Die Rückkehr - Inelia Benz - E-Book

Die Rückkehr E-Book

Inelia Benz

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Beschreibung

Ein Kind unbekannter Herkunft mit mächtigen Kräften, derer es sich (noch) nicht bewusst ist, ein geheimnisvoller Orden, eine Feudalgesellschaft, die sich über ihre Genetik definiert, kulturübergreifende Beziehungen, eine aggressive, hochintelligente Reptilienfrau mit Killerinstinkten und eine KI, die plötzlich empfindungsfähig wird und dem ohnehin schon überforderten und genervten Anunnaki-Botschafter Anin, der vergeblich versucht, alles unter Kontrolle zu halten, das Leben noch schwerer macht als es ohnehin schon ist. Verschiedene ET-Rassen interagieren und interessieren sich für unseren Blauen Planeten, insbesondere für ein bestimmtes Menschen-Mädchen dort. Wenn sie überlebt, könnte sie den Lauf der Geschichte in der gesamten Galaxis verändern. ******** Dieses Buch macht nicht nur gute Laune, sondern erzeugt auch große Zuversicht. ******** Basierend auf wahren Begebenheiten, ist "Die Rückkehr" eine fesselnde Lektüre. Verschiedene ET-Rassen interagieren und interessieren sich für unseren Blauen Planeten und insbesondere für ein Menschen-Mädchen dort. Wenn sie überlebt, könnte sie den Lauf der Geschichte in der gesamten Galaxie verändern. ******** Dieses Buch erweitert das Bewusstsein mit Geschichten über mystische Fähigkeiten und fortschrittliche Technologie und wird die Grenzen dessen, was man sich vorstellen kann, sprengen. Es ist nicht nur fesselnd und immer wieder auch sehr witzig, sondern wie alle anderen Schriften von Inelia Benz, von einer ermutigenden, erhebenden Energie getragen. ****** "Diese Art von Büchern ist einzigartig, eine Mischung aus Fiktion und tiefer Realität. Ein Muss für alle, die wissen wollen, wie die Realität wirklich ist." ****** Ich habe es gelesen und total geliebt. Ein paar Monate später las ich es erneut und ich habe es mindestens genauso genossen, wenn nicht noch mehr. Das ist wirklich etwas Besonderes.

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Seitenzahl: 406

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inelia Benz

 

Die Rückkehr

 

„Roman“

 

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Katrin Seewaldt

 

Die amerikanische Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel

„The Return“

Eine Hörbuchausgabe erscheint vorraussichtlich im Oktober 2022 und ist bei https://strahle-immer-dein-hellstes-licht.de/shop erhältlich.

Von Inelia Benz sind noch viele weitere Werke erhältlich

https://ineliabenz.com/inspirational-books/

und hoffentlich auch bald weitere in deutscher Sprache.

Weiteres Infos unter

https://strahle-immer-dein-hellstes-licht.de/

 

Deutsche Erstausgabe

1. Auflage August 2022

Licht-Werke

www.strahle-immer-dein-hellstes-licht.de

 

© für die deutschsprachige Ausgabe: 2022 Katrin Seewaldt

© für die englischsprachige Originalausgabe

„The Return“ 2018 Inelia Benz

Umschlagkonzept: Andrea Mai https://purelightproject.com/

Umschlagbild Illustration: Laura Uribe

Übersetzung und Umsetzung: Katrin Seewaldt

Lektorat, Korrekturen und Verbesserungsvorschläge:

Die wunderbaren Ko-Kreateure Katrin, Andrea, Simone, Christina, Sulia, Sina, Daniel, Annemarie und einige weitere wunderbare Menschenwesen

 

Die LICHT-WERKE sind ein Unternehmen der

Katrin Seewaldt

 

Über die Autorin:

 

Inelia Benz, 1966 in Chile geboren, lebt und arbeitet seit vielen Jahren in den USA.

 

Hier ist der von ihr selbst verfasste, von mir ins Deutsche übersetzte und gekürzte Text:

 

Es war 1966, in einem abgelegenen Land namens Valparaiso, Chile (nicht abgelegen, wenn man dort lebt, aber definitiv abgelegen für alle anderen), wurde ein Kind für Inelia und Paddy geboren.

 

Was sie nicht wussten, war, dass Inelia kein normaler Mensch war. Sie war in der Tat sehr ungewöhnlich. Im Gegensatz zu ihren Eltern und Geschwistern, Großeltern, Onkeln und Tanten, Cousins und Cousinen und allen Freunden in ihrem Leben, war dieses Baby noch nie zuvor inkarniert. Nicht nur, dass sie noch nie auf der Erde inkarniert war, sie war auch noch nie im Universum inkarniert. Sie kam direkt aus der Schöpfung in ein physisches Körperelemental, das sich glücklicherweise gut auskannte und sehr erfahren darin war, sich auf der Erde physisch auszudrücken.

 

Aufgrund dieses großen Unterschieds zwischen der kleinen Inelia und all den Menschen um sie herum geschahen zwei Dinge. Zum einen wurde sie frei von Selbstgefälligkeit, Anhaftung und persönlichen Absichten geboren und frei von dem Wunsch, sich körperlich oder seelisch weiterzuentwickeln. Zum anderen wurde sie sofort zur Zielscheibe der Schattenwesen, die damals den Planeten und diesen Bereich der Erde beherrschten. Schon vor ihrer Geburt, als sie noch ein Baby war und bis weit in ihre Teenager- und Erwachsenenjahre hinein, gab es mehrere Anschläge auf ihr Leben. Glücklicherweise nahm sie es nicht persönlich und verfiel nie in den Opfer-Täter-Kreislauf.

 

Es dauerte nicht lange bis sie sich bewusst wurde, warum sie als einzigartiges Bewusstsein auf der Erde erschaffen worden war. Es ging darum, das menschliche Kollektiv und das gesamte empfindungsfähige Bewusstsein der Geschöpfe des Planeten auf einem höheren Niveau schwingen zu lassen, als es zu diesem Zeitpunkt der Fall war. Ein höheres Niveau sowohl der Frequenz als auch der Stärke. Als kleines Kind wusste sie nicht, wie sie diese Mission ausdrücken sollte, und so sagte sie oft zu den Menschen, dass sie besser summen müssten und dass das menschliche Kollektiv besser summen müsse, wobei sie mit ihren Lippen ein Bienengeräusch machte, während sie zu erklären versuchte, was sie tun müssten. Natürlich fanden solche Ratschläge eines kleinen Kindes keine große Beachtung, und die Erwachsenen und Kinder um sie herum ignorierten sie.

 

Inelia versuchte herauszufinden, wie man auf einem verrückten Planeten lebt und wie man die Menschen dazu bringt, zu verstehen, dass es ein verrückter Planet ist. Als sie älter wurde, versuchte sie, den Handlungen anderer Menschen nachzueifern, indem sie heiratete, Kinder bekam (omg, Babys zu haben ist das Beste im ganzen Universum!) und lernte, was es mit dem "Leiden" auf sich hat - schlimm, alles! Tut das nicht! Leiden ist nur eine Falle, geh da nicht hin, es wird dich nichts lehren.

Sie erkannte schließlich, dass abgesehen von der Freude, Babys zu bekommen, der Rest der "Normalität" eine absolute Zeit- und Energieverschwendung war. Dem "Normalen" auf diesem Planeten nachzueifern war nicht mehr als eine Falle und trug nicht dazu bei, die Arbeit voranzubringen, für die sie und Millionen anderer Lichtarbeiter hierher gekommen waren.

In ihren frühen 20ern erkannte sie, dass der Schlüssel zum Erfolg ihrer Mission in der menschlichen Kommunikation liegen könnte. Sie schrieb sich an der Dublin City University für Kommunikations-wissenschaften ein und schloss mit einem First Class Honors Degree ab.

 

Inelia hat schon viele unendlich hilfreiche Kurse, Videos und Artikel verfasst und hilft mit ihrer Arbeit den Menschen zur Selbstermächtigung und der so sehr benötigten stabilen positiven Schwingung.

https://ineliabenz.com/about/

 

Die Übersetzerin

 

Ich bin Katrin.

