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Hast du gerade einen geliebten Menschen verloren? Leidest du unter Trauer, Stress, Einsamkeit oder Trennungsschmerz? Bist du mit der aktuellen Situation überfordert und findest nicht aus deiner Krise heraus? Mit autobiographischen Erlebnissen schildert die Autorin ihren Umgang mit schlimmer Trauer, tiefen Krisen und Verlusten. Lerne in diesem Ratgeber eine effektive Methode zur Krisenbewältigung und stärke deine Widerstandskraft, damit du gegen eine mögliche nächste Krise gewappnet bist. Viele praktische Übungen und Geschichten helfen dir, noch besser durch Krisen zu kommen und gestärkt daraus hervorzugehen. Mit vielen Entspannungsmethoden verändert dieses Buch nachhaltig deine Wahrnehmung auf deine Situation und hilft dir raus aus der Krise hinein in ein besseres Leben!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 198
Veröffentlichungsjahr: 2020
Für
Markus und Isabelle,
die mich sehr unterstützt haben.
Vielen Dank an Euch beide!
Einleitende Worte
Krisen durchstehen
Haben Krisen sogar etwas Gutes?
In der Krise
Überlebensstrategien für den Alltag
Der Tod ist Teil des Lebens
Tod meines Vaters
Tod meiner Mutter
Das Leben bereitet uns vor
Wie mein Leben begann
Rituale geben uns Sicherheit
Prägung in der Jugendzeit
Alles dominierende Heimdialyse
Bleibende Erinnerungen
Mit dem Helikopter ins Krankenhaus
Lebenserfahrung durch Reisen
Russland - Ohrenprobleme
Südafrika - Magenprobleme
Costa Rica – Augenprobleme
Nepal – Seelenprobleme
Umgang mit schweren Zeiten
Berufliche und gesundheitliche Probleme
Inneres Team als mögliche Hilfe
Stark sein für andere
Trauerzeit erleben
Schicksalsschläge und Krisen gehören dazu
Aus verpassten Chancen lernen
Die LAUCH – Methode
L wie Lähmung
A wie Akzeptanz und Aktivität
U wie auf die Umwelt zu gehen
C wie Chance(n) ergreifen
H wie Heraustreten aus der Krise
Weitere Schritte aus der Krise
Exkurs: Stress
Exkurs: Salutogenese
Exkurs: Gönnen und Genießen
Exkurs: Immunsystem
Exkurs: Schlaf
Überblick zu Entspannungsmethoden
In kleinen Schritten vorwärts gehen
Mit Affirmationen stärker werden
Rituale in den Alltag übernehmen
Positive Psychologie funktioniert
Resilienz macht dich ruhiger
Einige Entspannungstechniken - kurz beschrieben
Atemübungen
Autogenes Training
Meditation
Progressive Muskelentspannung
Qigong
Yoga
Bonusteil: Waldbaden
Die Ursprünge des Waldbadens
So wirkt Waldbaden
So geht Waldbaden
Studien zur gesundheitlichen Wirkung
Fakten zum Waldbaden
Hier findest du Hilfe
Literatur- und Quellenverzeichnis
Das Leben ist kein Ponyhof, sondern besteht aus Höhen und Tiefen, die jeder Mensch unterschiedlich erlebt. In diesem Buch geht es darum, wie du besser mit Krisen umgehen kannst, schneller wieder auf die Beine kommst und hoffentlich gestärkt aus einer Krise hervorgehst. Es ist ein kleiner Ratgeber, randvoll mit alltagstauglichen Tipps, die auf die Phasen einer Krise abgestimmt sind. Hinzukommen Geschichten und viele Übungen, die es dir hoffentlich leichter machen, wieder aus der Krise herauszukommen.
Du erfährst etwas über mein Leben und wie ich es geschafft habe, mit etlichen Schicksalsschlägen zurecht zu kommen und ich zeige dir, wie auch du für dich einen Weg finden kannst. Darunter befinden sich große und auch kleinere Krisen und Lebenserinnerungen, die verdeutlichen, wie uns das Leben vorbereitet, wie du solche Lektionen im Ernstfall „abrufen“ kannst. Manche sind dabei, die dich hoffentlich auch mal zum Schmunzeln bringen und dir zeigen, das Leben ist schön und hat gute Seiten, selbst wenn es gerade nicht so rosig aussieht.
