Die große Halloween Horror Sammlung November 2021 - Alfred Bekker - E-Book

Die große Halloween Horror Sammlung November 2021 E-Book

Alfred Bekker

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Beschreibung

von Alfred Bekker (649) Über diesen Band: Dieses Buch enthält folgende Grusel-Krimis: Alfred Bekker: Kein Spiegelbild Alfred Bekker: Wegzehrung Alfred Bekker: Der Zeilen-Vampir Alfred Bekker: Eine komplizierte Beziehung Alfred Bekker: Ein Vampir beim Zahnarzt Alfred Bekker: Wiedergänger Alfred Bekker: Palast der Nachtgeschöpfe Alfred Bekker: Der Knochengott Alfred Bekker: Dämonenmeister Alfred Bekker: Burg der Schatten Alfred Bekker: Murphy und der Köpfer Alfred Bekker:Murphy jagd den Satansgeiger Alfred Bekker: Murphy stellt den Gehörnten Alfred Bekker: Der Schlangentempel Alfred Bekker: Die Hexe von Gilford Castle Alfred Bekker: Patricia Vanhelsing und die Engel des Bösen Alfred Bekker: Patricia Vanhelsing und der geheimnisvolle Palazzo –––––––– Alfred Bekker IST EIN bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

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Die große Halloween Horror Sammlung November 2021

von Alfred Bekker

Über diesen Band:

Inhaltsverzeichnis

Titelseite

Die große Halloween Horror Sammlung November 2021

Copyright

Vampire schlachten!

Table of Contents

Vampire schlachten!

Copyright

Alfred Bekker | KEIN SPIEGELBILD

Alfred Bekker | WEGZEHRUNG

Alfred Bekker | DER ZEILEN-VAMPIR

Alfred Bekker | EINE KOMPLIZIERTE BEZIEHUNG

Alfred Bekker | EIN VAMPIR BEIM ZAHNARZT

Blood Empire - Wiedergänger

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Palast der Nachtgeschöpfe

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About the Author

About the Publisher

Grusel Großband Februar 2017

Table of Contents

Grusel Großband Februar 2017

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Der Knochengott

11.September 2001...

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Dämonenmeister

Alfred Bekker | Burg der Schatten

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Murphy und der Köpfer | von Alfred Bekker | Der Umfang dieses Buchs entspricht 11 Taschenbuchseiten.

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Alfred Bekker: Murphy jagt den Satansgeiger

Murphy 28 | Henry Rohmer | MURPHY STELLT DEN GEHÖRNTEN

About the Author

About the Publisher

Patricia Vanhelsing Sammelband 4002 - 4 unheimliche Thriller November 2021

Alfred Bekker | Patricia Vanhelsing Sammelband 4002 - 4 unheimliche Thriller November 2021

Table of Contents

Patricia Vanhelsing Sammelband 4002 - 4 unheimliche Thriller November 2021 | Alfred Bekker schrieb als Sidney Gardner

Copyright

Der Schlangentempel | Alfred Bekker | (Patricia Vanhelsing)

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Der Schlangentempel

Die Hexe von Gilford Castle | von Alfred Bekker

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Patricia Vanhelsing und die Engel des Bösen | ​Alfred Bekker

Patricia Vanhelsing und der geheimnisvolle Palazzo

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Further Reading: 2000 Seiten Drachen: Fantasy Paket

Also By Alfred Bekker

About the Author

About the Publisher

Dieses Buch enthält folgende Grusel-Krimis:

Alfred Bekker: Kein Spiegelbild

Alfred Bekker: Wegzehrung

Alfred Bekker: Der Zeilen-Vampir

Alfred Bekker: Eine komplizierte Beziehung

Alfred Bekker: Ein Vampir beim Zahnarzt

Alfred Bekker: Wiedergänger

Alfred Bekker: Palast der Nachtgeschöpfe

Alfred Bekker: Der Knochengott

Alfred Bekker: Dämonenmeister

Alfred Bekker: Burg der Schatten

Alfred Bekker: Murphy und der Köpfer

Alfred Bekker:Murphy jagd den Satansgeiger

Alfred Bekker: Murphy stellt den Gehörnten

Alfred Bekker: Der Schlangentempel

Alfred Bekker: Die Hexe von Gilford Castle

Alfred Bekker: Patricia Vanhelsing und die Engel des Bösen

Alfred Bekker: Patricia Vanhelsing und der geheimnisvolle Palazzo

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ALFRED BEKKER IST EIN bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet  Farell.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author / COVER WERNER ÖCKL

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Alles rund um Belletristik!

Vampire schlachten!

Vampire schlachten!

Alfred Bekker

Published by Alfred Bekker, 2018.

Table of Contents

UPDATE ME

Vampire schlachten!

Alfred Bekker

Grusel Krimi Sammlung

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ALLES, WAS DU ÜBER Vampire nie wissen wolltest... Blutsauger sind das Thema der Geschichten dieses Buches, egal ob humorvoll oder brutal romantisch.

Dieses Buch enthält folgende Grusel-Krimis:

Alfred Bekker: Kein Spiegelbild

Alfred Bekker: Wegzehrung

Alfred Bekker: Der Zeilen-Vampir

Alfred Bekker: Eine komplizierte Beziehung

Alfred Bekker: Ein Vampir beim Zahnarzt

Alfred Bekker: Wiedergänger

Alfred Bekker: Palast der Nachtgeschöpfe

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ALFRED BEKKER IST EIN bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet  Farell.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER TONY MASERO

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

Alfred Bekker

KEIN SPIEGELBILD

»Die Lichtverhältnisse müssen Sie schon entschuldigen«, sagte der Institutsleiter und hob dabei bedauernd die Schultern.

»Eine der Lampen ist defekt. Der Hausmeister hätte eigentlich längst hier sein müssen, aber Sie wissen ja, wie so etwas geht...

Und leider hat mein Büro keinen Zugang zum Tageslicht.«

»Das macht nichts«, sagte der junge Mann, der eingetreten war und dabei seine Sonnenbrille trotz des wenigen Lichts aufbehalten hatte. »Grelles Licht vertrage ich ohnehin schlecht.

Eine Augenkrankheit...«

Der Institutsleiter musterte den jungen Mann einen Moment lang nachdenklich, dann reichte er ihm die Hand. »Nehmen Sie bitte Platz. Ich bin Dr. Lutz. Und Sie müssen Peter Radvanyi sein.«

»Der bin ich«, nickte der junge Mann. »Ich hoffe, dass meine Bewerbungsunterlagen in Ordnung waren«, setzte er dann noch hinzu, aber Dr. Lutz ging darauf nicht ein.

»Ein seltener Name - Radvanyi«, murmelte der Institutsleiter nachdenklich und rieb sich an der Nasenwurzel.

»Ungarisch - glaube ich«, sagte der junge Mann.

»Ah, ja«, machte Dr. Lutz. »Dieser Name kommt mir bekannt vor. Da war doch vor ein paar Jahren so eine Geschichte in der Zeitung...«

Radvanyi seufzte. »Ja, ja, ich weiß. VAMPIR TRANK

MÄDCHENBLUT - so hieß die Schlagzeile. Das hängt mir bis heute an. Wenn ich Meyer heißen würde, wär's was anderes. Dann hätten die Leute das längst vergessen. Aber Radvanyi - das klingt nach Balkan, Fledermäusen und düsteren Schlössern. So etwas behält man! Zumindest im Zusammenhang mit einer solchen Überschrift! Und da nützt es auch nichts, wenn man auf einer der hinteren Seiten dann irgendwann eine Gegendarstellung bekommt!« Radvanyi beugte sich etwas vor. Seine bleichen Lippen waren aufgesprungen und formten einen gequälten Gesichtsausdruck. »Wissen Sie, was der reale Hintergrund dieser Schlagzeile war?«

Dr. Lutz hob die Augenbrauen. »Nein, aber ich bin gespannt!«, sagte er ein wenig gelangweilt.

Radvanyi atmete tief durch, bevor er dann hervorpresste: »Es war während meines Studiums. Um Plasma unter dem Mikroskop untersuchen zu können, habe ich einer Studienkollegin etwas Blut abgenommen. Das war alles!« Und dann versuchte Radvanyi plötzlich heiter zu wirken und fuhr mit aufgesetzter Leichtigkeit fort: »Wenn Sie hier in Ihrem Büro einen Spiegel hätten, dann könnte ich Ihnen sofort beweisen, dass ich kein Vampir bin, denn die haben ja bekanntlich kein Spiegelbild.«

Dr. Lutz mochte diese Art des Humors offensichtlich nicht besonders. Er tickte mit den Fingern auf der Schreibtischunterlage herum und vermied es dabei, den blassen jungen Mann direkt anzusehen.

»Dennoch, Herr Radvanyi«, brachte der Institutsleiter dann schließlich hervor, »für unser Institut kommt jemand mit einer solchen - wie soll ich sagen? - unseriösen Vergangenheit kaum in Frage. Sie kennen die Aufgabe, die sich unsere Organisation gestellt hat. Wir nehmen Blutspenden an und sorgen für sachgerechte Konservierung, Lagerung und Verteilung. Bei unserer täglichen Arbeit sind wir maßgeblich von dem Vertrauen abhängig, das man uns entgegenbringt. Und wenn nun bekannt würde, dass einer unserer leitenden Mitarbeiter in seiner Vergangenheit einen Punkt aufweist, der nicht ganz astrein zu sein scheint...«

Radvanyi war empört. »Das ist doch nicht Ihr Ernst!«, rief er.

