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Was in normalen Zeiten verrückt erscheint, erscheint in einer Krise notwendig!
Im Jahr 2008 litt die Weltwirtschaft unter der Immobilienkrise, die global Vermögenswerte von fast 10 Billionen Dollar vernichtete. Es folgte die Staatsschuldenkrise. Nicht nur die Europäische Zentralbank reagierte hierauf. Die Federal Reserve reagierte mit "Quantitative Easing" und fügte ihrer Bilanz in sieben Jahren 3,5 Billionen US-Dollar hinzu. Im März 2020 kam es zu einer neuen Krise und allein die US-Notenbank fügte ihrer Bilanz weitere 3,5 Billionen Dollar hinzu, nur dieses Mal geschah dies innerhalb von sieben Wochen!
Die wirkliche Krise, mit der die Welt heute konfrontiert ist, ist nicht der Coronavirus, sagt Adam Baratta. Die wirkliche Krise sind die explodierenden Staatsschulden und Defizite. Den Regierungen bleibt nun keine andere Wahl, als mehr auszugeben, als sie einnehmen, mehr Kredite aufzunehmen, als sie jemals zurückzahlen können, und ihre Währungen abzuwerten, um all dies zu vertuschen.
Der ehemalige Hollywood-Geschichtenerzähler Adam Baratta erweckt in diesem Nachfolger des US-Bestsellers "Gold is a Better Way" die Geldpolitik zum Leben. Sie werden erfahren, wie und warum die Politik der Notenbanken eine Explosion der Staatsverschuldung begünstigt und das Weltfinanzsystem im Namen des Profits systematisch untergraben hat. Das Ergebnis? Ein außer Kontrolle geratenes System, in dem die finanzielle Ungleichheit zu einer tickenden Zeitbombe geworden ist, die die Weltwirtschaft zum Explodieren bringen wird.
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Seitenzahl: 352
Veröffentlichungsjahr: 2021
Copyright © 2020 by John Wiley & Sons, Inc. All rights reserved.
Das englischsprachige Original erschien 2020 unter dem Titel »The Great Devaluation. How to Embrace, Prepare, and Profit from the Coming Global Monetary Reset«
All Rights Reserved. This translation published under license with the original publisher John Wiley & Sons, Inc.
Alle Bücher von WILEY-VCH werden sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und Verlag in keinem Fall, einschließlich des vorliegenden Werkes, für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für eventuelle Druckfehler irgendeine Haftung.
© 2021 Wiley-VCH GmbH, Boschstr. 12, 69469 Weinheim, Germany
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
Print ISBN: 978-3-527-51070-2
E-Book ISBN: 978-3-527-83703-8
Projektmanagement und Lektorat: Evelyn Boos-Körner, boos for books, Schondorf am Ammersee
Umschlaggestaltung: Susan Bauer, Heddesheim
Cover-Design: Ray Griggs
Cover-Fotos: Costello77 - stock.adobe.com, totallyout - stock.adobe.com, Wolfilser - stock.adobe.com
An Kirill und Josh, die allerbesten Geschäftspartner, die man sich wünschen kann. Danke, dass ihr bei allem, was ihr tut, so großartig seid, und dass ihr mir die Gelegenheit gebt, diese Geschichte weiterzuerzählen.
Und an meinen Bruder Andy, den eigentlichen Schriftsteller der Familie, danke für deine scharfsinnigen Einsichten und dafür, dass du mich herausforderst. Durch deinen Input ist dieses Buch so viel besser geworden.
An Chelsey, die unsere Firma zusammenhält und mein Fels in der Brandung ist.
An Onkel John – unsere Diskussionen haben mir immens geholfen. Danke für deine unermüdliche Ermutigung und Großzügigkeit.
Mom, ich spüre deine Hand für alle Zeiten auf meiner Schulter. Ich bemühe mich noch immer, mich deiner Gunst würdig zu zeigen.
Für Charlotte, du bist die Musik zu meinen Worten und die perfekte Begleitmelodie meines Lebens. –– ABCB4VR.
Für Giabella, unser wunderschönes Geschenk Gottes. Unsere Liebe zu dir währt ewiger als Gold.
Cover
TITELBLATT
IMPRESSUM
BESONDERER DANK
GOLD KANN MAN NICHT DRUCKEN
Einführung: Fünf vor zwölfnotesSet
Anmerkungen
Teil I: DAS SYSTEM IST KAPUTT
1 Parasite
Anmerkungen
2 Die Glücksritter
3 Für ein paar Dollar mehr
4 Hustle & Flow
Anmerkung
5 Free Willy
Anmerkungen
6 Eine Wahnsinnsfamilie
7 Die unendliche Geschichte
8 Goldfinger
Teil II: WER SICH SEINER VERGANGENHEIT NICHT ERINNERT, IST VERURTEILT, SIE ZU WIEDERHOLEN
9 Prometheus
10 The Banker
11 Der König der Löwen
12 Geschenkt ist noch zu teuer
13 Ist das Leben nicht schön?
14 Signs
Teil III: SCHACHMATT
15 Black Swan
16 The Circle
Anmerkungen
17 Contagion
Anmerkung
18 The Big Short
Anmerkung
Teil IV: DIE GROSSE NEUBEWERTUNG UND EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT
19 The Mechanic
20 Weiße Jungs bringen's nicht
21 Matrix
22 Zurück in die Zukunft II
23 Der unglaubliche Hulk
24 Das Königsspiel
Literaturverzeichnis
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
Kapitel 6
Abb. 6.1 Verhältnis von der Bilanzsumme der Fed zur Bewertung am Aktienmarkt...
