Die Wortelfen Welten - A. Elfe D. - E-Book

Die Wortelfen Welten E-Book

A. Elfe D.

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Beschreibung

Die Wortelfen entführen den Leser in ihre verschiedensten Welten. Von Liebe über Kriege und Drama, Mord und Spaß sammeln sich alle möglichen Themen in den Kurzgeschichten und Gedichten der Wortelfen. Die Wortelfen Welten geben einen tiefen Einblick in ihre Arbeit und Welten.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum:

1. Auflage 2023

Copyright: „Die Wortelfen“

 

Einbandgestaltung, Buchsatz:

Stones, Books and Pictures Scatoelfen – Anita E. Dobes

Hauptstraße 14, A – 4802 Ebensee

 

Illustrationen:

Anja C. Dobes und A. Elfe D.

 

Herausgeber, Korrektorat und Lektorat, Texte:

„Die Wortelfen“ – alias Anna Schachinger und Anita E. Dobes

Hauptstraße 14, A – 4802 Ebensee

 

 

ISBN: 9783757905606

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Herausgeber und der Autoren unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Widerrechtliches Handeln wird rechtlich verfolgt.

 

 

Die Wortelfen Welten

 

herausgegeben

von

 

Die Wortelfen

 

Anna Forest Dweller

A. Elfe D.

Inhaltsverzeichnis

 

 

Arika und Ofin – Anna Forest Dweller 2

Erinnerungen – A. Elfe D. 10

Wahre Hexen brennen nicht – Georgie Ch. Sword 13

Die Kunst des Lebens – Anna Forest Dweller 22

Freiheit und Genuss – Georgie Ch. Sword 26

Die Welt in Farben – A. Elfe D. 28

Wurzel und Flügel – Anna Forest Dweller 35

Der Auftrag – A. Elfe D. 38

Assassine – A. Elfe D. 42

Das Lied der Selkie – Anna Forest Dweller 48

Feuer und Erde – Georgie Ch. Sword 52

Der magische Dolch – A. Elfe D. 61

Erzählung einer Banshee, die träumte

– Anna Forest Dweller 66

Glück gehabt – Georgie Ch. Sword 82

Das Schwert und die Schülerin

– A. Elfe D. 87

Farewell my darling – Anna Forest Dweller 91

Erste Spuren im Schnee – A. Elfe D. 93

Auf der Suche – A. Elfe D. 97

Kampf um Vulkera – Anna Forest Dweller 105

Schmerz – Georgie Ch. Sword 116

Das Geschenk – A. Elfe D. 119

Glasmomente – Anna Forest Dweller 124

Am Abgrund – A. Elfe D. 128

Orellie und der Wolf – A. Elfe D. 134

Mut ist ein Fremdwort – Anna Forest Dweller 159

Das kleine Bündel – A. Elfe D. 162

Traum-Mann – Georgie Ch. Sword 167

Sonne und Mond – Anna Forest Dweller 180

Halle der Schriften – A. Elfe D. 192

Machtgelüste und Fall – A. Elfe D. 196

Winterkind – Anna Forest Dweller 201

Kennenlernen – A. Elfe D. 204

Gasthaus zum singenden Waschweib

– A. Elfe D. 209

Wo sind die Helden hin? – Anna Forest Dweller 215

Sehnsucht – Georgie Ch. Sword 217

Die Erhebung – A. Elfe D. 219

 

Die Autorinnen der Wortelfen247

 

 

 

Vorwort

 

 

 

An dieser Stelle möchten wir uns bei Bianca Trapp bedanken, die dafür verantwortlich ist, dass die Wortelfen zueinandergefunden haben und nun zusammen produktiv sein können.

 

Durch eine Verlinkung auf Facebook entstand eine Zusammenarbeit und daraus eine dicke Freundschaft.

 

Die Wortelfen Welten sind nun der zweite Streich nach der zauberhaften Bibliothek. Es stehen viele weitere Projekte am Plan. Eines davon steckt bereits in den Kinderschuhen.

 

Nun wünschen wir euch viel Spaß beim Lesen!

