Die Sache mit ... - Junis Caruso - E-Book

Die Sache mit ... E-Book

Junis Caruso

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Beschreibung

Dieses Buch ist eine Sache für sich. Philosophie und purer Pragmatismus in unterhaltsamer Harmonie. Die Sache mit ... ist ein komplexes Gedankenkonstrukt, das durch seine lebendige Sprache und inhaltliche Tiefe besticht. Gut verständlich nimmt es die Leser/-innen mit auf eine lehrreiche Reise zu sich selbst und den großen Fragen des Lebens. Ein Buch mit Charakter, das sich anfühlt wie ein guter, humorvoller Freund. Selten wurde Philosophie (Liebe zur Weisheit) so nachvollziehbar und modern zu Papier gebracht wie hier.

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EPUB

Seitenzahl: 149

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Vorwort

Einleitung

Die Sache mit den Büchern …

Teil 1 – Ursache und Wirkung

Die Sache mit den Gewohnheiten …

Die Sache mit der Selbstfindung …

Die Sache mit dem Erfolg …

Die Sache mit der Disziplin …

Die Sache mit der Authentizität …

Teil 2 – Sinn und Perspektiven

Die Sache mit der Philosophie …

Die Sache mit der Achtsamkeit …

Die Sache mit dem Ego …

Die Sache mit dem Loslassen …

Die Sache mit dem Sinn des Lebens …

Danksagung

»Meinst du, du könntest den Sonnenschein von der grünen Farbe der Blätter trennen? Ebenso wenig kannst du das beobachtende Selbst trennen von dem beobachteten Selbst.«

– Thich Nhat Hanh

Vorwort

Die Sache mit … begann als etwas ganz Kleines. Nichts weiter als ein unzusammenhängendes Gewirr aus Gedanken, das in meinem Kopf ein Zuhause fand. Anfangs so unscheinbar und schwach, dass es im Schatten meiner Gewohnheiten nur selten den Weg vom Unterbewusstsein bis in meinen Verstand fand.

Lange Zeit blieb es dort und wartete geduldig darauf, eine eigene Stimme zu bekommen. Die Sache wurde größer, genährt durch philosophische Texte, Bücher und Lebenserfahrungen. Immer mehr Gedanken und schlussendlich auch Gefühle, vernetzten sich strukturlos miteinander. Es wuchs und breitete sich in mir aus wie ein Parasit. Es begann Autorität über mein Denken einzufordern. Es eroberte meinen Verstand. Es wurde sich selbst bewusst.

Immer noch chaotisch und ungeordnet, doch mit der festen Absicht sich in der Welt zu manifestieren, machte es sich schlussendlich auch meinen Körper gefügig. Der Wunsch sich selbst zu verstehen und das eigene Chaos zu ordnen, führte zu mehr und mehr Selbstreflexion. Im Laufe des letzten Jahrzehnts strukturierte es sich, fand Konstanten und Querverbindungen in sich selbst, bis ein System daraus hervorging, das nun seinen Wirt verlassen will. Eine Philosophie, die reifte und nun den dringenden Wunsch verspürt, sich zu offenbaren.

Die Sache mit … ist ihr erster Schritt, hinaus aus der Sicherheit der eigenen Kinderstube, hinein in die Welt. Sie will an den Gedanken anderer wachsen und ihre sichere Komfortzone im Oberstübchen verlassen. Anfang 2019 begann ich damit meine Ideen für dieses Buch in Worte zu fassen. Es gab Monate, in denen das Manuskript unberührt blieb, doch das Gedankenkonstrukt in meinem Kopf lies mich nicht los. Es wollte aus mir hinaus und endlich auf dem Papier zur Ruhe kommen. Ich konnte nicht mehr aufhören zu schreiben, das Buch ließ mich nicht. Erst als es mit dem Ergebnis zufrieden war, erlaubte es mir, die Sache zu beenden.

Manche Bücher werden geschrieben, andere lassen sich schreiben.