1969 in Berlin geboren.

Wenn ich gerade kein Buch schreibe oder übersetze, bin ich am liebsten in der Natur oder im Garten, übersetze auf meinen verschiedenen Kanälen interessante englische Autoren ins Deutsche oder lese spannende Artikel vor, verbringe Zeit mit meinem Sohn, der mein liebster Lehrer ist, und anderen lieben und wachen Menschen.

 

Am liebsten übersetze ich zur Zeit die Bücher von Inelia Benz, helfe den Menschen dabei mehr Leichtigkeit und Zuversicht in ihr Leben zu bringen und gründe Gruppen, um in gesunder Interdependenz gesunde Systeme aufzubauen und zu leben - virtuell und lokal.

 

https://t.me/fragdeinherz

 

 

 

Die Rückkehr

 

Inhaltsverzeichnis

 

Erstes Kapitel

Zweites Kapitel

Drittes Kapitel

Viertes Kapitel

Fünftes Kapitel

Sechstes Kapitel

Siebentes Kapitel

Achtes Kapitel

Neuntes Kapitel

Zehntes Kapitel

Elftes Kapitel

Zwölftes Kapitel

Dreizehntes Kapitel

Vierzehntes Kapitel

Fünfzehntes Kapitel

Sechzehntes Kapitel

Siebzehntes Kapitel

Achtzehntes Kapitel

Neunzehntes Kapitel

Zwanzigstes Kapitel

Einundzwanzigstes Kapitel

Epilog

Glossar

 

Erstes Kapitel

 

Anin nahm es mit seinen drei Stunden persönliche Zeit pro Lichtzyklus sehr genau. Diese Stunden waren überaus wertvoll. Auf seinem Weg zur Beobachtungsstation bewegte er sich schnell und zielgerichtet durch die mit Stein legierten Gänge. Manchmal verspürte Anin einen fast zwanghaften Drang, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein und das hier war einer dieser Momente. Warum es ihn jeweils mit dieser Intensität zu genau jenem Zeitpunkt an jenen bestimmten Ort zog, erfuhr er immer erst im Nachhinein und es war oftmals ein lebensveränderndes Ereignis, nicht nur für ihn, sondern auch für viele andere. Diese Eigenschaft war nicht besonders charakteristisch für die Mitglieder seiner Abstammungslinie, sondern wohl der Nebeneffekt einiger Kombinationen, die zu diesem hochentwickelten Sinn, die Punkte richtig miteinander verbinden zu können, geführt hatten. So versuchte jedenfalls seine Familie dieses merkwürdige Phänomen zu erklären. Andere Familien, zum Beispiel solche, die mit Spiritualität zu tun hatten, würden es einfach als göttliche Führung bezeichnen oder als die zu ihm durchdringende Weisheit der Schöpferquelle.

Seine Roben raschelten und klapperten beim Laufen. Sie waren über und über mit Edelsteinen und Symbolen verziert, die alles über seinen Status, Rang, Ehestand, über seine Errungenschaften, sein Alter und andere wichtige Informationen über ihn verrieten. Das machte sein Vorankommen durch die Korridore langsamer, als ihm lieb war.

Seine Kopfbedeckung hielt er fest unter den Arm geklemmt, was bedeutete, dass er momentan nicht seine Position, seinen Rang, seine Rasse oder seine Spezies repräsentierte, sondern einfach als er selbst unterwegs war. Nach Anunnaki Standards war Anin gerade erst erwachsen und noch körperlich fit, dennoch schlug sein Herz wie wild durch die Anstrengung sich mit seinen schweren Roben in diesem Tempo zu bewegen. Er machte sich im Geiste eine Notiz, von nun an den Fitnessraum des künstlichen Satelliten, auf dem er gerade stationiert war, zu nutzen, um ein paar Muskeln zu entwickeln, die die Schwerkraft ausgleichen würden.

Diese ganz bestimmte Beobachtungsstation war selten besetzt, was sie zu einem seiner Lieblingsorte des gesamten Komplexes machte. Anin war kein Freund von leerem Gerede und allein der Gedanke sich auf informelle Gespräche mit Angehörigen niederer Spezies oder ihm untergeordneten Mitarbeitern einzulassen, verursachte Abscheu in ihm. So war es ihm gelungen die Kommunikation auf ein Nötigstes zu beschränken, obwohl seine Aufgabe von ihrer Natur her soziale Interaktion mit sich brachte. Außerdem sorgte er dafür, dass seine persönlichen Stunden auf die Zeiten des Lichtzyklusses fielen, in denen im Anunnakibereich des künstlichen Mondes, der den Anunnaki zugeordnet war, am wenigsten los war.

Die Beobachtungsstation war, obwohl noch recht weit entfernt, nun in Sichtweite für ihn. Er hoffte, dass sie wie immer leer sein würde, aber nach ein paar weiteren Schritten, konnte er deutlich die Umrisse einer Person erkennen. Die Station war nicht leer. Ihm sank das Herz. Doch nun, da ihn sein Impuls hierher geführt hatte, war es zu spät umzukehren und er würde keinen Rückzieher machen. Er betrat den Wartebereich und stand ganz still da, während der Raum seine Gene scannte und ihn dann energisch an seinen Platz in der Reihe für das Schaltpult setzte. Anin wusste nicht so ganz genau, ob er die Schaltstellen der Station einfach benutzen oder einfach dasitzen und warten sollte. Was er aber mit Bestimmtheit wusste, war, dass diese Beobachtungsstation genau der Ort war, an dem er in diesem Moment zu sein hatte.

Es brauchte einige Minuten, bis sein Interesse auf die andere Person am Schaltpult der Station fiel. Es handelte sich um einen weiblichen Rumni, einen reptilienartigen Anunnoiden1. Wie alle Anunnaki empfand Anin die reptiloiden Spezies als abstoßend. Abgesehen von ihren unangenehmen Ausdünstungen, missachteten sie kategorisch jegliche interkulturelle soziale Etikette.

Ihrer Amtstracht nach war sie eine hochrangige, sowohl bei ihrer eigenen Spezies, als auch bei vielen Allianzpartnern gleichermaßen hoch angesehene Wissenschaftlerin. Ihre in strahlendem Weiß schimmernde Schuppenhaut und die leuchtend blauen Augen ließen auf eine königliche Blutlinie schließen. Für Anin schien es keinen Sinn zu ergeben, dass seine Regierung ausgerechnet dieser Spezies gegenüber so entgegenkommend war, mit ihr den gleichen Planeten zu teilen und zu beobachten. Ihre Absichten den Bewohnern des Planeten gegenüber waren bestenfalls als feindlich anzusehen und schlimmstenfalls auf einen Völkermord abzielend.

Er schaute auf das Zeitmessgerät der Station und fragte sich, ob die Rumni Frau jemals wieder gehen würde, doch sie schien komplett versunken in ihre Beobachtungen des Planeten unter ihnen.

Seine Aufmerksamkeit wanderte zu dem, was auf dem riesigen Bildschirm der Station zu sehen war und er sah, dass die Rumni Frau einen systematischen Mehr-Frequenz-Scan des Planeten angefertigt hatte. Das Ergebnis war von großer Schönheit. Es war jetzt zwei Jahre her, dass er seine Mission auf dieser Station begonnen hatte und ihm fiel auf, dass es ihm niemals in den Sinn gekommen war, so etwas zu tun.

Anins Herz schlug langsamer und er spürte ganz deutlich und intensiv diese gewisse Energie um seinen Kopf herum und in seinem Körper, die ihm sagte, dass das Ereignis, für das er genau zu diesem Zeitpunkt an diesen Ort gekommen war, genau jetzt dabei war zu geschehen. Sein Körper versteifte sich und er war ganz und gar konzentrierte Aufmerksamkeit. Was auch immer passieren würde, es würde von immenser Wichtigkeit sein und ihm durfte kein einziges Detail entgehen.