 

Eure Wortelfen

Anna und Anita

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

by Anja C. Dobes

Arika und Ofin

Von

Anna Forest Dweller

 

 

 

Da stand er, nur wenige Meter von ihr entfernt. Arikas Atem ging gleichmäßig. Ihr ganzer Körper war zum Zerreißen gespannt. Sie durfte keinen Laut von sich geben, sich keinen Fehler erlauben. Ihr ganzer Fokus war so auf ihr Ziel gerichtet, dass sie die eisige Kälte des immerwährenden Winters gar nicht wahrnahm. Einatmen – sie nahm den Pfeil aus dem Köcher. Ausatmen – sie legte ihn an. Einatmen – sie spannte den Bogen. Ausatmen – sie ließ los. Der Pfeil flog durch die die Luft und ... TRAF. Der Hirsch bäumte sich auf, dann ging er zu Boden. Sein schwarzes Fell wirkte unnatürlich in dem ganzen Weiß um ihn herum. Unter ihm färbte sich der Schnee rot. Ehrfürchtig trat Arika an das Tier heran, das gerade sein Leben lassen musste, um ihr Weiterleben zu sichern. Sie legt ihre Hand auf seine Stirn, schloss die Augen und bedankte sich für sein Opfer. Sie jagte, um ihrer Familie das Überleben zu sichern, aber sie empfand niemals Freude am Töten. Nach diesem Moment des Innehaltens baute Arika einen schützenden Wall aus Geäst und Schnee um das Tier. Nun war es an der Zeit, sich auf den Weg zurück nach Jään machen. Sie würde mit helfenden Händen wiederkehren, um zusammen mit ihnen den Hirsch ins Dorf zu schaffen.

Sie trat aus dem verschneiten Wald heraus, an die Ufer des Eadar. Der leichte Dampf, der von dem warmen Wasser des Thermalsees aufstieg, tauchte alles in mystische Stimmung. Sie ging am Ufer des Sees entlang bis auf die andere Seite, dann bog sie wieder ab in den Wald. Zu Hause angekommen, fand sie ein heilloses Durcheinander vor. Ganz Jään war auf den Beinen. Einige Dorfbewohner sprachen hektisch miteinander, andere liefen ziellos umher. Im Getümmel entdeckte sie ihren Bruder Ansgar, der etwas verloren am Rand stand. „Ansgar, was ist denn passiert?“, rief sie ihm über den ganzen Lärm hinweg zu. Als er ihre Stimme hörte, kam er auch gleich auf sie zu. Aufgeregt begann er zu erzählen: „Ein Krieger aus Hemma hat sich schwer verletzt hier hoch geschleppt. Er hat Verbrennungen am ganzen Körper.“ Arika wollte mehr erfahren: „Ein Fremder, so hoch in den Bergen und das auch noch verletzt? Das ist kein gutes Zeichen. Konnte er noch berichten, was ihm zugestoßen war?“ Ansgar zuckte mit den Schultern: „Er stammelte nur etwas von ‚Feuer, es ist viel zu heiß.‘ und ‚Er ist tot, sie haben ihn getötet!‘, dann hat er das Bewusstsein verloren. Die Dorfältesten suchen jetzt Freiwillige für einen Kundschaftertrupp.“ Arika zögerte keine Minute, wenn es darum ging, ihr Dorf zu beschützen: „Ich werde mich auch melden, geh zu Mutter und sag ihr Bescheid.“ Ansgar tat wie ihm geheißen. Nach ein paar Schritten drehte er sich aber nochmal um und rief ihr zu: „Arika, sei vorsichtig!“ In diesen Moment überschwemmte sie eine Welle der Liebe für ihn. Mit einem zuversichtlichen Lächeln antwortete sie: „Bin ich doch immer, kleiner Bruder.“ Er lächelte zurück und verschwand dann zwischen den Bäumen Richtung ihrer Hütte. Arika sah ihm kurz nach, bevor sie sich auf Weg zu den Ältesten machte, um sich den Kundschaftern anzuschließen. Der Hirsch, der im Wald versteckt war, war vergessen.

