Die Kuh passt - Alex Gfeller - E-Book

Die Kuh passt E-Book

Alex Gfeller

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Beschreibung

Der Text ist eine vielschichtige, symbolisch aufgeladene Erzählung über das Individuum in der modernen Welt, das mit inneren und äußeren Konflikten ringt. Die Meise steht dabei als Sinnbild für die Suche nach Identität, Freiheit und Zugehörigkeit in einer oft feindseligen und entfremdeten Gesellschaft. Das Verstummen der Meise markiert einen Wendepunkt im Umgang mit diesen Herausforderungen und verweist auf die Notwendigkeit innerer Einkehr und Selbstschutzes. Die gesellschaftskritischen und existenziellen Themen werden in einer komplexen, poetischen Sprache vermittelt, die Raum für Interpretation lässt. Prof. K. Inderbitzin, Christchurch Alex Gfeller, Schriftsteller und Landschaftsmaler, geboren 1947 in Bern, lebt in Biel

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Seitenzahl: 252

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Das Ich im Spiegel der Zeit, das Ich im Brunnengrund der Zukunft und das Ich im imperfekten Sumpf der Gefühle haben unabhängig voneinander keine denkbare oder allenfalls nur schwach erkennbare, bestenfalls notdürftig machbare Möglichkeit, sich noch weiter zu entwickeln oder sich gar weiterhin zu positionieren. Nur die moosbewachsenen Felsenunterkünfte gewähren den allegorischen Einsteigern eine rudimentäre Gelegenheit, sich inniglich, doch immerhin innerlich, aber immer nur äußerlich in sich zu begeben, indem sie erwartungsgemäß die Eingangstüren geräuschvoll nach innen aufstoßen, wenn die kaum vorstellbaren Voraussetzungen dazu überhaupt erst mal gegeben sind. Wenn sie untereinander übereinstimmen und miteinander gut funktionieren, bewirken das angesagte Insichgehen und das bestenfalls gegebene Insichsein zudem eine innige, doch unerwartete Insichgegebenheit und infolgedessen eine tief empfundene Insichseinsweise, die zugegebenermaßen nur in Ausnahmesituationen mit einer institutionellen Einhelligkeit und mit einer systemischen Gleichartigkeit übereinstimmen können.

Sie sind indes, doch nur angeblich und meist nur andeutungsweise, aber gerüchteweise nahezu unverwüstlich gegeben, so hört man allerorten und auch fürderhin laut. Lauter Akkusativassoziationen, denn allein deshalb bewegen sich alle Rauchschwadronen, Triebtäterschützenlinien und hartnäckigen Störefriedewiederstände unausweichlich in drei äußerlich unterschiedlich gekrümmten Dimensionen, mitsamt ihren zugeteilen Einheiten, die erst noch unabhängig voneinander und unberechenbarerweise kreuz und quer auseinanderfunktionieren, auf und ab durcheinanderplatonieren und gleichzeitig inniglich ineinanderkujonieren können müssen.

Auch blendend weiße Westen führen deshalb oft zu Zielen, die nicht unbedingt immer im Bereiche des Vorstellbaren und in Reichweite des Möglichen liegen, obschon sogar die angesagten Flachlandverbindungen überallhin einwandfrei funktionieren sollen und sogar dem Vernehmen nach absolut fehlerfrei mitspielen können. Sollten sie doch einfach nur gemächlich weitergehen, als sei gar nichts geschehen, in der flüchtigen Annahme, oder, besser, in der zweifelhaften Hoffnung, der stets säumige Ausschuss würde ihnen gewiss, wenn auch nur unsichtbar und unhörbar, anstandslos folgen können? Könnten sie somit bloß tun, als hätten sie vom längst erwarteten Verschwinden des ganzen Wurmausschusses noch gar nichts bemerkt? Würde sich das aktuelle Problem folglich ohne weiteres und wie von selbst erledigen, rundweg logisch und irgendwie organisch, also gewissermaßen automatisch und zudem auch noch absolut fugenlos absichtsintegriert? Wäre daraufhin die ganze, längst angesagte Aufregung völlig umsonst gewesen? Oder würden die Meisen die Würmer für die Dauer der laufenden Unternehmung unter Umständen überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekommen können wollen, etwas, was sie sich übrigens insgeheim und nur für sich selber inniglich gewünscht hätten? Nie mehr Würmer? Ein Leben ohne Würmer? Eine Welt ohne Würmer? Ein ganzes Universum ohne Würmer? Genau das wäre indes die logische Quintessenz der ganzen folgenreichen Annahme.

Dergestalt lautet aber der geheime, niemals offen ausgesprochene, aber umso tiefer empfundene Wunsch der reifen Papaya aus Paraguay nach Endgültigkeit. Wir erkennen hierbei leichterhand das Ausmaß der meisischen Not, das Gewicht des meisischen Leidens und den Umfang des ganzen meisischen Elends, und man merkt schnell: Erst als Meise lernt man die Würmer als solche – und deshalb natürlich auch einen ausgewachsenen Wurmausschuss – richtig tief und von Herzen hassen.

