das Ende eines jahrhundertelangen Wachstumszyklus einzuleiten? Wohl kaum.
Die Geschichte lehrt uns, dass konjunkturelle Krisen im 20. und 21. Jahrhundert in Friedenszeiten selten länger als ein bis zwei Jahre dauern. Zu groß sind die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft, zu groß ist das Streben von Staat und Unternehmen nach Wachstum. So brauchte die Wirtschaft nach der Korea-Krise von 1953 lediglich zehn Monate, um sich zu erholen. Die Ölkrisen von 1973 und Anfang der 1980er-Jahre waren jeweils nach 16 Monaten überstanden, der Dot-Com-Crash zur Jahrtausendwende nach nur acht Monaten, die Finanzkrise von 2008 nach 18 Monaten.5
Und so wird uns auch die Covid-Pandemie lediglich als eine unter vielen Zäsuren in Erinnerung bleiben, die das Wachstum der globalen Wirtschaft kurzzeitig unterbrochen haben. Denn dazwischen liegen durchschnittlich acht bis zehn Jahre mit einem steten wirtschaftlichen Wachstum, steigenden Beschäftigungszahlen und florierenden Aktienmärkten.6 Kurzum: mit steigendem Wohlstand.
Das Wachstum der vergangenen 250 Jahre wurde vor allem aus zwei Faktoren gespeist: dem Bevölkerungswachstum und dem Fortschritt. Kleine Betriebe, große Konzerne und ganze Volkswirtschaften konnten vor allem deswegen wachsen, weil in einer wachsenden Bevölkerung immer mehr Arbeiter, immer mehr Talente zur Verfügung standen. Seit 1800 hat sich die Zahl der Erdbewohner verachtfacht. Mehr noch: Getrieben durch immer neue Ideen, durch bahnbrechende Erfindungen und nicht zuletzt durch flächendeckende Bildung entstand ein Fortschritt, der all diese Menschen immer produktiver werden ließ.
In einem Bruchteil der Menschheitsgeschichte haben wir die Eisenbahn, das Auto und das Flugzeug erfunden, den Funk, das Telefon und das Internet. Es ist vor allem diese Kombination aus Bevölkerungswachstum und Fortschritt, der wir unseren heutigen Wohlstand zu verdanken haben. Sie ist der Grund, warum Wirtschaftskrisen nie lange gedauert haben.
Doch wie geht es weiter? Ich selbst habe den größten Teil meines Lebens angenommen, Bevölkerungswachstum und Fortschritt würden linear verlaufen. Ich teilte wie viele Menschen die Angst vor einer Überbevölkerung unseres Planeten: Unmöglich könnte die Menschheit immer weiter wachsen, ohne dass es irgendwann zur Katastrophe käme! Vielleicht würde eine Krankheit die Menschheit dezimieren oder gar auslöschen, vielleicht eine Naturkatastrophe, vielleicht ein Atomkrieg?
Gleichzeitig war und bin ich fasziniert vom Fortschritt. Ich liebe Science-Fiction-Romane. Welche Innovationen würde die Menschheit wohl in den nächsten 200 Jahren hervorbringen? Den Meeresboden besiedeln? Den Mars vielleicht?
Heute weiß ich: Es war naiv, anzunehmen, dass sich Bevölkerung und Fortschritt auch in Zukunft linear weiterentwickeln. Denn wir müssen uns eines klarmachen: Unsere Wachstumsgeschichte ist gerade einmal 250 Jahre alt. Erst die industrielle Revolution entfesselte den weltweiten Fortschritt und ließ die Bevölkerung explodieren. Sie ist die Grundlage unseres heutigen Wohlstands.
Doch was sind schon zweieinhalb Jahrhunderte angesichts der 200.000-jährigen Geschichte des modernen Menschen, der praktisch durchgehend in Armut lebte? Vielleicht sind die letzten 250 Jahre nur eine Anomalie der Geschichte. Vielleicht haben wir einfach nur das Glück, genau zum richtigen Zeitpunkt geboren zu sein. Denn schon bald wird die Weltbevölkerung anfangen zu schrumpfen. Und auch der Fortschritt hat schon längst begonnen, nachzulassen. Die Arbeiterlosigkeit wirft ihre Schatten voraus.
