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Starr vor Schreck blickt Fischermeister Diehmer auf sein Netz, als er beim Hochziehen und Herauslösen der Fische darin eine Leiche entdeckt. Dass dieser Fund schon bald die Beamten in mehreren Dienststellen der Bayerischen Kriminalpolizei, einige Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts und des Instituts für Rechtsmedizin der Münchener Universität beschäftigen wird, weiß er noch ebenso wenig, wie etwas über die berüchtigte und berühmte Bekanntheit des Opfers...
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Werner A Korn
Die Leiche vom Chiemsee
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Die Leiche vom Chiemsee
Impressum neobooks
Die Leiche vom Chiemsee
Werner A. Korn
Die Leiche vom Chiemsee
Ein praxisorientierter Kriminalroman
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere die des öffentlichen Vortrags sowie die Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch in einzelnen Teilen. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder andere Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Die Personen und Handlungen sind frei erfunden. Sie sind jedoch von wahren Vorkommnissen inspiriert.
1. Auflage 2017
© 2017 by Werner A. Korn
Alle Rechte vorbehalten
ISBN: 978-3-00-055872-6
E-Book Vertrieb bei www.neobooks.com
Meiner Frau Petra gewidmet.
An einem herrlichen Donnerstag im Mai fuhr der Fischer Ernst Diehmer, Mitglied der 18-köpfigen ›Fischereigenossenschaft Chiemsee‹, früh am Morgen mit seinem Kahn zu dem Seerosenwinkl, hinaus.
Eine leichte Brise wehte ihm vom Bug her kühl ins Gesicht. Er schnürte den Kordelzug der Kapuze seiner Fischerjacke etwas enger zu, um seinen Hals vor der Kälte zu schützen.
Ein kurzer Blick auf die Kampenwand, den wildzerklüfteten fast 1700 Meter hohen Gebirgsstock der Chiemgauer Alpen, bestätigte ihm, was die Sprecherin des Wetterberichts am Vorabend im Fernsehen angekündigt hatte: »Neuschnee bis 800 Meter möglich!« In der Tat zeigten sich sämtliche Berggipfel, die das Südufer des Chiemsees einrahmen, als wären sie über Nacht mit einem Zuckerguss überzogen worden. Dass es auf den knapp 2.000 Meter hohen Bergen im Mai noch einmal schneite, war für ihn nichts Neues und auch nichts Ungewöhnliches.
Gleichmäßig ruhig trieb der Außenbordmotor den aus Aluminium gefertigten Fischerkahn voran. Zielsicher steuerte der Berufsfischer in sein Revier, um dort die am Vorabend ausgelegten Netze mit dem neuen Fang einzuholen.
Friedlich und still lag der See mit den sich leicht kräuselnden Wellen vor dem 57-jährigen Fischer. Sein ovales Gesicht umrahmte ein dunkelroter Vollbart. Auf der Oberlippe pflegte er einen Zwirbelbart. Unter seinen zottigen Augenbrauen waren seine hellblauen Augen hinter den fast geschlossenen Augenlidern kaum zu erkennen. Seine kräftige Hakennase erinnerte an einen Vogelschnabel. Manche Menschen argwöhnen bei Begegnungen mit ähnlich aussehenden Personen, dass diese meist ihre Ziele um jeden Preis umzusetzen versuchen.
Fischermeister Diehmer war jedoch ein äußert gelassener, ruhiger und sehr sportlicher Typ. Mit seiner Größe von fast zwei Metern überragte er alle Dorfbewohner. Bevorzugt bekleidete er sich werktags mit seiner alten, abgewetzten aus Hirschleder gefertigten schwarzen Kniebundhose und einem rotweißkarierten Hemd. Sein schütteres, schon etwas ergrautes Kopfhaar verdeckte er mit einem tief in die Stirn gezogenen grünen Hut, den in eine dreifache Kordel angenähte lange, weiße Schwanzfeder einer Wildgans zierte. Bei der Arbeit auf dem See trug er eine schwarze, wasserdichte Fischerbluse mit Kapuze, eine Latzhose und schwarze Sicherheits-Gummistiefel.
