Die Sandelholzstrafe - Mo Yan - E-Book
Beschreibung

In seinem großen historischen Epos inszeniert Mo Yan eine farbenprächtige Pekingoper aus der deutschen Kolonialgeschichte seines Heimatlands. Vor der Kulisse einer untergehenden Epoche treten fünf Figuren auf die Bühne der Geschichte und kämpfen für das, was sie bewahren wollen, und für die, die sie lieben. Viel Neues geschieht im China des Jahres 1899: Von überall her drängen fremde Menschen in das zuvor verschlossene Reich. Sie bringen etwa die Eisenbahn, die bei der Provinzstadt Gaomi über die Gräber der Ahnen verlaufen soll. Vieles geht aber auch zu Ende in diesen letzten Tagen des Jahrhunderts: Das Kaiserreich liegt in Agonie, ebenso wie Sun Bing, der Opernsänger und Anführer des Aufstands gegen die Trasse und deren Erbauer. Um seinen Ungehorsam zu ahnden, bündelt die Staatsmacht all ihre Kräfte und verordnet ein letztes Mal Die Sandelholzstrafe, die grausamste und zugleich kunstvollste der überkommenen Foltermethoden. Leib und Leben nicht allein des Opfers, sondern auch seiner Tochter, ihres Ehemanns, ja selbst des Henkers und des Richters stehen mit diesem Urteilsspruch auf dem Richtplatz der Geschichte. In einem der bedeutendsten chinesischen Romane der jüngsten Zeit spielt Mo Yan virtuos das Spiel der Masken, Perspektiven und Kontraste. Gewalt und Poesie, Empathie und schwarzer Humor, Derbheit und Feinsinn, die Fülle des westlichen Romans und die Eleganz der chinesischen Oper gehen in seiner bilderreichen und suggestiven Sprache Hand in Hand.

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MOBI

Seitenzahl:921


Viel Neues geschieht im China des Jahres 1899: Von überall her drängen fremde Menschen in das zuvor verschlossene Reich. Sie bringen etwa die Eisenbahn, die bei der Provinzstadt Gaomi über die Gräber der Ahnen verlaufen soll. Vieles geht aber auch zu Ende in diesen letzten Tagen des Jahrhunderts: Das Kaiserreich liegt in Agonie, ebenso wie Sun Bing, der Opernsänger und Anführer des Aufstands gegen die Trasse und deren Erbauer. Um seinen Ungehorsam zu ahnden, bündelt die Staatsmacht all ihre Kräfte und verordnet ein letztes Mal die Sandelholzstrafe, die grausamste und zugleich kunstvollste der überkommenen Foltermethoden. Leib und Leben nicht allein des Opfers, sondern auch seiner Tochter, ihres Ehemanns, ja selbst des Henkers und des Richters stehen mit diesem Urteilsspruch auf dem Richtplatz der Geschichte. In einem der bedeutendsten chinesischen Romane der jüngsten Zeit spielt Mo Yan virtuos das Spiel der Masken, Perspektiven und Kontraste. Gewalt und Poesie, Empathie und schwarzer Humor, Derbheit und Feinsinn, die Fülle des westlichen Romans und die Eleganz der chinesischen Oper gehen in seiner bilderreichen und suggestiven Sprache Hand in Hand.

Mo Yan

Die Sandelholzstrafe

Roman

Originaltitel: Tanxiang xing, erschienen 2001 im Verlag

The Writers' Publishing House, Beijing

© 2001 Mo Yan

Der Verlag dankt dem Übersetzungsfonds

des Amtes für Presse und Publikationswesen der VR China

für die großzügige Förderung der Übersetzung

eBook Insel Verlag Berlin 2012

© der deutschen Ausgabe

Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig 2009

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das

des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung

durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.

Kein Teil des Werks darf in irgendeiner Form

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ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert

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Umschlag: Hermann Michels und Regina Göllner

Teil I:

Kapitel 1:Meiniangs zügellose Rede

»Glühendrot geht die Sonne auf(Der Osten verbrennt im Feuersturm)Deutsche Soldaten stehen an der Jiaozhou-Bucht(Alle von rotem Haar und grünen Augen),Auf den Getreidefeldern werden Eisenbahnschienen verlegt,Die Gräber unserer Ahnen reißen sie auf(Das kann einen wirklich wütend machen!)Mein Vater führt die Revolte gegen die Deutschen an,Inmitten des fortwährenden Kanonendonners.(Ein ohrenbetäubendes Beben)Wenn die Feinde aufeinandertreffen, ist alles rot,Säbel enthaupten, Äxte spalten, Gabeln spießen auf.Das blutige Gemetzel dauert einen ganzen Tag,Bis man die überall verstreuten Leichen nicht mehr zählen kann.(Wie ängstigt das Eure ergebene Dienerin!)Schließlich wird mein Vater gefangengenommenUnd mein Schwiegervater führt an ihm die Sandelholzstrafe aus.(O Gott, mein armer Vater!)«

Arie »Die große Trauer«aus der Katzenoper Die Sandelholzstrafe

1.

An jenem Morgen hätte mein Schwiegervater Zhao Jia nicht im Traum daran gedacht, daß er innerhalb von sieben Tagen durch meine Hand sterben würde – ein Tod, elender als der eines alten Hundes, der seinem Herrn immer treu diente. Auch mir wäre es nie eingefallen, daß ich, als schwache Frau und selbst voller Entsetzen, mit dem Dolch in der Hand vor meinem eigenen Schwiegervater stehen könnte. Noch weniger hätte ich gedacht, daß mein Schwiegervater, der vor wenigen Monaten aus dem Nichts aufgetaucht war, sich als ein kaltblütiger Henker erweisen würde. Wenn mein Schwiegervater im langen Gewand mit kurzer Beamtenjacke darüber, die Kappe mit der roten Quaste auf dem Kopf und in der Hand die Gebetskette, den Hof auf und ab lief, hätte man ihn für einen Beamten halten können, der seinen Dienst quittiert hatte und in die Heimat zurückgekehrt war, noch eher für einen mit zahlreichen Kindern und Enkelkindern gesegneten freundlichen Großvater. Aber er war weder das eine noch das andere. Er war der Erste Scharfrichter der obersten Kammer des Justizministeriums der Hauptstadt, war das Henkersbeil der großen Qing-Dynastie, Experte im Köpfeabschlagen und in der Anwendung der grausamsten Foltermethoden der Geschichte, die er durch eigene Erfindungen kreativ bereicherte. Seit vierzig Jahren diente er dem Justizministerium, und die Zahl der Köpfe, die er hatte rollen lassen, überstieg nach seinen eigenen Worten die Zahl der Wassermelonen, die im Landkreis Gaomi in einer Saison geerntet werden.

In jener Nacht warf ich mich so ruhelos auf meinem Kang hin und her, als wollte ich Pfannkuchen platt wälzen. Mein Vater Sun Bing war vom Präfekten des Landkreises, Qian Ding, diesem herzlosen Schuft, ins Gefängnis geworfen worden. Was immer er auch verbrochen haben sollte, war er doch mein Vater, und ich konnte vor Verwirrung und Nervosität nicht schlafen. Ich vernahm das Jaulen der zum Schlachten bestimmten Hunde hinter dem Zaun und das ängstliche Quieken der fetten Schweine im Koben. Die Hunde machten das Schweinegrunzen nach und die Schweine imitierten das Hundegebell, gerade so, als probten sie noch kurz vor ihrem Ende ein Theaterstück. Doch ein jaulender Hund ist und bleibt ein Hund, und ein quiekendes Schwein ist und bleibt ein Schwein. Und auch ein ungeliebter Vater ist und bleibt ein Vater! Wau, Wau! Quiek, quiek! Ein mörderischer Lärm, der mir mörderische Unruhe bescherte. Sie wußten, daß ihnen der Tod bevorstand. Auch die Stunde des Todes meines Vaters nahte. Tiere haben einen viel sichereren Instinkt als wir Menschen: Sie hatten längst den Blutgeruch im Hof unseres Hauses gewittert und die im Mondlicht tanzenden Seelen all der toten Hunde und Schweine erblickt, die vor ihnen gestorben waren. Sie wußten, daß sie am nächsten Morgen bei Tagesanbruch ihrem Schlächter begegnen würden. Davon zeugte ihr unablässiges Geschrei.

Und dir, mein Vater, wie geht es dir in deiner Todeszelle? Heulst du? Quiekst du? Oder singst du noch immer die Arien der Katzenoper? Ein paar Knastbrüder haben mir einmal erzählt, daß man in der Todeszelle händevollweise Flöhe fangen könne und daß die Wanzen dort rund und fett werden wie Erbsen. Ach, mein Vater, du hattest dich doch bereits für ein geordnetes Leben entschieden, und nun fällt das Schicksal wie ein schwerer Stein auf dich herab und stößt dich in die Todeszelle. Vater!

