Die Kunst der Improvisation - Harald Polzin - E-Book

Die Kunst der Improvisation E-Book

Harald Polzin

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Beschreibung

Der Schauspieler und Improvisationskünstler Harald Polzin vermittelt in diesem Buch seinen Lesern auf beinahe spielerische Weise, wie sie mit Techniken aus der Improvisation und dem Improvisationstheater mehr im Job erreichen. Ganz gleich, ob es darum geht, vor einer Gruppe von Menschen zu reden, sich als Führungskraft durchzusetzen oder als Unternehmer bzw. Selbstständiger Investoren und Kreditgeber zu überzeugen: Harald Polzin vermittelt den Lesern die passenden Techniken dazu. Er zeigt, wie man künftig seine Potentiale ausschöpft, gezielt mehr Selbstvertrauen entwickelt und dadurch mehr im Beruf erreicht. Die Leser lernen, wie sie speziell in unvorhergesehenen Situationen passend reagieren. Ganz nach dem Grundprinzip der Improvisation: "Ich weiß nicht, was passiert. Ich weiß, dass etwas passiert und ich weiß, das, was passiert, wird gut."

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Seitenzahl: 242

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

Deckblatt

Titelseite

Impressum

Vorwort

Teil 1: Die Grundlagen

Kapitel 1 – Wie Sie mit Improvisation mehr im Leben erreichen

Kapitel 2 – »Ja« sagen, zu dem, was ist

Kapitel 3 – Körperimpulse – das Geheimnis guter und effizienter Kommunikation

Teil 2: Vertiefendes

Kapitel 4 – Die Heldenreise

Kapitel 5 – Emotionen und Gefühle

Kapitel 6 – Warum der Moment der wichtigste Punkt der Handlung ist

Kapitel 7 – Statusflexibilität – Das Spiel zwischen Egomanie, Macht und Respekt

Kapitel 8 – Wie Sie systematisch Selbstvertrauen aufbauen

Kapitel 9 – Sich seines Handelns bewusst werden

Kapitel 10 – Scheiter heiter – wie das Scheitern zum Verbündeten wird

Kapitel 11 – Sich frei machen, um mehr zu erreichen

Kapitel 12 – Präsenz und Achtsamkeit

Kapitel 13 – Die Prinzipien der Improvisation und ihre Anwendung

Teil 3: Umsetzung

Kapitel 14 – Praxis Alle Übungen und Improspiele im Überblick

Nachwort

Danksagung

Literaturliste

Stichwortverzeichnis

Der Autor

End User License Agreement

Guide

Cover

Inhaltsverzeichnis

Fangen Sie an zu lesen

Liste der Abbildungen

Abbildung 4.1: Schritte-Übung

Abbildung 6.1: Parabolspiegel

Abbildung 6.2: Lösung Schritte-Übung Teil 1

Abbildung 6.3: Lösung Schritte-Übung Teil 2

Abbildung 14.1: Misses oder Mister Hit

Abbildung 14.2: Sportarten

Abbildung 14.3: Sportarten Wechsel

Abbildung 14.4: Führen und Führen lassen

Abbildung 14.5: Führen und Führen lassen Wechsel 1

Abbildung 14.6: Führen und Führen lassen Wechsel 2

Abbildung 14.7: Gefühlstaxi

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Harald Polzin

Die Kunst der Improvisation

Der spontane Weg zum Erfolg

WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA

Alle Bücher von Wiley-VCH werden sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und Verlag in keinem Fall, einschließlich des vorliegenden Werkes, für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für eventuelle Druckfehler irgendeine Haftung

© 2020 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Boschstr. 12, 69469 Weinheim, Germany

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung in andere Sprachen, vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form – durch Photokopie, Mikroverfilmung oder irgendein anderes Verfahren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen, verwendbare Sprache übertragen oder übersetzt werden. Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen, Handelsnamen oder sonstigen Kennzeichen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass diese von jedermann frei benutzt werden dürfen. Vielmehr kann es sich auch dann um eingetragene Warenzeichen oder sonstige gesetzlich geschützte Kennzeichen handeln, wenn sie nicht eigens als solche markiert sind.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

Umschlaggestaltung: Susan Bauer, Mannheim

Umschlagabbildung: dlyastokiv -stock.adobe.com

Satz: Lumina Datamatics

Print ISBN: 978-3-527-51011-5

ePub ISBN: 978-3-527-82628-5

Vorwort

»Was braucht man, um erfolgreich zu sein? Selbstvertrauen und Unwissenheit.«

Mark Twain

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Menschen,

mit diesem Buch möchte ich Sie einladen, die Kunst der Improvisation zu entdecken. Sie werden erkennen, wie wichtig es ist, den Moment anzunehmen, denn der Moment ist genau der Punkt, von dem aus ich die Zukunft bestimme. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft noch nicht da. Jetzt und hier habe ich Gelegenheit, mein Leben zu gestalten und Entscheidungen zu treffen, die sinnvoll sind für mich, meine Familie, mein Team, mein Umfeld.