An diesem Tag spiegelte sich in dem hellen Grau der glatten Wasseroberfläche am östlichen Seeufer die zarte Röte der langsam am Himmel hinter der Gebirgskette emporsteigenden Sonne. ›Das wird ein schöner Tag‹, dachte sich Ernst Diehmer, der seit seiner Kindheit am und auf dem Chiemsee zuhause und mit der Fischerei aufgewachsen war.
Schon in der Altsteinzeit übten Ansässige in der Region diese Tätigkeit aus. In Diemers Familie zählte die Berufsfischerei seit 300 Jahren zum hauptsächlichen Broterwerb. Eine kleine Landwirtschaft, bestehend aus einigen umliegenden Weideflächen für fünf Kühe und vier Ziegen, ein Stall mit Auslauf für zehn Hühner sowie sieben Enten, dienen ausschließlich zur Selbstversorgung. Im Jahre 1850 war einer seiner Vorfahren Mitbegründer der Fischereigenossenschaft Chiemsee. Die Berufsfischerei ist am Chiemsee bereits seit dem Jahr 1346 beurkundet. Ab dieser Zeit mussten sich die Fischer jährlich einmal beim Seerichter in Traunstein einfinden. Dieser erteilte ihnen die Anweisungen für ihre Berufsausübung, die amtlich bestellte ›Seeaufluger‹ überwachten. Bei Verstößen verhängte dieser Seerichter über die Fischer harte Strafen.
Da Diehmers Vater schon früh verstorben war, führte seine Mutter mit ihm den Betrieb weiter. So musste sich Ernst Diehmer als einziger Sohn schon von klein auf an viel Arbeit und wenig Freizeit gewöhnen.
Einige Meter vor dem ausgelegten Fischernetz im Revier angekommen, schaltete Ernst Diehmer den Außenbordmotor ab. Er begann das Netz einzuziehen und die darin gefangenen Fische herauszunehmen. Diese warf er in einem flachen Bogen in den Kunststoffbottich, den er im Heck des Kahnes abgestellt hatte. Routiniert schob er beim Einholen des Netzes den Kahn Meter für Meter der Schlussboje entgegen. Fast schon am Ende des Netzes angekommen, ließ sich das Netz plötzlich nicht mehr hochziehen. Wieder und wieder versuchte der Fischer mit beiden Händen kräftig ziehend ruckartig das Netz aus dem Wasser zu ziehen. Nach einiger Zeit, die ihm wie eine Ewigkeit vorkam, gelang es ihm schließlich mit letzter Kraft und unter großer Mühe langsam und schubweise das Netz nach oben über die Bootswand seines Kahnes zu hieven.
Plötzlich erschrak Ernst Diehmer: Ein mit einer blauen Decke umwickelter menschlicher Körper tauchte aus dem Wasser auf. Zuerst die mit einem Seil umwickelten Beine, die aus einer Decke herausragten. Der Kopf hing mit dem Gesicht nach unten im Wasser. Völlig fassungslos und verwirrt starrte Fischer Diehmer auf diesen schrecklichen ›Fang‹.
Als Mitglied der örtlichen freiwilligen Feuerwehr hatte er schon einige Male Schwerverletzte aus Unfallfahrzeugen geborgen und gerettet, aber eine Wasserleiche war für ihn etwas völlig Neues. Das hatte er noch nicht erlebt.
Hilfesuchend und ratlos blickte der Fischer zum Ufer, dann wieder hinaus auf den See. Aber zu dieser frühen Morgenstunde war er alleine in diesem Winkel des Sees unterwegs. Auch auf dem neu angelegten Seeuferweg entdeckte er keinen Menschen.