Der Dolch blendendweiß, wenn er ihn hineinstößt, und blutrot, wie er ihn herauszieht, das ist mein Ehemann Zhao Xiaojia, der berühmteste Hunde- und Schweineschlächter im Landkreis Gaomi. Groß und stark ist er, der Schädel halb kahl und bartlos das Kinn, am Tage döst er vor sich hin und am Abend redet er ohne Sinn. Seit wir verheiratet waren, erzählte er mir immer wieder die Geschichte vom Tigerbart, die er angeblich von seiner Mutter hatte. Ich weiß nicht, welcher Taugenichts ihm diese Flausen tatsächlich in den Kopf setzte, doch nachts hörte er nicht auf, mir wegen dieses goldfarbenen Tigerbarts in den Ohren zu liegen. Er soll einem die Fähigkeit verleihen, das wahre Wesen eines Menschen zu erkennen. Weil der Idiot nicht locker ließ, mußte ich ihm schließlich den verdammten Tigerbart besorgen. Dieser Armleuchter, wie er sich in der Ecke unseres Kang zusammenrollte und laut schnarchend und mit den Zähnen knirschend im Traum redete: »Vater, Vater, Vater, sieh her, sieh an! Schlag die Eier auf und mach die Nudeln lang.« Nicht auszuhalten! Ich stieß ihn mit den Füßen weg, worauf er sich auf die andere Seite drehte, laut schmatzte, als hätte er gerade etwas Köstliches verspeist und weiterredete, schnarchte und mit den Zähnen knirschte. Aber genug damit, sollte er doch schlafen, der Einfaltspinsel!

Ich drehte mich um und setzte mich auf. Die Wand war eiskalt. Das Mondlicht verbreitete ringsum seinen wäßrigen Glanz. Die Augen der Hunde hinter dem Zaun leuchteten wie jadegrüne Lämpchen, eins, zwei, drei ... ein Funkeln weit und breit. Die letzten Insekten des Herbstes stießen jämmerliche Laute aus. Der Nachtwächter ging mit klappernden Holzschuhen über das blaue Straßenpflaster. Nach dem hohlen Klang des Holzes hörte ich den lauten Schall des Gongs. Es war Mitternacht. Still und dunkel, alles lag in tiefem Schlaf. Nur ich und die Schweine und die Hunde schliefen nicht. Und auch mein Vater fand keinen Schlaf.

Da war das nagende Geräusch der Mäuse unter der hölzernen Truhe. Ich warf einen Besenstiel nach ihnen, und die Mäuse huschten davon. In diesem Moment vernahm ich ein winziges Geräusch aus dem Zimmer meines Schwiegervaters, als ob kleine Kügelchen über einen Tisch rollten. Aber der Alte zählte nicht etwa Erbsen, sondern Köpfe. Für jeden Kopf ließ er eine Erbse rollen. Dieser Dreckskerl, selbst im Traum zählte er seine abgeschlagenen Köpfe. Ich sah es vor mir, wie er sein Henkersbeil über dem Nacken meines Vaters hochreißen und ihm den Kopf abhacken würde, sah den Kopf meines Vaters hüpfend die Straße hinunterrollen. Eine Schar von Kindern rannte ihm hinterher. Um den Tritten der Kinder zu entkommen, sprang der Kopf meines Vaters kreuz und quer durch alle Straßen und landete am Treppenaufgang zu unserem Haus und rollte in unseren Hof. Die Hunde schnappten nach ihm. Doch meines Vaters Kopf war gewieft. Sein langer Zopf verwandelte sich in eine Peitsche, mit der er den Hunden ins Auge schlug, so daß sie erschrocken aufjaulend von ihm abließen. Nachdem er seine Verfolger losgeworden war, kullerte der Kopf meines Vaters durch den Hof wie eine Riesenkaulquappe im Wasser, mit dem Zopf als Schwanz ...

Der Klang des Holzstocks und des Gongs verkündete die vierte Doppelstunde der Nacht und ließ mich aus meinem Alptraum aufschrecken. Ich war schweißgebadet. Nicht nur ein kleines Herz, nein eine ganze Batterie von Herzen hämmerte wie wild in meiner Brust. Mein Schwiegervater nebenan zählte immer noch seine Erbsen. Erst jetzt begriff ich, warum der Alte so furchterregend war. Sein ganzer Körper verströmte eine Aura der Kälte, die selbst von weitem spürbar war. Auch sein Zimmer, obwohl auf der Sonnenseite gelegen, war kalt wie ein Grab, nachdem er kaum ein halbes Jahr darin gewohnt hatte. Nicht einmal die Katzen wagten sich zum Mäusejagen hinein, so klamm und düster war es darin, und ich bekam sofort eine Gänsehaut, sobald ich es betrat. Doch wenn Xiaojia, mein Mann, nichts zu tun hatte, trieb er sich darin herum, klebte an seinem Vater wie ein dreijähriges Kind und ließ sich von ihm Geschichten erzählen. In den letzten heißen Tagen des Sommers dachte er nicht einmal mehr daran, bei mir zu schlafen. Er betrachtete seinen Vater als seine Frau und seine Frau als seinen Vater. Damit das am Tag nicht verkaufte Fleisch nicht anfing zu stinken, hängte er es am Dachbalken des kühlen Zimmers seines Vaters auf. Wer kann behaupten, daß er dumm ist? Und wer kann behaupten, daß er nicht dumm ist? Wenn mein Schwiegervater gelegentlich aus dem Haus ging, zogen sich selbst die bissigsten Hunde in die Ecken zurück und fingen an zu winseln. Düstere Gerüchte wollten wissen, daß selbst die Pappeln, die mein Schwiegervater auf der Straße berührte, mit rauschenden Blättern zu zittern begannen. Und wieder kam mir mein eigener Vater Sun Bing in den Sinn. Ach Vater, diesmal hast du den Bogen wirklich überspannt! Du gleichst dem General An Lushan, der die Gunst der kaiserlichen Lieblingskonkubine Guifei verwirkte, oder dem Banditen Cheng Yaojin, der sich erdreistete, den Geldtransport des Sui-Kaisers auszurauben. Mehr Leid als Glück bringt dein Streben, unrettbar verloren scheint dein Leben! Und ich dachte an Qian Ding, Seine Exzellenz Qian, Absolvent der höchsten Beamtenprüfungen, Kreispräfekt und Staatsbeamter fünften Grades, ein sogenannter Vater des Volkes und mein Pate ... dieser schlaue und hinterhältige Verräter! Wie sagt der Volksmund: »Sieh nicht dem Mönch ins Gesicht, sondern dem Buddha; richte deinen Blick nicht auf den Fisch, sondern auf das Wasser«. Und du siehst über die Liebesdienste hinweg, die ich dir drei Jahre lang als Patenkind im Bett erwiesen habe. Willst du dich nicht daran erinnern, daß du drei Jahre lang bei mir Wein getrunken und fettes Hundefleisch gegessen und so oft meinen Arien der Katzenoper gelauscht hast? Ich wärmte für dich den süßen Wein, briet dir das Fleisch und gab mich dir hin auf dem gemauerten Kang; besser habe ich dir gedient, Herr Präfekt, als dem Kaiser selbst. Ja, Herr Präfekt, ich überließ dir zu deinem Vergnügen diesen Körper, der zarter ist als Seide aus Suzhou und süßer als Zuckerbonbons aus Guangdong, unzählige Male habe ich dich in Ekstase versetzt, unzählige Male dich zum Heiligen gemacht – warum kannst du meinen Vater nicht freilassen? Warum mußtest du mit diesen deutschen Teufeln kollaborieren, meinen Vater gefangennehmen und mein Dorf niederbrennen? Hätte ich früher gewußt, was für ein herzloser und ignoranter Kerl du bist, ich hätte den Wein in den Abort geschüttet, das Fleisch in den Schweinetrog gekippt, meine Gesangskunst den Wänden dargeboten und meinen Körper einem Hund gegeben ...

2.

Das wiederholte Klappern des Nachtwächters verkündete den Tagesanbruch. Nach dem Aufstehen zog ich mir frische Kleider an, wusch mir das Gesicht, puderte mich, strich mir Rouge auf die Wangen und besprenkelte mein Haar mit duftendem Zimtöl. Ich fischte ein gut gekochtes Hundebein aus dem Topf und wickelte es in ein getrocknetes Lotusblatt. Mit dem Bambuskorb in der Hand schritt ich zur Tür hinaus, dem im Westen untergehenden Mond entgegen, über die blaugepflasterte Straße zur Präfekturverwaltung. Tag für Tag machte ich mich nun auf den Weg, doch nie wurde ich zum Besuch des Gefangenen vorgelassen. Qian Ding, du Bastard, wenn ich dir sonst einmal drei Tage lang kein Hundefleisch gebracht habe, hast du gleich diesen kleinen Mistkerl Chunsheng als Boten zu mir geschickt, und jetzt versteckst du dich und willst mich nicht sehen. Sogar Wachen hast du vor der Präfekturverwaltung aufgestellt, mit Luftgewehren und Bögen bewaffnet. Normalerweise grüßen sie mich, kaum daß sie meiner gewahr werden, sie verbeugen sich und würden sich am liebsten vor mir in den Staub werfen. Jetzt aber verziehen sie ihre Hundemäuler zu wilden Grimassen, um mir Angst einzujagen. Und auf einmal hast du auch noch vier deutsche Soldaten mit ausländischen Gewehren vor dem Yamen postiert. Sobald ich mich mit meinem Korb nähere, fuchteln sie mir mit ihren Bajonetten vor der Brust herum. Sie blecken die Zähne zu einer Grimasse, die sagen will, daß mit ihnen nicht zu spaßen ist. Qian Ding, ach Qian Ding, du Verräter! Warum läßt du dich mit den Ausländern ein? Ich bin so wütend, ich würde am liebsten beim Kaiser in der Hauptstadt eine offizielle Beschwerde gegen dich vorbringen. Du hast bei mir Hundefleisch gegessen, ohne zu zahlen, hast eine verheiratete Frau verführt. Qian Ding, ich bin drauf und dran es zu wagen, alles daranzusetzen, um dir dein Tigerfell über die Ohren zu ziehen. Alle sollen das wahre Gesicht des herzlosen und gleichgültigen Bösewichts sehen, der du bist.

