Die schönsten Märchen aus Südafrika - Andreas Model - E-Book

Die schönsten Märchen aus Südafrika E-Book

Andreas Model

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Beschreibung

In diesem Buch finden Sie die schönsten Märchen aus Südafrika. Sie spiegeln die Vielfalt und Vitalität der dort ansässigen und so unterschiedlichen Völker und Stämme wieder und vermitteln uns einen Eindruck von der Faszination dieses uns zuweilen so fremden Kontinents.

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Seitenzahl: 415

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Andreas Model

Die schönsten Märchen aus Südafrika

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorbemerkung

Babana

Das Ei, das immer größer wurde

Das Ende der Freundschaft zwischen der Hyäne und dem Hund

Das Ende des großen Häuptlings der Tiere

Das gefangene Mädchen

Das Honigrohr

Das Huhn und der Falke

Das Mädchen Pelo

Das Mädchen und seine Schlange

Das Mädchen, das aus der Höhe kam

Das Mädchen, das der Fluss geholt hat

Das Ungeheuer Nwaungaunga

Das ungehorsame Mädchen

Das Urteil des Häuptlings

Das Wasser, von dem kein Frosch getrunken hat

Demane und Demazana

Der Affe und die süßen Knollen

Der betrogene Betrüger

Der Blinde und der Krüppel

Der Frosch, seine Frau und die Schlange

Der Fuchs und die Löwin

Der furchtlose Junge

Der Hase und der Löwe

Der Häuptling mit dem Halbmond

Der Häuptling und seine Frauen

Der Junge auf dem Stier

Der Junge und sein Hase

Der Kranich

Der lachende Dritte

Der Löwe und der kleine Schakal

Der Löwe und der Schakal

Der Löwe, der Schakal und der Strauß

Der Mann mit den drei Frauen

Der Python und seine zwei Frauen

Der Rinderhirte

Der Schakal und der Leopard

Der Sohn von Molopelope

Der Zweig für den Häuptling

Die Antilope und die Schildkröte

Die Erlebnisse der Häuptlingstochter Umkxakaza

Die falsche Enkeltochter

Die faule Dondodzi

Die Frau und der Löwe

Die Geburt der Schlange

Die Geschichte vom Hasen

Die Geschichte von der Hyäne, dem Schakal und dem Menschen

Die Geschichte von Fünfkopf

Die gestreifte Maus

Die Häuptlingstochter Nsanga-ya-tsuma

Die Kinder der Häuptlingsfrau

Die Lehren des alten Mannes

Die List des Pavians

Die listige Schildkröte

Die Rettung der Schildkröte

Die Schöne ohne Zähne

Die schöne Ssewela

Die Spinne und der Tausendfüßer

Die Strafe

Die Trauer um die Antilope und die Haut

Die überlistete Diebin

Die viereckige Hütte

Die Warnung der Mutter

Die wunderbaren Hörner

Die Zauberkeule

Die zwei Schwestern und die Taube

Ein Vogel, der Milch gibt

Eisenflanke und seine Schwester

Faulheit wird bestraft

Geschichten von Uhlakanyana

Hobeane

Lass, es kommt noch besser

Liebesbeweise

Masinges Töchter

Matipunuke

Nimmersatts Ende

Nymalide und die alte Frau

Sankhambi lässt die Affen eine Höhle stützen

Sankhambi und das Krokodil

Sankhambi und der Duiker

Sankhambi und der Elefant

Sankhambi und die Früchte des Elefanten

Sankhambi und die Paviane

Senkepeng

Sihamba Ngenyana, die Nachtwandlerin

Thakane und Thakanjane

Tubole und seine Schwester

Umdhlubu und der Frosch

Usikulumi heiratet

Vom Hirten, der Brennholz holen sollte

Von dem Mädchen und dem Mbulu

Von dem Mädchen, das mit Zehen verheiratet war

Von dem Mädchen, das von den Tauben verschleppt worden war

Von den Mädchen, die nicht hören wollten

Von dem Mädchen, das das Ntonjane missachtete

Wie der Kchokomodumo besiegt wurde

Wie der Tod zu den Menschen kam

Wie die Paviane die Löwen aus den Bergen vertrieben

Wie die Tiere zu ihren Schwänzen kamen

Wie Usikulumi seinen Vater besiegte

Zwei Brüder

Zwei Hühner

Impressum neobooks

Vorbemerkung

Märchen sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen und in allen Kulturkreisen auftreten. Seit jeher sind sie eine wichtige und sehr alte Textgattung in der mündlichen Überlieferung überall auf der Welt. Fast jeder von uns ist mit dieser Erzähltradition aufgewachsen und sie ist ein Teil unserer Menschwerdung.

In diesem Buch finden Sie die schönsten Märchen aus Südafrika. Sie spiegeln die Vielfalt und Vitalität der dort ansässigen und so unterschiedlichen Völker und Stämme wieder und vermitteln uns einen Eindruck von der Faszination dieses uns zuweilen so fremden Kontinents.

Und jetzt wünsche ich Ihnen, ob jung oder alt, eine unterhaltsame und zuweilen vielleicht auch lehrreiche Lektüre dieser so verschiedenen Märchen aus Südafrika, die uns auch in besonderer Weise die Eigenheiten dieses Landes und seiner Menschen aufzeigen.

Babana

Babana verwandelte sich jede Nacht in einen Elefanten und aß die Kürbisse in den Gärten. Am Tage stand er meist erst spät auf. Den Leuten seines Dorfes wurde der Verlust bald zu groß, und sie beschlossen, denjenigen zu töten, der immer ihre Kürbisse aufaß. Sie lauerten dem Elefanten nachts auf, griffen ihn mit ihren Waffen an, konnten ihn aber nicht töten. Sie gingen nach Hause und beschlossen: "Morgen werden wir ihm folgen."

In der nächsten Nacht folgten sie der Spur des Elefanten. Plötzlich hörte die Elefantenspur auf, und es waren nur noch die Fußabdrücke eines Menschen und Blut zu sehen. Kurz darauf fanden sie die Stelle, wo der Elefant seine beiden Stoßzähne abgeworfen hatte, die wie lange Pfähle aussahen. Die Leute wunderten sich sehr und fragten einander: "Wie hat der Elefant es geschafft, dass er sich in einen Menschen verwandeln konnte?" Misstrauisch geworden, prüften sie, ob alle Männer da waren. Sie entdeckten, dass Babana fehlte und dass er auch nicht bei der Jagd auf den Elefanten dabei gewesen war.

Sie liefen zu seiner Hütte und fanden ihn mit Speerwunden krank daniederliegend. Und als sie ihn fragten, bekannte er, dass er sich in einen Elefanten verwandelt hatte, um viele Kürbisse essen zu können. Da machten sie ein Spottlied auf ihn und sangen: "Babana hat sich in einen Elefanten verwandelt, der ein Kürbisesser ist!" Fortan sang man dieses Spottlied überall im Lande.

Das Ei, das immer größer wurde

Ein Mann hatte elf Söhne. Der jüngste von ihnen aber war der Sohn der zweiten Frau. Bevor der Mann starb, überließ er jedem der zehn älteren Söhne drei Rinder. Dem jüngsten Sohn übergab er ein kleines Ei und trug ihm auf, es draußen, weit weg vom Kraal aufzubewahren und dem Ei jeden Tag etwas vorzusingen. Dann starb der Mann.