Wir lernen von klein auf durch das Zuhören bei den Älteren und werden so (zumindest etwas) auf das Leben vorbereitet. Wenn Krisen dann da sind, muss man sie durchstehen und die Zähne zusammenbeißen. Dabei im Gegenzug das Leben in vollen Zügen genießen – mit allem was möglich ist!
Und genau hier setzt meine LAUCH-Methode an: Ich habe ziemlich viele Krisen, Todesfälle, Erkrankungen auf Reisen erlebt und bin daraus im Großen und Ganzen gestärkt hervorgegangen. Mein Leben ist schön und lebenswert und ich will dir weitergeben, was ich in den Krisen (oft intuitiv) richtig gemacht habe, wie mich das gestärkt hat und wie du das für dich übernehmen kannst.
Ich bin weder Medizinerin noch Psychologin. In diesem Buch berichte ich von eigenen Erfahrungen, die ich gemacht und gemeistert habe. Daraus abgeleitet entstand meine LAUCH-Methode als kleine Hilfestellung in Krisensituationen. Das Buch ersetzt keinen Besuch beim Arzt oder Psychologen. Bitte suche rechtzeitig das Gespräch oder professionelle Hilfe.
Den Impuls, tatsächlich ein Buch zu schreiben, gab Hermann Scherer in einem Webinar. Er betonte dabei sehr, dass ein neues Sachbuch ein interessantes Thema haben und am besten ein Problem lösen sollte. Darüber hinaus, dass man als Autor*in möglichst Geschichten erzählen sollte, mit denen sich die Leser identifizieren können. Er erwähnte dabei, dass viele Menschen mit Krisen zu kämpfen hätten und Zack, da hatte ich mein Thema, um das ich schon länger herumgeschlichen war. Bei mir fiel der Groschen und ich begann, zu schreiben. Etliche Gedanken zu gemeisterten Krisen in meinem Leben kamen hoch, die ich ziemlich gut verdrängt hatte. Die meisten Krisen bewältigte ich alleine, mit Familie oder Freunden. Beim Tod meiner Mutter holte ich mir die Unterstützung durch einen Psychologen, was sehr gut war.
Ich habe wohl vieles unterbewusst richtig gemacht, ohne eine klassische Strategie anzuwenden. Mittlerweile kenne ich etliche Methoden zur Krisenbewältigung. Ich habe eine Ausbildung in NLP und zur Entspannungspädagogin gemacht und sehr viel zu den Themen gelesen, worauf ich später zu sprechen komme.
Mein Wunsch ist es, dir zu helfen, schneller, besser und gestärkter aus einer Krise, aus Trennungsschmerz oder Trauer hervorzugehen. Jedenfalls habe ich lange gegrübelt und recherchiert und wollte ein Buch schreiben, das andere Menschen weiterbringt. Etwas Sinnstiftendes, das inspiriert und weiterhilft. Mit umsetzbaren Schritten, auch immer mal wiederholend, damit es sich setzen kann und falls du im Buch nicht chronologisch liest, sondern so wie es dich gerade interessiert.
Die im Buch manchmal gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche und männliche Personen.
„Das Schicksal geht mit uns wie mit Pflanzen um: Es macht uns durch kurze Fröste reifer.“ JEAN PAUL
Die LAUCH-Methode
„Die LAUCH-Methode“ ist universell auf Krisen anwendbar. Am Anfang einer Krise stecken die meisten Menschen erst einmal in der Phase der Lähmung (L). Nichts geht von der Hand, du willst das Geschehene nicht wahrhaben, kannst es noch gar nicht glauben oder streitest es schlicht ab.
Dann kommt eine Zeit, in der du akzeptieren (A) und schließlich wieder aktiver (A) werden solltest. Wenn du es dann schaffst, (wieder) auf deine Umwelt (U), also Menschen in der deiner Nähe zuzugehen oder deren (Hilfs-) Angebote anzunehmen, geht es aufwärts. Es schließt sich die Phase der Chancen (C) an, die du ergreifen solltest. In der letzten Phase geht es darum, gestärkt aus der Krise hervorzugehen und dich für etwaige neue Krisen zu wappnen. Also Heraustreten (H) wie Phönix aus der Asche.