Nur kurze Zeit später versammelten sie sich am Rande des Dorfes. In Dreiergruppen aufgeteilt, bekam jeder ein Gebiet zugewiesen, um es auszukundschaften. Arika und ihre Gruppe begaben sich in die Gestade rund um den Eadar. Erst schien alles ruhig, dann ging auf einmal alles ganz schnell! Aik, rechts neben Arika, ging zu Boden. In seinem Rücken steckte ein brennender Pfeil. Yorick sprang auf ihn zu und wälzte ihn im Schnee, aber das Feuer erlosch nicht. Aik schrie fürchterlich, bis seine Stimme erstarb. Eine Feuerwand aus Pfeilen kam auf sie zu. „Lauf! Lauf und warne die anderen!“ rief Yorick, bevor er vor Arika sprang und die Pfeile abfing. Sie sah ihn noch im Augenwinkel zu Boden gehen, während sie bereits durch den Wald rannte. Haken schlagend wie ein Hase versuchte Arika, ihre Verfolger abzuhängen. Sie achtete nicht auf den Weg. Ihr einziges Ziel war es, den surrenden Geräuschen zu entkommen. Plötzlich lag vor ihr der See. Ohne lang nachzudenken, sprang sie hinein und tauchte. Unter der Oberfläche nahm sie von weiter unten ein Glitzern wahr. Einer inneren Eingebung folgend schwamm sie darauf zu. Das seltsame Licht führte sie in eine - mit Luft gefüllte - Höhle. Die Wände der Höhle waren aus Eis und wirkten, als wären sie voller Spiegel. Die Tatsache, dass das Eis trotz des warmen Wassers, das sie umgab, nicht schmolz, konnte nur eins bedeuten: DRACHENEIS. Sie hatte die Geschichten in einem Buch ihrer Großmutter „Mythen alter Wesen aus Talam“ gelesen. Das Einzige, was ihr von ihr geblieben war, und Arika hütete es wie einen Schatz. In ihm standen Legenden von Eisdrachen. Drachen, die einst hier in den Bergen Norrs zuhause waren. Sie spien kein Feuer, sondern Eis! Eis, so kalt und undurchdringlich, dass kein Feuer es zum Schmelzen bringen konnte. Aber es waren nur Legenden. Seit Dekaden wurden weder in Norr noch in ganz Talam Drachen gesehen. Weder die, die Feuer, noch die, die Eis in sich trugen.

 

Sie ging durch die Höhle. Vor ihren Füßen lag plötzlich etwas, das aussah wie eine Schuppe! Ein weiteres Zeichen, das auf einen Drachen hindeutete. Arika schwirrte der Kopf. Auf einmal begann ihr Herz zu rasen und ihre Hände begannen zu schwitzen. Drachen! Drachen, deren Eis extremer Hitze standhielt. Das konnte die Rettung ihres Dorfes sein! Sie wagte sich weiter in die Höhle hinein. Die Eiswände warfen ihr Spiegelbild hundertfach zurück. Sie ignorierte die Härchen, die sich an ihrem ganzen Körper aufstellten, und ging weiter, als sie auf einmal ein Rascheln wahrnahm. Eine Stimme in ihrem Kopf ertönte: „Das ist mein Zuhause! Du hast hier nichts zu suchen!“ Abrupt blieb Arika stehen. Was war das? Sie nahm all ihren Mut zusammen und ging weiter. Am Ende der Höhle, ganz an die Wand gedrückt, sah sie ihn! Er war wunderschön. Seine Schuppen glänzten eisblau, seine Augen waren grün wie Smaragde und in ihnen stand blanke Panik. „Bleib weg, Jägerin!“, dröhnte es nun wieder in ihren Kopf. „Er hat Angst vor mir“, kam es Arika in den Sinn. „Dieses riesige Wesen hat tatsächlich Angst vor mir.“ Sie hob die Hände nach oben, um ihre leeren Handflächen zu zeigen: „Ich tu dir nichts.“ „Was willst du sonst hier?“, erklang die Stimme in ihrem Kopf erneut. „Ich bin vor dem Feuer geflohen“, erwiderte Arika fast flüsternd und senkte den Kopf. Erinnerungen überkamen sie. Aiks Schrei, der verstummte. Yoriks Blick als er sich vor sie warf, wohlwissend das er sterben würde. All das tauchte vor ihrem inneren Auge auf.

 

Plötzlich überkam sie eine Vision. Ihr Dorf brannte. Ihre Mutter, ihr Bruder, jeder den sie kannte, in Flammen. Sie musste sie retten! Sie fiel vor dem Drachen auf die Knie und flehte: „Bitte, bitte keine Flammen können euer Eis durchdringen. Bitte, helft uns!“ Die Stimme in ihrem Kopf antwortete: „Warum sollte ich euch Menschen helfen. Ihr habt uns Drachen verfolgt, getötet und vertrieben. Nur mehr ich bin übrig.“ Jetzt verstand Arika, woher seine Angst kam, dennoch gab sie nicht auf: „Bitte, ich gebe euch alles, was ich habe!“ „Was könntest du schon haben, das nützlich für mich ist?“, folgte die Antwort prompt. „Nichts, ich besitze nichts außer einem toten schwarzen Hirschen.“, flüsterte sie, während ihre letzte Hoffnung schon schwand. Kurz war es still in ihrem Kopf. Dann folgten völlig unerwartet die erlösenden Worte: „In Ordnung. Wenn der Hirsch danach mir gehört, helfe ich dir und deiner Sippe.“ Damit hatte Arika nicht gerechnet. Sie konnte es kaum glauben, dass es plötzlich doch so einfach war. Aber sie brauchte Hilfe und so hinterfragte sie die Entscheidung des Drachen nicht weiter, sondern war nur dankbar. Der Drache kam nun zögerlich aus seiner Ecke und legte sich vor ihr hin: „Steig auf meinen Rücken.“ Arika wurde bei der Aussicht ziemlich flau im Magen. Doch das Wissen, dass der er mindestens genauso viel Angst hatte wie sie, machte es etwas leichter. Sie schloss die Augen, dachte an ihre Lieben, öffnete sie wieder und ging dann mit weichen Knien auf den Drachen zu. Sie kletterte auf seinen Rücken. Eine Frage kam ihr noch in den Sinn: „Wie heißt du eigentlich?“ „Ofin“, mit diesem Wort setzte sich das riesenhafte Wesen in Bewegung.