Wer die Herausforderungen der Zukunft verstehen möchte, muss die Einzigartigkeit unserer Zeit erkennen: den enormen Fortschritt der vergangenen zweieinhalb Jahrhunderte, den Erfindergeist unserer Groß- und Urgroßeltern, ihren Willen, die Menschheit in eine völlig neue Zeit zu führen, eine neue Wirtschaftsordnung zu erfinden, eine neue Politik. Unser heutiger Wohlstand mag uns als eine Normalität vorkommen. Wir empfinden es als normal, dass heute fast jedes Kind das Erwachsenenalter erreicht, dass wir kaum noch Hunger leiden. Bildung, unser Gesundheitssystem, unsere Infrastruktur – all das ist Alltag geworden. Doch unser Wohlstand ist alles andere als normal. Unser Wohlstand ist eine Anomalie der Geschichte. Er ist jung, und er ist fragil.
Hinter uns liegt ein einzigartiger Aufschwung. Seit dem Beginn der industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts ist eine wachsende Wirtschaft der entscheidende Wohlstandsmotor und die unverzichtbare Grundlage stabiler Nationen. In den vergangenen 250 Jahren stieg die globale Wirtschaftsleistung um rund das Hundertfache. Und laut Weltbank gibt es kein einziges Land auf der Erde, dessen Wirtschaft in den letzten 25 Jahren nicht gewachsen ist.7
Für die meisten Menschen verbesserten sich die Lebensbedingungen dabei rasant. Auch wenn die Armut noch nicht besiegt ist, ging es der Menschheit noch nie so gut wie heute. Von den fast 8 Milliarden Menschen leben nur noch knapp 10 Prozent in extremer Armut, müssen also mit weniger als etwa 2 Dollar pro Tag auskommen.8 Die Produktivität pro Kopf – der beste Indikator für den Wohlstand – liegt im globalen Durchschnitt etwa fünfzehnmal so hoch wie im Jahr 1820.9 Was für ein Wachstum! Aber was ist eigentlich Wachstum? Und was hat es mit Wohlstand zu tun? Viele Begriffe schwirren im Raum herum, machen Schlagzeilen und finden Eingang in politische Diskussionen: das Bruttoinlandsprodukt, Aufund Abschwünge, Rezessionen, die Produktivität und schließlich der seit Ludwig Erhards Zeiten sagenumwobene Wohlstand. Wir werden uns daher ganz kurz damit beschäftigen.
Wenn über das Wirtschaftswachstum gesprochen wird, geht es meist um das Bruttoinlandsprodukt. Darunter versteht man den Wert sämtlicher von einer Volkswirtschaft hergestellten Waren und Dienstleistungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums (wir werden in diesem Buch übrigens die Wirtschaftsleistung häufig in Dollar messen, um Länder miteinander vergleichen zu können). Jedes neue Auto, jedes gebackene Brot und jeder Restaurantbesuch fließen in diese Größe ein.
Werden mehr Brote gebacken, mehr Autos hergestellt, mehr Reisen gebucht oder mehr Versicherungen verkauft, steigt das Bruttoinlandsprodukt und wächst die Wirtschaft. Das ist auch der Fall, wenn Unternehmen die Qualität ihrer Brote, Autos, Reisen oder Versicherungen verbessern und diese dann zu einem höheren Preis verkaufen. Werden hingegen weniger Waren produziert oder weniger Dienstleistungen erbracht, schrumpft die Wirtschaft. Passiert das zwei Quartale lang in Folge, sprechen wir von einer Rezession.
Wachstum ist die Grundlage einer funktionierenden Marktwirtschaft. »Ohne Wachstum keine Investitionen, ohne Wachstum keine Arbeitsplätze, ohne Wachstum keine Gelder für die Bildung, ohne Wachstum keine Hilfe für die Schwachen. Und umgekehrt: Mit Wachstum Investitionen, Arbeitsplätze, Gelder für die Bildung, Hilfe für die Schwachen und – am wichtigsten – Vertrauen bei den Menschen.«10 Mit diesen Worten machte die langjährige Bundeskanzlerin Angela Merkel klar, was eine schrumpfende Wirtschaft so gefährlich macht.