Das mag in der Tat eine unerwartet bittere meisische Grunderkenntnis auf der Basis einer ätzend langjährigen Grunderfahrung sein, die sich indes in den allermeisten Fällen viel zu spät einstellt, nur weil man sie sich für lange Zeit gar nicht erst ein- und zugestehen möchte. Das meisische Verdrängungspotenzial zeigt sich naturgemäß unausweichlich aktiv und zudem unübersehbar gigantisch, nur um die geeignete Wirksamkeit allerorten und allenthalben demonstrieren zu können. Aber die Meise ist jetzt nicht nur ungehalten, sie ist gegenwärtig auch noch wütend und empört zugleich. Womit muss sie sich auch noch in ihrem gesetzten Alter beschäftigen? Womit muss sie sich als erfahrene Meise täglich auch noch herumschlagen? Womit hat sie diesen ganzen Wurmdreck überhaupt verdient? Kann man so etwas Entwürdigendes von ihr eigentlich heute noch verlangen? Sind solch garstige Erwerbsbedingungen einer erfahrenen, langjährigen und recht abgebrühten Meise überhaupt noch zumutbar, zuträglich, zuweisbar und erst noch sehr konkret zuzumuten? Zustellbar? Zugetan? Zuvorgekommen? Zuversichtet? Zuträglich? Zugänglich? Ist dieses unkalkulierbare und auch überaus verwerfliche Geschehen nicht längst zu einer arbeitsrechtlich äußerst bedenklichen Grenzüberschreitung verkommen, zu einem ornithologischen Fanal, zu einem vogelrechtlichen Ausnahmefall, zu einem meisischen Sonderfall und somit zu einer völlig unzulässigen Meisenplage, bzw. zu einer unstatthaften Würmerplage mittelalterlichen Ausmaßes? Müsste eine jede tapfere Meise solcherlei nicht stolz und entschieden zurückweisen dürfen und zurückweisen können, und müsste sie nicht, zum Beispiel angesichts dieser pausenlosen Beleidigungen, zu Händen einer Internationalen Meisenrechtskommission gerade diese unablässigen Demütigungen, konstanten Bedrohungen und fortlaufenden Entwürdigungen nicht einfach definitiv ernüchtert erklären: „Damit habe ich nichts zu tun. Das geht mich nichts an. Das liegt weit jenseits all meiner Vorstellungen, Kompetenzen, Vorgaben, Abgaben, Eingaben und Aufgaben. Das muss ich mir nicht bieten lassen, und gefallen lassen muss ich mir das schon gar nicht. Ich werde mich damit gar nicht erst befassen, noch werde ich solcherlei jemals wieder mitmachen. Das liegt weit unter meiner Würde eines grenzüberschreitend anerkannten Singund Ziervogels mit naturgeschütztem Seltenheitsstatus!“

Denn es verhält sich auch bei diesem Bekenntnis gleich wie bei den Bekenntnissen so vieler anderer, übereifriger, angeheizter, ausgereizter und ganz eindeutig übergeschnappter Renntrimmhysteriker: Die Theorie ist klinisch rein und vollkommen verständlich wie bestes Quellwasser, das heißt, absolut keimfrei und glasklar, wenn man so will, reich an Sauerstoff und wertvollen Mineralien, aber die Praxis sieht hingegen wie die braune, stinkende Brühe in der überbordenden Abwasserreinigung einer völlig überforderten Stadt aus, denn in der Tat: Die zyklische Wirklichkeit sieht exakt und präzise wie die übelriechenden, verdorbenen und zudem meist auch noch giftigen Abwässer einer ganzen Industriestadt aus, sieht also wie die halbvergorenen Ausscheidungen aus, die jeden beschissenen Tag in einem nahezu pausenlosen, unsichtbaren Strom von siebenhundertsechzigtausend unerbittlich anhaltend gestressten Arschlöchern mit permanentem Durchfall in die düstere Kanalisation geschissen wird, noch bevor sie durch die örtlichen Kläranlagen gequirlt, gepumpt, gesickert, geschraubt, gesprüht und gegluckert ist und kurz bevor das solcherart zurückgewonnene Restwasser wieder einigermaßen klar in die Natur und bald darauf erneut in die Trinkwasserfassungen der nächsten Polis gelangt ist.

Steht, nur als instruktives Beispiel, in ihren heiligen Anweisungen nicht „Du sollst kein gestohlenes Autoteil in deinen eigenen Wagen einbauen?“ Oder so ähnlich? Oder „Du kannst deine Klimaanlage einfach ausbauen, wenn du nicht mehr ans Klima glaubst?“ Oder „Diese teuren Sitzüberzüge aus importiertem australischem Springmausleder reichen gerade noch zum Staubabwischen?“ Natürlich bewusst ungenau zitiert und nur vage formuliert? Genau da hapert es nämlich bei ihnen, den abgestandenen Ersatzklebern, unter vielem anderen, und zwar mit dem klaren und reinen Nächstenliebeprogramm, denn genau da knirscht es mächtig in ihrem Getriebe! Das knirscht geradezu unüberhörbar!

Dergestalt kann aber überhaupt erst richtig positiv gearbeitet werden, denn derart ungleich können selbst Einzelwanderungen aufgebaut und festgefahren sein, so dass die Ergebnisse der Massenbefragungen nicht mehr lange auf sich warten lassen werden. Es ist deshalb beileibe nicht das erste Mal, dass ihr, der Meise, dieses peinliche Missgeschick widerfährt, und so gesehen könnte sie sich jetzt beruhigen und sich erleichtert einreden: «Das wird sich gewiss wieder geben, liebe Meise, das wird sich füglich fügen. Die Dinge werden sich wie von selbst wieder einrenken und intuitiv ihren richtigen Platz und Weg finden, und das zweifelhafte Unternehmen wird deshalb schon bald wieder seinen gewohnten Verlauf nehmen und seinen üblichen Gang gehen können!“ Und sie fügt maliziös, wie sie nun mal ist, spöttisch hinzu: „Die Würmer selber werden wie üblich irgendwann mal ganz ahnungslos wieder auftauchen und völlig unbeteiligt aufkreuzen, äußerlich höchst erstaunt ob meiner sinnlosen Aufregung und unnötiger Sorge, keine Angst und Bange! Kein Furcht, noch Schrecken! Und kein Zweifel, noch Bedenken beim Henken!“