Anmerkung des Autos

Bei der finalen Überarbeitung des Manuskripts habe ich lange überlegt, ob und wie ich den Text gendern werde. Aus Respekt vor Personen jeglichen Geschlechts und um die Wichtigkeit von gleichberechtigten Geschlechteridentitäten zu unterstreichen, will ich mit diesem Absatz darauf hinweisen, dass ich mich lediglich aus Gründen der Lesbarkeit dazu entschlossen habe, primär die männliche Anrede für die sprachliche Gestaltung meines Manuskripts zu verwenden. Ich bitte um Verständnis und entschuldige mich bei jeder Leserin und jedem Leser, der diese Herangehensweise zu Recht kritisiert. Ich hoffe, dass du trotzdem Freude an der Gestaltung und allen voran am Inhalt dieses Buchs haben wirst!

Einleitung

Die Sache mit den Büchern …

Wie sähe die Welt aus ohne Shakespeare und Goethe, ohne Hamlet und Faust? Wie hätte sich unser Leben entfaltet ohne Die Entstehung der Arten? Hätte die Geschichte durch das Fehlen von Mein Kampf einen anderen Verlauf genommen? Flüche und Heilzauber. Todesser und Auroren. In jedem Schriftsteller steckt ein bisschen von beidem. Nicht Harry Potter, sondern Joanne K. Rowling, hat Magie in unsere Welt gebracht. Nicht Sauron oder Frodo gebieten über den einen Ring. Nur Tolkien konnte dessen Macht beherrschen und sie nutzen, um Mittelerde zu unterwerfen.

Jeder wurde schon einmal zum Opfer solcher Magie. Zum Gastgeber einer Idee, bereitwillig versklavt in ihrem Auftrag Welten zu erschaffen. Egal ob für ein Publikum oder für dich selbst. Sobald du schreibst hast du Anteil an dieser Macht. Ein Buch ist ein Zauberspruch. Jeder Text mit seiner eigenen Identität. Er bleibt sich selbst treu und ist dennoch wandelbar in dem was er sagt. Einmal in die Welt gekommen, überlebt er seinen Schöpfer. Die Zeit altert um ihn herum, entdeckt ihn, vergisst ihn doch sein Zauber erlischt nie. Legen sich Augen auf die Seiten, findet die Magie wieder einen Weg.

Teil 1

Ursache und Wirkung

Die Sache mit den Gewohnheiten …

Je länger und öfter wir etwas tun, desto leichter geht es uns von der Hand. Immer wiederkehrende Gedanken und Verhaltensmuster werden nicht nur zu einem Teil unserer Persönlichkeit. Sie sind unsere Persönlichkeit! Steter Tropfen höhlt den Stein. Egal ob der Stein will, oder nicht. Unsere Art zu denken, zu handeln, wie wir uns bewegen und der Welt mitteilen, ist also vor allem eins: Übungssache.

Was mit einer einzelnen bewussten Handlung beginnt, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem sich selbst verstärkenden Automatismus. Zunehmend losgelöst von willentlichen Einflüssen, gleicht unser Charakter einer gut geölten Maschine. Ihr mächtiges Eigenleben arbeitet nahezu unbemerkt und äußerst effektiv die Routineaufgaben des Alltags ab. Im Energiesparmodus unseres Verstands gleiten wir durchs Leben. Dank dieser unterbewussten Programmierung sind wir in der Lage, um 02:00 Uhr nachts, gedankenversunken, mit 120 km/h über die Landstraße zu brettern. Wir nehmen weder den Weg, noch die nächste Kurve oder die nahezu mechanischen Bewegungen unserer Beine wahr. Die Strecke steckt in uns, sodass sich der Weg von selbst findet. Rituale und wiederkehrende Verhaltensmuster sorgen dafür, dass uns das Bekannte und Vertraute in Fleisch und Blut übergeht. Unser Charakter ist die Summe unserer Gewohnheiten. Egal ob unser Verstand will, oder nicht.

