Die Jägerin - A. Elfe D. - E-Book

Die Jägerin E-Book

A. Elfe D.

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Beschreibung

Die Schattenelfen, in der alten Sprache Scatoelfen genannt, wurden vor zwei Jahrtausenden, nach den großen Elfenkriegen in das Tal der Vergessenen verbannt, welches durch den großen magischen Wall von der Außenwelt abgetrennt ist. Damentorion sir Lostraan, der große Lord, hat dort eine hierarchische Gesellschaft aufgebaut, damit sie sich von den Wirren des Krieges weitgehend erholen konnte. Den Alltag der herrschenden Häuser prägen jedoch Kämpfe, Morde und Intrigen, auch wenn sie das Leben an sich durchaus verehren. Der große Leitsatz nachdem sie leben ist: „Gefahren prägen den Geist!“ Nun plant der Lord mit seinem Volk einen Ausbruch, um sich an den Lichtelfen und den anderen Rassen Krigirs zu rächen und schickt Kirana al Taraan aus, um ein bestimmtes Kleinod zur Befreiung zu finden. Begleite Kirana auf ihrer Reise durch die fantastische Welt Krigir voller Gefahren, Kämpfen, Abenteuern und Leidenschaft. Erlebe mit ihr Momente mit wahren Freunden, Liebe, aber auch Schmerzen und Verlust. Ausgebildet zur gnadenlosen Kämpferin trotzt sie Foltern und Verletzungen und lernt dabei dennoch ihr Gewissen und Güte kennen. Ein Buch für jeden der Kampfkunst, Magie und Fantasy genießen möchte.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum:

Neuauflage 2023

Copyright: „Anita E. Dobes“

 

Covergestaltung, Buchsatz:

Stones, Books and Pictures Scatoelfen – Anita E. Dobes

Hauptstraße 14, A – 4802 Ebensee

 

Bilder und Illustrationen:

Anja C. Dobes und Anita E. Dobes

 

Herausgeber, Korrektorat und Lektorat, Texte:

Anita E. Dobes

Hauptstraße 14, A – 4802 Ebensee

 

 

ISBN: 9783757967314

 

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Herausgeberin und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Widerrechtliches Handeln wird rechtlich verfolgt.

 

 

Die

Jägerin

 

Scato Elfen Saga 1

 

von

A. Elfe D.

 

 

 

 

 

 

 

 

Danksagung

Vorweg danke an meine liebe Freundin Dagmar, die mich auf vielen Wegen zur Schaffung dieses Werkes begleitet, unterstützt und motiviert hat.

 

Auch danke an Anna, meine Wortelfenschwester, die mich inspiriert, liebevoll getreten und in Coworking vorangebracht hat, dieses Werk neu in Eigenregie zu verlegen, um endlich einen Weg für Band 2 frei zu machen.

 

***

 

Außerdem möchte ich der LETZTEN INSTANZ und CHRIS „THE LORD HARMS”, mit seiner Band LORD OF THE LOST, danken. Die LETZTE INSTANZ hat meine Gedanken vorangetrieben, und mich wieder an diese bereits vor langer Zeit begonnene Geschichte erinnert. Außerdem habe ich durch sie LORD OF THE LOST kennengelernt.

 

LORD OF THE LOST, eure Musik und deine Stimme, Chris, hat mich während der ganzen Zeit des Schreibens begleitet und inspiriert, meine Stimmungen und Gefühle dazu unterstrichen und mich vorangetrieben. Ihr seid großartig und ich freue mich über jedes weitere Konzert von euch, das ich besuchen kann. Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg auf eurem weiteren Weg! Auf das es so bleiben möge!

 

 

A. Elfe D.

Vorwort

 

 

Um allen Spekulationen von vornherein entgegenzuwirken, möchte ich hier sagen, dass alle Personen in diesem Buch frei meinen Gedanken entsprungen sind und sich bereits seit vielen Jahren in meinem Kopf entwickeln. Im Speziellen die Hauptper- sonen Kirana und Torian geistern schon seit meiner Schulzeit in der heutigen Fassung in meinen Gedanken herum und haben nun einen Weg in diese Welt gefunden. Ausschließlich Hadra und Odron gab es auch in Wirklichkeit unter einem anderen Namen.

Meine beiden geliebten Belgischen Schäferhunde, Groenen- daels, haben mich sehr viel über das Verhalten von Hunden und weiters auch von Wölfen gelehrt, sodass sie einfach nicht fehlen durften.

 

***

 

Infos, Kurzgeschichten und vieles mehr rund um die Welt Krigir, aber auch zu mir selbst sind auf meinen Social Media Accounts (Instagram, Facebook, X ... unter Scatoelfen) und auf meiner Website, www.stonesbooksandpictures.com zu finden.

 

***

 

Ps.: In Gedenken an meinen lieben im April 2018 verstorbenen Groenendael-Rüden Odin. Ich werde dich nie vergessen.

 

Pss.: RIP Juni 2020 meine geliebte Groenendael-Hündin Hagyja. Auch du wirst ewig in meinem Herzen sein.

 

Psss.: Herzlich Willkommen Wodan. Seit März 2022 stiehlst du unsere Herzen täglich aufs Neue und führst die Groenendael-Linie bei uns weiter. Auf ein langes gemeinsames Leben neben deinem Katzenfreund Loki in unserer kleinen Familie.

Inhaltsverzeichnis

 

 

Prolog4

Die Erhebung9

Der Wächter34

Freunde und Familie61

Verwandlungen87

Entscheidungen108

Zwistigkeiten127

Auf dem Weg145

Erkenntnisse165

Erkundungen187

Auf der Flucht199

Gegen die Zeit217

Vorbereitungen241

Vormarsch258

Kampfgeschrei274

Hin und her gerissen288

Verschleppt299

Epilog312

Glossar 317

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild von: Anja C. Dobes

Prolog

 

Die Schattenelfengesellschaft wurde, neben dem Lord, von den mächtigsten Familien und deren Häusern regiert und Zirok, in- klusive der Mitglieder seines Hauses, waren dem Schattenlord schon immer treu ergeben gewesen. Zirok wusste, Kirana al Taraan aus dem Hause der Oberin Santora al Taraanir, das ebenfalls durch seine Ergebenheit glänzte, war nur durch Zwang zu bändigen, was sie oft genug bewiesen hatte. Beide dienten bei den Jägern, welche dem Schattenlord unterstanden und somit auch der Magierfeste, die hoch und düster mit ihren scharf gezackten Türmen in der Mitte Zirakaraans, der Hauptstadt der Schattenelfen, auf einem kleinen Hügel thronte. Nur den jeweiligen Häusern, denen die Jäger angehörten, war es erlaubt ihre Dienste ebenfalls zu nutzen. So kam es immer wieder vor, dass die Jäger sich in den Kriegen zwischen den Städten gegenseitig bekämpften und töteten. Deshalb war jeder bemüht keine engen Freundschaften mit anderen zu knüpfen, um nicht eines Tages gegen den besten Freund kämpfen zu müssen.

Die Jäger waren Einzelgänger. Einzelkämpfer, perfekte Waffen. Schon alleine darum wurden sie von ihren Häusern gerne benutzt, um hinterrücks Morde zu begehen, wenn jemand im Weg stand. Manche machten es freiwillig und mit Ehrgeiz für ihre Häuser, andere wiederum wurden gezwungen durch Druckmittel, oder auch durch Folterungen. Obwohl sie ausgebildet waren, eben solchen standzuhalten, lieferte sich selbstverständlich keiner freiwillig als Versuchskaninchen aus. Hatten doch die einzelnen Häuser alle ihre eigenen, gut gehüteten, bösartigen Methoden, um Schmerzen zuzufügen und meist irgendwelche kranken Geister im Hintergrund, die sich immer schlimmere Foltermethoden ausdachten und ausschließlich dafür im Dienst standen.

Gegen das eigene Haus vorzugehen bedeutete so viel wie ein ungeschriebenes Todesurteil, da den Oberhäuptern der Häuser alles zugebilligt wurde. Egal wie sie mit ihren Mitgliedern umgin- gen. Oft genug kam es vor, dass jemand verschwand, ohne jemals wiedergesehen zu werden. Es gab auch manche die ihr Haus mit Geduld, Nachsichtigkeit und Freundlichkeit führten. Diese wurden herablassend als Nachkömmlinge der gehassten Lichtelfen be- lächelt, denn speziell die führenden Häuser regierten mit Härte und Gewalt.

Der Schattenlord billigte all diese Vorgehensweisen. Wie sagte er so schön: “Dadurch trennt sich die Spreu vom Weizen und nur die Besten, die DER SACHE am Besten dienen können, bleiben über.” Sein Leitsatz lautete: „Gefahren prägen den Geist!“

Jeder in der Gesellschaft der Schattenelfen wurde von Kindes- beinen an zum Kämpfen ausgebildet. Es lag in ihrer Natur. Schon früher vor dem Bruch mit den Lichtelfen, waren sie die Krieger- kaste aller Elfen gewesen. Nun hatte Damentorion sir Lostraan, der Schattenlord, vor sich diese Fähigkeiten zunutze zu machen. Schließlich beabsichtigte er, irgendwann mit seinem Volk aus der Verbannung auszubrechen, um sich an den Lichtelfen und den anderen Völkern zu rächen. Also förderte er jegliches, das die Scatoelfen härter, schneller, besser, mächtiger machte. All dies hatte jedoch dazu geführt, dass die Häuser, in Ermangelung an anderen Gegnern, immer wieder gegeneinander vorgingen. Mit Ausnahme einiger niedriger Rassen, die spannenderweise von der Magie des Walls unbehelligt blieben, wie Orks, Schneeriesen, Trolle und derartigen Kreaturen verirrte sich niemand in das Tal der Vergessenen. Also mordeten sie untereinander und führten gegeneinander Krieg, um mehr Macht in der Gesellschaft zu erlangen.