Unsere heutige Zeit ist geprägt von erhöhter Komplexität durch die fortschreitende Digitalisierung und eine rasante technische Entwicklung. Wir haben in allen Bereichen unglaublich viele Handlungsmöglichkeiten, die uns leicht überfordern. Die Klarheit, mit der wir früher Prozesse planen konnten, ist vorbei. Auf dem Weg zum Ziel müssen wir oft unser Ziel neu definieren. Das alles schafft ein großes Maß an Unsicherheit.

Was wir brauchen, sind Fähigkeiten, die uns helfen, in dieser Zeit zu bestehen und auf unvorhergesehene Situationen passend zu reagieren.

Ich kann Sie beruhigen. Wir alle haben diese Fähigkeiten. Wir müssen sie nicht erlernen, sondern nur wiederentdecken.

Ich bin Harald Polzin. Seit mehr als 20 Jahren beschäftige ich mich mit Improvisation. Dabei hatte ich Gelegenheit mit den unterschiedlichsten Menschen zu arbeiten, wie Vorstände, Führungskräfte, verdienstvolle Mitarbeiter, Lehrer, Häftlinge, etc.

In der Auseinandersetzung mit dem Thema Veränderung und Transformation wurden die Prinzipien der Improvisation zu meinem ständigen Begleiter. Sie halfen mir, Menschen in ihre Kraft zu bringen, Change-Prozesse anzuleiten, und diese sichtbar und erfahrbar zu machen.

Um es den Menschen einfacher zu machen, ins Handeln zu kommen und ihre Komfortzone zu verlassen, habe ich die Zaubersätze entwickelt.

Ich weiß nicht, was passiert.

Ich weiß, dass etwas passiert.

Ich weiß, dass das, was passiert, gut wird.

Mit der Anwendung der Zaubersätze und der Prinzipien der Improvisation haben Sie alles, was Sie brauchen, um mit Leichtigkeit und fast spielerisch Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen zu stärken, eine Kommunikation in allen Situationen und mit jedem Menschen, egal welchen gesellschaftlichen Status er hat, auf Augenhöhe zu führen, Ihre Gefühle zu erkennen und Ihr Spektrum zu erweitern.

Die Prinzipien der Improvisation sind ineinander verwoben, wie Äste in einem Baum. Ich habe mein Buch so aufgebaut, dass sich bestimmte Themen unter einem anderen Blickwinkel wiederholen und ergänzen. Sie wissen, die Wiederholung ist ein Mittel um Wahrhaftigkeit zu kreieren.

Sie können mein Buch von vorne bis hinten lesen. Es ist aber auch genauso gut möglich, dass Sie es aufschlagen und sich dann weiter inspirieren lassen.

Das Buch hat drei Teile. Im ersten Teil finden Sie die Grundlagen.

Ich starte meine Trainings immer, bevor Schauspielarbeit anfängt, mit Körperimpulsen. Da gibt es Aktion – Reaktion und Spiegel. Das sind Körperimpulse mit gleichem bzw. versetztem Bewegungsansatz. Klarheit darüber erhalten Sie im Kapitel 3.

Das Wissen über die Körperimpulse ist die Grundlage und das Geheimnis jeder guten und wirkungsvollen Kommunikation. Sie praktizieren das alle, meist unbewusst. Wenn ich mir jetzt diese Wirkungsweise und Prinzipien bewusstmache, muss ich nie wieder Angst haben, dass mir in einer Situation nichts einfallen wird. Weil ich einfach Klarheit darüber habe, wo und wie ich jetzt gerade stehe. Ich erkenne den Ort und die Situation und mein Gegenüber an. Und weil ich weiß, wie Kommunikation funktioniert, sage ich Ja zu dem Moment (Kapitel 2). Die Situation ist, wie sie ist. Die darf ich erstmal annehmen – und zwar so wie sie jetzt ist und nicht anders. Hier geht es wirklich darum, die Ist-Situation zu beschreiben. Es ist eine Bestandsaufnahme. Wenn dies geschehen ist, kann ich schauen, was als Nächstes kommt.