»Sie nehmen diesen zwei Jahre alten Schmutzartikel zum Anlass, um...?« Er schüttelte nur den Kopf.

»Es tut mir leid«, erklärte Dr. Lutz fest entschlossen. »Ganz gleich, ob damals etwas an der Sache dran war oder nicht, es kann nicht mein Interesse sein, dass dieses Institut durch Sie in die Schlagzeilen gerät. Ich sehe vor meinem geistigen Auge schon die Überschrift: VAMPIR IN DER BLUTBANK! Für die Presse wäre das doch ein gefundenes Fressen. Um ehrlich zu sein: Ich hätte Sie gerne genommen. Ihre Zeugnisse sind hervorragend. Aber als Sie mir eben bestätigten, dass Sie der Radvanyi sind, da stand mein Urteil fest.«

»Schade«, sagte Radvanyi schließlich resignierend. »Ich hätte mir gut vorstellen können, hier zu arbeiten.«

»Wie gesagt...«

»Ich verstehe schon!« Radvanyi erhob sich und verabschiedete sich knapp. Die Enttäuschung war ihm anzumerken, als er schnellen Schrittes hinausging.

Etwas eigenartig wirkt er ja doch!, ging es dem Institutsleiter durch den Kopf. Dieses bleiche Gesicht mit dem gequält wirkenden Ausdruck...

Dr. Lutz blickte auf die Uhr. Feierabend. Er stand auf, nahm seine Tasche und ging zur Garderobe, um seinen Mantel zu holen.

An dem großen Wandspiegel, der dort unglücklicherweise angebracht war, lief er immer besonders schnell vorbei. Es würde nur eine Menge dummer Fragen geben, wenn jemand mitbekam, dass Dr. Lutz kein Spiegelbild hatte.

Alfred Bekker

WEGZEHRUNG

»Entdecken Sie die Costa Brava! - Noch Platz für zwei Teilnehmer. Keine Verkaufsveranstaltung!«

Es war eine kleine, unscheinbare Anzeige, die uns auf die Idee gebracht hatte, an einer dieser Billig-Busfahrten an die Costa Brava teilzunehmen. Von Deutschland aus mehr oder minder Nonstop nach Lloret de Mar oder Blanes, am Steuer ein übernächtigter Busfahrer mit dunklen Ringen unter den Augen, der 22 Stunden auf dem Bock saß und sich dabei mit einem Gemisch aus Kaffee und Weinbrand wachzuhalten versuchte, eine Unterbringung in Hotels, die nicht gerade der Spitzenklasse angehörten, und ein Frühstück, das diesen Namen nicht verdiente -

das war die eine Seite der Medaille. Die andere war der unglaublich günstige Preis der Reise. Sie war praktisch geschenkt.

»Ich glaube, dass es ein Fehler war mitzufahren «, sagte meine Frau mir leise ins Ohr, aber da hatten wir bereits die kurze Toilettenpause bei Macon in Frankreich hinter uns.

»Das fällt dir ein bisschen spät ein!«, erwiderte ich.

»Ich weiß, dass wir jetzt nicht zurück können, aber ich habe einfach ein ungutes Gefühl. Hast du das rote Zeug gesehen, das der Fahrer trinkt? Auf der Flasche war kein Etikett, aber ich wette, dass es Rotwein war!«

»Naja...«

»Ich hoffe, wir landen nicht im Graben!«

»Der Mann fährt ja nicht zum ersten Mal, Schatz!«

»Und dann die Leute! Du musst schon zugeben, dass wir hier mit ziemlich merkwürdigen Leuten reisen«, flüsterte sie - und sie hatte recht. Gleich zu Anfang war mir aufgefallen, dass sich alle anderen Teilnehmer der Reise offenbar gut kannten, der Busfahrer eingeschlossen. Aus den Gesprächen erfuhr ich, dass sie offenbar nicht zum ersten Mal gemeinsam nach Spanien fuhren. Der Tatsache, dass alle Fahrgäste ziemlich bleich waren, maß ich zunächst keinerlei Bedeutung zu. Schließlich nahm ich an, dass sie gerade deswegen die Sonne Spaniens suchten, um dies zu ändern.

Andererseits vermieden sie augenscheinlich jeglichen Kontakt mit dem Sonnenlicht. Der Bus hatte bereits kleinere Fenster, als dies üblich ist - offenbar eine Sonderanfertigung - und diese Fenster waren dann auch noch den ganzen Tag über mit Rollos verdeckt, so dass im Inneren stets eine Art Halbdunkel herrschte.

Erst, als es draußen bereits ziemlich dämmrig war, wurde ein kurzer Stopp eingelegt. Meine Frau und ich hatten vor Jahren eine ähnliche Fahrt mitgemacht und erlebt, dass sich - je weiter es in die Nachtstunden hinein ging - eine lethargische Stimmung unter den Fahrgästen auszubreiten begann, bis die ersten in einen kurzen, leichten Schlaf fielen. Man konnte dabei immer nur beten, dass diese Schlafperioden beim Busfahrer nicht länger als eine oder anderthalb Sekunden dauerten... Jedenfalls war es auf dieser Reise anders. Je später es wurde, desto munterer wurden die Mitfahrer.

Und desto öfter gingen ihre Blicke in unsere Richtung. Seltsame Blicke waren es, die ich erst später zu deuten wusste...

Irgendwann nickten wir ein. Ich fiel in einen dumpfen, traumlosen Schlaf. Als ich erwachte, dämmerte der Morgen und wir hatten die spanische Grenze vor uns.

Meine Frau wurde auch langsam wach. »Meine Beine sind mir eingeschlafen!«, murmelte sie, und dann schrie sie plötzlich auf. »Irgend so ein Mückenvieh hat mich gestochen! Sogar zweimal!« Ich sah die beiden roten Stellen an ihrem Handgelenk, und sie fuhr fort: »Das werden sicher Riesendinger! Es ist jedes Mal dasselbe bei mir! Wenn mich eine Mücke sticht, gibt das immer eine Entzündung!« Dann fixierte sie mich mit großen Augen und stellte fest: »Du hast auch zwei Einstiche!«

Ich lächelte. »So?«

»Ja, am Hals!«

Das Hotel, in dem man uns und die anderen Teilnehmer der Reise einquartierte, war nicht so schlecht, wie ich befürchtet hatte.

Den ersten Tag verbrachten wir mehr oder weniger am Strand. Am Abend trafen wir einige unserer Mitreisenden in der Hotelbar, tranken mit ihnen zusammen ein Gläschen und gingen dann in unser Zimmer. Bleierne Müdigkeit überfiel uns, und wir legten uns schlafen. Ich hatte seltsame, wirre Träume. Ich träumte davon, dass die Tür zu unserem Zimmer geöffnet wurde. Ich träumte von Stimmen, konnte aber nicht verstehen, was gesagt wurde.

Als ich schweißgebadet erwachte, kam meine Frau aus dem Bad.

»Sieh mich an«, sagte sie verzweifelt. »Von oben bis unten zerstochen!«

Als ich aufstand und meine Arme und Beine sah, bemerkte ich, dass mich diese Blutsauger offenbar genauso sehr heimgesucht hatten. Fast zwei Dutzend Einstichstellen zählte ich.

»Merkwürdig...«, murmelte ich. »Die Stiche scheinen immer paarweise angeordnet zu sein. Und sie jucken auch nicht!«

Die Einstiche verheilten schnell. Noch im Verlauf des Tages.

Aber die folgende Nacht verlief ähnlich wie die vorangegangene -

mit wirren Träumen und einem Erwachen mit frischen Einstichstellen. Und das, obwohl wir die halbe Nacht wachgelegen hatten, um auf das Summen einer Mücke zu horchen. Aber es war nichts zu hören gewesen, und Türen und Fenster hatten wir geschlossen gehalten.

Die Tage gingen dahin. Wir hatten auf einmal kaum noch den Drang, an den Strand zu gehen und uns der Sonne auszusetzen.

Unser Schlaf/Wachrhythmus verschob sich. Wir verschliefen zunehmend den Großteil der Tage und lebten in den Nächten auf, in denen wir nur noch für einige Stunden einen immer leichter werdenden Schlaf schliefen. Die wirren Träume aber blieben, und sie kamen nur des Nachts.

Aus einem von ihnen schreckte ich hoch und sah, dass unser Zimmer voller Menschen war.

Unsere Mitreisenden standen um unser Bett herum.

»Sie gehören jetzt zu uns«, sagte der Busfahrer und lächelte breit. So breit, dass seine außergewöhnlich langen Eckzähne für einen kurzen Moment in ihrer vollen Größe sichtbar wurden...

Nachtrag: Wir fahren jetzt regelmäßig an die Costa Brava.

Nächste Woche ist es wieder soweit. Ich hoffe nur, dass sich auf die Anzeige, die wir aufgegeben haben, bis dahin noch jemand meldet. Proviant sollte schließlich stets frisch sein!

Alfred Bekker

DER ZEILEN-VAMPIR

Gisela war alles andere als begeistert, als ich ihr eröffnete, wo wir unseren Urlaub verbringen würden. Aber ich kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie erst toben und sich dann damit abfinden würde. »Es ist eine einmalige Gelegenheit«, sagte ich ihr.

»Peter von Varoschy hat uns in sein Haus in Österreich eingeladen.

