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Das Kompendium »Die Pferdeweide« enthält in Text und Bild die Grundlagen jeder zeitgemäßen, verhaltensgerechten Pferdehaltung. Sowohl Sportpferde als auch Freizeitpferde profitieren von einer erfolgreichen, ökologisch motivierten Weidepraxis. Jutta von Grone gibt in diesem Buch ihren reichen Erfahrungsschatz wieder. Schwerpunkte sind bewährte Praxistipps zur Weidehaltung und zur Kompostwirtschaft. Diese Neuausgabe wurde durch den Hippologen Ingolf Bender, langjährig befreundeter Fachkollege der Autorin, aktualisiert. Ein kompaktes, gut verständliches Sachbuch für Laien und Profis!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2025
Jutta von Grone
Ökologie
Nutzung und Pflege
Kompostwirtschaft
Einbandgestaltung: Kornelia Erlewein
Titelbild: Ingolf Bender
Bildnachweis: Alle Aufnahmen stammen von Ingolf Bender.
Zeichnungen: Bea Thommen
Alle Angaben in diesem Buch sind beispielhaft zu verstehen; sie erfolgen nach bestem Wissen. Jede praktische Umsetzung muss dennoch immer eigenverantwortlich geprüft werden. Für einen eventuellen Missbrauch der Informationen in diesem Buch können weder die Autorin bzw. der Bearbeiter noch der Verlag oder die Vertreiber des Buches zur Verantwortung gezogen werden. Eine Haftung für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
ISBN 978-3-613-31419-1 (EPUB)
Copyright © 2005 by Müller Rüschlikon Verlag
Postfach 103743, 70032 Stuttgart
Ein Unternehmen der Paul Pietsch Verlage GmbH & Co. KG
Lizenznehmer der Bucheli Verlags AG, Baarerstr. 43, CH-6304 Zug
1. Auflage 2025
Sie finden uns im Internet unter www.mueller-rueschlikon-verlag.de
Nachdruck, auch einzelner Teile, ist verboten. Das Urheberrecht und sämtliche weiteren Rechte sind dem Verlag vorbehalten. Übersetzung, Speicherung, Vervielfältigung und Verbreitung, einschließlich Übernahme auf elektronische Datenträger wie CD-ROM, Bildplatte usw. sowie Einspeicherung in elektronische Medien wie Bildschirmtext, Internet usw. sind ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Verlages unzulässig und strafbar.
Lektorat: Claudia König
Innengestaltung: Kornelia Erlewein
Vorwort
Einleitung
Weide als Lebensraum
Ökologie
Frei lebende Pferde
Pferdehaltung in Eigenregie
Vor- und Nachteile
Haltungsstandort
Weidesuche
Kauf-/Pachtpreis
Landwirtseigenschaft
Haltungsformen und -kosten
Grundlagen der gesunden Weide
Wiesen und Weiden
Weideboden
Humus und Edaphon
Kompostwirtschaft
Geschichte
Kompostierung
Kompostdüngung
Düngetechnik
Düngewirkung
Bodenverbesserer
Organische Produkte
Anorganische Produkte
Mineral- und Stickstoffdüngung
Risiken chemischer Düngung
Praxis der Mineraldüngung
Weideführung
Weideperiode
Zufütterung
Weidebedarf
Rinder und Schafe
Mini- und Maxiweide
Weideunterteilung
Weidehygiene
Grasberg
Weidepflege
Reinigungsschnitt
Maßnahmen bei Staunässe
Abschleppen
Walzen
Unart: Abbrennen
Schutz vor Austrocknung
Künstliche Beregnung
Nachsaat
Unkraut
Giftpflanzen
Neuansaat
Umbruchproblematik
Konventionelle Direktsaat
Biologische Direktsaat
Saatgut
Schonjahr
Hungerjahre
Standorteinflüsse
Ernte
Vorratsbedarf
Heu
Silage
Weide-Installation
Zufahrt
Wasserversorgung
Zäune und Tore
Anpflanzungen
Weide-Witterungsschutz
Ställe und Paddocks
Stallbau
Box, Laufstall, Offenstall
Einstreu
Tränke
Sandauslauf
Fütterung
Raufutter und Kraftfutter
Gentechnisch veränderte Pflanzen
Haltungs-/Futterumstellungen
Weide-Risiken
Lebensraum Weide und Stall
Nachwort
Anhang
Glossar
Tabelle Giftpflanzen
Tabelle Unkraut
Terminkalender
Anschriften
Literaturverzeichnis
zur Auflage 2005
Nach dem Tod der Autorin, mit der ich lange Jahre in fachlicher Freundschaft verbunden war, bat mich der Verlag, die Neuauflage zu bearbeiten. Gerne aktualisierte ich dieses wichtige Sachbuch, das sowohl für Laien als auch für Profis gleichermaßen geeignet ist.