Mir blieb nichts anderes übrig, als meinen Korb zu nehmen und kehrtzumachen. Hinter meinem Rücken hörte ich, wie mich die Wachleute verspotteten. Ihr treulosen und undankbaren Bastarde, habt ihr vergessen, daß ihr einst meinem nun zum Sterben verdammten Vater gefolgt seid und vor mir den Kotau machtet? Hätte ich mich nicht für dich eingesetzt, du armseliger kleiner Strohsandalenverkäufer, hättest du dann diesen Posten bekommen, an dem du ein Luftgewehr tragen darfst und ein sicheres Einkommen hast? Und du, Shunzi, wie wärst du ohne meine Hilfe zum Bogenschützen avanciert? Früher hocktest du als Bettler mit deinem Blechnapf im kalten Winter auf dem Boden! Ich habe mich für dich engagiert, ich habe mich vom Polizeibeamten Li Jinbao küssen und mir den Hintern betatschen lassen, ich habe mich auch küssen lassen vom Inspektor Su Lantong! Und ihr wagt es, euch über mich lustig zu machen, eure alte Freundin zu verspotten, mich von oben herab zu behandeln. Ihr Hurensöhne, selbst wenn ich zum Skelett abgemagert wäre, würde ich euer Fleisch nicht anrühren, und lieber würde ich im Vollrausch sterben, als euch einen Tropfen Wein zu verkaufen. Wartet nur, bis ich wieder zu Kräften gekommen bin. Ich werde mir euch vorknöpfen, einen nach dem anderen!

Ich kehrte der Präfekturverwaltung den Rücken zu und ging zurück nach Hause. Vater, du unverbesserlicher alter Lustmolch, der du nun schon auf die Fünfzig zugehst, wärst du nicht besser weiterhin mit deiner Katzenoperntruppe durch die Straßen gezogen? Hättest du nicht weiterhin Kaisern, Generälen und Ministern deine Stimme verleihen, dich als Gelehrter oder Hofdame verkleiden können? In der Rolle des verliebten Gimpels hättest du dein Auskommen gehabt. Du hättest dich notfalls auch von streunenden Katzen und Hunden ernähren, den Schnaps trinken können, den man dir anbot. Dann hättest du dich satt und zufrieden gefühlt in einer Schar zwielichtiger Freunde. Du wärst über kalte Mauern geklettert und hättest auf irgendeinem warmen Kang geschlafen, hättest das Schicksal genommen, wie es kommt, und wärst ein unsterblicher Bohemien geblieben. Aber nein, du mußtest es allen zeigen, mußtest wilde Reden schwingen, Worte benutzen, wie sie kein Räuber in den Mund nimmt, und Dinge wagen, die kein Bandit wagen würde. Du mußtest den Amtsdiener beleidigen und den Kreispräfekten provozieren! Selbst nachdem das Bambusrohr zerbrochen war, mit dem man dir die Schläge verpaßte, hast du das Haupt nicht gebeugt und nicht nachgegeben. Sogar den Bart haben sie dir ausgerissen, wie einem Hahn, dem man die langen Federn ausrupft, wie einem Hengst, dem man den Schweif stutzt. Damit war erst einmal Schluß mit dem Operngesang auf der Straße, und du hast ein Teehaus eröffnet. Auch gut! Damit hättest du den Rest deines Lebens geruhsam verbringen können. Wer hätte wissen können, daß du deine Frau nicht unter Kontrolle hattest und sie allein ausgehen ließt? Dadurch wurde die ganze Katastrophe ausgelöst. Man hat sie angefaßt – na und, nichts weiter. Hättest du nicht deinen Ärger hinunterschlucken können und dich benehmen können wie ein braver Bürger, für den das Ertragen seines Schicksals ein Glück ist und Geduld den Seelenfrieden bringt? Nein, du hast einfach deinem Impuls nachgegeben, hast den deutschen Techniker mit dem Stock verprügelt und damit grenzenloses Unglück auf dich gezogen! Selbst der Kaiser fürchtet den Deutschen, doch du meinst, niemanden fürchten zu müssen. Du hast die Katastrophe heraufbeschworen und ein Blutbad provoziert, bei dem siebenundzwanzig Menschen starben, auch deine Frau und deine Kinder. Aber als hättest du noch nicht genug Unheil angerichtet, gabst du keine Ruhe und hast dich sofort mit den aufständischen Boxern verbündet. Du hast einen Altar errichtet, ein großes Brimborium veranstaltet und dich zum Anführer der Revolte gemacht. Eine Truppe von tausend Mann wurde aufgestellt. Mit geschulterten Gewehren, Säbeln und Speeren in der Hand haben sie Eisenbahnschienen herausgerissen, Ausländer getötet, Hütten in Brand gesteckt und sich wie die großen Helden aufgespielt, und am Ende wurde ein ganzes Dorf zerstört, einfache Leute wurden ins Unglück gestürzt. Und du wurdest ins Gefängnis geworfen und grün und blau geschlagen ... Mein Vater, wer hat dir bloß das Hirn mit Schweineschmalz verkleistert? Worauf hast du dich da eingelassen? Hat eine Fuchsfee von dir Besitz ergriffen oder ein Wiesel dir den Geist verwirrt? Selbst wenn die Deutschen Schienen verlegt und die Harmonie von Wind und Wasser in unserer Heimat Gaomi zerstört haben, so haben sie doch unserer eigenen Familie nichts angetan. Warum mußt du dann deinen Kopf riskieren? Diesmal hast du es geschafft. Du hast den Lockvogel für ihre Gewehre abgegeben und sie gleich fette Beute machen lassen. Das nennt man: »Wenn die Sojabohnen gar sind, kommen alle zum Essen; wenn der Topf explodiert, bleibt man mit seinem Pech allein.« Vater, mit diesem Aufstand bist du einfach zu weit gegangen. Du hast den Hof gegen dich aufgebracht und die Großmächte provoziert. Ich habe gehört, daß der Gouverneur unserer Provinz, Yuan Shikai, der Große Yuan, gestern abend in einer Sänfte mit acht Trägern Einzug in den Yamen gehalten hat. Und der befehlshabende General von Jiaozhou, Knobel, ist auf einem großen, ausländischen Pferd, in blauer Uniform und mit einem Mausergewehr bewaffnet, direkt in den Yamen der Kreisverwaltung eingeritten. Der bärtige Bogenschütze Sun, der Wache hielt, wollte sich ihm entgegenstellen, woraufhin der ausländische Teufel ihm einen Peitschenhieb versetzte. Sun wich ihm zwar aus, doch er war nicht schnell genug, und nun zieht sich eine fingerbreite Wunde über sein großes Ohr. Vater, diesmal wirst du ihnen nicht entkommen können. Diesmal wird dein Kopf auf der Mauer des Yamen zur Schau gestellt werden. Selbst wenn Qian Ding, Seine Exzellenz Qian, dich um meinetwillen verschonen würde, so würde er gegen Yuan Shikai, den Großen Yuan, doch nichts ausrichten; und selbst wenn Yuan Shikai, der Große Yuan, Gnade walten ließe, so würde Knobel dich doch verurteilen. Ja, Vater, diesmal ist dein Schicksal besiegelt!

Meinen Gedanken freien Lauf lassend, eilte ich ostwärts, der leuchtendroten Sonne entgegen, über die blauen Pflastersteine der Straße. Das gekochte Hundebein in meinem Korb verströmte seinen Duft. Ich sah ein dünnes Rinnsal von Blut auf der Straße und plötzlich war mir wieder, als sähe ich den Kopf meines Vaters vor mir die Straße hinabrollen und – Vater! Dein Kopf rollte und sang dabei immer noch Opernarien! Mit den Melodien der Katzenoper kann man die einfachen Frauen aufspießen wie mit Bajonetten. Es sind ursprünglich volkstümliche Straßenopern gewesen. Erst mein Vater hat große Kunst aus ihnen gemacht. Die Kehle meines Vaters, die so weich ist wie das zarte Fruchtfleisch einer Wassermelone, hat unzählige Damen unserer Heimat Gaomi zu bezaubern vermocht. Auch meine verstorbene Mutter war davon so hingerissen, daß sie ihn heiratete. In ganz Gaomi sprach man von ihr, weil sie so schön war. Selbst die erfolgreichen Lizentiaten der Familie Du machten ihr den Hof, doch sie lehnte alle ab, um einem armseligen Schauspieler zu folgen ... Da kam mir der taube Zhou entgegen, den der Lizentiat Du damals als Heiratsvermittler geschickt hatte, und ging, seinen Wassereimer geschultert, an mir vorüber. Er beugte sich unter der Last und sein Nacken war krebsrot. Das wirre Haar auf seinem Schädel war schlohweiß und auf seinem Gesicht glänzten Schweißperlen. Schnell und schwer ging sein Atem. Das Wasser schwappte aus seinen Eimern und hinterließ Spuren wie ein Strom glänzender Perlen. Und plötzlich sah ich deinen Kopf, Vater, im Wassereimer des tauben Zhou! Das Wasser des Eimers verwandelte sich in tiefrotes Blut. Meine Nase nahm sogar den warmen Blutgeruch wahr. Es roch, wie wenn mein Mann Zhao Xiaojia den Schweinen und Hunden die Bäuche aufschlitzt, eine Mischung aus Gestank und Wohlgeruch. Der taube Zhou konnte nicht wissen, daß ihm sieben Tage später, als er sich zum Exekutionsplatz meines Vaters aufmachte, um die Katzenoper zu hören, von einem Mausergewehr der deutschen Teufel der Bauch zerfetzt werden würde, er ahnte nicht, daß aus seinem geöffneten Leib die Gedärme herausquellen würden wie bunte Aale.