Wir brauchen nicht einmal etwas zu bezahlen!«

Sie strich sich das Haar aus dem Gesicht und meinte: »Na, das wäre ja auch noch schöner! Meine Güte! Wie ich diesen Peter von Varoschy hasse, obwohl ich ihm nie begegnet bin! Aber seit du deine Doktorarbeit über ihn schreibst, bist du doch kein normaler Mensch mehr!«

Ganz Unrecht hatte sie da nicht. Peter von Varoschy -

eigentlich Peter Varoschy, das 'von' war nicht echt - war zweifellos ein ungewöhnlich begabter Schriftsteller, dem es meisterhaft gelang, sich in seine Personen hineinzuversetzen, so dass man fast den Eindruck gewinnen konnte, sie - und nicht Varoschy - hätten die Romane geschrieben. Ein lohnendes Thema für eine Promotionsarbeit, zumal sich noch niemand daran versucht hatte.

Auf einem Symposion ergab sich zufällig die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Varoschy und als er erfuhr, dass ich an einer Dissertationsschrift über sein Werk arbeitete, lud er mich kurzerhand zu sich auf sein Anwesen in der Nähe von Klagenfurt ein. »An Ihrem Ring sehe ich, dass Sie verheiratet sind«, ergänzte er dann. »Sie können Ihre Frau selbstverständlich mitbringen...«

»Macht das nicht zu viel Umstände?«

»Aber nein, mein Haus hat so viele leere Zimmer... Seien Sie meine Gäste. Ich würde mich freuen. Und Ihrer Arbeit würde es sicherlich gut tun!«

Daran bestand kein Zweifel. Wir plauderten noch über dies und jenes, bevor ich schließlich auf jenen Punkt kam, der mich am meisten interessierte. »Wie schaffen Sie es, sich derart in Ihre Personen hineinzuversetzen? Nehmen wir den Obdachlosen in Ihrem letzten Buch. Man könnte meinen, Sie selbst hätten jahrelang auf der Straße gelebt...«

Varoschys hageres, etwas bleich wirkendes Gesicht zeigte ein mattes Lächeln. »Wer sagt Ihnen, dass dem nicht so war?«, fragte er zurück.

Ich beugte mich zu ihm vor und hakte nach: »Nein, im Ernst!

Ich vermute schon seit langem, dass Ihre Hauptfiguren reale Vorbilder besitzen!«

Varoschy hob die Augenbrauen. »Sie haben recht«, gab er zu.

»Und - wie gehen Sie vor, bei Ihrer Recherche?«

Ein halb amüsiertes, halb diabolisches Lächeln umspielte seine blutleeren Lippen. »Die Lösung ist ganz einfach!«, behauptete er in einem Tonfall, von dem sich nicht sagen ließ, wie hoch der Anteil an Ernst darin war. »Ich besitze die Fähigkeit, die Seelen von Menschen, die mich interessieren, in mich aufzusaugen. All die Personen, von denen meine Bücher handeln, hat es wirklich gegeben, und sie haben in gewisser Weise mit mir am Schreibtisch gesessen.«

Ich lachte. »Sie sehen sich also als eine Art Vampir? Ein Zeilen-Vampir, sozusagen!« Ich fand dieses Bonmot damals ungeheuer gelungen, zumal Peter von Varoschy mich mit einem gütigen Lächeln bedachte.

»Vampirismus dieser Art gibt es zweifellos schon Jahrhunderte«, fuhr er fort und machte dabei den Anschein, als würde er jedes Wort tatsächlich ernst meinen. »Der Volksglaube hat allerhand dazu gedichtet, was mit dem eigentlichen Phänomen nichts zu tun hat, so das Trinken von Blut, die langen Eckzähne und so weiter.« Er lächelte. »Und nicht alle Vampire der Geschichte waren Schriftsteller!«

Varoschy hatte uns für den Sommer eingeladen. Bis dahin waren es noch ein paar Monate, die ich nicht ungenutzt verstreichen lassen wollte. Ich wollte so gut wie möglich vorbereitet sein. Denn was nützte es, mit Peter von Varoschy für einige Zeit unter einem Dach zu leben, wenn man ihm nicht die richtigen Fragen zu stellen wusste? Sein Gerede auf jenem Symposion, auf dem ich ihn persönlich kennen gelernt hatte, hielt ich für ein Beispiel seines hintergründigen Humors. Der Vampir als Bild für den Schriftsteller. So hatte das noch niemand gesagt.

Wie ein Besessener machte ich mich an die Arbeit und fand etwas heraus, das mich gleichermaßen beunruhigte wie faszinierte.

Dass seine Romanfiguren tatsächliche Vorbilder besaßen, hatte Varoschy zugegeben, und so versuchte ich, wenn möglich einige von ihnen kennen zu lernen. Sie zu identifizieren war nicht sehr schwer, denn Varoschy hatte sich oft nicht einmal die Mühe gemacht, Namen und Orte zu verändern - und wenn doch, dann war dies so nachlässig geschehen, dass die tatsächliche Identität leicht herauszufinden war, wenn man danach suchte.

Merkwürdigerweise schienen allerdings sämtliche Vorbilder Varoschys verstorben zu sein. Noch merkwürdiger war, dass bei einigen von ihnen die Leichen unter ungeklärten Umständen verschwunden waren, nachdem man sie zunächst in einem seltsamen, mumifizierten Zustand gefunden hatte.

Im Sommer fuhren Gisela und ich nach Klagenfurt.

Peter von Varoschy quartierte uns in seinem herrschaftlichen Landhaus ein. Varoschy behandelte uns mit ausgesuchter Höflichkeit, so wie es seiner Art entsprach. Den Tag über müsse er arbeiten, so sagte er, aber am Abend stände er zu unserer Verfügung.

Gleich am ersten Abend lud er uns zu einem opulenten Mal ein, das uns sein Butler zubereitet hatte, der außer Varoschy selbst der einzige Bewohner dieses Hauses zu sein schien. Er selbst saß am Tisch, ohne mitzuessen. Ein Magenleiden, wie er sagte.

Gisela hatte zunächst noch gemault, aber Varoschys vollendeter Charme nahm sie von der ersten Begegnung an sofort für ihn ein.

»Es freut mich außerordentlich, auch Sie kennen zu lernen«, sagte Varoschy. »Ich kann mir vorstellen, dass es nicht immer einfach ist, einen Mann zu haben, der versucht, eine Doktorarbeit zu verfassen.«

»Das können Sie laut sagen! Ich sehe ihn kaum noch!«

»Seien Sie versichert: Das geht vorbei!«

»Ich will's hoffen!« Und dann fragte Gisela plötzlich: »Sie sind nicht verheiratet, Herr von Varoschy?«

»Sie starb sehr jung«, erwiderte Varoschy.

Gisela wurde rot. »Oh, entschuldigen Sie...«

»Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen. Ich schrieb mein erstes Buch über sie.«

An den nächsten Tagen ging es Gisela nicht gut. Sie blieb im Bett und fühlte sich sehr schwach. Ein Arzt, den wir aus Klagenfurt kommen ließen, konnte nichts feststellen, außer einer allgemeinen Erschöpfung.

So verbrachte ich die Tage damit, an meiner Arbeit zu schreiben, und die Abende mit langen Gesprächen, die ich mit Varoschy führte. Ich sprach ihn auf die seltsamen Schicksale an, die die Vorbilder seiner Romanfiguren erlitten hatten.

»Sie waren sehr fleißig«, sagte Varoschy ungerührt. »Aber sagte ich nicht, dass ich eine Art Vampir bin?« Sein Witz war an dieser Stelle deplatziert, so fand ich. Er hatte an diesem Abend stark einem dunklen Rotwein zugesprochen, der seine Zunge wohl ziemlich gelockert hatte, und so schwadronierte er weiter: »Ich sauge meinen Opfern die Seelen aus, bis nur noch eine mumienhafte, kraftlose Hülle von ihnen übrig bleibt. Zumeist werden die Leichen gefunden, doch ihr Tod bleibt nur von kurzer Dauer, dann erheben sie sich zu neuem, unheimlichem Leben...

Manche von ihnen gewinnen in ihrer neuen Existenz sogar Literaturpreise!

Die meisten allerdings fristen ein Dasein im Schatten.«

Varoschy hatte in diesen Momenten eine erstaunliche Suggestivkraft.

Mein Lachen klang etwas gequält. »Sie wollen mich veralbern, was?«

»Hunderttausende von Hobby-Literaten treibt ein furchtbarer Drang zum Schreiben, und es werden täglich mehr... Haben Sie sich noch nie gefragt, wo die Wurzel dieses Übels liegt?«

»Eine zweifellos unkonventionelle Sicht«, erwiderte ich ironisch.

Die Tage gingen dahin, und als ich eines Nachts Giselas Arm fühlte, glaubte ich einen Moment lang, sie wäre tot - so kalt war sie. Aber ihre geöffneten Augen straften mich Lügen.

In den nächsten Tagen besserte sich ihr Zustand jedoch zusehends. Einige Wochen später - wir waren längst wieder zu Hause und ich war mit meiner Arbeit dank der Zeit auf Varoschys Landsitz sehr gut weitergekommen - bemerkte ich die ersten Anzeichen innerer Leere und Erschöpfung. Bei dem Arbeitspensum, das ich in der letzten Zeit hinter mir hatte, war das eigentlich auch kein Wunder.