Vor mehr als 25 Jahren erschien die erste Auflage meiner »Pferdeweide«, die seinerzeit als Leitfaden zur Weidehaltung – vor allem bei Freizeitpferdehaltern ohne landwirtschaftliche Grundkenntnisse – sofort guten Anklang fand. Zum Geleit der ersten Auflage schrieb der Hippologe und Preußische Landstallmeister a. D. Dr. Wilhelm Uppenborn: »Unter gesunder Weide verstehe ich eine gut geführte, biologisch bewirtschaftete Weide, die nicht durch Kunstdünger und Herbizide der Konstitution und Gesundheit der Weidetiere abträglich ist.« Das gilt auch heute noch.
Zwar hat sich in der gesamten Pferdeszene in den vergangenen Jahren sehr viel verändert, viele exotische Rassen sind hinzugekommen, die Pferdelandschaft ist »bunter« geworden.
Eines hat sich aber erhalten und sogar durch teils dramatische Umweltprobleme noch stärker bestätigt: Umweltschutz und Naturschutz sind dringende Anliegen jeder Landbewirtschaftung. Ökologisches Bewirtschaftungsziel nach Prof. Dr. G. Preuschen sollte es sein, »... die Fruchtbarkeit der Böden zu steigern – ohne die von der konventionellen Wissenschaft entwickelten Methoden und Hilfsmittel«.
Dieses Ziel habe ich seit Jahrzehnten bis heute in meiner eigenen Bewirtschaftung mit Erfolg praktiziert und als Agrarjournalistin stets konsequent publiziert. Wenn sich schon ein Teil der professionellen Landwirtschaft aus Zwängen moderner Bewirtschaftung nicht von wenig umweltfreundlichen Praktiken trennt, so sollte der Pferdehalter wissen: Vor allem Pferde brauchen als Weidegrund naturgemäß bewirtschaftetes Grünland, das ihnen schmackhaftes, artenreiches Futter bietet.
Dazu muss man viel über Weideanlage und -bewirtschaftung sowie über Wechselwirkungen wissen, aber es sind auch zur praktischen Umsetzung Kenntnisse verschiedenster handwerklicher Vorgänge erforderlich. Die Grundlagen zu einer entsprechend erfolgreichen Praxis bietet dieses Buch, das komplett überarbeitet und in wichtigen Teilen aktualisiert wurde. Zudem wurde es mit vielen Detailfotos ausgestattet, die alles noch besser veranschaulichen.
Bedanken möchte ich mich zunächst beim Verlag, der bereit war, diese völlig aktualisierte Neuauflage nun herauszugeben. Auch danke ich allen, die mich lange Jahre mit Rat und Tat begleitet und durch Anregungen dieses Buch mit beeinflusst haben. Nennen möchte ich stellvertretend die Verlagslektorin Claudia König und den Hippologen Ingolf Bender, mit dem ich fachlich seit Jahren durch Erfahrungsaustausch verbunden bin, und der mir dankenswerterweise viele aktuelle Daten und Fakten sowie entsprechendes Fotomaterial aus seiner privaten hippologischen Forschungsstation zur Verfügung stellte.
