Die IONE Evolution - Stephan Lasser - E-Book
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Die IONE Evolution E-Book

Stephan Lasser

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Beschreibung

In einer Zukunft, in der Mensch und Maschine längst miteinander verschmolzen sind, kämpft eine Crew aus Söldnern, Kopfgeldjägern und Suchenden um ihr Überleben zwischen Neonlicht und Schatten. Geralt Bexter, der "augmentierte Pechvogel", zieht das Unglück magisch an – und wird zum Zentrum einer Kette von Katastrophen, die alles infrage stellen: Kontrolle, Glück, Schicksal. Während Technologie und Zufall untrennbar miteinander verwoben sind, geraten Bruce, Yuki und Hayate in einen Strudel aus Verschwörungen, Konzernintrigen und existenziellen Fragen. Was bleibt, wenn alles schiefgeht? Ist Pech nur ein Muster – oder steckt mehr dahinter? Zwischen Action, schwarzem Humor und philosophischer Tiefe erzählt dieser Science-Fiction-Roman von Mut, Zusammenhalt und der Suche nach Sinn in einer Welt, in der selbst künstliche Intelligenzen Trost spenden – und das Unvorhersehbare zum größten Abenteuer wird

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Seitenzahl: 127

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die IONE Evolution

Band 5: Der augmentierte Pechvogel

Science Fiction

Von Stephan Lasser

Jede Ähnlichkeit mit Personen, die gelebt haben, jede Übereinstimmung der Namen, Orte kann bloß auf zufälligem Zusammentreffen beruhen, und der Verfasser lehnt dafür im Namen unveräußerlicher Rechte der Einbildungskraft die Verantwortung ab.

Copyright © 2025 Stephan Lasser

Alle Rechte vorbehalten.

Bild wurde KI-generiert

Vorwort

In einer Zukunft, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine längst verschwommen sind, bleibt eine Frage bestehen: Was macht uns wirklich aus? Ist es die Fähigkeit zu lieben, zu leiden, zu hoffen – oder sind es die Muster, die wir in unserem Leben erkennen, die Zufälle, die uns formen? „Der augmentierte Pechvogel“ nimmt uns mit auf eine Reise durch eine Welt, in der Technologie und Schicksal untrennbar miteinander verwoben sind.

Die Figuren dieses Romans sind Suchende: nach Sinn, nach Zugehörigkeit, nach Kontrolle über das eigene Leben. Sie begegnen künstlichen Intelligenzen, die mehr als nur Werkzeuge sind – sie sind Spiegel, Projektionsflächen, manchmal sogar Trostspender in einer kalten, rationalen Welt. Doch die KI bleibt letztlich ein Algorithmus, eine Simulation von Nähe, die nie ganz echt sein kann. Und dennoch: Die Sehnsucht nach Verbindung, nach einem Gegenüber, das uns versteht, bleibt bestehen – selbst wenn dieses Gegenüber aus Daten und Wahrscheinlichkeiten besteht.

Das Pech, das Geralt Bexter verfolgt, ist mehr als nur eine Laune des Zufalls. Es ist ein Symbol für die Unberechenbarkeit des Lebens, für die Momente, in denen alles schiefgeht, obwohl wir alles richtig machen wollen. Es erinnert uns daran, dass Kontrolle eine Illusion ist – und dass manchmal gerade das Unvorhersehbare den Weg zu neuen Erkenntnissen öffnet.

Am Anfang gibt es einen Perspektivwechsel – das ist dem Umstand geschuldet, um der ersten Figur mehr Raum zu geben.

Tauchen Sie ein in diese Welt voller Neonlicht und Schatten, voller Fehler und Möglichkeiten. Lassen Sie sich mitreißen von einer Geschichte, die zeigt: Am Ende zählt nicht, ob das Glück auf unserer Seite ist – sondern, dass wir den Mut haben, weiterzugehen.

Viel Vergnügen.

