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In diesem Buch wird sowohl die alltägliche pädagogische Praxis mit all ihren bürokratischen Exzessen ebenso beschrieben wie die Freude am Unterrichten. Neben Aufsätzen, in denen über die Zusammenhänge von Neoliberalismus, Digitalisierung und Pädagogik nachgedacht wird oder über die glückliche Verbindung von Humor und Unterricht, versammelt das Buch auch einige Reden sowie "Kokolores" genannte, etwas schräge Überlegungen zum Lehrerberuf und Unterrichtsalltag.
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Das Buch
Wusste der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, als er Lehrer pauschal als faule Säcke bezeichnete, dass man diese in Finnland liebevoll als Kerzen des Volkes respektiert… Ungeachtet dieser grobschlächtigverächtlichen Titulierung des ehemaligen Regierungschefs lässt sich feststellen, dass in unserer Republik gerade über Bildungsfragen und die Institution der Schule noch immer besonders leidenschaftlich diskutiert wird. Leidenschaft wird man auch in diesem Buch entdecken können, gleichgültig, ob es um die Digitalisierung des Unterrichts geht, um die Praxisferne einer ausufernden Kultusbürokratie, um den Zusammenhang von Humor und Lernen, um eigenwillige Unterrichtsprojekte oder gelegentlich etwas exzentrisch gestaltete Deutschstunden. In jedem Falle spricht in diesen Texten ein Praktiker, jemand, der die Schule nicht nur als Schüler erlebt hat, sondern auch aus der Perspektive des Lehrerpults, und dem das Zitat zugeschrieben wird, dass man nur dann von einer guten Unterrichtsstunde sprechen könne, wenn in dieser zumindest einmal auch gelächelt wurde…
Der Autor
Manfred Back, geboren 1961 in Rüsselsheim, lebt und arbeitet als Lehrer in Frankfurt. Eine Übersicht über seine bisherigen literarischen Arbeiten findet sich am Ende des Buches.
Erziehung ist Zeugung einer anderen Art.Georg Christoph Lichtenberg
Erziehung ist alles. Der Pfirsich war einst eine Bittermandel, und der Blumenkohl ist nichts als ein Kohlkopf mit akademischer Bildung.Mark Twain
Der Vogel hat gesungen.
Die Glocke hat geläutet.
Die Geranie
auf der Fensterbank
ist eben gestorben,
aber Sie
reden einfach weiter,
Fräulein Schmitt.
Albert Cullum
Stellvertretend für so viele, die meinem beruflichen Leben einen Sinn und meinem Leben eine Art Berufung gaben - und meine Berufungmit Leben erfüllten…
… für Gloria(meiner Punkerin, mit der ich meine Begeisterung fürPowerwolf teilen durfte und die als Praktikantin die Bahnhofsmission beseelte)…
…für Mazlum(der Sanftheit mit Neugier paarte und der sein Praktikum als silberne Tür in die Arbeitsweltbezeichnete) …
… und für Amina(die den Begriff der Tapferkeit neu definierte und in deren Brust ein Lagerfeuer glänzt) …
…und natürlich (und ganz besonders) fürall die anderen…
Ein Smartphone kicken
Der pädagogische Pflanzenfreund
Nach Osnabrück
Gruß nach vorn
Vertretungsstunde I:
Der Hans mit seiner frechen Gans
Im Laufrad
Geplante Stunden
Ein fragwürdiger Fragebogen
Lackieren
Vertretungsstunde II:
Im Hafen
Einige Empfehlungen für den Nachwuchs
Die Schönheit von Fragezeichen
Auf bald in Danzig
Geplante Stunden (II)
Vertretungsstunde III:
Kleines Lexikon einer großen Klasse
Die Krone absetzen
Der Nagel
Neues vom Viehmarkt
Elternzeit
Vertretungsstunde IV:
Meine Fohlen
Glücksmomente