Diese allzeit hinderlichen Einschränkungen und steten Einengungen, all diese störenden Schmälerungen und hemmenden Begrenzungen könnten unzweifelhaft sowohl von innerer Koloratur, als auch von äußerer Rasur gewesen sein, aber sie waren zweifellos schon immer da und befragten den Psalterverwalter und die geladenen Gastreferenten zudem permanent und inständig nach allfälligen Ursprüngen ihrer Kurzvisiten, verfolgten sie nahezu andauernd mit ihren Fragen und poppten sie damit erst richtig auf, die Geplagten, wirkten allzeit ätzend langsam auf sie ein, die Geschundenen, waren ihnen natürlich stets unerwünscht und unwillkommen, den Gejagten, fanden sich zudem in ihrer ganzen Apparenz und in ihrer extrem unangenehmen Konsistenz oder unpassenden Kongruenz äußerst ungebeten ein und verhielten sich ihnen gegenüber, den höchst unfreiwillig Misshandelten und schuldlos Geknechteten, fortwährend und immerfort und nahezu immerdar und unterbrechungslos gleichartig folgenreich, gleichermaßen gleichzeitig und gleichförmig koordial und koordinal und dazu auch noch ausnehmend sodomistisch und defaitistisch, oder aber ganz offen infernalistisch und international, denn sie verhinderten recht wirkungsvoll ein gewisses, bescheidenes Wohlfühlvermögen und eine äußerst gesuchte Entspanntheit der Muskulatur und der Gliedmaße oder, anders gesagt, eine durchaus erwünschte Gelassenheit in der gesamten Muskelmasse in der Kaffeetasse oder gleich auf der Aussichtsterrasse.

Auch in den ausgetragenen Miederwaren ihrer Mütter oder Großmütter aus dem Kleiderschrank oder aus der Mottenkiste, die er, der allzeit Gepeinigte, sich damals immer heimlich gewünscht, doch nie so locker erreicht hatte, wie er es für sich gewünscht und gefordert hätte. Bestandene, starkbehaarte Männer mit dichten Vollbärten in Damenunterwäsche sind nicht das, was Pelikane oder Laufbandkrane sich wünschen, auch wenn es sich dabei nicht einmal um situative Darstellungskunst handeln sollte, wie einige waaghalsige Diagnostiker und tollkühne Prognostiker todesmutig behaupten mögen, denn man sah ja die männlichen Geschlechtsteile allzu deutlich, die seitlich aus den Damenslips ragten und nicht zu verbergen waren, als dass man ihnen ihr Rollenverhalten abgekauft hätte.

In Wirklichkeit konnte er ihnen, also seiner eigenen, allerdings äußerlich äußerst unverwechselbaren Entspanntheit innerhalb der permanenten Angespanntheit und seiner geschuldeten und gleichzeitig selbstverschuldeten und trotzdem immer wieder nachgefragten und notfallmäßig gesuchten Gelassenheit in der Melasse der organischen Meeresmasse auch in der gewöhnlichen Henkeltasse von der Gasse gar nicht erst begegnen.

Er war damals als prokurierter Ameisenbauaufnehmer und emsiger Ameisenfortlaufzähler anderswo und anderswie immer aufs Äußerste eingespannt und angespannt und hoffnungslos zwischen zwei riesig erscheinenden Backenzangen gefangen. Er war dort über alle Maße zwischen Hoffen und Bangen eingeklemmt, wie alle tiefreligiösen Ameisenaufbauauflaufabnehmer und Ameisenaufbauauflaufabnehmerinnen im stets und ständig verregneten Transsylvanien der Dreißigerjahre. Auch stillgelegt wie die meisten transsylvanischen Hühnerzüchter mit Freilandeierauftrag, Freihandeierabtrag und Eingangskontrollenzwang, oft sogar mit Stuhlgangsauftragsabtrag und Absatzauftragsabtrag oder Zusatzeintrag in Sachen Stierenaugen und Knieblätzen im allgemeinen und lästigen Geldbeutelverlustigkeiten im Besonderen, diente er nicht nur den Zuverläßigkeiten zu, sondern bewegte sich nahezu ausschließlich im Rahmen der reichlich zufälligen Gegebenheiten.

Das führte ihn schon damals gleichzeitig wie die Roadrunner zur allerersten Grundsätzlichkeit in Bezug auf die Kontaktlinsen, von der er immerzu, nebenher und zudem unvermindert ausgehen musste: Als Flohzirkusunabhängiger – und das waren damals die meisten der unfreiwilligen Flohzirkusmitarbeiter und ebenso unfreiwilligen Flohzirkusmitarbeiterinnen unter dem inoffiziellen schwedischen Beauftragten für die Meereswogenbewertungen und der staatlich geführten Meereswogenbeschaffung – stand er immerzu vor einer glatten, senkrechten, manchmal sogar überhängenden, feuchten und absolut unüberwindbaren Spundwand aus Kompaktgemüse, Kaugummi und Biskuit von gut und gern tausend Metern Höhe, approximativ geschätzt und appropriativ gesehen, denn er musste sich stets abschotten und sich zuweilen sogar auch umsichtig aufweichen können und ausweichen lassen und nachsichtig zurückweichen sehen und vorsorglich eintüten lassen können müssen, nur um die alten, längst hinfällig gewordenen Plakate überkleben zu können, die er einfach nicht mehr ausstehen konnte, da sie längst überfälllig geworden waren.