Abb. 6.2 Ein weiterer paralleler Verlauf von der Bilanzsumme der Fed und den...
Abb. 6.3 Ein weiterer Beweis, dass die Bilanzsumme der Fed und die Bewertung...
Abb. 6.4 Leitzinssenkungen in Zeiten der Rezession
Abb. 6.5 Dramatische Entwicklung der Bilanzsumme der Fed binnen kurzer Zeit...
Kapitel 7
Abb. 7.1 Zinsaufwendungen für Staatsschulden im Laufe der nächsten Jahre
Abb. 7.2 Normale, flache und umgekehrte Renditekurve
Abb. 7.3 Die Fabel vom Wachstums- und vom Schuldenbaum
Abb. 7.4 Der Schuldenbaum sollte größer als der Wachstumsbaum bleiben
Abb. 7.5 Im Jahr 2000 war der Schuldenbaum in den USA wesentlich kleiner als...
Abb. 7.6 Während sich der Wachstumsbaum verdoppelt hat, hat sich der Schulde...
Abb. 7.7 2025 wird der Schuldenbaum den Wachstumsbaum ersticken
Abb. 7.8 Aufgrund der Pandemie hat sich die Prognose deutlich verschlechtert...
Kapitel 8
Abb. 8.1 Vergleich der Renditen von unterschiedlichen Anlageklassen
Abb. 8.2 American Eagle
Abb. 8.3 20-Dollar-Schein
Kapitel 13
Abb. 13.1 Executive Order 6102 – das sogenannte Goldverbot
Kapitel 14
Abb. 14.1 Ein Prozent der Amerikaner besitzen 50 Prozent des amerikanischen ...
Abb. 14.2 Verhältnis der Gesamtmarktkapitalisierung zum Bruttoinlandsprodukt...
Kapitel 15
Abb. 15.1 Sinnbild des Höhlengleichnisses von Platon
Kapitel 16
Abb. 16.1 Zehn-Jahres-Wellen im Anlagemarkt
Abb. 16.2 Der Kreislauf des Lebens
Abb. 16.3 Ereignisse der amerikanischen Geschichte, die die kollektive Einst...
Abb. 16.4 Die Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg
Abb. 16.5 Die extreme Ungleichheit der Vermögensverteilung wird zu Problemen...
Abb. 16.6 Die Zinssätze sind wieder bei null angelangt
Kapitel 17
Abb. 17.1 Entwicklung der Geldmenge, wenn ein Cent einen Monat lang täglich ...
Abb. 17.2 Entwicklung der Bakterienmenge, wenn eine Bakterie eine Stunde lan...
Abb. 17.3 Entwicklung der Staatsschulden der USA seit 1923
Kapitel 18
Abb. 18.1 Die Kosten für den Schuldendienst steigen mit dem realen Wachstum...
Abb. 18.2 Erstaunliche Übereinstimmungen in der Entwicklung von Japan (frühe...
Abb. 18.3 Vergleich der Entwicklung und der Vorgehensweise von Japan und den...
Kapitel 19
Abb. 19.1 Die Entwicklung unseres Wirtschaftsmotors
Abb. 19.2 So entwickelte sich die Bilanzsumme der Vereinigten Staaten unter ...
Abb. 19.3 Der Motor der US-Wirtschaft wird immer »ölabhängiger«
Kapitel 20
Abb. 20.1 Die Entwicklung des amerikanischen Aktienmarktes von 1929 bis 2020...
Abb. 20.2 So entwickelte sich der Aktienmarkt der USA inflationsbereinigt
Abb. 20.3 Inflationsbereinigt stieg der US-Aktienmarkt von 1929 bis 1989 nic...
Abb. 20.4 Während der Großen Depression verzeichnete der US-Aktienmarkt zwei...
Abb. 20.5 »Manchmal verlierst du, wenn du gewinnst.«
Abb. 20.6 »Wenn du ein Unentschieden erzielst, kann es sein, dass du in Wahr...
Abb. 20.7 Die Umverteilung des Vermögens nimmt erschreckende Ausmaße an
Kapitel 21
Abb. 21.1 Entwicklung der Rohstoff- und Aktienmärkte in den USA von 1917 bis...
Kapitel 23
Abb. 23.1 Bilanz der US-Notenbank im Jahr 1980
Abb. 23.2 Bilanz der US-Notenbank 2019
Abb. 23.3 Goldreserven ausgewählter Länder
Abb. 23.4 Fiktive Bilanz der US-Notenbank bei einem Goldpreis von 10 000 US-...
Abb. 23.5 Fiktive Bilanz der US-Notenbank in 40 Jahren bei einem Goldpreis v...
Kapitel 24
Abb. 24.1 Die Schachpartie Gold gegen Dollar
Abb. 24.2 Schachpartie Gold gegen Dollar – erster Zug
Abb. 24.3 Schachpartie Gold gegen Dollar – zweiter Zug
Abb. 24.4 Schachpartie Gold gegen Dollar – dritter Zug
Abb. 24.5 Schachpartie Gold gegen Dollar – vierter Zug
Abb. 24.6 Schachpartie Gold gegen Dollar – fünfter Zug
Abb. 24.7 Schachpartie Gold gegen Dollar – sechster Zug
Abb. 24.8 Schachpartie Gold gegen Dollar – siebter Zug
Abb. 24.9 Schachpartie Gold gegen Dollar – achter Zug
Abb. 24.10 Schachpartie Gold gegen Dollar – neunter Zug
Abb. 24.11 Schachpartie Gold gegen Dollar – zehnter Zug
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Inhaltsverzeichnis
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Wenn Sie mir vor zehn Jahren gesagt hätten, dass ich einmal Finanzautor und weltweit eine der führenden Stimmen zum Thema Gold und globale Wirtschaft sein würde, hätte ich Sie für total verrückt erklärt. Vor zehn Jahren sah mein Leben noch völlig anders aus als heute. Damals widmete ich mein Leben ganz und gar meinen Aktivitäten in der Unterhaltungsindustrie. Ich hatte die ersten zwanzig Jahre nach meinem Collegeabschluss damit verbracht, mich in Hollywood hochzuarbeiten – vom Schauspieler über den Drehbuchautor zum Regisseur und schließlich zum Produzenten. Im Grunde genommen bin ich ein Geschichtenerzähler. Das ist meine größte Leidenschaft.