Die fünf Städte, die sich, während der letzten zwei Jahrtausende gebildet hatten, wurden jeweils von den mächtigsten Familien ge- führt. Nur der Lord mit der Magierfeste im Rücken stand über ihnen. Die seltenen Treffen der großen Häuser, in denen Ad- ministratives besprochen wurde, waren immer eine große Heraus- forderung, da neue Allianzen geschmiedet, aber auch geheime Fehden ausgetragen wurden. Wochenlange Vorbereitungen gingen diesen voran, in denen alles geplant und durchdacht wurde, um die besten Ergebnisse für die jeweiligen Familien erlangen zu können.

Damentorion sah billigend zu. Es war ihm egal, wer an den Machtsträngen zog, Hauptsache er wurde als Oberster anerkannt. Sämtliche Intrigen gegen ihn wurden sofort im Keim erstickt und hart bestraft. All diese Machenschaften sollten die besten Krieger hervorbringen und eines Tages seinen Plänen dienen, die Außen- weltelfen zu vernichten.

Obwohl der Schattenlord einer der ältesten Schattenelfen und – wie hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wurde – für die Ver- bannung verantwortlich war, akzeptierten ihn die Gesellschaften aller Städte als Lord über das Tal und die Magierfeste. Er war ein fantastischer Kämpfer und Magier und es gab wohl keinen besseren Elfen, was die Kriegskunst betraf. Damentorion hatte ein charismatisches Auftreten, ein äußerst gutes, nach wie vor jugendliches Aussehen mit scharf geschnitten Gesichtszügen und führte sein Volk als einerseits gütiger und gleichzeitig grausamer Herrscher. Solange alles nach seinem Willen ging, war er zuvor- kommend und teilte Lob aus. Aber er war auch unbeherrscht, jähzornig und grausam, wenn es ihm beliebte. Von einer Sekunde auf die andere konnte es geschehen, dass er jemanden zum Ober- haupt eines Hauses ernannte, um ihm im nächsten Augenblick nur mit seinen Geisteskräften das Herz zu zerquetschen, weil ihn plötz- lich das Gefühl überkam, demjenigen doch nicht vertrauen zu können.

 

***

 

Santora die Oberin von Kiranas Haus, hatte immer wieder versucht sich ihre Nichte durch die verschiedensten, sehr einfallsreichen Folterungen gefügig zu machen, hatte damit aber nie Erfolge erzielen können. Nur durch ein Druckmittel befolgte die Kriegerin ihre Anweisungen. Das Oberhaupt hatte sehr früh herausgefunden, dass es die Kriegerin durch ihren Zwillings- bruder lenken konnte.

Bereits als Kinder hatte sich das sturköpfige Mädchen immer wieder für ihre zweite Hälfte eingesetzt. Seine Fehltritte als die ihren bezeichnet und somit alle Strafen auf sich gezogen. Kirana liebte den zartbesaiteten Sorion, der sich immer für das Gute einzusetzen versuchte und der den weißen Teil ihres eigenen schwarzen Herzens verkörperte. So hatte sie früh beschlossen, alles Leid und sämtliche Grausamkeiten von ihm fernzuhalten, um sein Wesen zu erhalten. Sie hatte getötet, Folterungen durchgestanden, Erniedrigungen ausgehalten, nur um ihn zu schützen und zu gewährleisten, dass er seine Ausbildung zum Erzmagier machen und somit alles Wissen in der Magierfeste erlangen konnte, das er wollte. Er sollte niemals für die Machenschaften des Hauses ein- gesetzt werden, solange er sich nicht selbst dafür entschied. So war die ausgehandelte Abmachung zwischen ihr und Santora, als diese das Haus übernommen hatte.

Sorion war so wie seine Zwillingsschwester ein sehr gelehriger, begabter Schüler und würde mit Sicherheit eines Tages einer der besten Erzmagier sein. Durch sein ruhiges, gütiges, freundliches Wesen sorgte er immer wieder für ihr Seelenheil und gab ihr Kraft weiterzumachen, und das Wissen nicht nur als Waffe gebraucht zu werden, während sie ihre Ausbildung zur Jägerin absolvierte und für ihre Tante Aufträge erledigte.

Kiranas Meister Frontor sir Murgot, Oberkommandant der Jäger, hatte ihr vor Jahren einmal gesagt, dass Zirok niemals zögern würde zu töten, egal ob Freund oder Feind, und er hatte sie gefragt, ob sie das auch könne. Sie hatte ihm keine Antwort gegeben. Beide wussten, dass sie solchen Konfrontationen, wenn möglich aus dem Weg ging. Dieser Schattenelf war allerdings keineswegs ein Freund. Sie hatte ihm gegenüber keine positiven Gefühle, eigentlich fühlte sie gar nichts. Er war ihr so egal wie ein Stein, der auf der Seite eines Weges lag und doch wusste sie, dass sie seinen Tod nicht würde vergessen können. Die Gewissensbisse kamen immer erst im Anschluss. Während der Kämpfe genoss Kirana das erregende Gefühl, wenn das Adrenalin durch ihre Adern schoss und ihr Blick sich schärfte, sie jedes Geräusch wahrnahm, sie ihre Bewegungen perfekt kontrollierte und die ihrer Gegner voraussah.

Sie war für die Ausbildung in der Jägerschule aufgrund ihrer bereits früh erkennbaren körperlichen Fähigkeiten ausgewählt worden, und alles, was sie hier gelernt hatte, war darauf aus- gerichtet, das Geschäft des Todes zu erfüllen. Aber auch wenn sie es nicht mochte Leben zu nehmen, war es doch das Einzige, wofür sie ausgebildet worden war. Es blieb ihr in dieser Gesellschaft keine andere Wahl. Sie hatte gelernt, jegliche Gefühlsregung gar nicht erst aufkommen zu lassen. Sie gehörte zu den Jägern, der Elite der Schattenkrieger. So hatte sie sich zu verhalten und so wurde sie dementsprechend mit Respekt behandelt.

 

 

Die Erhebung

 

Der wilde Angriff ihres Gegners prellte ihr das Schwert aus der Hand, welches in drei Meter Entfernung im grobkörnigen Sand zum Liegen kam. Kirana hatte sich fallen lassen, um sich aus der Gefahrenzone zu rollen. Dennoch kam sie nicht nahe genug an ihre Waffe heran. Wieder wurde sie weggedrängt. Ihr Kontrahent wusste, dass sie sich durchaus auch ohne Schwert verteidigen konnte, und war darauf bedacht, wenigstens diesen kleinen Vorteil nutzen zu können. Die Schattenelfe fühlte, wie ihr Blut von einem schmerzhaften Schnitt an der linken Augenbraue über das Gesicht rann. Ihre Schwerthand war von dem heftigen Schlag taub, und sie hatte zahlreiche Prellungen und Schnitte am ganzen Körper. Der Kampf dauerte bereits über eine Stunde.

Die Sonne stand im Zenit und brannte trotz der fortge- schrittenen Jahreszeit unbarmherzig auf sie herab. Der Sand unter ihren Füßen glühte und die Luft flimmerte heiß. Kein Lüftchen drang durch die Wände der sie umgebenden Arena. Schweiß- tropfen vermischt mit Blut glänzten auf der silbergrau schim- mernden Haut der beiden. Die Muskeln ihrer durchtrainierten Körper traten von der Anstrengung sichtbar hervor. Kirana war am Ende. Ihr war durchaus bewusst, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde. Aber auch ihr Gegenüber sah nicht besser aus. Er hinkte mit dem rechten Bein und sein Atem ging schwer. Hass blitzte ihr aus seinen leuchtend blauen Augen entgegen. Diesmal war es nicht nur ein Übungskampf. Ihr Gegner war fest ent- schlossen dem jahrelangen Kräftemessen ein Ende zu setzen. Er oder sie, es gab keine Alternative!

Er hatte gewusst, dass sie nicht ablehnen konnte. Mit diesem Wissen hatte er in der Übungsarena der Schattenjäger auf sie gewartet. Hier wurde durch einen Zauber verhindert, dass Magie angewendet wurde. Nur die körperlichen Fähigkeiten zählten an diesem Ort. Dieser Kampf sollte eine Entscheidung erzwingen, deshalb hatte er die Kriegerin heraus- gefordert. Er wollte sie töten, um zu beweisen, dass er der Bessere war.

Zirok war ein ausgezeichneter Kämpfer, doch von Anfang an, als die beiden zu den Jägern geschickt worden waren, war die begabte Frau für ihn ein Dorn im Auge gewesen. Mit Leichtigkeit hatten sie und auch er die ihnen gestellten Aufgaben gemeistert. Schnell erhielten sie den Ruf, die besten Schüler seit der Verbannung zu sein. Und doch war er nur die zweite Wahl gewesen. Immer wieder war sie bevorzugt worden. Frontor, der Kommandant der Jäger, hatte sie sogar als Zögling gewählt und somit wahrscheinlich auch als seinen Nachfolger. Normalerweise hielt er sich aus der Ausbildung der jungen Elfen heraus und wählte aus den fertigen Jägern seine Befehlshaber und Handlanger. Diesmal hatte der Jägerkommandant aber einen Schüler genommen. Seiner Meinung nach hätte er, Zirok, das sein sollen.