„Du kannst den Regenbogen nicht haben, wenn es nicht irgendwo regnet.“ INDIANISCHE WEISHEIT
Es gibt einen Satz von Eckardt von Hirschhausen: „Manchmal bist Du die Taube und manchmal bist Du halt das Denkmal“. Mich bringt er zum Schmunzeln und ich finde, dass Wahrheit drinsteckt und es eine gute Denkhaltung ist, die einen viele Dinge mit ein wenig Abstand sehen lässt. Und ein wenig „Nonchalance“ ins Leben bringt.
Stellt sich die Frage, wie du während einer Krise aktiv werden kannst?
Versuche, folgende Sichtweise anzunehmen: Wie kann ich diese Krise als Herausforderung sehen? Das passt gut zu Menschen, die ohnehin sportlich sind oder sportlich denken. Diesen Menschen hilft manchmal eine Herausforderung. Oder eine Art spielerisches Denken. Mit Anfang, Ende und einem Ziel, das es zu erreichen, einer Hürde, die es zu überwinden gilt. Mir hilft das übrigens auch!
Kurzfristig ist jede Krise, Trennungsschmerz, jeder Verlust und schwere Krankheit erstmal eine Katastrophe. Mensch hadert und fragt sich, warum ich? Wie soll ich damit fertig werden? Habe ich nicht schon genug zu tragen? Oder ähnliche Gedanken.
Rückblickend betrachtet, wenn die Krise durchgestanden oder zumindest wieder etwas Normalität eingetreten ist, kannst du teilweise auch gute Dinge entdecken, die vielleicht für dein persönliches Wachstum doch positiv waren.
Du erkennst vielleicht, dass du in der Lage warst, Kraftreserven zu wecken, aus der Gleichgültigkeit gerissen wurdest, alte Freunde wiederentdeckt oder gemerkt hast, was alles in dir steckt. Denkanstöße und Fortschritte sind oft das Resultat von Krisen.
Mit diesen Anregungen kannst du eine Krise hoffentlich gelassener betrachten:
Nach Robert Betz ist jede Krise eine Tür, die etwas Gutes für uns bereithält. Sage dir: „Danke, dass ich leben darf“.
Nimm möglichst nicht alles persönlich und bewahre dir einen gesunden Zynismus und Abstand.
Sieh eine Krise nicht als Strafe.
Frage nicht: „Warum ich?“, sondern: „Was sagt mir das? Wie gehe ich jetzt damit um?“
Ändere deine Perspektive. Versuche, alle Seiten zu sehen.
Ich habe einige Krisen in meinem Leben bewältigt und während ich drinsteckte, war es grauenhaft und schlimm. Rückblickend betrachtet machen etliche Zusammenhänge Sinn und ich bin daran gewachsen. Mehr davon später. Jedenfalls liegt es an uns selbst, wie wir mit einer Krise umgehen und wie wir unser Leben insgesamt meistern.
Positive Beispiele, was Menschen aus Krisen gelernt haben:
Die innere Stärke (wieder)entdecken und sich ihrer bewusst werden.
Gleichmut – sich weniger über Kleinigkeiten aufregen.
Das Große und Ganze wertschätzen.
Mehr im Gefühl der Zufriedenheit sein.
Manche Menschen finden zum Glauben.
Für Viele entsteht eine neue Art der Gemeinschaft.
Sie achten mehr auf Ihre Gesundheit.
Die eigenen (kleinen) Bedürfnisse werden unwichtiger.
Es steigert das Bewusstsein, was im Leben wirklich zählt und wichtig ist.
Beziehungen bekommen mehr Wert: Familie, Partner und Freunde treten in den Vordergrund.
Manche Menschen entdecken neue Eigenschaften an sich selbst wie Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen.
Durchbreche Denkmuster
Es ist hinderlich, wenn du denkst: Warum ich? Oder wieso trifft es (immer) mich? Versuche es stattdessen so zu sehen: Wofür ist das gerade gut und wie kann ich stärker werden?
Wow. Ich habe das geschafft. Konzentriere dich auf das, was du ändern oder beeinflussen kannst. Kann eine Krise ein Weckruf sein? Umkehr, ein neuer Weg oder eine andere Richtung?
In seinem Buch Ratgeber Depression. Informationen für Betroffene und Angehörige beschreibt der Psychologie-Professor Dr. Martin Hautzinger Wege aus einer Krise heraus. Er spricht in seinem Buch zwar von Depression, dabei ist der Weg für eine Krise oder Trauerzeit identisch. Denn es ist wichtig, die dahinterliegenden Muster aufzudecken. So kannst du herausfinden, was einen guten Einfluss auf deine Stimmung hat und davon mehr in dein Leben holen.