Aber vor sieben Jahren stieß ich auf eine Geschichte, die mich veranlasste, komplett aus der Unterhaltungsbranche auszusteigen. Je mehr ich über diese Geschichte erfuhr, desto klarer wurde mir, dass nur sehr wenige Leute diese Geschichte kannten, dass niemand anderes sie erzählte und dass jeder sie kennen sollte. Ich entwickelte so viel Leidenschaft für diese Geschichte, dass ich es zu meiner Lebensaufgabe machte, sie mit möglichst vielen Menschen auf der Welt zu teilen, da dies meiner Meinung nach erforderlich ist. Ehrlich gesagt war ich zunächst nicht sicher, ob ich der Richtige wäre, um diese Geschichte weiter zu verbreiten, aber inzwischen bin ich zu der Ansicht gelangt, dass es meine Verpflichtung ist, die Erkenntnisse, die ich gewonnen habe, mit so vielen Menschen wie möglich weltweit zu teilen. Ich habe Bücher und Newsletter geschrieben, preisgekrönte Videos gedreht, zahlreiche Dokumentarsendungen und Webinare geleitet und sogar Zeichentrickfilme sowie Kindergeschichten geschaffen. Ich habe auf der ganzen Welt Vorträge gehalten und meine Präsentationen wurden von Zehntausenden von Menschen gebucht.
Welche Geschichte erzähle ich also? Ganz einfach ausgedrückt ist sie der Titel meines ersten Buches, Gold Is A Better Way … And Other Wealth Building Secrets Wall Street Doesn't Want You to Know1. Der Zweck dieses Buches bestand darin, die Art und Weise infrage zu stellen, wie Leute die Geldanlage betrachten. Es erklärt, inwiefern das Modell Wall Street gescheitert ist und warum Gold zu den am häufigsten missverstandenen Anlagewerten der Welt gehört. Das Buch wurde ein landesweiter Bestseller.
Ich glaube, dass Gold Is A Better Way aus mehreren Hauptgründen auf Resonanz stieß; der wichtigste davon ist, dass ich kein Insider bin, der langweilig und trocken über die Märkte schreibt, sondern die Geschichte aus einer frischen Perspektive betrachte und erzähle. Der zweite Grund ist, dass ich recht hatte. Gold Is A Better Way erschien am 14. August 2018. Seitdem ist der Goldpreis von 1192 Dollar bis heute auf 1498 Dollar gestiegen2, ein Anstieg von 25 Prozent. Diese Spanne ist erst der Anfang und wird sich in den nächsten zehn Jahren beträchtlich vergrößern. Ich sage voraus, dass Gold im Verlauf des kommenden Jahrzehnts Wertpapiere im Verhältnis acht zu eins überflügeln wird. Deswegen habe ich jeden Dollar, der mir zum Investieren zur Verfügung steht, in physisches Gold gesteckt.
Warum ich so sicher bin? Ich glaube, dass die Menschheit dabei ist, dieselben Fehler zu machen wie vor neunzig Jahren. Mark Twain hat den berühmten Satz gesagt: »Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.« Die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre muss denjenigen, die am Höhepunkt der Goldenen Zwanziger standen, unverständlich erschienen sein. Aber was dann passierte, ist ein ausgezeichneter Fahrplan dafür, was als Nächstes geschehen wird. Die Reihenfolge wird ähnlich sein; zuerst wird der Aktienmarkt zusammenbrechen, dann folgt eine Rezession, an die sich wiederum eine globale Wirtschaftskrise anschließt, und all das führt schließlich zu einer währungspolitischen Neuordnung. In diesem Buch geht es darum, wie sich das abspielen wird und wie die Menschheit auch in Zukunft wieder dieselben Fehler machen wird. Die große Geldentwertung wurde genau aus diesem Grund als Titel für dieses Buch gewählt – um die Menschen zu erinnern und vor den Risiken zu warnen.
Sie sollen von Anfang an wissen, dass dieses Buch völlig anders ist als alle anderen, die es über Geldanlage, Gold und die globale Wirtschaft gibt. Es ist absichtlich so konzipiert. Ich bin ein Geschichtenerzähler. Das ist meine ganz besondere Begabung. Mein Ziel ist es, Ihnen diese Geschichte so zu erzählen, dass sie einen Sinn ergibt, dass sie leicht verständlich ist und Sie fesselt. Dadurch erhalten Sie den maximalen Nutzen und können Maßnahmen ergreifen, um Ihr Vermögen zu vergrößern. Ich werde versuchen, nicht die komplizierte Sprache zu benutzen, die man in den meisten Büchern dieser Art findet. Ich werde stattdessen Bilder und Symbolik, Kindergeschichten und leicht verständliche Analogien benutzen, um die Geschichte so weit wie möglich zu vereinfachen. Ich werde Ihnen eine Brille liefern, mit der Sie die Welt neu betrachten können und die es Ihnen erlaubt, die Dinge endlich klar zu sehen.