Die Sache mit den Gewohnheiten ist folgende …

Sie machen uns das Leben einfach! Gewohnheiten sind nicht nur praktisch, ohne sie wären wir sogar ziemlich aufgeschmissen. Geradezu lebensunfähig! Müssten wir alle Abläufe des Alltags aktiv, mit unserem Verstand analysieren, verarbeiten, bewerten und anschließend bewusst eine darauf passende Reaktion finden, wären wir komplett überfordert. Der Großteil unseres Verhaltens funktioniert wie eine im Unterbewusstsein angelegte Wenn-Dann-Funktion. Mit Hilfe unserer Sinnesorgane nehmen wir Umwelteinflüsse auf und reagieren, meistens ohne nachzudenken, mit einer eingespeicherten Antwort darauf. Das bedeutet konkret: Die meiste Zeit des Tages sind wir per Autopilot unterwegs. Über 90% des menschlichen Verhaltens geschieht nicht willentlich, sondern ist eine auf Erfahrungen gestützte unwillkürliche Reaktion. Teilweise so banal und selbstverständlich, dass wir, ab einem gewissen Grad der Routine, nie wieder einen bewussten Gedanken an manche Gewohnheiten verschwenden.

Wenn: Zähne putzen Dann: Wasser auf Bürste

Wenn: Wasser auf Bürste Dann: Zahnpasta auf Bürste

Die Liste an persönlichen Wenn-Dann-Funktionen ist schier endlos. Jeder Mensch hat sein eigenes Repertoire an solchen Automatismen, deren Ursprung sich kaum noch zurückverfolgen lässt. Manch einer macht erst die Bürste nass, bevor er die Zahnpasta aufträgt. Ein Anderer fühlt sich beim bloßen Gedanken an diese Reihenfolge schon unwohl und macht es deshalb genau anders herum. »Warum? Hab ich schon immer so gemacht!«

Viele Gewohnheiten hat uns Mutter Natur auch höchstpersönlich in die Wiege gelegt. Wenn beispielsweise ein lautes Geräusch hinter uns ertönt, reagieren wir sofort! Umdrehen, die Knie beugen, den Kopf leicht einziehen. In Deckung gehen und die körpereigene Angriffsfläche verringern! Solche instinktiven Verhaltensmuster stecken tief in uns und funktionieren heute noch genauso wie vor dreitausend Jahren. An dieser Steinzeit-Programmierung kann nur die Evolution langfristig etwas verändern. Und das braucht Zeit, sehr viel Zeit. Wir können zwar lernen gegen Instinkte anzukämpfen, aber es ist und bleibt ein Kampf gegen uns selbst. An dieser Grundausstattung der Gewohnheiten zu rütteln, ist jedoch in den seltensten Fällen notwendig. Viel entscheidender für ein glückliches Leben sind die Reaktionen und Automatismen, die wir uns selbst antrainiert haben. Unser Lebensstil basiert auf all den Handgriffen und Gedanken, die sich Tag für Tag wiederholen, bis unsere Wenn-Dann-Funktionen so etabliert sind, dass sie den Kurs unseres Lebens stärker beeinflussen, als es uns manchmal lieb ist. Rituale und Verhaltensmuster gelegentlich zu hinterfragen ist essentiell, um sicherzustellen, dass unser Verhalten auch den eigenen Absichten gerecht wird. Unser Autopilot sollte regelmäßig auf notwendige Updates überprüft werden, sonst fährt er uns früher oder später gegen eine Wand! Verwundert stehen wir dann vor den Trümmern unseres Lebens und fragen uns: »Wie konnte das denn passieren?«