Aber welchen Sinn hat es, wenn ein Mensch (viel zu früh) stirbt oder geht? Wozu braucht man eine schwere Krankheit? Welchen Sinn macht es, wenn einen der Partner plötzlich verlässt und man das gar nicht will? Da hilft die Sichtweise: Es hört wieder auf und Du musst da jetzt durch. Es gibt keinen anderen Weg!
„Wenn alles gegen dich zu sein scheint, dann erinnere dich, dass ein Flugzeug gegen den Wind abhebt und nicht mit dem Wind.“ HENRY FORD
Eine Krise ist oft ein Wendepunkt im Leben. Es gibt neue, manchmal unerwartete Herausforderungen, die sich bisweilen als Chancen entpuppen können.
Auf den ersten Blick fällt es schwer, da irgendeinen Sinn zu finden. Als es bei meiner Mutter aufs Ende hinging und mir klar war, dass sie nicht mehr gesund werden kann, suchte ich mir präventiv psychologische Begleitung. Der Therapeut half mir bereits in der schweren letzten Krankheitsphase und dann auch in der Zeit nach ihrem Tod. Rückblickend hatte ich das vollkommen richtig gemacht. Denn diese Krise war bei weitem die schlimmste in meinem Leben.
Jedenfalls versuchte der Therapeut damals, mir die positiven Dinge vor Augen zu führen. Und lenkte meinen Blick immer wieder auf Freunde und Netzwerke, die tragen können. Und ich erinnere mich noch gut, dass mir das unendlich schwerfiel. Denn mein Argument dagegen: „Diese Freunde habe ich eh und hätte sie auch zusätzlich, wenn ich noch Familie hätte.“ Im Endeffekt hatte er aber Recht, den Blick auf das zu richten, was möglich und vorhanden ist. Zu leugnen, was geschehen ist, hilft nichts. Leider.
Ist dir schon mal aufgefallen, dass auf der Straße, im öffentlichen Leben fast niemand weint? Ich frage mich, wie andere Menschen das machen. Denn ich musste in akuten Phasen ab und zu einfach so weinen. Auch auf der Straße. Und konnte es zum Teil wirklich nicht verhindern, dass mir die Tränen die Wangen runterliefen. Wenn gerade eine Erinnerung hochkam, ich an einem Lieblingsrestaurant vorbeilief oder mir ein trauriges Lied in den Sinn kam.
Als meine eigene akute Phase vorbei war, habe ich andere Menschen beobachtet und geschaut, ob jemand auf der Straße weint. Gehen die alle in den Keller? Sind die so beherrscht? War ich so unbeherrscht? Da grüble ich noch nach. Oder weint man nicht? Ist Gefühle-zeigen out?
Dabei ist weinen sehr wichtig. Gerade im akuten Fall sollte man Gefühle zulassen und auch rauslassen. Das reinigt den Körper und entlastet. Es ist an dieser Stelle nicht gut, die Gefühle zu unterdrücken oder zu leugnen. Meistens kommen starke Emotionen dann später hoch und wollen verarbeitet werden. Dann doch besser gleich!
TIPP: Lasse die Gefühle gleich am Anfang zu. Denn da haben die meisten, eigentlich alle Menschen im Umfeld Verständnis für Weinen, Klagen, miese Stimmung, Unaufgeräumtheit, Gefühlsausbrüche oder mal einen Tag im Bett. Je länger das Ereignis zurückliegt, desto mehr entsteht im Umfeld die Erwartungshaltung, bitte wieder zu funktionieren und zur Normalität zurückzukehren.
Ich habe den Wunsch zu zeigen, dass Krisen lösbar sind. Dass man viele zunächst nicht bewältigbare Situationen meistern kann und manchmal, meistens sogar, gestärkt daraus hervorgeht. Auch wenn das Zeit braucht! Und Geduld! Und Nerven kostet!
Aber es geht! Also gibt es Hoffnung. Und die möchte ich in diesem Buch rüberbringen. Wenig akademisch, sondern mit Ansätzen, die umsetzbar sind und Hilfe bieten. Dafür musst du die Krise, das Problem oder Thema aber annehmen und durch das Tal der Tränen gehen. Selbst durchstehen und durchschreiten!
Mein Leitsatz dabei: Alles hat ein Ende und geht wieder vorbei!