Denn wenn Unternehmen davon ausgehen müssen, dass sie weniger verkaufen können, dann investieren sie weniger. Befürchten Verbraucher sinkende Löhne oder gar Arbeitslosigkeit, dann konsumieren sie weniger. Auf Dauer entzieht das dem Staat Steuereinnahmen. Auch er investiert dann weniger – ein Teufelskreis nimmt Fahrt auf. Und die Angst davor sitzt tief.
Als im Oktober 2008 die globale Finanzkrise eine Rezession auslöste, zeigte das Time Magazine eine Suppenküche auf dem Cover. Menschenmassen warteten auf eine warme Mahlzeit – die Redaktion titelte dazu: »The New Hard Times«. Die Botschaft war deutlich: Rezessionen bedeuten, den Gürtel enger zu schnallen. Auch in Deutschland beherrschen die Medien das Spiel mit der Angst. Im Laufe der Rezession nach dem Platzen der Dot-Com-Blase im Jahr 2001 machte der Spiegel mit dem Titel »Die Angstkrise – Psychologie einer Rezession« auf. »Zu sagen, wir verzichten auf die Idee von Wachstum«, so der aktuelle Wirtschaftsminister Robert Habeck, »würde bedeuten, wir verzichten auf die Idee von Fortschritt.«11
Egal, ob sie das Ergebnis von Wirtschaftskrisen, Unruhen oder Naturkatastrophen sind – Stagnation und Rezession werden massiv von Regierungen auf der ganzen Welt bekämpft. Zum gängigen Werkzeugkasten gehören Zinssenkungen und milliardenschwere Notkredite, Anleihekäufe und Investitionsprogramme. Und seit dem Zweiten Weltkrieg haben solche Interventionen in der westlichen Welt immer funktioniert.
Für unsere Generation ist Wirtschaftswachstum mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Das gilt unabhängig vom Wirtschaftssystem und der Regierungsform. Ob Marktwirtschaft oder Staatswirtschaft, Demokratie oder Autokratie – ausbleibendes Wachstum bedroht den gesellschaftlichen Zusammenhalt in jedem Land. Von daher strebt nahezu jede Volkswirtschaft, jede Regierung und jedes Unternehmen nach Wachstum. Denn Wachstum bedeutet Wohlstand.
Ein wesentlicher Treiber für das Wirtschaftswachstum ist ein Anstieg der Produktivität pro Kopf. Rechnerisch lässt sich die Produktivität eines Landes einfach als Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner berechnen. Wie wichtig diese Kennzahl ist, macht der amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman mit wenigen Sätzen klar: »Productivity isn’t everything, but in the long run it is almost everything.«12 Denn: »A country’s ability to improve its standard of living over time depends almost entirely on its ability to raise its output per worker.«
Wenn wir die Produktivität erhöhen, bedeutet das also nichts anderes, als dass wir bei gleichem Arbeitseinsatz mehr produzieren: Die Pro-Kopf-Produktivität steigt. Und steigt die Pro-Kopf-Produktivität in einem Land, legen auch die Einkommen zu.13 Die Steuereinnahmen schwellen an, ebenso die Sozialbeiträge. Kurzum: der Wohlstand steigt.
Viele Erfindungen in der Menschheitsgeschichte sind deswegen ein so großer Erfolg, weil sie die Produktivität und damit unseren materiellen Wohlstand erhöht haben. Dank Pflug und Ochse konnten unsere Vorfahren den Ackerboden leichter und schneller bearbeiten. Mithilfe der Mühle mahlten sie plötzlich deutlich mehr Korn. Nach Erfindung der Eisenbahn konnten sie Waren leichter von einem Ort zum anderen transportieren. Schließlich reduzierte der Schweißroboter die Zeit, die es benötigt, ein Auto herzustellen. Und vielleicht werden irgendwann in der Zukunft Roboter für uns kochen, sodass wir mehr Zeit für produktivere Tätigkeiten haben.
