Die innere Stimmigkeit - Eva Neuner - E-Book
Beschreibung

Die philosophischen Texte sind subjektive Momentaufnahmen eine inneren Suche. Sie drücken aus, was die Seele als wahr empfand und erheben doch keinerlei Anspruch auf endgültige Wahrheit. Ich hoffe, mit dem Niederschreiben persönlichster Erkenntnisse zur Inspiration und Ermutigung anderer Suchender und Fragender beitragen zu können.

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Seitenzahl:60

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Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte Dateien sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Impressum:

© Verlag Kern GmbH, Ilmenau

© Inhaltliche Rechte beim Autor

1. Auflage, November 2017

Autorin: Eva Neuner

Cover/Layout/Satz: Brigitte Winkler, www.winkler-layout.de

Bildquelle Cover: www.fotolia.com |© Slavko Sereda

Lektorat: Anke Engelmann, www.poesiebuero.de

Sprache: deutsch, broschiert

ISBN: 978-3-95716-259-5

ISBN E-Book: 978-3-95716-277-9

www.verlag-kern.de

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2018

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Nachdruck, Übersetzung, Entnahme von Abbildungen, Wiedergabe auf fotomechanischem oder ähnlichem Wege, Speicherung in DV-Systemen oder auf elektronischen Datenträgern sowie die Bereitstellung der Inhalte im Internet oder anderen Kommunikationsträgern ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Verlags auch bei nur auszugsweiser Verwendung strafbar.

Eva Neuner

Die innere Stimmigkeit

Philosophische Texte

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

Die innere Stimmigkeit

Bei-sich-Sein: eine Anleitung

Die Beobachtung

Die Beobachtung: eine Anleitung

Das Fragen

Beziehungsgebote

Der Friede

Leidenschaft

Übers Wasser gehen

Selbstliebe

Vom Umgang mit der Seele

Grenze und Beziehung

Authentisch sein

Widerstand

Mit der Seele sehen

Nachwort

Vorwort

Die folgenden philosophischen Texte sind von mir zwischen den Jahren 2005 und 2015 geschrieben worden.

Sie sind Ergebnis meines eigenen persönlichen Forschens sowie jahrelanger enger Begegnungen mit Menschen, die bereit waren, ihr innerstes Erleben mit mir zu teilen. Unter ihnen waren es gerade die scheinbar Untherapierbaren, Aufgegebenen, Gescheiterten, die mich am meisten konfrontierten, inspirierten und bereicherten, und deren verzweifelte Suche nach Wahrheit und Authentizität mich unendlich ehrfürchtig werden ließ.

Es war immer mein Anliegen, Menschen im Eigenen zu bestärken, um sich selbst zu finden und zu verstehen.

Es lässt mich staunen, welch fundamentale Veränderung therapeutische Arbeit erlebt, wenn sie auf nachfolgend beschriebenen Grundlagen basiert und welch tiefgreifende Resonanz sie findet.

In Verbundenheit mit allen Suchenden

Eva Neuner

Die innere Stimmigkeit

Es ist mir ein Anliegen, mit diesem Artikel etwas zu beschreiben, das mir immer mehr wie ein Schlüssel meiner eigenen Suche und demzufolge auch meiner psychotherapeutischen Arbeit erscheint: die innere Stimmigkeit.

Es wird der widersinnige Versuch werden, mit zwangsläufig objektivierenden Begrifflichkeiten etwas seinem Wesen nach zutiefst Subjektives zu erfassen, ein Versuch, der aufgrund der Paradoxie des Vorhabens ein Wagnis ist, denn er fordert den Geist heraus, das Wirken scheinbar unvereinbarer Gegensätzlichkeiten in eine strukturierte Textform zu bringen und für potentielle Leser nachvollziehbar zu machen. Ich möchte dennoch dazu einladen, sich im Folgenden mit mir auf dieses Abenteuer einzulassen.

Auf dem Weg zur Subjektivität

Zur eigenen Stimmigkeit zu finden, heißt, zur Authentizität finden, heißt, vollkommen man selbst zu sein und deshalb jedes von außen Auferlegte, Erwartete, Gemachte hinter sich zu lassen. Stimmigkeit verneint jedes objektive Maß, jede Beurteilung, denn sie ist ihrem Wesen nach zutiefst subjektiv, individuell, unteilbar. Das Wissen um die eigene Stimmigkeit kann einen Menschen befähigen, sich gegen den Strom zu stellen, das Eigene auch in schwierigsten Situationen gegenüber anderen zu vertreten, sich nicht normieren und vereinnahmen zu lassen.

Stimmigkeit ist ein inneres Wissen, das größte Kraft verleiht, denn sie gründet auf der eigenen inneren Wahrheit. Sie ist gewusstes Wissen, etwas, das Ahnung, Gefühl, Intuition übersteigt. Stimmigkeit ist nur innengerichtet. Sie bezeugt, was für den Einzelnen wahr ist, sie ist Ausdruck der inneren Wahrhaftigkeit.