Gern räume ich ein, dass ich Smartphones nicht mag. Und folglich auch keines besitze. Dass ich damit von meinen offenmundig/offenkundig staunenden Schülern als ein anachronistisches Fossil aus der analogen Urzeit betrachtet werde, muss ich in Kauf nehmen, zumal ich auch recht offensiv mit diesem unfassbaren Defizit umgehe. Das geht so weit, dass ich auf die Frage meiner ehemaligen Klasse, was ich denn mit einem mir von ihnen geschenkten Handy anstellen würde, geantwortet habe, dass ich es unverzüglich aus dem Fenster werfen würde. Das geht sogar so weit, dass ich ein herrenlos in einem Rucksack im Klassenraum vergessenes Smartphone vor den Augen meiner entsetzten Zöglinge auf den Boden fallen ließ (absichtlich!) und es anschließend (genüßlich!!) einer lustvollen Diagonalkickprobe durch den Raum unterzog. Meinen Schülern musste das vorgekommen sein wie ein heidnischer Akt, die Schändung eines Heiligtums, ein Sakrileg, begangen von einem aus der Zeit gefallenen Avatar…
Natürlich sehe auch ich als Pädagoge, dass ein solches Smartphone eine Bereicherung sein könnte, ein nützliches Utensil beispielsweise bei Klassenfahrten oder Ausflügen. Allerdings, sehr viel mehr Vorzüge kann ich für den pädagogischen Betrieb nicht erkennen. Was ich hingegen erkennen kann, ist eine schwarmhaft sich ausbreitende Bewusstseinsgeiselnahme, eine epidemisch zunehmende Massenpsychose, sind dramatisch sich verändernde Kommunikationsstrukturen sowie ein organisiert wirkender Aufmerksamkeitsraub. (Wer jetzt nicht so recht weiß, was der Urzeitonkel damit genau meint, möge einfach eine beliebige Straßenbahn oder einen Bus in einer beliebigen Stadt zu einer beliebigen Uhrzeit betreten und sich umschauen – was natürlich bedeuten würde, den eigenen Blick von seinem Smartphone abzuwenden…).
Um Letzteres aber als Straftatbestand justiziabel machen zu können, müsste so etwas wie ein kritisches Bewusstsein vorhanden sein. Und natürlich, die Forderungen nach einer kritischen Medienerziehung als ein vehement verlangtes didaktisches Ziel gibt es. Die Notwendigkeit, Kinder zu einem bewussteren medialen Umgang zu erziehen, liegt ja auch ziemlich offen zutage, nicht nur, was sogenannte „Hasskommentare“, das Phänomen des „Sexting“ und das digitale Mobben betrifft, sondern überhaupt den oftmals sehr leichtsinnigen um nicht zu sagen naiven Umgang mit den eigenen Daten. So weit, so gut. Es leuchtet mir ein, dass zeitgemäßer Unterricht natürlich auch im Computerraum stattfinden sollte, zur Einübung von Präsentationstechniken oder zum Recherchieren im Internet (wobei aber auch klar sein sollte, dass die Lehrkraft eine instruierende statt einer bloß dekorativen Rolle spielen muss). Gewisse Vorzüge des digitalen Zeitalters haben sich selbst mir als einem hier eher skeptischen Zeitgenossen durchaus erschlossen, Vorzüge, die ich im täglichen Unterricht anwende und selbstverständlich auch privat nutze.
Vielleicht sollte ich doch etwas weiter ausholen, um mein Unbehagen sowohl an der gedankenlosen Anbetung nahezu aller digitalen Innovationen im Allgemeinen als auch am unreflektierten Gebrauch von Smartphones im Besonderen zu verdeutlichen. Bis bei mir zuhause der erste Computer installiert wurde, hatte ich mich in einer teilweise albern bis hysterisch anmutenden Abwehrhaltung befunden und dabei allerlei kindische und haltlose Argumentationen von mir gegeben. Heute dagegen nutze ich den Rechner in vielfältiger Weise, habe mir die wunderbaren Optionen von Schreibprogrammen einigermaßen erschlossen, verkehre mit der Außenwelt nahezu täglich via E-Mail und surfe häufig und ausgiebig im Netz. Im Zuge dessen bin ich sogar zu einem Fördermitglied von Wikimedia geworden, das die Arbeiten an Wikipedia organisiert (ein Medium, dessen Kenntnisreichtum und Qualität ich oft nutze und genieße).