Sie erkennen uralte Prinzipien des Storytelling und begeben sich auf eine Heldenreise (siehe Kapitel 4).

Im zweiten Teil des Buches vertiefe ich das alles.

Meine Zaubersätze begleiten Sie dabei durch das gesamte Buch.

Das macht es Ihnen leichter, diese Sätze zu verinnerlichen und in Ihrem täglichen Leben, beruflich und privat, anzuwenden.

Sie erhalten weiter Rollenklarheit und lernen den Umgang mit Gefühlen (Kapitel 5). Durch Statusflexibilität (Kapitel 7) gelingt Ihnen jede Kommunikation auf Augenhöhe.

Sie lernen im Kapitel 10 ein weiteres wichtiges Prinzip der Improvisation, nämlich »Scheiter heiter«, kennen und im Kapitel 11 greife ich es noch einmal auf und zeige Ihnen, wie Sie Aufschieberitis erkennen und den Drang zum Perfektionismus, der uns manchmal hemmt, in Handlungsenergie umsetzen.

Durch das Beschäftigen mit den Prinzipien der Improvisation lernen Sie im Kapitel 8 Selbstvertrauen systematisch aufzubauen und im Kapitel 9 Selbstverantwortung zu übernehmen.

Wenn Sie vor Gruppen sprechen, ist Achtsamkeit und Präsenz (Kapitel 12) von großer Bedeutung.

Im Kapitel 13 habe ich alle Prinzipien der Improvisation noch einmal zusammengefasst. Bis dahin haben Sie alle Prinzipien kennen und anwenden gelernt.

Im dritten Teil des Buches zeige ich Ihnen, wie Sie das bisher Gelernte umsetzen. Im Kapitel 14 geht es ausschließlich um die praktische Anwendung.

Sie haben bis hierher gesehen, wie komplex das Leben ist und alle Prinzipien miteinander verwoben sind. Jetzt begleite ich Sie dabei, selbst aktiv zu werden und mit Ihrem Team ein Improvisations-Laboratorium zu gründen, sich einen Raum, eine Bühne zu schaffen, einen Möglichkeitsraum, in dem Sie alles ausprobieren können. In diesem Raum der Möglichkeiten können Sie ihr Potenzial erweitern, egal ob Sie vor Menschen sprechen wollen, Ihre Präsenz und Ihr Auftreten vervollkommnen wollen oder Prozesse besser begreifen und gestalten wollen. Ich zeige Ihnen, wie ich meine Trainings aufbaue, wie Sie mit wenig Aufwand sehr viel mehr erreichen können.

Alle Übungen und Improspiele sind praxiserprobt.

Ich habe die Übungen und die Improspiele so beschrieben, dass Sie auch ohne Trainer in der Lage sein werden, sie zu praktizieren.

Dieses Buch habe ich aus Gründen der Vereinfachung und des leichteren Leseflusses meist in der männlichen Form geschrieben. Seien Sie gewiss, dass alle existierenden Geschlechter von mir gemeint und ebenso angesprochen sind.

Sie werden sehen, wenn Sie die Prinzipien der Improvisation anwenden, dass es gar nicht anders geht, als alle Menschen als gleichwertig zu betrachten und mit dem gebührenden Respekt anzusprechen und zu behandeln.

Improvisation ist gelebte Integration!

Jetzt sind Sie an der Reihe!

Ich freue mich, Ihnen die Kunst der Improvisation nahezubringen und Sie ein Stück auf Ihrem spontanen Weg zum Erfolg zu begleiten.

5, 4, 3, 2, 1, Los geht’s!

Teil 1:DIE GRUNDLAGEN

»Genieße die Schönheit des Moments. In ihm ist alles enthalten, wie ein Samenkorn, hält er die Zukunft in sich.«

Paolo Coelho

Kapitel 1Wie Sie mit Improvisation mehr im Leben erreichen

Improvisation ist die Kunst den Augenblick, den Moment anzunehmen und ihn zu genießen und, davon ausgehend, alles weitere zu gestalten.

Eine größere Bank beauftragte mich, den Change-Prozess im kommenden halben Jahr mit einigen verdienstvollen Mitarbeitern und Führungskräften für die Belegschaft in einer Kick-off-Veranstaltung im Unternehmen auf der Bühne sichtbar zu machen.