Ich glaube, dass diese Geschichte Sie in Erstaunen versetzen wird, und dass Sie – sobald sie Sie gehört haben – noch erstaunter darüber sein werden, sie vorher noch nie gehört zu haben. Es kommen Helden und Bösewichte sowie Gefahr und Risiko darin vor. Es ist die Geschichte über die Macht und wer sie ausübt, sowie über die enormen Anstrengungen, die unternommen werden, um sie zu erhalten. Wie jede große Geschichte hat sie einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Obwohl diese Geschichte auf jeden von uns Auswirkungen hat, sind sich nur die wenigsten Menschen bewusst, dass sie überhaupt stattfindet. Genau deshalb sehe ich mich genötigt, diese Geschichte zu erzählen.
Das ist die Geschichte der Weltwirtschaft, des US-Dollars, der US-Notenbank Federal Reserve und ihres Erzfeindes: Gold.
Die Geschichte war von Anfang an dazu gedacht, Verwirrung zu stiften. Die Fed wurde von mächtigen Männern geschaffen, die neue Begriffe und Konzepte erfanden, die normale Menschen nicht verstehen können. Tatsächlich wurden umso weniger Fragen gestellt, je verwirrender die Begriffe waren. Im Lauf der Zeit, als die Geschichte ihren Fortgang nahm, wurden die Begriffe immer verwirrender, die Regeln änderten sich ständig und die Bürger wurden verwirrter als je zuvor.
Warum war Komplexität so wichtig? Weil die Einsätze zu hoch waren und die Wahrheit zu offensichtlich. Die US-Notenbank ist eine Institution, die ursprünglich dazu bestimmt war, ein paar wohlhabende Banker und Industriegiganten noch reicher zu machen. Dazu gehörten die Rockefellers, die Vanderbilts, die Carnegies und die Morgans. Es war unbedingt erforderlich, dass deren wahre Motive für die Schaffung der Institution für immer ein Geheimnis bleiben. Damit das System funktionierte, musste es so scheinen, als ob sie zum Nutzen der Menschen geschaffen wurde. Solange diese Leute ihre wahren Motive geheim halten konnten, konnten sie immensen Reichtum und Macht anhäufen, mehr als die größten Monarchen der Geschichte, und gleichzeitig behaupten, die Wohltäter der Menschheit zu sein.
Wie funktionierte das? Die Schaffung der US-Notenbank ermöglichte der Zentralbank, legal auf das Geld der Bürger zuzugreifen. Ihre Organisation erlaubte es, die Geldmenge auszuweiten und das echte Goldgeld von den Massen hin zu einigen wenigen zu lenken. Diese Leute sind damit durchgekommen, zumindest eine Zeit lang. So lange, bis Gier und Korruption überhandnahmen und sie eine Schuldenkrise verursachten, die zu einem globalen Wirtschaftskollaps führte, der als Weltwirtschaftskrise oder Große Depression bekannt ist. Da war die Institution aber schon zu mächtig geworden, um aufgelöst werden zu können. Sie war zu stark mit dem Währungssystem verflochten. Statt sich nach diesem Scheitern aufzulösen, wurde sie anschließend von der Regierung und den Politikern übernommen. Im Verlauf der letzten neunzig Jahre wurde die Kontrolle über die Institution Fed zwischen Bankern und Politikern hin- und hergereicht. Die Kontrolle durch die Politik hat die Anhäufung von enormen, unbezahlbaren Schulden ermöglicht. Die Kontrolle durch die Banker hat riesige Spekulationsblasen ermöglicht, die die Klasse der Investoren reich gemacht haben. Mit der Zeit wurden Banker und Regierungen zu Komplizen. Heute haben wir beides – Spekulationsblasen und unbezahlbare Schulden.
Solange sie existiert, wird keine Seite die wahre Natur der Institution je eingestehen. Deswegen wurden die Begriffe, die benutzt werden, um die Regeln festzulegen, sogar noch komplizierter, während sich die Geschichte des Dollars entfaltete – quantitative Lockerung, Federal Funds Rate oder Leitzinsen, Realzinssätze, Übernacht-Repo-Geschäfte, Swap-Linien, Fremdwährungsumtausch, Inflation, Deflation und jetzt negative Zinssätze sowie Kontrolle der Renditekurve. Die Begriffe und Konzepte sind so verwirrend, dass die meisten Leute gar nicht erst versuchen, sie zu verstehen. Diejenigen, die es tun, sind Insider, die weiterhin von der Verschleierung profitieren.
Es heißt, dass Macht korrumpiert und absolute Macht vollkommen korrumpiert. Die Macht, die durch die Kontrolle des US-Dollars ausgeübt wurde, war so groß, dass sie von keiner Seite erhalten werden konnte. Jedes Mal wurde die Macht missbraucht und dabei eine massive Schuldenkrise verursacht. Jede Krise erlaubt es der Gegenseite, die Macht zurückzuerobern. Wir sind wieder im Krisenstadium, nur wird die Notenbank diesmal nicht überleben. Die große Geldentwertung wird ihr Ende bedeuten.
Die Große Depression der 1930er-Jahre folgte auf die Goldenen Zwanziger, zu einer Zeit als durch Ungleichheit eine polarisierte Welt entstanden war. Die Schuldenkrise, die die Weltwirtschaftskrise verursachte, gleicht in vielerlei Hinsicht der Situation, die wir heute erleben. Ich glaube, dass wir genau zu dem Ausgangspunkt zurückgekehrt sind, an dem wir vor neunzig Jahren standen. Wir haben diesen Film schon mal gesehen. Meine Absicht ist es jetzt, Ihnen die Parallelen aufzuzeigen, damit wir uns der Risiken bewusst sind und den besten Weg suchen, um uns vorzubereiten.