 

Arika schloss die Augen. Gemeinsam tauchten sie aus dem See auf und schossen in schwindelerregende Höhen. Noch nie hatte Arika so viel Angst und sich gleichzeitig so lebendig gefühlt. Aber ihr blieb keine Zeit, um sich dem Moment hinzugeben. Sie mussten schleunigst nach Jään. Arika wies Ofin den Weg, keine Sekunde zu früh. Das Dorf war bereits umzingelt. Nun erblickte sie zum ersten Mal die Wesen, die hinter den Feuerpfeilen stecken. Weiß waren sie, ihre Augen eisblau. Flammen schlängelten sich um ihre Arme. „DORCHA! Du hast mir nicht gesagt, dass es sich um Dorcha handelt!“, dröhnte Ofin laut in Arikas Kopf. „Das wusste ich nicht! Ich dachte wie alle anderen auch, dass sie noch immer verbannt sind.“, verteidigte sie sich. Ofin drehte ab: „Wo ist der Hirsch!“ Sie war den Tränen nahe: „Was machst du denn, du kannst nicht einfach aufgeben, bitte, hilf ihnen.“ „Das versuche ich, aber alleine werde ich es nicht schaffen. So wie mein Eis nicht gewöhnlich ist, ist ihr Feuer es auch nicht. Also bring mich zum Hirschen.“, forderte Ofin sie erneut auf. Arika verstand nichts mehr: „Aber wie kann uns der Hirsch da helfen? Und woher soll ich wissen, ob du zurückkommst, wenn du ihn hast?“ „Du wirst mir wohl vertrauen müssen!“, war alles, was sie als Antwort bekam.

 

Sie übte sich in Vertrauen und zeigte ihm den Weg zum Versteck ihrer Beute. Als diese von Schnee und Ästen befreit war, fuhr Ofin mit seinen Flügeln über das schwarze Fell des Hirsches. Die Luft um sie herum begann zu flirren und ein riesiges Tor öffnete sich. Plötzlich hörte sie Ofins Stimme das erste Mal außerhalb ihres Kopfes. Er stieß einen ohrenbetäubenden Schrei aus und ebenso laute Schreie kamen zurück. Zwei, vier, sechs, … Immer mehr Drachen kamen aus dem Tor. Gemeinsam mit ihnen erhoben sie sich und flogen nach Jään zurück. Es brach ein erbitterter Kampf los. Der Himmel bebte im tödlichen Spiel zwischen Feuer und Eis. So heftig es auch war, so schnell war es zu Ende. Die Dorcha mochten stark sein, doch der Übermacht der Eisdrachen mussten sie sich beugen und flohen in alle Richtungen.

 

Jään war gerettet. Arika stieß einen Schrei der Erleichterung aus, als sie im Getümmel der zusammengetriebenen Dorfbewohner ihre Mutter und ihren Bruder sah. Doch noch konnte sie sie nicht in die Arme schließen, denn die Drachen drehten erneut ab und flogen zum Tor zurück. Ofin landete und Arika stieg ab. Einer nach dem anderen flogen die Drachen wieder durch das Tor. „Ich bin lange genug alleine gewesen, ich werden mit ihnen gehen.“, klang Ofins Stimme erneut in ihrem Kopf. Ihr wurde schwer ums Herz. Sie hatte ihren Retter doch noch nicht einmal richtig kennengelernt und schon sollten sich ihre Wege wieder trennen. „Sei nicht traurig, du hast doch ein Erinnerungsstück an mich.“ Klang es sanft in ihrem Kopf und Ofin blickte auf ihre Tasche, in der die Schuppe seit der Höhle ruhte. „Damit kannst du mich immer rufen.“ „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Danke ist nicht genug.“, antwortete sie. „Erzähl den Menschen, wie wir wirklich sind!“ Das waren die letzten Worte, die Arika in ihrem Kopf hörte, dann erhob sich Ofin und flog durch das Tor zu seinen Artgenossen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

by A. Elfe D.