In der Zeit der akuten Trauer oder Krise geht es oft nicht anders. Man kann nicht aus seiner Haut heraus und es ist wichtig, die Gefühle nicht zu verleugnen, abzustreiten oder irgendwie zu vertuschen. Mittlerweile weiß ich, dass gerade Menschen, die die Gefühle zulassen und ausleben, auf lange Sicht gesehen, besser mit Verlust, Trauer und eben tiefen Krisen zurechtkommen. Denn unterdrückte Gefühle sind trotzdem da und gehen nicht einfach weg. Sie kommen später wieder. Wie ein Boomerang…
Gefühle und Probleme während einer akuten Krise:
1. Die Gefühle gehen rauf und runter. Stimmungsschwankungen gehören irgendwie dazu. Nichtwahrhabenwollen wechselt sich ab mit Verleugnung, tiefer Sehnsucht, Weinen oder Schwelgen in Erinnerungen.
2. Angst. Angst vor der Zukunft, vor den Anderen, vor den eigenen Gefühlen, vor Reaktionen. Angst vor Schmerzen und vor dem „Erwachen in die Realität“.
3. Rückzug. Ein Wechselbad der Gefühle und Bedürfnisse, das andere oft nur schwer begreifen können. Einerseits ist es schlimm, alleine zu sein, da dann die Gedanken das Kreisen anfangen. Andererseits ist es kaum auszuhalten, wenn Mitmenschen versuchen, Aufheiterung zu verbreiten. Daher ist die Phase des Rückzugs völlig normal, um sich zu sortieren, ins Reine zu kommen oder Ruhe zu finden.
4. Wirre Gedanken können einen in den Wahnsinn treiben. Eine Phase der Zerstreutheit. Man weiß teilweise nicht, was der andere gerade gesagt hat, ob man die Haustüre abgeschlossen hat oder wann der letzte Friseurtermin war. Es ist zum Teil echt schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Geht vorbei…
5. Langsamkeit, nichts geht von der Hand. Schockstarre. Die Welt fühlt sich an wie in Watte gepackt. Es sind so viele Dinge zu erledigen. Der Berg ist riesig, so dass alles nur noch schwerer von der Hand geht. Zumal man eh schon recht erschöpft ist.
6. Wut oder Schuldgefühle sind auch normal. Gehören am Anfang mit dazu. Wichtig ist es, dass die Gefühle im halbwegs realistischen Bereich bleiben und nicht zu übermächtig werden.
7. Gesundheitliche Probleme sind auch dabei, denn wer schlecht schläft oder gar nicht, wenig isst und dann nur Mist zu sich nimmt, hat unter Umständen auch mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen. Auch unerklärliche Schmerzen können auftreten. Hole dir Unterstützung. Du bist nicht alleine.
„Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.“ MARIE VON EBNER-ESCHENBACH
Von meinen Krisen habe ich dir ja erzählt und mir ging es teilweise sehr schlecht. Aber ich konnte jede einzelne Krise überstehen, bin gereift und habe aus den vergangenen Jahren heraus für mich folgende „Überlebensstrategien“ für den normalen Alltag herausgefunden, erarbeitet und etabliert. Ich versuche, diese täglich anzuwenden. Nicht jede Sache jeden Tag. So viel wie gerade möglich oder nötig ist.
Aber ich kann dir den guten Tipp geben, dass es hilft, ein persönliches Schatzkästchen an hilfreichen Ideen zu haben. Ich nenne sie meine „Pfeile im Köcher“, die ich bei Bedarf zücken kann.
Mein Schatzkästchen (Vieles findest du im dritten Teil des Buches):
Morgens noch im Bett überlege ich mir: „Was macht meinen Tag heute zu einem schönen Tag?“
1
Ich habe eine Pulsuhr und versuche zwischen 6.000 und 10.000 Schritte pro Tag zusammenzubekommen. Bewegung löst Blockaden und hilft heilen.
Jeden Tag versuche ich, entweder 10 Minuten Ruhe-Übungen zu machen (entweder Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Meditation).
Wenn ich zu schlapp bin, lege ich mich nur auf meine harte blaue Pilates-Rolle, um meine Wirbelsäule zu dehnen.
Da ich mit Rückenproblemen behaftet bin, versuche ich täglich etwas für meinen Rücken zu tun, wie Rückenübungen, blaue Rolle, Fitnessstudio etc. Ich habe mir angewöhnt etwa einmal pro Quartal zur Osteopathie zu gehen.