Schließlich beschloss er, die Leiche an der verankerten Schlussboje anzubinden und so ein Abtreiben oder Versinken zu verhindern. Dabei drehte sich der Kopf der Leiche. Nun bemerkte er, dass Haut und Teile der Muskeln von der rechten Gesichtshälfte sowie vom Unterkiefer abgeschürft waren.
Mit zittrigen Händen warf er den Außenborder an und fuhr eilig zur Anlegestelle am Seeufer in der Nähe seines Hauses zurück Dort belegte er die Festmacherleine seines Kahnes am Steg, hob den Fischbottich heraus und stellte diesen am Ende des Holzsteges ab.
›Wer war der Tote, und wie war er in den See geraten? Selbstmordabsichten? Wohl kaum, wie hätte er sich denn selbst so einpacken können? Wo kam er her. War es etwa Totschlag oder gar Mord? Viele Fragen gingen ihm durch den Kopf. Doch dass hier wahrscheinlich ein Verbrechen vorlag, war zu vermuten. Wie war es aber dazu gekommen, was war der Tat vorausgegangen?‹
Ob all‘ diese Fragen beantwortet werden würden?
• • •
Josef Reiser, von seinen Bekannten ›Kraut-Sepp‹ gerufen, hatte viele Jahre ein äußerst arbeitsreiches Leben geführt. Als zweiter Sohn eines Großbauern war er schon als Bub in die körperlich harte Arbeit auf dem Hof eingebunden. Seit vielen Generationen bauten die Reisers in Ismaning, einer Gemeinde, 19 Kilometer nördlich von München, Weißkohl an.
Eine Besiedelung der heute fast 15.000 Einwohner umfassenden Gemeinde Ismaning lässt sich urkundlich aus dem Jahr 809 n. Chr. belegen. Erste Spuren menschlichen Lebens werden in die Zeit um 5.000 v. Chr. datiert. Die Endung ›ing‹ im Ortsnamen weist auf das Volk der Bajuwaren hin, das sich am Anfang des sechsten Jahrhunderts aus verschiedenen germanischenStämmen und einer keltisch-römischen Restbevölkerung bildete. Bodenfunde und Reihengräber vor Ort bestätigen diese Ansiedelung aus der Zeit des ersten bayerischen Adelsgeschlechts der Agilolfinger vom sechsten bis zum achten Jahrhundert.
Seit 1509 wird dort u.a. Weißkraut angebaut, was der Gemeinde den Namen ›das Kraut-Dorf vor München‹ einbrachte, obwohl von den früher150 Krautbauern heute nur noch 15 diesen Anbau betreiben.
Ismaning erlebte einen deutlichen Wandel von einem Handwerker- und Bauerndorf zu einem internationalen Firmenstandort mit über 2.200 Betrieben.
Der ›Kraut-Sepp‹ kannte in seiner Kindheit weder arbeitsfreie Ferien noch andere fröhliche oder sportliche Freizeitenaktivitäten. Wie es damals üblich war, musste der Bauernsohn nach dem Hauptschulabschluss einen handwerklichen Beruf erlernen.
Sein Vater bestimmte eines Tages: »Für dich waren Motoren schon immer interessanter als alles andere, deshalb wirst du auf diesem Gebiet eine Lehre machen.«
So kam der ›Kraut-Sepp‹ bei der größten ortsansässigen Reparaturwerkstatt für Personen-, Lastkraftwagen sowie landwirtschaftliche Maschinen in die Lehre. Der Beruf des KFZ-Mechanikers entsprach durchaus seiner Vorstellung, denn Autos waren von klein auf seine große Leidenschaft.
Erfolgreich legte er die Gesellenprüfung ab und machte anschließend eine weitere Ausbildung als Zimmerer.