Immer wieder waren es Erfindungen, neue Maschinen oder Prozesse, die uns produktiver gemacht haben. Die Dampfmaschine, der Computer, der Industrieroboter – sie alle haben dafür gesorgt, dass ein einzelner Mensch mehr leisten, mehr produzieren konnte. Und damit trugen sie dazu bei, dass unser materieller Wohlstand über die vergangenen Jahrhunderte um ein Vielfaches gestiegen ist.
Heute mag es so erscheinen, als sei die Geschichte der Menschheit eine Geschichte des immerwährenden Wachstums. Eine Geschichte immer neuer Erfindungen und Innovationen: vom Rad über den Pflug bis hin zur Dampfmaschine und zum selbstfahrenden Auto. Eine Geschichte des immer weiter steigenden Wohlstands. Doch in Wahrheit ist Wachstum ein neuzeitliches Phänomen. In der vorindustriellen Zeit, also der Zeit vor 1770, betrug die weltweit durchschnittliche Wirtschaftsleistung pro Person nach heutiger Kaufkraft gut 1.000 Dollar pro Jahr.14 Kaum ein Mensch war in der Lage zu sparen. Mit dem Einkommen hielt man in der Regel einzig die eigene Familie über Wasser. Vielfach reichte es nicht einmal dafür. 95 Prozent der Erdbevölkerung lebten noch im 18. Jahrhundert in Armut – das bedeutet, sie mussten mit weniger als 2 US-Dollar pro Tag auskommen.15
Selbst in England, wo die industrielle Revolution ihren Anfang nahm, sah die Situation nicht viel besser aus, als etwa 40 Kilometer südlich von London in der Grafschaft Surrey im kalten Februar 1766 Thomas Robert Malthus als sechstes Kind von Henrietta Catherine Graham und Daniel Malthus das Licht der Welt erblickte.16 Dass Thomas seinen fünften Geburtstag erleben würde, war zu dieser Zeit alles andere als selbstverständlich. Das Leben im 18. Jahrhundert war hart, der Tod ein ständiger Begleiter. Eines von drei Kindern starb noch vor dem fünften Geburtstag.17 Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug gerade einmal 38 Jahre.18
Im Vereinigten Königreich lebten zur damaligen Zeit gut 8 Millionen Menschen.19 Seuchen, vor allem die Pest, aber auch Missernten und Kriege sorgten dafür, dass die Bevölkerungszahl nur äußerst langsam zunahm. Die meisten Menschen arbeiteten in der Landwirtschaft, oft sechs Tage die Woche, mehr als 300 Tage im Jahr, nur die Sonntage blieben frei.20 Das wenige Einkommen gaben sie fast vollständig für Lebensmittel, Kleidung und ein Dach über dem Kopf aus. Bei unzureichender Wärme und ohne fließendes Wasser waren Hunger und Krankheit allgegenwärtig.
Thomas Malthus wuchs in für die damalige Zeit wohlhabenden Verhältnissen auf. Mit 22 Jahren erhielt er eine Stelle als Geistlicher an der Oakwood Gemeinde in Wotton – bei einem jährlichen Salär von 40 Pfund.21 Neben kirchlichen Angelegenheiten beschäftigten den jungen Malthus vor allem sehr weltliche Themen. In seinem Fokus stand die Frage, warum trotz des durchaus vorhandenen Fortschritts der Wohlstand nicht zunahm und große Teile der Menschheit seit Jahrhunderten in Armut lebten.