Erinnerungen

Von A. Elfe D.

 

 

Mittlerweile war die Schneewölfin in die Jahre gekommen und mal plagte hier, mal plagte dort das Zipperlein. Ihren ehemaligen Gefährten hatte sie schon vor langer Zeit verabschieden müssen. Wie sehr sie ihn vermisste. Auch ihre Bewegungen waren mittlerweile langsamer geworden und die jugendliche Ungeduld hatte dem Momente genießendem Alter Platz gemacht. Aber jedes Jahr, wenn der erste Schnee liegen blieb, überkam sie dieses freudige Gefühl und sie musste an Odron denken. Wie sehr hatte er diese Jahreszeit geliebt und war immer wie verrückt durch den ersten Schnee mit ihr gesprungen. Sie hatten sich gegenseitig voller Spaß in den Schnee gedrückt und miteinander gekämpft, bis sie sich erledigt und ausgepowert in das kühle weiche Weiß fallen ließen, das sie umfing wie eine kuschelige Decke. Sie waren jung und glücklich gewesen. Die Erinnerungen füllten jedes Jahr wieder ihre müden, alten Knochen mit Leben und mit diesem Gedanken fühlte sie sich noch einmal jung. Sie stürmte dann durch den Schnee, dass er an allen Seiten davon flog, genoss die Kälte und die Gerüche, die er mit sich brachte und brannte sie fest in ihre Erinnerungen ein. Wenn dann wieder die heißen Zeiten des Sommers kamen, konnte sie diese hervorholen und in Gedanken über die früheren Zeiten schwelgen. Eines Tages würde auch sie den letzten Weg antreten, aber sie hatte sich fest vorgenommen dies mit einem Lächeln im Gesicht und mit dem Gedanken an ihre Lieblingszeit, dem Winter, zu tun.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

by A. Elfe D.

Wahre Hexen brennen nicht

Von Georgie CH. Sword

 

 

 

Anna saß seit dem Morgengrauen versteckt im Gebüsch und wartete. Es hatte in der Nacht gefroren und die Luft war eisig klar. Bald würden sie kommen und das Urteil vollstrecken. Sie konnte den Scheiterhaufen, der am Vortag gebaut worden war, und den Platz darum herum gut von ihrem Versteck einsehen ... Tränen rannen ihr über das Gesicht. Sie wusste, dass sie ihr nicht helfen konnte, durfte.

 

Eine wahre Hexe brennt nicht. Wie oft hatte sie diesen Satz schon gehört und auch selbst gesagt. Sie rutschte in ihrem ungemütlichen Versteck wieder etwas weiter nach hinten. Natürlich hatte sie genug Kraft, um sich selbst vor den Augen der anderen zu verbergen, dennoch würde sie kein sinnloses Risiko eingehen. Niemand konnte sie je als Hexe enttarnen, es sei denn, sie würde sich selbst zu erkennen geben. Allerdings hatte sie, Anna, einen verheerenden Fehler begangen. Vor nicht allzu langer Zeit war in der kleinen Stadt vor ihr eine Krankheit ausgebrochen, die schnell um sich gegriffen hatte. Es schien ein Aufziehen der Dunkelheit zu sein und so wollte Anna helfen und es mit Lichtmagie vertreiben. Nicht nur hier in dieser Stadt war das Dunkel eingezogen und hatte die Bewohner krank gemacht, auch in vielen anderen Dörfern und Städten hatten sie auf ihrem Weg schon Auswirkungen gesehen. Sie gab sich also als Heilerin zu erkennen und hatte natürlich schnell Erfolge. Eigentlich waren sie und ihre Freundin nur auf der Durchreise, auf dem Weg zur Weißen Insel. Anna sollte dort eines der größten Rituale zur Tag Nacht Gleiche durchführen, um das Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit wieder herzustellen. Um das Dunkel in seine Schranken zu weisen. Sie war von den derzeit größten Hexen und Druiden auserwählt worden und bereits seit ihrer Kindheit darauf vorbereitet worden. Nur sie konnte die Harmonie in die Energien der Natur zurückbringen. Sie sollte Mutter Natur besänftigen und die Menschen somit vor Krankheit und Katastrophen beschützen. Seit ihrer Geburt fühlte sie den Unmut der Naturgeister über die ausbeuterischen Menschen und dennoch wusste sie, dass weder das eine noch das andere ohne einander existieren konnte. Anna trug nicht nur das weiße Licht in sich, sondern auch die Dunkelheit, was auch der Grund war, warum die Wahl auf sie gefallen war. Immer wenn ihr das gesagt wurde, musste sie innerlich lächeln, da ihr selbst klar war, dass die beiden Gegensätze in allem und jedem existierten, doch bei dem einen war das eine stärker, beim anderen das andere. In ihr herrschte wohl ein angeborenes unerschütterliches Gleichgewicht. Wahrscheinlich hegte und pflegte sie dieses schon seit vielen Leben, hatte ihr ihr Meister irgendwann einmal gesagt.