Neulich bin ich nach Kanada geflogen, wo ich eingeladen war, bei der Vancouver Resource Investment Conference einen 20-minütigen Vortrag zu halten. Diese jährlich stattfindende Veranstaltung fand am 20. Januar 2020 statt und es waren mehr als 10 000 Leute anwesend. Die Teilnehmer kamen von überall auf der Welt, um die allerneuesten Informationen über Edelmetalle, Rohstoffgewinnung und die Weltwirtschaft zu erfahren. Mein Vortrag an diesem Wochenende handelte von der Fragilität des Geldsystems und davon, dass sich die Weltwirtschaft inmitten einer beispiellosen Schuldenkrise befindet, die durch die unvorhersehbarsten Katalysatoren ausgelöst werden könnte.
Ich argumentierte, dass diese Vorgänge ungefähr alle neunzig Jahre auftreten und dass, wenn dies passiert, die Menschheit ein so einschneidendes Ereignis erleidet, dass sich ihre gesamte Zukunftsperspektive verändert. Ich behauptete, dass die Welt am Rand eines solchen Ereignisses steht und dass dieses Ereignis aufgrund der Schwäche der globalen Wirtschaft zu einem Neustart des gesamten Währungssystems führen wird. Ich gab meiner Präsentation den Titel Der Schwarze Schwan.
Mit meinem Vortrag wollte ich klarmachen, dass das exponentielle Wachstum der Weltschulden einem unbekannten tödlichen Virus gleicht. Ich hatte eine Videosequenz vorbereitet, die ein Virus zeigt, das in einem Reagenzglas wächst. Ich stellte dem Publikum folgende Frage: Wenn wir um 23 Uhr ein Experiment mit einem tödlichen Virus starten würden, das sich jede Minute verdoppelt, sodass das Glas um Mitternacht komplett voll wäre, um wie viel Uhr genau wäre das Glas halb voll?
Der Sinn dieser Übung lag darin aufzuzeigen, inwiefern die Menschheit immer wieder dieselben Fehler macht. Der Grund ist, dass wir nicht sehr gut darin sind, exponentielles Wachstum zu erkennen, wenn es auftritt. Dass die meisten Leute schätzen, dass das Glas um 23.30 Uhr halb voll wäre, beweist diese Einschätzung. Die korrekte Antwort ist, dass das Glas erst eine Minute vor Mitternacht halb voll ist. Und dann ist es natürlich zu spät, das Ganze zu stoppen.
Ich dachte, diese Demonstration sei ein guter Weg, das Problem der Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten zu beschreiben, die seit 20 Jahren exponentiell wächst. Trump hätte wohl mit einer weiteren Amtszeit die Schulden von Obama verdoppelt, der die Schulden von Bush verdoppelt hat, der die Schulden von Clinton verdoppelt hat. Das exponentielle Wachstum unserer Schulden hat eine Asymptote verursacht. Wenn das passiert, schießt die Kurve in einem 90-Grad-Winkel nach oben Richtung Unendlichkeit. Meine Schlussfolgerung war, dass unsere nationalen Schulden zu einem unkontrollierbaren tödlichen Virus geworden sind, das zu schnell wächst, um es noch einzudämmen. Als ich den Vortrag hielt, ahnte ich nicht, dass tatsächlich ein tödliches Virus namens Corona dabei war, sich exponentiell über dem Globus zu verbreiten. Während ich meinen Vortrag hielt, war die Menschheit schon dabei, das tödliche Coronavirus zu unterschätzen – ein realer Schwarzer Schwan.
Es ist unglaublich, wenn man bedenkt, dass der wirtschaftliche Tsunami, den die durch das Coronavirus ausgelöste Pandemie verursacht hat, nicht der Crash ist, den Die große Geldentwertung vorhersagt. Betrachten Sie ihn eher als die »Motorwarnleuchte« auf dem Armaturenbrett der Weltwirtschaft. Ich hätte mir keine rechtzeitigere (oder schrecklichere) Warnung wünschen können, um die Bedeutung der Botschaft dieses Buches zu unterstreichen. Wie jetzt jeder nur zu gut weiß, ist unsere Wirtschaft nicht die »Beste aller Zeiten« und sie ist in keinerlei Hinsicht »stark«. Sie ist ein Kartenhaus, das mithilfe von unkontrollierbaren Schulden und geldpolitischen Tricksereien errichtet wurde. Das Coronavirus war natürlich nicht vorhersagbar. Ich habe die Krise nicht vorhergesagt. Ich habe die Reaktion vorhergesagt.
In diesem Vortrag habe ich aufgezeigt, wie unvermeidbar wirtschaftliche Erschütterungen sind und dass sie aus dem Nichts auftauchen können. Die Schlussfolgerung des Schwarzen Schwan-Vortrags war, dass der nächste wirtschaftliche Schock eine ernste Rezession verursachen wird, die die Notenbank dazu zwingen wird, ihre Bilanz um 20 Billionen Dollar auszuweiten, und dass die nationalen Schulden unseres Landes bald die 50-Billionen-Dollar-Grenze erreichen werden. Ich prognostizierte, dass all das bis zum Jahr 2027 eintreten wird. Diese Präsentation ist seitdem überall im Internet viral gegangen.