Kirana al Taraan war eine Aufwieglerin, hinterfragte alles und ging nicht konform mit DER SACHE. Zumindest aus seiner Sicht. Oh, wie er sie hasste! Er würde nicht aufgeben, bis einer von ihnen tot im Staub lag. Diesmal nicht! Er würde derjenige sein, der als wohl jüngster Jägerkommandant, den es je gegeben hatte, durch den Tod der Verräterin, seine roten Bänder erhielt. Beide waren nun auf den Tag genau einundsechzig Jahre alt. Fast noch Kinder in den Augen der Schattenelfen, die Jahrhunderte lebten. Seit sechsundfünfzig Jahren besuchten sie die Jägerschule, da sie bereits im zarten Alter von fünf Jahren zur Ausbildung geschickt worden waren.

Damals, am Tag ihrer Geburt war von der Ältesten Termia eine Prophezeiung ausgesprochen worden: „An diesem Tage wurde der Befreier der Schattenelfen geboren. Er wird unser Volk aus der Verbannung führen.“ Zirok würde und wollte derjenige sein, der an der Spitze des Heeres, an der Seite des Lords, gegen die Lichtelfen in den Kampf zog, wenn es endlich so weit war.

Mit wilder Entschlossenheit griff er wieder an, aber Kirana hatte den Angriff vorausgesehen. Sie brachte sich erneut mit einer Rolle rückwärts aus der Gefahrenzone. Schnell wie der Blitz konterte sie, schoss vor und versetzte ihrem Gegner einen Tritt gegen das bereits verletzte Bein. Stechender Schmerz schoss durch seinen Körper, doch die jahrelange Übung und seine Wut ließen ihn mit einem schnellen Ausfallschritt die Wucht dämpfen. Wieder hatte keiner von ihnen einen besonderen Vorteil. Aus den Augenwinkeln erkannte die Schattenelfe ihren Meister. Frontor sir Murgot. Er stand mit vor der Brust verschränkten Armen links neben ihr beim Haupteingang und verfolgte den Kampf mit starrer Miene. Er würde nicht in das Geschehen eingreifen. Es würde nichts ändern. Er wusste, dass es früher oder später so hatte kommen müssen.

Plötzlich sprang Zirok zu einer kraftvollen Attacke vor und riss Kirana von den Füßen. Schnell und geschmeidig rollten sich die beiden ab und waren wieder aus der Reichweite des anderen. Erneut kein Vorteil für einen der beiden. Sie umrundeten einander wie zwei lauernde Wölfe. Wieder griff er an. Schnell und tödlich schoss sein Schwert auf die Elfe zu. Diesmal rollte sie sich jedoch nicht weg. Sie hatte nur das Schwert getragen, als er sie heraus- gefordert hatte, und dieses lag noch immer unerreichbar hinter ihrem Gegner. Gekonnt brachte er sich immer wieder zwischen sie und die Waffe. Doch der Elf vor ihr hatte noch einen Dolch im Stiefel versteckt, den sie zufällig bei einem Einsatz einmal gesehen hatte und an den sie sich nun erinnerte. Sie hatte gehört, wie er dem Todgeweihten mit einem Lächeln im Gesicht zugeflüstert hatte, dass diese Waffe immer dort wäre, bevor er ihm damit die Kehle durchschnitt.

Sie setzte alles auf eine Karte. Entweder war der Dolch dort, oder es könnte sie ihr Leben kosten. Aber lange würde keiner der beiden mehr diesen kräftezehrenden Kampf durchhalten. Er wollte eine Entscheidung, also bekam er eine. Mit einer kleinen Drehung wich sie dem mittlerweile schwerfälligen Stoß ihres Gegners aus und drang gleichzeitig auf ihren Gegner ein. Mit der rechten Hand schlug sie zuerst auf die Innenseite seiner Schwerthand, sofort folg- te die Linke und dann die Handkante der Rechten gegen den Hals. Alles in fließenden, runden, schnellen Bewegungen. Gleichzeitig kontrollierte sie seinen Fuß, indem sie ihre Zehen auf seine drück- te, was ihr ihre geschmeidigen Lederstiefel ermöglichten.

Zirok ließ das Schwert fallen und keuchte. Er war aus dem Gleichgewicht. Endlich hatte sie seine beinahe perfekte Deckung durchbrochen. Kirana schnappte sich mit der Linken den Schwert- arm und setzte mit der zweiten Hand einen Hebel an. Zeitgleich hatte sie ihr linkes Bein hinter sein Rechtes gebracht und gab ihm nun mit der Schulter einen kraftvollen Stoß. Er fiel! Zielsicher griff sie nach dem Dolch, der tatsächlich dort steckte und riss ihn aus Ziroks Stiefel. Er wollte sich wegrollen, doch die Schattenelfe hatte seinen Arm nicht losgelassen. Sie sprang auf ihn, während er sich auf den Rücken rollte, um sie abzuwehren. Doch die Kämpferin war schneller, drehte die Waffe quer, damit sie durch die Rippen passte und von den Knochen nicht abgelenkt werden konnte. Dann stieß sie den Dolch mit ihrem ganzen Gewicht hart in seine Brust direkt ins Herz. Blut spritzte ihr sofort ins Gesicht und ergoss sich über ihre Hände.

Angewidert ließ sie los und erwiderte seinen Blick. Ungläubig starrte ihr Kontrahent sie an, während das Licht in seinen Augen rasch erlosch. Schweißtropfen – oder waren es Tränen – rannen Kirana über das Gesicht und vermischten sich mit seinem, aber auch mit ihrem eigenen Blut. Unter ihnen färbte sich der Sand dunkelrot und der Lebenssaft Ziroks versickerte mit seinem Be- wusstsein im Boden. Langsam und erschöpft erhob Kirana sich, um sich ihrem Meister zuzuwenden. Das Sonnenlicht spiegelte sich auf ihrem seidigen, fast schwarzen, violett schimmernden Haar. Es war nach Art der Jäger gebunden, an den Schläfen zwei schmale Zöpfe mit den Bändern darin, deren Farbe die Fähigkeiten und den Stand der Krieger kennzeichneten. Genauso wie Zirok trug sie bereits trotz ihrer jungen Jahre die schwarzen Bänder, welche sie als Meisterin der Kampfkünste auswiesen und sie dem Novizen- stand enthoben. Nur eine Stufe höher gab es noch, die roten Bänder, welche Frontor und seinen Befehlshabern vorbehalten waren.

Frontor musterte sie lange und eindringlich. Nachdem sie seinem forschenden Blick standgehalten hatte, sagte er mit ruhiger Stimme: „Offensichtlich hast du dir nun die roten Bänder verdient, Kirana al Taraan.“ Er sprach sie so gut wie nie mit ihrem Namen an und nun hatte er auch noch den Namen ihres Hauses angehängt. War dies nun lobend oder tadelnd gemeint?

Eigentlich war es ihr egal. Sie wollte sich Blut und Schweiß abwaschen, einfach alles hinter sich lassen und so nickte sie nur. Die roten Bänder bedeuteten, dass sie ihre Lehrzeit nun endgültig hinter sich gelassen hatte. Egal, ob normalerweise noch Jahre der Ausbildung vor ihr lägen, durch sie wurde sie in den Stand der kommandierenden Jäger erhoben und würde eigene Aufträge und eine Truppe, die ihr unterstand, erhalten. Durch die Erhebung rückte sie in der Befehlskette nach oben und mit Ausnahme des Kommandanten und des Lords persönlich gab es niemanden mehr, der ihr Befehle erteilen konnte oder durfte, die sie selbst nicht ausführen wollte. Langsam dämmerte ihr, dass sie nun nicht mehr so leicht von ihrem Haus für irgendwelche hinterhältigen Machen- schaften herangezogen werden konnte, ohne dass der Schattenlord seinen Segen dazu gab. Dies entlockte ihr nun doch ein Schmun- zeln, das von Frontor erwidert wurde, da dieser durchaus wusste, was in ihr vorging. Erst jetzt bemerkte sie den Jubel der anderen Schüler, die sich auf den Rängen der Arena versammelt hatten, um die Auseinandersetzung mitzuerleben. Während des Kampfes war kein Geräusch zu vernehmen gewesen und sie hatte gar nicht registriert, wie sich die Tribünen gefüllt hatten. Die Anspannung zwischen den beiden Kriegern war fast schon mit den Händen greifbar gewesen und hatte sich über alle Zusehenden gelegt, die sich vollkommen still verhalten hatten.

Dafür war es jetzt umso lauter. Die angehenden Jäger riefen durcheinander und diskutierten über das soeben gesehene Schau- spiel. Ihre ebenfalls anwesenden Ausbilder zügelten sie nicht in ihren Überlegungen, sondern förderten die Gespräche, um lehr- reichen Nutzen aus dem Kampfgeschehen zu ziehen. Im Hinter- grund nahm die Elfe wahr, dass Ziroks Leichnam weggebracht wurde. Wahrscheinlich um ihn zu seiner Familie zu bringen, damit diese ihn bestatten und ihm die letzte Ehre erweisen konnte. Manche der anderen Schüler kamen und klopften Kirana auf die Schulter, aber die meisten hielten respektvollen Abstand zu der gefürchteten Kriegerin. Entweder aus Angst, dass sie selbst durch ihre Hand sterben konnten, oder aus Respekt vor der soeben ernannten Befehlshaberin oder vielleicht auch einfach nur aus Eifersucht.