 

Früher schien dies auch viel einfacher gewesen zu sein. In vergangenen Zeiten waren sie verehrt worden als Heiler, Seher, man hatte sie in allen Belangen des Lebens um Rat gefragt und zu schweren Entscheidungen hinzugezogen. Jetzt mussten sie sich verstecken um nicht als Hexen entlarvt zu werden. In die Herzen der Menschen war Angst eingezogen. Die ach so gläubigen Vertreter des Christentums hatten die Unwissenheit ihrer Untergebenen genutzt und aus Machtgier Groll und Hass geschürt. Sie streuten Missgunst gegenüber allem was auch sie selbst nicht verstanden und jeder der ihnen nicht ins Schema passte, oder nach ihrer Pfeife tanzte, einen eigenen Willen hatte, wurde als Hexe oder Hexer gebrandmarkt und entsorgt. Überall im Land gab es Hexenverfolgungen und brannten Scheiterhaufen. Viele Unschuldige mussten bereits ihr Leben lassen, nur um ein Zeugnis der Macht zu sein. Nun was aber die Obrigen nicht wussten und auch nicht wissen konnten, wahre Hexen brennen nicht, nur wenn sie es wollen, wenn sie es zulassen. Leider war auch hier in dieser kleinen Stadt diese Angst vor Unbekanntem gesät worden und Tamara und Anna waren schnell vor den hier amtierenden Bischof gebracht worden, nachdem sie mit ihren Kräutern und Sprüchen sehr schnellen Erfolg beim Heilen der Kranken für sich verbuchen konnten. Gier und Neid hatten wieder zugeschlagen, sodass der ansässige Arzt sie wegen Hexerei angezeigt hatte. Tamara hatte alle Schuld auf sich genommen, um Anna die Weiterreise zu ermöglichen. Sie hatte geschworen auf Anna aufzupassen und sie sicher zur Weißen Insel zu bringen, damit die Auserwählte ihre Aufgabe erfüllen konnte. Widerwillig war Anna aus der Haft entlassen worden und Tamara hatte ihr das Versprechen abgenommen nicht einzugreifen, egal was geschehen würde. Sie musste rechtzeitig zum Ritual kommen, komme was wolle und egal wie Tamara ihr die sichere Anreise ermöglichen würde.

 

So saß Anna nun am Waldrand im Gebüsch und wartete. Sie wartete auf ihre Freundin. Noch herrschte Stille. Das Wissen, dass sie ihr nicht helfen konnte, lastete schwer auf ihr. Sie durfte ihr nicht helfen, nicht ohne die Welt in Gefahr zu bringen in ein jahrhundertelanges Ungleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit zu fallen. Weitere Tränen rannen über ihr Gesicht. Brannten sich heiß in ihre Haut, woran nicht einmal die sie umringende eisige Luft etwas ändern konnte. Sie hatte Angst davor, was bald vor ihren Augen geschah. Tamara würde mit Sicherheit nicht den einfachen Weg wählen und fliehen. Anna wusste, dass sich ihre Freundin dagegen entschieden hatte, um die Blutgier der Städter zu stillen. Sie wollte ihr eine sichere Weiterreise garantieren. Schließlich lag noch ein langer Weg vor ihr bis zu Weißen Insel.