Der jüngste Sohn ging nun jeden Tag zu seinem Ei und sang ihm etwas vor, und das Ei wuchs und wuchs. Bald war es größer als eine Hütte, aber es wuchs immer noch. Da bekam der jüngste Sohn Angst vor dem Ei und kletterte auf einen Baum, wenn er ihm vorsang. Endlich, als er eines Tages wieder sang, platzte das Ei und Tiere jeglicher Art kamen heraus: Rinder, Schafe und Ziegen. Da baute der jüngste Sohn seinen eigenen Kraal und lebte glücklich darin.

Das Ende der Freundschaft zwischen der Hyäne und dem Hund

Die Hyäne stand hinter einem Zaun, schaute durch ein Loch und sah, wie die Menschen den Hund schlugen. Der Hund hatte sich ein Stück fettes Fleisch geschnappt und floh damit durch das Loch im Zaun ins Freie. Dort traf er auf die Hyäne, die auf ihn gelauert hatte. Sie packte den Hund und rannte mit ihm davon. Nach einer Weile setzte sie den Hund ab und sagte: "Ich höre dich immer heulen, weshalb wirst du denn geschlagen?" Der Hund antwortete: "Ich werde wegen des fetten Fleisches geschlagen!" Da fragte die Hyäne: "Wo haben denn die Menschen das fette Fleisch her, um dessentwillen sie dich immer schlagen?" Der Hund erklärte sich bereit, der Hyäne die Stelle zu zeigen.

Sie machten sich beide auf den Weg. Schließlich kamen sie an ein Wasserloch, in dem sich der Mond spiegelte. Der Hund zeigte in das Loch und sagte: "Da ist das fette Fleisch, das die Menschen holen." Da bat ihn die Hyäne: "Geh doch hinein und bringe mir etwas." Der Hund aber hatte den Bissen fetten Fleisches noch im Rachen. Er ging in das Wasserloch, kam zurück, holte den Bissen Fett hervor und gab ihn der Hyäne. Die Hyäne fraß ihn und sagte: "Geh noch einmal und bringe mir noch etwas." Der Hund sagte: "Mir ist das zu tief. Schicke doch diejenigen, die lange Arme haben, damit sie etwas holen! Wenn du kannst, so versuche es selber, denn du bist groß!" 

Und die Hyäne ging zum Wasserloch und versuchte, etwas herauszuholen. Doch sie fand nichts. Während sie sich noch bemühte, floh der Hund. Und als die Hyäne wieder aus dem Wasserloch herauskam, war der Hund weggelaufen. Sie verfolgte ihn. Als er durch das Loch im Zaun schlüpfen wollte, fasste sie den Hund beim Schwanz und biss ihm ein Stück davon ab. Sie beschimpften einander, und die Hyäne sagte: "Das Stück deines Schwanzes werde ich zerreißen und wegwerfen. Mit unserer Freundschaft ist es aus." Seitdem ist es so, dass eine Hyäne, wenn sie einen Hund getötet hat, den Schwanz nicht mitfrisst. Hyänen und Hunde hassen einander sehr. Wenn die Hunde nachts eine Hyäne hören, können sie nicht schlafen, sondern bellen laut.

Das Ende des großen Häuptlings der Tiere

Es war einmal eine Frau, die für kurze Zeit ihr Haus verlassen musste und ihre Kinder einem Hasen in Obhut gab. Der Ort, an dem sie lebten, lag dicht an einem Pfad, den Scharen von wilden Tieren benutzten.

Bald nachdem die Frau weg war, erschienen die Tiere. Dem Hasen fuhr der Schreck in die Glieder, als er sie sah, und so rannte er ein Stück weit weg, blieb dann stehen und beobachtete. Unter den Tieren war ein schreckliches Ungeheuer, das den Hasen anrief und wissen wollte, was für Kinder das seien. Der Hase nannte ihre Namen, danach verschlang das Tier die Kinder mit Haut und Haaren.

Als die Frau wiederkam, erzählte ihr der Hase, was geschehen war. Da sammelte die Frau etwas trockenes Holz, schärfte zwei Messer, nahm beides und lief den Pfad entlang. Nun war das Ungeheuer der Häuptling der Tiere, und als die Frau auf einem Hügel ihm gegenüber anlangte, rief sie laut heraus, dass sie ihre Kinder suche. Das Tier erwiderte: "Komm näher, ich kann dich nicht verstehen."

Als sie zu ihm ging, verschlang es sie ebenfalls. Die Frau fand ihre Kinder am Leben, auch viele andere Leute und Ochsen und Hunde. Die Kinder hatten Hunger. Da schnitt die Frau mit ihren Messern Fleisch von den Rippen des Tieres, machte Feuer, kochte das Fleisch, und die Kinder aßen.

Die anderen Leute sagten: "Wir sind auch hungrig. Gib uns zu essen." Da schnitt sie wieder Fleisch ab und kochte auch für sie. Durch diese Behandlung fühlte sich das Tier unwohl und rief seine Vertrauten um Rat an, aber sie konnten ihm keine Medizin nennen. Das Tier legte sich nieder und wälzte sich im Schlamm, aber auch das half nicht; schließlich ging es hin, steckte seinen Kopf in den Zaun vom Kraal und starb.

Seine Vertrauten standen in einiger Entfernung und hatten Angst, sich ihm zu nahem. Deshalb schickten sie einen Affen, nach ihm zu sehen. Der Affe kam wieder und sagte: "Diejenigen, die auf den Bergen leben, müssen zu den Bergen rennen; diejenigen, die in den Ebenen leben, müssen in die Ebenen eilen; was mich betrifft, ich gehe zu den Felsen." Da verschwanden die Tiere alle.

Um diese Zeit war es der Frau gelungen, ein Loch in den Bauch des Häuptlings zu schneiden und, gefolgt von ihren Kindern, herauszuklettern. Dann kam ein Ochse heraus und sagte: "Bö! Bö! Wer hat mir geholfen?" Danach ein Hund, der sagte: "Wau! Wau! Wer hat mir geholfen?" Darauf ein Mann, der sagte: "Ho! Ho! Wer hat mir geholfen?" Und nun folgten nach und nach alle anderen Leute und die Kühe. Sie wurden sich einig, dass die Frau, die ihnen geholfen hatte, ihr Häuptling sein sollte.

Als die Kinder Männer wurden, befanden sie sich eines Tages auf der Jagd und erblickten einen grässlichen Menschenfresser, der in einem Schlammloch feststeckte. Sie töteten ihn und liefen dann nach Hause, um den Männern ihres Stammes zu erzählen, was sie vollbracht hatten. Die Männer kamen mit, häuteten den Menschenfresser ab, und da krochen auch aus ihm eine Menge Leute heraus. Sie schlossen sich ihren Befreiern an, so dass ein großes Volk entstand.