Er musste sich zudem stets selber und persönlich verkaufen können und versklaven dürfen, selbst im korrekt gemusterten Schottenrock oder im schwarzen Neopren-Anzug der Pygmäen, nur um finanziell einigermaßen durchzuschlüpfen und um unbeschadet und fehlerfrei über die Runden zu kommen und um akkurat durch die aufgereihten, brennenden Autoreifen zu springen, sei es nun, unchronologisch gesehen und ohne Gewähr, als Tanndlisetzer, Heftliausträger, Fabrikarbeiter, Geschirrverpacker, Luströster, Hilfslandvermesser, Fließbandler, Lieferwagenfahrer, als fremdsprachenkundiger Fremdenführer, Kuchenblechreiniger, Eglifiletfiletierer, notgedrungener Aushilfsbibliothekar, Klinkenpolierer, Klingelreparateur oder Schuhabtreter, als freischwebender Bücherbesprecher contre cœur, als Bandweberhilfsgehilfe, Stellenvertreter, Wäscheausträger, unbedarfter Autobatterienreiniger, Pfannenputzer, Hilfsspleißer, also als Telefonleitungshilfsverleger und in Neubaubereichen als Telefonleitungshilfsanschließergehilfe, als ständiger Babysitter für frisch geschlüpfte Straußenkinder, als gesitteter Bärentöter und geschickter Fellabzieher, als treuer und treugläubiger Ausstellungshüterbub, geneigter Turnhallenreiniger, emsiger Golfballsucher, williger und eifriger Dreckschaufler in abgelegenen Entwässerungsgräben, als Nussbaumstutzerleiternhalter, als Hilfskoch, Segelschiffanbinder, recht eleganter Skilehrer, Schankhilfe, Pedalpickler, Putzlumpenaussortierer und relativ zuverläßiger Putzlumpenentsorger gemäß Vorschrift, aber auch als unerwartet zuverläßiger Schnapsumdruckermaschinist, Naturforellenbachausput-zer, Billettverkäufer, Platzanweiser in improvisierten Theatern und illegalen Cabarets, oder auch nur als archaischer Hilfsgärtner und mittelalterlicher Bogenstemmer für die mittelalterlichen Bogenschützen der mittelalterlichen Festspieltage im verregneten Schneeland draußen bei den Pygmäen und den sieben Zwergen, oder aber als unfreiwilliger Trinkwassfasser und erstaunlich unwilliger Hilfskoch im erzwungenen Skilagerbetrieb der Frittenmampfer und Schnitzelfürsten mit oder ohne Ketchup.

Nun denn, alles halb so schlimm, winken die Unbeteiligten und Wankelmütigen in ihrer nur vage angedachten Überheblichkeit ab, die Zuschauer, die Mitleser, die Beisitzenden, die Nachtragenden und die stillen Beobachter. Die geplagte Meise wird gewiss keinen Schaden davontragen, behaupten sie, weder einen physischen, noch einen psychischen, nimmt er und mit ihm alle Post- und Paketboten ganz selbstverständlich an. Dies nimmt auch die Meise selber reichlich verharmlosend, doch deutlich unsicher an; geht somit auch nicht von einem moralischen Defekt oder gar von einem ethischen Zielkonflikt aus, denn nichts wird sie davontragen, noch wettmachen, und auch das antimeisische, also das ameisische Gewürm wird wohlweislich den Mund halten, denn es wird ausreichend Grund dazu haben: Es wird sich unbeschwert und ungehindert am reichlichen Diebesgut erfreuen wollen, an der lohnenden Ausbeute eines weiteren, erfolgreichen Raubzuges durch die vielen fremden, also unbekannten Warenhäuser mit ihren verlockenden Angeboten, in ausschließlich fremden Häusern also, wo der Überwachungscomputer, wie angedeutet, die Gesichter der einzelnen Würmer noch nicht digital erfasst, gespeichert, analysiert und klassifiziert hat und deshalb auch noch nicht automatisch erkennt, wo er ihre Personalien noch nicht gespeichert hat und wo ihre biometrischen Daten noch nicht blitzschnell abgerufen werden können, noch ihre genetischen Merkmale, nicht einmal ihre Fingerabdrücke, und alle werden sich anschließend ganz entspannt auf die Schultern klopfen lassen und sich erleichtert sagen können: „Alter, das ist heute ja noch einmal gut gegangen; alles hat ganz reibungslos geklappt, Mann, niemand ist verloren gegangen, nichts ist krumm und schief gelaufen, niemand hat die Alarmanlage ausgelöst und keiner ist zu Schaden gekommen, und auch die Sprinkleranlage ist ja noch intakt und unberührt. Was wollen wir also mehr?“

Es sind dabei in der Tat keine wilden Verfolgungsrennen durch alle Etagen des bekackten Ladens vorgekommen, noch hat eine gewalttätige Überwältigung irgendwo in einem abgelegenen Treppenhaus stattgefunden, auch keine unvorhergesehene Verhaftung mit anschließender Zwangsvergewaltigung war zu verzeichnen, also nicht einmal eine stundenlange Befragung auf der Ebene der Genitalien, auch keine heftigen und gezielten Schläge auf Kopf, Beine, Arme und Rücken, keine Elektroschocks, keine öffentlichen Auspeitschung, kein rüdes Händeabhacken wie dunnemal, auch keine Steinigung, keine spontane Hinrichtung, auch kein sonstiger übler Konflikt mit bekacktem und notgeilem Bodenpersonal, keine Brandstiftung, keine Explosion und auch keine Vergewaltigungen wie gesagt, keine wilden Prügeleien mit dem Verkaufspersonal oder spontane Racheakte an der Kasse, auch keine Zirkumzision, auch keine Klitoridektomie und somit absolut kein Stress heute! Was wollen wir mehr?