Als er an mir vorüberging, hob er mühsam den Kopf und grinste mich höhnisch an. Wenn selbst dieser taube Holzkopf es wagt, mich zu verhöhnen, Vater, dann steht fest, daß dein Todesurteil gefällt ist. Es kann keine Rede mehr davon sein, daß Qian Ding, der heute vom Kaiser zurückkehrt, etwas anderes als die Todesstrafe für dich mitbringt. Eine Enttäuschung folgt der anderen, Vater, und doch kann ich nicht aufhören zu hoffen. Vater, nicht wahr, du und ich, wir geben niemals auf, wir flößen auch einem toten Pferd noch Medizin ein! Ich nehme an, daß gerade jetzt, in diesem Augenblick, Exzellenz Qian Ding mit dem aus der Provinzhauptstadt Jinan herbeigeeilten Yuan Shikai und Knobel aus Qingdao im Gästehaus des Yamen auf ihren Betten liegen und Opium rauchen. Sobald Yuan und Knobel wieder abgereist sind, mache ich mich noch einmal mit einer Portion Hundefleisch auf den Weg zum Yamen. Er muß mich nur zu Gesicht bekommen! Bestimmt hört er mich an. Dann wird er nicht mehr Seine Exzellenz Qian sein, sondern nur noch der Enkelsohn der Familie Qian, der mich mit seinen Blicken verschlingt. Ach Vater, meine größte Sorge ist, daß sie dich in die Hauptstadt bringen, das wäre dein sicheres Ende. Nur wenn die Strafe hier in der Präfektur ausgeführt werden soll, ist noch nicht alles verloren. Ich finde schon irgendeinen Bettler, der als Sündenbock herhalten muß. Wir lassen ihn einfach an deiner Stelle büßen. Vater, wenn ich daran denke, wie herzlos du gegen meine leibliche Mutter gewesen bist, dann dürfte ich eigentlich nicht um deine Rettung bemüht sein. Ich sollte dich einfach sterben lassen, damit du den Frauen nichts mehr anhaben kannst. Doch du bist immer noch mein Vater: Ohne Himmel gibt es keine Erde, ohne Henne kein Ei, ohne Liebe keine Hoffnung und ohne dich gäbe es mich nicht. Man kann die alten Kleider durch neue ersetzen, aber ein Vater ist durch nichts zu ersetzen.

Vor mir lag der Tempel der Göttin. Ja, in der Not legt man sich dem Buddha zu Füßen, wie man bei einer Krankheit den Arzt ruft. Warte, bis ich die Göttin um Hilfe angefleht habe. Sie wird ihre magischen Kräfte walten lassen. Sie wird dir Glück bringen und dich in letzter Minute dem Tod entrinnen lassen.

Im Höhlentempel der Göttin war es stockfinster. Nur ein paar Fledermäuse hörte man mit den Flügeln gegen das Dach schlagen. Nein, stellte ich erleichtert fest, es waren keine Fledermäuse, sondern nur Schwalben. Langsam gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit, und ich bemerkte, daß vor der Statue der Göttin einige Bettler auf dem Boden lagen. Der Gestank von Exkrementen und verdorbenem Essen stach mir in die Nase, und mir wurde speiübel. Hochverehrte Göttin, was müssen die Euren wohl verbrochen haben, um mit diesem Gesindel unter einem Dach wohnen zu müssen? Diese Leute sind wie die Schlangen zu Beginn des Frühlings, wenn sie erst stocksteif hingestreckt daliegen, um sich dann träge emporzuwinden. Einer der ergrauten Bettler mit den tiefliegenden roten Augen wandte sich mir mit triefender Nase zu, spuckte vor mir aus und rief: »Unheil, Unheil, wahres Unheil! Die Augen öffnen, um einen Dämon zu erblicken!«

Und das Diebesgesindel um ihn herum begann ihn zu imitieren. Alle spuckten sie vor mir aus und echoten wie die Papageien: »Unheil, Unheil, wahres Unheil! Die Augen öffnen, um einen Dämon zu erblicken!«

Wie ein Blitz sprang ein Affe mit rotem Hintern auf meine Schulter und ließ mich vor Schreck tausend Tode sterben. Ich hatte mich noch nicht erholt, als das Biest in meinen Korb langte und sich das Hundebein schnappte. Mit einem Satz sprang es auf den Altar und im nächsten Moment hockte es schon auf der Schulter der Göttin. Ich hörte die Kette um seinen Hals rasseln. Sein Schwanz fegte wie ein Besen über den Boden und wirbelte dabei gehörig Staub auf, der mich in der Nase kitzelte: Ha – tschi! Du verdammter Affe, Bestie in Menschengestalt! Grimassenschneidend hockte er auf der Schulter der Göttin und nagte an meinem Hundebein. Mit seinen schmutzigen Pfoten verunreinigte er die Statue. Doch die Göttin zeigte weder Wut noch Ärger, duldsam und milde blieb ihr gnadenvolles Antlitz. Doch wenn die Göttin nicht einmal Macht über einen solchen Affen hatte, wie sollte sie fähig sein, das Leben meines Vaters zu retten?

Vater, ach Vater, du bist von so unglaublicher Verwegenheit, du bist wie ein Wiesel, das ein Kamel sein möchte. Du mußt immer gleich mit dem Kopf durch die Wand! Und jetzt forderst du Himmel und Erde heraus, so daß selbst die Kaiserinwitwe Cixi deinen Namen kennengelernt und der deutsche Kaiser Wilhelm von deinen Großtaten erfahren hat. Früher warst du nur ein einfacher Mann des Volkes, ein vagabundierender, stammelnder und stinkender Nichtsnutz von einem Schauspieler. Mit diesem ganzen Aufruhr hast du immerhin erreicht, daß du nicht als ein Niemand aus dieser Welt scheiden wirst. Aber hast du nicht dereinst gesungen: »Lieber ein Leben in Müßiggang, als drei Tage Ruhm und Lobgesang«? Vater, dein halbes Leben lang hast du Opernrollen gesungen, immer bist du in die Rollen anderer geschlüpft. Diesmal wirst du selbst Teil deines eigenen Schauspiels sein.

Die Bettler umzingelten mich, einige streckten mir ihre schmutzstarrenden Hände entgegen, andere entblößten ihre von Geschwüren übersäten Bäuche. Feixend standen sie um mich herum, verhöhnten mich mit seltsamen Tönen, lautem Gesang und wildem Stöhnen, mit Wolfsgeheul und Bärengebrumm.

»Hab ein Herz, gute Schwester Zhao, Frau Xishi mit dem Hundefleisch, für zwei kleine Kupfermünzen, gehst du ein ins Himmelreich. Gibst du mir nichts, will ich auch nichts, doch deine Familie ist dahin mit einem Streich ...!«

Mit lautem Gebell und Geheul stürzten sie sich wie die Hunde auf mich, zwickten mich ins Bein, kniffen mir in den Hintern, faßten mir an die Brust ... sie fischten im trüben, zogen an den Ranken, um an die Kürbisse zu kommen, und hatten ihren Spaß mit mir. Als ich fliehen wollte, hielten sie mich fest, umklammerten meine Taille. Ich wandte mich an den Achten Zhu, den ich erkannt hatte. »Achter Zhu, Achter Zhu!« Statt mir zu helfen, hatte er plötzlich ein Bambusstöckchen in der Hand und stach mir damit ins Knie, so daß mir die Beine versagten. Höhnisch sagte er: »Steht in der Tür ein fettes Schwein, mußt du's fressen, ob groß oder klein! Los Kinder, das Fleisch, das Exzellenz Qian gekostet hat, wird uns auch schmecken!«

Die Bettler stürzten sich auf mich, drückten mich zu Boden und hatten mir im Nu die Hosen heruntergerissen. In höchster Not rief ich den Achten Zhu an: »Achter Zhu, du bist ein gemeiner Feigling. Weißt du denn nicht, daß mein Vater von Qian Ding ins Gefängnis geworfen wurde und geköpft werden soll?« Der Achte Zhu rollte verächtlich seine flammenden Augen und fragte: »Wer ist denn dein Vater?«

Ich sagte: »Achter Zhu, spiel mir nichts vor! Ganz China weiß, wer mein Vater ist, und du willst mir weismachen, du kennst ihn nicht? Mein Vater ist Sun Bing aus Dongbei! Mein Vater ist Sun Bing, der die Katzenoper singt, mein Vater ist Sun Bing, der die Eisenbahnschienen aus der Erde gerissen hat, mein Vater ist Sun Bing, Führer der Volksbewegung, die sich mit den deutschen Teufeln angelegt hat!«