Die bisherige Reaktion unserer Regierung auf die Krise, nämlich die Senkung der Zinssätze auf null Prozent und eine sofortige Rettungsaktion in Höhe von sechs Billionen Dollar, ist ein weiterer Beweis für die Richtigkeit dieser Prognose. Wir können sicher sein, dass Billionen über Billionen an weiteren Konjunkturpaketen folgen werden. Das ist das Einzige, was ihnen dazu einfällt. Es mag dazu führen, dass der wirtschaftliche Motor der Welt noch ein paar Kilometer weiterläuft, aber wie wir alle wissen, kann man die Motorwarnleuchte nur eine gewisse Zeit lang ignorieren, bevor der Motor komplett ausfällt.
Es gab bisher zwei Dinge im Leben, die sicher waren: der Tod und die Steuern. Ich glaube, wir können dieser Liste nun eine dritte Gewissheit hinzufügen. Die Staatsverschuldung wird weiterhin weltweit explodieren. Die einzige Lösung für die Zukunft ist, mehr Geld zu drucken. Deswegen sehe ich mich gezwungen, die Geschichte weiterzuerzählen. Die große Geldentwertung nimmt den Faden da auf, wo Gold Is A Better Way aufhörte. Die Geschichte beinhaltet allerdings mehr als die einfache Empfehlung an Investoren, Gold zu kaufen. Die Geschichte von Die große Geldentwertung ist eine Geschichte über den Zustand der heutigen, polarisierten Welt, warum wir alle so wütend sind, wer die Wut verursacht hat, und die unvermeidlichen nächsten Schritte, die auf die Welt zukommen.
Der ehemalige Filmproduzent in mir möchte die Geschichte so wirkungsvoll und effizient wie nur möglich erzählen. In der Unterhaltungsbranche wird diese Beschreibung als Logline bezeichnet – eine kurze Zusammenfassung, die (in ein oder zwei Sätzen) beschreibt, was an diesem Film, an dieser Fernsehsendung oder, in diesem Fall, an diesem Buch das Publikum in den Bann zieht und was den zentralen Konflikt der Geschichte darstellt. Zum Beispiel lautete der Pitch für den Film Speed mit Sandra Bullock und Keanu Reeves »Stirb langsam in einem Bus«. Dementsprechend würde ich sagen, dass die Geschichte, die Sie gleich in Die große Geldentwertung lesen werden, »Der Film Und täglich grüßt das Murmeltier trifft die Große Depression« heißt.
Die Große Depression oder Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren, die letztlich zu einer globalen währungspolitischen Neuordnung führte, dauerte mehr als ein Jahrzehnt und war Zeugnis der größten Vermögensumschichtung, die die Welt je erlebt hat. Die große Geldentwertung, die in den 2020ern bevorsteht, könnte noch schmerzhafter werden und Zeugnis einer noch größeren Vermögensumschichtung sein. Dieses Buch hebt die Parallelen hervor, erklärt, warum eine massive Währungsabwertung unvermeidbar ist, und bietet eine Lösung, wie die notwendige Restrukturierung ohne einen neuen Weltkrieg aussehen könnte.
Ich bin ein Außenseiter, der zu einem Insider geworden ist. Ich habe die letzten sieben Jahre meines Lebens der Bemühung gewidmet, die Sprache der Insider zu lernen, damit ich sie für Sie übersetzen kann. Ich bezweifle, dass an der Harvard Business School je aus diesem Buch gelehrt werden wird, aber das sollte es. Die gute Neuigkeit ist, dass Sie nicht den Abschluss einer Eliteuniversität brauchen, um sich im kommenden Jahrzehnt in Stellung für enormen Wohlstand zu bringen. Sie müssen sich nur an die Geschichte erinnern.
George Santanaya hat den bekannten Ausspruch getätigt: »Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen.« Jeder, der die Zukunft vorhersagen möchte, muss nur die Vergangenheit verstehen und sie im Gedächtnis behalten. Deswegen bemüht sich Die große Geldentwertung darum, Anleger an die Fehler der Vergangenheit zu erinnern, nicht um Alarm zu schlagen, sondern vielmehr, um einen immensen Vorteil bei der Vorbereitung auf die Zukunft und auf die unvermeidliche globale währungspolitische Neuordnung zu bieten. Diese Zeit ist gekommen, es ist fünf vor zwölf.
Heute ist Muttertag, 10. Mai 2020. Das endgültige Manuskript von Die große Geldentwertung wurde vor elf Wochen am 14. Februar 2020 eingereicht. Aufgrund des Ausmaßes und der Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Erschütterungen, die das Coronavirus verursacht, hat mir der Verleger genehmigt, ein neues Kapitel 1 und einen Nachtrag mit dem Titel »28 Handelstage später (mehr oder weniger)« an die Kapitel in den Teilen 1 und 2 anzufügen. Diese Nachträge heben die aktuellen Datenpunkte hervor und bieten dem Leser die seltene Gelegenheit, die Logik und Prognosen innerhalb jedes Kapitels zu prüfen. Die große Geldentwertung ist eine Prophezeiung, die sich in Echtzeit entfaltet. Obwohl die Auswirkungen des Coronavirus gerade erst sichtbar werden und bis jetzt unbekannt sind, glaube ich, dass sie sich als der ultimative Schwarze Schwan erweisen und unsere gesamte Zukunft auf den Kopf stellen werden. Als Autor fordert mich die Geschwindigkeit des Wandels heraus. Als Vorwärtsdenker haut mich die frühe Genauigkeit der Prognosen um. Diese seltene Verbindung erlaubt dem Leser einen klareren Blick in die Zukunft, der die Beurteilung um noch tiefere Erkenntnisse ergänzen sollte.
1
»Gold ist ein besserer Weg – und andere Geheimnisse zum Vermögensaufbau, die die Wall Street Ihnen vorenthalten möchte« (Der Titel ist nicht auf Deutsch erschienen. Anm. d. Ü.)