Alter Schwede, alle sind wohlbehalten zurück und wohlauf, reichhaltig beschenkt und reichlich behangen mit allerlei Hehlerware, mit Edeltand, silbernen Blinkern und güldenen Klunkern und somit reich belohnt und in den Augen aller Daheimgebliebenen und deshalb leer Ausgegangenen reichlich begünstigt und bevorteilt. Weder haben wir Druck machen müssen, noch auf Terror gehen, und auch der ganz gewöhnliche Drogenhandel hat sich in der fremden Stadt überaus erfreulich abgewickelt und ausgiebig bezahlt gemacht. Wir haben auch diesmal wieder ganz unerwartet ausnehmend fette Beute und happige Gewinne zu unseren Gunsten verzeichnet; das dürfen wir freudig festhalten und ruhig feiern.

Das diesjährige Unternehmen hat sich wirklich wieder einmal gelohnt und erfreulich ausbezahlt, genau wie erhofft, wie ausbedungen, wie abgemacht und wie vorgesehen, ihr Sitzpinkler und Turnbeutelträger! Und auch die Meise hat sich anständig aufgeführt, sogar die, und hat von alledem gekonnt nichts bemerkt und nichts beachtet. Die Würmer haben sie sauber abgehängt, und sie hat auch nicht unnötigerweise nach ihnen gesucht. Alles im Rahmen, ihr Warmduscher, Hochgebirgsjodler, Honigmilcher und Kampfrichter, alles absolut vollfett astrein, ihr einsamen Nullen im All und Nieten im Universum, alles glasklar endgeil und vollkorn paletti, Dude!“

Es war das ausnehmend ärgerliche Grundsyndrom des permanenten Begehrens, das ihn einen ganzen Schneebesen lang beschäftigt hatte und ruhelos umtrieb, völlig gundlos, denn er war seit seiner vierzehnten Lebertranstudie eigentlich nur noch ein erklärter Kahler und Schwachsteller, ohne es zunächst überhaupt zu wissen oder wirklich zur Kenntnis zu nehmen – so selbstverständlich war ihm das Kahlen und allnächtliche Scheibenkleistern als Schwachsteller und blätterteigartigem Mehrfachwecker bereits damals geworden, gewissermaßen an allen gängigen Lücken, zeitigen Durchscheinungen und läufigen Schwachstellen der üblichen, allgemeinen Unvernunft. Die so genannte Lebensverarbeitungszeit – ein richtig fettes Unwort für einen wahrhaft schrecklichen geistigen Zustand – war die wahre Ursache in der begleitenden Gosse der Gossenreiter und Befehlsbereiter, der Wegbegleiter und Reiseleiter für alle seine Unannehmlichkeiten in den eng gefassten Armen des Urmeeres und seiner Prädikativa, Kondensativa und Assoziativa, die er im Verlaufe seiner besagten und gleichzeitig verhassten und schon viel zu lange andauernden und anhaltenden Lebensverarbeitungszeit leider viel gründlicher als jemals zuvor erst entkernen, daraufhin deklarieren musste, entgegen all seinen unschuldigen und ahnungslosen Annahmen und Einnahmen aus der Frühzeit der Dinosaurier und der Nationalökonomen unter den Amöben und Pantoffeltierchen.

Diese eine Unternehmung wird somit möglicherweise gesetzmäßig schieflaufen müssen, denn wenn etwas schieflaufen kann, dann wird es irgendwann mal zwangsläufig schieflaufen, so besagtes mathematisches Gesetz. Darauf können Sie einen Kaktus setzen. Sie wird womöglich sogar schlimm enden, die Unternehmung, und die Meise wird plötzlich und wie längst befürchtet ganz alleine dastehen, splitternackt und vor aller Welt bloßgestellt, bar aller Hilfe, bar aller Unterstützung, zudem ohne Freude und ohne Freunde, denn Freunde hat man, solange alles reibungslos und easy verläuft. Alle Schuld wird in der Folge ausschließlich und unausweichlich ihr, der Meise, aufgebürdet werden, denn eines ist ihr mittlerweile längst klar geworden: Besagten Wurmausschuss trifft keinerlei Schuld, denn ihn trifft nie eine Schuld, da ihn gar keine Schuld treffen kann, weil das gar nicht so vorgesehen und allein deshalb unmöglich ist. Und auch das Protektorat kann keine Schuld treffen, niemals, denn das Protektorat ist gar nicht dabei und hat damit somit gar nichts zu tun.

Die ganze gegenwärtige Unternehmung ist nun mal ihre, der Meise Unternehmung und nur die Ihre, und demzufolge liegen alle diesbezüglichen Verantwortlichkeiten ausschließlich bei ihr selber; es sind somit eindeutig und ausschließlich ihre und in niemandes anderem Verantwortlichkeiten und Begehrlichkeiten, um die es da angeblich geht und von denen hierbei allenfalls die Rede sei.

So läuft das, so rigoros lauten die eisernen ornithologischen Spielregeln, welche die Meise im Übrigen natürlich nicht selber festgelegt hat, noch jemals wachen Sinnes gebilligt hätte; das ist sozusagen das Kleingedruckte in einer mehr als nur ungemütlichen Meisenwelt, in der es praktisch nur Kleingedrucktes gibt, wenn man so will. Genau dergestalt lauten nämlich die ungeschriebenen Anstellungsbedingungen und unausgesprochenen Erwerbsvoraussetzungen für Meisen aller Art in all ihrer biologisch bedingten Wehrlosigkeit nun mal: Wenn etwas schiefläuft, dann haftet ausschließlich die Meise selber, und zwar voll und ganz, bei Einzelwanderungen von Einzelkröten zumal, die auf ihren jährlichen Krötenwanderungen immer wieder auf undelikate Relikte von Regenpfeifern, Murmelhörnern, Deliktschwalben und Nasswanzennestern stoßen, wie man hört; dort sei dies angeblich geradezu sprichwörtlich, sagt man.

