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Das Kursbuch 212 beschäftigt sich mit der Frage, wie der Umgang mit knappen Gütern beziehungsweise mit Knappheit vor sich geht. In dem Beitrag von Mathias Frisch geht es um die im Hinblick aufs Klima wirklich knapp werdenden Zeit. Er zeigt, dass man dabei nicht zu knapp kalkulieren sollte. Wer die Vorstellung hat, wir verfügten über einen Klimathermostat, »an dem wir unsere Wunschtemperatur einstellen können und der dann automatisch die diesen Temperaturen entsprechenden Emissionen regelt«, habe zu knapp kalkuliert und unterliege der Illusion einer berechenbaren Kontrolle. Frisch plädiert für mehr Bewusstsein der Unschärfe, nicht aber für eine Relativierung der Schärfe des Problems.
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Seitenzahl: 17
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Inhalt
Mathias FrischDie letzte KlippeÜber die Widersprüche irreführender Präzision in der Klimaforschung
Der Autor
Impressum
Mathias FrischDie letzte KlippeÜber die Widersprüche irreführender Präzision in der Klimaforschung
Auf der Homepage des Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) befindet sich eine Countdown-Uhr, die auf die hundertstel Sekunde genau abzählt, wie viel Zeit noch verbleibt, bis wir die im Pariser Abkommen 2015 beschlossenen Klimaziele verpasst haben werden. Die 1,5-°C-Grenze werden wir, laut dieser Uhr, unter der Annahme konstant bleibender CO2-Emissionen in weniger als sieben Jahren überschritten haben. Obwohl sich die Unterzeichnerstaaten des Pariser Abkommens 2015 verpflichtet hatten, alle Anstrengungen zu unternehmen, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen auf maximal 1,5 °C zu beschränken, sind nationale Emissionsziele in den vergangenen Jahren im Allgemeinen weit hinter denen zurückgeblieben, die notwendig wären, um die 1,5-°C-Grenze einzuhalten. Diese sowieso schon deutlich zu niedrig angesetzten Klimaziele werden überdies von vielen Ländern verfehlt, so auch von Deutschland in den letzten Jahren. Angesichts dieser Lage hat der UN-Generalsekretär António Guterres bei der Vorstellung des letzten Berichts des Weltklimarats, des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), eindrücklich davor gewarnt, signifikante Emissionssenkungen noch länger hinauszuzögern: »Die Geschworenen haben ihr Urteil gefällt. Und es ist vernichtend. Der Bericht des IPCC ist eine einzige Aneinanderreihung von gebrochenen Klimaversprechen. Es ist ein Dokument der Schande, das die leeren Versprechen auflistet, die uns entschieden auf den Weg in eine unbewohnbare Welt bringen.« Selbst wenn alle bis 2030 gemachten Zusagen für nationale Klimaziele eingehalten würden, würde sich die Erde bis 2100 vermutlich um 2,4 °C erwärmen und würden wir somit Temperaturen erreichen, wie sie auf der Erde seit dem Pleistozän nicht mehr geherrscht haben.
Man kann es nicht leugnen: Jetzt wird’s tatsächlich knapp!