»Mit diesen Grundlagen kommst du gut und sicher durch dein ganzes Leben!«, erklärte ihm sein strenger Vater und fügte hinzu: »Handwerker werden immer gebraucht!«
Als eigentlichen Berufswunsch dachte der junge Josef Reiser mehr an eine Karriere als Rennfahrer. Er wollte im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen und bei den Reichen und Schönen aus- und eingehen. Das erschien ihm wesentlich einträglicher und viel interessanter. Neben seiner doch hin und wieder sehr schweren körperlichen Arbeit in der Autowerkstatt war er zusätzlich in seiner Freizeit auf dem elterlichen Bauernhof mit den anfallenden Reparaturarbeiten an den landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen beschäftigt.
Als sein Vater, der schon einige Jahre Witwer war, verstarb, erbte nach altem Brauch der erstgeborene Sohn Martin den Hof.
Der ledige ›Kraut-Sepp‹ wollte weder ein Leben lang als Befehlsempfänger seines verheirateten Bruders dienen, noch weiterhin eine Tätigkeit mit ölverschmierten Händen und in schmutziger Kleidung ausüben.
Von allen Fernsehsendungen beeindruckten ihn die Übertragungen von Autorennen am meisten, und er bedauerte es, dass es über diesen rasanten Sport so wenig zu sehen gab.
Der ein Meter siebzig große, schlanke Josef Reiser hatte einen blonden Lockenkopf, ein rundes Gesicht, blondes Lockenhaar und einen buschigen Oberlippenbart. Er wollte nach München, in die bayerische Großstadt mit dem internationalen Flair.
»Da will ich auch hin!«, erzählte er einmal einem Bekannten, der in einer Firma dieser Stadt arbeitete und täglich als Pendler mit seinem Pkw zur Arbeit fuhr.
Über diesen Bekannten bekam der inzwischen fast 40-jährige, ledige Reiser bald in dem bekannten Münchener Taxi- und Speditionsunternehmen Franz Haubner GmbH eine Anstellung als Servicemitarbeiter im firmeneigenen Fuhrpark.
Nach einer dreijährigen Wartezeit und der bestandenen Fachkundeprüfung erhielt er die Konzession zur Fahrgastbeförderung. Nun war er als angestellter Taxifahrer für seinen bisherigen Arbeitgeber tätig.
›Wenn schon kein international gefeierter Rennfahrer, dann wenigstens ein regional bekannter Taxler‹, ging es ihm durch den Kopf, als er den Vertrag bei seiner bisherigen Chefin unterzeichnete.
Durch seine aufmerksame und sympathische Art fand er in kurzer Zeit einen festen Stammkundenkreis. Neben vielen älteren Bewohnern beauftragten ihn gut situierte, termingeplagte Eltern, ihre Töchter oder Söhne zu Veranstaltungen hin und nach Beendigung wieder nach Hause zu fahren. Viele Patienten ließen sich von ihm zu Behandlungen in eine Klinik oder zu einem Arzttermin fahren und auch wieder abholen.
Und nach nur wenigen Monaten brauchte Josef Reiser keinen der über 200 behördlich ausgewiesenen Taxistandplätze in der Stadt mehr anzufahren. Er war im Voraus mit festen Auftragsfahrten ausgebucht.
Pünktlich fuhr er stets im blauen Blazer, grauer Hose, weißem Hemd mit blauer Krawatte und einer blauen Schirmmütze mit dem firmeneigenen, frisch polierten Mercedes bei seinen Kunden vor. Elegant lüftete er zur Begrüßung eines Fahrgastes seine Mütze, beugte langsam seinen Kopf und öffnete schnell die Fahrgasttüre. Die vom Fahrgast mitgeführten Gegenstände, wie Gehhilfen, Krücken, den Rollator oder Einkaufstrolley, legte er vorsichtig im Kofferraum ab. Im Innenraum seines Wagens duftete es ja nach Tageszeit nach frischem Lavendel, Flieder oder Veilchen. Bevorzugte ein weiblicher Fahrgast eine besondere Duftnote, merkte er sich das sehr schnell und vergaß nie, diesen schon bei der Anfahrt im Wagen zu versprühen. Für seine Kunden hatte er stets die aktuellen Tageszeitungen dabei. Einigen Damen bot der aufmerksame Taxifahrer in einer kleinen Kühlbox Pralinen an.