1798 fasste Malthus seine Überlegungen in An Essay on the Principle of Population22 zusammen. Nur wenige Aufsätze aus dieser Zeit sorgen bis in die heutige Zeit hinein für so viel Furore. Dem berühmten Naturforscher Charles Darwin diente er als Grundlage für seine Artenforschung,23 der Ökonom John Maynard Keynes nannte ihn eine Pionierarbeit in der soziologischen Geschichtsschreibung.24
Was seine Zeitgenossen so sehr bewegte, war Thomas Malthus’ Entdeckung der Armutsfalle. Malthus ging die Frage nicht aus dem Kopf, warum der von ihm beobachtete landwirtschaftliche Fortschritt nicht zu einer Verbesserung des Wohlstands führte. Warum brachten Innovationen zwar mehr Ertrag, reduzierten aber die Armut nicht? Warum mussten so viele Menschen hungern – trotz Pflug, Bewässerungsanlagen, Windmühlen oder neuen Getreidesorten?
Seine Erkenntnis war so simpel wie bahnbrechend: Mit jedem Fortschritt, mit jeder Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge konnten eine Zeit lang mehr Menschen ernährt werden. Die Überlebenschancen stiegen, es wurden mehr Kinder geboren. Damit wuchs die Bevölkerung, oft sogar überproportional zum Nahrungsangebot. Doch von nun an mussten damit auch mehr Münder gestopft werden. Für den Einzelnen blieb schon bald nicht mehr zum Essen übrig. Hunger und Seuchen führten schließlich dazu, dass das Bevölkerungswachstum gebremst oder sogar umgekehrt wurde. In der Folge fiel der Wohlstand wieder auf sein altes, niedriges Niveau. Ein permanenter Wettlauf zwischen Pflug und Storch, der ohne Gewinner blieb. Der Mensch war gefangen in der »Malthusischen Armutsfalle«.
Die Geschichten über das fürstliche Leben an Königshöfen oder Festgelage auf Ritterburgen spielen uns einen Streich. Das Leben unserer Vorfahren war hart. Egal ob in der Steinzeit, im Mittelalter oder im Jahr 1766: Im Schnitt wurden die Menschen nur 30 bis 35 Jahre alt,25 rund ein Viertel aller Kinder starb vor dem ersten Geburtstag.26 Die niedrige Produktivität und der niedrige Wohlstand hatten ganz handfeste und drastische Konsequenzen.
Doch dann änderte sich alles – die industrielle Revolution markiert den wichtigsten Wendepunkt in der Wirtschaftsgeschichte der Menschen. Die Fortschrittswelle erfasste erst England, dann Europa und schließlich den Rest der Welt. Zum ersten Mal gelang es den Menschen, die Produktivität in einem Ausmaß zu steigern, dass sie der Armutsfalle entkommen und ihren Wohlstand dauerhaft steigern konnten. Den Startschuss dafür gab der Engländer James Hargreaves.
Ende des 18. Jahrhunderts war England der weltweit größte Hersteller von Textilien. Aus seinen zahllosen Kolonien importierte das Land im großen Stil Baumwolle.27 Allerdings war die Herstellung von Tüchern aufwändig – Baumwollfäden mussten mühevoll per Hand gesponnen werden. Auf einen einzelnen Weber kamen etwa vier bis acht Spinner.
Der Erzählung nach beobachtete Hargreaves seine Frau beim Spinnen von Baumwollgarn, als ihm die Idee kam, diesen Prozess zu automatisieren. 1764 kurbelte er zum ersten Mal an seiner »Spinning Jenny«, der ersten industriellen Spinnmaschine der Welt.28 Damit konnte ein Spinner von nun an nicht nur einen Faden, sondern gleich acht Fäden gleichzeitig herstellen.29 Wir mögen das heute banal finden. Aber erinnern Sie sich an eine Erfindung, an eine Idee, welche die Produktivität eines Mitarbeiters um das Achtfache gesteigert hat? Können Sie sich vorstellen, morgen auf einmal das Achtfache zu erledigen?
Hargreaves Erfindung bedeutete einen gewaltigen Produktivitätssprung für die Textilindustrie. Sie erhöhte die Pro-Kopf-Produktivität in Spinnereien um ein Vielfaches. Die Zeit, ein Kilo Baumwolle in Kleidung zu verarbeiten, reduzierte sich dank vieler weiterer Erfindungen in den kommenden Jahren von 36 auf nur noch drei Stunden.30 Innerhalb kürzester Zeit entstanden zunächst in England, später in ganz Europa und den USA Textilfabriken.