Das gefangene Mädchen

Einmal brach eine Schar Mädchen früh am Morgen von zu Hause auf, um Imbola zu holen, den roten Ton, mit dem sie ihre Körper und Kleider färben. Unter ihnen war eine Häuptlingstochter, ein sehr hübsches Mädchen. Als sie genug eingesammelt hatten und nach Hause gehen wollten, schlug die eine vor, in einem großen Teich, den es da gab, zu baden. Damit waren alle einverstanden, und so gingen sie ins Wasser und spielten lange darin herum. Schließlich zogen sie sich wieder an und machten sich auf den Heimweg. Aber als sie ein Stückchen gegangen waren, bemerkte die Häuptlingstochter, dass eins ihrer Schmuckstücke fehlte, dass sie vor dem Baden abgelegt hatte. Sie bat eine Verwandte, mit ihr umzukehren, aber die lehnte ab. Da fragte sie ein anderes Mädchen und noch ein anderes, aber keine wollte mitkommen. So war sie gezwungen, allein zu dem Teich zurückzukehren, während die anderen nach Hause gingen.

Als sie bei dem Wasser ankam, näherte sich ihr ein ekelhafter Menschenfresser, der nur ein Bein hatte. Er packte sie und steckte sie in einen Sack. Sie war so erschrocken, dass sie ganz still lag. Der Menschenfresser zog mit ihr durch verschiedene Dörfer und ließ sie für sich singen. Er nannte sie seinen Vogel. Kam er zu einem Dorf, bat er um Fleisch, und erhielt er es, sagte er: "Sing, mein Vogel." Aber niemals öffnete er den Sack, so dass niemand sehen konnte, was für einen 'Vogel' er darin hatte.

Als die Mädchen nach Hause kamen, erzählten sie dem Häuptling, dass sich seine Tochter, die ins Alter des Ntonjane gekommen sei, mit einer anderen zusammen in einer Hütte aufhalte. Der Häuptling glaubte die Geschichte, schlachtete einen großen Ochsen und rief die Leute zum Essen. An diesem Tag aßen sie fettes Rindfleisch und waren sehr lustig. Die Jungen holten sich Fleisch und aßen es weit vom Dorf entfernt. Der Menschenfresser, der nicht wusste, dass der Vater des gefangenen Mädchens in jenem Dorf Häuptling war, kam dazu. Er sagte den Jungen, für ein wenig Fleisch ließe er seinen Vogel für sie singen. Also gaben sie ihm Fleisch, und er befahl: "Sing, mein Vogel." Der Bruder des Mädchens war auch dabei. Ihm schien, der Vogel sänge wie seine Schwester, aber er fürchtete sich, den Menschenfresser darum zu bitten, ihm den Vogel zu zeigen, sondern riet ihm, ins Dorf zu gehen, dorthin wo die Männer waren, und er erzählte ihm, dass es dort Mengen von Fleisch gäbe. Da lief der Menschenfresser ins Dorf und ließ dort seinen Vogel singen. Der Häuptling wünschte sehr, den Vogel zu sehen, aber der Menschenfresser wollte den Sack nicht öffnen. Einen Ochsen bot ihm der Häuptling für den Vogel, aber der Menschenfresser schlug das Angebot aus.

Da dachte sich der Häuptling einen Plan aus. Er bat den Menschenfresser, ein bisschen Wasser zu holen und versprach ihm bei seiner Rückkehr eine Menge Rindfleisch. Der Menschenfresser war einverstanden zu gehen, wenn sie versprachen, in seiner Abwesenheit den Sack nicht zu öffnen. Alle versprachen, den Sack nicht anzurühren. Dem Menschenfresser gaben sie für das Wasser ein Gefäß mit einem Loch, so dass er lange fort sein würde. Sobald er außer Sicht war, öffnete der Häuptling den Sack und zog seine Tochter heraus. Zuerst konnte er es nicht glauben, dass es wirklich seine Tochter war, er dachte doch, dass sie das Ntonjane einhalte. Aber als er erkannte, wie sehr ihn die anderen Mädchen getäuscht hatten, forderte er, sie alle müssten sterben. Und so wurden sie getötet. Dann steckte der Häuptling Schlangen und Kröten in den Sack und band ihn wieder zu.

Als der Menschenfresser zurückkam, beschwerte er sich über das löchrige Gefäß, aber sie gaben ihm eine Menge Fleisch, um ihn zu beruhigen, und er nahm seinen Sack über und ging fort. Er wusste ja nicht, was inzwischen geschehen war. Als er sich seiner Hütte näherte, rief er seiner Frau zu: "Bereite alles zum Kochen vor!" Und dann ließ er alle anderen Menschenfresser zu einem Festschmaus einladen. Sie erschienen und erwarteten, etwas Gutes zu bekommen. Ein Weilchen ließ er sie warten, damit ihr Hunger wuchs. Dann öffnete er seinen Sack und wollte das Mädchen herausholen, aber er fand nur Schlangen und Kröten darin. Die anderen wurden darüber so böse, dass sie ihn töteten und aus ihm ihren Festschmaus bereiteten.

Das Honigrohr

Während einer Hungersnot nahm ein Mann Pfeil und Bogen und ging hinaus, um für die Seinen zu jagen. Unterwegs sah er einen Bienenstock. Er nahm die Waben heraus und fand, dass sie viel Honig enthielten. Zu Hause angekommen, stellte er fest, dass niemand daheim war. Er nahm seinen Topf, schüttete den Honig hinein, ging hinters Haus, grub ein Loch und vergrub den Topf sehr sorgfältig, damit keine Erde in den Honig fiel. Vorher hatte er noch ein Rohr in den Topf gesteckt, dessen Spitze aus der Erde ragte. Als nun die Familie am Abend nach Hause kam und das Essen fertig war, wollte man ihm auftun. Er aber sagte: "Gebt nur den Kindern. Was mich angeht, so will ich, dass die Kinder, wenn sie gegessen haben, mitgehen und mir hinter dem Haus mein Lied singen." Er ging mit den Kindern hinaus und lehrte sie ein neues Lied, und das lautete so: "Es möge ertönen, es soll auf mich zufließen." Während die Kinder sangen, beugte sich der Mann nieder und sog so lange Honig aus dem Rohr, bis er vollkommen satt war. So tat er es alle Tage. Als er aber eines Tages nicht zu Hause war, sprachen die Kinder untereinander: "Kommt, lasst uns gehen und das Lied unseres Vaters singen." Und während die anderen sangen, versuchte ein Kind, an dem Rohr zu saugen, wie es der Vater immer tat. Es merkte: Das Lied war außerordentlich süß! Auch die anderen Kinder kosteten den süßen Honig. Schließlich riefen sie ihre Mutter. Die Mutter erkannte, dass in der Erde Honig vergraben war und fand auch bald den Topf. Sie grub ihn aus, schüttete den Honig in ihren Topf und goss in den anderen Wasser hinein. Darauf vergrub sie den Wassertopf wieder sorgfältig im Boden, denn der Vater durfte nichts merken. Den Honig trug sie ins Haus und aß davon mit ihren Kindern. Nachdem der Vater am Abend heimgekehrt war, sang er wie immer mit den Kindern das Lied. Als er aber an dem Rohr sog, merkte er, dass er nur Wasser schluckte. Er probierte noch einmal und fand, dass es tatsächlich so war. Da ging er mit den Kindern betrübt ins Haus. Sie aber verrieten ihm nichts. Nun aßen die Kinder Honig und gaben dem Vater nichts - wie er es mit ihnen getan hatte.