In diesem Zusammenhang fragten sie mich, ob es möglich wäre, zusätzlich die zweite Führungsebene zu coachen.

Es ging darum, sie zu unterstützen, die trockenen Texte und Charts über Fakten und Zahlen des Rechenschaftsberichtes etwas lockerer zu gestalten und der Belegschaft unterhaltsam zu präsentieren.

Es waren vier Führungskräfte und wir fanden einen Weg, wie wir die trockenen Themen zum Rechenschaftsbericht interaktiv gestalten konnten. Meine Ideen fanden großes Interesse.

Leider blieb uns sehr wenig Zeit, um die Übergänge zwischen den einzelnen Rednern nicht nur anzudeuten, sondern sie wirkungsvoll zu inszenieren.

Alle Beteiligten wussten, worum es ging. Bei dieser Veranstaltung sitzen wir alle im selben Boot, gerade weil wir auf der Bühne den Mitarbeitern und Führungskräften unsere Inhalte wirkungsvoll vermitteln wollen.

Den Termin dieser Kick-off-Veranstaltung konnten wir auch nicht verschieben, bloß, weil wir noch nicht alles in trockenen Tüchern hatten. Das war allen klar.

Da sagte einer der vier Herren der zweiten Führungsebene: »Gut, dann improvisieren wir eben!«

Das war das erste Mal, das ich den Begriff des Improvisierens positiv erfahren habe.

Im deutschen Sprachgebrauch ist dieser Begriff eher negativ besetzt. Wenn etwas nicht da ist, etwas fehlt, ein Mangel herrscht, dann wird improvisiert.

Was tun wir aber, wenn wir improvisieren?

Wir werden kreativ.

Wir nutzen das, was da ist, machen eine Bestandsaufnahme, sagen »Ja« zu dem, was ist.

Dabei entdecken wir unsere Ressourcen und nutzen sie. Aus dem vermeintlichen Mangel wird ein Pool an unentdeckten Möglichkeiten.

Das gilt auch im Privaten.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen für Ihre Tochter oder Ihren Sohn einen Kuchen backen. Es gibt morgen in der Schule einen Kuchenbasar und die Kinder wollen damit ihre Klassenfahrt finanzieren. Sie als Eltern sind also gefragt.

Sie haben es versprochen, nicht nur ihrem Kind, auch den anderen Eltern und der Lehrerin.

Jetzt haben Sie auf Arbeit viel zu tun, Ihr Projekt erfordert Überstunden, Sie kommen erschöpft und später als erwartet nach Hause, bereiten das Abendbrot vor. Ihr Kind erinnert Sie, dass doch morgen Kuchenbasar ist und es unbedingt einen Kirschkuchen braucht.

»Oh, das habe ich fast vergessen.«

Und Ihr Kind sagt: »Mama oder auch Papa, du hast es mir versprochen.« Und es will schon enttäuscht in sein Zimmer gehen.

Sie sagen: »Warte! Kein Problem, was ich versprochen habe, das halte ich auch. Ja, morgen ist Kuchenbasar! Klar, das mache ich noch.«

Als Sie in den Schrank schauen, trifft Sie fast der Schlag.

Es ist kein Mehl mehr da und als Sie auf die Uhr schauen, stellen Sie fest, dass der letzte Laden gerade zugemacht hat.

Jetzt ist guter Rat teuer.

Was können Sie machen? Sie könnten bei den Nachbarn klingeln, aber es ist schon nach 20.00 Uhr. Außerdem haben Sie kein gutes Verhältnis zu ihnen und der Schrank ist ja nicht total leer.

Kirschen sind da, das Wichtigste ist also vorhanden und noch einige andere Dinge, wie Schlagsahne, Mandeln, Eier, etwas Milch. So lautet das Ergebnis der ersten Bestandsaufnahme.

Jetzt haben Sie die Gelegenheit etwas zu tun, was Sie noch nie gemacht haben.

Sie kreieren einen Kuchen ohne Mehl.

Wie soll das gehen?

Sie sagen: »Oh, da müssen wir wohl improvisieren.«

Ihr Kind entdeckt sofort das Abenteuer dabei.

Sie sagen: »Wenn wir die Mandeln mahlen, dann haben wir Pulver, das können wir wie Mehl verwenden.«

Sie erinnern sich an Pippi Langstrumpf, die sagte: »Oh, das habe ich noch nie gemacht, das wird sicher gut.«

Und diese kindliche Abenteuerlust ist schon in Ihnen erweckt.