Mit seinem besonderen Service war er unter den 20.000 Taxifahrern in der Stadt der einzige und blieb die große Ausnahme, was sich in den gehobenen, betuchten Gesellschaftskreisen schnell herumsprach.
Das blieb auch seiner Chefin, Frau Elisabeth Haubner, die nach dem frühen Tod ihres Mannes das Speditions- und Taxi-Unternehmen alleine weiterführte, nicht verborgen.
Zum besseren Kennenlernen ernannte sie Josef Reiser zunächst zu ihrem Privatchauffeur und bezahlte ihm den Besuch einer Abendschule. Er holte dort eine kaufmännische Ausbildung nach. Zu seiner großen Überraschung nahm sie ihn nach eineinhalb Jahren als Partner in die Geschäftsleitung auf.
Ihr Sohn, Wilhelm Haubner, studierte an der Uni Graz Kunstgeschichte und wollte später als Journalist im Feuilleton einer Zeitschrift arbeiten. Eines Tages besuchte er während der Semesterferien auf seiner Tour nach Südamerika für ein paar Tage seine Mutter. In der elterlichen, zweistöckigen im Jugendstil erbauten ›Villa Sonnenschein‹ hatte seine Mutter die im westlichen Teil des oberen Stockes von ihm früher bewohnten Räume unverändert für ihn gelassen.
Als Wilhelm Haubner Junior vom Aufstieg des ungebildeten Krautbauernbuben, wie er Josef Reiser nannte, hörte und bemerkte, dass Mutter diesen bisherigen Angestellten zum Geschäfts- und Lebenspartner machen wollte, zeigte er sich davon wenig begeistert.
Wenige Tage später versuchte Haubner Junior seiner Mutter seine Ablehnung dieser Beziehung darzulegen, wies ihn diese mit den Worten: »Du führst mit meinem erarbeiteten Geld ein genussreiches und sorgenfreies Studentenleben und hast dich aus meinen privaten Angelegenheiten herauszuhalten. Ist das klar!«, energisch zurecht.
›Dieser Mann, dem die einfachsten Tischmanieren fehlen, hat in unserer Familie nichts zu suchen‹, war dazu Wilhelms Meinung, die er aber für sich behielt.
Von diesem Tag an äußerte sich der Student Haubner zu diesem Thema nicht mehr. Innerlich brodelte es in ihm jedoch weiter.
Und Josef Reiser erfreute sich über seinen unerwarteten Aufstieg.
Welche Überraschungen warteten wohl noch auf ihn?
• • •
Ganz und gar nicht erfreulich verlief das Leben von Georg Lingerl. Seine Mutter, an die er keine eigene Erinnerung hatte, ging in München der Prostitution nach. Da sie bei seiner Geburt keine Angaben über seinen Vater gemacht hatte, blieb ihm dieser unbekannt.
Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen in München bei seiner Großmutter auf. Seine Mutter verschwand ein paar Jahre später mit einem amerikanischen Soldaten aus der Stadt.
Georg Lingerl schaffte weder einen Schulabschluss, noch beendete er eine seiner angefangenen Lehren. Schon früh kam er mit dem Gesetz in Konflikt und landete schließlich in einem Jugendheim.
Seine schlaksige Gestalt, sein von heftigen Schlagwirbeln geprägter Boxstil und nicht zuletzt sein freches Mundwerk ließen ihn bald zum Anführer einer Gruppe werden, die sich mit ihren überfallartigen Schlägereien bei den anderen Jugendgruppen in der Stadt Respekt verschaffte.
Job als Türsteher in einer Münchener Diskothek. Doch nach acht Monaten wurde Georg Lingerl erneut straffällig.