Das Bild des Planeten, den sie beobachteten, zeigte die fortschreitende Dunkelheit mit von dunklem Purpur in dunkles Blau übergehenden Farben. Es sah wunderschön aus. Dann, ganz plötzlich, passierte es und er sog scharf die Luft ein. Inmitten der ganz dunklen Schatten erschien ein winziges, gleißendes, reinweißes Licht umgeben von gräulichen Lichtern. Und dann war es wieder verschwunden.

Sein Nach-Luft-Schnappen ließ die Rumni Frau aufmerken. Sie legte ganz leicht den Kopf schief, in seine Richtung und signalisierte so, dass sie seine Anwesenheit bemerkt hatte.

Ihre Hände bewegten sich auf dem holographischen Kontroll-Paneel und Anin konnte fast fühlen, wie sie die Beobachtungslinse der Station bewegte. Sie fand das Licht wieder und dieses Mal konnte sie die Frequenz und den Ort stabilisieren und zoomte heran.

Das unendlich kleine Licht nahm nun den größten Teil des Bildschirms ein. Sie drehte an den Reglern und das Bild ließ wieder ein mit bloßem Auge erkennbares Spektrum auftauchen.

Vor ihren Augen verwandelte sich das gleißende Licht in ein sehr junges weibliches Menschenwesen. Sie saß in etwas, das wie ein Garten aussah. Sie trug die für Menschen typische Kleidung und um sie herum lagen einige Spielzeuge. Sein Verstand scannte durch sein sehr genaues Wissen über das Kommunikationssystem menschlicher Kleidung und das sagte ihm, dass sie ungefähr drei Jahre alt sein müsste. Ihr grünlich wirkendes Haar war zu Zöpfen gebunden, die auf beiden Seiten des Kopfes herunterfielen. Ein weißes Rüschenkleid, dazu passende Strümpfe, glänzende rote Schuhe, große Seidenbänder im Haar und die Art und das Aussehen der Spielzeuge um sie herum, ließen auf eine wohlhabende westliche Familie der Mittelschicht schließen.

Und dann geschah es. Sie hielt inne und schaute auf. Ihre großen braunen Augen füllten den Bildschirm aus und schauten ihn direkt an. Sie lächelte und sagte ihr Name sei Cecilia und, zu seinem absoluten Schock, ihren Anunnaki Rang und die zugehörige genetische Linie. Als Anin die korrekte genetische Schwingungs-Signatur ihrer Familie empfing, fiel er respektvoll auf die Knie und sein Körper füllte sich mit tiefer, unendlich überfließender Liebe, mit vollkommener Glückseligkeit. Das geschah automatisch, es war ein Programm, das in alle Anunnaki eingebaut war, wenn sie von einem Träger der Göttlichen Quelle, einem König oder einer Königin ihres Volkes, begrüßt wurden.

Es dauerte ein paar Sekunden, bis sein logischer Verstand die Kontrolle übernahm und ihm sagte, dass diese niedere, schlecht gelungene, genetisch verseuchte Anunnoide unmöglich das sein konnte, was sie ihm kommuniziert hatte zu sein.

Er stand schnell auf, schaute zu der Rumni-Frau hinüber und stellte fest, dass sie das Menschenmädchen auf dem Bildschirm noch nicht gesehen hatte; die Augen der Rumni Frau waren immer noch auf die Steuerung gerichtet. In diesem Moment blickte die Reptilin direkt auf den Bildschirm, ihre Echsenzunge zuckte hin und her und ihre senkrechten Pupillen wurden haarfein, ein Zeichen extremer Aufgeregtheit.

Sie sah ihn an, ließ die Steuerung los und schritt schnell auf ihn zu, wobei sie mehrere kulturübergreifende Tabus brach.

Zum Zeichen des universellen Friedens legte sie ihre Hände zusammen und sagte: "Shylar, die ranghöchste ultradimensionale Biologin, grüßt den männlichen Anunnaki vor mir. Das junge weibliche menschliche Wesen wird von den Rumni beansprucht. Sie ist Eigentum der Rumni. Bleibt fern von ihr".

Er suchte in seinem Rumni-Vokabular nach seinem Rang und seiner genetischen Abstammung und antwortete ihr in der gleichen informellen Art, in der sie sich selbst vorgestellt hatte: "Anin, aus dem Reich der Anunnaki, Bestandsanalytiker und Problemlöser, Botschafter dieses Sonnensystems, 110ter Nachkomme der..." Die Reptilien-Frau rollte mit den Augen. Anin stockte. Sie verdrehte tatsächlich die Augen bei seiner Begrüßung. Er wusste nicht einmal, dass die Reptilien mit den Augen rollen konnten, aber ganz offensichtlich konnten sie es. Anin beschloss, auf den Rest seiner Vorstellung zu verzichten und zu sehen, was diese Kreatur von ihm wollte. Auch er konnte unhöflich sein. "...grüßt euch. Worauf gründet sich Euer Anspruch?"

„Es war meine Suche, die sie fand, und ich war die erste, die sie sah.“

Sein Verstand raste. Anin wusste ohne jeden Zweifel: er konnte nicht zulassen, dass das Menschenmädchen von dieser mörderischen Rasse beansprucht wurde.

"Ich stimme zu, dass Ihr die Suche durchgeführt habt, die sie gefunden hat, ich stimme jedoch nicht zu, dass Ihr sie zuerst gesehen habt. Ich war hier, als die Signatur ihrer Lebenskraft zum ersten Mal erschien, und ich war auch der Erste, der ihr dreidimensionales projiziertes Bild sah. Und ich kann auch sagen, dass die Technologie, die für die Suche verwendet wurde, von den Anunnaki entwickelt wurde und in ihrem Besitz ist." Der Gedanke, dass das Menschenkind ihn zuerst, ihn und nur ihn, begrüßt hatte, kam ihm in den Sinn. Aber diese Information musste Anin vollkommen für sich behalten.

Die Rumni Frau betrachtete ihn für den Bruchteil einer Sekunde, dann versuchte sie mit ihrem Verstand in seinen einzudringen und ihm zu befehlen, sich ihr zu fügen.

Das hätte durchaus funktioniert, wenn Anin drei Ränge niedriger gewesen wäre, aber seine genetische Kodierung ließ das nicht zu.

Er registrierte im Stillen die Anzahl der gebrochenen Protokolle und sagte: "Ich protestiere gegen Eure versuchte Beeinflussung meines Geistes und meines freien Willens."

Sie blinzelte, irritiert über ihren gescheiterten Versuch ihn zu beeinflussen, dann richtete sie sich zu ihrer vollen, ihn um einen Kopf überragenden, Größe auf, türmte sich vor ihm auf und schleuderte ihm mit voller Kraft eine Welle von Angst und tödlicher Bedrohung entgegen.

Er spürte die Welle durch sein Energiefeld und sein Sprachzentrum rollen, wobei ihm sein Rang ermöglichte jede körperliche Reaktion zu umgehen, die dieser Angriff in einem normalen Anunnoiden ausgelöst hätte, und er drückte auch hier wieder seinen Protest gegen ihr kriegsprovozierendes Handeln aus.

Es war in der Tat eine ernste Angelegenheit.

Er wollte ihr Handeln gerade als Kriegserklärung offen legen, als ihm einfiel, dass er seine Kopfbedeckung unter dem Arm trug, so dass es sich, wenn man es genau nahm, nicht um die Attacke einer Spezies auf die andere, sondern um einen persönlichen Angriff handelte.

Schnell griff er nach seiner Kopfbedeckung, um die ganze Angelegenheit von einer persönlichen zu einer offiziellen staatlichen zu machen, was der Fall wäre, sobald er sie aufgesetzt hätte. Doch bevor er das tun konnte, schoss ihre Hand zu ihm vor und, erneut sämtliche Protokolle missachtend, berührte sie ihn. Aus den Drüsen in ihrer Hand sonderte sie eine paralysierende Substanz ab, die in seine Haut eindrang und Anin konnte sich nicht mehr von der Stelle rühren.