Jutta von Grone
Schon seit der Haustierwerdung (Domestikation) vor mehreren tausend Jahren sind Grün- und Brachländereien oder auch Waldweiden naturgemäßer Lebensraum für unsere Hauspferde.
In früheren Zeiten sind Weiden nicht standortfest eingezäunt gewesen, sondern man wanderte mit Pferden umher und pferchte sie zeitweise großflächig ein (so wurde u. a. zu starke Verwurmung vermieden). Pferde sind Herbivoren (Pflanzenfresser/Vegetarier) und Tiere der Weite, sie brauchen eine gesunde, d. h. artenreiche Weide, die ihnen vielseitige natürliche Nahrung bietet. Zudem sind auf der Weide wichtige zusätzliche Faktoren wie Abhärtung und reichliche Bewegung unter Außenklimabedingungen bei natürlichem Licht und frischer Luft gesichert. Die Weide ist unverändert eine ausschlaggebende, unverzichtbare Grundlage auch für jede Form noch so »moderner« Pferdehaltung. Verhaltensforschung und Tiermedizin belegen durch entsprechende Untersuchungen, wie notwendig – zur Vermeidung von psychischen und physischen Störungen – die Eingliederung und Haltung des Pferdes in eine artgemäße Umwelt ist. Dabei darf für ein Herdentier auch die wichtige Gemeinschaft mit Artgenossen nie fehlen.
Um jedoch die Bedürfnisse der Pferde einerseits und die Erhaltung unserer Kulturweiden andererseits berücksichtigen zu können, ist eine Fülle von Grundkenntnissen bei Bewirtschaftern von Weiden erforderlich: Denn in erster Linie durch die Eingriffe des Bewirtschafters wird das Zusammenwirken der einzelnen Umwelt- und Nutzungsfaktoren entscheidend entweder zum Positiven oder zum Negativen beeinflusst.
In diesem Buch soll u. a. als Grundlage für alle praktischen Bewirtschaftungsmaßnahmen ein Überblick über die vielfältig verflochtenen Wechselwirkungen und Beziehungen der pflanzlichen und tierischen Lebewesen gegeben werden. Dadurch wird deutlich, wie notwendig die Erhaltung dieses nur als Ganzheit zu begreifenden biologischen Gefüges ist.
Allein aus der notwendigen Gesamtschau wird klar, dass schon das Außerachtlassen einzelner Faktoren die frühere oder spätere Degenerierung einer Weide bewirkt. Das heißt als Folge: Die Gesundheit der Weidepferde wird beeinträchtigt, z. B. durch ungünstige Umschichtungen im Pflanzenbestand aufgrund von Mangeldüngung, Bodenverdichtung oder zu starker Besatzdichte. Die Ernährungsgrundlage, aber auch der Lebensraum für eine eigentlich anzustrebende vielfältige Pflanzen- und Tierwelt leiden unter degenerativen Auswirkungen.
Auf diese einzelnen Faktoren wird später noch eingegangen. Man berücksichtige, dass jede Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Vernachlässigt man dauerhaft auch nur einen Faktor des Gesamtkomplexes, so bricht die Kette: Das ökologische Gleichgewicht wird gestört, das Bodenleben stirbt und der faktische, für Pferde so wichtige naturgemäße Ernährungswert des Grünlandes sinkt!
Für jede Haltung von Hauspferden ist es unumgänglich, sich schon bei der Planung in wichtigen Punkten an der Natur zu orientieren. Neben den letzten echten Wildpferden (Equus przewalski), die in Zoos und Reservaten sowie ausgewildert in China (Mongolei) gehalten werden, sind Beobachtungen von in der Natur frei lebenden verwilderten Hauspferden dazu nützlich. Von diesen Beobachtungen kann man vergleichend für jede Haltung ausgehen und Forschungsergebnisse verwerten.
Das (»Wild«-)Pferd ist auch heute noch ein hoch spezialisiertes Fluchttier, das selten in größeren Herden, meist nur in kleinen Familiengruppen lebt (zu sehen z. B. bei den Mustangs in Nevada/Nordamerika).