Sie packen alles aus dem Schrank, was Sie finden.

Sie wollen gerade googeln »Backen ohne Mehl«.

Da sehen Sie ein Kinderbuch mit dem Titel Petterson und Findus vor sich liegen und schlagen es auf. In dieser Geschichte möchte Patterson für seinen Kater Findus eine Pfannkuchentorte backen. Auch Ihm fehlt das Mehl und das Abenteuer, wie er zu seinem Mehl kommt, beginnt.1

Sie müssen lächeln. Was für eine Inspiration!

Sahne ist im Kühlschrank, die Kirschen und Eier sind auch da.

Mit Freude backen Sie mit Ihrem Kind eine Pfannkuchen-Torte aus selbst gemahlenem Mandelmehl mit Sahne und Kirschen.

Ihr Kind ist glücklich, Sie sind glücklich.

Am nächsten Tag kommt Ihr Kind zu Ihnen und sagt, dass die Pfannkuchen-Torte der große Renner war.

Alle dachten dabei sofort an Petterson und Findus und im Nu war sie alle – die Torte.

Alle werden sich noch Jahre später daran erinnern.

Sie haben eine tolle Erfahrung gemacht, weil Sie die Situation ernst genommen haben, Sie haben nämlich »Ja« gesagt, zu dem, was ist und Sie haben nicht aufgegeben.

Was haben Sie da konkret gemacht?

Sie haben »Ja« gesagt zu der Situation, wie sie gerade ist.

Ja, Sie hatten kein Mehl.

Sie haben eine Bestandsaufnahme der Ressourcen gemacht.

Dabei haben Sie schon Querverbindungen geschaffen. Aus Mandeln kann man Mehl machen.

Der kreative Prozess hat bereits begonnen.

Er beginnt in dem Augenblick, als Sie »Ja« sagen zu der Situation wie sie ist. Wir Menschen sind kreativ und unser Gehirn baut sofort Vernetzungen auf. Möglichkeiten werden sichtbar, die es im nächsten Schritt zu prüfen gilt.

Hier herrscht auch das Prinzip von »trial and error«, Versuch und Fehler. Erstmal machen und sehen, wie es weitergehen kann.

Sie haben improvisiert, haben Möglichkeiten entdeckt und es ist etwas ungewollt Positives entstanden. Sie durften eine nachhaltige Erfahrung machen.

Sie sind durch die Umstände, dass kein Mehl da war, kreativ geworden. Sie haben nicht aufgegeben. Sie haben die Kraft des Augenblicks genutzt und das Beste daraus gemacht.

Sie wurden reich beschenkt.

Zurück zum Business:

Unsere vier Führungskräfte kannten sich, kannten die Situation im Unternehmen, wussten, was sie sagen wollten. Sie konnten sich also die Bälle gegenseitig zuspielen und sich gegenseitig unterstützen.

Der Rahmen war bereitet. Es war klar, wer wann drankommt und seinen Beitrag leistet.

Jeder war aufmerksam, führte sein Solo durch und bot Support für seine Mitspieler. Es ist das Konzept von Führen und Führen-lassen. Beides ist ein aktiver Prozess und erfordert Wachheit und den Blick auf das gemeinsame Ganze.

Jetzt passierte auch hier etwas Unvorhergesehenes.

Eine falsche PowerPoint-Folie erschien auf der Großbildleinwand.

Obwohl Herr Katschmarek jetzt dran gewesen wäre, erschien die zweite Folie von Herrn Müller (es handelt sich hier um fiktive Namen).

Herr Müller, aufmerksam, wie er war, übernahm den Part, verzichtete auf die erste Folie und leitete später mit klaren Sätzen, auch für den Techniker verständlich, zu Herrn Katschmareks Vortrag über. Herr Dietrich bemerkte, dass es nun günstig wäre, nach diesen Umständen ein paar positive Worte über das Sommerfest zu sagen, bis der Techniker, der ja gemerkt hatte, dass da was falsch lief, seine Folien und Dateien wieder ordnen konnte.

Anstatt den Techniker runterzumachen, ihn vor versammelter Belegschaft zu blamieren und ihn wahrscheinlich noch mehr zu verunsichern, improvisierten unsere Führungskräfte und nahmen die Situation als gegeben an und reagierten darauf angemessen.

Jeder übernahm Verantwortung für das große Ganze und tat sein Bestes, dass die Inhalte wirkungsvoll beim Adressaten ankamen.