2
Erscheinungsdatum der englischen Originalausgabe: 17. September 2020; Goldpreis am 30.03.2021: 1686,56 Dollar
Am Dienstag, den 3. März 2020 schauten die weltweiten Finanzmärkte fassungslos dabei zu, wie Notenbankchef Jerome Powell eine unerwartete Senkung der Leitzinsen um 50 Basispunkte ankündigte. Damals betrug die Federal Funds Rate 1,75 Prozent und der Dow Jones notierte bei 26 703 Punkten.
»Meine Kollegen und ich haben uns zu diesem Schritt entschlossen, um der US-Wirtschaft zu helfen, angesichts der neuen Risiken im Hinblick auf die wirtschaftlichen Aussichten stark zu bleiben. Die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft bleiben stark.«
Jerome Powell
Innerhalb von Minuten fiel der Dow Jones über 1000 Punkte. Powells Notmaßnahme war der Zündfunke für die volatilsten Wochen in der Geschichte des Aktienmarkts und sie führte dazu, dass der Markt in den kommenden Tagen wilde 1000-Punkte-Sprünge nach oben und unten vollführte. Am Ende war der bis dato höchstfliegende Aktienmarkt der Geschichte um zehn Prozent niedergeknüppelt worden und der Zinssatz der »risikolosen« Zehn-Jahres-Schatzwechsel mit fast 0,3 Prozent auf die niedrigste Rendite ihrer Geschichte gesunken. Leider war das erst der Anfang eines sehr langen Monats.
Präsident Trump, der während der ersten drei Jahre seiner Präsidentschaft so gut es ging auf der Welle des Börsenbooms geritten war und seinen gesamten Wahlkampf für die Wiederwahl an den wirtschaftlichen Erfolg im Allgemeinen und die Höhe der Aktienmärkte im Besonderen geknüpft hatte, schien gegenüber der Situation vollkommen unbeteiligt. Wochen vorher, im Februar, hatte er die besten Zustimmungswerte seiner Amtszeit, als der Aktienmarkt auf immer neue Allzeithochs gestiegen war. Am Abend, bevor die Fed ihre Notmaßnahme verkündete, pries Trump die amerikanische Wirtschaft als stärkste Wirtschaft der Geschichte und postete folgenden Tweet:
»Das ist eine unglaubliche Zeit für unsere Nation – wir sind mitten im großen amerikanischen Comeback! Die Jobs boomen, die Einkommen steigen, die Armut sinkt, die Zuversicht wächst und wir haben die tolle Macht des US-Militärs wieder komplett aufgebaut. VERSPROCHEN, GEHALTEN!«
Original-Tweet 2. März, Donald Trump
Was wusste die Notenbank, was der Präsident nicht zu wissen schien? Der Ausbruch eines Virus namens Corona in China hatte sich pandemisch auf der Welt verbreitet. Obwohl das Virus in China entstanden war und sich dort schnell ausbreitete, was die Regierung dazu veranlasste, einen Großteils ihres Landes stillzulegen und die globale Lieferkette zu unterbrechen, wurde es vom Großteil der Welt zunächst als weit entfernt und vorübergehend betrachtet. Diese Sichtweise änderte sich schnell, als sich das Coronavirus in Europa, Japan, Südkorea und den Vereinigten Staaten ausbreitete.
Die Notenbank erkannte den Ernst der Lage. Weniger aufgrund des medizinischen Wissens, sondern vielmehr, weil sie schnell begriffen, dass das Virus der Auslöser sein könnte, vor dem sie schon so lange Angst hatten. Das Coronavirus konnte der Schwarze Schwan sein, der die gesamte Weltwirtschaft als das entlarven konnte, was sie war – ein Kartenhaus, das auf einem Berg von Schulden aufgebaut war und jederzeit einstürzen konnte.
Das unmittelbarste Problem der Fed war, dass das smarte Geld sich der zugrunde liegenden Schwäche der Wirtschaft bewusst war. Über ein Jahrzehnt lang hatte die Notenbank mithilfe einer Reihe von Zinssenkungen und Bilanzausweitungen Liquidität in das System gepumpt. Die Wall Street hatte das voll ausgenutzt. Mehr als zehn Jahre lang waren CEOs und Unternehmensvorstände mit dem Fahrstuhl des freien Geldes aufwärtsgefahren, indem sie sich massiv verschuldeten und Aktienrückkaufprogramme durchführten. Das Ergebnis war ein Aktienmarkt, der auf schwindelerregende Höhen geklettert war, die völlig von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen losgelöst waren. Die Aktienkurse waren im Jahr zuvor um fast 30 Prozent gestiegen, während das Wachstum der Unternehmensgewinne sieben Quartale in Folge im negativen Bereich lag. Der Jahreschart, der die Trendlinien zwischen Aktien und Gewinnen zeigt, stellte einen »Alligatorkiefer« dar, der jeden Augenblick zuschnappen konnte. Die Notenbank hoffte, dass die Ankündigung der Notfall-Zinssenkung Ruhe in den Markt bringen würde. Das Gegenteil trat ein.