Wie wenig sie die Einzelgängerin doch kannten. Ihr war nicht zum Jubeln zumute, sie hatte gerade jemanden getötet und dies war für sie kein Grund zu feiern. Frontor spürte dies und führte sie aus der Arena, fort von den anderen. Er kannte sie besser als ir- gendein anderer Jäger. Manchmal hatte sie sogar das Gefühl, dass nicht einmal Sorion so viel über sie wusste. Obwohl das natürlich Unsinn war, aber Frontor hütete ein Geheimnis, das sie betraf, und sie hoffte, es eines Tages von ihm zu erfahren. Einmal hatte sie es gewagt, ihn danach zu fragen, allerdings nur einen harten Blick geerntet, also hatte sie es dabei belassen. Wenn die richtige Zeit gekommen war, würde sie es ohnehin erfahren. Frontor sah sie traurig an. Als er jung gewesen war, hatte er genauso gefühlt wie Kirana, aber sein Schicksal hatte ihn zermürbt. Es hatte ihn sein Gewissen tief in sich begraben lassen und so hatte er sich in dieses Leben gefügt. Nur ein einziges Mal war er seinen Gefühlen gefolgt, doch das war eine andere Geschichte. Er wünschte Kirana ein anderes, besseres Leben in Freiheit, hoffte aus tiefstem Herzen, dass sie einen Weg finden würde, all dem zu entkommen.

Nun aber lächelte er sie offen an. „Du siehst furchtbar aus. Wasch dich, kleide dich neu ein und sieh zu, dass du deine Wun- den heilen lässt. Bei der Zeremonie heute Abend will ich nicht, dass du aussiehst wie ein verwilderter Hund.“

Kirana senkte den Blick. „Ja, Mentor.“

„Hauptmann. Oder lieber wäre mir Frontor. Du bist mit dem heutigen Tage nicht mehr meine Schülerin. Sieh mich an, Kirana. Du bist mir wie eine Tochter und ich wünsche mir ... nein, ich erwarte von dir, dass du, wenn du offiziell anerkannt und in den höheren Stand erhoben wirst, es nicht ablehnst. Hast du ver- standen?“ Sie sah ihn fragend an. Zu ihrem Ohr gewandt, flüsterte er leise: „Vielleicht hilft es dir, einen Weg hier weg zu finden ... Du kannst Aufträge annehmen, die nach draußen führen. Sehr bald wird seid langer Zeit wieder ein Erkundungstrupp zusammen- gestellt und ich werde empfehlen, dass du diesen anführst. Als her- vorragende Kundschafterin hast du dich bereits oft genug bewiesen und du bist eine der wenigen, die bereits einmal auf der anderen Seite waren und lebend zurückgekehrt sind.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte er sich ab und ging in Richtung Hauptquartier davon. Er ließ sie verwirrt und aufgewühlt zurück. Warum sollte sie sich der Erhebung verweigern? Es war doch ihr ganzes Leben lang das einzige mögliche Ziel ihrer Ausbildung gewesen. Darauf hatte sie sich schon immer vorbereitet und es war von Beginn an klar gewesen, dass sie eines Tages in den Kommandostab aufgenommen werden würde.

Sie musste Sorion suchen und mit ihm reden. Vielleicht hatte er eine Ahnung, was diese Worte bedeuten konnten. Vor der Arena warteten die beiden rabenschwarzen Schneewölfe Hadra und Odron auf sie, welche die Elfe bei dem soeben erwähnten Auftrag in den Bergen gefunden hatte. Besser gesagt hatten die beiden sie aufgelesen und ihr das Leben gerettet, indem sie die Wunden, die sie im Kampf gegen die Bergmenschen erhalten hatte, leckten und sie durch ihre Wärme vor dem Erfrierungstod in den schneebe- deckten, von eiskalten Winden umwehten Berghängen bewahrten.

Der Auftrag war von reiner Kundschafternatur gewesen und hätte zu keinen Kämpfen führen sollen, aber sie waren auf einen Wächtertrupp der Bergmenschen gestoßen, der sie überraschte und sich als zahlenmäßig weit überlegen erwies. Sie hatten zu dritt den Auftrag erhalten, doch keiner war damals genug in der Magie ausgebildet gewesen, um einen klaren Vorteil zu erlangen. Die an der Mission beteiligten Magier waren auf dieser Seite des Tals geblieben, da es zu anstrengend war, einen größeren Durchgang durch den Magiewall, der zur Zeit der Verbannung durch die Lichtelfen erschaffen worden war, entstehen zu lassen. Solche Vor- haben nahmen immer jahrelange Vorbereitungen in Anspruch und schluckten enorme Mengen an magischer Energie, welche im Tal nur spärlich vorhanden war. Nur die mächtigsten Magier waren fähig, eine Öffnung zu erschaffen. Nachdem zwei Tage nach dem vereinbarten Zeitpunkt der Trupp nicht wiedergekehrt war, wurden sie aufgegeben und als Opfer DER SACHE abgetan. Während des Kampfes war ein junger Mann von einem unbedachten Schlag der eigenen Mitstreiter schwer an der Seite getroffen und verletzt worden. Aufgrund seines Aussehens konnte er kein Bergmensch sein. Er musste elfisches Blut in sich getragen haben, was auch die Sorglosigkeit seiner Begleiter ihm gegenüber erklären würde. Ein Halbblut wurde nirgends richtig anerkannt. Diese dunklen, eindringlichen Augen würde Kirana nie vergessen. Sie hatten sie dazu veranlasst, ihm das Leben zu retten und die Wunde mit dem bisschen heilender Magie, das sie besaß, zu versiegeln. Fast hätte es sie selbst das Leben gekostet. Bevor er ohn- mächtig geworden war, hatte er ihr noch seinen Namen ins Ohr geflüstert, aber jedes Mal wenn sie sich daran zu erinnern ver- suchte, lag er außerhalb ihres Bewusstseins. Sie hatte keine Ahn- ung, ob er überlebt hatte, hoffte es jedoch.

Völlig benommen und verletzt war die Kundschafterin in die eisige Welt geflohen, als sie gesehen hatte, dass ihre Begleiter gefallen waren. Sie wurde nicht verfolgt, da die Bergmenschen anscheinend davon ausgingen, dass sie mit ihren Wunden in der Kälte ohnehin keine Überlebenschance hatte. Hier waren Hadra und Odron, die beiden Schneewölfe, auf den Plan getreten. Irriger- weise waren diese, bis auf wenige graue Ausnahmen, immer schwarz. Mit der ihnen eigenen Magie hatten sie die geschlagene Elfe durch die Barriere zurück in das Tal gebracht und ihr somit die Rückkehr ermöglicht. Einer der beiden Schneewölfe war ein junges Weibchen, ein Welpe gewesen. Ihr ausgewachsener männ- licher Gefährte hatte sich anfangs mit bedrohlich gefletschten Zähnen schützend vor sie gestellt. Aber Kiranas natürlicher Um- gang mit den Wölfen hatte die kindliche Neugier des Weibchens geweckt und auch das Misstrauen des anderen Tieres gebrochen, ihm Vertrauen in das Wesen vor ihnen eingeflößt. Die beiden Tiere hatten sie in ihr kleines Rudel aufgenommen und sie auf ihrem Weg zurück nach Zirakaraan, der Hauptstadt der Schattenelfen und dem Sitz ihres Hauses, begleitet. Ob die Wölfe Vater und Tochter waren, konnte die Jägerin nur raten. Wahrscheinlich aber waren sie einfach durch Zufall aufeinandergestoßen und Odron mit seinem gutmütigen, väterlichen Wesen hatte sich der jüngeren Gefährtin angenommen. Die Schwarzen waren im Gegensatz zu den mit ihnen verwandten normalen Wölfen Einzelgänger. Sie waren stärker, allerdings schlanker und anmutiger, von fast humanoider Intelligenz, lebten wesentlich länger und hatten eine ihnen innewohnende Magie, die Kirana bis heute noch nicht ganz ergründet hatte. Auf jeden Fall wurde in ihrer Nähe fast jegliche Art von Zauber für sie selbst und die, die direkt in Kontakt mit ihnen waren, unwirksam.

Für ihre Treue dankte und liebte Kirana die beiden aufge- weckten, voll unermüdlicher Energie steckenden tierischen Jäger und sie hatte schon oft in ihrem wundervoll seidigen, weichen, kohlrabenschwarz glänzenden Fell Trost gefunden. Sie hatte sie nach zwei berühmten Schattenelfenkriegern aus dem letzten Zeit- alter vor den Elfenkriegen benannt, und da sie gerne auf diese Namen reagierten, war sie dabei geblieben.

Hadra und ihr Begleiter ließen sich selten in der Stadt blicken, löste doch allein ihr Anblick immer wieder großes Unbehagen in der Bevölkerung aus, da die schwarzen Wölfe normalerweise tödliche Gegner humanoider Wesen waren und sich nicht lange um einen Kampf bitten ließen. Warum diese beiden Exemplare derart gutmütig und gesellig waren, konnte Kirana nur raten, obwohl sie bereits oft genug ihre Kampffähigkeiten miterlebt hatte, die durchaus Furcht einflößend waren. Wahrscheinlich war es Odrons selbstsicheres, würdevolles Auftreten, das ihnen die Sicher- heit gab, ohnehin aus jeder Herausforderung als Gewinner hervor- zugehen und somit nicht sofort angreifen zu müssen. Obwohl jeder wusste, dass die beiden zu Kirana und mittlerweile auch zu Sorion gehörten, misstrauten die Städter ihnen. Vielleicht genau aus diesem Grund, weil die Kriegerin einem der stärksten Häuser im ganzen Tal angehörte und den Ruf hatte, zu den besten, härtesten Kämpfern zu gehören.