Es war die Geburtsstunde der Massenproduktion. Immer mehr Waren wurden nicht mehr per Hand, sondern von einer Maschine hergestellt. Erst ihr Einsatz ließ die Leistung eines einzelnen Arbeiters um ein Vielfaches steigern.
Wir verbinden die industrielle Revolution häufig mit Kohle und Stahl, mit der Produktion von Maschinen, Traktoren und den ersten Autos. Ihren Anfang nahm sie jedoch bei etwas so Alltäglichem wie Bekleidung. Tatsächlich ging nämlich in den ersten 100 Jahren mehr als die Hälfte des gesamten Produktivitätsfortschritts der englischen Wirtschaft auf Fortschritte in der Textilindustrie zurück.31 Für den Rest waren das Transportwesen und in geringerem Ausmaß die Landwirtschaft verantwortlich.
Die Zeit um das Jahr 1770 markiert den Beginn der Industrialisierung. Entscheidende Meilensteine waren der Durchbruch der Dampfmaschine im Jahr 1769 und die Erfindung der Dampflokomotive 1804: Dank des Fortschritts konnten nun Waren massenhaft an einem Ort produziert und über das gesamte Land transportiert und verkauft werden. Gleichzeitig steigerten Jethro Tulls Sämaschine oder John Deeres Pflug aus Stahl auch in der Landwirtschaft die Produktivität um ein Vielfaches. Allein im 19. Jahrhundert erhöhte sich die Pro-Kopf-Produktivität in England so um mehr als das Doppelte. In den USA verdreifachte sie sich sogar.32
Zum Ende des 19. Jahrhunderts hin begann die Industrialisierung ihre volle Kraft in der Breite zu entfalten. Es war die Zeit exponentiellen Wirtschaftswachstums. Während sich die globale Wirtschaftsleistung von 1770 bis 1870 gerade einmal verdoppelt hatte, explodierte der Fortschritt ab dann, vor allem in der westlichen Welt. Große Maschinen- und Autobauer entstanden: Unternehmen wie Ford und General Electric in den USA oder Daimler und Siemens in Europa. Es entwickelten sich die chemische Industrie und die Elektroindustrie.
Im Laufe der Hochindustrialisierung wurden zunächst Deutschland und Frankreich, Großbritannien und die USA, später auch Japan zu wohlhabenden Nationen. Noch im Jahr 1800 lag die weltweite Produktivität pro Kopf bei gut 1.000 Dollar pro Jahr. Heute liegt die Pro-Kopf-Produktivität in Großbritannien, dem Ursprungsland der industriellen Revolution, bei über 41.000 US-Dollar pro Jahr. In Deutschland beläuft sie sich auf über 46.000, in den USA sogar auf über 63.000 US-Dollar pro Jahr.33 Und China? Immerhin war das Land im Mittelalter die unbestrittene Wirtschaftsmacht Nummer eins. Damals produzierte es zum Beispiel bereits so viel Stahl wie England erst sechs Jahrhunderte später. Und auch noch 1800 war China eine Größe – das Reich der Mitte stellte rund ein Drittel aller Waren weltweit her und war nicht nur für seine Seide berühmt.34
Große innen- und außenpolitische Probleme schwächten das chinesische Kaiserreich jedoch zunehmend. Die Abschottung von der Außenwelt machte jeglichen Fortschritt zunichte. Entsprechend stagnierte die Pro-Kopf-Produktivität. China verpasste den Anschluss. Erst in jüngerer Vergangenheit konnte das Land mit rasanter Geschwindigkeit aufholen. In den gut 40 Jahren seit der Reformpolitik Deng Xiaopings stieg die Produktivität um mehr als das Siebenfache auf heute rund 10.000 US-Dollar.35 Trotz dieser explosionsartigen Entwicklung liegt China in Sachen Wirtschaftskraft (noch) weit hinter den westlichen Industriestaaten zurück.