Auch sinnlose Handlungen, die uns teilweise mehr schaden als nützen, reifen im Laufe der Zeit zu Gewohnheiten heran. Im günstigsten Fall sind es nur liebenswerte Macken, im schlimmsten Fall Süchte oder zwanghafte Ticks, die uns langsam zu Grunde richten. Doch egal ob konstruktiv oder destruktiv, unsere Gewohnheiten fühlen sich irgendwann so einfach und richtig an, dass der Gedanke, die vertrauten Pfade wieder zu verlassen, äußerst fremdartig daherkommt. Wir werden regelrecht blind für andere Möglichkeiten und Ideen. Warum auch irgendetwas ändern? Funktioniert doch alles wunderbar und erfüllt seinen Zweck! Gewohnheiten sind nicht umsonst die Dauerbrenner unter unseren Verhaltensmustern. Lieber nicht hinterfragen, was da im Fahrwasser unseres Unterbewusstseins passiert, sondern Scheuklappen auf und betriebslind mit Vollgas durchs eigene Leben heizen. Klingt etwas überspitzt, doch dieser Vergleich trifft auf jeden von uns zu, ob wir wollen oder nicht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und das ist in der Regel auch gut so. Die meisten unserer Gewohnheiten sind wertvolle, manchmal sogar hart erarbeitete Errungenschaften, die uns das Leben deutlich einfacher machen. Angefangen vom Schnürsenkel zubinden, übers Haustüre zusperren, bis hin zu filigranen Handgriffen, die wir im Berufsleben brauchen. Manche Gewohnheiten haben sich sogar so sehr verselbstständigt, dass sie nur noch im Blindflug richtig funktionieren.

Das Anfahren bereitet Fahranfängern im PKW enorme Schwierigkeiten. Mit zunehmender Erfahrung wird aus der anfangs komplexen Beinarbeit, ein Ablauf von Gefühlen. Die Druckpunkte von Gas und Kupplung werden fließend erspürt, ohne das Bewusstsein konzentriert miteinzubeziehen. Eine gefühlte Wenn-Dann-Funktion, die am besten funktioniert, wenn der Verstand sich zurückhält. Bei zu viel Nachdenken wird das Anfahren auch Mal zum nervösen Krampfanfall. In der Absicht alles richtig machen zu wollen, schalten wir den gut funktionierenden Automatismus unwissentlich aus. Wir fangen an über etwas nachzudenken, was schon seit Jahren ohne Nachdenken funktioniert. Die Wenn-Dann Funktion endet in einem ERROR. Ganz nach dem Motto: »Heute muss alles perfekt laufen, also übernimmt der Chef das Kommando!« Doch wie im echten Leben auch, ist der Chef manchmal derjenige, der von Tuten und Blasen am wenigsten Ahnung hat. Kein Wunder also, dass wir immer dann am besten sind, wenn wir Aufgaben und Herausforderungen entspannt gegenübertreten und aufhören, durch zu viel Nachdenken unsere eigenen Fähigkeiten auszuhebeln.

Vor allem, wenn Selbstzweifel und Nervosität ins Spiel kommen, verliert man die Verbindung zu sich selbst. Einfachste Tätigkeiten sind plötzlich um ein Vielfaches anstrengender und die Ergebnisse oft um ein Vielfaches schlechter. Beispiele finden sich in jedem Lebensbereich. Egal ob beim Bezahlen an der Supermarktkasse, wenn man vor lauter Zeitdruck die eigene PIN-Nummer plötzlich vergisst, oder beim Bewerbungsgespräch, wenn Wortfindung und Satzbau zur Herkules-Aufgabe werden. Wir verlieren den Zugriff auf unsere gewohnten Muster und damit auch unsere Authentizität. Blackout! Wer zu viel nachdenkt, verliert! Der gut gemeinte Ratschlag »Sei einfach du selbst!«, bedeutet präziser formuliert nichts anderes als »Folge deinen Gewohnheiten!«