Die Erhebung würde diese Meinung nur noch verstärken und die Wege der anderen würden die ihren nun noch weniger kreu- zen. Die gebündelte Kraft und Wildheit, die das ungewöhnliche Rudel ausstrahlte, ließ die anderen Schattenelfen einen großen Bogen um sie machen. Selbst ihre Oberin Santora wagte nicht, gegen die Zwillinge vorzugehen, wenn sie die Wölfe in ihrer Nähe wusste. Seit Kirana mit den beiden Beschützern im Schlepptau halb tot von ihrem Auftrag in die Stadt zurückgekehrt war, genossen die Zwillinge eine gewisse Ruhe vor den Bösartigkeiten ihres Oberhauptes. Zumindest wenn sie in Begleitung der Schwarzen waren.

Wie oft hatte Kirana die Peitsche gespürt – oder waren Santora und zuvor ihre eigene Mutter in ihren Geist eingedrungen, um sie mit Bildern vom Leid und Tod ihres Bruders zu quälen! Die Oberinnen ihres Hauses hatten sie mithilfe von Drohungen gegen Sorion immer wieder für Intrigen und Machtbestrebungen be- nutzt, es war ihnen jedoch nie gelungen, sie zu brechen und ge- fügig zu machen.

Nachdem die leibliche Mutter des Zwillings gestorben war, hatte ihre Tante das Haus übernommen. Es hatte dann eine Zeit ge- geben, in der sich die neue Oberste des Hauses Taraanir, noch der Illusion hingab, die ihrer Meinung nach in der Prophezeiung erwähnten Geschwister mit Versprechungen und Geschenken für sich gewinnen zu können. Allerdings hatte sie nie begriffen, dass ihre Ziele mit Güte und Wärme zu erreichen gewesen wären. Es lag nicht in ihrer Natur, Liebe oder Güte zu empfinden. Sie war ein durch und durch gehässiges, hinterhältiges Wesen und pflegte, ihren Willen mit allerlei Grausamkeiten durchzusetzen, genauso wie ihre Vorgängerin, Kiranas und Sorions Mutter. Kiranas ge- liebter Bruder Sorion hingegen, hatte einen äußerst überragenden Intellekt und dennoch ein zartfühlendes Wesen mit dem unbe- darften Geist eines Kindes, was er angeblich von seinen Großeltern geerbt hatte. Alle Anstalten, ihn den Kampf gegen andere Wesen zu lehren, waren umsonst gewesen. Er weigerte sich schlichtweg. Sehr zum Ärgernis Santoras, aber auch zu Kiranas Leidwesen, da diese den Zorn der Oberin in solchen Situationen mit irgendwelchen Vergehen auf sich lenkte, um ihren Bruder zu schützen. Bereits früh wurde erkannt, dass er zu tollpatschig war, irgendeine Art von Waffe zu führen, ganz im Gegensatz zu seiner Schwester, die die angeborene Geschmeidigkeit und gnadenlose Kampffähigkeit eines Schneewolfes an den Tag legte. Dafür lebte er seit seiner Geburt in der Welt der Magie, heilte mit Leichtigkeit verletzte Tiere, spendete Trost und Kraft, füllte den Energievorrat aller möglichen Wesen auf, um sie unbeschadet den Tag überstehen zu lassen. Dies hatte sich bald bis zur Magierfeste herumgesprochen, und so wurde er bereits als Kind in die Reihen der Magier aufgenommen, um ihn auszubilden. Um dies zu gewährleisten, hatte sich seine Schwester bereit erklärt, dem Haus zu dienen und dessen Aufträge, welcher Art auch immer, auszuführen.

Gefolgt von den beiden Schwarzen und umgeben von ma- gischen Schatten, die zwar bei den Schattenelfen nichts nutzten, ihnen aber mitteilten, dass sie in Ruhe gelassen werden wollte, hing Kirana ihren Gedanken nach. Zielstrebig führten ihre Beine sie in Richtung des Anwesens ihrer Familie. Im Kopf ließ sie weiter ihr Leben Revue passieren. In der Jägerschule, in der die Elitekämpfer der Schattenelfen ausgebildet wurden, hatte sie die Kriegskunst und das Töten gelernt. Da sie, bereits als kleines Kind dorthin geschickt worden war, war ihr dies zur Natur geworden, und doch ... Kirana hatte bereits viele Leben genommen, in offenen wie auch in heimlichen Kämpfen, je nachdem, wie ihre Anweisungen laute- ten. Sie konnte sich an jedes Einzelne erinnern, die Gesichter und die Ausdrücke darin, wenn den Todgeweihten bewusst wurde, dass der Anblick der Kriegerin das Letzte war, was sie in diesem Leben sehen würden.

In den Nächten verfolgten sie diese Erinnerungen und auch dafür war Sorion verantwortlich, natürlich nicht absichtlich, son- dern nur durch seine Anwesenheit. Sie war ihm dankbar dafür. Er bewahrte ihr Gewissen, behütete den letzten guten Kern in ihrer Seele, den die Schattenelfe ansonsten längst hinter einer dicken Mauer begraben hätte wie die meisten ihrer Kampfgefährten. Nur durch ihren Zwilling war es ihr noch möglich, zu erkennen, dass diese Morde nicht einfach nur Mittel zum Zweck waren. Auch wenn sie zum Töten ausgebildet worden war, fühlte es sich oft irgendwie falsch an.

Mit stoischer Ruhe nahm sie dies alles hin und vergrub ihr Gewissen tief in ihrem Inneren. Es würde sie andernfalls nur verletzlich und angreifbar machen. Lieber trug sie ein schwarzes, unbeugsames Herz nach außen zur Schau und hinterfragte alles und jeden. Doch das brachte ihr wiederum den Ruf ein, widerspenstig und aufwieglerisch zu sein.

Noch immer in Gedanken versunken, marschierte Kirana geradewegs zu den unterirdischen Bädern ihres Hauses, die durch eine Quelle mit warmem Wasser gespeist wurden, um sich Schweiß, Blut und die Erlebnisse des Kampfes vom Körper zu waschen.

Das Anwesen des Hauses al Taraanir existierte bereits seit Ankunft der Schattenelfen im Tal der Vergessenen. Darunter hatten sich in jahrelanger Arbeit weitläufige Gewölbe gebildet, in denen die exklusiven Bäder untergebracht waren. Weiter unten befanden sich Lagerräume, Kerker und die gut genutzten Folter- kammern, aus denen ganz selten die gequälten Schreie der In- sassen bis in die Bäder drangen. Der kranke Geist von Kiranas Mutter hatte es genossen, den Qualen der Todgeweihten bei einem entspannenden Bad zu lauschen. Nachträglich, als Santora das Haus übernommen hatte, waren zusätzliche Mauern und Türen eingefügt worden, um die Geräusche zu dämmen, doch ganz war es nicht gelungen.

Sorion wartete bereits auf seine Schwester mit frischen Kleidern in den Händen, welche er, als Kirana eintrat, zur Seite legte. Er kam auf sie zu, um sie intensiv zu mustern. Obwohl er es hasste, wenn Leben ausgelöscht wurde, kamen keine Vorwürfe, keine tadelnden Blicke. Ohne Worte, und ohne darauf zu achten, ob er sich beschmutzte, nahm er sie in den Arm und es fluteten ihr Mitgefühl und Wärme entgegen. Sie ließ die Schatten los und ihren Bruder gewähren, nicht ganz sicher, ob sie oder er diese Umarmung nötiger hatte. Wie so oft wusste er bereits, was geschehen war. Er wusste, dass Kirana ihrer Liste einen neuen Toten hinzufügen musste, wusste, dass sie Trost brauchte. Das Band zwischen ihnen war während ihrer Geburt entstanden und dadurch konnte er oft fühlen, was gerade geschah, vor allem, wenn sie nahe beieinander waren, mit der Entfernung nahm auch die Wahrnehmung ab.

Sorion hatte als Erster das Licht der Welt erblickt und war somit der Ältere. Kirana war, so glaubten alle, tot geboren worden, durch die Nabelschnur stranguliert. Eine kurze Berührung zwischen den Neugeborenen führte jedoch dazu, dass der Junge den letzten Lebensfunken in seiner kleinen Schwester fühlte, diesen ergriff und seine bereits vorhandene Heilkraft entfesselte, um das Leben neben ihm zu retten.