„Stimme zu, dass das weibliche Menschenwesen mein Besitz ist, oder ich werde dich eliminieren.“

Seine Roben waren weitaus mehr, als nur ein System, um seinen Rang, seine Abstammungslinie und seinen Expertenstatus zu kommunizieren. Sie gehörten auch zu einer der höchstentwickelten KI Survival Ausrüstungen im gesamten bekannten Universum.

Sobald es die telepathische und energetische Attacke erkannt hatte, ging das System in höchste Alarmbereitschaft und setzte, als das Nervengift sich seinen Weg durch Anins Körper bahnte, unmittelbar ein Gegenmittel frei. Anin konnte die Erleichterung seines Körpers und das Nachlassen der Wirkung der Substanz sofort spüren und er griff schnell nach seiner Kopfbedeckung und setzte sie auf.

Die Rumni Frau ging überrascht einen Schritt zurück und bemerkte anscheinend erst jetzt, dass Anin unter seinen Leuten ebenfalls ein hohes Amt bekleidete und dass sie sich in ernsthaften Schwierigkeiten befand, nach all dem, was sie gerade getan hatte.

Er verband seinen Geist mit dem Kommunikationskanal des kollektiven Geistes seiner Spezies und sendete eine kurze Zusammenfassung dessen, was sich gerade zwischen ihm und der Rumni-Frau abgespielt hatte.

Ein Aufruf ging an die Rumni-Hierarchie und forderte die sofortige Bestrafung und Verbannung der Frau namens Shylar. Er erhielt eine Entschuldigung von ihren Vorgesetzten, in der sie auf den Geniestatus der Frau und ihr königliches Blut und auch auf die dokumentierte Berücksichtigung für ihr zuweilen "seltsames, aggressives und antisoziales Verhalten", auf die sich alle derzeit im Sonnensystem zusammenlebenden Spezies geeinigt hatten, hinwiesen.

Anin seufzte frustriert. Auch seine eigene Spezies hatte ein paar solcher wandelnden Zeitbomben im bekannten Universum umherlaufen, genetische Missgeschicke, die innerhalb ihrer Abstammungslinie erstaunliche Fähigkeiten aufwiesen, aber vollkommen unvorhersehbar reagieren konnten und nichts auf Regeln und Konventionen gaben.

Interkulturell befähigte Vermittler beider Rassen übernahmen die Kontrolle über die Interaktion und beschlossen, dass alle Fakten überprüft werden müssten, bevor die Eigentümerschaft des Menschenmädchens festgestellt oder Maßnahmen im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Übergriff ergriffen werden könnten.

Er wusste was das bedeutete – Die Kameras der Beobachtungsstation, genetische Aufzeichnungen und ein vollständiger Gedächtnis Scan beider Parteien würden heruntergeladen und von beiden Spezies analysiert werden.

Als die Mitteilung bei allen Beteiligten ankam, trafen zwei bewaffnete Rumni an ihrem Standort ein. Sie waren um einiges größer als Shylar und gut geübt im bewaffneten Kampf, wie Anin während des Handgemenges feststellen konnte, das folgte, als sie gegen ihren Willen aus dem Raum gebracht wurde.

Sein Herz raste. Dies und dazu der metallische Geschmack in seinem Mund, der durch das Gift und das Gegengift hervorgerufen wurde, machte ihm die extreme Gefahr bewusst, in der er sich gerade befunden hatte, und während seine Roben daran arbeiteten, ihn körperlich und emotional zu stabilisieren, erinnerte sich Anin an Cecilia.

Das Zeitmessgerät in der Station zeigte an, dass er noch zwei Stunden seiner persönlichen Nutzungszeit übrig hatte. Anin nahm seine Kopfbedeckung ab, machte sich auf den Weg zu den Kontroll- Paneelen der Station, setzte sich hin, schloss die Augen und atmete tief durch. Er musste seine Gedanken ordnen und eine Entscheidung über seine ganz persönliche weitere Vorgehensweise treffen.

Die von ihm empfangene Mitteilung des Menschenmädchens und seine Reaktion darauf konnten als ketzerisch bezeichnet werden. Allein der Gedanke an das, was sie gesagt hatte und wie er darauf reagiert hatte erfüllten ihn mit Abscheu. Als er die von ihr behauptete genetische Abstammung in den Speicherbänken seiner Rasse überprüfte, stellte Anin fest, dass sie zu einer uralten Abstammungslinie von Throninhabern gehörte, die direkte Nachkommen der Götter waren. Diese Linie war für untergegangen erklärt worden. Und der derzeitige König und die Königin waren im Vergleich dazu nur entfernte überlebende Cousins. Die Reinheit und das Licht der Signatur, die er hier empfangen hatte, übertrafen alles, was in den vorhandenen Aufzeichnungen zu finden war. Wenn diese Menschen Frau ihren Anspruch durchsetzte, würde sie die Königin aller Anunnaki mit allen Rechten werden. Sie könnte möglicherweise sogar die absolute Herrscherin seiner Spezies werden!

Bevor er es verhindern konnte, formten sich die Worte in seinem Mund:

DIE RÜCKKEHR

Anin spürte ein Zittern am ganzen Körper. Seine Ketzerei könnte mit dem Tode bestraft werden. Er fragte sich, ob es ihm eventuell das Leben retten könnte, wenn er sich als wahnsinnig gewordenes Genie ausgeben würde, bevor es zu spät war. Immerhin war er in seiner eigenen Linie ein hochqualifiziertes Genie. Aber leider war Anin auch sehr, sehr vernünftig.

"Die Rückkehr" gehörte zu einem religiösen Glauben seines Volkes. Er besagte, dass eines Tages die Urquelle zu ihnen zurückkehren würde. Die Königin der Anunnaki in Zeit und Raum würde kommen und sie von ihren linearen Zeit-Raum-Fesseln befreien. Sie würde ein Portal öffnen, das sie zu höherdimensionalen physischen Erfahrungen und zur Kolonisierung führte.

Sie würde die Kranken heilen, den Armen Wohlstand bringen und die Fertigkeiten, Fähigkeiten, das Bewusstsein und die Macht seiner Spezies erweitern.

Ein höchst umstrittenes Thema war, welche genetische Abstammung sie haben würde. Ebenso wie andere Behauptungen darüber, was sie den Anunnaki alles bringen würde. So entstand in den bekannten Galaxien ein wahrhaft reiches und vielfältiges kulturelles und religiöses Spektrum von Ansichten darüber.

In einer dieser kulturell-religiösen Varianten über die Art Ihrer Rückkehr hieß es, dass sie als Kind einer niederen, versklavten, genetisch verseuchten, anunnoiden Spezies ankommen würde. In letzter Zeit hatten viele dieser Ketzer diese Prophezeiung unter seinem Volk verbreitet. Sie gehörten zu einer Gruppe durchgeknallter, militanter und wirklich besessener Anhänger dieser Theorie und seine Regierung sah sich dazu gezwungen, diese spezielle Art der Ketzerei mit dem Tode zu bestrafen. Ja, er würde hingerichtet werden, wenn er auch nur glaubte, dass dies wahr war.

Doch jedes Mal, wenn Anin versuchte, seine Erinnerung an das, was er gesehen hatte, zu verdrängen, schienen ihre Augen die seinen zu durchbohren, und dieses überwältigende Gefühl von tiefer, unendlich überfließender Liebe erfüllte ihn erneut.

Er musste sie wiedersehen und es galt einen Weg zu finden, wie er mit ihr Kontakt aufnehmen konnte. Außerdem musste sie von dem Planeten weggebracht werden, weg von den Reptiloiden. Dieses Kind brauchte Schutz, und zwar jetzt sofort.

Anin wusste plötzlich, was er nun zu tun hatte. Er würde sich psychologisch untersuchen lassen, vielleicht war seine geistige Gesundheit nicht das, was die Gentechniker seiner Familie bei seiner Petrischalen-Zeugung gesagt hatten. Die finanzielle Entschädigung für seine Familie wäre enorm, falls Unzurechnungsfähigkeit nachgewiesen werden könnte.