Das Huhn und der Falke

Als das Huhn einmal ein Tier getötet hatte, besaß es nichts, um es zu zerschneiden. Da sah es den Falken vorbei fliegen und rief: "Kamerad, leihe mir dein Messer!" Der Falke zog sein Messer heraus und gab es dem Huhn. Er flog weiter, um Futter zu suchen. Als er nach einer Weile zum Huhn zurückkehrte, hatte das Huhn das Messer des Falken verloren. Da sprach der Falke: "Such weiter, ich werde wiederkommen, um mir mein Messer zu holen!" Das Huhn suchte und suchte, konnte das Messer aber nicht finden. Als der Falke wiederkam und das Huhn ihm das Messer nicht geben konnte, sprach er: "Nun, es ist gut. Von jetzt an werde ich deine Kinder essen, damit ich für mein verloren gegangenes Messer Schadenersatz bekomme." Seit dieser Zeit hassen Huhn und Falke einander. Und wenn ein Huhn einen Falken kommen sieht, bringt es seine Kinder in Sicherheit.

Das Mädchen Pelo

Einst hatte eine Frau keine Töchter, die verheiratet werden konnten, und deshalb wurde sie von ihrem Mann verstoßen. Sie ging zu einem Medizinmann und erbat ein Mittel, um Töchter zu bekommen. Der Medizinmann schlachtete eine Ziege und sprach zu ihr: "Nimm eine Tonscherbe!" Dann legte er die Eingeweide der Ziege darauf und fuhr fort: "Wenn du nach Hause kommst und isst, nimm etwas Brei und schleudere ihn auf die Tonscherbe!" Die Frau tat, wie ihr der Medizinmann gesagt hatte. Am übernächsten Tag, als sie wieder etwas Brei auf die Scherbe warf, bemerkte sie, dass sich die Eingeweide in Mädchen verwandelt hatten. Die Frau sprach zu ihnen: "Meine Kinder, ihr dürft euch nicht draußen herumtreiben!" Da fragten die Kinder: "Warum denn, Mutter? Du gehst doch auch hinaus, weshalb dürfen wir es nicht?" Und sie liefen in der Mittagszeit zum Fluss. Als sie eben Wasser schöpften, kamen zwei junge Männer daher. Sie baten die Mädchen um Wasser. Die erste schöpfte und verschüttete das Wasser, die nächste schöpfte und verschüttete es ebenfalls. Da kam die dritte herbei und schöpfte Wasser. Sie hieß Pelo und war sehr schön. Die Jünglinge nahmen das Wasser und tranken. Als sie getrunken hatten, sagte der eine zu Pelo: "Ich will dich haben, komm mit mir!" Das Mädchen war einverstanden. Der Jüngling setzte sie auf einen Ochsen, um mit ihr nach Hause zu gehen und sie zur Frau zu nehmen. Als sie unterwegs waren, hielt er an, um den Tieren Wasser zu geben. Pelo blieb zurück. Als sie so saß und wartete, kam ein kleiner wilder Hund und sagte zu ihr: "Gib mir alles, was du anhast. Ich will sehen, ob es mir steht." Pelo gab ihm, was sie hatte. Der Hund schenkte ihr seinen Schwanz und sprach: "Geh zu jener Grube dort und koch den Brei, der auf dem Feuer steht." Pelo ging zur Grube und tat, wie ihr geheißen. Als der junge Mann vom Fluss zurückkam, fragte er den Hund: "Du bist doch wohl Pelo?" Da stellte sich der Hund beleidigt und sprach: "Wie kannst du nur zu mir sagen: 'Du bist doch wohl Pelo?' Da kannst du mich gleich zu meiner Mutter zurückbringen. lass mich, ich will zu meiner Mutter zurück!" Der Jüngling lenkte ein und sagte: "Das heißt doch nicht, dass wir zu deiner Mutter gehen wollen." Sie gingen zu den Verwandten des Jünglings. Das Mädchen Pelo aber folgte ihnen. Um die Mittagszeit kam sie bei den Verwandten des Jünglings an und bat um etwas Korn, damit sie es mahlen könne. Man gab ihr Korn, und sie mahlte es. Daraufhin nahm Pelo Lehmerde und glättete den Boden im Haus. Als der Jüngling hereinkam, fragte er: "Wer hat denn hier den Boden geglättet?" Man antwortete ihm, dass es ein wunderschönes fremdes Mädchen gewesen sei. Da befahl er: "Wenn sie wiederkommt, dürft ihr sie nicht fortlassen!" Als Pelo wiederkam, hielt man sie zurück. Der junge Mann erkannte, wer die wirkliche Pelo war, und jagte den Hund weg. Bald darauf heiratete Pelo den Jüngling.

Das Mädchen und seine Schlange

Ein Mädchen betrog einst seine Eltern, indem es sagte: "Ich bin krank und kann nicht aufs Feld gehen." Die Eltern mussten allein aufs Feld, um zu hacken. 

Als sie fort waren, stand das Mädchen auf, säuberte den Topf und stellte ihn aufs Feuer. Dann reinigte es den Holzlöffel, mit dem der Brei aufgefüllt wird, und säuberte schließlich mit weißer Erde ein Bastkörbchen. Nachdem der Brei zubereitet war, schüttete sie ihn sorgfältig in das Körbchen und trug es auf einen Berg. Dort oben angekommen, sang das Mädchen folgendes Lied: "He, Mmamota-Schlange, komm heraus! He Mmamota, komm heraus!" Da kroch eine riesengroße Schlange heran. Das Mädchen hockte sich hin, wusch die Schlange mit Wasser und gab ihr dann den mitgebrachten Brei zu essen. 

Nachdem die Schlange gesättigt war, stand das Mädchen auf und kehrte nach Hause zurück. Dort legte es sich nieder und tat wieder wie eine Kranke. 

Als die Eltern am Abend zurückkamen, fragten sie: "Wie geht es dir, Kind?" und das Mädchen antwortete, dass es immer noch sehr krank wäre. Auch an den folgenden Tagen gab das Mädchen vor, krank zu sein. Kaum waren aber die Eltern aufs Feld gegangen, kochte es wieder Essen und brachte es der Schlange auf den Berg.

 Eines Tages wurde sie dabei von einem Jäger beobachtet. Der Jäger berichtete dem Vater des Mädchens, was er gesehen hatte. Er wiederholte auch das Lied, das er dem Mädchen abgelauscht hatte. Der Vater des Mädchens machte sich nun auf, ging auf den Berg und stimmte das Lied an: "He Mmamota, komm heraus! He Mmamota, komm heraus!" 

Als die Schlange heraus gekrochen kam, er­schlug der Vater sie mit seinem Beil.