Dann fand ich eines Tages zufällig ein kleines, eng beschriebenes Heft unter Giselas Sachen. Mir war nie aufgefallen, dass sie literarisch interessiert war, geschweige denn, dass sie selbst schrieb. Ich begann zu lesen, und es war, als ob sich mir eine kalte Hand auf die Schulter legte. Giselas Aufzeichnungen handelten von mir...

Alfred Bekker

EINE KOMPLIZIERTE BEZIEHUNG

»Na, war's schlimm?«, fragte Dagmar, während sie das Sektglas hob, das man ihr gegeben hatte. Ihr Mann, Dr. Peter Horstmann, krempelte sich gerade den Hemdsärmel herunter und zog sich das Jackett seines Smokings wieder an. Er lächelte.

»Nein, Schatz. Aber ein bisschen merkwürdig ist es schon.«

Dagmar hob die Augenbrauen. »Was meinst du?«

»Na, das mit der Blutspende als Hochzeitsgeschenk!«

»Ich finde es in Ordnung«, meinte Dagmar. »Du weißt selbst, wie oft es in den Sommermonaten an Blutspenden fehlt! Wilfried hat oft davon gesprochen. Und du bist doch auch Arzt, Peter! An eurer Klinik ist es doch sicher dasselbe!«

»Ja, das schon. Ich sage auch gar nichts dagegen. Trotzdem ist es doch ein bisschen exzentrisch, alle Hochzeitsgäste erst einmal in ein Nebenzimmer zu führen, wo dann der Bräutigam persönlich ihnen Blut abnimmt...«

»Wilfried ist Arzt - und es ist für eine gute Sache!«, gab Dagmar zu bedenken. »Und die paar Tropfen schaden weder dir noch mir!«

Jemand reichte Peter Horstmann jetzt auch ein Sektglas.

Peter nippte kurz daran.

Dann blickten sie gemeinsam in jene Richtung, in der das Brautpaar auftauchte: Dr. Wilfried Gerber, ein Internist, er für seine 38 Jahre noch recht jugendlich aussah, und seine Angetraute Franziska, eine dunkelhaarige Schönheit mit blassem Teint und ausdrucksstarkem Augenaufschlag. Sie schüttelten Dutzende von Händen und ließen sich zu ihrem Entschluss, den Rest ihres Lebens gemeinsam zu verbringen, beglückwünschen.

»Ist dir eigentlich aufgefallen, dass wir über die Braut so gut wie nichts wissen?«, meinte Dagmar plötzlich.

Peter Horstmann zuckte die Achseln und trank sein Glas leer.

»Lässt sich ja nachholen«, erwiderte er dann lakonisch.

»Es muss ziemlich schnell zwischen den beiden gefunkt haben«, sagte Dagmar. »Du bist doch Wilfrieds Freund. Hat er dir mal gesagt, woher er sie kennt?«

»Nein.«

»Gar nichts?«

»Na ja, er erwähnte mal etwas von einer Beziehung, die recht... kompliziert, ja, so drückte er sich aus... sei. Und er fragte mich - ganz allgemein allerdings -, was ich von einer Beziehung zwischen zwei Menschen halte, die durch tiefe Gegensätze getrennt seien.«

»Und du meinst, er hat Franziska damit gemeint?«

»Wen sonst?« Peter zuckte die Achseln.

Dagmar sah ihn fragend an und wirkte sehr nachdenklich.

»Was hast du Wilfried geraten?«

»Ich habe ihm gesagt, dass alle Gegensätze zu überwinden seien, und versucht, ihm Mut zu machen.«

Dagmar atmete tief durch. »Scheint, als wäre es dir gelungen!«

Peter grinste, während er seinen Arm um Dagmars Taille legte. »Ein gewisses Maß an Gegensätzen ist doch auch ganz reizvoll, oder?«

»Kommt ganz drauf an.«

Nun wurden alle zu Tisch gebeten. Nach einer kurzen Ansprache begann das festliche Mal, woran sich Tanz und fröhliches Beisammensein anschlossen. Die Gäste hatten eine ziemlich große Ausdauer.

Um Mitternacht wurde noch ein kleiner Imbiss gereicht, und die letzten Teilnehmer dieser Feier verließen erst im Morgengrauen den Festsaal.

Dr. Wilfried Gerber war todmüde, während seiner Braut die vorgerückte Stunde weniger auszumachen schien.

»Es haben alle mitgemacht und ihre Spende abgeliefert«, sagte Wilfried zufrieden.

»Wie viel Blut kommt da zusammen?«, erkundigte sich Franziska plötzlich.

»In Litern? Nun, es wird auf jeden Fall eine Weile reichen, denke ich. Ob wir damit über den Sommer kommen, müssen wir allerdings erst mal abwarten.« Er sah Franziska voller Liebe an und setzte dann hinzu: »Ich hätte kaum zu hoffen gewagt, dass es trotz unserer Verschiedenheit noch zu dieser Hochzeit kommen würde.

Aber Gegensätze scheinen sich anzuziehen...«

»Ob es gut geht, wird erst die Zukunft zeigen«, sagte Franziska.

»Sicher.«

»Ich fürchte, aus einer komplizierten Beziehung, wird jetzt eine komplizierte Ehe, mein Schatz!«

»Vermutlich hast du recht. Aber wollen wir wirklich daran denken?«

Sie umarmten sich innig. Er presste sie an sich, und sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Sein Hals befand sich direkt vor ihrem volllippigen Mund, und sie fühlte unwillkürlich einen ihr nur allzu wohlvertrauten Hunger in sich aufsteigen.

Ihre Lippen öffneten sich, so dass für den Bruchteil eines Augenblicks ihre unmenschlich langen Eckzähne sichtbar wurden...

Wilfried strich ihr über den Kopf und fragte: »Möchtest du jetzt eine der Blutkonserven, mein Schatz? Du hast ja schließlich lange genug drauf warten müssen!«

Alfred Bekker

EIN VAMPIR BEIM ZAHNARZT

Niemand geht gern zum Zahnarzt und für unsereins gilt das ganz besonders.

Dr. Weston war ein kleiner, etwas rundlicher Mann, auf dessen Kopf kaum noch ein Haar zu finden war. Sein Gesicht wirkte blass und blutleer - genau wie das meine. Er wirkte fast wie einer von uns...

Ich warf einen Blick auf seine Hände, die mir einen geschickten Eindruck machten. Das beruhigte mich etwas.

»Sie wissen, dass ich nur privat abrechne?«, fragte Dr.

Weston mich geradeheraus.

»Ja. Aber das ist kein Problem.«

Weston war der einzige Zahnarzt weit und breit, der seine Sprechstunde abends abhielt. Deswegen hatte ich ihn ausgewählt.

Ich setzte mich auf den Zahnarztstuhl, und einen Augenblick später hängte mir Dr. Westons blutjunge Arzthelferin eine Papierserviette um und machte ein grelles Licht an.

»Ah...«, hörte ich mich selbst aufstöhnen.

»Was ist?«, fragte die junge Frau.

»Ich bin sehr... lichtempfindlich.«

»Es muss aber sein«, mischte sich Dr. Weston in einem Tonfall ein, der keinerlei Widerspruch duldete. Er warf einen Blick in meinen Mund, und ich sah, wie sich auf seiner Stirn tiefe Furchen bildeten. »Mein Gott...«, flüsterte er. »Ihre Eckzähne....«

»Ja, ich weiß, dass ich früher hätte kommen sollen«, erwiderte ich, als ich den Mund wieder schließen durfte. »Aber tagsüber kann ich nicht. Und Sie sind der erste Zahnarzt, der um diese nachtschlafende Zeit seine Sprechstunde abhält...«

»Ich habe noch nie ein Gebiss mit derartig langen Eckzähnen gesehen!«, bekannte er freimütig. Er lächelte. »Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, aber wenn ich nicht wüsste, dass es so etwas nicht gibt, dann würde ich an einen Vampir denken...« Ehe ich etwas erwidern konnte, machte er eine beschwichtigende Geste.

»Ich hoffe, Sie verstehen mich nicht falsch!«

Ich war ziemlich ärgerlich.

»Sehen Sie zu, dass Sie meine Zähne wieder herstellen!«, fuhr ich Dr. Weston etwas zu barsch an.

»Ich bringe Ihre Zähne sogar umsonst wieder in Ordnung, falls ich die Arbeit an Ihrem Gebiss zu Forschungszwecken verwenden dürfte. Alles natürlich völlig anonym. Aber ein Gebiss wie das Ihre ist so einmalig, dass...«

Welche Wahl hatte ich? Und wie hoch war die Chance, jemals wieder auf einen Dentisten mit nächtlichen Öffnungszeiten zu treffen? Ich war auf Dr. Weston angewiesen, und so sagte ich ja.

Er war geradezu entzückt, faselte etwas von genetischer Disposition und dergleichen, während ich mich daran erinnerte, dass ich heute noch nichts gegessen hatte.

Bevor Dr. Weston also zur Tat schritt, ließ er mich noch einmal vom Stuhl aufstehen und wies seine Arzthelferin an, Röntgenaufnahmen von meinen Zähnen zu machen.

Die Arzthelferin war noch recht jung. Sie führte mich in einen Nebenraum hatte dann einige Schwierigkeiten mit dem Röntgenapparat.

»Lohnt sich eine Praxis mit solchen Öffnungszeiten denn überhaupt?«, fragte ich sie, nachdem die Prozedur vorbei war.