Egal ob positiv oder negativ, gewinnbringend oder selbstzerstörerisch, Gewohnheiten geben uns ein wohliges und beruhigendes Gefühl der Sicherheit. Unserer Komfortzone ist nichts anderes als die Summe unserer liebsten Gewohnheiten. Doch diese Wohlfühlzone beherbergt gleichzeitig eine große Gefahr. Egal was im Rahmen unserer Komfortzone geschieht, für uns selbst fühlt es sich gut an, auch wenn es uns eigentlich schadet. Man findet heutzutage keinen Raucher mehr, der allen Ernstes behauptet, nicht zu wissen das Zigaretten ungesund sind. Trotzdem bekommt er jedes Mal wieder dieses schöne, entspannende Gefühl, wenn der Rauch durch die Lunge strömt. »Giftig, na klar. Aber was muss das muss!« Beim Zigarettenkonsum besteht die Gewohnheit sogar aus zwei Teilen. Sowohl Körper, wie auch Geist, Physiologie und Psychologie, sind von der Sucht betroffen. Gerade die körperliche Komponente zeigt eindrucksvoll, wie erschreckend machtvoll Gewohnheiten sein können. Ein langjähriger Raucher hat es geschafft, seinen Organismus so umzuprogrammieren, dass er ein Gift (Nikotin) benötigt, um sich gut zu fühlen. Ohne die biochemische Reaktion, die das Nikotin im Gehirn eines Rauchers auslöst, bleibt die Tür zur Komfortzone geschlossen. Man muss sich dieses Dilemma einmal auf der Zunge zergehen lassen, oder langsam inhalieren, um im Bild zu bleiben. Nikotin ist ein hochschädliches Zellgift. Die Macht der Gewohnheit ist dennoch so enorm, dass wir den eigenen Körper erfolgreich manipulieren können, genau danach zu ächzen. Routinierte Selbstzerstörung fühlt sich einfach gut an! Andere Gewohnheiten sind eher mentaler Natur, das Prinzip bleibt aber das Gleiche. Erst nach Erfüllung bestimmter Wenn-Dann-Funktionen, wird uns der Zutritt zur Komfortzone gewährt. Je mehr desto besser! Wie mit Hilfe einer internen Check-Liste der liebsten Gewohnheiten, tauchen wir mit jedem gesetzten Haken tiefer in unseren Wohlfühlbereich ein. Wenn … eintritt, dann Glückshormone! Was davon Körper und Geist wirklich gut tut, ist eine andere Frage. Gut bedeutet erst einmal nur: Erwartung erfüllt. Das Thema Rauchen beweist diese Tatsache mühelos. Aber auch Gefühle lassen sich nicht pauschalisieren und werden subjektiv unterschiedlich erlebt. Manch einer liebt es sich melancholischen Filmen und Liedern hinzugeben und genießt die bittere Süße dieser Emotion. Bei anderen Menschen führt Melancholie hingegen zu nichts anderem als tiefer Traurigkeit. Das Wenn in unserer Glücks-Gleichung, kann also nahezu jede Gestalt annehmen und funktioniert nicht gleichermaßen für Alle.

Die Kunst des Glücks liegt in der bewussten Gestaltung unserer persönlichen Funktionen. Haben wir sehr hohe Ansprüche an unsere Leistungen, andere Menschen und das Leben im Allgemeinen, so lassen sich unsere Glücks-Gleichungen nur unter hohem Aufwand und selten parallel oder gleichzeitig erfüllen. Vereinfacht gesagt bedeutet das, wir sind schwer zufrieden zu stellen. Arbeiten wir hingegen bewusst daran, viele, einfache Wenn-Dann-Funktionen zu internalisieren, so gönnen wir uns dadurch regelmäßige Erfolgsmomente und gestalten uns den Alltag deutlich angenehmer. Was unter dem Begriff »Anspruchslosigkeit« für viele Menschen mit einem negativen Unterton daher kommt, ist bei bewusster Entscheidung viel eher ein nachhaltiger und cleverer Umgang mit der eigenen Lebensqualität.

Ein weiterer Weg zum Glück ist die in vielen Religionen und Philosophien angepriesene Tugend der Bescheidenheit. Anstelle von zahlreichen einfachen Funktionen, verzichtet man auf so viel Wenn-Dann wie möglich. Man knüpft das eigene Wohlergehen dadurch an weniger Bedingungen und wird sensibler für die kleinen Freuden des Lebens. Das aktive Befriedigen von Gelüsten und scheinbaren Bedürfnissen rückt in den Hintergrund, da es ganz einfach nicht mehr so viel zu befriedigen gibt. Stattdessen erfreut man sich an dem, was bereits da ist und den Dingen, die von alleine ihren Weg ins eigene Leben finden. Im Laufe der Zeit erkennt man zunehmend, wie wenig tatsächlich notwendig ist, um Zufriedenheit zu finden. Sie entsteht fast von alleine, weil man es zur Gewohnheit gemacht hat mit wenig zufrieden zu sein. Wenn kein Wenn, dann glücklich!