Anin kehrte zurück in die Gegenwart, stellte eine Verbindung zum Kontrollsystem der Station her, schaltete das Aufnahmegerät aus und löschte die sichtbaren Beweise für seine spontane Reaktion auf das Mädchen von allen Geräten und Datenbanken. Doch anstatt sie vollständig zu löschen, speicherte er sie in einem mobilen Speichermedium, das für streng geheime Kommunikationsübertragungen bestimmt war. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass das gefährliche Filmmaterial und die Aufzeichnungen gelöscht waren, richtete er den Blick wieder auf das Kind. Sie saß nun im Schneidersitz auf dem Boden. Es fühlte sich so an, als sei sie nicht nur mit ihm, sondern mit dem gesamten Universum verbunden. Diesmal blickte sie nicht zu ihm auf, sondern saß einfach da, die Augen geschlossen und lächelte.

Anin wischte über eine der holografischen Einstellscheiben, fügte der Formel einen genetischen Filter hinzu und scannte den Planeten erneut. Wenn das Mädchen diejenige war, für die sie sich ausgab, würde ihr nächster Schritt darin bestehen, ihre Wächter zu finden und zu aktivieren. Wenn er diese Wächter noch vor ihr finden könnte, gäbe es vielleicht eine Möglichkeit, das Mädchen schützend in Obhut zu nehmen, bevor die Reptiloiden sie fanden. Er hatte keinen Zweifel daran, dass diese Rumni-Frau bereits ein Extraktionsteam zur Erde geschickt hatte.

Aufgrund einer einige tausend Jahre zuvor getroffenen, sehr bedauerlichen Entscheidung trugen nun Millionen von Menschen die überlegenen Gene der Anunnaki im Blut. Das war eine furchtbare, Abscheu erregende Tatsache, aber eine, die in dieser Situation sehr nützlich sein konnte. Anin suchte nach der genetischen Signatur der Wächter-Linie, die mit dieser ganz bestimmten und sehr besonderen königlichen Familie verbunden war. Alle hochrangigen Familien hatten Wächterlinien, die auf genetischer Ebene darauf programmiert und ausgelegt waren, sie zu schützen und ihnen zu dienen. Anin hoffte inständig, dass die Zurückgekehrte Königin solche Wächter auf dem Planeten hatte.

Er hatte einen gefunden.

~

1 Siehe Glossar am Ende des Buches

Zweites Kapitel

 

Francisco trat dem Orden der Erleuchteten Bruderschaft bei, als er 6 Jahre alt war. Es war nun das Jahr 1969 und es hatte 30 Jahre intensiver Ausbildung für ihn gebraucht, um in den Rang eines Älteren Bruders erhoben zu werden. Er trug die Verantwortung für die wichtigste mystische Aufgabe des Klosters, den Hut-Kontroll-Raum, auch bekannt als „Der Raum“.

Dieser wiederum befand sich in den innersten Kammern des Hauptquartiers der Bruderschaft, einem großen mittelalterlichen Schlosskomplex an der Südküste Frankreichs. Er hätte es vorgezogen, eine geringere Rolle in der allgemeinen Leitung des Hauptquartiers zu spielen, wenn man ihm die Wahl gelassen hätte.

Er war regelrecht vernarrt in alles, was mit körperlicher Fitness zu tun hatte und versuchte seit Jahren auch seine Brüder zu einer gewissen Fitness Routine zu bringen. Doch die anderen, besonders die Älteren Brüder, wurden seiner Bemühungen irgendwann überdrüssig und so gab er es auf.

Sein Rang und sein Titel in dem Orden wurden ihm von vielen der Jüngeren Brüder geneidet. Francisco hatte viele Jahre hart dafür gearbeitet, um dort hin zu gelangen, wo er jetzt war, doch egal wie viel er meditierte, studierte und sich darum bemühte, die Rolle des Ordens im Hinblick auf seine Rolle in der Welt besser zu verstehen – nichts von dem, was im Orden getan wurde, schien irgendeinen höheren Sinn zu ergeben. Nicht wirklich. Nichts schien mit dem übereinzustimmen, worum es seiner Meinung nach im Leben wirklich ging. Die Älteren Brüder versuchten jahrelang, ihn dazu zu bringen, sich anzupassen und sich seinem Schicksal zu ergeben. Als das nicht funktionierte, hatten sie ihn gelehrt, einfach zu glauben. Der Glaube wird uns ans Ziel bringen, hatten sie ihn gelehrt. Er hatte also gut zehn Jahre damit verbracht, alles über den Glauben zu lernen. Das hatte geholfen.

Der Name "Hut-Kontroll-Raum" war nicht sehr einfallsreich, aber treffend. Im Inneren befand sich ein Hut. Ein kunstvoller, reich verzierter Hut, der aussah, wie ein Bischofshut, und es gab auf der ganzen Welt nur eine Handvoll Menschen, die diesen Hut aufsetzen konnten ohne verrückt zu werden oder zu sterben.

Francisco war einer dieser Menschen.

Für diejenigen, die Zugang zu dem Raum hatten, war es kein Geheimnis, dass der Hut ursprünglich einer außerirdischen Rasse von enormer Macht und Reichweite gehört hatte. Verschiedenste Kulturen auf dem Planeten, die diese Rasse erwähnten, hatten vielfältige und ausgefeilte Ursprungsmythen und betrachteten sie als die Rasse des Schöpfergottes.

Für seinen Orden jedoch war kein Gott im Spiel. Für diesen handelte es sich lediglich um eine hoch entwickelte und technologisch überlegene außerirdische Rasse humanoider Erscheinung. Zusätzlich zu so einigen Skeletten, fanden sich auch eine große Anzahl von Artefakten und Technologien dieser besonderen Rasse in vielen Einzelteilen des Ordens wieder.

Die Wesen dieser bestimmten Spezies, die der Orden die Anunnaki nannte, waren im Durchschnitt über 2,50 Meter groß, hatten langgezogene Schädel und ähnelten in ihrer Erscheinung den Menschen. Bis auf die langgezogenen Schädel, ihre Größe und ein paar andere Anomalien, schienen sie sogar zu sein wie jeder andere Mensch auf der Erde.

Die Aufgabe in Dem Raum war einfach. Nach der täglichen Meditationspraxis, Übungen in Fernwahrnehmung, Bilocation (an zwei Orten gleichzeitig sein) und astraler Projektion, ging Francisco in Den Raum und setzte den Hut auf, der mit mehreren Mess-, Lese- und anderen Geräten zum Erfassen von Signalen verbunden war. Nachdem er den Hut aufgesetzt hatte, musste er für die nächsten sieben Stunden lediglich dort sitzen. Danach würde jemand anderes kommen und seinen Platz einnehmen.

Das ging nun schon seit hunderten von Jahren so. Die Übergabe des Hutes von einem Kopf zum nächsten war so gestaltet, dass sie jeweils nur eine halbe Sekunde dauerte. Diese halbe Sekunde, alle 7 Stunden, war die einzige Zeit, in dem der Hut nicht durch einen Hutträger überwacht wurde.

Niemand wusste genau, was passieren würde, wenn der Hut jemals aktiv werden würde. Es gab natürlich Mythen und Gerüchte, aber nichts Konkretes. Es gab nur einen Schriftzug auf dem Hut und der besagte, dass es sich um so etwas wie ein Empfangsgerät für eine telepathische Botschaft handelte.

„Und der Träger wird das Wort Gottes hören, als wäre es sein eigener Gedanke, und das Wort wird Seine Rückkehr ankündigen.“

Die näheren Untersuchungen der Bruderschaft hatten ergeben, dass es sich bei dem Hut tatsächlich um so etwas wie einen telepathischen Radio Empfänger handelte und dass derjenige, der genau in dem Moment den Hut tragen würde, in dem jemand von der Rasse, die ihn erschaffen hatte, wieder zur Erde zurückkehrte, deren Signal in direkter Übertragung durch den Hut empfangen würde.