»Sicher«, nickte sie. »Es gibt genug Freiberufler, Selbständige und dergleichen, die tagsüber keine Gelegenheit hätten, zum Zahnarzt zu gehen.«

»Ah ja...?«

Ein paar Augenblicke später befand ich mich wieder auf Dr.

Westons Stuhl, der meine Eckzähne ansah, als wären sie bereits vergoldet.

»Es muss dieses Phänomen schon in früherer Zeit gegeben haben«, meinte Dr. Weston. »Und vielleicht ist so der Vampir-Mythos entstanden...?«

Ich widersprach ihm nicht. Wie hätte ich auch, war ich doch gehalten, meinen Mund so weit wie irgend möglich zu öffnen.

Und während Dr. Weston sich mit dem Bohrer in der Hand über mich beugte, sah ich aus den Augenwinkeln heraus die rosigen Wangen und den nackten Hals seiner jungen Gehilfin, die auf der anderen Seite des Zahnarztstuhles stand und ihrem Chef Handreichungen machte. Ein unstillbarer Hunger erfüllte mich.

Sie wirkte um so vieles lebendiger, jünger, blutvoller als Dr.

Weston, dessen aschfahles Gesicht dem meinen jetzt so nahe war...

Dann fühlte ich, wie der Bohrer sich in meine Zähne fraß, und für einige Augenblicke waren alle anderen Gedanken wie verflogen.

Als ich fertig war, ließ er mich noch eine kurze handschriftliche Erklärung unterschreiben, dass ich mit einer Veröffentlichung meiner Röntgenbilder einverstanden sei. Dann verabschiedete er sich sehr höflich von mir und ließ mich mit seiner Helferin allein.

»War doch gar nicht so schlimm, was?«, lächelte sie.

»Nein.«

»Wir müssen noch einen Termin wegen des Zahnsteins machen.«

»Ach, das eilt nicht.«

Ich fragte mich, weshalb sich jemand wie Sie einen Nacht-Job suchte. Andere junge Leute gingen um diese Zeit aus - sie musste Spucknäpfe anreichen...

Ich erhob mich und trat neben sie, während sie in ihrem Terminkalender nachschlug. Wie gesagt, ich hatte an diesem Tag noch keine Mahlzeit gehabt. Ihr Hals schimmerte rosig und einladend.

Ich öffnete den Mund, schloss ihn jedoch sogleich wieder.

Jegliches Verlangen war von einem Moment zum anderen wie weggeblasen. Sie hatte auf ihrem Bleistift herumgekaut und dabei für einen kurzen Moment den Blick auf einen ihrer sehr, sehr langen Eckzähne freigelegt.

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Blood Empire - Wiedergänger

von Alfred Bekker

Der Umfang dieses Buchs entspricht 108 Taschenbuchseiten.

Ein Vampir-Schocker.

Rabenschwarz, blutig, grausam, zynisch – und so kalt wie eine Totengruft!

Die Welt wird von Vampiren aus dem Verborgenen beherrscht. Sie sind organisiert wie die Mafia und haben die Erde unter sich aufgeteilt

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

„Der Mann in diesem Sarg ist ein Verdammter!", dröhnte die sonore Stimme des groß gewachsenen, korpulenten Mannes. Mit dem langen grauen Bart und den etwas wirr herumstehenden Haaren wirkte er wie ein biblischer Patriarch. Seine Kleidung glich der eines Reverends. Mit der Faust tickte er gegen den dunklen Eichensarg, der in der Mitte der Bühne aufgebahrt war. Es herrschte absolute Stille in der Halle. Die Blicke der Zuschauer waren wie gebannt auf Moses Jordan gerichtet, einem der charismatischsten Prediger, die Amerika je gesehen hatte.

Moses Jordan ließ den Blick über die Reihen der Zuschauer schweifen. "Norman Guthridge, der Mann in diesem Sarg, ist körperlich tot. Aber seine Seele leidet noch immer. Sie leidet unter der Schuld, die unser Bruder Norman, dieses verirrte Schaf vor dem Herrn, auf sich geladen hat..."

Orgelmusik setzte ein.

Moses Jordan öffnete den Eichensarg. Ein knarrender Laut entstand dabei, als er den Deckel zur Seite schob. Der bärtige Prediger blickte auf den bleichen, wächsern aussehenden Leichnam im Inneren des Sargs.

"Ich werde dich jetzt ins Leben zurückholen, Norman!", kündigte Moses Jordan an. "So kannst du deine Sünden öffentlich vor all diesen Menschen hier bereuen und auf Vergebung hoffen..."

Die Orgelmusik schwoll zu einem dramatischen Crescendo an.

Das Licht veränderte sich. Es wurde stockdunkel in der Halle. Nur Moses Jordan wurde von Scheinwerfern grell angeleuchtet. Sein Gesicht wirkte jetzt geradezu gespenstisch.

Jordan schloss die Augen.

Seine Züge verzogen sich, wie unter einer nicht näher definierbaren Qual. Es wirkte, als ob der Prediger eine unglaubliche Kraftanstrengung zu verrichten hätte. Er beugte sich über den Toten, ohne dabei die Augen zu öffnen. Dann legte er der Leiche die Hand auf die Stirn.

"Die Kraft des Herrn fahre in dich, Norman! Sie ist hier anwesend, jetzt, in diesem Augenblick! Die Kraft möge durch meinen Körper hindurch in dich fahren und dir die Augen ein letztes Mal öffnen, damit deine verdammte Seele Frieden zu finden vermag..."

Moses Jordan öffnete die Augen.

Er wandte ruckartig den Kopf in Richtung des Publikums.

Die Orgelmusik wurde mit einem swingenden Rhythmus unterlegt. Ein Gospelchor erklang aus dem Hintergrund.

"Fasst euch bei den Händen, Brüder und Schwestern! Fasst euch bei den Händen und betet dafür, dass diese sündige Seele ein letztes Mal ins Leben zurückkehrt... Lasst den Herrn unter uns sein und ein Wunder der Barmherzigkeit vollbringen. Hallelujah!"

"Amen!", antwortete das Publikum.

"Herr, lass unseren Bruder Norman erwachen!", rief Jordan.

Er hob seine Hand. Das Licht änderte sich. Es wurde bläulich und kalt. Die Szenerie auf der Bühne wirkte wie ein Blick in die Unterwelt.

Im Sarg bewegte sich etwas.

Die Menschen in der Halle hielten den Atem an.

Der Gospelchor verstummte.

Die Orgel verharrte im Tremolo.

Der Leichnam setzte sich auf. Jordan hielt dabei immer die Hand auf die Stirn des Toten, so dass das wächsern wirkende Totengesicht für das Publikum im Schatten der Hand und des Unterarms lag.

"Norman, hörst du mich?"

"Ja...", kam es dumpf zurück.

"Norman, du hast ein sündiges Leben im Dienste Satans geführt..."

"Ja..."

"Du warst ein Zuhälter an der Bowery in New York City. Du hast junge Frauen dazu gezwungen, ihren Körper zu verkaufen! Du hast sie dir mit Drogen gefügig gemacht. Außerdem hast du zahlungsunfähige Schuldner brutal verprügeln lassen! Norman, deine Mutter, die hier unter uns sitzt und ein gottgefälliges Leben in Wrinkleton, Massachusetts geführt hat, wird es nicht gerne hören, aber es hat keinen Sinn, etwas zu beschönigen! Du warst ein Verbrecher!"

Ein unartikulierter Laut war die Antwort. Er klang wie ein Stöhnen. Ein Laut des Schmerzes.

Jordan fuhr fort: "Norman, du wärst verloren gewesen, wenn deine Mutter nicht diesen starken Glauben gehabt und dafür gesorgt hätte, dass dein totes Fleisch heute hier, an diesem Ort ist. Hallelujah!"

"Amen!", antwortete die Gemeinde.

"Die Macht Gottes kann das Fleisch auferstehen lassen. Das steht in der Bibel - und ihr alle seit jetzt schon Zeuge dieses Wunders, das das kommende Himmelreich vorwegnimmt! Hallelujah!"

"Amen!"

"Norman, bereust du, was du getan hast? Bereust du deine Sünden? Bereust du, dass du in unglaublicher Skrupellosigkeit dem Mammon und der Hurerei gedient hast?"

Wieder ein ächzender, stöhnender Laut.

"Ja, es tut weh so etwas zu hören! Das reinigende Feuer Gottes tut weh! Deine Seele erleidet furchtbare Schmerzen! Du hast gedacht, dass mit dem Herzanfall, der dein armseliges irdisches Dasein beendete, alles vorbei wäre! Aber du hast dich geirrt... Du musst durch das Feuer der Verdammnis gehen, hin zum Licht der Vergebung unseres einzigen Herrn! Halleluja!"

"Amen!"

"Du bereust, was du getan hast, Norman? Dann sag es allen, die hier sind! Sag es deinen Eltern, die mit uns für dich beten! Sag deiner Schwester, die immer versucht hat, dich vom Weg des Übels abzubringen, dass du bereust! Sag es uns allen, um endlich deinem Schöpfer entgegentreten zu können! Halleluja!"

"Amen!", murmelte das Publikum.

"Norman, bereust du aufrichtig?"

Sekundenlang herrschte absolute Stille in der Halle. Eine gespannte Atmosphäre der Erwartung war überall spürbar. Das Publikum hielt den Atem an.

"Ja!", kam die gequälte Antwort. "Ja! Ja! Ja!"

Dann sank der Leichnam zurück in den Sarg.