Da drehte sich der Achte Zhu um und verbeugte sich, faltete höflich die Hände vor der Brust und erging sich in Entschuldigungen: »Gnädiges Fräulein, seid mir nicht böse, seht es mir nach! Bin kein weiser Mann und dachte nicht nach. Ich wußte nur, daß Qian Ding Euer Patenonkel ist, aber daß Euer Vater Sun Bing ist, das habe ich nicht gewußt. Qian Ding ist ein verdammter Hurensohn. Sun Bing aber ist ein Held der Nation! Euer Vater ist ein mutiger Mann, der es den ausländischen Teufeln gezeigt hat, ich bewundere ihn von ganzem Herzen. Wenn ich Euch zu Diensten sein kann, gnädiges Fräulein, sagt es mir bitte rundheraus. Kinder, auf die Knie, macht einen Kotau vor der Dame und bittet um Entschuldigung.«

Und der ganze Bettlerschwarm ging tatsächlich wie ein Mann in die Knie und machte einen Kotau vor mir. Alle schlugen die Stirn auf den staubigen Boden, und riefen im Chor: »Das gnädige Fräulein lebe hoch! Das gnädige Fräulein lebe hoch!« Selbst der haarige Affe auf der Schulter der Göttin ließ von dem Hundebein ab, sprang herab, daß das Dreckwasser aufspritzte, schlug wie die Menschen die Stirn auf den Boden und faltete die Pfoten vor der Brust. Es war ein so grotesker Anblick, daß ich lachen mußte. Der Achte Zhu rief: »Kinder, morgen bringen wir dem gnädigen Fräulein ein paar fette Hunde zum Geschenk!«, doch ich sagte rasch: »Danke, danke, das ist wirklich nicht nötig.« Der Achte Zhu erwiderte: »Nur keine falsche Bescheidenheit. Meine Kinder hier fangen einen Hund leichter als eine Laus im Hosenstall.« Die Bettler grinsten und entblößten gelbe Zähne oder völlig zahnlose Münder. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, daß diese kleinen Bettler doch ein rührender Anblick seien. Sie hatten gar kein so schlechtes Leben. Rotglühend und mit freundlicher Wärme drangen schließlich die Sonnenstrahlen in das Dunkel der Tempelhöhle vor und erhellten die lächelnden Gesichter um mich herum. In meiner Nase begann es zu kitzeln, und mit einemmal standen mir die Tränen in den Augen. Der Achte Zhu fragte: »Gnädiges Fräulein, wollt Ihr, daß wir das Gefängnistor aufbrechen?«

»Nein, nein, bloß nicht«, sagte ich, »der Fall meines Vaters ist kein gewöhnlicher Fall. Nicht nur die Soldaten des hiesigen Yamen stehen vor dem Gefängnistor Wache. Dieser Knobel hat zusätzlich noch deutsche Teufel als Wachposten aufgestellt.«

»Siebter Kleiner Hou«, wies der Achte Zhu einen der Bettler an, »mach mal die Runde und wenn du was herausfindest, komm sofort her und berichte!«

»Zu Befehl!« sagte der Bettler, nahm den vor der Götterstatue liegenden Kupfergong an sich, schulterte sein Bündel und stieß einen Pfiff aus, worauf der Affe mit einem Satz auf seine Schulter sprang. Und so schritt der Siebte Kleine Hou, den Affen tragend, den Gong schlagend und ein Liedchen vor sich hinpfeifend zur Tempelhöhle hinaus. Ich hob den Kopf und meinte, die aus Lehm errichtete Statue der Göttin in einem altertümlichen Glanz aufleuchten zu sehen. Ihr Gesicht schimmerte silbern wie mondglänzendes Wasser, wie Schweißperlen. Göttin, laß deine magischen Kräfte walten! Laß deine Kräfte walten und beschütze meinen Vater!

3.

Voll neuer Hoffnung kehrte ich nach Hause zurück. Xiaojia war schon aufgestanden und gerade dabei, im Hof die Messer zu wetzen. Freundlich und liebevoll lächelte er mich an, und ich lächelte liebevoll und freundlich zurück. Er befühlte die Klinge des Messers mit den Fingern; da sie offenbar noch nicht scharf genug war, beugte er sich wieder hinunter und wetzte weiter. Ein scharfes Zischen durchschnitt die Luft. Xiaojia trug nur eine braune Schürze, sein Oberkörper war nackt; seine schweren Muskeln traten hervor wie bei einer Knoblauchknolle und seine Brust war schwarz behaart. Ich betrat das Wohnzimmer. Da saß mein Schwiegervater in meditativer Ruhe auf dem mit goldenen Intarsien verzierten Lehnstuhl aus Sandelholz, den er aus der Hauptstadt mitgebracht hatte. Durch seine Hände ließ er eine Gebetskette aus Sandelholzperlen gleiten, und murmelte dabei unentwegt etwas vor sich hin, was sowohl ein Gebet als auch ein Fluch hätte sein können. Es herrschte dämmriges Licht, doch durch die Fensterläden drangen einzelne Sonnenstrahlen und zeichneten ihre Muster auf den Boden. Ein Strahl traf das Gesicht meines Schwiegervaters und ließ es gold- und silberfarben aufleuchten. Es war ein hageres Gesicht mit tiefliegenden Augenhöhlen, hoch sitzendem Nasensteg, einem verkniffenen Mund und einer auffälligen Narbe, wie von einer Schnittwunde. Zwischen seiner Nase und dem vorstehenden Kinn sproß nicht ein einziges Haar – kein Wunder, daß man ihm nachsagte, er sehe aus wie ein entlaufener Palasteunuch. Sein Haupthaar war schon so dünn geworden, daß man eine Menge Seidenschnüre hinzunehmen mußte, um daraus einen Zopf flechten zu können.

Er blinzelte mit den Augen, und sein eiskalter Blick traf mich. »Vater, Ihr seid schon auf?« grüßte ich ihn. Er nickte leicht mit dem Kopf und fuhr fort, die Gebetskette durch die Finger gleiten zu lassen.

Gemäß der Gewohnheit, die ich seit einigen Monaten pflegte, nahm ich einen Hornkamm zur Hand, um meinem Schwiegervater das Haar zu kämmen und den Zopf zu flechten. Normalerweise ist das die Aufgabe eines Dienstmädchens, doch wir haben keine Dienstboten im Haus. Wenn die Schwiegertochter dem Schwiegervater das Haar kämmt, könnte man leicht auf ein unschickliches Verhältnis schließen. Doch der alte Mistkerl hatte mich dazu gezwungen, ihm die Haare zu kämmen, und ich hatte mich gefügt. Nein, eigentlich war ich selbst es gewesen, die ihn an diese perverse Zeremonie gewöhnt hatte. Eines Morgens, kurz nach seiner Ankunft bei uns, ging sein braver Sohn Xiaojia zu ihm, nahm ihm den Kamm aus der Hand und begann, ihn zu kämmen. Ich hörte, wie er sagte: »Vater, ich habe so wenig Haare. Als ich klein war, hörte ich Mutter sagen, daß die vielen kahlen Stellen vom Grind auf meinem Kopf kämen. Ihr habt auch nur wenige Haare auf dem Kopf, kommt das auch vom Grind?«

Xiaojia ist ein solcher Einfaltspinsel! Der Alte verzog das Gesicht und es fehlte nicht viel, daß er ihn bestrafte, aber schließlich kämmte ihn sein Sohn nur aus kindlicher Verehrung. Allerdings erinnerte die Art, wie Xiaojia mit seinem Haar umging, eher daran, wie er den Schweinen die Borsten ausrupfte.

An jenem Tag kam ich gerade in bester Laune von Exzellenz Qian zurück, und so sagte ich, um nett zu sein: »Vater, erlaubt, daß ich Euch kämme.« So kämmte ich ihm die Haare sehr sorgfältig und nahm außerdem noch Seidenschnur dazu, um ihm einen schönen, dicken Zopf zu flechten. Danach nahm ich einen Spiegel und hielt ihn ihm vor, damit er sich betrachten konnte. Er strich sich mit den Fingern über den Zopf, und plötzlich glänzten Tränen in seinen dunklen und kalten Augen. Das war allerdings außergewöhnlich. Xiaojia strich seinem Vater über die Wangen und fragte: »Vater, weint Ihr?«

Mein Schwiegervater schüttelte den Kopf. »Die Kaiserinwitwe hatte am Hof einen eigens zum Kämmen ihrer Haare bestimmten Palasteunuchen«, sagte er, »aber sie nahm seine Dienste nie in Anspruch. Es war Li Lianying, der große Li, Hauptverwalter des Hofes, der sie kämmte.«

Ich wurde aus seinen Worten nicht schlau. Xiaojia dagegen hörte nur, daß vom Hof in Beijing die Rede war, und wollte sofort mehr wissen. Sein Vater aber kümmerte sich nicht um ihn, zog statt dessen einen Geldschein aus dem Rock, gab ihn mir und sagte: »Schwiegertochter, geh und kauf ein paar Meter guten ausländischen Stoffes und näh dir Kleider davon; du bist mir immer sehr zu Diensten gewesen.«

Am nächsten Morgen, als ich noch tief und fest schlief, rüttelte Xiaojia mich wach. »Was ist denn los?« fragte ich ärgerlich.