Inhalt

Vorwort

Inhalt

1. Die Verschwörung

2. Spin me right - Spin me round

3. Von Läusen, Splittern und Helix

4. Agonie und tiefer Schmerz

5. Schwere Zeiten und viel Fisch

6. Der große Abschied

7. Der Mann, der es wusste

1. Die Verschwörung

29. Juli 2658, 9.40 Uhr – Transitkorridor Kappa, Wohnkomplex 34/23:

Vladimir Phoenix hatte Visionen. Als Jugendlicher hatte er Lügen erfunden, um sich interessant zu machen. Mit einer Vorliebe für selbstgebrannten Schnaps und einer noch stärkeren Vorliebe für Verschwörungstheorien hatte er sich als junger Mann verrannt und sich in einer Welt wiedergefunden, die aus Echsenmenschen, Ufos und Geheimdienstaktivitäten bestand. Das kleinste Anzeichen von Ungereimtheiten in seinem Leben löste eine Paranoia aus, die ihn schier um den Verstand brachte und ihm das Gefühl gab, als Einziger ein riesiges Netz aus Verschwörungen aufdecken zu können. Er hatte einer jüdischen Gemeinde in der Diego-Station nachgestellt, um eine Verbindung zur berüchtigten Rothzion-Sekte aufzuzeigen und sich einen Berg von Klagen eingehandelt. Eine bekannte Verschwörungstheorie, die sich seit Jahrzehnten hartnäckig hält, ist die Behauptung, der Mond wäre hohl und böte Platz Dinosaurier zu züchten. Dinosaurier, die eines Tages auf die Erde kämen um am größten All-you-can-eat-Büfett teilzunehmen. Mit seinen Briefen an die NSA hatte er sich keinen Gefallen getan. Als er schließlich glaubte, dass in dem Trinkwasser ein kaum nachzuweisendes Mittel enthalten ist, dass den größten Teil der männlichen Bevölkerung homosexuell werden lassen sollte, griffen seine Eltern zum Telefon und verständigten den Notarzt.

Die Heilanstalt auf Helios war sauber, effizient – und falsch. Die Medikamente dämpften nicht die Gedanken, sie entkoppelten sie. Was übrig blieb, war ein Geist ohne Filter. Ohne Zweifel. Spätere Untersuchungen durch den FSB und dem Geheimdienst von Kappa sollten belegen, dass er sechs Wochen falsche Medikamente bekam – vielleicht im Rahmen einer unerlaubten Studie, eines simplen Computerfehlers oder …höhere Mächte…

Vladimir begann, sich zu radikalisieren.

Zuerst waren es die Konzerne. Ihre Logos, ihre Strukturen, ihre unnatürliche Beständigkeit. Dann Gesichter. Augen, die zu lange starrten. Haut, die im falschen Licht anders wirkte. Bewegungen, die nicht ganz menschlich erschienen.

Die Erklärung kam leise, aber sie blieb.

Echsenmenschen.

Nicht metaphorisch. Nicht symbolisch. Real. Alt. Infiltrierend. Sie saßen in den Vorstandsetagen, kontrollierten Lieferketten, Medien, Narrative. Sie trugen menschliche Körper wie Kleidung. Sie höhlten die Gesellschaft aus, übernahmen alles langsam, schleichend, und sie wollten alles. Und irgendwann erkannte Vladimir: Man konnte sie sehen.

Nicht jeder konnte das. Aber er konnte es.

Mit dem Geld seiner Erbschaft ließ er sich in schmierigen Unterwelt-Werkstätten außerhalb legaler Norm augmentieren, tauschte Muskeln gegen Myomer-Faserbündel aus und drängte die Ärzte durch Gewalt oder falschen Versprechungen ihn dauerhaft an ein Exoskelett zu binden: Titan- oder Verbundstrukturen entlang von Wirbelsäule und langen Knochen. Seine Wahrnehmung wurde schärfer, schneller – und endgültig unversöhnlich. Subdermale Panzerung, Selbstversiegelnde Gefäße, Thermoregulationskontrolle und ein lasergesteuertes Geschütz statt des linken Arms: Nicht rohe Gewalt macht ihn zur Kampfmaschine, sondern die Verschmelzung aus Technik und Wahn.

Er wurde zum „Cyber-Psycho“, der scheinbar wahllos angriff, sich gegen Polizei und Armee behauptete und acht Monate im Transitkorridor Kappa wie ein Hurrikan schrecklich wütete. Er wusste nicht, dass man ihn heute bereits erwartete. Nicht mit Waffen. Nicht mit Gewalt.

Sondern mit einer List.

Am Morgen des 29. Julis klingelte das Pod neben der Matratze laut und schrill, und er schreckte hoch, als hätte ihn jemand an den Nerven gezogen.