Bei Handys hingegen ist meine Skepsis geblieben, anfangs genährt vor allem von einem Gefühl, ein wichtiges Stück Privatheit zu verlieren. Die Vorstellung, in aller Öffentlichkeit intime Dinge zu besprechen, löste in mir negative Empfindungen aus und ließ mich einen mir unangenehmen Mangel an Distanz und Dezenz erahnen. An diesem Grundgefühl hat sich bis heute nicht viel geändert, zumal ich das hemmungsloslautstarke Hinaustrompeten von Worten, Sätzen und Halbsätzen/Wortfetzen zunehmend als eine Form der akustischen Umweltverschmutzung wahrnehme.
Heute hingegen sagen Studien, dass Smartphones immer weniger für einen solchen Kommunikationsaustausch genutzt werden. Stattdessen wird gedaddelt, was das Zeug hält, werden die sogenannten sozialen (und von mir nur als unsozial bezeichneten) Netzwerke hauptsächlich zur Bestätigung der eigenen Wichtigkeit eingesetzt, werden alle möglichen WhatsApp-Programme in einer mir als zunehmender Selbstentmündigung erscheinenden Häufigkeit angeklickt und angewendet und wird, wie mir scheint, immer mehr selbstständiges und souveränes Denken und Handeln an eine virtuelle Pokemon-go-Welt delegiert.
Eine beliebige Fahrt in einem öffentlichen Verkehrsmittel oder das Betrachten verschiedener Szenerien in einem Restaurant, einem Supermarkt, auf einem Marktplatz oder auch in einer Buchhandlung vermitteln mir zunehmend das Gefühl, Teilnehmer eines dystopischen Science-Fiction-Filmes zu sein: denn so viele starren gebannt auf ihren kleinen bunten Bildschirm, nehmen von der sie umgebenden Außenwelt nichts mehr wahr und wirken wie gefangen in einer unaufhörlich sie überflutenden bunten Reizwelle, in der man sich neben der (vermeintlichen) Vertreibung der Langeweile und der Abwehr der Angst davor, mit sich selbst einmal alleine zu sein (in einer Welt, in der ständig etwas geschehen muss!) vor allem die Bestätigung seiner eigenen Vorurteile sichert und so seine eigene kleine und postfaktische Existenz konstruiert.
Dass ein derartiges Betäubungsverhalten nicht gerade dazu führt, sich dann im Unterricht mit Aufmerksamkeit und einer gewissen Zähigkeit, einem Durchhaltevermögen und altmodischer Beharrlichkeit auf schulische Aufgaben einzulassen, um etwa konzentriert einen Text lesen und verstehen zu können oder die eigenen Gedanken stringent in einer Erörterung darzulegen, erscheint mir plausibel. Viele ernstzunehmende Wissenschaftler und Forscher warnen denn auch, vor allem vor dem Hintergrund neurophysiologischer Entwicklungsprozesse im Kleinkindalter, vor einem viel zu frühen Gebrauch digitaler Medien. Mit einer für mich unverständlichen Ignoranz werden aber diese Warnungen (etwa von Manfred Spitzer) nicht nur von Bildungspolitikern, sondern auch von „Bildungsexperten“ ignoriert, die sich in ihren Phantasien und Forderungen nach einer umfassenden Digitalisierungsoffensive möglichst schon in Kitas und Horten gegenseitig überbieten. Mit der gleichen Borniertheit werden die Bedenken etwa von Precht und Welzer außer Acht gelassen, die generell vor den Gefahren einer unkontrolliert digitalen Welt warnen.