Xiaojia sagte völlig ungerührt: »Steh auf, mein Vater wartet darauf, daß du ihm die Haare kämmst!«

Ich war im ersten Moment so verblüfft, daß ich nicht wußte, was ich sagen sollte. Wenn man einmal anfängt, für ein gutes Klima in der Familie zu sorgen, ist es schwer, wieder damit aufzuhören. Wofür hält mich dieser Mann? Widerlicher Alter, Ihr seid nun mal nicht die Kaiserinwitwe Cixi und ich bin nicht Li Lianying! Nur weil ich einmal Eure drei armseligen grauen, stinkenden Hundezotteln gekämmt habe, meint Ihr schon, ich würde nun mein Leben lang für Euer Glück beten. Ihr benehmt Euch wie die Katze, die den Fisch gekostet hat, wie ein Junggeselle, der auf den Geschmack gekommen ist und nicht genug bekommen kann. Ihr meint wohl, weil Ihr mir Geld gegeben habt, könnt Ihr nun nach Lust und Laune über mich verfügen. Was meint Ihr eigentlich, wer Ihr seid? Mit einer Riesenwut im Bauch stieg ich vom Kang herunter, um ein paar deutliche Worte mit ihm zu reden und ihm seine Flausen auszutreiben. Aber bevor ich noch anheben konnte, meinem Ärger zu Luft zu machen, hob der Alte den Kopf, und ich hörte ihn wie im Selbstgespräch vor sich hinmurmeln:»Wer kämmt eigentlich dem Präfekten von Gaomi die Haare?«

Mir fuhr ein kalter Schauer über den Rücken. Ich fragte mich, ob dieser alte Mistkerl ein Mensch war oder ein böser Dämon, denn wie sonst konnte er darüber Bescheid wissen, daß ich dem Präfekten Qian Ding die Haare kämmte? Als er zu Ende gesprochen hatte, richtete er sich kerzengrade in seinem Stuhl auf und schien mich mit seinen kalten, dunklen Augen zu durchbohren. Mein Zorn verpuffte im Nu, und ich stellte mich artig hinter ihn. Als ich begann, sein widerliches Hundehaar zu kämmen, konnte ich nicht umhin, an das glänzende und glatte, einen feinen Duft verströmende, pechschwarze Haar meines Patenonkels zu denken. Und als ich seinen dürftigen, an ein Mönchsschwänzchen erinnernden kleinen Zopf in der Hand wog, mußte ich unweigerlich an den schweren und fleischigen, großen, kraftvollen Zopf meines Patenonkels denken. Mein Patenonkel streicht mir gerne mit seinem dicken Zopf von oben bis unten über den Körper. Dann ist mir, als würden hundert Klauen sich um mein Herz legen, und sämtliche Poren meiner Haut öffnen und schließen sich in rhythmischen Bewegungen ...

Nichts zu machen, ich muß kämmen und die Suppe, die ich mir selbst eingebrockt habe, auslöffeln. Bei meinem Patenonkel muß ich nur anfangen, ihm die Haare zu kämmen, und schon streckt er die Hand nach mir aus, um mich zu streicheln. Oft kleben unsere Körper schon aneinander, bevor ich mit dem Kämmen fertig bin. Daher konnte ich mir auch nicht vorstellen, daß der alte Mistkerl nicht erregt war. Ich wartete nur darauf, daß sein Penis anfing, sich aufzurichten. Warte nur, Alter, ich sorge dafür, daß du ihn hoch-, aber nicht wieder runterkriegst. Und bis dahin habe ich Euch in der Hand. Bis dahin werde ich Euch die Haare kämmen, bis Ihr durchdreht! Überall erzählt man sich, daß der Alte in seinem Rock Zehntausende von Geldscheinen versteckt hält. Früher oder später werde ich sie Euch entlocken! Die ganze Zeit warte ich, aber der Drecksack kann sich gut beherrschen, bis heute ist noch nichts passiert. Ich glaube allerdings nicht, daß es auf der Welt eine Katze gibt, die keinen Fisch mag. Wir werden sehen, alter Mistkerl, wie lange Ihr es noch aushaltet! Ich öffnete seinen Zopf und kämmte sein dürftiges, dünnes und struppiges Haar. An diesem Morgen waren meine Bewegungen besonders zärtlich. Ich bezwang meinen Ekel und kraulte ihm mit dem kleinen Finger das Ohrläppchen und rieb meine Brustwarzen an seinem Nacken, während ich ihn anflötete: »Vater, sie haben meinen leiblichen Vater gefangengenommen und im Gefängnis des Yamen eingesperrt! Ihr seid doch in der Hauptstadt ein gerngesehener Gast, Ihr genießt hohes Ansehen, bitte setzt Euch für ihn ein!«

Der Alte sagte kein Wort und zeigte nicht die geringste Reaktion. Mir war klar, daß er mich sehr wohl gehört hatte, sich aber einfach taub stellte. So massierte ich seine Schultern und redete weiter, ohne daß er einen Mucks von sich gab. Unmerklich hatte sich das Licht verändert. Die tiefstehende Sonne brachte erst die Messingknöpfe an seiner braunseidenen, kurzen Mandarinjacke zum Leuchten, dann seine beiden kleinen Hände, durch die er gemächlich die Sandelholzperlen seiner Gebetskette gleiten ließ. Diese kleinen Hände waren zart und weiß und schienen kaum zu einem Mann, geschweige denn zu einem Mann seines Alters zu passen. Es fiel mir noch immer schwer zu glauben, daß dies die Hände eines Mannes wären, der sein Leben lang unzählige Menschen mit dem Schwert enthauptete.

Ich preßte meinen Körper immer enger an ihn und fuhr mit meinem Gesäusel fort: »Vater, mein leiblicher Vater hat gegen das Gesetz verstoßen ... Ihr wart doch so oft Gast in der Hauptstadt, Ihr kennt die Welt, ringt Euch doch bitte durch, mir zu helfen!« Ich knetete seine mageren Schultern und legte meine Brüste auf seinem Nacken ab, während ich ihn weiter mit Worten zu umgarnen versuchte. Wenn ich diese Methode bei Qian Ding, Seiner Exzellenz Qian, anwendete, wurde er sofort schwach und gab all meinen Forderungen rundweg nach. Aber dieser räudige Hund hier vor mir war wie ein Ei aus Stein, das sich nicht weichkochen läßt. Als ich ihm mit meinen Brüsten, die weicher sind als süße Duftmelonen, den Nacken hinauf und hinabfuhr, und ihm die goldenen Tempel meiner Lust offerierte, reagierte er lange mit keiner Regung, keinem Laut. Schließlich bemerkte ich, daß seine feinen, kleinen Hände aufhörten, die Gebetskette zu bewegen, und dann stellte ich mit großer Genugtuung fest, daß diese süßen, feisten kleinen Hände leicht zu zittern schienen. So, Alter, haltet Ihr es jetzt endlich nicht mehr aus? Die Kröte, die man unter dem Fuß des Bettes zerquetscht, zappelt nicht lange! Meint Ihr also, ich würde Euch nicht das ganze Geld, das in Eurem Rock steckt, herausziehen können? Meint Ihr also, Ihr könntet mich weiterhin erpressen und mich zwingen, Eure Hundeborsten zu kämmen? »Vater, so helft mir doch, eine Lösung zu finden!« Ich fuhr fort, ihn mit meinem Charme zu umgarnen, preßte mich von hinten an ihn. Plötzlich vernahm ich ein höhnisches Lachen. Es klang wie der Schrei einer Nachteule, die in einer Neumondnacht aus dem Pinienwald des alten Friedhofs geflogen kommt. Ich zitterte vor Angst am ganzen Körper. Im Bruchteil einer Sekunde sank ich enttäuscht zusammen, und alle Hoffnungen und Ideen, die eben noch im meinem Kopf kreisten, waren mit einemmal wie weggewischt. Ist dieser alte Mistkerl wirklich noch ein Mensch? Wie kann einem Menschen ein solch grauenvolles Lachen entfahren? Nein, er ist kein Mensch, er ist ein Dämon. Mein Schwiegervater ist er auch nicht. Was weiß ich schon von ihm? Seit über zehn Jahren bin ich mit Xiaojia verheiratet, ohne daß er mir je erzählt hätte, daß sein Vater Geschäften in der Hauptstadt nachgeht. Und auch die Nachbarn, die sich bestens auskennen, haben nie ein Wort darüber verloren. Er kann alles mögliche sein, aber gewiß ist er nicht mein Schwiegervater. Er sieht meinem Mann überhaupt nicht ähnlich. Borstenhaariger Bastard, Ihr seid wohl irgendein Teufel aus den Bergen in Menschengestalt? Aber ich habe keine Angst vor Euch. In unserem Gehege gibt es gerade einen pechschwarzen Hund; wartet nur, bis Xiaojia ihn schlachtet und Euch mit seinem schwarzen Hundeblut bespritzt. Dann wird Eure Maske fallen. Dann wird sich zeigen, was für ein Dämon Ihr in Wahrheit seid.

4.