Es machte Francisco nichts aus, 7 Stunden lang mit dem Hut dazusitzen, es gab ihm Zeit, einfach nur zu SEIN. Sein Geist ruhig, sein ganzes Wesen in der Jetzt-Zeit und keinerlei Ablenkungen. Und außerdem konnte er dafür den Rest seiner Zeit frei gestalten und allen Aktivitäten nachgehen, die ihm beliebten. Er liebte es, zu wandern, leckere und gesunde Snacks herzustellen, um die seine Ordensbrüder sich stritten, und seine Fitness-Übungen zu machen. Einige Jahre zuvor versuchte Francisco eine romantische Beziehung zu einem Mädchen aus dem Ort zu knüpfen, doch in der Bruderschaft war es strikt verboten, feste Beziehungen einzugehen. Mit 50 konnte man den Orden verlassen und sozusagen in Pension gehen. Viele der Ordensbrüder taten dies und suchten sich dann eine Lebenspartnerin oder taten, was immer sie sonst tun wollten. Aber das schien Francisco noch eine Ewigkeit entfernt zu sein. Eine Zeit lang pflegte er ein paar lockere Beziehungen, aber nach seiner ersten Erfahrung mit der wahren Liebe, reichten ihm diese oberflächlichen Zusammenkünfte nicht mehr. Einige Jahre lang verfolgte er den Lebensweg des Mädchens, die letzte Nachricht, die er empfangen hatte, besagte, dass sie verheiratet war und ihr erstes Kind bekommen hatte.

Gerade schlich sich der Gedanke, dass sie ihn womöglich vergessen hatte, in seinen Geist, als ein plötzlicher Lichtblitz in seinem Inneren auf zuckte, der das perfekte Bild des Gesichtes eines kleinen Mädchens zu ihm trug, eine weit aus der Ferne zu kommen scheinende Schwingungs-Signatur, den Namen Cecilia und die Worte „finde Cecilia“. Die Signatur der Schwingung war so hoch und so sehr mit Licht erfüllt, dass es Francisco in einen Zustand vollkommener Glückseligkeit versetzte, ihn mit tiefer, unendlich überfließender Liebe erfüllte. Er spürte, wie es seinen Körper vorwärts schleuderte und er fiel vom Stuhl herunter auf seine Füße, seinen linken Arm auf seiner Brust liegend und seine rechte Faust über seinem Magen.

Noch nach Luft schnappend, erfasste er die Situation und gewann die Kontrolle über seinen Körper zurück. Er fand den roten Knopf und drückte ihn.

Ein Schwall von Aktivität ergoss sich über den Orden.

Auch wenn jeder in der Abteilung tausendfach auf diesen Moment vorbereitet und endlos dafür geübt worden war, war es niemals zuvor geschehen. Es schien allen so, als würde es auch niemals geschehen, aber hier und heute war es geschehen und es war er, der es gehört hatte. Es war Francisco persönlich, der die Übertragung empfangen hatte.

Drei seiner Ordensbrüder kamen in Den Raum. Einer von ihnen trug nichts als seine Unterwäsche und war noch nass und voller Seife von einer jäh beendeten Dusche. Sie schwiegen, zogen die Schreibtische heran und schalteten die Monitore ein, die an Computer angeschlossen waren, mit einer Technik, die so hoch entwickelt war, dass die Öffentlichkeit sie erst drei Jahrzehnte später zu Gesicht bekommen würde.

Die Messwerte waren eindeutig, irgendetwas war passiert, aber niemand konnte genau sagen was.

Sie warteten, ihre Aufregung war deutlich zu spüren, obwohl niemand ein Wort gesagt hatte, denn sowohl äußeres Schweigen als auch die geistige Stille waren eine wichtige Voraussetzung für den Aufenthalt in diesem Raum.

Doch Francisco schaffte es nicht seinen Geist ruhig zu halten. All die Jahre der Praxis und der Vorbereitung konnten ihn nicht auf diesen Moment vorbereiten. Er blickte sich in Dem Raum um und signalisierte seinen Ordensbrüdern, dass jemand anderes den Hut übernehmen sollte. Das widersprach den Regeln, denn diese halbe Sekunde konnte bedeuten, eine wichtige Botschaft zu verpassen. Aber es würde heute kein Signal mehr übertragen werden. Dass es keine weitere Kommunikation mehr durch den Hut geben würde, war nicht Teil des von der Bruderschaft geplanten Ablaufes. Es war nun eine Tatsache, von der Francisco wusste, dass sie wahr und dauerhaft war. Er musste Den Raum verlassen und das Geschehene analysieren, alles noch einmal im Geiste durchgehen und seinen Bericht schreiben. Er musste die Signatur des Mädchens aufspüren und sie finden. Dieser Drang sie zu finden überlagerte alles andere und wurde zur absoluten Priorität.

Die anderen Brüder schauten einander überrascht an und Francisco signalisierte erneut seine Aufforderung. Sie schauten einander an und lasen die kollektive Zustimmung in ihren Gesichtern, der Aufforderung ihres Ordensbruders nachzukommen, und dann nickte einer von ihnen und übernahm den Hut. Es war David, der jüngste der Brüder, die Den Raum betreuten, und Franciscos engster Freund. Ein Bruder unter Brüdern. Als Francisco ihn direkt anblickte, sah er für den Bruchteil einer Sekunde Dunkelheit in seinen Augen aufflackern. Aber als er nochmals schaute, blickten Freundlichkeit und Vertrauen aus Davids Augen. Ja, er konnte David den Hut jetzt anvertrauen.

Sobald die Übergabe durchgeführt war, verließ Francisco Den Raum und begab sich in sein Quartier.

Sein Herz schlug wie wild und er hatte wacklige Beine. Er legte sich auf sein Bett und schloss die Augen. Die Astral-Ebene wäre die schnellste Möglichkeit das Mädchen zu finden, doch die übliche Atemtechnik wollte nicht funktionieren, sein physischer Körper befand sich noch zu sehr in den intensiven emotionalen Erfahrungen. Als er sich gezwungen hatte, sehr plötzlich den roten Knopf in Dem Raum zu drücken, hatte er damit seinen Körper jäh aus diesem Zustand der vollkommenen Glückseligkeit herausgerissen. Er beschloss, seinen Körper wieder in diesen Zustand zurückkehren zu lassen und in seiner natürlichen Geschwindigkeit wieder zu der normalen Schwingung zurückzukehren. Das würde ihm nicht nur helfen, genauer herauszufinden, was dort passiert war, sondern ihm auch helfen, die Schwingungs-Signatur des Mädchens genau zu bestimmen.

Es dauerte gar nicht lange. Alles, was er tun musste, war, sich ihr Bild wieder ins Gedächtnis zu rufen, und der Zustand der Glückseligkeit und des Erfülltseins mit tiefer, unendlich überfließender Liebe war wieder da. Das Mädchen hatte direkt in ihn hinein geschaut, in seine Seele, die Essenz seiner Selbst, seines gesamten ewigen Seins. Etwas, wonach sich beinahe alle Menschen sehnten, aber nur wenigen vergönnt war, es zu erleben, war es, sich vollkommen gesehen und in seinem ganzen Sein akzeptiert zu fühlen, die Erlaubnis zu haben, einfach so da sein zu dürfen, in seiner Ganzheit als menschliches Wesen anerkannt und wahrgenommen zu werden. Die Dringlichkeit, sie zu finden und zu beschützen, übernahm seinen kompletten Geist und all seine Sinne.

Der Moment, als ihre Augen in seine schauten, tauchte wieder auf und blieb und das Bild wurde stärker. Er erlaubte diesem Moment zu sein und sich auszuweiten, aber dieses Mal aus der Perspektive des Beobachters. Sein Gewahrsein erweiterte sich und umspannte die ganze Welt, aber zunächst gab es kein Individuum, dass er hätte fokussieren können, es war mehr als würde er der Quelle allen Seins in die Augen schauen und als würde das gesamte Universum den Blick erwidern.

„Die Rückkehr Gottes“, dachte Francisco laut und lächelte bei dem Gedanken daran, dass der alte Schriftzug sich dabei im Geschlecht geirrt hatte. Es fühlte sich so an, als wäre das Mädchen das gesamte Universum und auf eine Art auch, als wäre sie er selbst, Francisco.