Als Lehrer an einer Gesamtschule in einem sogenannten sozialen Brennpunkt erlebe ich häufig Schüler, deren Aufmerksamkeitsspanne nicht einmal für drei Minuten anhält. Beobachte ich eine motorische Unruhe, die sich nicht allein mit den Arbeiten an einer pubertären Großbaustelle erklären lässt. Nehme ich wahr, dass sehr vielen Kindern die Einhaltung auch nur einfachster sozialer Regeln kaum gelingt. Und bemerke ich eine Welt- und Lebenswahrnehmung und Daseinskenntnis, die den Verdacht nahelegt, diese Kinder verbrächten den Großteil ihrer Zeit in einer Bewusstseinsblase fernab von jeglicher Realitäts- und Alltagsprosa.
Sicher, man muss hierbei bedenken, dass Pubertät und Adoleszenz häufig sehr dramatische und einschneidende Veränderungsprozesse darstellen, die sich nicht erst heutzutage in den eben skizzierten Ausprägungen darstellen und denen man sinnvoll mit Gelassenheit und konsequentem Handeln, mit grundsätzlichem Wohlwollen und klar definierten Spielregeln und ganz generell mit heiterer Nachsicht (im Sinne einer grundlegenden Akzeptanz des Gegenüber) begegnen sollte. Und ja, hier zeigen sich natürlich auch oft Ergebnisse einer äußerst defizitären Erziehung, die häufig auf der Überforderung, Unkenntnis oder Ignoranz der Erziehenden basiert.
Aber auch diese Erklärungsansätze vermögen nicht recht zu überzeugen. Stattdessen meine ich, dass sich hier Resultate offenbaren, die einem dramatischen Wandel sowohl der Weltwahrnehmung und –verarbeitung als auch des alltäglichen Verhaltens geschuldet sind. So etwa haben Wissenschaftler in Studien festgestellt, dass die permanente Fixierung auf die bunte Smartphone-Welt zu einem erheblichen Verlust von Empathie geführt hat. Auch müsste es die für die Erziehung Verantwortlichen doch beunruhigen, wenn Grundschüler viele basale Fertigkeiten kaum noch oder gar nicht beherrschen: etwa das Schwimmen, das Rückwärtslaufen, Schuhebinden, Flüstern, das Klettern auf Bäume. Dass diese Phänomene möglicherweise auch den sogenannten Helikoptereltern zu verdanken sind, die annehmen, man müsse sein Kind rund um die Uhr vor einer bedrohlich wirkenden Außenwelt schützen und es dabei jederzeit via Smartphone kontrollieren, macht die Sache nicht einfacher. Insgesamt erscheint es dringend geboten, über einen sinnvolleren und vor allem reflektierten Umgang mit den digitalen Medien nachzudenken und dabei einen akzeptablen Weg für sich selbst zu finden, um in der damit verbundenen Reiz- und Informationsflut nicht völlig den Halt zu verlieren – eine Notwendigkeit, die sich ja nun nicht gerade auf Heranwachsende beschränkt, sondern sich dezidiert auch an die Welt der Erwachsenen richtet.