Ihre Amme hatte ihnen diese Geschichte oft erzählt, wie die beiden zu leuchten begonnen hatten wie zwei kleine Glühwürm- chen und sich die Lungen des Mädchens endlich mit Luft gefüllt hatten, um der Welt zu zeigen, wie viel Kraft in ihnen steckte. Sorion hatte damals eine Verbindung zwischen ihnen entstehen lassen, die sie fühlen ließ, wie es dem anderen ging, wo er war, was mit ihm geschah. Auf der Brust über dem Herzen Kiranas hatte sich ein großes Muttermal gebildet, das sie immer wieder an das Geschehnis erinnerte. Sie verdankte Sorion ihr Leben und hatte sich früh geschworen, ihn vor allem zu schützen, soweit es im Be- reich ihrer Möglichkeiten lag. Aufgrund der zahlreichen Strafen wie Peitschenhieben, Verbrennungen und vielem mehr hatte sie gelernt, ihre Gefühle so weit zu kontrollieren und vor ihm abzu- schotten, damit er sich keine Vorwürfe zu machen brauchte. Sie war ihm nach diesen Strafen immer aus dem Weg gegangen, damit er ihre Verletzungen nicht sah, hatte andere Heiler aufgesucht, um ihm das Leid zu ersparen, wollte ihm nie das Gefühl geben, er sei an diesen Maßregelungen schuld. All dies hatte ihr natürlich auch geholfen, bei den Jägern zu brillieren. Sie hatte sich vollkommen unter Kontrolle, egal, wie groß der Schmerz war, ihren Geist schi- ckte sie einfach auf Reisen und holte ihn erst zurück, wenn das Schlimmste vorbei war. Die Elfe entkleidete sich und sank dankbar in eine der ins Gestein eingelassenen, dampfenden Wannen. Die dem Wasser eigenen Heilkräfte entfalteten sofort ihre Wirkung, entspannten ihre Muskeln, säuberten ihre Wunden und nahmen ihren Gliedern die Schwere und Taubheit, die sich festgesetzt hat- ten. „Damentorion wird dir die Bänder selbst überreichen.“

Die Kämpferin erwiderte erstaunt den musternden Blick ihres Bruders. „Warum sollte er? Frontor ist ... war mein Lehrmeister und niemand weiß, wer unser Vater ist. Mutter hat dieses Wissen mit ins Grab genommen.“

Normalerweise kam eine solche Ehre dem Vater zu, und wenn es einen solchen nicht gab, dem Mentor des Ausgebildeten. Auch wenn sie als zukünftige Nachfolgerin Frontors gehandelt wurde, ergab es keinen Sinn, warum der Schattenlord seinen Haupt- kommandanten zurückstellen sollte, um die Erhebung selbst vor- zunehmen. Frontor war ihm immer treu ergeben gewesen, obwohl, wie Kirana wusste, er nicht mit Damentorions Grausamkeiten ein- verstanden war. Aber da war etwas, das Frontor zwang, ihm zu dienen. Nicht nur, dass sie bereits beide vor den Elfenkriegen ge- lebt hatten oder sie eine lange Freundschaft verband, da war noch etwas anderes. Eine weitere Frage drängte sich Kirana auf. „Woher weiß er bereits davon und warum kannst du mir davon berichten?“ Argwöhnisch betrachtete sie ihren Bruder, der sie müde anlächelte.

„Ich habe die Ernsthaftigkeit des Kampfes gespürt und der Lord hat die Sorge um dich wohl in meinem Gesicht erkannt, als ich bei den Prüfungen, die er mir auferlegte, mit den Gedanken anderswo war.“ Er fügte hinzu, als er Kiranas sorgenvolle Miene sah, da sie wusste, wie grausam der Lord Versagen bestrafte: „Keine Sorge, ich habe alles zu seiner Zufriedenheit gemeistert. Jedoch hat er mich ausgefragt und so sind wir sofort zur Arena aufgebrochen und haben gut die Hälfte des Kampfes mit angesehen. Er war begeistert von deiner Anmut und präzisen Kampftechnik. Er hat zwar kein Wort darüber verloren, aber ich habe es ihm angesehen. Anschließend hat er Frontor aufgehalten und ihm seine Ent- scheidung mitgeteilt. Der hat nur mit gesenktem Blick darauf ge- antwortet, dass es wohl so sein solle. Ich frage mich ...“

Kirana schnitt ihm mit einer wütenden Bewegung ihrer Hand das Wort ab. Sie war aufgebracht, und da sie ihren Mentor hoch achtete, wollte sie auch von niemand anderem erhoben werden. „Lord hin oder her! In diesem Fall werde ich die Bänder nicht annehmen. Soll er mir doch den Kopf abschlagen oder das Herz zerquetschen, dieser selbstgerechte Widerling! Er hat kein Recht dazu, mich zu erheben.“ Wütend schlug sie mit der Faust aufs Wasser, sodass es aus dem Becken spritzte und Sorion einen Schritt zurückwich, um nicht nass zu werden.

Er erwiderte nichts. Er wusste, dass sie diese Worte ernst meinte, und begann, sich Sorgen zu machen. Jedoch hätte es keinen Sinn, sie umzustimmen wollen. Sie würde nur noch sturer an diesem Vorhaben festhalten.

***

„Sie wird sich weigern. Ich kenne sie! Sie kann ein aus- gesprochener Sturkopf sein und es wird ihr egal sein, ob darauf die Todesstrafe steht. Sie ist sich durchaus bewusst, dass ein Jäger nicht frei sein kann oder darf, da sie zu gefährlich sind und der Feste beziehungsweise dir unterstehen.“ Frontor schüttelte den Kopf und lief auf und ab wie ein in einen Käfig gesperrtes Raubtier. Damentorion achtete seinen Kommandanten hoch, da er um dessen Fähigkeiten wusste, dennoch konnte er ihm nicht hundert- prozentig vertrauen, kannte er doch seine eigene Vergangenheit vor dem Bruch mit den Lichtelfen. Er brauchte Kiranas Treue, um sich, wenn auch schweren Herzens, eines Tages Frontors entledigen zu können. Die junge Schattenelfe sollte dann an dessen Stelle die Jäger anführen.

Obwohl Kiranas Kräfte und ihr Können bereits jetzt beachtlich waren, wusste er, dass sie sich aufgrund ihrer Jugend noch nicht vollständig ausgebildet hatten. Außerdem war ihr Zwillingsbruder ein äußerst starker und fähiger Magier, dessen Kräfte von Jahr zu Jahr wuchsen, allein schon seinetwegen sollte sie ihm dienen, um Sorion besser lenken zu können. Er war ein gutmütiger Eigen- brötler und nur auf seine Schwester fixiert. Die Verbindung der beiden sollte es ihm ermöglichen, ihre Fähigkeiten zu bündeln. Zuerst würde Kirana allerdings einen Auftrag für ihn erfüllen müssen, um ihm ihre Treue zu beweisen.

Frontor hatte recht, sie war die Richtige dafür. Sie konnte es beschaffen. Auch wenn sie wie alle Jäger eine Einzelgängerin war, hatte sie doch etwas an sich, das es ihr leichtmachte, andere für sich zu gewinnen. Er war überzeugt, dass dies in der Außenwelt von Vorteil war.

Damentorion wusste, dass er alt war und seine Zeit ablief, auch wenn er es bisher immer geschafft hatte, seine Lebenszeit und die seiner engsten Verbündeten zu verlängern. Er würde nicht hier in diesem Tal sterben, sondern in Freiheit, und das Zwillingspaar sollte ihm dabei behilflich sein.

***

Nachdem Sorion die übrigen Wunden seiner Schwester geheilt und sie sich neu eingekleidet hatte, begaben sie sich auf den Weg zur Oberin Santora, die bereits nach ihnen geschickt hatte. Die Nachricht hatte offensichtlich auch ihr Haus erreicht, nur deshalb würde sie die Anwesenheit der beiden Schwarzen akzeptieren, die, wie sie wissen musste, mitkommen würden, da sie in der Stadt weilten. Santora wartete im offiziellen Audienzsaal des Hauses auf die Zwillinge, umgeben von ihren Beratern und Kriegern. Bewusst hatte sie diesen Ort gewählt, da er mit seiner Größe und prunkvollen Ausstattung ihre Macht unterstrich, und sie wollte sich jeden Vorteil zunutze machen. Sie wusste, sie würde sich etwas überlegen müssen, um die beiden an das Haus, oder besser gesagt, an sich zu binden. Es war ein gewagtes Spiel, sie konnte alles verlieren, oder aber auch gewinnen. Sie wollte ihre Position auf keinen Fall aufgeben, nicht jetzt und auch später nicht. Da Santora die Macht über ihre Mündel nun aber verloren hatte, musste sie einen Weg finden, sich ihre Unterstützung zu sichern. Kirana unterstand nun nur noch den Jägern und dem Schattenlord.

Wenn die Oberste nicht in Ungnade fallen wollte, musste sie sich fügen und das Beste herausholen. Sorion hatte ein ruhiges, gutmütiges Wesen, aber seine Schwester war dafür bekannt, schnell und gnadenlos ihren Bruder und ihre Ansichten zu verteidigen, auch wenn dies nur durch den Tod zu erreichen war. Die Oberin vertraute ihr nicht, hatte sich jedoch die Loyalität der Zwillinge zueinander oft zunutze gemacht und sich die Dienste der Kriegerin gesichert. Diese Fähigkeiten würde sie vermissen, da es kaum einen anderen gab, der es mit Kirana aufnehmen konnte, nicht einmal ihr eigener Sohn Woorin, der bereits seit einem knappen Jahrhundert in den Reihen der Jäger als Kommandant einer Truppe diente. Kiranas Stärke, Kampfkünste und die den Schattenelfen eigene Fähigkeit, mit den Schatten zu verschmelzen, machten sie zu einer äußerst gefährlichen Gegnerin. Außerdem konnte sie nicht nur ihren eigenen, sondern auch andere Schatten kontrollieren, erschaffen und vergehen lassen, eine Eigenheit, die nur wenige beherrschten. Es schwächte sie jedoch sehr schnell in ihrer Konstitution, zum Glück Santoras, die selbst stark in der Benutzung von Magie verschiedenster Art war.