Das ist erstaunlich und wundersam zugleich, denn vereinzelte Gebirgskammformen führen uns trotzdem immerzu und unvermindert heftig und auch immer wieder nach Rom zum Apostel Petrus, wie wir alle wissen, und dazu verbrauchen wir keine Karten oder Kunden mehr, auch keine Krücken oder Kraken, aber auch keine Rechtfertigungen, noch weitere Hinweise auf Zufälle, Unfälle, Missfallenskundgebungen und heftige Wasserfälle auf dem Weg zu eher unliebsamen Begegnungen, denn einzig die aktuelle Gefühlslage berichtet uns eindeutig und unmissverständlich, wohin der Weg uns führen wird und woher des Weges allenfalls die Alternativen für die Mehrfachkleber unter den Selbstklebern kommen, die uns immer warnend vor Augen stehen, sagt uns die Selbstkleberin und Eigenurintrinkerin persönlich, was uns indes nicht gleich stutzig zu machen braucht.

Das einseitig gebogene Ich im Spiegel der Zeiten, das doppelseitig gekröpfte Ich im Brunnengrund der Zukunft und das vielseitig destabilisierte Ich im Sumpf der Gefühle haben unabhängig voneinander alle keine denkbaren oder auch nur schwach erkennbaren, allenfalls und bestenfalls notdürftig machbare Möglichkeiten mehr, sich weiterhin zu entwickeln oder sich gar weiterhin vorteilhaft zu positionieren, denn eigentlich nur die dreibeinigen Stützstrümpfe und die moosbewachsenen Übelkeiten gewähren den blutjungen Einsteigern unter den Eingeborenen eine rudimentäre Gelegenheit, sich zu verinnerlichen, sich inniglich in sich zu begeben, sich endlich zu sammeln und sozusagen die schwere Eingangstüre nach innen aufzustoßen, falls allenfalls die Voraussetzungen dazu gegeben sind und falls sie untereinander überhaupt erst übereinstimmen möchten. Das Insichgehen und das Insichsein bewirken zudem eine innige Insichgegebenheit, ein Einssein mit sich selber, vereinfacht gesagt, zusammen mit einer untrennbaren Insichbezogenheit und zudem ein vorgezogener Elchtest anlässlich einer tiefen Insichseinsweise bei angezogener Handbremse, die zugegebenermaßen nur in Ausnahmesituationen mit einer institutionellen Einhelligkeit einhergeht und mit einer unbedingten, systemischen Gleichartigkeit übereinstimmt, die indes, wenn auch nur angeblich, so doch zumindest andeutungsweise, allenfalls gerüchteweise, nahezu unverwüstlich ist und bleibt, so hört man zuweilen von meist unberufener Seite.

Allein deshalb bewegen sich alle Rauchschwalben unausweichlich in drei verschiedenen Dimensionen, wenn auch nicht gleichzeitig, sei es als Hängegleiter im Frack, die jedoch erst noch unabhängig voneinander und unberechenbarerweise kreuz und quer und gleichzeitig auseinanderfunktionierend und ineinanderkujonierend und mit atemberaubender Geschwindigkeit durch die linden Lüfte fliegen können müssen, pfeilschnell, wie man sagt. Aber wer glaubt das schon auf Anhieb?

Auch blendend weiße Westen und schwarze Fräcke führen oft zu Zielen, die nicht unbedingt immer im Bereiche des Vorstellbaren und in Reichweite des Möglichen liegen, obschon sogar die Flachlandverbindungen überall einwandfrei funktionieren müssen und somit absolut fehlerfrei mitspielen können sollen. Das ist eine deutliche und zudem unumstößliche Tatsache und beiliegend ein entscheidender Grund zu durchaus berechtigter Furcht und Bange und sogar zu Not und Sorge, wenn nicht gar zur Qual der Wahl oder, wie in unzähligen traurigen meisischen Fällen, zu nackter Angst oder zu offener Panik, die in der Folge zu spontanen Selbstentleibungen führen. Auch das kommt zuweilen vor, zweifellos, denn Furcht, respektive zügellose Angst oder gar grenzenlose Panik erfasst eine Meise nun mal sehr schnell, schneller jedenfalls, als ihr jemals lieb sein könnte, und zudem umso heftiger, je länger sie in diesem verhassten Meisenbusiness stecken bleiben muss, umrahmt von der ihr bestens bekannten Ratlosigkeit und immerzu begleitet von einer abgrundtiefen Verlegenheit und Bedrängnis, von einer bleischweren Ratlosigkeit und ausweglosen Notlage – eine mehr als nur unheilvolle Mischung, wie wir uns gut vorstellen können, die einen jeden tierischen Mob, einen jeden launischen Plebs und einen jeden unberechenbaren Pöbel zu einer öffentlich affektiven, blutig verlaufenden Strangulierung von unschuldigen Meisen geradezu einlädt – zu einer klassisch spanischen Vergarrottierung mit der Garrotte, dem Würgeeisen.