Am nächsten Morgen tat das Mädchen wieder so, als ob es krank sei, und blieb zu Hause. Es kochte Brei und brachte ihn der Schlange. Aber als das Lied, das die Schlange sonst heranlockte, verklungen war, kam niemand. Das Mädchen suchte überall, und als es schließlich die Schlange fand, rief es: "He Mmamota! Was ist heute mit Euch los, dass Ihr nicht kommt, wenn ich Euch rufe? Kommt und esst, da ist Euer Brei!" Doch alles blieb still. Das Mädchen versuchte die Schlange zu schütteln, da merkte es, dass sie tot war. Nun begann das Mädchen bitterlich zu weinen, schüttete den Brei weg und zerschlug die Gefäße. Dann kehrte es wie eine Kranke nach Hause zurück. Am Abend aber sagte der Vater: "Steh auf, du bist nicht krank! Du stellst dich nur krank, weil ich deine Schlange getötet habe." Das Mädchen klagte, aber es wurde wirklich gesund.

Das Mädchen, das aus der Höhe kam

Ein junger Mann wollte heiraten, doch er fand keine Frau. Da weinte er sehr und zog sich in die Einsamkeit zurück. Eines Tages kam er an eine große Wasserstelle. Er zog sich aus, ging ins Wasser und wusch sich. Als er wieder aus dem Wasser kam, sah er ein Mädchen nahe bei seinen Kleidern sitzen. Er erschrak, doch dann fragte er sie: "Woher kommst du?" Sie antwortete: "Ich komme von zu Hause!" Als er wissen wollte, wo ihr Zuhause sei und wohin sie ginge, erklärte sie ihm, dass sie aus der Höhe zu ihm gekommen wäre. Nun wollte der junge Mann den Grund ihres Kommens erfahren, und sie erklärte: "Die Unseren sagten: 'Geh für ihn kochen, er dauert uns, denn er ist Junggeselle.'" Als die beiden abends in das Dorf des jungen Mannes kamen, fragten dessen Eltern, wer das junge Mädchen sei. Da erzählte er ihnen, was er erlebt hatte, und dass sie seine Frau werden wolle. Die Eltern freuten sich sehr und gaben ihr den Namen 'Aus-der-Höhe-Gekommene'.

Das Mädchen kochte für den jungen Mann und wurde seine Frau. Bald war sie schwanger. Die Eltern des jungen Mannes wollten nun, dass sich das Mädchen bei ihren eigenen Eltern vorstelle. Doch sie weigerte sich und sprach: "Mein Zuhause besucht man nicht! Gehe ich wieder dorthin, kann ich nicht mehr zurückkehren." Die Schwiegereltern aber gaben sich nicht zufrieden und fragten: "Was ist das für eine Frau, die keine Eltern hat?" Auch ihr Mann plagte sie und verlangte: "Wir wollen deine Eltern besuchen!" Bald darauf gebar die junge Frau einen Knaben, und er erhielt den Namen 'Aus-der-Höhe-Gekommener'. Nun drängten die Schwiegereltern die junge Frau von neuem: "Bring das Kind zu seinem Großvater." Doch sie weigerte sich wiederum und erklärte, dass sie dann niemals mehr wiederkommen könne. Da wurden die Schwiegereltern zornig und sagten: "Du lügst! Bring den Knaben in deine Heimat, du wirst schon mit ihm wiederkommen." Die Frau weinte sehr, nahm ihr Kind auf den Rücken und machte sich auf den Weg. Ihr Mann begleitete sie. Als sie an der großen Wasserstelle angekommen waren, nahm die junge Frau das Kind vom Rücken, gab es dem Vater, grüßte ihn und stieg ins Wasser. Kurz darauf war sie verschwunden. Sie war zu Wasser geworden.

Tief betrübt kehrte der Mann mit dem Kind zu seinen Eltern zurück und erzählte ihnen, was geschehen war. Da weinten sie bitterlich und bereuten sehr, dass sie ihre Schwiegertochter vertrieben hatten.

Das Mädchen, das der Fluss geholt hat

Vor langer, langer Zeit geschah es einmal, dass einige Mädchen, die in der Ikhuba wohnten, zum Baden an den Fluss gingen. 

Als sie dort ankamen, steckten sie ein Mädchen ins Wasser und sagten: "Bleib hier und bade, während wir am Ufer spielen." Aber als sie da spielten, stieg der Fluss an und nahm das Mädchen mit. Als die anderen wiederkamen, sahen sie, dass der Fluss das Mädchen mit sich genommen hatte. Sie gingen nach Hause. 

Dort sagten sie niemandem, dass die Flut das Mädchen, das bei ihnen gewesen war, mitgerissen hatte. Sie schwiegen einfach still. 

Dann erkundigten sich die Leute: "Die Mädchen in der Ikhuba, wann kommen die denn wieder? Der Tag, an dem sie kommen sollten, ist doch schon längst vorbei."

Und ein Mann verließ den Kraal, um Holz zu schlagen, und als er an den Fluss kam, hackte er drauflos: Poch, poch! Da fing das Mädchen zu singen an: "O weh, der du da hackst, geh und sage meiner Mutter, dass es Buhlasi, die Tochter des Häuptlings, nicht mehr gibt. Sie ist von Zendla und Qugasi getötet worden." Und der Mann hackte und hackte und dachte dabei: 'Ah, hier gibt es einen Vogel, der sehr schön singen kann.'

Er ging nach Hause und sagte zu einem anderen: "lass uns Holz schlagen gehen." Und beide gingen und hackten: Poch, poch! Das Mädchen sang wieder: "O weh, Mann meines Vaters, der du dort hackst, geh und sage meiner Mutter in dem Haus dort drüben, dass es Buhlasi, die Tochter des Häuptlings, nicht mehr gibt. Sie ist von Zendla und Qugasi getötet worden." 

Jetzt ging der Mann nahe heran und sah das Mädchen, er entdeckte die Tochter des Häuptlings in einem Baum.

Er eilte nach Hause und sagte: "Häuptling, dass die Mädchen die Ikhuba nicht verlassen, liegt daran, dass sie ein Mädchen im Fluss verloren haben." Der Häuptling sprach darauf: "Geh und rufe die Männer zum Rat zusammen." Die Männer kamen zusammen, und der Häuptling trug ihnen die Sache vor und sagte: "Nehmt eine Ochsenhaut und geht damit zum Fluss."

Die Männer erhoben sich und gingen zum Fluss. Und der erste schlug an den Baum, auf den das Mädchen gestiegen war, er schlug: poch, poch! Das Mädchen sang: "O weh, Mann meines Vaters, der du dort klopfst, geh und sag meiner Mutter in dem Haus dort drüben, dass es Buhlasi, die Tochter des Häuptlings, nicht mehr gibt." Da schlugen sie den Baum um, breiteten die Ochsenhaut aus, und als die Tochter des Häuptlings herunterkam, ergriffen die Männer sie.

Dann sangen sie ein Lied und kehrten heim. Die Mädchen wurden gerufen, und man sagte ihnen: "Der Häuptling lädt euch vor." Aber sie weigerten sich, die Hütte zu verlassen und vor den Häuptling zu treten. Da sandte der Häuptling junge Männer aus, die sie mit Gewalt aus der Ikhuba holten und schlugen. Und sie fragten die Mädchen: "Wohin habt ihr dieses Kind geschickt?" Die Mädchen antworteten: "Der Fluss hat sie geholt." Man wollte wissen: "Warum habt ihr uns das nicht gesagt?" Und sie antworteten: "Wir fürchteten, dass der Häuptling uns schlagen würde." Und die Männer gingen hin und schlugen die Mädchen noch einmal.