Das Licht ging aus. Die Finsternis verschluckte den Sarg ebenso wie Moses Jordan.

Wenig später beleuchtete ein Spotlight dessen Gesicht und Oberkörper.

Jordan breitete die Arme aus.

"Die Seele von Norman Gutheridge hat ihren Frieden vor dem Herrn gefunden. Halleluja!"

"Amen!", erscholl es.

2

Minuten später erreichte Moses Jordan seine Garderobe. Abschminken stand jetzt auf dem Programm. Er schloss die Tür hinter sich, setzte sich vor den Spiegel. Er sah müde aus. Die Veranstaltung hatte ihn ziemlich geschlaucht. Aber war der Kampf für das Gute nicht jeden Einsatz wert? Er atmete tief durch.

"Bravo! Gute Show!", sagte eine schneidende Stimme. Ein Mann im grauen Maßanzug saß mit übereinander geschlagenen Beinen in einem tiefen Ledersessel auf der anderen Seite der Garderobe. Moses Jordan hatte ihn zuvor nicht bemerkt. Entsprechend erschrocken fuhr er herum. Als ob er aus dem Nichts erschienen wäre!, ging es Jordan durch den Kopf. Sein Gegenüber blickte ihn mit hellblauen Augen an. Der Mann im grauen Maßanzug hatte ein feingeschnittenes, fast engelsgleiches Gesicht, dessen Linien für einen Mann sehr weich wirkten. Sein hellblondes Haar war leicht gelockt, was den engelhaften Eindruck noch verstärkte. Jordan war bei ihrer ersten Begegnung an die Putten des Barock erinnert gewesen.

Der Mann mit dem Engelsgesicht klatschte in die Hände.

"Du bist wirklich gut, Mo!", meinte er, wobei nicht ganz eindeutig erkennbar war, in wie weit er das tatsächlich so meinte. Spott und echte Bewunderung schienen sich mehr oder minder die Waage zu halten. "Du hast Show-Talent!"

"Es ist für die gute Sache!", betonte Moses Jordan ernst.

Ein zynisches Lächeln erschien auf dem Engelsgesicht.

"Oh, natürlich! Du hast die Nummer inzwischen perfekt drauf, wie mir scheint!"

"Es ist keine Nummer!", erwiderte Jordan eisig. "Ich rette verlorene Seelen, verstehst du? Ich kämpfe gegen die Verdammnis!"

"Klar doch!" Der Mann mit dem Engelsgesicht erhob sich. Jordan hatte seit ihrem ersten Zusammentreffen versucht, das Alter des Blonden zu schätzen. Er wirkte sehr jung. In seinem Maßanzug sah er aus wie einer der blutjungen Yuppies in Wall Street. Nur die Augen verrieten eine Erfahrung, die nicht zu dem Gesamteindruck passen wollte.

Der Blonde sah Moses Jordan jetzt direkt in die Augen.

Ein leicht spöttischer Zug spielte um seine Lippen.

"Mir scheint, es wird Zeit, dass du noch etwas dazulernst und einen Schritt weiter gehst..."

Jordan verengte die Augen. Der Unterton, in dem sein Gegenüber mit ihm sprach, gefiel ihm nicht.

"Was meinst du damit?", fragte der Prediger.

Der Blonde lächelte. "Ich denke, wir sind uns darüber einig, dass die schlimmste Form der Verdammnis der Vampirismus ist!"

"Ja."

"Dann werde ich dir jetzt zeigen, wie du diesem Gegner entgegentreten kannst... Das Aufwecken von Toten war eine Art Vorübung dafür." Er grinste. "Solltest du übrigens nicht zu oft machen, Mo! Schadet dem Teint!" Er kicherte.

3

"Hey, Mike! Ich weiß nicht, ob ich wirklich noch mit zu dir will..."

Ein Sternenmeer aus Neonlichtern verbreitete so viel Licht, dass es für jeden New Yorker schwer war, überhaupt noch etwas von den echten Sternen am Nachthimmel zu sehen.

Teresa Pender war 23 Jahre alt, dunkelhaarig und sehr sexy. Das eng anliegende schwarze Kleid betonte ihre aufregende Figur.

Ein guter Fang!, hatte Mike Tensold gedacht, als er es geschafft hatte, die junge Frau an einem der Billard-Tische des LAST CHOICE auf sich aufmerksam zu machen. Das LAST CHOICE war ein Heavy Metal-Schuppen im Süden von Yorkville. Tensold hatte sie so weit gehabt, dass sie bereit war, mit ihm zu gehen. Fünf Minuten Fußweg hatten sie hinter sich.

"Nun komm schon, mach keine Zicken! Mein Wagen ist nur noch einen Block entfernt!", sagte Tensold.

Der gereizte Unterton war unüberhörbar.

So nah am Ziel...

Nein, er würde sich nicht davon abbringen lassen, sich das zu nehmen, was er haben wollte.

Tensold dachte dabei nicht so sehr an ihren formvollendeten Körper, sondern an ihre inneren Werte.

Ihr Blut.

Denn Mike Tensold war ein Vampir.

Der Durst nach Blut wurde beinahe unerträglich. Lange würde er nicht mehr warten, um über sie herzufallen, seine Reißzähne auszufahren und sie in ihren weichen, weißen Hals zu schlagen.

Mike Tensold musterte die junge Frau, fasste sie am Handgelenk, als sie vor ihm zurückweichen wollte.

"Lass mich los, du tust mir weh!"

Instinktiv musste sie erfasst haben, dass Tensold keiner der üblichen Kerle war, die im LAST CHOICE herumhingen, auch wenn seine äußere Aufmachung mit Lederjacke und einem langen Haarschopf, der zu einem Zopf zusammengefasst war, ihn so erscheinen ließen.

Anfangs hatte Teresa die düstere Aura, die diesen Mann umgab, fasziniert. Ja, sie war regelrecht davon angezogen worden. Aber jetzt verkehrte sich die Faszination in Unbehagen.

"Lass mich los, ich gehe nicht mit dir mit!", sagte sie bestimmt.

"Hey, was soll das, Baby?"

"Ich habe es mir eben anders überlegt, das ist alles."

Sie versuchte, sich mit aller Kraft loszureißen, aber sein Griff war eisern. Wie ein Schreibstock.

Teresas Unbehagen wandelte sich in pures Grauen. Der Puls schlug ihr bis zum Hals. Eine Sekunde lang war sie unfähig, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen. Er zog sie an sich, drückte sie gegen die Wand. Im tiefen Rückenausschnitt ihres Kleides spürte sie den kalten Stein.

Teresa schrie aus Leibeskräften.

Sie hoffte, dass irgendein Passant ihr half.

Aber in dieser Seitenstraße gab es um diese Uhrzeit kaum Menschen.

Und die Insassen der Autos, die in mehr oder minder regelmäßigen Abständen um die Ecke bogen und dem Lauf der Einbahnstraße bis zur nächsten Kreuzung folgten, konnten ihren Schrei nicht hören.

Tensold drückte ihr seine Hand auf den Mund.

Ihr Schrei erstarb.

Die Augen der jungen Frau weiteten sich vor Entsetzen, als sie sah, wie die Vampirzähne ihres Gegenübers sichtbar wurden. Einen Sekundenbruchteil später bohrten sich die Zähne in ihren Hals, zerfetzten die Membran ihrer Schlagader. Das Blut spritzte auf. Und Mike Tensold begann zu trinken.

Er gab sich ganz diesem unvergleichlichen Genuss hin. Begierig schlürfte er den kostbaren Lebenssaft in sich hinein. Immer wieder biss er neu zu. Der Hals der jungen Frau war eine einzige Wunde. Als Mike Tensold mit ihr fertig war, ließ er den schlaffen, leblosen Körper zu Boden sinken. Das Blut troff ihm von den Lippen, hatte teilweise seine Kleidung besudelt.

Sein schrecklicher Durst war gestillt.

Zunächst jedenfalls.

Er wandte sich von der Leiche ab, blickte die Häuserzeile entlang. In einiger Entfernung stand ein Mann in den Fünfzigern. Er war gedrungen und etwas übergewichtig. Bei Fuß führte er eine riesige Dogge.

"Was tun Sie da...?", stammelte der Passant fassungslos.

Tensold schnellte ihm entgegen.

Mit einer Armbewegung wischte er sich das Blut von den Lippen.

Der Passant ließ seine Dogge los.

Das Tier sprang auf Tensold zu. Der Vampir fing es mit einem mörderischen Schlag ab. Der Körper der Dogge wurde gegen die nächste Hauswand geschleudert. Mit einer Blutspur rutschte die Dogge zu Boden und blieb regungslos liegen.

Der Passant taumelte zurück. Das Grauen stand ihm ins Gesicht geschrieben. Dann begann er zu laufen. Tensold holte ihn rasch ein. Ein einziger Schlag genügte, um dem Mittfünfziger das Genick zu brechen.

4

Chase Blood ließ sich vom Lift in die oberen Stockwerke des Empire State Buildings tragen. Dorthin, wo Franz, Fürst von Radvanyi, der Herr der New Yorker Vampire, seine Residenz hatte und sein geheimes Imperium regierte.

Im Vorzimmer wurde Chase gleich weitergeleitet.

Der Fürst erwartete die Nummer zwei unter den Vampiren New Yorks offenbar sehr dringend.

Augenblicke später betrat Chase das Büro.