Am Tag des Qingming-Festes zum Gedenken der Ahnen nieselte es. Träge tummelten sich graue Wolken wie runde Wattebälle zwischen Himmel und Erde. In der Morgendämmerung zog ich mit einer Schar von fröhlichen jungen Männern und Frauen zum südlichen Stadttor hinaus. Ich führte einen Schirm aus Ölpapier mit, der mit der Geschichte von Xu Xian bemalt war. Xu Xian schwimmt im See und trifft auf die weiße Schlange, ein beliebtes Opernlibretto. In meinem glänzenden, glatt gekämmten Haar trug ich eine Schmetterlingsspange. Mein Gesicht hatte ich sorgfältig mit einer feinen Puderschicht überzogen und auf die Wangen Rouge aufgelegt. Zwischen beide Brauen hatte ich mir einen erbsengroßen Schönheitsfleck gemalt. Meine Lippen leuchteten kirschrot. Ich trug ein rosafarbenes Kleid und darunter jadegrüne Hosen, beides aus ausländischem Stoff. Die Ausländer mögen verderbt sein bis ins Mark, aber ihre Stoffe sind wirklich vorzüglich. Meine Schuhe waren mit einem gelben Mandarinentenpaar und rosafarbenem Lotus bestickt. Ganz im Ernst, sind meine Füße wirklich so groß? Wollen wir doch mal sehen. Wenn ich einen raschen Blick in jenen Spiegel aus Quecksilberglas werfe, erblicke ich darin eine leuchtende und verführerische Schönheit. Wenn ich mir selbst schon so gut gefalle, wie gut muß ich dann erst bei den Männern ankommen! Der Kummer wegen meines Vaters macht mir das Herz schwer, aber mein Patenonkel sagt, je mehr einen etwas bedrücke, desto mehr müsse man nach außen hin fröhlich scheinen. Man brauche niemandem eine Leidensmiene vorzuführen. Also gut – schaut nur her, ja schaut nur, heute werde ich mich messen mit allen Frauen von Gaomi, ganz gleich ob sie Frauen aus den besten Beamtenfamilien sind, die Augäpfel der wohlhabenden Akademiker – sie können sich nicht einmal mit meinem kleinen Zeh messen. Mein einziger Makel sind die großen Füße. Damit büße ich für den frühen Tod meiner Mutter, denn es gab niemanden, der sich darum kümmerte, sie mir durch Abbinden zu verkleinern. Das Thema raubt mir den Verstand! Doch mein Patenonkel sagt, er mag Frauen, deren Füße nicht gebunden sind, er sagt, ungebundene Füße hätten den Reiz der Natürlichkeit. Wenn er auf mir liegt, will er immer, daß ich ihm mit meinen Fersen auf den Hintern trommele. Und wenn ich es dann tue, ruft er mit lauter Stimme: »Große Füße sind keine Strafe, kleine Füße nur was für Schafe ...«

Zu dieser Zeit hatte mein Vater in Dongbei einen Altar für Geister und Dämonen errichtet, damit sie ihm im Kampf gegen die Deutschen beistünden. Meinen Patenonkel machten die Taten meines Vaters die größten Sorgen. Es hatte siebenundzwanzig Tote gegeben, doch in Gaomi war noch alles ruhig. Das Blutbad von Dongbei schien die Leute in der kleinen Kreisstadt nichts anzugehen.

Mein Patenonkel, Seine Exzellenz Qian, hatte auf dem Truppenexerzierplatz vor dem Südtor eine riesige Schaukel errichten lassen, die von fünf mächtigen Zypressenstämmen gehalten wurde. Um die Schaukel herum ließ er die jungen Frauen und Männer der ganzen Stadt zusammenkommen. Die jungen Frauen waren alle prächtig herausgeputzt, die jungen Männer trugen sorgfältig gekämmte Zöpfe. Die Luft war voll von Gelächter und Geplapper. Und inmitten des fröhlichen Treibens vernahm man die Rufe der Straßenhändler und Imbißverkäufer:

»Bonbons – Karamellen!

Kürbiskerne – Erdnüsse!«

Ich faltete den Schirm aus Ölpapier zusammen und bahnte mir den Weg durch die Menge. Da erblickte ich das Fräulein Qi, von dem es hieß, es könne Gedichte und Romane schreiben, begleitet von zwei Dienerinnen. Sie war prachtvoll gekleidet, mit Perlen und Jadeschmuck im Haar, doch leider war sie mit einem langen, weißen Gesicht geboren worden, das an ein ausgedorrtes Salzfeld erinnerte; über den Augen hatte sie zwei strohige Haarbüschel, die ihre Augenbrauen vorstellten. Weiterhin erkannte ich das werte Töchterchen der Akademikerfamilie Ji, abgeschirmt von vier Dienerinnen. Angeblich war sie eine Expertin in ornamentaler Stickerei und verstand sich darauf, nicht nur die Zither und die Pipa, sondern überhaupt alle Instrumente vorzutragen. Doch leider hatte sie eine viel zu kleine Nase, kleine Augen und winzige Ohren, die an eine froschäugige kleine Hündin erinnerten. Dagegen erinnerten mich die Huren, die aus dem Rotlichtviertel zu einem Frühlingsausflug herausgekommen waren, an eine Affenhorde, wie sie kichernd und fröhlich miteinander herumalberten. Mit stolzgeschwellter Brust und erhobenen Hauptes ging ich weiter. Ein paar ungezogene junge Flegel starrten mich unverschämt an und musterten mich von oben bis unten und zurück. Sie glotzten mit offenen Mündern, die aussahen wie schwarze Höhlen, und der Speichel rann ihnen über das Kinn. Ich lächelte nur, während ich innerlich ziemlich aufgewühlt war. Reißt nur die Augen auf, Kinder, geht nach Hause und träumt eure lüsternen Träume! Heute habe ich einen guten Tag und lasse euch starren, soviel ihr wollt. Die Kinder blieben eine Weile mit tumben Gesichtern stehen, doch plötzlich kam Leben in sie, und sie begannen ohrenbetäubend und frech zu grölen: »Die Hundefleisch-Xishi, Königin von Gaomi! Seht her, welch ein Rosenteint, welch ein Schwanenhals, welch Gazellenbeine! Die obere Hälfte weckt Verlangen, aber wehe, wenn man die untere sieht! Nur ein perverser Lüstling wie Qian Ding hat etwas übrig für Göttinnen mit großen Füßen!«

Hört bloß auf mit dem Unsinn, sonst pfeifen es gleich die Spatzen von den Dächern. Und wenn es der Verwaltung zu Ohren kommt, sperren sie euch ein und bringen euch ins Yamen, wo sie euch mit vierzig Stockschlägen den Hintern zu Hackfleisch machen.

Egal, was ihr heute von euch gebt, ich werde mich nicht darüber aufregen. Was gebe ich auf euer Geschwätz, solange ich meinem Patenonkel gefalle? Ich bin hier, um zu schaukeln, und nicht, um mir euren Unsinn anzuhören. Ihr beleidigt mich, doch in euren Herzen verzehrt ihr euch danach, meinen Urin zu trinken!

Das Schaukelbrett wurde losgemacht, und die großen, vom Nieselregen feuchten und glänzenden Hanfseile hingen herab, als warteten sie nur darauf, daß ich sie ergriff. Ich warf den Schirm weg und störte mich nicht daran, welcher Affe ihn sich unter den Nagel riß. Wie ein Karpfen, der aus dem Wasser springt, ergriff ich mit beiden Händen die Seile und sprang auf das Brett. Seht her, ihr Bengel, wofür große Füße gut sind! Mit lauter Stimme rief ich: »Ich zeige euch, wie's geht, von mir könnt ihr noch was lernen!«

Als ich mit dem Schaukeln beginne, kommt doch so eine fette und dumme Göre daher, das Gesicht schwärzer als Koks, der Hintern größer als ein Mühlstein, die Füße kleiner als eine Wassernuß – will sie etwa auch auf die Schaukel? Für wen hält die sich, das unverschämte Ding? Wofür ist so eine Schaukel wohl da? Sie ist eine Bühne! Wer sie betritt, stellt seinen Körper zur Schau und unterhält das Publikum. Sie ist wie ein kleiner Sampan, der auf den Wellen treibt, Wind und Strömung ausgesetzt. Man muß sich gehenlassen, und dabei stellt man alle seine Reize zur Schau. Warum wohl läßt mein Patenonkel eine Schaukel auf dem Exerzierplatz aufstellen? Aus Liebe zum Volk? Pah, schön wär's! Ich sage euch, wie es ist: Diese Schaukel wurde von meinem Patenonkel nur wegen mir aufgestellt, sie ist das Geschenk des Alten für mich zum Qingming-Fest! Ihr wollt es nicht glauben? Dann geht doch und fragt ihn selbst!

Gestern abend ging ich zu ihm, um ihm Hundefleisch zu bringen. Nachdem wir das Spiel von Wolke und Regen miteinander gespielt hatten, faßte er mich um die Taille und sagte: »Mein Schatz, mein kleiner Liebling, morgen ist das Qingming-Fest, und dein Patenonkel hat eigens für dich auf dem Exerzierplatz vor dem Südtor eine Schaukel aufstellen lassen. Dein Patenonkel weiß, daß du im Theater schon eine Kriegsheldin gespielt hast, geh hin und zeige ihnen deine Füße! Das wird, wenn nicht die ganze Provinz Shandong, zumindest ganz Gaomi erschüttern. Laß alle wissen, daß das Patenkind eines gewissen Herrn Qian eine ganz außergewöhnliche und tapfere Frau ist! Laß sie wissen, daß große Füße schöner sind als kleine, daß ein gewisser Herr der ketzerischen Ansicht ist, daß Frauen in Gaomi nie wieder ihre Füße binden sollen.«

Ich antwortete: »Patenonkel, wegen der Sache mit meinem Vater seid Ihr betrübt, und um ihn zu schützen, habt Ihr Euch eine schwere Bürde aufgeladen. Wenn ich Euch so betrübt sehe, fällt es mir schwer, mich amüsieren zu gehen.«