Das Ungeheuer Nwaungaunga

Einige Rinder- und Ziegenhirten gingen ihr Vieh hüten. Während sie noch beim Hüten waren, machten sich die jüngeren auf, um Hasen, Antilopen und Rebhühner zu jagen. Einen Jungen schickten sie aus, Feuer von einer Feuerstelle zu holen, die sie in der Ferne sahen. Sie spieen aus und befahlen dem Jungen: "Los, beeil dich und kehr zurück, ehe die Spucke aufgetrocknet ist." Doch der Junge kam ohne Feuer wieder. Die anderen schlugen ihn und fragten: "Weshalb hast du uns kein Feuer gebracht?" Er sagte: "Es war mir zu weit." Da schickten sie einen anderen los und bedeuteten ihm ebenfalls, sich zu beeilen. Der Junge rannte, so schnell er konnte, und erreichte bald die Feuerstelle.

Der Besitzer des Feuers aber war Nwaungaunga, das Ungeheuer. Es war so groß, dass man das Ende seines Körpers nicht sehen konnte. Nwaungaunga fragte den Jungen, wo er herkomme, und dieser antwortete: "Ich komme von der Viehweide und bitte um Feuer, damit wir die Hasen, Rebhühner und Antilopen braten können." Darauf sagte Nwaungaunga: "Legt etwas davon für mich zur Seite. Ich werde kommen, wenn ihr den Wind spürt, die Tropfen prasseln hört und ein Blatt der Schönmalve abfällt", und er gab dem Jungen Feuer.

Der Junge lief zu seinen Kameraden zurück und sagte: "Hier ist das Feuer. Ich habe es von Nwaungaunga bekommen, dem Ungeheuer, das später auch noch selbst kommen will." Da wurden die anderen zornig und riefen: "Du rügst, du hast nur getrödelt." Bald darauf spürten sie, wie der Wind wehte, die Tropfen prasselten und ein Blatt der Schönmalvenstaude abfiel. Sie hörten ein Geräusch, und ehe sie sich versahen, war Nwaungaunga da und sprach: "Guten Morgen, ihr Knaben! Ihr habt Antilopen, Rebhühner und Hasen getötet, ich bin gekommen, um etwas davon für mich zu erbitten. Wie habt ihr die Tiere getötet?" "Mit Stöcken und Hunden!" Darauf sagte Nwaungaunga: "Ich bitte um einen Stock, damit ich ebenfalls jagen kann." Sie gaben ihm einen, und das Ungeheuer verschluckte sämtliche Stöcke. Dann bat Nwaungaunga um einen Hund, und als sie ihm einen gaben, verschlang er sämtliche Hunde. So ging es weiter - er bat um einen Speer und verschluckte alle, ebenso tat er es mit den Rebhühnern, Hasen und Antilopen. Dann fing er an, auch um Vieh zu bitten und verschlang alle Rinder und Ziegen. Nun blieben nur noch die Hirtenjungen übrig. Als er um einen von ihnen bat, fingen alle an zu weinen, und jeder rief: "Mich sollt ihr ihm nicht geben." Doch in ihrer Angst sagten einige: "Nimm jenen." Da verschlang er sie alle, nur der Junge blieb übrig, der das Feuer geholt hatte. Nwaungaunga sagte zu ihm: "Lauf nach Hause und kündige deinen Leuten an, dass ich kommen werde. Sage ihnen: 'esst und stellt etwas für Nwaungaunga zur Seite.'"

Der Junge lief nach Hause und erzählte, was er erlebt hatte. Doch man schlug ihn und schimpfte: "Du bist vom Viehhüten fortgelaufen." Da versteckte sich der Knabe in einem großen Korb in der Hütte seiner Mutter. Bald darauf spürten die Bewohner, dass der Wind wehte, die Tropfen prasselten und ein Blatt der Schönmalvenstaude abfiel. Nwaungaunga erschien und sagte: "Guten Morgen! Ist das euer Dorf? Gebt ihr mir ein Stück Brennholz, damit ich mich wärmen kann?" Man gab ihm ein Stück, und Nwaungaunga verschlang das gesamte Brennholz des Dorfes. Er bat dann um eine Hütte. Sie wiesen ihm eine kleine Hütte zu, worauf er alle Hütten des Dorfes verschlang und nur jene stehen ließ, wo der Knabe sich im Korb versteckt hatte. Dann verlangte Nwaungaunga eine Frau, die für ihn kochen sollte. Doch die Männer weigerten sich: "Wenn wir dir eine geben, nimmst du sie alle", nur einige riefen aus Angst: "Nimm diese!" Da verschlang das Ungeheuer alle Frauen. Dann sagte es: "Ich bitte nur um einen einzigen Mann, dann werde ich gehen." Die Männer weinten und baten, verschont zu werden. Doch ein paar von ihnen riefen: "Nimm diesen da", und Nwaungaunga verschluckte sie alle. Nun trug er dem Knaben auf: "Laufe zum Häuptling und berichte ihm, dass Nwaungaunga kommt!"

Der Knabe lief zum Häuptling und erzählte ihm, was das Ungeheuer alles getan hatte. Aber niemand schenkte dem Knaben Glauben. Nur einige meinten: "Er lügt nicht, er erzählt die Wahrheit", und gaben ihm zu essen. Der Häuptling ließ alle Männer zusammenrufen, und das Heer sammelte sich. Einige brachten ihre Schilde in Ordnung, andere vertrieben sich die Zeit mit Schnitzen, Spielen oder Tanzen. Bald darauf spürten sie, wie der Wind wehte, die Tropfen prasselten und ein Blatt der Schönmalvenstaude abfiel. Sie hörten ein Geräusch, und plötzlich war Nwaungaunga da! Sie sahen nur seinen Kopf, das Ende des Körpers konnten sie nicht erkennen. Nwaungaunga grüßte: "Guten Morgen, Hof des Häuptlings! Wie schön ihr spielt! Gebt ihr mir einen Stein, damit ich mitspielen kann?" Und sie gaben ihm einen, worauf Nwaungaunga sämtliche Steine verschluckte. Dann verlangte er eine Hütte, um sich auszuruhen. Doch kaum hatte man ihm eine gezeigt, verschlang er alle Hütten. So ging es weiter, bis der Häuptling sagte: "Nwaungaunga, du hast uns herausgefordert. Wir werden gegen dich kämpfen." Er schickte eine Abteilung Krieger in den Kampf, doch das Ungeheuer verschluckte alle. Wieder rückte eine Abteilung vor, und das Ungeheuer verschlang sie bis zum letzten Mann. Schließlich war nur noch eine Abteilung übrig, und der Häuptling sagte: "Männer, wenn ihr es jetzt nicht schafft, werden wir alle umkommen." Da kämpften die Krieger mit allen ihren Kräften und konnten Nwaungaunga schließlich besiegen. Sie töteten ihn und fingen an, ihn aufzuschneiden. Sie schnitten und schnitten, aber nach einem Monat waren sie noch nicht einmal ins Innere des Ungeheuers vorgedrungen. Sie brauchten noch zehn Monate, bis sie endlich zum Magen vorgedrungen waren.