Er zoomte in ihre menschliche Erscheinung und nach ein paar Sekunden fand er, wonach er gesucht hatte. Ihre ganz persönliche Schwingungs-Frequenz. Das Mädchen Cecilia. Nachdem er sich auf ihre persönliche Signatur eingestellt hatte, nahm er sie vollständig in sein Gedächtnis der Schwingungssignaturen auf. Er stellte sicher, dass ihre Signatur sich stabil in seinem Gedächtnis befand und ließ seinen Körper langsam wieder aus dem Zustand der Glückseligkeit herausgleiten.

Er würde sie finden. Ganz egal, wo auf der Welt sie sich befand, er würde sie finden.

Als Francisco seine Augen öffnete, wurde er von Master Lo begrüßt. Francisco versuchte aufzustehen, aber sein Körper reagierte nicht so wie er sollte, sein Kopf und seine Schultern hoben sich kaum vom Kissen ab. Master Lo hob die Hand und bedeutete ihm, sich wieder hinzulegen. Francisco schaute auf die Uhr an seiner Wand und realisierte, dass seit dem Vorfall zehn Stunden vergangen waren. Das erklärte, warum sich sein Körper so schwer und träge anfühlte.

"Kannst du sprechen?", fragte Master Lo ihn.

"Ja. Ich habe gefunden, was ich gesucht habe", antwortete er und dann begann er, sein Erlebnis in allen Einzelheiten zu beschreiben.

"Wie alt ist das Mädchen?"

Geschwind analysierte Francisco die Gesichtszüge und die Kleidung des Mädchens, die fest in ihm verankert waren - "sie ist zwischen 3 und 5 Jahre alt", sagte er.

"Das ist interessant. Wir dachten, diese Mitteilung käme von einer außerirdischen Rasse und dass der Ausdruck Gottes männlich sein würde, und stattdessen haben wir es hier mit einem menschlichen weiblichen Kleinkind zu tun."

Master Lo war der Ordensbruder mit dem höchsten Rang unter ihnen. Sein Alter war unbestimmbar und die jüngeren Brüder scherzten oft darüber, dass er einer der ursprünglichen Gründer des Ordens sei. Etwas, das Master Lo beunruhigenderweise nie leugnete.

Darüber hatte Francisco noch gar nicht nachgedacht. Es ärgerte ihn, dass er dieses Detail übersehen hatte. Aber wenn er es genauer besah, fühlte es sich fast wie ein Zwang an. Er konnte einfach nicht anders in diesem Moment. Sein Körper hatte vor ihrem Bild nicht nur stramm gestanden, er hatte ehrfürchtig gegrüßt.

Master Lo reichte ihm zwei Fotos. Eines zeigte Francisco in dem Moment, in dem sich der Vorfall ereignet hatte. Er stand in einer sehr merkwürdigen Position da. Dann reichte Master Lo ihm ein Foto einer alten vorägyptischen Wandskulptur, auf der zwei Anunnaki zu sehen waren, der eine offensichtlich auf einem Thron, der andere vor dem Thron, in genau der gleichen Position wie Francisco in Dem Raum.

"Francisco, hast du dich jemals gefragt, warum du den Hut tragen kannst und andere nicht?"

"Nun, ja. Das habe ich. Das haben wir alle. Es gibt Theorien..."

„Es ist, weil du aktive Anunnaki Gene in dir trägst“, warf Master Lo ein.

Franciscos Verstand überschlug sich. „Wie bitte?“

"Ja, es gibt so einige Familien auf dem Planeten, die diese Gene in sich tragen, und es gehört zu den Aufgaben unseres Ordens, Aufzeichnungen darüber zu führen und diese genetischen Linien zu überwachen. Gelegentlich taucht die genetische Sequenz der Anunnaki auf. Und wenn das passiert, rekrutieren wir das Kind."

Francisco wurde ganz übel bei diesem Gedanken, ohne dass er eine Ahnung hatte, warum. Es erinnerte ihn an das Gefühl, das ihn überkam, wenn er bei einer Lüge erwischt wurde, das Gefühl, dass eine Information aus ihm herausgeholt wurde, die er gar nicht bereit war zu geben.

„Nun ja, dieses Kind ist jedenfalls ganz offensichtlich ebenfalls ein Anunnaki und ihre genetische Linie ist sehr wahrscheinlich deiner übergeordnet. Sie trägt keines unserer Tempelgewänder, das für ihr Alter passend wäre, also ist sie nicht in unserem System. Es muss sich um eine versteckte Abstammung handeln. Oder um einen Hybriden."

Die neuen Informationen wirbelten in Franciscos Kopf umher und es fühlte sich an, als würde sich ein ganz neuer Aspekt der Realität auftun, der erst in das, was ihm bisher bekannt war und als real erschien, eingepasst werden musste.

Eine verlorene Abstammung zu verbergen, wäre schwierig, aber nicht unmöglich. Er selbst hatte bis zum Alter von etwa sechs Jahren geschafft, sich dem Blickfeld des Ordens zu entziehen, was sechs Jahre länger war als bei den meisten anderen Kindern, die für Den Raum rekrutiert worden waren. Andererseits bedeutete die Möglichkeit, dass das Mädchen ein Hybrid war, dass jemand oder eine Spezies, die sich bereits auf dem Planeten befand, sie erschaffen hatte, und das beunruhigte ihn mehr, als er zugeben mochte.

Master Lo beobachtete ihn mit dem analytischen Blick eines sehr guten Beobachters, mit einem Blick, der jedes Zucken, jede Augenbewegung, jede Erweiterung seiner Pupillen, jeden Muskel in seinem Körper und selbst die kleinste Schweißperle registrierte.

Francisco versuchte verzweifelt seine Gedanken und Schlussfolgerungen vor Master Lo zu verbergen und fühlte sich dabei gleichzeitig wie ein Verräter.

„Du scheinst in deinem Inneren mit irgendetwas zu kämpfen.“, sagte Master Lo.

„Ja, es fühlt sich an, als würde sich in meinem Inneren eine Mauer bilden. Und auch, dass ich gerne etwas vor Euch verbergen möchte. Und auch als müsste ich mich vor Euch verteidigen. Sagt mir, Master Lo, hatte ich Zugang zu allen Informationen über die Anunnaki, die der Orden besitzt?“

„Nein. Aber ich denke es ist an der Zeit, dass du darüber lernst. Ich werde dir Zugang zu der Kammer verschaffen, in der sich alles befindet, was wir jemals über diese Spezies zusammengetragen haben. Dort befindet sich auch einiges an Material über andere Spezies, die von weiteren Ordensbrüdern untersucht und beobachtet wurden.“

„Warum sind in Eurem Orden nur Jungs? Warum sind dort keine Mädchen?“ Die Worte kamen aus Franciscos Mund.

Master Lo erhob sich sehr schnell und war innerhalb des Bruchteils einer Sekunde am anderen Ende des Raumes und drückte den Alarmknopf, noch bevor Francisco überhaupt eine Chance hatte zu hören, was da aus seinem Mund kam. „Wer bist du?“ fragte Master Lo Francisco.

„Es ist keine Besetzung, Master Lo.“, sagte Francisco, nachdem er seinen Körper gescannt hatte, „Es ist etwas anderes“.

Master Los Stimme veränderte sich, er sprach nun im Kommando-Ton.

„Enthülle mir wer du bist!“

Francisco bemerkte wie er eine Millisekunde lang doppelt sah, dann verließ etwas sein persönliches Energiefeld. Er hatte es zuvor nicht bemerkt, erst jetzt, da es verschwunden war, wusste er, dass es da gewesen war. Keine Besetzung, sondern eine Art Quantum Reise, wo jemand in den Körper eines anderen mit einsteigt und die Welt mit den Augen und dem Bewusstsein desjenigen sieht, um andere Orte in Zeit und Raum zu erkunden.

Master Lo fiel gegen die Wand und seine Gesichtszüge entglitten ihm, dann fiel er ohnmächtig zu Boden.

„Oh, Verzeihung,“ hörte Francisco dieselbe Kinderstimme sagen, diesmal in seinem Geist. „Er ist zu flauschig, ich glaube er ist kaputt gegangen.“

„Cecilia?“

"Ja?"