Als die Zwillinge den Saal betraten, ignorierte die Oberin Santora sie noch eine Weile, um ihre Überlegenheit zu unter- streichen. Dann erhob sie sich und ging mit ausgebreiteten Armen auf Kirana zu, um sie zu umarmen, trotz ihrer Abscheu gegenüber den Wölfen, welche es gewagt hatten, ihr Haus mit ihrer An- wesenheit zu besudeln. Kirana versteifte sich, legte ihre Hand auf den Schwertgriff und ein tiefes Grollen erhob sich in den Kehlen der Raubtiere. Was hatte Santora, dieses hinterhältige Biest, nun wieder vor? Kirana zu töten, um ihre Macht zu beweisen, oder sie mit einem Zauber zu belegen, um ihr einen Schwur zu entlocken?

Santora stoppte ihr Vorhaben, senkte die Arme und lächelte sie an. „Friede, beruhige dich und ruf deine Bestien zurück, ich will dir nichts Böses ... Nichte.“

Noch nie hatte ihre Tante sie mit diesem vertrauensvollen Titel angesprochen. Was wollte sie? In ihrem Blick konnte Kirana sehen, dass sie etwas vorhatte, aber was? Sie hatte die Armbrustschützen in den Schatten entdeckt, die sie auf ein Zeichen der Oberin hin bei der kleinsten falschen Bewegung mit Bolzen spicken würden. Aber das würde sie nicht wagen, nicht vor den Augen so vieler anderer, nicht heute und auch später nicht mehr. Sie würde in Ungnade fallen, doch könnte sie sich darauf berufen, in Notwehr gehandelt zu haben. Behaupten, dass die Kriegerin sie bedroht und vor ihrer Zeit den Vorsitz des Hauses beansprucht hätte. Dieser stand ihr erst mit dem vollendeten hundertsten Lebensjahr zu und dann durfte sie ihn sich auf welche Art auch immer erkämpfen. So hatte der Lord beim Tod ihrer Mutter gesprochen und damit ihre Tante zum Oberhaupt des Hauses erhoben. Sein Wort war Gesetz und ein Zuwiderhandeln bedeutete die Todesstrafe. Es sei denn, Damentorion hätte seine Meinung geändert. Aber wozu? Santora diente ihm souverän und unterwürfig. Den Blicken der Kämpferin folgend, brüllte Santora: „Raus! Lasst mich allein mit meiner Nich- te und meinem Neffen. Alle!“ An die Zwillinge gewandt, fügte sie hinzu: „Nicht, dass ihr glaubt, ich will euch etwas antun. Nur ein Gespräch, das ist alles, worum ich euch bitte.“

Kirana konnte die Anspannung ihrer Tante förmlich riechen oder war es vielleicht sogar Angst? Nicht vor ihr, wahrscheinlich eher vor Damentorion. Sie hatte immer danach gestrebt, seine Ge- fährtin und damit die Oberste der Schattenelfengesellschaft zu werden. Bisher hatten ihre Anstrengungen, ihn für sich zu ge- winnen, nicht gefruchtet. Noch nie hatte er sich für jemanden er- wärmen können. Man munkelte, er habe sein Herz bereits vor der Verbannung verschenkt und verloren. Dadurch habe es sich in Stein verwandelt. Zögernd begann sie, hauptsächlich an Sorion ge- wandt, um an seine Gutmütigkeit zu appellieren. „Ich weiß, wir hatten die letzten Jahre kein gutes Verhältnis und ich möchte euch dafür um Verzeihung bitten. Ich habe jedes Mal, wenn ich euch den Strafen unterzogen habe, sehr darunter gelitten, meinem ei- genen Fleisch und Blut Schmerzen, welcher Art auch immer, zu- fügen zu müssen.“

Diese alte Hexe log wie gedruckt, hatte sie es doch jedes Mal genossen, ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Kiranas Züge ver- steinerten, doch in den Bewegungen ihres Zwillings erkannte sie, dass die Samen der Worte fruchtbaren Boden fanden, also antwortete sie drohend: „Komm zur Sache und verschone uns mit deinen Lügen, du brauchst uns nicht mit irgendwelchen erfun- denen Ausreden zu besänftigen.“

Ihr Bruder erschrak ob der Härte in ihren Worten und wollte etwas sagen, aber ihre Tante kam ihm zuvor: „So hart, so willens- stark, es ist schade, dass wir bisher keine bessere Beziehung zu- einander aufbauen konnten, aber du hast recht, ich sollte nicht lange um den heißen Brei herumreden.“ Sie wandte ihnen den Rücken zu und setzte sich auf ihren erhöhten Stuhl, um eine bessere Position ihnen gegenüber einzunehmen. Sie waren wesent- lich größer als sie, was nicht schwer war, da sie relativ klein- gewachsen war für eine Elfe, sodass sie im Stehen zu ihnen nach oben sehen musste. „Ich möchte, dass du auch in Zukunft dem Haus dienst – als Waffenmeisterin und Ausbilderin unserer Krieger.

Es werden dir alle Türen offen stehen und Sorion wird jede erdenkliche Unterstützung bekommen, um seine Ausbildung fortführen und beenden zu können. Er hat noch Jahre vor sich, jedoch könnte ich die Magier unseres Hauses und wahrscheinlich auch die einiger anderer damit beauftragen, sich ihm besonders zu widmen, um alles schneller voranzutreiben und zu einem Ende zu bringen. Auch wenn er einen zartfühlenden Geist hat, seid ihr doch ein mächtiges Gespann und könntet dem Haus Taraanir viel Ruhm bringen. Ich weiß, du fragst dich nun, warum du das tun solltest ...“

Plötzlich hörte Kirana die Worte ihrer Tante nur noch in ihrem Kopf. „... wo du doch nur zu warten brauchst, bis du alt genug bist, um gegen mich vorzugehen. So leicht wirst du mich aber nicht beseitigen können, um mich meines Thrones zu entheben. Und ich werde kämpfen bis zum Tod!“

Die Jägerin hatte bereits vorher die Warnung in den Worten der Oberin verstanden. Die Magier sollten Sorion nicht nur fördern, sondern auch überwachen und gegebenenfalls aus dem Weg räumen. Es geschah immer wieder, dass Lehrlinge bei der Aus- übung der Magie übers Ziel hinausschossen und sich damit selbst töteten oder es zumindest danach aussah, als hätten sie sich ihrer eigenen Lebenskraft beraubt. „Was ist, wenn ich mich weigere, dem Haus zu dienen, oder vielleicht hat der Schattenlord eine andere Verwendung für mich, Aufträge, die mich hindern werden, mich meiner Arbeit zu widmen?“

Ihre Tante gab ihr darauf keine Antwort, sondern erwiderte nur: „Ich erwarte morgen deine Zusage!“ Sie stand auf und marschierte erhobenen Hauptes aus dem Audienzsaal.

Kirana begriff, dass dies eine Art Friedensangebot sein sollte und zusätzlich eine Absicherung gegen Angriffe der niedereren Häuser. Einen Jägerkommandanten als Waffenmeister konnte ansonsten keiner vorweisen. Es würde die Position als führendes Haus festigen. Der Abend war angebrochen und die Zeit ihrer Er- hebung herangerückt. Kirana trug die bei den Jägern übliche Kleidung, schwarze, enge Hosen, schwarze Stiefel mit Schnallen an den Seiten, ein eng anliegendes Hemd, fingerlose Handschuhe, lederne Armschienen, die zum Schutz der Unterarme dienten, und den schwarzen Umhang der Schatten. Alles war aus weichen, anschmiegsamen Materialien gefertigt, um im Kampf nicht hinder- lich zu sein, und außerdem mit verschiedenen Zaubern belegt, wo- durch es sich erübrigte, irgendwelche Rüstungsteile tragen zu müs- sen. Ein Kettenhemd wäre zu laut, schwer und hinderlich, um sich lautlos in den Schatten bewegen zu können.

Als einzige Waffe trug Kirana ihr Schwert, das wie üblich an ihrer linken Seite hing. Sie hatte es bereits früh als ihre wichtigste Waffe gewählt und angeblich hatte es einem der führenden Lichtelfen gehört, dem es beim großen Kampf der Elfen vor der Verbannung abgenommen worden war. Ob dies der Wahrheit entsprach, wusste sie nicht. Es war schlank, schlicht und leicht zur Außenseite gebogen mit einer Blutrinne, messerscharf, tödlich und steckte in einer einfachen schwarz glänzenden Scheide. Durch einen Zauber musste die Klinge nie geschliffen werden, und wenn sie doch einmal Kerben erhielt, waren diese leicht herauszu- arbeiten. Der elfenbeinfarbene Griff war mit schwarzen Bändern umknotet, um guten Halt zu bieten. Nur das Stichblatt und die Griffendkappe waren golden. Das Langschwert wurde meist beid- händig geführt. Da es leicht und schlank war, konnte es aber auch für einhändige Schläge in Verbindung mit einem Dolch verwendet werden. Kirana war allein auf dem Weg zur Zeremonie. Sorion war in die Magierfeste gerufen worden. Da er kein Jäger war, durfte er sowieso nicht daran teilnehmen. Hadra und Odron jagten in den Bergen irgendeiner Mahlzeit hinterher und ließen sich wahr- scheinlich nicht mehr so schnell blicken. Aber sie würden auf ihren Bruder achten, das wusste Kirana, auch wenn ihr Kopf heute Abend rollen sollte.