Der Fürst war über dreihundert Jahre alt und stets wie ein Adeliger des 17.Jahrhunderts gekleidet. Das Haar fiel ihm lang über die Schultern. Unter dem brokatbesetzten Gehrock war ein weißes Rüschenhemd zu sehen. Dazu trug er eine Kniebundhose. Sein Gesicht wirkte totenbleich, die Haut fast wie Pergament. Dieser Eindruck entstand vor allem durch den starken Gebrauch von Puder.

Er saß mit übereinander geschlagenen Beinen auf einem zierlichen antiken Rokoko-Diwan. Davor befanden sich ein kleiner runder Tisch und ein paar Sessel, bei denen es sich offenbar auch um Antiquitäten handelte. Diese Möbelstücke bildeten einen eigenartigen Kontrast zu dem modernen Computer-Equipment, über das der Fürst sein Imperium regierte.

In einem der Sessel hatte eine attraktive, gut gekleidete Frau Platz genommen. Ihr dunkles Kleid wirkte elegant und zeichnete perfekt die Linien ihres Körpers nach. Das Gesicht war feingeschnitten, die Augen wach und intelligent.

Chase verzog unwillkürlich das Gesicht.

Petra Brunstein! Die Vampirin gehörte zu den zahlreichen Beratern des Fürsten. Und sie war Chase' persönliche Feindin. Nur zu gerne hätte sie Chase' Position in der Hierarchie der New Yorker Vampire eingenommen.

Um ihre Mundwinkel spielte ein verächtlicher Zug, als sie den Kopf in Chase' Richtung wandte.

"Ich habe dich schon erwartet", sagte jetzt der Fürst. Er wandte sich an Petra. "Wenn du uns bitte jetzt allein lassen würdest..."

"Ja, Herr", erwiderte sie und erhob sich. Als sie Chase erreichte, blieb sie kurz stehen. Ihre dunklen Augen musterten ihn. "Es hätte eine so schöne Nacht werden können, aber dein Anblick sorgt bei mir immer dafür, dass mir übel wird!"

Chase lächelte dünn.

"Das Phänomen kenne ich..."

Petra rümpfte die Nase. "Was ist das für ein apartes After Shave, das du heute benutzt hast? Das Altöl deiner Harley?"

"Ich dachte, damit treffe ich deinen Geschmack, Petra!"

"So long, du Ahnungsloser. Es wird sich wohl nicht vermeiden lassen, dass wir uns demnächst wieder über den Weg laufen."

"Ich fürchte, da hast du Recht!"

Chase sah ihr nach, bis sie den Raum verließ. "Diese Kratzbürste wird sich wohl nie ändern!", murmelte er dann vor sich hin.

Der Fürst deutete indessen auf die Sessel der kleinen Sitzgruppe. "Setz dich, Chase. Es gibt ein Problem, dass ich dringend mit dir besprechen muss."

"Ja, Herr!"

Chase neigte leicht den Kopf.

Er setzte sich.

Der Fürst hob die Augenbrauen, die unter den Schichten von Puder kaum sichtbar waren. Einen Augenblick lang musterte der Herr des New Yorker Vampir-Imperiums sein Gegenüber. Obgleich kaum jemand etwas davon ahnte, war der Dreihundertjährige die weitaus mächtigste Person im gesamten Big Apple. Allerdings übte er seine Macht vorzugsweise aus dem Hintergrund heraus aus. Sein langer Arm reichte sowohl in die Spitzen führender Wirtschaftsunternehmen als auch in Behörden, Verwaltung und Polizei hinein.

Unter allen Umständen aber war ihm daran gelegen, dass die Menschen nicht erfuhren, wer sie in Wahrheit beherrschte.

"Hast du die Lokalnachrichten gesehen?", fragte der Fürst.

"Nein, Herr, ich..."

"Schon gut, ich habe ohnehin direktere Informationsquellen. Die Computer des New York Police Department zum Beispiel. In der letzten Nacht wurde eine junge Frau in Yorkville umgebracht. Der Täter war ganz offensichtlich ein Vampir, daran kann es überhaupt keinen Zweifel geben. Ein weiterer Toter hängt wahrscheinlich mit diesem Fall zusammen. Man fand ihn nur wenige Meter vom ersten Opfer entfernt. Ihm wurde nicht das Blut ausgesaugt, daher vermute ich, dass er den Täter beobachtete..." Der Fürst atmete tief durch. "Ich möchte, dass du ermittelst, wer dahinter steckt, Chase."

"Ja, Herr."

"Ich hoffe nicht, dass >du> so dumm warst..."

"Nein!", wehrte Chase ab.

"Ich habe nichts dagegen, wenn ein Vampir sich zwischendurch einen Imbiss gönnt! Das ist die natürlichste Sache der Welt - zumindest für uns. Aber dann muss das diskret geschehen! Sonst macht es die Menschen auf uns aufmerksam! Es gibt schon genug dieser lästigen Vampirjäger, die sich für die Erfüllungsgehilfen des Guten halten! Wir müssen ihre Zahl nicht noch durch unser Zutun vergrößern."

"Diese Meinung teile ich, Herr."

"Das hoffe ich", erwiderte Fürst von Radvanyi mit einem Unterton, in dem durchaus etwas Drohendes mitschwang. "Ich erinnere mich sehr ungern an die Schwierigkeiten, die daraus resultierten, dass du die Tochter dieses Polizisten getötet hast..."

"Malloy!", murmelte Chase. Er hob den Blick. "Malloy ist tot. Er liegt bei seiner Tochter auf dem Trinity Cemetery."

"Er möge in Frieden ruhen. Aber diese Geschichte sollte uns allen als warnendes Beispiel dienen. Ein Vampir, der auf offener Straße seinen Durst befriedigt, muss zur Rechenschaft gezogen werden! Er gefährdet uns alle!"

"Ja, Herr."

"Außerdem müssen wir eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen."

Chase ahnte, worauf der Fürst hinauswollte.

"Sie meinen, dass fremde Vampire dafür verantwortlich sein könnten?"

Immer wieder kam es vor, dass sich Vampire unautorisiert im Machtbereich des Fürsten aufhielten. Die meisten von ihnen hatten es bereut. Außerdem versuchten immer wieder die vampirischen Gegner des Fürsten, ihre jeweiligen Gebiete auch auf New York auszudehnen. Umgekehrt war natürlich auch der Fürst bestrebt, seinen Machtbereich stetig auszudehnen.

"Ich denke, du weißt, was zu tun ist, Chase. Ein umfangreiches Dossier aus Polizeiunterlagen steht dir zur Verfügung. Wenn ein Abgesandter unserer Konkurrenz in Chicago dahinter steckt - töte ihn!"

"Ja, Herr. Und wenn es einer unserer eigenen Leute sein sollte?"

"Dann auch. Schließlich kann ich nicht zulassen, dass meine Befehle so sträflich missachtet werden!"

5

Moses Jordan stieg in die dunkle Limousine und setzte sich zu dem Mann mit dem Engelsgesicht auf die Rückbank.

Er war diesmal nicht wie ein Business-Mann gekleidet, sondern trug einen schneeweißen Anzug, der an die Gala- Uniformen der US-Marine erinnerte. Die helle Kleidung ließ sein Gesicht noch etwas blasser erscheinen.

"Fahren Sie los, Nolan!", sagte er an den Chauffeur gewandt.

Jordan atmete tief durch.

"Ich war etwas überrascht, dass du mich jetzt noch sprechen wolltest, Gabriel", sagte Jordan. "Ich meine, um diese Zeit..."

"Es ist genau die richtige Zeit, Mo!"

"Worum geht es denn?"

"Um den Kampf gegen den Vampirismus."

"Und wohin fahren wir?"

"Zum Trinity Cemetery."

"Ich verstehe nicht..."

Gabriel lächelte kalt. "Du wirst bald verstehen, Mo! Ich habe dir gesagt, dass wir einen Schritt weiter gehen müssen in unserem Kampf. Und außerdem gibt es so viele Fragen, die ich dir bisher nie beantworten durfte. Aber in dieser Nacht wird dir vieles klar werden."

Gabriel musterte den bärtigen Prediger einige Augenblicke lang.

Moses Jordan schluckte.

Die Art und Weise, in der dieser weiß gekleidete Mann mit dem Engelsgesicht ihn ansah, verursachte ein Gefühl des Unbehagens. Gabriels Blick war sehr intensiv. Beinahe so, als würde er direkt in die Seele des Predigers zu blicken vermögen.

Gabriel lächelte.

"Hab keine Angst, Mo. Du bist ein Hirte unter ahnungslosen Schafen. Ein Hirte im Auftrag des Herrn. Einer wie du sollte keine Angst haben - und keinen inneren Zweifel, denn der Zweifel ist der Tod des Glaubens."

Jordan musste unwillkürlich schlucken.

Was weißt du bis jetzt über diesen Mann?, ging es ihm durch den Kopf. Gabriel... Wie aus dem Nichts war er nach einer der zahllosen Predigt-Veranstaltungen aufgetaucht und hatte Jordan angesprochen.

Der Prediger erinnerte sich noch genau daran.

Ein Augenblick, den er nicht vergessen würde.

Gabriel hatte davon gesprochen, ihn in seinem Kampf um die Seelen unterstützen zu wollen. Er sei ein Diener Gottes, so hatte er behauptet. Und er hatte ihm gezeigt, wie man die Seelen Toter für kurze Zeit ins Leben zurückholte.