Weite Flächen durchziehen solche Pferdegruppen als so genanntes Fernwanderwild, sie sind täglich mehrstündig »in Bewegung«. Erforschung und Beobachtungsdaten solcher wild oder halbwild lebenden Pferde (zum Beispiel auch in der Dülmener Wildbahn) haben natürliche Gesetzmäßigkeiten erkennen lassen, die für die Praxis der Pferdehaltung und insbesondere für die Weidebewirtschaftung und -pflege von großer Bedeutung sind.
Dazu gehören als typische Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten:
ein weiträumiges Gelände
mit unterschiedlichen Bodenarten und
einer vielseitigen, nicht zu üppigen Pflanzendecke (Gräser, Kräuter, Bäume, Sträucher).
Solche Bedingungen animieren Pferde im besten Falle, der Natur entsprechend zwecks Nahrungssuche »in Bewegung« zu bleiben – ohne zu verfetten.
Die heutige Umwelt in Europa bietet aber nur selten Bedingungen, die den natürlichen Lebensräumen entsprechen. Eine Ausnahme findet sich im Westen der englischen Grafschaft Devon. Dort lebt eine sehr große Herde Dartmoorponys frei auf etwa 1.000 Hektar im Nationalpark Dartmoor, was wirklich sehenswert ist (Kontakt: Dartmoor National Park Authority, Tel.: 0044-(0)1626-832093, www.dartmoor-npa.gov.uk).
Stuten und Fohlen einer typischen Familiengruppe innerhalb der Dülmener Wildbahnherde.
Vieles ist in der europäischen Zivilisation beengter, kleinräumlicher und zur notwendigen Sicherheit von Mensch und Tier eingezäunt, aber dennoch muss – selbstredend immer auch unter Berücksichtigung einer vernünftigen Nutzung der Pferde – dafür gesorgt werden, Pferde wenigstens weitgehend auch auf begrenzter Fläche naturentsprechend zu halten. Kompromisse dürfen dabei nie soweit gehen, dass Pferde völlig unnatürlich auf engstem Raum ohne jede Naturgrundlage gehalten werden und ihr Eigenbewegungsbedürfnis rigoros beschränkt wird.
➔ ZUM WOHLE DER PFERDE
Ausschließlich geschlossene Stallhaltung ist deshalb aus tierschutzrechtlichen Gründen energisch abzulehnen. Eine Weide ist demnach für jede Pferdehaltung als natürlicher Auslauf und (Teil-) Nahrungsgrundlage unerlässlich und auch in der Vegetationszeit unersetzlich – das sollte unbedingt bei jeder Planung und Auswahl des Standorts einer Pferdehaltung berücksichtigt werden. Gleichzeitig muss das Grundbedürfnis nach Sozialkontakten zu Artgenossen berücksichtigt werden, was nur über ganztägige oder zeitweise Gruppenhaltung in Weide und Auslauf verwirklicht werden kann.
Pferdeverhalten
*
Verhaltensmerkmale
Verhaltensdaten
Zurückgelegte Strecke beim Weiden
7 bis 10 km
Zeitdauer der Futteraufnahme
12 bis 16 Stunden
Wasseraufnahmefrequenz
1- bis > 40-mal
Tiefschlafdauer bei ausgewachsenen Pferden
2 bis 4 Stunden
Tiefschlafdauer bei Fohlen/Jungpferden
4 bis 8 Stunden
Entfernung Weideplatz zur Wasserstelle
bis zu 20 km
*Angegeben sind durchschnittliche Daten bezogen auf einen 24-Stunden-Tag (Quellen: BENDER, I.: Langzeitbeobachtung einer gemischtrassigen Pferdeherde bestehend aus Vollblutarabern, Fjordpferden und Dülmenern in überwiegend ganzjähriger Weidehaltung mit Offenstall, Dokumentation, Eschebrügge 1995 sowie BENDER, I.: Die Pferde der Dülmener Wildbahn in Westfalen – Verhaltenskundliche Studien und ernährungsphysiologische Daten, Dokumentation, Merfeld 2004)