Diese hartnäckige Bedrohung und Bedrängnis geht zudem meist ganz organisch aus ihrer beruflichen Hilflosigkeit hervor, und diese wiederum entsteht aus dem Gefühl heraus, in aller Öffentlichkeit unausweichlich versagen, also sozusagen gesetzmäßig öffentlich zu verfehlen und coram publico Schiffbruch erleiden zu müssen, will heißen, scheitern zu müssen, denn somit haben wir hier die klassische griechische Tragödie, allerdings mit einer versteckt eingebauten, raffinierten göttlichen Vorsehung, wenn Sie so wollen und wenn Sie gestatten, und all dies erst noch gratis und franko.

Dergestalt kann aber überhaupt erst richtig positiv eingestellt gearbeitet werden, denn derart ungleich können Einzelwanderungen aufgebaut und vollends eingefahren sein, so dass die Ergebnisse nicht lange auf sich warten lassen, bei Einzelwanderungen von Einzelkröten zumal, die auf ihren Einzelkrötenwanderungen angeblich immer wieder auf undelikate Relikte stoßen, wie man hört. Das ist erstaunlich und verwunderlich zugleich, zugegeben, denn vereinzelte Jakobswege führen trotzdem immerzu und nach wie vor unvermindert heftig nach Santiago de Compostela, wie wir alle wissen, und dazu brauchen wir keine Karten, aber auch keine Rechtfertigungen, noch weitere Hinweise auf Zufälle und einseitige Wasserfälle, denn einzig die aktuelle Gefühlslage berichtet uns eindeutig und unmissverständlich, wohin der Weg uns führt und woher des Weges allenfalls die vereinzelten Alternativen für die ungefragten Mehrfachkleber unter den emsigen Selbstklebern kommen.

Das kann angesicht der zahllosen Missverständnisse in diesem Bereich erstaunlich genug erscheinen, angesichts ungewöhnlich hartnäckiger Missverständnisse allerdings, an die wir uns indes längst gewöhnt haben und die wir ungeprüft in Kauf nehmen.

Sogar die unterschiedlichsten Schneckenkopulationen sind dort nämlich allein durch ihre plakative Langsamkeit ganz besonders sinnlich geworden, und nur wer viel Geduld aufbringen kann, fühlt sich ihrer überhaupt erst mächtig, denn ausgerechnet in diesen seltenen Ausnahmefällen spricht man in gewissen Fachkreisen allenfalls von einer «Dreifachnutzung der Gütesiegel», wie bereits andernorts erwähnt. Für Außenstehende mag das zuweilen amüsant wirken; doch eines ist der Meise jedenfalls klar: Sie hat tatsächlich versagt, sie ist wieder einmal mehr als deutlich sichtbar am laufenden Unternehmen gescheitert, sie ist den widrigen Umständen widerstandslos erlegen, und offensichtlich ist die ganze Unternehmung bereits fehlgeschlagen, noch bevor sie richtig begonnen hat, so wie die Meise fast jedesmal klar und deutlich unterliegt, wenn während einer Unternehmung etwas schief läuft. Genau dafür wird sie unweigerlich zur Verantwortung gezogen werden müssen, wie wir uns leicht vorstellen können, denn die misslichen Umstände sagen uns ja bereits restlos alles, der bedauernswerte Zustand der ganzen Unternehmung spricht Bände, und wie immer man die wahrlich beelendenden Dinge drehen und wenden möchte, wie immer man vielleicht sogar helfend einzugreifen geneigt und die nackten Tatsachen allenfalls zu übersehen versucht wäre: Die Meise steckt wieder einmal ganz tief im meisischen Schlamassel, vielleicht sogar noch viel tiefer als jemals zuvor. Sie irrt soeben irritiert durch die belebten Straßen einer mittelgroßen, fremden Stadt, bereits jetzt blicklos, ratlos, gefühllos, sprachlos, gedankenlos und wirklich wie von Sinnen, denn sie weiß nur eines, dies aber mit absoluter Gewissheit: Niemand kann ihr helfen, und niemand wird ihr jemals helfen können, noch jemals helfen wollen, denn sie hat niemanden, der ihr hilfreich zur Seite stünde; sie kennt zudem absolut niemanden, der auf ihrer, also auf der Meise Seite gestanden hätte, noch jemals stehen möchte und auch nie freiwillig stehen würde, selbst dann nicht, wenn er oder sie durchaus könnte, allerdings warum und wozu auch immer, auch und ganz besonders nicht die anderen Meisen, also die gesamte, großsprecherische Meisenschar mit ihrem völlig lachhaften Verharmlosungszwang und morbiden Rechtfertigungsdruck voller restlos verlogener Unschuldsbeteuerungen, also all die so genannten Meisenkolleginnen und -kollegen, all die falschen Meisenfufziger, die eigentlichen Konkurrenzmeisen, die ungeliebten Mitmeisen in ihrer ausnehmend und ausgesprochen meisanthropischen Ameisenhaftigkeit, in all ihrer Verlogenheit, genau dieses trügerische und unzuverläßige Meisenpack ganz gewiss nicht, die ganze, übrige Meisenheit also, das bescheuerte Meisentum generell, die bekackte Meisität als solche und überhaupt, all das selbsternannte Übermeisentum kurz entschlossen auch noch dazu, kurz, das restlos beschissene Meisengesocks in corpore.

Das können Sie gleich verabschieden, und zwar das gesamte, verlogene Meisengedöns, das kommt hier nicht einmal mehr zur Sprache, so bedeutungslos ist es, denn das hat für die Meise gar keinen Wert und auch gar keinen Sinn, hat keinen Nutzen und ist auch keine Stütze, noch ein wirklicher oder auch nur supponierter Halt. Das ist ein Nichts, ein Schwarzes Loch; es hat keinen Belang und keinen Bezug, hat auch keine Geltung und keine wahre Größe, noch echte Güte, also keinen Charakter, aber auch keinen Inhalt und keine Form und ist somit ganz gewiss keine Hilfe für unsere geplagte Individualmeise; das können wir also getrost vergessen und deren allfällige Erinnerungsfetzen gleich anschließend sauber entsorgen und rückstandsfrei vernichten lassen.