"Kannst du ihn reparieren?"

Stille.

"Ja."

Master Lo regte sich. Dann öffnete er die Augen.

"Bekomme ich jetzt Ärger?"

"Ich denke schon. Mach das nicht noch einmal, okay?"

"Okay."

"Wie alt bist du, Cecilia?"

Die Antwort kam in Form eines Bildes, auf dem drei kleine, pummelige Finger zu sehen waren.

"Wo wohnst du?"

"Bei Mama und Papa. Aber sie sind nicht meine richtige Mama und mein richtiger Papa."

Master Lo schaffte es, sich aufzurichten und setzte sich auf einen der Meditationsstühle im Raum.

"In welchem Land lebst du?"

Es gab eine lange Pause.

"Was ist ein Land?"

Es kam ihm so seltsam vor, dass ein dreijähriges Mädchen über einen so großen Wortschatz verfügte und offensichtlich auch enorme analytische Fähigkeiten besaß, aber gleichzeitig sehr wenig wusste.

"Was kannst du mir über die Anunnaki erzählen?"

"Was ist das?"

"Sag mir, was du dort, wo du gerade bist, sehen kannst."

"Ich sehe meinen Bruder schlafen."

"Ist es Nacht?"

"Ja."

Das schloss einen großen Teil des Planeten aus. Wenn er nur mehr Daten herausfinden könnte, wäre die Suche nach ihrem Aufenthaltsort sehr einfach.

"Weißt du, wie spät es ist?"

"Es ist das Ende."

"Das Ende wovon?"

"Ich weiß es nicht. Aber es ist nicht schön. Es gefällt mir hier nicht. Kann ich jetzt bitte nach Hause gehen?"

"Wo ist zuhause?" Er sah in den Nachthimmel, die Sterne leuchteten hell über ihm. Er machte im Geiste ein Foto davon und nahm sich vor, die Konstellationen mit der jetzigen Zeit zu vergleichen, um einen genauen Standort für sie zu berechnen. "Siehst du diese Sterne jetzt gerade?"

"Ja. Geht es Flauschi gut?"

"Ja?"

"Ist er ein Häschen? Ich mag Häschen."

"Nein. Er ist ein Mann. Weißt du, warum er kaputt gegangen ist?"

"Er ist zu flauschig. Du bist nicht zu flauschig."

Francisco dachte an den Hut und wie er jeden töten würde, der nicht seine Gene hatte.

"Das ist meiner. Das ist mein Hut."

Francisco war verblüfft, natürlich konnte das Mädchen ihn auch sehen und hören. Und offenbar auf eine direktere Art, als er sie hören oder sehen konnte. Er fragte sich, wie sie das machte.

"Viele Körper, ein Geist", sagte sie.

Er hatte das schon einmal gehört, es war ein buddhistisches Konzept der Einheit von Absicht und Gedanken unter vielen verschiedenen und einzigartigen Individuen.

Master Lo legte den Finger an seine Lippen. Das gesamte Gebäude wurde vollkommen still.

"Flauschi will, dass wir jetzt leise sind." Sagte die kleine Stimme.

"Ja, ich muss leise sein, aber du kannst weiterreden, wenn du willst”, sagte er im Geiste.

"Wer sind diese Leute?"

"Welche Leute?"

"Sie schauen dich an. Sie sind wie wir."

Francisco sah vor seinem inneren Auge die Gesichter seiner Ordensbrüder, die auch, wie er, Den Raum betreuten.

Die anderen Ordensbrüder, dachte er.

"Warum hast du nur Brüder? Ich habe einen Bruder. Aber ich habe auch eine Schwester."

"Ich habe auch Schwestern, aber sie leben woanders und kommen hierher, wenn sie an der Reihe sind."

"Wie kommt es, dass sie nicht immer zu Hause sind? Mein Bruder und meine Schwester leben die ganze Zeit bei mir."

"Das hier ist ein Arbeitsplatz, kein Zuhause. Und wir wechseln uns ab, weil wir sonst müde werden würden." Er dachte daran, wie in früheren Jahrhunderten Männer und Frauen zusammen arbeiteten, was aber zu vielen komplizierten und unnötigen Beziehungen führte.

Wenn Francisco mehr persönliche Informationen von ihr bekäme, würde das seine Suche um einiges erleichtern.

"Wie heißen dein Bruder und deine Schwester?", fragte er sie.

"Maria und Roberto. Ich bin jetzt müde. Kann ich bei dir schlafen? Mein Bruder und meine Schwester haben mich aus ihrem Bett geschubst und Mamas und Papas Zimmer ist abgeschlossen. Es ist nicht nett, sein Zimmer abzuschließen."

"Ja, du kannst bleiben und hier schlafen, wenn du willst."

Franciscos Geist wurde still, er schloss die Augen und scannte sein gesamtes Energie- und Bewusstseinsfeld.

Da war nichts. Sie war weg.

Er hatte bemerkt, dass ihre Energiesignatur stärker und das Licht der Schöpferquelle darin schwächer wurde, wenn sie ganz normale, einfache Fragen stellte.

"Sie ist weg", sagte er laut.

"Wir werden zur Forschungseinrichtung in den Anden reisen, wo wir die Situation genauer untersuchen können." Francisco spürte ganz deutlich die starken Emotionen durch Master Los Worte hindurch. Es war das erste Mal, dass Francisco so etwas in Master Lo wahrnahm. Es war Angst.

 

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Drittes Kapitel

 

Shylar, die Rumni-Frau, spuckte und zischte. Sie hatte auf ihrem Recht bestanden bei den Untersuchungen anwesend zu sein und musste am zweiten Tag bei dem, was sich zu einer langwierigen Datenerfassung und Faktenanalyse auszuweiten schien, gefesselt und fixiert werden.

„Ich möchte mit Shylar allein sprechen, wenn der Ausschuss zustimmt, und zwar informell.“

Anin gab seinen Worten ganz bewusst die Macht, sowohl emotional als auch mental auf alle anwesenden Individuen Einfluss zu nehmen, und gab damit sozusagen ein Kommando. Seine Position gab ihm das Recht, das zu tun, allerdings nur in Notsituationen. Da sich in diesem Moment allerdings kein Leben in direkter Gefahr befand, könnte es durchaus sein, dass sein Handeln als illegal bezeichnet werden würde. Alle Maßnahmen, die wegen einer illegalen Handlung gegen ihn ergriffen würden, erschienen ihm in diesem Moment jedoch vollkommen unwichtig. Und das, den Gedanken, wegen einer solchen Aktion gemaßregelt zu werden nicht wichtig zu finden, schockierte ihn.

Shylar beruhigte sich und starrte ihn an. Ihr Verhalten und ihre Körpersprache änderten sich dramatisch zu einem Ausdruck von intensivem Interesse.

Der Ausschuss beriet sich einige Sekunden lang.

"Abgelehnt."

Exin, der Sicherheitschef der Anunnaki und ein enger Freund von Anin, rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Natürlich war die Rolle des Sicherheitschefs mehr als nur Sicherheit, seine Abstammungslinie hatte einen starken diplomatischen Hintergrund, der genetisch eingeprägt war. Anin und Exin kannten sich seit ihrer Kindheit, und seine Reaktion beruhte eindeutig auf dem untypischen Verhalten, das Anin gerade an den Tag gelegt hatte.

Anin hatte seinem Volk gegenüber die wahre Art seiner Begegnung mit dem Menschenkind bisher nicht offenbart und fragte sich, ob er die Karte mit der psychischen Unzurechnungsfähigkeit überhaupt noch zu seiner Rettung einsetzen konnte. Sein Verhalten war definitiv seltsam, sogar für ihn selbst.

Nachdem die Untersuchungen des Tages abgeschlossen waren, zog sich Anin in sein Quartier zurück. Da der künstliche Satellit größtenteils unbewohnt war, hatte er für sich einen abgelegenen Ort gewählt, der in seinem üblichen Heimatraumschiff mehrere Dutzend hochrangige Personen beherbergen könnte.