Er küßte mir die Füße und sprach gerührt: »Meiniang, mein Liebling, dein Patenonkel möchte das fröhliche Treiben des Qingming-Festes nutzen, um das ganze Unglück aus unserer Präfektur zu vertreiben. Denn die Toten werden nicht wieder lebendig, die Lebenden aber sollen sich vergnügen! Wenn du weinst, wird niemand dein Leid mit dir teilen, man wird sich nur über dich lustig machen. Du mußt härter sein als die anderen, dann werden sie dir zu Diensten sein. Man wird Theaterstücke und Romane über dich schreiben. Also steig auf die Schaukel und zeig ihnen, was du kannst! Vielleicht wird es dann eines Tages eine Katzenoper mit dem Titel ›Sun Meiniangs großer Tag auf der Schaukel‹ geben!«

Während meine Füße mit seinem Bart spielten, sagte ich: »Wenn es ums Schaukeln geht, werdet Ihr Euch Eurer Patentochter bestimmt nicht schämen müssen.«

Ich ergriff die Seile mit beiden Händen, ging in die Knie, stützte mich mit den Zehen auf dem Holzbrett ab und beugte mich nach vorn. Als sich die Schaukel in Bewegung setzte, richtete ich mich auf und atmete tief ein. Ich zog die Seile nach hinten, schwang mich, die Füße fest auf das Brett gedrückt, nach oben. Die Eisenringe am Gestell der Schaukel begannen laut und vernehmlich zu quietschen. Die Schaukel schwang immer höher, immer schneller und steiler, und es knirschte immer geräuschvoller ... die straff gespannten Seile pfiffen wie ein scharfer Wind, die Eisenringe quietschten zum Gotterbarmen. Ich fühlte mich leicht und frei, meine Arme waren wie zwei Flügel, auf meiner Brust schienen Vogelfedern zu wachsen. Ich ließ die Schaukel bis zum höchstmöglichen Punkt schwingen, fühlte dabei den Rhythmus, das regelmäßige Auf und Ab, das dem Wellenschlag des Ozeans glich. Welle folgte auf Welle, Gischt auf Gischt. Große Fische folgten auf kleine Fische, kleine Fische auf Garnelen, blubb, blubb, blubb ... höher und höher. Mein Körper streckte sich nach oben, bis mein Gesicht an die gelben Bäuche der Schwalben stieß, die über mir kreisten, um sich das Spektakel anzusehen, genießerisch ließ ich mich auf einem weichen Kissen aus Wind und Regen treiben. Am höchsten Punkt angelangt, reckte ich den Kopf, um unter dem Applaus der Umstehenden den blühenden Zweig eines Aprikosenbaums abzubeißen. Welch herrliche Zügellosigkeit, was für ein Genuß! Ich bin erleuchtet, eine Heilige ...! Schließlich ließ ich den Deich brechen, die Flut ebbte ab, die Wellen wurden kleiner, die großen Fische verschwanden, dann die kleinen und die Garnelen ... schwapp, schwapp, immer weiter nach unten. Am tiefsten Punkt angelangt, machte ich einen Satz, und mein Körper hing umgekehrt zwischen den straff gespannten, zitternden Seilen, das Gesicht der frischen Erde und den winzigen, violetten Blüten im Gras zugewandt; zwischen den Zähnen hatte ich den Aprikosenblütenzweig, und meine Nase war voll von zartem Aprikosenduft.

Während ich auf der Schaukel meinen Spaß hatte, verfolgten die Zuschauer am Boden, all diese kleinen Nichtsnutze meine Ausgelassenheit. Sie riefen Oh! wenn ich nach oben schwang und Ah! wenn ich wieder herunterkam. Der regenfeuchte, süße und salzige, nach feuchtem Rindsleder schmeckende Wind spielte in meinen Kleidern, durchnäßte mir die Brust. Ich war berauscht. Was meinem Vater auch zugestoßen sein mochte, eine verheiratete Tochter ist schließlich wie vergossenes Wasser. Kümmere dich selbst um deine Angelegenheiten, Vater, denn deine Tochter wird sich von heute an nur noch um sich selbst sorgen. Zu Hause habe ich einen braven und ehrlichen Ehemann, der mich vor den Unwägbarkeiten des Lebens schützt, und draußen habe ich einen mächtigen und einflußreichen, liebe- und geschmackvollen Liebhaber. Will ich Wein, dann fließt er, will ich Fleisch, dann steht es auf dem Tisch. Ich kann tun und lassen, was ich will, weinen, lachen, mich gehenlassen – das macht mir so leicht keiner nach. Das ist das Glück! Das ist das Glück, das ich meiner Mutter zu verdanken habe, denn sie hat ihr ganzes Leben lang unglücklich und wie eine Nonne gelebt und für mich gebetet. Das ist das Glück, das das Schicksal für mich vorgesehen hat. Dank sei dem Himmel! Dank sei dem Kaiser und der Kaiserin! Dank sei meinem Patenonkel, Seiner Exzellenz Qian. Dank sei meinem einfältigen Xiaojia. Dank sei dem Herrn Präfekten Qian für den Zauberstab der Unsterblichkeit, den er mir hat anfertigen lassen, ein Schatz, der im Himmel und auf Erden seinesgleichen sucht, meine Medizin. Und Dank sei schließlich der weisen Ehefrau des Herrn Präfekten, die in den hinteren Gemächern wohnt und keine Kinder bekommen kann. Deshalb empfahl sie ihm, sich eine Konkubine zu nehmen ...

5.

Es heißt, daß das Faß überläuft, wenn es zu voll ist, und der Mond abnimmt, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Jedermanns Glück hat irgendwann ein Ende, und auch der zufriedenste Hund muß irgendwann einmal Kot fressen. Während ich fröhlich auf der Schaukel stand und meinen Kopf in den Wind hielt, schickte sich mein Vater Sun Bing an, das einfache Volk von Dongbei in einen Aufstand gegen die Deutschen zu führen. Mit geschulterten Spaten und mit Äxten, Harken und Mistgabeln bewehrt, umzingelten seine Leute die Baracken der Deutschen, die die Eisenbahnschienen verlegten. Sie schlugen einen Haufen chinesischer Kollaborateure tot und nahmen drei deutsche Soldaten als Geiseln. Sie rissen den Deutschen die Kleider vom Leib, banden sie an große Schnurbäume und pinkelten ihnen ins Gesicht. Sie steckten die hölzernen Markierungen für die Bahnlinie in Brand, rissen die Eisenbahnschienen aus dem Boden und warfen sie in den Fluß. Sie nahmen die Schwellen mit nach Hause, um daraus Schweineställe zu bauen, und dann zündeten sie die Baracken an.

Ich schaukelte unterdessen auf meiner Schaukel bis zum höchsten Punkt, wo ich über die Stadtmauer hinweg einen freien Blick auf die fischschuppenartigen Dächer der Häuser hatte. Ich sah die mit blauen Steinen gepflasterte Straße vor dem Yamen und die lange Reihe der schindelgedeckten Häuser, die zum Anwesen meines Patenonkels gehörten. Seine große Sänfte mit vier Trägern hatte das innere Tor des Yamen bereits passiert. Ihr voraus ging ein Amtsdiener in der üblichen Dienstkleidung aus schwarzer Robe und roter Kappe, der den Gong schlug, um den Weg frei zu machen. Dann kamen zwei höherrangige Bedienstete in der gleichen Aufmachung, die Banner und Schirme trugen. Zwei mit Schwertern bewaffnete Wachen stützten die Sänfte. Hinter ihr gingen die Sekretäre der sechs Büros des Yamen und die persönlichen Bediensteten hasteten hinterdrein. Der Gong schlug dreimal lang und einmal kurz. Die Angestellten des Yamen salutierten und die Sänftenträger trippelten auf der Stelle, als hätten sie Sprungfedern in den Beinen. Die Sänfte schwankte wie ein Boot auf den Wellen.

Mein Blick ging über die Stadt hinaus in Richtung Dongbei, wo die von den Deutschen errichtete Eisenbahnstrecke lag. Sie sah aus wie eine sich windende Schlange, der man den Kopf zu Brei geschlagen hat. Über das weite Land, das vom zarten Grün des jungen Frühlings überfloß, schwärmte eine dichte Menschentraube fahnenschwenkend auf die Schienen zu. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich noch nicht, daß mein Vater die Revolte anführte, sonst hätte ich mich wohl kaum so hemmungslos dem Schaukeln hingegeben. Ich bemerkte schwarze Rauchwolken, die in unmittelbarer Nähe der Schienen aufstiegen wie riesige, schwankende Bäume und der Lärm, der aus der Ferne herüberdrang, verstärkte sich.

Die Ehrengarde meines Patenonkels rückte immer näher und erreichte allmählich das Südtor. Immer lauter erklangen die Gongs und die Rufe, die Banner hingen im Nieselregen herab wie Schweinehäute, von denen das Blut tropft. Ich konnte die feinen Schweißperlen auf den Gesichtern der Sänftenträger erkennen und hörte ihr lautes und schweres Keuchen. Die Passanten zu beiden Seiten der Straße beugten respektvoll den Kopf und wagten kaum mehr zu reden. Selbst der berüchtigte Hund der Familie Lu – Herr Lu gehört zu denjenigen, die das Provinzexamen mit Auszeichnung bestanden haben – war mucksmäuschenstill. Ja, selbst die Tiere zollten meinem Patenonkel Respekt, seine Macht war so groß wie der ehrwürdige Taishan-Berg. Mir wurde ganz warm ums Herz. Ich fühlte die Glut eines Ofens, und auf dem Ofen stand ein Flakon mit Wein. Patenonkel, ich liebe Euch so sehr! Ich schaukelte mit aller Kraft nach oben, damit mein Patenonkel die Vorhänge der Sänfte teilte, um zu sehen, welch gute Figur ich machte.