Sie macht ihn, den Restzustand, indessen umgehend schlank und rank, aber auch ziemlich zäh, sie macht ihn, den Fettausschuss und Fettabschaum, den Fettausstoß und Fettumfang, kurzum gesagt, zur wohlfeilen, fettlosen Fertigsuppe, sie behelligt ihn nicht einmal in einem stark übertriebenen Maßbecher voller Eitelkeit und unerwarteter Generosität, und sie lässt für lange Zeit gar nicht mehr von ihm ab, nämlich exakt so lange nicht, wie er im Schlamassel der sensoriellen Unumstößlichkeiten und bakteriellen Unflätigkeiten stekkengeblieben ist, also in der artifiziellen Dramatik der schwarzen Sonnenblumenkerne der Unabhängigkeit und der angebrachten Hemmungslosigkeit, ohne aber der freundlichen Sonnenblume als solcher zu nahe treten zu wollen.

Hinzu kommt jeweils die bittere Ermahnung in aller Erkenntnislosigkeit, dass ihn jegliche Aufsichtszeitverkürzung in aller Gegenwartsbezogenheit immer sofort schlank und rank macht, hauchdünn geschnitten unter den Kutteln, wie gesagt, ohne dass er seine fahrläßigen und eindeutig unkonzentrierten Ernährungsgewohnheiten im Bereiche der Spontanversorgung jemals geändert hätte; sie blokkiert einzig seine handlichen Hosentaschenatombomben und behindert eindeutig seine vier Hosentaschenuranbrennstäbe, die er vorsichtshalber bei sich trägt, lässt seine angeborene Halskrause wie bei einer Erwürgung unter der Garotte auf- und abschwellen, weil sie ihn, allein ergonomisch gesehen, permanent unterwirft, weil sie ihn über alle Maßen in ein lästiges, ungewolltes und unerwünschtes Gefüge einbindet, das er gar nie angefordert hat, und weil sie ihn ständig demütigt; davon muss er zunächst mal unbesehen ausgehen und sich damit abfinden können, denn dieses Tribunal muss er sofort angehen und rechtzeitig bewältigen, will er seine zehn Zehen behalten und auch noch einigermaßen bewegen können.

Das ist ihm sofort sonnenklar, auf der Stelle, und dazu steht er auch. Somit haben sie sich alle zusammen längst auf einen angenehmen modus vivendi eingependelt, der ihnen durchaus gelegen kommt, und sie lassen sich durch nichts mehr beirren, noch lassen sie sich einschränken, und auch nicht mehr irritieren, durch nichts und niemanden mehr, noch destabilisieren und interlokutieren. Sie sind der unmaßgeblichen Ansicht, dass für sie jegliche Beliebigkeit, dazu auch alle Belanglosigkeit der Welt, sowie die ganze Gleichgültigkeit mindestens ebenso welthaltig sind, wie z.B. eine berufliche Verwirrung, eine tödliche Pandemie, ein außergewöhnlicher Meteorologieverlauf oder ein forscher, illegaler Eroberungskrieg gegen eindeutig schwächere Gegner, was ja immer der Fall ist, ja, sie gehen hierin sogar noch weiter: Für sie sind Oberflächlichkeiten oder so genannte Indifferenzen, wie auch übliche Inhaltslosigkeiten oder aber ganz gewöhnliche Bedeutungslosigkeiten mindestens ebensowenig aussagekräftig wie alle anderen Themenstellungen dieser beschränkten und allseitig eingeschränkten Welt auch, also wie auch alle übrigen Themen, Einsichten, Schlüsse, Einstellungen und Haltungen, von denen man sagt, sie seien ganz besonders wichtig und, vor allem andern, heute von geradezu außerordentlicher Bedeutung, je nach Gefühls-, Gerüchte- oder Hang- und Wetterlage.

So liegen die bedauerlichen Dinge für die Meise, davon kann man getrost ausgehen, denn genau so zeigen sich jetzt auch bereits die beklagenswerten Umstände, und es gibt nicht wenige unter den ameisischen Dauerverfolgern, die in ihrer inkurablen Krankhaftigkeit und krankhaften Inkurabilität der Meise von ganzem Herzen sogar noch zusätzliches Ungemach gönnen dürften, glauben machen könnten und zugestehen möchten, noch mehr üble Beschwernisse als überhaupt jemals denkbar und möglich wären. Man mag es eigentlich kaum glauben, nur weil die naive Vorstellung den harten Tatsachen und der kranken Gegebenheiten den laufenden Ereignissen immer weit hintennach hinkt.

Darunter sind auch Vögel zu finden, die sie, die Meise also, aus rein geografischen Gründen gar nicht erst persönlich kennen können und nicht einmal zu kennen glauben will, denn auch die wünschen der Meise ganz generell, grundsätzlich und seit jeher alles erdenklich Schlechte, alles denkbar Böse und alles unvorstellbar Gemeine, also rundweg alles, was für sie an persönlichem Schaden noch knapp erlebbar und – zumindest theoretisch – nachvollziehbar wäre, dessen müssen wir stets gegenwärtig bleiben, denn es sind derer nicht wenige, die der Meise aus reiner Grundsätzlichkeit und absoluter Linientreue Böses