Wenn mir etwas weh tut, habe ich gute Erfahrungen mit Atemübungen gemacht: Ich atme ganz bewusst an die schmerzhafte Stelle und stelle mir vor, wie die Beschwerden immer kleiner werden.
Bei Schreibtischarbeiten versuche ich einen Wechsel zwischen Sitzen und Stehen. Dafür habe ich zusätzlich einen Stehtisch in meinem Arbeitszimmer.
Bei meinem täglichen Spaziergang schöpfe ich Kraft und sortiere meine Gedanken. Dabei gehe ich regelmäßig in den Wald.
Beim Nähen kann ich gut abschalten
2
und zur Ruhe kommen.
Wenn ich manchmal nachts schlecht oder nicht schlafen kann, gehe ich in Gedanken ein Schnittmuster durch. Das beruhigt mich und langweilt mich irgendwann so, da es Routine ist, dass ich wieder einschlafe. Oder ich übe Autogenes Training, das hilft meistens.
Ich lerne sehr gerne neue Dinge und bin viel auf YouTube und im E-Learning-Bereich unterwegs. Das hält mich fit und ich habe stets eine Aufgabe greifbar, wenn ich mich gerade nicht so wohl fühle.
Ich mag Stricken und habe mir das Sockenstricken dank YouTube selbst beigebracht.
„Auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt“. KONFUZIUS
Anregungen für eine positive Einstellung:
Ich erkenne Chancen und greife meistens zu.
Ich bin ein Stehaufmännchen.
Ich habe schon so viel bewältigt, das nächste Thema schaffe ich auch noch.
Kopf hoch, dieses Problem ist zwar schlimm, geht aber vorbei oder wird mit der Zeit weniger tragisch.
Ein Schritt nach dem anderen.
Vertraue dem Leben: Es kommen wieder Gelegenheiten.
Ich versuche, dranzubleiben. An Aufgaben, Themen, ….
Das Leben ist schön. Wertschätze es gefälligst…
ÜBUNG: Riechen üben
Ich kann dir hier eine kleine Übung weitergeben, die vielleicht dazu beiträgt, dass du dich selbst schneller oder leichter beruhigen kannst. Es braucht etwas Zeit oder Konditionierung. Geht aber leicht.
Gibt es einen Duft, den du besonders gerne magst? Einen Geruch, der dir aus der Kindheit positive Erinnerungen ins Gedächtnis ruft? Einen Duft, der dich beruhigt? Wo hast du diesen wahrgenommen? War es im Urlaub? Auf dem Bauernhof? In der Kindheit?
Beispielsweise der Duft von Apfelkuchen bei der Oma. Ein Hauch von Vanille in der Luft. Oder ein blühender Fliederbusch oder der betörende Duft von Lavendel oder Rose. Frisch gemähtes Gras auf einem Bauernhof oder der Duft nach Zitronenlimonade bei einem lustigen Kindergeburtstag?
Versuche dir jetzt, diesen Duft vorzustellen.
Atme tief durch die Nase ein…
Hast du ihn?
Gut.
Dann bist du in der Lage, den Duft „abzurufen“.
Übe den Umgang mit dem Duft: Wenn du im Stress bist, schlechte Laune oder trübsinnige Gedanken aufziehen, kannst du an diesen Duft oder einen der Düfte denken und in schöne Erinnerungen tauchen. Die negativen Gedanken werden weniger und der Duft zaubert dir ein Lächeln auf die Lippen.
Ich mag den Duft von Zitrusfrüchten und habe mir angewöhnt, diesen Duft als beruhigend wahrzunehmen. Das Gleiche mit einem Hauch Vanille. In meinem Büro habe ich ein Spray, das ich in die Luft oder die Gardinen sprühe.
1 Gar nichts Großes oder Wildes. Es genügt eine Sache, auf die ich mich an diesem Tag freue. Wenn nichts an dem Tag ansteht, dann ist mein Highlight eben ein Stück Kuchen vom Bäcker, verbunden mit einem Spaziergang, ein Yoga-Workout oder was anderes.