Der Schlaf riss nicht sanft ab. Er zerplatzte. Ein Reflex, ausgelöst durch das harte, synthetische Klingeln seines Pods, das durch den Raum schnitt wie ein chirurgisches Instrument. Für einen Moment wusste er nicht, wo er war. Dann roch er es wieder: Feuchtigkeit, Schimmel, kaltes Metall. Die leerstehende Wohnung hatte er vor Tagen gefunden und sich eingerichtet, war nur nachts rausgegangen um Besorgungen zu machen und hatte immer darauf geachtet, dass ihm niemand folgte. Vladimir lebte in dem schmerzlichen Bewusstsein, dass er auf ewig von etwas verfolgt würde, dass ihn abmurksen wollte. Auch war er sicher, dass die NSA sein Telefon abhörte und dass die Dinosaurier vom Mond seine Wohnung heimlich ausspionierten.

Die Implantate fuhren hoch, einer nach dem anderen. Puls stabil. Umgebung erfasst. Keine unmittelbare Bedrohung. Trotzdem blieb seine Hand einen Augenblick zu lange geschlossen, als müsste sie etwas festhalten, das nicht mehr da war.

Das Pod klingelte erneut und er hob es hoch. „Mein Name ist Elena“, antwortete eine Frauenstimme. Klar, kontrolliert, ohne jedes Zögern. „Ich bin die persönliche Sekretärin von Abraham Krauss.“

Der Name wirkte sofort. Nicht wie ein Schock, eher wie ein kalter Druck im Hinterkopf. Krauss. Konzernleiter. Medienmogul. Patriotischer Visionär, wenn man den eigenen Kanälen glaubte. Rechtsradikal, wenn man genauer hinsah. Ein Mann, der Macht nicht erklärte, sondern beanspruchte.

„Mein Arbeitgeber“, fuhr sie fort, „verfolgt Ihre Aktivitäten mit großem Interesse, Vladimir Phoenix. Ich stelle Sie durch.“

Er setzte sich auf. Die Matratze ächzte leise. An der Wand flackerte ein altes Display, zeigte sein Spiegelbild fragmentiert: blasse Haut, zu scharfe Augen, feine Linien aus Metall an Schläfen und Hals.

„Ich arbeite nicht für Konzerne“, begann er doch da war er schon durchgestellt worden.

„Krauss hier.“ Es war eine ruhige, tiefe Stimme, die zu lächeln schien. „Sie, Mister Phoenix, sind das was man einen Jackpot nennt, yes Sir! Welch eine Freude Sie zu sprechen. Ich spreche nicht im Namen meiner Firma, sondern im Namen unseres Bundes. Wir sind der Ansicht, dass Sie Dinge erkennen, die andere nicht sehen können. Dass Sie bereit sind, zu handeln, wo andere wegsehen.“

Ein schwaches Lächeln zog über Vladimirs Gesicht. Kein Humor. Bestätigung.

„Als Konzernleiter habe ich Zugriffe auf Akten des FSB, CIA und sogar der Städtischen Behörde von Kappa. Sie hatten die ganze Zeit recht – aber mir sitzen die Auktionäre im Nacken und meine Agenten haben nicht die Schärfe, die Sie haben, Mister Phoenix. Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. Meine Freunde und ich wollen Sie unterstützen. Es gibt noch andere wie Sie.“

Vladimir schwieg. Seine Sensorik lief bereits heiß. Muster. Verbindungen. Krauss war kein Echsenmensch – zu laut, zu ideologisch, zu menschlich in seinem Hass. „Warum meldet ihr euch jetzt?“

Das Pod summte leise. Draußen erklang irgendwo eine Sirene. Vladimir sah auf seine rechte Hand, auf die feinen Schnittstellen unter der Haut, die ihn von dem unterschieden, was er jagte. Auf seine Waffe, die seine gesamte linke Hand ersetzte. Langsam stand er auf und sah hinter die Jalousie zur Straße herunter.

„Jetzt in diesem Augenblick fahren drei SUVs der Weltregierung die Avenue herunter um sie zu schnappen. Die Info wurde mir gerade von einem Gleichgesinnten in der Behörde gesteckt. Und diesmal werden Sie ihnen nicht entkommen. Ich spreche von Syntheten, Mister Phoenix, knallharten Agenten, die sie schneller einkreisen…“

„DIE mache ICH fertig!“

„Unsere Zeit wird kommen – das versichere ich Ihnen. Ich stelle Ihnen ein besonderes Gefährt zur Verfügung. Wenn Sie es sehen, werden Sie verstehen. JETZT“, fuhr die Stimme fort, „müssen Sie gehen. Treppenhaus durch bis zur Feuertreppe Südseite!“

Vladimir stand auf. Der Raum schwankte kurz, bis die Stabilisatoren griffen. Seine nackten Füße berührten den kalten Boden. An der Decke zog sich ein dunkler Wasserfleck entlang wie ein Auge, das ihn beobachtete.