Stimmigkeit ist subjektiv und auf dem wahren Ich begründet, aber sie hat nichts mit egoistischem Narzissmus gemein. Die Selbst-Bezogenheit der Stimmigkeit kann sich im Gegenteil erst enthüllen, wenn die auf Abwehrprozessen gegründete, lebenslang angeeignete Persönlichkeitsstruktur erkannt und enthüllt ist. Erst wenn ich mich mit keinen meiner in der Sozialisation gelernten Überzeugungen, Glaubenssätzen, Gefühlen und Gedanken mehr identifiziere, erst wenn ich weiß, dass ich nichts von dem bin, was ich mein Leben lang zu sein glaubte, zeigt sich allmählich der Weg der Enthüllung des Eigenen.

Ein stimmiger Mensch ist für andere erkennbar, er ist präsent in einer Weise, die sich anderen spürbar mitteilt. Er wirkt außerordentlich kraftvoll, denn er ist kongruent mit seinem wahren Selbst.

Die Stimmigkeit, nicht zu stimmen

Dennoch ist Stimmigkeit nicht besser als Nicht-Stimmigkeit. Unser in Dualismen geübter Geist konstruiert natürlich sofort die Bewertung: Ich muss mich jetzt also bemühen, stimmig zu sein, Nicht-Stimmigkeit ist schlecht, wenn ich nicht stimme, habe ich versagt, wie heißen also jetzt die neuen Verhaltensmaßregeln?

Stimmigkeit in diesem Sinne meint nicht das Gegenteil von Nicht-Stimmigkeit, sondern schließt sie vollkommen ein. In einer Situation nicht zu stimmen, kann völlig stimmiger Ausdruck meiner momentanen Verfassung, der schwierigen äußeren Umstände etc. sein. Ich stimme, wenn ich ganz bei mir bin, ohne irgendwo hin oder von irgendwo wegzuwollen, wenn ich mir erlaube, zu sein wie ich bin, in all meiner menschlichen Unvollkommenheit. Die Stimmigkeit ist bei aller Unstimmigkeit immer vorhanden und doch ein stets sich verändernder Prozess des Schälens und Hineinwachsens in sich selbst.

Der Lernprozess

Bei sich zu sein, ist offensichtlich ein höchst schwieriger Lernprozess.

Anscheinend bekommen wir nicht beigebracht, wirklich wir selbst zu sein, lernen wir keine wirkliche Subjektivität, keine Subjekthaftigkeit. Meist wird uns diese sogar regelrecht ab- erzogen. Stattdessen lernen wir, uns selbst und andere als Objekte zu betrachten, die wir mit Zuschreibungen, Erwartungen, Deutungen, Benennungen und vermeintlichen Erklärungen festschreiben.

Der Weg vom Objekt zum Subjekt braucht die Bereitschaft zur Erschütterung, ein Durchschauen der Prozesse von Konzeptualisierung und Begriffsbildung und führt zu einem Zustand jenseits der Festschreibungen. Ein Subjekt schöpft nur aus sich selbst und verankert diesen Schöpfungsprozess in der unbenannten, ungeformten Leere, im Nicht-Wissen, Nicht-Wollen, im Unbekannten. Der Boden des Subjekts ist Mysterium.

Aus diesem Boden heraus füllt ein wahres Subjekt sich nicht mit Objekten, es entspricht nicht Erwartungen, die von anderen Menschen, der Welt, vom Über-Ich oder von einem sogenannten Gott an es herangetragen werden, sondern es erfüllt sich mit sich selbst, mit seiner ursprünglichen Subjektivität. Statt im Außen, im anderen zu suchen, wenden wir uns immer mehr, immer weiter ins eigene Innere, wir suchen Gott in uns statt außerhalb von uns.

Die nicht diskutierbare Wahrheit

Die eigene Stimmigkeit erfüllt mit Wahrheit.

Sie ist die größtmögliche Sicherheit, die wir Menschen erlangen können, denn Subjektivität ist nicht diskutierbar, sie ist ohne Grund, ohne Ursache, ohne Bewertung, sie ist die uns aufgrund unseres Menschseins mitgegebene Fähigkeit, auf die Welt zu reagieren.

Unsere Sinne, unser Körper und unser Geist befähigen uns zu unmittelbaren, ungefilterten inneren Antworten auf alles, was geschieht. Unser subjektives Inneres reagiert in Bruchteilen von Sekunden. Diese antwortenden inneren Reaktionen sind wahr. Sie sind unsere perfekt angelegten, seismographischen Orientierungspunkte, bevor Filterprozesse geschehen. Diesen ursprünglichen Seismographen wieder einzusetzen, ihm zu vertrauen und zu lernen, mit seinen Signalen umzugehen, könnte unsere menschliche Handlungsfähigkeit neu begründen.

Die Einladung zur Stimmigkeit

Zu unserer Stimmigkeit zu finden, braucht eine große Einladung. Diese Einladung wird durch jede Wertung, Erwartung, jedes Wünschen, Wollen und Streben wirkungsvoll verhindert.

Einladend ist der aus dem Inneren kommende tiefe Wunsch nach sich selbst, ein wirkliches Interesse am Eigenen. Das erfordert im Äußeren Raum und Zeit, ein unbedingtes Sich-wichtig-Nehmen und ein Unterbrechen der Alltagsroutine.

Einladend ist eine erwartungslose Frage wie „Was ist los mit mir?“, und die anschließende Bereitschaft, alles, was sich zeigen oder nicht zeigen möchte, unterschiedslos da sein zu lassen.

Der Weg zur inneren Stimmigkeit ist absichtslos. Es gibt kein Besser oder Schlechter, nur ein respektvolles Forschen, eine