Dort fanden sie Dörfer, Viehherden und Weiden, Hirten und Ackerbauern. Sie alle wurden befreit. Die Häuptlinge konnten wieder das Land regieren, und alle waren voller Freude.

Das ungehorsame Mädchen

Es war einmal ein Mädchen, das verschmähte, als man um sie warb, viele junge Männer. Auch einen jungen Mann, der von weither kam, wollte das Mädchen nicht, es weigerte sich und sagte: "Einen Mann, der von weither kommt, will ich nicht heiraten!" Die Eltern des Mädchens waren sehr für diese Heirat, aber das Mädchen widersetzte sich allen Ratschlägen so entschieden, dass man sie schließlich in Ruhe ließ.

Eines Tages erschien wieder ein junger Mann aus der Fremde, und den mochte das Mädchen. Nachdem er den Brautpreis gezahlt hatte, heiratete er sie und zog mit ihr fort. Sie richteten sich ein Haus ein und lebten zusammen darin. Die junge Frau bekam zwei Kinder. 

Eines Tages sagte sie zu ihrem Mann: "lass uns doch einmal meine Eltern besuchen. Es ist lange her, seit wir geheiratet haben, und du hast mich noch nicht ein einziges Mal nach Hause gebracht." Ihr Mann erwiderte: "Warte, ich gehe noch auf die Jagd." Er machte sich auf und ging fort.

Als nun die Frau sah, dass ihr Mann auf die Jagd gegangen war, nahm sie sich heimlich von seinen Essensvorräten, die aus lauter guten Dingen bestanden. Sie stahl sich eine Kalebasse voller Erdnüsse und Ameisen und machte sich mit ihren Kindern auf den Weg zu ihren Eltern.

Bald darauf kehrte ihr Mann von der Jagd zurück und entdeckte, dass seine Frau davongelaufen war. Er fragte die anderen Leute im Dorf nach seiner Frau, und sie antworteten ihm: "Sie ist zu ihren Leuten gegangen!" Da sammelte er Skorpione, Schlangen, verschiedene Tausendfüßlerarten und noch viele andere beißende Tiere und nahm die Verfolgung seiner Frau auf.

Als sich die Frau unterwegs umschaute und ihre Verfolger sah, sprach sie zu ihren Kindern: "Meine Kinder, es ist alles vorbei. Wir sind verloren, dort ist euer Vater mit seinem Gefolge!" Als sie das sagte, begannen die Tiere, die ihr zusammen mit dem Mann folgten, zu schreien. Da warf die Frau ihnen Erdnusskerne hin, und die Verfolger blieben zurück, um sie aufzulesen. Die Frau aber klagte: "Die Eltern haben gesagt: 'Heirate den jungen Mann nicht, denn wo er herkommt, dort frisst man Menschen.' Wehe, meine Mutter! Wehe, mein Vater! Wehe, mein Großvater!" Und wieder streute sie Nüsse und Ameisen auf den Weg, um ihre Verfolger aufzuhalten. Doch bald waren alle Vorräte erschöpft, und die Tiere kamen ganz nahe heran. Die Frau opferte erst das eine, dann auch das andere Kind. Bitterlich weinend ging sie weiter und beschuldigte sich selbst: "Wahrlich, wenn man von seinen Eltern gewarnt wird, aber nicht hören will, das bringt nichts ein." Der Mann und seine Tiere hatten sie nun bald eingeholt und töteten sie.

Dann begaben sie sich zum Dorf der Schwiegereltern. Als sie an der Umzäunung des Hauses angekommen waren, befahl der Mann dem Getier, das er bei sich hatte, es solle draußen bleiben und sich verstecken. Er ging allein zum Haus. Als die Mutter ihren Schwiegersohn sah, wurde ihr Angst: "Mein Herz fürchtet sich, ich ahne, dass mein Kind nicht mehr am Leben ist. Lebte sie noch, wäre sie mit ihrem Mann gekommen. "Trotzdem wurde der Schwiegersohn ins Haus geführt, und er setzte sich. Sie fragten ihn: "Sind zu Hause alle wohlauf?" Und er antwortete: "Es geht allen gut, auch eure Tochter ist gesund, sie lässt auch grüßen. Sie hat jetzt zwei Kinder." Am nächsten Morgen gingen alle Frauen zeitig aufs Feld. Der Schwiegersohn blieb zurück. Er rief das Getier, das er mitgebracht und am Zaun versteckt hatte, herbei, und alle kamen hervor. Sie gingen ins Haus und verzehrten gemeinsam das Essen. Als sie aufgegessen hatten, sangen sie: "Wir freuen uns, dass wir gekommen sind. Euer Kind haben wir aufgegessen!" Da liefen die Dorfbewohner zusammen und riefen: "Es klingt, als ob hier jemand Lärm macht." Der Mann sagte: "Ja, ich wundere mich auch. Ich dachte, das Geräusch sei draußen auf dem Feld."

Jeden Tag wiederholte sich dieses Spiel, bis die Dorfbewohner schließlich einen Jungen beauftragten, sich zu verstecken und alles zu beobachten. Er sah den Mann mit seinem Getier, hörte ihren Gesang und berichtete all das seiner Mutter und seinem Vater. Darauf blieben am folgenden Tag auch sie zur Beobachtung zu Hause. Sie fingen einen der Skorpione und sagten zu ihm: "Kehr zurück und erzähle deinen Leuten: 'Alle sind umgekommen, die ganze Bande!'", und sie zündeten das Haus an, in dem der Mann und sein Tiergefolge saßen.

Das Urteil des Häuptlings

Zwei Frauen kamen einmal zur gleichen Zeit nieder. Als die eine von ihnen sich des Nachts einmal im Schlaf umdrehte, drückte sie ihr Kind und erstickte es. Sie erhob sich, nahm den toten Körper, legte ihn neben die schlafende andere Mutter und stahl ihr das lebende Kind. Als die bestohlene Mutter aufstand, merkte sie, dass das tote Kind nicht ihres war. Also stritten sich die Frauen um das lebendige Kind.

Sie brachten ihren Streit vor den Häuptling, und jede wiederholte andauernd: "Das lebendige Kind ist meines, das tote ist deines." Als der Häuptling sie angehört hatte, sprach er: "Frauen, euer Fall ist schwierig. Bringt mir ein großes Messer, wir werden das lebendige Kind in zwei Hälften schneiden, und jede Frau soll eine Hälfte bekommen." Die eine Frau war einverstanden, die andere aber lehnte das ab.

Als das Messer gebracht wurde, riss es die Frau, die abgelehnt hatte, an sich und flehte: "Nein, Häuptling, töte das Kind nicht. Dann gib es lieber dieser Frau da!" Da sprach der Häuptling: "Jetzt erkenne ich, dass es ganz bestimmt dein Kind ist. Du hältst das Messer fest, die andere aber ist willens, das Kind töten zu lassen. Nimm dein Kind und geh."