Es würden nur Jäger anwesend sein, ihnen war es vorbehalten, ihre eigenen offiziellen Zeremonien ohne die öffentliche Gesell- schaft abzuhalten, um den Schein der Unbezwingbarkeit, der Re- serviertheit und totalen Kontrolle zu wahren. Zudem durften nur die Schüler, bei denen der Beschluss bereits feststand, dass sie eines Tages in die Jägerschaft erhoben werden würden, teilnehmen. An- fangs verrichteten sie Arbeiten, die normalerweise Bedienstete erledigten, die aber bei der Zeremonie nicht zugelassen waren. Jeder musste einen durch Magie geschützten Schwur leisten, nichts von dem, was geschah, nach draußen dringen zu lassen. Kirana hatte bereits einige Male an solchen Spektakeln teilgenommen und war beim ersten Mal überrascht gewesen, dass der eigentliche Grund der Verschwiegenheit derart banal war. Die ansonsten steinharten, unbeugsamen, einzelgängerischen Jäger, die sich in der Öffentlichkeit keinerlei Blöße durch den Genuss von Alkohol oder Ähnlichem gaben, nutzten die Sicherheit der einge- schworenen Gruppe, um sich zu betrinken, zu huren und sich son- stigen Genussmitteln hinzugeben. Es herrschte ein rauer Ton, so- wohl unter den männlichen als auch unter den weiblichen Mit- gliedern, und es flossen bei diesen Gelegenheiten reichlich Bier, Met und Wein. Sinnesberaubende Kräuter machten die Runde, es wurde gelacht, gescherzt, geweint, Freundschaften wurden ge- schlossen, aber auch Feindschaften entstanden, sodass es manch- mal durchaus zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit töd- lichem Ausgang kam. Die Toten verschwanden dann stillschwei- gend mit einer Nachricht an die jeweiligen Häuser, sie seien einen heldenhaften Tod im Kampf gegen wen auch immer gestorben. Auch Kirana hatte bei einer solchen Gelegenheit bereits einmal ein Leben genommen. Der Jäger namens Lomos sir Friemon war betrunken mit einem Dolch in der Hand auf sie losgegangen, da ihr Haus gegen seines, das sich in der Nachbarstadt befand, offen vorgegangen war. Die Hälfte der dort Lebenden war brutal nieder- gemetzelt worden, nur weil sich Santora durch eine Bemerkung des Friemon Oberhauptes, des Vaters des Angreifers, beleidigt gefühlt hatte und sich rächen wollte. Zontos sir Friemon, der Vater von Lomos, war gefangen genommen, gefoltert, um eine offizielle Entschuldigung zu erzwingen, und schließlich hingerichtet wor- den. Das Haus Friemon war über seinen internen Streitereien um den Vorsitz zerfallen und würde sich wahrscheinlich nie wieder er- holen.

Das hatte Kiranas Gegner, der seinem Haus treu ergeben gewesen war, derart zermürbt, dass er nun seinerseits Genugtuung haben wollte. Aber die junge Schülerin hatte damit gerechnet und ihr Schwert bereits zur Abwehr und Verteidigung gezogen. Mit beschwichtigenden Worten hatten sie und die anderen den wütenden Jäger zu besänftigen versucht, aber er drang immer wie- der auf sie ein, bis er ihr am Arm eine tiefe Wunde zufügte. Da schalteten sich Kiranas Überlebenstrieb und ein heftiger Zorn ein, mit einem schnellen Stich nach vorne traf sie ihren Gegner in den Unterleib, dann drehte sie das Schwert und zog es durch seinen Körper nach oben. Er hatte keine Chance, diese Verletzung zu überleben. Seine Gedärme verteilten sich über den Boden, Blut schoss aus der Halsschlagader und besudelte alle, die in der Nähe herumstanden, bevor er leblos zu Boden sank. Diese trüben Erinnerungen beiseitestreichend, betrat sie die schlicht gestaltete Arenakaserne, die bei solchen Gelegenheiten zum Zeremoniensaal umfunktioniert wurde. Als sie eintrat, legte sich Stille über die Anwesenden. Alle wandten ihr den Kopf zu und machten den Weg frei zum Offizierstisch, an dem bereits Frontor und der Schatten- lord, jeweils an einem Ende, saßen. Die beiden erhoben sich und kamen auf Kirana zu.

Frontor, wie immer bei solchen Gelegenheiten, trug das Käst- chen mit den schlichten roten Bändern. Es ging ein Raunen durch die Menge. Die Verleihung war unkompliziert und meist nicht mit vielen Worten geschmückt, aber dass der Lord sich dazu erhob, war noch nie vorgekommen. Jeder wusste, dass der Kommandant Kiranas Lehrmeister war, und da es keinen Vater gab, dessen Auf- gabe es eigentlich wäre, ihr die Bänder zu verleihen, gebührte dem Gesetz nach Frontor diese Ehre.

Mit versteinerter Miene stand er vor ihr, auch sie versteifte sich und trug einen abweisenden Ausdruck in den Augen zur Schau. Damentorion hob die Hände, um Stille zu fordern. „Bevor Ihr oder jemand anderes Einwände erhebt, bitte ich Euch, zuerst meinen Worten zu lauschen.“

Keiner im Saal rührte sich, und an Kirana gewandt, sagte er: „Niemand weiß von dem, was ich Euch zu sagen habe. Es ist ein wohlgehütetes Geheimnis. Auf Wunsch Eurer Mutter behielt ich Stillschweigen, als sie entdeckte, dass sie mit Euch schwanger war. Da sie ihre Vormachtstellung in ihrem Haus nicht aufgeben wollte, sie aber gezwungen gewesen wäre, dem Kindsvater von Rechts wegen zu folgen, wollte sie nicht, dass irgendjemand erfuhr, wer der Vater war.“

Niemand wusste, worauf er hinauswollte, seine Worte ergaben keinen Sinn. Warum sollte eine Oberin nur aufgrund einer Schwangerschaft ihr Haus aufgeben müssen? Ganz im Gegenteil, normalerweise musste der Mann der Frau in deren Haus folgen und ihr Treue schwören, wenn diese es wünschte. Schließlich war sie es, die die Nachfolger gebar.

Doch unbeirrt fuhr der Lord fort: „Es hat anfangs viele Spekulationen gegeben, die aber nach und nach im Sande verliefen. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich reinen Tisch machen kann. Der Vater, von dem niemand wusste, bin ich!“ Es herrschte vollkommene Stille. Niemand bewegte sich. Nur Kirana schwankte nach dieser Eröffnung. Es fühlte sich an wie ein tödlicher Schlag in den Bauch. Das konnte doch unmöglich der Wahrheit entsprechen.

Plötzlich erhob sich ein derart lauter Jubel, dass es ihr in den Ohren dröhnte, war doch das Geheimnis um das Talent der jungen, unbezwingbaren Kriegerin endlich gelöst. All die Eifer- sucht war verflogen. Niemand würde mehr an ihr zweifeln, denn aus einem solchen Vater konnte nur jemand wie sie hervorgehen, somit war auch die Nachfolge gelöst. Einer der beiden Zwillinge würde eines Tages das Reich übernehmen. Damentorion hob wieder die Hände, um die Jäger zur Stille zu zwingen. „Somit ist es auch mein Recht, dir die Bänder zu verleihen, du kannst es nicht ablehnen, da uns unser Blut verbindet.“

Der Wächter

Torian ließ seinen Blick über die verschneiten Bergspitzen schweifen, deren Ausläufer und Hänge er schon so oft durchstreift hatte. In den nächsten Monaten würden sie ihm wieder vertrauter werden. Da er zu den Wächtern gehörte, musste er bis zum Früh- lingsbeginn wieder in dieser eiskalten Welt seinen Dienst ableisten und den Bergmenschen dabei helfen, die Welt vor verschiedenen Bedrohungen, die oft hier ihren Ursprung hatten, zu bewahren. Er hatte sich mehr oder minder freiwillig dieser Truppe angeschlossen und sich ihr Vertrauen hart erarbeitet. Als Halbblut war es die einzige Möglichkeit gewesen, den Elfen zu zeigen, dass er zu ihnen gehörte und durchaus auch ihre Fähigkeiten besaß, obwohl er etwas stämmiger gebaut war als ein Vollblut und die Täto- wierungen der Bergvölker trug, die die Elfen nur gutmütig be- lächelten.

Torian war bei den Bergmenschen und somit bei seinem Vater aufgewachsen. Dieser war bis weit über die Grenzen des Berg- volkes für seine Fähigkeiten als Waldläufer bekannt gewesen, je- doch vor vielen Jahren im Kampf gegen die Eisriesen gefallen. Torians Vater hatte ihm mit Schwert und Axt zu kämpfen und außerdem das Leben der Waldläufer gelehrt, was den Halbelfen zu einem der besten Fährtenleser weit und breit machte. Von seiner Mutter hatte er die Instinkte, Geschmeidigkeit und Schnelligkeit der Elfen geerbt. Nach dem Tod seines Vaters verdiente er sich sein Geld als Kundschafter bei einem Trupp der Bergmenschen. Bei einem Einsatz mit eben diesen war es zum Kampf gegen die gefürchteten Schattenelfen gekommen und er war schwer verletzt geworden. So hatte ihn seine Mutter zu den Lichtelfen geholt, um ihn gesund zu pflegen und ihm dann dort auch deren Leben und Magie näherzubringen. Doch in dieser Gesellschaft war er stets ein Außenseiter gewesen, ein Halbblut, weder das eine noch das an- dere. Auch wenn ein Bündnis zwischen den Völkern bestand, war es doch ein Sakrileg in den Augen der Elfen, mit den kurzlebigen Menschen eine Verbindung einzugehen, selbst wenn es aus Liebe geschah.