Das war neu. Normalerweise sprach niemand so lange mit ihm, ohne zu versuchen, ihn zu lenken. Oder zu stoppen. Er öffnete die Tür. Der Flur roch nach altem Putz und Urin. Irgendwo lief ein Ventilator, schleifend, wie ein Atemzug, der zu lange anhielt.

„Links“, sagte die Stimme. „Am Treppenhaus vorbei. Da gibt es eine Servicetür. Nicht kämpfen – das ist jetzt wichtig, sonst wissen sie wo Sie sind.“

Vladimir folgte der Stimme. Nicht, weil er ihr vertraute – Vertrauen war ein Luxus –, sondern weil sie bestätigte, was er bereits wusste: dass er hier nicht bleiben durfte.

Im Treppenhaus hielt er kurz inne. Sein Blick glitt nach oben, dann nach unten. Schatten. Bewegungen, die sich zurückzogen, sobald er sie fixierte. Und dann sah er ihn: einen großen Mann im Trenchcoat mit Sonnenbrille. Ein Agent? Die Daten waren nicht klar…

„Da ist einer“, sagte er.

„Stimmt“, erwiderte Krauss. „Aber ich kann sie aufhalten, wenn auch nur für kurz.“

Phoenix sah wieder um die Ecke, doch der Mann drehte sich gerade weg als würde er lauschen. Die Gestalt war groß, breitschultrig, trug einen langen Mantel, der bei jeder Bewegung leicht flatterte. Sein Kopf war gesenkt, die Augen hinter dunklen Gläsern verborgen. Jedes Mal, wenn er die Hand hob, schien es mehr ein Befehl als eine Geste zu sein. Seine Präsenz war autoritär, stumm, durchdringend. „Bestätige Zentrale“, seine Stimme hatte einen metallischen Nachhall, als wäre sie durch ein internes Kommunikationsmodul verstärkt, „wiederhole: Zielobjekt auf der Hauptstraße gesichtet. Setzte Suche fort. An alle Agenten: Subjekt Phoenix ist nicht hier!“

Vladimir wartete, bis der Agent die Treppe heruntereilte. Dann lief er weiter.

Er stieß die Servicetür auf. Kalte Nachtluft schlug ihm entgegen. Der Hof lag offen vor ihm: Beton, Müllcontainer, ein verrostetes Gittertor. Feuchtigkeit glänzte auf dem Boden wie Öl.

„Gehen Sie jetzt“, sagte Krauss. „Nicht rennen. Noch nicht.“

Vladimir trat hinaus. Jeder Schritt war bewusst gesetzt. Seine Muskeln standen unter Spannung, bereit, aber ungenutzt. Das war wichtig. Kontrolle war alles. „Wir werden die Verschwörung für alles bezahlen lassen, was sie uns jahrelang angetan haben! Wir werden sie jagen – und Sie werden unsere Galionsfigur sein, Mister Phoenix. Ab jetzt wird es besser! Den Sturm erträgt man am besten in einer Gruppe, nicht wahr?“

„Richtig.“ Er spürte die Spannung in der Luft. Die Agenten waren nicht hier, um zu reden. Sie waren hier, um zu kontrollieren. Und Vladimir wusste: Mit jedem Schritt, den er tat, war er ein Teil ihres Schachbretts. „Am Ende des Hofs“, sagte Krauss. „Das Tor. Es ist nicht verriegelt.“

Vladimir empfand es nicht als Bedrohung, sondern als Bestätigung: Dass er wichtig war. Dass man ihn brauchte.

Vor ihm stand ein SUV, massiv, mit abgedunkelten Scheiben, die das Innenleben wie ein Geheimnis verbargen. Der Lack glänzte matt im trüben Licht der Straßenlaterne, als hätte man ihn gerade frisch imprägniert, um jegliche Reflexion zu verhindern. Kein Emblem, keine Schriftzüge – nur klare, bedrohliche Präsenz.