 

Plötzlich wehten die ersten Trommelschläge zu ihr herüber. Es ging los. Die Stadttore schwangen mit lautem Quietschen auf. Die Angeln sollten mal wieder geölt werden. Stimmen erklangen. Vor allem eine stach laut hervor. Die laute eintönige Stimme des Vasall des Bischofs las die Anklageschrift wie ein Mantra immer und immer wieder. „Tamara vom Birkenwald wurde des Verbrechens angeklagt mit dem Teufel im Bunde zu sein, ketzerische Praktiken als Hexe angewandt zu haben und somit die Stadt Oberwald verflucht zu haben. Viele Bewohner wurden dadurch schwer krank und erlagen ihren Beschwerden. Somit liegt der Tod unzähliger Ansässiger auf ihren Schultern. Das Urteil lautet Tod auf dem Scheiterhaufen.“ Anna schüttelte unwillig den Kopf und flüsterte leise: „Ihr unwissenden, dummen Kinder. Ohne unsere Hilfe, im besonderen der von Tamara, wäre die ganze Stadt innerhalb weniger Tage zur Geisterstadt geworden. NIEMAND hätte überlebt.“ Weitere Tränen bahnten sich einen Weg über Annas kaltes Gesicht. Sie reckte den Hals und versuchte, zwischen den Ästen des Busches, mehr zu sehen. Sie zog den Schal etwas enger, den sie um den Mund gewickelt hatte, damit keiner die aufsteigenden Wölkchen ihres Atems sehen konnte. Der Tränenfluss schien kein Ende zu nehmen. War es möglich, dass sie irgendwann in diesem Leben wieder versiegen würden? Oder dass sie vielleicht in Zukunft keine Weiteren mehr übrig hatte? Dass sie all die Tränen und Trauer die ihr möglich waren hier und heute aufbrauchen konnte? Nein das durfte nicht sein. Sie durfte sich nicht verschließen, ihre Empathie verlieren. Sie hatte es Tamara versprochen. Ihre Augen waren verschwollen und brannten, aber sie wollte zumindest aus der Ferne für ihre Freundin da sein. Sie wusste, dass sie es fühlen konnte.

 

Wenige Augenblicke, nachdem der Bischof mit überheblichen Blick durch die Tore getreten war, schritt auch schon Tamara mit hoch erhobenem Kopf heraus und strauchelte. An den Händen gefesselt wurde sie an einem Seil wie ein räudiger Hund von den Wachen immer wieder nach vorne gerissen und hinter her geschliffen, was sie zum Stolpern und Fallen brachte. Immer wieder wurde sie hochgezerrt und vorwärts gestoßen. Und doch war es ihr immer wieder möglich, den Kopf zu heben und zu zeigen, dass sie nicht gebrochen worden war. Ein Anblick der Erhabenheit, trotz des vor Blut und Dreck starrenden Hemdchens, das kaum ihren nackten Körper bedeckte. Anna unterdrückte mühsam ein lautes Aufschluchzen, als sie ihre Freundin sah. Sie musste erbärmlich frieren und furchtbare Schmerzen haben. Alles, was nicht von diesem winzigen Fetzen den sie trug, verborgen wurde, strotzte vor Schnitt-, Brand- und Schürfwunden. Der gesamte Körper schimmerte in den verschiedensten Farben von Blutergüssen und Verletzungen. Trotz des furchtbaren Zustandes schaffte Tamara es, ihr Haupt hoch erhoben zu tragen, und hatte einen fest entschlossenen Blick.

 

Beim Scheiterhaufen angekommen wurde sie an den Pfahl gebunden. Der Vasall des Bischofs beendete das Rezitieren der Anklageschrift und fragte ob sie noch etwas sagen wolle, oder sich dem Teufel durch eine Weihe des Bischofs abwenden würde. Tamara begann laut zu lachen: „Wie kann ich mich von etwas abwenden woran ich nicht glaube und wie kann ich mich weihen lassen von jemanden der ein Nichts ist in meinen Augen.“ Die Umstehenden sogen entsetzt die Luft ein, aber Tamara ließ sich nicht beirren und fixierte den Bischof mit hartem Blick: „Eines aber muss ich euch noch sagen. Wahre Hexen brennen nicht, es sei den sie entschließen sich dazu. Ihr Unwissenden habt keine Ahnung, welch dunkle Kräfte ihr mit eurem Tun herauf beschwört. Noch hab ich mich nicht entschieden, ob ich im Guten oder im Bösen gehe, aber seid gewarnt bald kann euch wirklich der Fluch einer wahren Hexe treffen, dann wisst ihr wozu ich mich entschieden haben.“ Wieder lachte sie laut auf. Diesmal klang es, als hätte sie den Verstand verloren.