Es gab kaum einen, der den Fehler bemerkte. Nachher sprachen alle von der tollen Präsentation, die diesmal sehr lebendig war.

Theater kann man nicht allein machen

Und ein Projekt kann man auch nicht allein durchführen. Es bedarf immer mehrerer unterschiedlicher Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die für einen gemeinsamen Zeitraum zusammenarbeiten.

Für das Improvisieren ist es sehr wichtig, zu führen und sich führen zu lassen und vor allen Dingen zu wissen, in welchem Modus ich gerade bin. Im Prinzip ist jede Arbeit mit Improvisation eine Co-Kreation.

Es ist für mich ein Grundprinzip der Improvisation, immer genau zu wissen, wo bin ich Solist und wo unterstütze ich die anderen. Es ist das Prinzip von Führen und Führen lassen.

An dieser Stelle fällt mir Free Jazz ein. Auch wenn ich ihn nicht begreife, so bin ich fasziniert, wie die einzelnen Musiker, die sich meist zum ersten Mal begegnen, zusammenspielen, als Band agieren und dabei jeder genügend Raum für sein Solo erhält. Für mich als Zuhörer ist nicht klar, was vorbereitet war und was spontan entstehen konnte. Ich erfreue mich dabei am Gesamtkunstwerk, am Hörgenuss. Gute Projektteams funktionieren genauso. Das große Ganze zählt. Und jeder ist ein Teil all dessen.

Das bedeutet, ich übernehme Verantwortung, als Erstes für mich und dabei verliere ich das große Ganze nicht aus dem Fokus.

Wir sind Menschen mit Fehlern und Macken. Ja, wir sind keine Maschinen, keine Roboter.

Wir sind einzigartig

Wenn wir den Kampf mit den Maschinen aufnehmen und besser, präziser als sie sein wollen, dann werden wir den Kampf verlieren. Wenn wir jedoch auf unsere ureigenen Kräfte vertrauen, auf das, was uns Menschen ausmacht – dass wir fühlen können, Dinge in Zusammenhang bringen können, kreativ sein können –, dann sind wir Schöpfer aller Dinge.

Wir besitzen eine Intuition und wir haben einen Verstand und wir haben ein Herz. Und jeder Mensch hat Zugriff auf alle diese Dinge.

Durch die letzten 300 Jahre sind wir sehr verstandesgeprägt. Das hat uns da hingeführt, wo wir jetzt sind. Das Newtonsche Weltbild, was wir leider noch immer in den Schulen vermittelt bekommen, geht davon aus, dass für alles eine Erklärung existiert. Da, wo wir etwas nicht messen können, wird es ausgeklammert und als nicht existent dargestellt.

Die Quantenphysik greift das auf und mit ihrer Hilfe lassen sich viele Dinge beweisen und erklären, was wir vorher noch nicht konnten. Daraus entstehen Vorstellungen über Phänomene, deren Erklärung über das Messen und Begreifen hinausgehen.

Im Grunde haben wir nicht zuletzt durch das Internet Zugriff auf alles Wissen dieser Welt, Bekanntes und Verborgenes. Ich muss gar nicht alles wissen, weil alles verfügbar ist. Stattdessen ist es angebracht, Fähigkeiten zu entwickeln, die es mir ermöglichen, mit anderen Menschen in jeder Situation zu kommunizieren. Was wir brauchen, sind die Fähigkeiten des gemeinsamen Spielens, des Miteinander-Entdeckens.

Wir leben in interessanten Zeiten

»Mögest du in interessanten Zeiten leben« lautete der Spruch der Biennale in Venedig 2019. Ja, wir leben wirklich in interessanten Zeiten. Nichts ist mehr, wie es war. Unsere Welt rast. Bevor ein Plan zur Umsetzung kommt, ist er schon überholt. Herzlich willkommen in der VUKA-Welt.

Seit dem Beginn der Digitalisierung gibt es diesen Begriff der VUKA-Welt.

VUKA ist ein Akronym aus:

Volatilität (Sprunghaftigkeit, Unbeständigkeit, Veränderung; engl. Volatility)

Unsicherheit (engl. Uncertainty)

Komplexität (engl. Complexity)

Ambiguität (Mehrdeutigkeit, engl. Ambiguity)

Wir haben natürlich schon ein Mittel für diesen aufkeimenden Virus.

Es ist die Agilität.