„Wir haben es geschafft. Steigen Sie hinten ein, bitte.“ Hinter dem Lenkrad saß eine Frau mit Schirmmütze. Ihre Hände lagen ruhig auf dem Lenkrad, Finger leicht gekrümmt, als hielte sie die Situation selbst in Schach. „Das ist Ihre Chauffeurin“, erklärte Krauss gemütlich. „Sie wird Ihnen alles besorgen was Sie brauchen. Töten Sie sie nicht – gute Mitarbeiter sind selten.“

„Natürlich nicht.“ Schnell griff er zur Autotür, riss sie auf und ließ sich auf den weichen Sitz nieder. Der Geruch eines Neuwagens hing in der Luft und… Kaffee. Der Präsentkorb lockte mit Sandwiches, Snacks und einer Thermoskanne. Aus Gewohnheit scannte er die Dinge und fand, dass es gut war. Schnell schraubte er den Verschluss ab, trank gierig und mampfte die Brote.

Die Frau wandte den Kopf: „Losfahren, Sir?“

„´türlich, Süße“, grollte Phoenix leise und genoss das gute Mahl in vollen Zügen. Der Wagen rollte los, fuhr die Straße entlang. Polizei und Agenten waren nicht zu sehen. Er atmete tief durch.

„Zufrieden, Mister Phoenix?“

„Yepp.“ Phoenix rülpste leise. Zufrieden nahm er einen tiefen Schluck Kaffee. „Ich hätte da ein paar Ideen, Krauss. Die Verschwörung wird gedeckt von einigen einflussreichen…“ Plötzlich spürte er, wie sich eine unerwartete Schwere in seinen Gliedern ausbreitete. Zuerst war es nur ein leichter Druck in den Augenlidern, ein Flimmern am Rand seiner Wahrnehmung. Dann wuchs es: die Muskeln weigerten sich, so schnell zu reagieren, wie sein Verstand es befahl, und selbst die Reflexe, sonst scharf wie Klingen, fühlten sich verzögert an. „…Moment, was-“

Er wollte sich dagegen wehren, wollte die Kontrolle erzwingen, aber die Müdigkeit kroch tiefer. Ein merkwürdiger Nebeneffekt seiner Implantate? Oder einfach die Summe der letzten Wochen, der Nächte ohne Schlaf, der ständigen Anspannung?

„Probleme, Mister Phoenix?“

Aber die Müdigkeit ließ sich nicht abschütteln. Sie war wie ein unsichtbarer Strom, der durch seine Nervenbahnen sickerte und jeden Impuls verlangsamte.

„Wir sind bald da, Sir.“

Er wusste, dass er wach bleiben musste. Jeder Moment der Schwäche konnte ein Fehler sein. Ein Schritt zu weit. Ein Herzschlag zu langsam. Doch während er sich auf die Analyse der Situation konzentrierte, spürte er, wie seine Augenlider schwerer wurden. Ein unwillkürliches Blinzeln, ein kleines Zittern der Hände.

Dann… gab er nach.

Die Dienststelle der Polizei von Kappa war klein, funktional, geprägt von grauen Betonwänden und dem dauernden Summen der Neonbeleuchtung. Nichts, was man hier sah, ließ auf den heutigen Überraschungsgast schließen.

Dann fuhr der SUV vor. Der Wagen rollte leise über den Hof, präzise eingeparkt, ohne den geringsten Kratzer am Randstein zu hinterlassen. Die Beamten traten aus den Büros und aus der kleinen Eingangshalle, als hätte man sie in ein Szenario katapultiert, das sie nicht erwartet hatten.

Yuki stieg aus, eine Spur von Selbstsicherheit in jedem ihrer Schritte, und öffnete die hintere Tür. Dort saß Vladimir – ruhig, kontrolliert, schlafend. „Ich hab was für euch!“

Die Polizisten starrten. Einer von ihnen hob schließlich die Augenbraue und trat vor. „Wie… um alles in der Welt…“

Yuki nickte. „Seit acht Monaten flüchtig. Und neunzehntausend DAHL wert!“

Die Beamten tauschten ungläubige Blicke. Einer murmelte etwas von „unglaublich“ und „so ruhig…“. Ein anderer begann sofort, seinen Notizblock zu füllen.

„Er ist unser Gefangener“, wiederholte Yuki. „Und wir haben ihn unversehrt gebracht. Und jetzt wäre ich froh, wenn sie ihn aus meinem Wagen holen!“

Es war schlichtweg spektakulär.