Selbstverständlich bin ich mit solcherlei Überlegungen und Bedenken milchstraßenweit entfernt von dem, was sich als zeitgemäße Pädagogik bezeichnen ließe. Insbesondere setze ich mich damit natürlich auch dem Verdacht aus, mich aus der Lebenswirklichkeit meiner Schützlinge auszuklinken, keinen schülerorientierten Unterricht anzustreben und, ganz fatal! Die Schülerinnen und Schüler nicht da abzuholen wo sie stehen… - so what-? Ist es nicht viel eher meine Aufgabe als Lehrer, gerade dies nicht zu tun: mich in die oftmals noch sehr begrenzte und von vielerlei bunten Oberflächlich- und Nichtigkeiten dominierte Klickwelt der Kinder einzuschleimen (wie es Schüler formulieren würden) und mich damit mit ihnen gemein zu machen, mich auf diesem (äußerst bequemen) Wege ihrer Sympathien zu erfreuen und mich von meiner eigentlichen Verantwortung davonzustehlen, die gerade eben darin besteht, Schülerinnen und Schüler mit einer für sie fremden, unerschlossenen Welt zu konfrontieren; sie vor gänzlich unvertraute, für sie exotische und sperrige, vielleicht sogar zunächst anödende andere Lebenswelten und Gedanken, Probleme und Herausforderungen zu stellen, um mit ihnen gemeinsam dieses Fremde, Unbekannte kennen zu lernen; sich damit auseinanderzusetzen (und sie dabei vielleicht auch punktuell zu überfordern) - und dabei zu der Fähigkeit, sich auf etwas Unbekanntes eingelassen und sich damit beschäftigt zu haben, zusätzlich besagtes Durchhaltevermögen zu trainieren? Der eigene Anspruch jedenfalls, die Kinder ernst zu nehmen, kann sicherlich vielerlei Facetten und Ansätze enthalten – sich ihnen oberflächlich anzubiedern und damit vielen Schwierigkeiten elegant aus dem Wege zu gehen, zählt wahrlich nicht dazu.
Was also tun? Ich hielte es für keinen überzeugenden Ansatz, würde die Schule sowohl das Mitnehmen als auch das Benutzen von Smartphones während des Schultages komplett untersagen. Ein solches Verbot wäre ein zu rigides Instrument, zumal es die vielzitierte Lebenswirklichkeit von Schülern komplett ausblenden würde. Sinnvoller erschiene es mir, die Nutzung dieser Geräte im Schulhaus (und damit natürlich auch im Unterricht) zu verbieten und solcherlei Verstöße gegen die Schulordnung konsequent zu ahnden. Eine solche Praxis erlebe ich an der Schule, an der ich schon lange unterrichte. Gern räume ich ein, dass eine solche Regelung eben nicht dazu geführt hat, dass die Schüler nun in den Pausen, statt analoge Gespräche mit Freunden zu führen, allesamt und vereinzelt mit einem bunten Bildschirm vor Augen über den Pausenhof stolpern. Zudem führt ein solcher Umgang mit dem Phänomen auch dazu, dass Schüler dabei ihre Wahrnehmung des eigenen Verhaltens trainieren und strukturieren lernen können, also: Smartphones wegstecken, sobald man das Schulgebäude betritt.
Relativ selten übrigens störte das Klingeln eines nicht ausgeschalteten Handys in meinem Unterricht. Und wenn das ab und zu doch passiert, dann sollte die Lehrkraft hier auch einmal Nachsicht walten lassen – vorausgesetzt, der Schüler sieht seinen Regelbruch ein, statt lange Diskussionen anzuzetteln.
Allerdings wäre es nicht nur wünschenswert, sondern auch dringend geboten, dass die Lehrkräfte hierbei besonders an ihre Vorbildfunktion erinnert werden sollten/müssten und nicht selbst pausenlos telefonierend vor den Augen der Schülerinnen und Schüler im Schulhaus herumziehen. Zudem wäre es mehr als sinnstiftend, wenn auch die Politik die Schulen hierbei unterstützen würde, statt deren Bemühungen um einen angemessenen Umgang mit Handys zu torpedieren. Denn wenn Schüler im Schulgebäude, in der Mensa etwa oder auf den Gängen, wie selbstverständihre Smartphones zücken, dann muss der Schule auch juristisch die Möglichkeit eingeräumt werden, dieses Gerät einzukassieren und am nächsten Tag den Erziehungsberechtigten auszuhändigen. Denn sonst wären alle Bemühungen der Schule, eine verbindliche Schulordnung zur Erlernung von Verhaltensregeln zu etablieren, völlig obsolet. Hier müssten gerade Bildungspolitiker bzw. Schuljuristen eine klare Kante zeigen, statt aus lauter Angst vor renitenten bzw. uneinsichtigen Eltern einen (vermeintlich) demokratischen Kotau zu exerzieren (oder auch: potentielle Wählerstimmen für sich selbst zu verprellen).