Es gibt kaum ein Team, das nicht agil geführt wird. Agil, beweglich bleiben, scheint die Lösung.

Dr. Thomas Würzburger, ein Business-Experte und Keynote Speaker, schreibt in seinem Buch Die Agilitätsfalle: »Trotzdem wird diese neu gewonnene Freiheit agiler Methoden und die Selbstbestimmung in agilen Organisationen als orientierungslos und unsicher wahrgenommen und führt in vielen Fällen zu Überforderung, Verlustängsten und Widerstand.«

Wie kommen wir aber durch persönliche Weiterentwicklung zu mehr Stabilität und Authentizität?

Da helfen uns die Prinzipien der Improvisation, die ich in diesem Buch erläutern werde.

An den oben aufgeführten Beispielen haben Sie schon gesehen, es ist ganz einfach, fast banal und doch ist alles sehr komplex und miteinander verwoben. Es sind oft die kleinen Dinge im Leben und bei der Arbeit, die eine große Wirkung nach sich ziehen.

Ich gehe davon aus, dass in uns alles vorhanden ist, was wir brauchen, um ein gutes Leben zu führen. Für mich ist das Leben nicht getrennt in Arbeits- und Privatleben. Wir haben ein Leben und beide Bereiche bestimmen unser Leben.

Wenn wir in einem Bereich nicht glücklich sind, wirkt sich das in den anderen Bereichen auch aus.

Wenn ich privat unzufrieden und überfordert bin, wirkt sich das auf meine Leistungsfähigkeit im Business aus.

Aber wie finde ich zu mehr Stabilität?

Wie kann ich auf die Unsicherheit, die mich plagt, eingehen? Wie finde ich meine Sicherheit in einer sich ständig verändernden Welt? Egal ob es die drohende Klimakatastrophe ist, das Plastik, was die Seen und Meere überschwemmt, oder meine Existenzangst, dass ich nicht weiß, ob ich meinen Lebensabend werde bestreiten können? Wird das, was ich zu bieten habe, im Rahmen der Digitalisierung überhaupt noch gebraucht werden?

Was kann ich tun, um den komplexen Themen mit Würde und Gelassenheit zu begegnen?

Wie gehe ich mit meinen Selbstzweifeln um?

Was mir hilft, ist ein bewusster Umgang mit all diesen Themen.

Durch die Auseinandersetzung mit der Improvisation, durch das Improvisationstheaterspielen hat sich bei mir Aufmerksamkeit und Bewusstheit gebildet. Das ist unvermeidlich, wenn ich mit anderen Menschen gemeinsam spiele, noch dazu aus dem Stegreif, aus dem Moment schöpfe und Geschichten auf Zuruf vom Publikum erfinde und spiele. Nichts ist geplant. Alles, was entsteht, entsteht in diesem Augenblick.

Um das zu realisieren, sind bestimmte Fähigkeiten nötig.

Hierbei geht es weniger um Techniken, als eher um Methoden, gefühlt zu wissen, was ich tue. Und darauf zu vertrauen, dass das, was entsteht, genau das ist, was gebraucht wird.

Dazu brauche ich Vertrauen und Selbstvertrauen, was sich bildet, wenn ich die Kontrolle und Bewertung der Situation, kurz meine Erwartungen, zurückstelle und meiner Intuition und den Impulsen aus meiner Umgebung aufmerksam lausche und ohne zu bewerten einfach diesen Impulsen folge.

Das Ganze geschieht nicht willkürlich. Ich habe natürlich ein Ziel und je freier ich arbeite und improvisiere, umso klarer muss der Rahmen sein. Sonst wird es beliebig und es entsteht Chaos. Aus Chaos entsteht wieder Ordnung. Das ist der Lauf der Welt.

Ich starte im Training, bevor das Schauspielen anfängt, mit Körper- und Bewegungsimpulsen. Wir nennen das Aktion, Reaktion und Spiegel.

Weiter geht’s mit dem Modell von Führen und Führen-lassen, von Führen und Geführt-werden.

Ich genieße es, zu spüren, wann führe ich und wann lasse ich mich führen. Es ist sehr entspannend, sich führen zu lassen, das ist ein aktiver Vorgang und ich unterstütze in jedem Augenblick meine Mitspieler – allein durch meine Präsenz.

Ich bin und bleibe wach und vertraue dem gemeinsamen Ganzen.