Doch bevor wir es schaffen unseren Autopiloten so in den Dienst des eigenen Glücks zu stellen, müssen wir erst einmal alten, toxischen Gewohnheiten den Stecker ziehen! Haben wir verstanden, wie und auf welche Arten bestimmte Verhaltensmuster mit unserem Verstand spielen, gelingt es uns auch rechtzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten. Stoffe, wie Nikotin und Alkohol, die eine chemische Wirkung besitzen und unseren Organismus so auch abseits jeglicher Gewohnheiten beeinflussen, sind besonders gefährlich. Zu ihrer psychoaktiven Wirkung gesellt sich die mentale Macht der Gewohnheit, also die Zugangsbeschränkung unserer Komfortzone, die erst dann aufgehoben wird, wenn unsere Raucher- bzw. Trinker-Funktion befriedigt wurde. In diesem Zusammenhang spricht man beim Drogen-Konsum deshalb von einer körperlichen und mentalen Abhängigkeit. Dementsprechend muss man von zwei Seiten angreifen um das Verhalten erfolgreich zu verändern. Beim Rauchen können Nikotin-Pflaster dabei helfen die körperliche Sucht zu reduzieren und / oder E-Zigaretten, die aufgrund der sehr ähnlichen Handhabung im Vergleich mit normalen Zigaretten, dabei helfen können die mentale Gewohnheit zu befriedigen. Im Kapitel über die Sache mit Loslassen, greifen das stückweise Aufgeben und Ersetzen alter Verhaltensmuster noch einmal auf. Doch auch wenn körperliche Abhängigkeit keine Rolle spielt, also kein Stoff o.ä. vorhanden ist, den wir unserem Körper von außen zuführen, endet trotzdem jede Gewohnheit mit einer stofflichen Reaktion im Gehirn. Ob wir uns gut fühlen oder nicht, ist reine Biochemie. Bereits ein einzelner Gedanke kann ausreichen um die notwendigen Zahnräder in Gang zu setzen. Wiederholt sich eine Tätigkeit oder ein Gedankengang regelmäßig (Aktion), verknüpfen sich die daran beteiligten Nervenzellen stärker miteinander und et voilà, eine neue Gewohnheit (gelernte Reaktion) wächst und gedeiht.

Leidvolle Erfahrungen oder Traumata, die Turbos unter den Wenn-Dann-Funktionen, gehören zu den besonders gut vernetzten Leitungsbahnen. In kürzester Zeit rufen sie Stresshormone auf den Plan! Der Trigger, also das Wenn, kann hochindividuell und unfassbar banal sein. Doch seine Wirkung ist verehrend! Angstzustände und Panik breiten sich aus und führen nicht selten zu einem Vermeidungsverhalten. Man versucht um jeden Preis dem Auslöser aus dem Weg zu gehen, koste es was es wolle. Arbeitet man nicht bewusst an der Auflösung solcher Kettenreaktionen, wird das Vermeiden zur Gewohnheit. Wir spendieren dem Trigger des Problems damit einen selbstgemachten Schutzschild und machen die Rückkehr zur Normalität noch schwerer. Der Versuch, sich selbst zu schützen, bewirkt letzten Endes das genaue Gegenteil. Wird ein solcher Teufelskreis zum festen Bestandteil unseres Lebens, haben wir die Macht der Gewohnheit in ihrer schlimmsten Form kennengelernt. Ein selbstzerstörerischer Ohrwurm, den man einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Alles ausgelöst durch einen einzelnen Gedanken.