Übrigens hat das titelgebende Smartphone meinen wenig liebevollen Umgang mit sich überlebt. Selbstverständlich hätte ich eine eventuell eingetretene Schädigung des Geräts bezahlt. Gerne bezahlt. Denn das, das war es mir allemal wert…
Die vordringlichste Eigenschaft, die ein Pflanzenfreund besitzen muss, ist die Geduld. Ohne sie übersieht er das Wuchern von Konflikt- und Zankstoffen, überhört die schiefen Töne der Missachtung und übergeht die Nöte all derer, die in den göttlich anmutenden Garten des Lebens eingepflanzt worden sind. Und wenn man mit dem amerikanischen Religionsphilosophen Abbott Geduld als gezähmte Leidenschaft versteht, ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zu dem deutschen Aphoristiker Walter Hilsbacher, der Geduld übersetzte als praktizierte Liebe. Damit sind wir schon weit vorgedrungen in beachtliche Tiefen des Herzens, die aber auch benötigt werden, um den Rang eines echten Pflanzenfreundes einnehmen zu können.
Geduld, Leidenschaft, Liebe – und das in einer Gegenwart, die den Geiz zur quasi religiösen Anschauung stilisiert hat, die einer Vorstellung von Reichtum huldigt, der ausschließlich auf der Armut anderer basiert, mit der Blödigkeit als Schutzpatronin und dem kalten Herzen als Symbol: aber ob wir es wollen oder nicht, in dieser Welt leben wir nun einmal und ziehen unsere Sprösslinge groß, und da schadet das Nachdenken über die Grundlagen dieser Wachstumsbedingungen auf keinen Fall.
Geduld aber, die Gefährtin der Weisheit (Augustinus), ist ohne jeden Zweifel die wichtigste Stütze des pädagogischen Pflanzenfreundes, allzumal in einer Zeit, in der immer mehr die Uhren die Herrschaft über uns gewinnen, die Hektik mit schriller Stimme regiert und in der an die Stelle hingebungsvoller Liebe hastiger Konsum getreten ist.
Auch für unsere Zeitläufte, in der die Natur verbaut, zugestellt, ausgebeutet und verplant ist und allenfalls noch als eskapistisches Museum, als Projektion unserer Wünsche und Sehnsüchte dient, auch und gerade für diesen Zeitabschnitt gilt, dass man den Wald vor lauter Bäumen zu übersehen droht. Dies gilt auch für den Pflanzenfreund, der sich durch diese Unübersichtlichkeit und Vielstimmigkeit zunehmend eingeschüchtert fühlt. Für ihn gilt es deshalb besonders, eine Begegnung mit der Pflanze auf gleicher Ebene zu suchen, ohne sich ihr damit nun nicht gerade kniefällig oder gar bäuchlings zu nähern. Im Gegensatz aber zur hohen Warte, von der aus der vermeintliche Experte meist nur seinen eigenen Schatten sieht oder oft auch einfach gar nichts, empfiehlt sich als Gemeinschaft stiftendes und Zugehörigkeit vermittelndes Grundprinzip das zweite wichtige Attribut, dem sich ein wirklicher Pflanzenfreund verbunden sehen sollte: dem Respekt. Die Autorität des floralen Experten wird gewiss nicht unter dieser Grundeinstellung leiden, im Gegenteil: gerade in Zeiten, wo man preußische Sekundärtugenden als Antwort auf die vermeintliche Zersplitterung von verbindlichen Werten herbei bemüht, ist es gerade der Respekt, der sich als Bruder der natürlichen Autorität geschwisterlich mit dem Solidarischen verbunden fühlen darf.