Das ist ein sehr aktiver Prozess, der meine ganze Aufmerksamkeit fordert und mich total entspannt, weil ich mir nicht die ganze Zeit etwas einfallen lassen muss, und selbst keinen Druck aufgebaut habe, dass mir etwas Grandioses einfallen muss, sondern darauf vertrauen kann, dass etwas kommt. Und das, was kommt, ist genau das, was richtig ist.

Da sind wir schon bei den großen Fallen der Improvisation. Das eine ist der Perfektionismus und das andere ist das Ego.

Beides hemmt mich ungemein und lenkt meine Aufmerksamkeit von der Gegenwart ab. Vom Körper wandert meine Aufmerksamkeit in den Kopf. Perfektionismus hat etwas mit meinem Anspruchsdenken zu tun, das bis zur Blockade führen kann. Das Ego hemmt mich auf einer subtilen Gefühlsebene und verlangt, die Kontrolle über die Situation zu behalten und dadurch andere zu manipulieren. Da sind wir auf der Statusebene.

Jeder Mensch sollte über Status, Hoch- und Tiefstatus, Bescheid wissen. Was wir brauchen ist nicht der perfekte Hochstatus und der klare Tiefstatus. Wir benötigen eine Statusflexibilität und diese ist sehr wichtig für alle, egal ob Führungskräfte oder Mitarbeiter. Auch im Familiären regelt sich sehr viel über Status. Damit verbunden ist auch eine Rollenklarheit.

Wenn ich weiß, wie Status auf der Körperlichen und auf der emotionalen Ebene funktioniert, kann ich in jeder Situation angemessen handeln.

Rollenklarheit

Rollenklarheit ist ein weiterer Schlüssel für Erfolg.

Wenn ich mir selbst bewusst bin, welche Rolle ich gerade verkörpere, welche Aufgaben, diese Rolle beinhaltet, welche Abgrenzungen nötig sind und welche Übergänge zu anderen Rollen existieren, bin ich frei und kann meine Rolle spielen.

Das Improvisationstheater hilft mir dabei spielerisch die Rollen zu erfassen.

Was passiert im Leben? Alle diese Gruppen von Rollen sind miteinanderverwoben.

Ein Beispiel:

Nehmen wir Herrn Müller. Er ist Abteilungsleiter, er ist Ehemann, Vater, Freund, Lehrgangsleiter, Lehrgangsteilnehmer und begeisterter Tangotänzer. Er füllt alle diese Rollen aus und hat auf allen Gebieten dieser Rollen Erfahrungen gesammelt.

Herr Müller wird nun vom Vorstand gebeten, seine Ideen in Form einer Stellungnahme zur weiteren Entwicklung der bestehenden Produktlinie abzugeben.

Mit der Produktlinie gibt es derzeit einige Schwierigkeiten.

Zur Situation: Die Produktlinie wurde eingeführt, um dem Unternehmen eine schnellere Produktionssteigerung und Gewinnsteigerung zu bringen. Das war vor vier Jahren. Inzwischen hat sich der Markt verändert. Die Anzeichen, die der Markt zeigte, wurden mehrfach ignoriert und jetzt ist guter Rat teuer.

Der Absatz funktioniert nicht so, wie er laut Plan laufen sollte. Veränderungen stehen an.

Herr Müller hat einige Ideen und kennt auch die Fehler und Unterlassungen, die im Vorfeld gemacht wurden. Er ist ein Spezialist auf seinem Gebiet.

Was die Führung seiner Mitarbeiter betrifft, konnte Herr Müller viel aus seinen Erfahrungen mit dem Tango lernen und übernehmen.

Jetzt kommt Herr Müller zu Herrn Walter: Seit 8 Jahren ist er zum Vorstand berufen, erfahren, selbst Vater, schon Großvater von zwei Enkelkindern und ein leidenschaftlicher Segler.

Es ist ein vertrauliches offenes Gespräch. Beide unterhalten sich nach einem kurzen einleitenden Smalltalk sehr offen über das Thema.

Herrn Müllers Kreativität kennt keine Grenzen, er kommt in Fahrt, es ist sein Fachgebiet, er hat hier sogar promoviert und gibt Herrn Walter einen Rat, wie das Problem aus seiner Sicht zu lösen ist. Es ist ein Rat, der einem väterlichen Rat gleicht, den ein erfahrener seinem unerfahrenen Kollegen gibt.

Herr Walter geht auf Distanz. Beendet das Gespräch freundlich, doch ist eine gewisse Spannung zwischen den beiden zu spüren.

Was ist passiert?