2 Außer die Nähmaschine frisst gerade den Stoff oder so
Beim ersten (mir bewussten) Todesfall in der Familie, als meine Tante starb, war ich 18, bei meiner Oma väterlicherseits 19, als mein Vater starb 24 Jahre alt und 28 Jahre beim Tod meiner Mutter. Das war die schlimmste Zeitspanne in meinem Leben, die einige Jahre andauerte und zu mir dazugehört. Diese Jahre und Schicksalsschläge haben mich geprägt, aber ich bin dabei nicht untergegangen. Rückblickend habe ich das ganz ordentlich gemeistert.
Am Schlimmsten war der Verlust meiner Eltern und ich war sehr froh, dass ich an dieser Stelle schon Etliches erlebt, positiv durchgestanden und überwunden hatte. Das Leben hatte mich, zumindest etwas, auf diese schweren Zeiten vorbereitet, weshalb ich in diesem Buch auch etliche dieser – für mich vorbereitenden – Geschichten und Erlebnisse erzähle, um dich daran teilhaben zu lassen.
In diesem Jahr studierte ich gerade in Straßburg, Frankreich, um meinen Abschluss im Fach Marketing zu machen. Ich war ein paar Tage zum Lernen zu Besuch bei meinen Eltern gewesen und wollte das Wochenende bei meinem damaligen Freund in München verbringen. Mein Vater brachte mich freitags zum Bahnhof, wir verabschiedeten uns voneinander und er versprach, dass er mich am Montag wieder vom Bahnhof abholen würde. Das war ein Versprechen. Wir hatten eine Verabredung!
Jedenfalls holte er mich nicht ab. Denn er verstarb am Sonntagabend.
Ich konnte es jahrelang nicht fassen, dass mein Vater sterben konnte, während ich im Kino saß und entspannt einen Film3 schaute (diesen Film habe ich seither nie mehr angeschaut, wenn er im Fernsehen lief).
Wir kamen nach dem Kino am Sonntagabend zurück in die Wohnung und der Anrufbeantworter zeigte an, dass von der Rufnummer meiner Eltern aus, schon öfter angerufen worden war. Auf dem Anrufbeantworter war nur ein schnaufendes Geräusch meiner Mutter, das mir alleine schon genügte, um sämtliche Alarmglocken zum Sturmheulen zu bringen. Also rief ich sofort an. Meine Mutter: „Der Papa ist tot.“ Ich brach augenblicklich in Tränen aus und brachte kein Wort mehr hervor. Das war ein unglaublich schmerzhaftes Gefühl. Ein Gefühl der Ohnmacht. Ein Gefühl, dass innerhalb einer Sekunde meine ganze Welt nicht mehr die Gleiche war wie zuvor. Zack, unwiederbringlich weg. Ende. Aus! Ich brach zusammen mit dem Hörer in der Hand. Mein Freund stand daneben und wollte wissen, was eigentlich passiert sei. Ich konnte kein Wort mehr sprechen, so schlimm war das. Und dass ich nichts gespürt habe. Das empfand ich als unbegreiflich. Er starb und ich konnte es nicht fassen, dass da kein Band war, dass ich genau in dem Moment etwas gefühlt hätte. Irgendwie fühlte sich alles falsch an.
Wir erfuhren dann, dass meine Mutter unmittelbar bei unserem Hausarzt angerufen hatte und ihm sagte: „Der Fritz atmet nicht mehr.“ Dieser Satz brannte sich in meine persönliche Festplatte ein. Unser Hausarzt, der jahrzehntelang die ganze Familie begleitet hatte und ein Tennisfreund meines Vaters war, kam sofort und stellte nur noch den Tod fest.
Und es war wohl eben Herzversagen, aber auch Multiorganversagen. Der Körper hatte genug und konnte nicht mehr. Daher machte ich auch ziemlich schnell meinen Frieden, dass niemand wiederbelebt hatte. Das war in Ordnung und hätte wahrscheinlich eh nichts außer Leid und Verzögerung gebracht. Aber diese Erkenntnis musste erstmal über Jahre hinweg in mir reifen.
Zurück nach München: Mein Vater war tot und ich saß in München. Und jetzt kommt der Hammer: Mein damaliger Freund war Unternehmensberater und für gewöhnlich von Montag bis Donnerstag beim Kunden mit 80 bis 100 Stunden Arbeitszeit pro Woche. Nach dem Telefonat konnte ich nicht aufhören zu weinen. Er versuchte zwar, mich zu trösten, erklärte mir aber irgendwann am späteren Abend, dass er jetzt ins Bett müsste, da am nächsten Morgen der Flieger um 5:30 Uhr ginge. Er müsste dafür