Sofort nach Bekanntwerden flohen Wall-Street-Insider, die nach einer Entschuldigung für einen Ausstieg gesucht hatten, gleichzeitig aus dem Markt. Das war eindeutig Neuland. Im Verlauf der vorangegangenen Dekade hatte der Aktienmarkt immer positiv auf zusätzliche Notenbank-Liquidität reagiert. Was für die Wirtschaft oft eine schlechte Nachricht war, war für die Wall Street eine gute. Die Geldwechsler stellten fest, dass die Fed umso mehr Bonbons verteilte, je schlechter die tatsächlichen Zahlen waren. Je mehr »leichtes Geld« es gab, desto größer war der Zuckerrausch und desto höher kletterten die Kurse. Jeder, der diese Wahrheit anzweifelt, muss nur die Bilanz der Zentralbank betrachten. Seit 2009 stiegen die Aktien jedes Mal, wenn die Fed ihre Bilanz ausweitete. Jedes Mal, wenn sie ihre Bilanz kürzte, stürzten die Aktien ab. In dieser Zeit wurde der Ausspruch »Don't fight the Fed«, »Kämpfe nicht gegen die Notenbank«, einst ein Geheimnis von Wall-Street-Insidern, zu einer beliebten Anlagestrategie für Kleinanleger.
Diesmal war es jedoch anders. Unmittelbar nach der Notfall-Zinssenkung durch die Fed begann die Wirtschaft zu krampfen. Jedem, der erwartete, dass die Märkte nach der Ankündigung der niedrigeren Zinssätze steigen würden, wurde auf brutale Art klar gemacht, dass das Spiel vorbei war. Die Zinssenkung half nicht dabei, die Märkte zu beruhigen. Stattdessen fielen die Wertpapiermärkte wie ein Stein. Das nächste planmäßige Treffen der Fed war erst für zwei Wochen später angesetzt, was bedeutete, dass die Märkte auf mehr Zucker wohl noch warten mussten. Diejenigen, die glaubten, dass die zugrunde liegende Wirtschaft stark wäre, wurden von der Geschwindigkeit des Ausverkaufs überrascht. Diejenigen, die sich der massiven Schuldenblase bewusst waren, auf denen die Wirtschaft beruhte, stellten sich sofort auf eine Baisse ein. Sie wussten, dass die Märkte noch viel, viel weiter fallen konnten.
Der Begriff Liquidität bedeutet in Bezug auf Wertpapiere, dass es bei einer Transaktion sowohl Käufer als auch Verkäufer auf der jeweiligen Seite gibt. Wenn es mehr Käufer als Verkäufer gibt, steigt der Wert der Papiere; wenn es mehr Verkäufer als Käufer gibt, fällt der Wert. Wenn alle verkaufen und keiner kauft, nennt man das eine Liquiditätskrise. Als die Märkte in den Tagen nach der Notfall-Zinssenkung der Fed abstürzten, trockneten die Kreditmärkte komplett aus. Die Spanne zwischen dem Geld- und dem Briefkurs von Wertpapieren wurde erheblich größer. Der Mangel an Liquidität bedeutete höhere Volatilität. Der VIX, ein Index, der die Volatilität misst und einen Großteil der vorangegangenen fünf Jahren um die 15 Punkte herum geschwankt hatte, stieg auf 82 Punkte. Der abrupte Anstieg ruinierte zahlreiche Hedgefonds, die den Volatilitätsindex leer verkauft und dabei massive Hebelwirkung eingesetzt hatten. Innerhalb weniger Tage fiel der Aktienmarkt um mehr als 20 Prozent, der schnellste Absturz in einen Bärenmarkt, den die Börse je erlebt hat. Die Abwärtsbewegung beendete eine elf Jahre andauernde Hausse, die der längste Bullenmarkt der Geschichte war. Märkte, die noch ein paar Wochen zuvor gebrummt hatten, stürzten ab. Weitere Notmaßnahmen wurden erforderlich, und zwar vor dem nächsten geplanten Treffen der Notenbank.
Was buchstäblich Öl ins Feuer der Liquiditätskrise goss, war die gleichzeitig stattfindende Entwicklung an den Ölmärkten. Zwischen den ehemaligen OPEC-Partnern Russland und Saudi-Arabien war ein Feiglingsspiel in Form eines Preiskriegs ausgebrochen. Statt sich auf eine Senkung der Fördermengen zu einigen – ein Standardinstrument der Preispolitik des Ölkartells bei einem Nachfrageschock –, beschlossen die Saudis, die Produktion zu erhöhen, und überschwemmten den Weltölmarkt mit ihrem Angebot. Innerhalb von einer Woche fielen die Ölpreise um 50 Prozent von 44 Dollar auf 22 Dollar pro Barrel. Die Saudis steigerten ihre tägliche Fördermenge von zehn Millionen auf fast 13 Millionen Barrel pro Tag. Dieser Anstieg des Angebots trat genau in dem Augenblick ein, als die gesamte Reisebranche weltweit zusammenbrach. Dieses Zusammentreffen bedeutete einen furchtbaren Schock, sowohl für das Angebot als auch für die Nachfrage. Der Kollaps des Ölpreises übte weiteren Druck auf die globalen Wertpapiermärkte aus. Verschwörungstheoretiker fragten sich, ob es sich bei diesem Ölpreiskrieg nicht um einen verdeckten Angriff des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Vereinigten Staaten handelte.
Egal, was der wirkliche Grund beim Öl war – es war klar, dass die Notenbank mit viel aggressiveren Mitteln eingreifen musste. Eine zweite Notfall-Pressekonferenz fand am Sonntag, den 15. März statt und wurde absichtlich abgehalten, bevor die Vormärkte öffneten. In einer Live-Konferenzschaltung gab ein nervöser Jerome Powell bekannt, dass die Federal Reserve die Zinssätze offiziell auf null Prozent gesenkt hatte. Außerdem kündigte er an, dass die Fed verschiedene andere Maßnahmen ergriffen habe, um zu gewährleisten, dass die Kreditmärkte weiterhin funktionieren würden. Powell beharrte weiterhin darauf, dass diese Aktionen dazu dienten, die Wirtschaft stark »zu halten«.