Er besaß ein umfassendes okkultes Wissen und war bereit, es mit Moses Jordan zu teilen. Jordan war der Faszination der neuen Möglichkeiten erlegen, die ihm nun zur Verfügung standen.

"In jedem von uns schlummern ungeheure Kräfte von denen die meisten Menschen nicht den Hauch einer Ahnung besitzen!", hatte er Gabriels Worte noch im Ohr. "Das gilt auch für dich, Mo!"

Bis sie den Trinity Cemetery erreichten, schwiegen sie.

Dort angekommen stiegen sie aus.

Die Limousine fuhr weiter.

Dann betraten sie den Friedhof, gingen die Reihen der Gräber entlang. Die emporragenden Bäume und Sträucher sorgten dafür, dass es hier in der Nacht dunkler war als an den meisten anderen Orten im Big Apple.

Nebelschwaden waren vom nahen Hudson River aufgestiegen, hatten sich wie Tentakelarme eines formlosen Ungeheuers langsam durch die Straßenschluchten gedrängt. Wie Bänke aus grauer Watte standen sie vor den Hecken und zwischen den Gräbern.

Ein Anblick, der Moses Jordan unwillkürlich schaudern ließ.

>Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt wird leben, wenn er auch stürbe>.

Jesus hatte das gesagt.

Die Angst vor dem eigenen Tod war der entscheidende Faktor gewesen, der ihn so sehr an den Glauben gefesselt hatte. Die Aussicht auf Auferstehung des Fleisches, wie es in der Bibel hieß. Aber Orte, die ihn an den Tod gemahnten, mochte Moses Jordan bis heute nicht, so fest er in seinem Glauben auch sein mochte.

Sein Blick ging die Reihe der Gräber entlang.

Namen, Geburts- und Todesdaten.

Plötzlich blieb Gabriel stehen.

"Genau hier muss es geschehen", sagte er dann.

"Wovon sprichst du?"

"Du wirst es gleich sehen. Es ist ein Wunder, Mo! Ein Wunder, dass der Herr vollbringen wird - durch dich!"

Eine leuchtende, wie ein Fluoreszenz-Phänomen wirkende Aura umgab plötzlich Gabriels Körper. Jordan wich unwillkürlich einen Schritt zurück.

Gabriels Gesicht leuchtete auf geheimnisvolle Weise. Er lächelte. Jordan bemerkte die eigenartige Lichterscheinung auf dem Rücken des weiß gekleideten Mannes.

Flügel!, dachte Jordan mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Schauder. Mein Gott...

Er sank auf die Knie, faltete die Hände.

"Ist es wahr, Gabriel? Du bist ein Engel! Ein Gesandter des Herrn?"

"Hast du es nicht immer geahnt, Mo? Schon bei unserem ersten Zusammentreffen?"

"Ja!", flüsterte Jordan voller Inbrunst. Er war überwältigt, zitterte jetzt am ganzen Körper. "Darum hast du mir geholfen bei meiner Mission..."

"Nicht ich!"

"Nein, ich weiß! Die Kraft des Herrn."

"Du bekommst eine neue Mission, Mo!"

"Eine neue Mission? Und was ist mit dem Kampf um die verlorenen Seelen?"

"Nur ein Teil in einer viel größeren Auseinandersetzung! Dem Kampf gegen die Verdammnis!"

"Ja", flüsterte Moses Jordan.

Gabriel trat näher an Jordan heran, legte ihm eine Hand auf den Kopf, so als wollte er ihn segnen.

"Steh auf, Moses Jordan! Deine neue Mission ist der Kampf gegen die Vampire, jene übelsten Diener des Bösen! Sie sind dem Herrn widerlich und du wirst sie vom Antlitz seiner Schöpfung tilgen wie Ungeziefer, das man zertritt!"

"Hallelujah! Amen!", rief Moses Jordan. Langsam erhob er sich.

Gabriel deutete auf eine der Grabparzellen.

"Dies ist ein Ort, an dem besonders starke Energien wirksam sind. Ein Friedhof. Aber nicht irgendeiner! Zwei Opfer der Vampire aus jüngster Zeit liegen hier begraben. Lieutenant Detective Robert Malloy vom New York Police Department! Ein Cop, der vom Dienst suspendiert wurde, weil niemand ihm glauben wollte, in welch schrecklicher Gefahr wir uns alle befinden! Und Madeleine Malloy, seine Tochter. Beide ermordet von Dienern des Imperiums der Finsternis... Malloy kämpfte allein, aber du wirst Verbündete haben, Mo! Du wirst nicht allein sein in deinem Feldzug gegen das Natterngezücht der Finsternis!"

"Du wirst mir helfen, Gabriel?"

Der Mann mit dem leuchtenden Engelsgesicht schüttelte den Kopf. "Nein, das ist nicht möglich..."

"Aber..."

Gabriel hob die Hand und Moses Jordan verstummte. Noch immer hielt er die Hände gefaltet. Ein Moment der Offenbarung!, ging es ihm durch den Kopf.

Ein Augenblick, wie ein berühmterer Namensvetter ihn vor einem brennenden Dornbusch Jahrtausende zuvor erlebt hatte. Jordans Puls schlug ihm bis zum Hals. Jede Faser seines Körpers war angespannt und wie elektrisiert.

"Ich werde dir zeigen, wie du diese Verbündeten im Kampf gegen die Vampire beschwören kannst, Mo!", kündigte Gabriel an. "Du wirst viel Kraft dazu brauchen... Es ist nicht ganz ungefährlich. Bist du dennoch dazu bereit!"

"Ich bin bereit!", flüsterte  Jordan.

"Der Zeitpunkt ist günstig. Wir müssen uns beeilen..."

Eine Bewegung in der Finsternis zwischen den hoch aufragenden Bäumen lenkte Jordan einen Augenblick lang ab.

Da ist etwas!, durchzuckte es ihn.

Er verengte die Augen, ließ suchend den Blick schweifen.

Und dann entdeckte er >es>. Es war beinahe unsichtbar. Nur wenn man genau hinsah, sah man ein über zwei Meter fünfzig großes Monstrum. Es wirkte mit seinen lederhäutigen Flügeln wie die Parodie eines Engels.

Gabriel bemerkte die Verwirrung des Predigers sofort. Ein ärgerlicher Zug erschien in seinem makellosen, glatten Gesicht.

"Ptygia!", stieß er hervor. "Verschwinde! Du siehst doch, wie sehr du dieses brave Kind Gottes verwirrst..."

Jordan stand mit offenem Mund da, starrte das lederhäutige Monstrum an. Ohne Zweifel war dieses Wesen weiblich. Aber es wies auch tierhafte Merkmale auf. Blitzende Raubtierzähne wurden sichtbar. Dann schien Ptygia zu verblassen, war kaum noch sichtbar und verschmolz mehr und mehr mit dem Schatten.

"Was war das?"

"Ptygia gehört zu mir."

"Ah..." Wahrscheinlich hatte sich der Prediger die Geschöpfe des Himmels anders vorgestellt.

Gabriel legte Moses Jordan einen Arm um die Schulter. Eine besitzergreifende Geste.

"Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren... Ich muss diesen Ort verlassen!"

Jordan hob die Augenbrauen.

"Warum?"

"Das kann ich dir jetzt nicht erklären, Mo. Und es hat für dich keine Bedeutung."

"Aber..."

"Vertraust du mir, Mo?"

"Der HERR hat dich gesandt."

"So ist es."

"Warum sollte ich dir also nicht trauen?"

"Du musst mir bedingungslos folgen. In allem, was ich dir sage!"

Jordan schluckte ergriffen. "Ja, das werde ich!", versprach er und dachte: Wahrhaftig! Eine Offenbarung! Was sonst konnte dies alles zu bedeuten haben?

Seine Stimme bekam einen belegten Klang. Er wirkte zutiefst ergriffen.

"Ich bin auserwählt, nicht wahr? Ich habe es immer schon gespürt."

Gabriel nickte.

Wie es scheint, wird es ihm wohl sogar noch Spaß machen, seine schwache, sterbliche Lebenskraft zu vergeuden!, ging es dem Mann in Weiß zynisch durch den Kopf.

"Ich werde dich jetzt in das Geheimnis eines sehr mächtigen Rituals einweihen..."

6

Moses Jordan breitete die Arme aus.

Er war jetzt allein auf dem Friedhof.

Sowohl der engelhafte Gabriel, als auch seine monströse Begleiterin hatten sich davongemacht.

Jordan hoffte, dass er alles richtig machte. Er spürte eine unsichtbare, schwere Last auf seinen Schultern. Ich bin der Auserwählte!, ging ihm durch den Kopf. Auserwählt durch einen leibhaftigen Boten Gottes! Wer konnte das schon von sich sagen?

Und jener Weg des Kampfes gegen die Vampire, den Gabriel ihm vorgeschlagen hatte, war mit Sicherheit erfolgreicher, als die Vampirjagd mit Holzpflock und Armbrust, die so manch einsamer Vampirjäger betrieb.

So wie Robert Malloy, der jetzt einige Fuß unter einem Beet mit frisch gepflanzten Blumen seine letzte Ruhe gefunden hatte.

Moses Jordan atmete tief durch. Seine Lippen murmelten Worte in einer unbekannten, uralten Sprache. Wie in Trance wiederholte er immer wieder dieselbe Folge von Silben, deren genauen Sinn ihm heute niemand mehr hätte übersetzen können.

Vielleicht mit Ausnahme von Gabriel.