 

Entsetzt hielt Anna den Atem an. Hatte sie richtig gehört? Wie eine Welle der Dunkelheit schienen sie die Worte ihrer Freundin zu treffen. War sie doch gebrochen worden? Nahm die Dunkelheit, die sie immer in ihr gefühlt hatte, überhand? Aber sie war doch eine weiße Priesterin. Eine Hexe des Lichts. Plötzlich heftete sich der Blick von Tamara auf sie. In Gedanken konnte sie ihre Stimme hören: „Wahre Hexen brennen nicht! Vergiss das nicht! Nur wenn sie sich dazu entscheiden! Ich bereue nichts, auch nicht was jetzt geschehen wird. Es ist nur für dich, aber erwarte nicht, dass ich im Licht sterben werde. Die Dunkelheit nagt schon lange an mir und versucht nun an die Oberfläche zu gelangen. Ich glaube nicht, dass ich es stoppen kann. Wir werden uns eines Tages, in einem anderen Leben wieder sehen und dann kommst du und bringst mir das Licht zurück! Ich vertraue auf dich! Mach es gut meine liebe Freundin!“ Die Worte Tamaras trafen Anna wie ein Orkan. Sie würde mit der Schuld am Tod ihrer Freundin leben müssen und dass sie in die Dunkelheit rutschte. Hätte sie schon früher etwas dagegen tun können? Hätte sie offen darüber reden sollen, dass sie das Dunkel in ihr fühlen konnte? Ihre Seele würde die Schuld so lange tragen, bis sie sich wieder trafen und sie ihrer Freundin das Licht geben konnte, nachdem sie sich nun sehnte. Aber warum galt ihr nun der Fluch? War es überhaupt ein Fluch? Warum war da immer diese Dunkelheit unter der Oberfläche verborgen gewesen? War es Eifersucht, dass Anna die Auserwählte war? Oder war es schlicht ein Versprechen, dass sie sich eines Tages wieder über den Weg laufen würden? Anna war verwirrt und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie wollte aufspringen und ihrer Freundin das Leben retten, aber eine unsichtbare Kraft drückte sie nieder. Machte sie bewegungsunfähig und hielt sie fest. Tamara!

 

Der Scheiterhaufen wurde entzündet und Flammen züngelten an den Beinen von Tamara hoch, fraßen das Hemdchen innerhalb kürzester Zeit und versengten die vollen, dunklen Haare. Tamara selbst brannte nicht. Wahre Hexen brennen nicht, es sei den sie lassen es zu, hallte es durch Annas Kopf. Anna begann wieder lautlos zu weinen. Hilflos in ihrem Versteck musste sie zusehen, wie das Feuer immer größer wurde und knisternd zu einem regelrechten Inferno wurde. Der Blick ihrer Freundin war fest auf sie gerichtet und wieder konnte sie ihre Stimme in ihren Gedanken hören: „Für dich! Für die Welt! Für das Licht!“ Dann begann der Körper der Hexe in Flammen aufzugehen und ein langer schmerzerfüllter Schrei zerriss die Kälte und die Stille die sich über die Ebene vor den Stadttoren gelegt hatte. Es schien etwas düsterer zu werden, als würde sich schwere Dunkelheit über das Land legen. Keiner der Anwesenden gab vor Entsetzen und Angst auch nur den kleinsten Laut von sich. Leise begann sich die Menschenmenge um den Scheiterhaufen so schnell wie möglich aufzulösen. Anna saß noch lange im Gebüsch und sah zu, wie der Haufen, das Zeugnis der Geschehnisse, zu Asche wurde und die Asche vom Wind in die Welt und die Zukunft getragen wurde.

 

*

 

Mit einem Ruck wurde sie in die Gegenwart zurückgerissen. Was für eine furchtbare Vision! Tränen rannen über ihr Gesicht. Sie konnte die Kälte und die Trauer mit den gesamten Fasern ihres Seins fühlen. Sie sah der Frau ihr gegenüber in die Augen und wusste mit einem Mal, wen sie vor sich hatte. Vorhin hatte sie diesen Ring mit einem wunderschönen Stein gekauft und nicht gewusst warum. Sie hatte wie immer darauf vertraut, dass der Stein und die universellen Energien ihr sagen würden, wohin er sollte. Nun war ihr klar, dass er das Licht repräsentierte, auf das ihre damalige Freundin seit vielen Leben wartete. Endlich war der Tag gekommen, an dem sie ihre Schuld tilgen konnte. Sie zog den Ring von ihrer Hand und gab ihn ihr. Ihr Gegenüber nahm ihn dankbar lächelnd an und streifte den perfekt passenden Ring über. Nun lag es an der Frau vor ihr, das Licht anzunehmen. Dabei konnte sie nicht helfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

by Anja C.

---ENDE DER LESEPROBE---