Dort schlägt sich die mittlerweile erreichte Produktivität in spürbarem Wohlstand nieder: Deutschland, Großbritannien und Frankreich, die USA, aber auch Kanada und Australien bewegen sich auf einem noch vor 250 Jahren kaum vorstellbaren Wohlstandsniveau. Die Einkommen und der Lebensstandard haben sich vervielfacht. Lebte damals der Großteil der Bevölkerung in diesen Ländern in Armut, sind es heute weniger als 1 Prozent.36 Die Lebenserwartung verdoppelte sich innerhalb weniger Generationen – aktuell liegt sie in entwickelten Ländern bei rund 80 Jahren.37
Doch wie kommt es, dass das Bevölkerungswachstum die Produktivitätsgewinne der industriellen Revolution nicht sofort wieder zunichtegemacht hat? Die Erklärung ist simpel: Zwar stiegen die Bevölkerungszahlen wie von Malthus vorhergesagt rasant. Seit Beginn der industriellen Revolution versiebenfachte sich die Einwohnerzahl im Vereinigten Königreich auf heute 67 Millionen, in Deutschland verfünffachte sie sich auf rund 83 Millionen. In den USA stieg sie gar auf fast 330 Millionen.38
Doch diese Steigerungen blieben weit unterhalb des Produktivitätswachstums. Denn nachdem der Mensch nahezu 200.000 Jahre in der Armutsfalle verharrt hatte, stieg die Produktivität in nur 250 Jahren um das bis zu Fünfzigfache. Malthus hatte den Erfindergeist des Menschen unterschätzt. Und so hat der Fortschritt den Menschen aus der Armutsfalle geführt – und obendrein dank sinkender Mortalität das größte Bevölkerungswachstum der Menschheitsgeschichte eingeleitet.
Wer die Welt von heute verstehen will, sollte erkennen, wie einzigartig die Entwicklung der vergangenen 250 Jahre war. Noch wenige Generationen vor uns lebten die meisten Menschen rund um den Planeten in Armut. Heute ist der Wohlstand weit verbreitet. Die Vereinigten Staaten, Deutschland und Großbritannien zählen dabei zu den größten Gewinnern der industriellen Revolution. In jüngster Zeit holt vor allem China auf und setzt an, die größte Wirtschaftsmacht der Erde zu werden. Und selbst in Afrika, dem bislang am wenigsten entwickelten Kontinent, hat der Fortschritt längst eingesetzt.
Es scheint, als wäre die industrielle Revolution eine Geschichte unendlichen Wachstums. Dabei fällt kaum auf, dass der Wachstumsmotor ins Stottern gerät. Die Wachstumskräfte der industriellen Revolution schwinden. Der Fortschritt, der uns aus der Armutsfalle geführt hat, scheint ins Stocken geraten zu sein. Im Mutterland der industriellen Revolution ebenso wie im Rest Europas sowie den USA. Dazu zeichnet sich eine Zeitenwende ab. Die Bevölkerung beginnt zu schrumpfen – in weiten Teilen Europas, in China, in Japan, und schon bald auf der ganzen Welt. In der Folge droht die große Arbeiterlosigkeit. Und die Reaktionen sind ganz verschieden.
Kein Land verkörpert so sehr das Streben nach Wachstum und Wohlstand wie die USA. Nach Überwindung der Folgen des Bürgerkriegs entwickelten sich die Vereinigten Staaten zum Treiber des globalen Wachstums. In den vergangenen 200 Jahren stieg die Pro-Kopf-Produktivität um mehr als das Zwanzigfache39 auf über 60.000 US-Dollar pro Jahr. Damit ist die US-Wirtschaft produktiver als alle anderen Industrienationen und rund sechsmal so produktiv wie die chinesische.40
In den 1950er- und 1960er-Jahren wuchs die Wirtschaft durchschnittlich um über 4 Prozent pro Jahr, bis in die 1990er-Jahre immerhin über 3 Prozent. Mit über 20 Billionen US-Dollar Wirtschaftsleistung ist die US-Wirtschaft ein Drittel größer als die Nummer zwei – China.41