Seit jenem Urteil gibt es das Sprichwort: 'Diejenige ist die Mutter des Kindes, die das Messer an der Schneide festhält. '

Das Wasser, von dem kein Frosch getrunken hat

Eine Frau sagte zu ihrem Mann: "Ich möchte Löwenfleisch haben." Der Mann machte sich auf, tötete einen Löwen und brachte seiner Frau das Fleisch. Am nächsten Tag sagte er zu seiner Frau: "Ich bin ein Zauberer, ich darf nur Wasser trinken, von dem noch nie ein Frosch getrunken hat." Da nahm die Frau ihren Wasserkrug, ging zum Fluss und sang: "Mein Mann sagt: 'Ich bin ein Zauberer, ich darf nur Wasser trinken, von dem noch nie ein Frosch getrunken hat.'" Sie weinte sehr und ging weiter, bis sie zu einem großen Wasserloch kam. Als sie wieder ihr Lied sang, hörte sie eine Stimme, die rief: "Hier ist solches Wasser!" Sie schöpfte davon und trug den Krug auf ihrem Kopf fort. Während sie ging, schwappte etwas Wasser über, floss ihr über die Stirn, tropfte von der Nase und lief ihr in den Mund. Sie leckte es und schmeckte - das Wasser war Honig! Da setzte sich die Frau hin, nahm den Topf vom Kopf und trank das 'Wasser' aus. Danach kehrte sie zum 'Wasserloch' zurück und trank es leer. Doch als sie aufstehen und weggehen wollte, konnte sie nicht hochkommen, denn ihr Magen war zu voll vom Honig. Während sie nun so saß, kam eine Hyäne heran, um zu trinken. Sie schaute in das Loch und fragte: "Hast du das alles ausgetrunken?" Die Frau wollte aufstehen, aber es gelang ihr nicht. Da kam der Löwe herbei und sagte: "Das ist unser Wasser. Wer hat davon getrunken? Du bist es, du hast unser Wasser getrunken!" Die Frau wollte aufstehen, es ging aber nicht. Da packten die Tiere die Frau, töteten sie und fraßen sie auf.

Demane und Demazana

Vor langer Zeit einmal liefen ein Junge und ein Mädchen, es waren Zwillingsgeschwister, aus dem Dorf weg. Der Junge hieß Demane und das Mädchen Demazana. Sie liefen zu einer Höhle, die zwei Öffnungen hatte, um Licht und Luft hereinzulassen, und deren Eingang fest verschlossen werden konnte, und wohnten darin. Am Tage ging Demane zur Jagd und befahl seiner Schwester, in seiner Abwesenheit kein Fleisch zu braten, damit der Geruch ihren Zufluchtsort nicht dem Zim verriete. Das Mädchen wäre ganz sicher gewesen, wenn es sich so verhalten hätte. Aber sie war eigensinnig, und so briet sie sich eines Tages etwas Fleisch. Ein Zim roch das Fleisch, ging zur Höhle, fand aber den Eingang verschlossen. So versuchte er, Demanes Stimme nachzuahmen, und um hereingelassen zu werden, sang er:

"Demazana, Demazana,

Kind meiner Mutter,

öffne mir die Höhle.

Die Schwalben können hinein,

denn sie hat zwei Öffnungen."

Demazana sagte: "Nein, du bist nicht mein Bruder. Das ist nicht seine Stimme." Der Zim ging fort, kam aber nach einer Weile wieder und sagte mit anderer Stimme: "lass mich herein, Schwester." Das Mädchen antwortete: "Geh weg, Zim! Deine Stimme ist rau, du bist nicht mein Bruder."

Da ging er und beriet sich mit einem anderen Zim. Er fragte: "Was muss ich tun, damit mein Wunsch erfüllt wird?" Was er sich wirklich wünschte, sagte er aber nicht, weil er fürchtete, der andere würde ein Stück von dem Mädchen haben wollen. Sein Freund gab ihm den Rat: "Du musst dir den Hals mit einem glühenden Eisen ausbrennen." Das tat er, und nun sprach er nicht mehr rau. Dann stellte er sich wieder vor die Höhlentür und sang:

"Demazana, Demazana,

Kind meiner Mutter,

öffne mir die Höhle.

Die Schwalben können hinein,

denn sie hat zwei Öffnungen."

Davon ließ sich das Mädchen täuschen. Sie glaubte, ihr Bruder komme von der Jagd zurück, und so öffnete sie. Der Zim kam herein und ergriff sie. Als er sie wegtrug, verstreute sie hier und da am Wegesrand etwas Asche.

Bald darauf kehrte Demane zurück, der außer einem Schwarm Bienen an diesem Tag nichts gefangen hatte, und fand seine Schwester nicht. Er erriet, was passiert war, und mit Hilfe der Asche konnte er dem Weg folgen, bis er zur Behausung des Zim kam. Dessen Familie war unterwegs, um Feuerholz zu sammeln, der Zim aber war daheim und hatte Demazana in einen großen Sack gesteckt, in dem sie bleiben sollte, bis das Feuer brannte.

Demane bat: "Gib mir Wasser zu trinken, Vater." Zim erwiderte: "Ich gebe dir welches, wenn du versprichst, meinen Sack nicht anzufassen." Demane versprach es. Da ging Zim Wasser holen. Während er fort war, zog Demane seine Schwester aus dem Sack und steckte die Bienen hinein. Dann versteckten sich beide. Als Zim das Wasser brachte, kehrten auch Frau, Sohn und Tochter mit dem Feuerholz zurück. Zim sagte zu seiner Tochter: "Da im Sack ist etwas Hübsches. Bring ihn her." Das Mädchen ging hin, aber die Bienen stachen sie in die Hand und sie schrie: "Es beißt!" Zim schickte seinen Sohn, danach die Frau, aber es war immer dasselbe. Da wurde Zim ärgerlich und trieb sie hinaus. Nachdem er einen Holzblock in die Tür gestellt hatte, öffnete er selbst den Sack. Die Bienen schwärmten aus und stachen ihm in den Kopf, besonders in die Augen, so dass er nichts mehr sehen konnte. Es gab einen Rauchabzug im Dach - dort zwängte sich Zim nach draußen. Heulend vor Schmerz sprang er umher. Dann rannte er los und fiel kopfüber in einen Teich, wo er mit dem Kopf im Schlamm stecken blieb und zu einem Holzklotz wurde, wie ein Baumstumpf. Diesen Stumpf wählten die Bienen zu ihrem Stock, niemand aber konnte je an ihren Honig, denn wenn er es versuchte, steckte seine Hand fest.

Demane und Demazana aber nahmen sich Zims Eigentum, das sehr groß war, und wurden reiche Leute.

Der Affe und die süßen Knollen

Es war einmal ein Affe, der hatte eine Anzahl Rinder zu hüten. Nun ging aber das Gerücht um, dass jeder, der dem Affen die Rinder wegnehmen könnte, sie für sich behalten dürfe. Da zogen junge Männer aus, die hofften, es gelänge ihnen, das Vieh wegzutreiben und untereinander aufzuteilen. Aber der Affe hatte Pfeil und Bogen, und als die jungen Männer herankamen, schoss er sie alle tot.

Am nächsten Tag kamen andere junge Männer, aber auch die wurden erschossen. Da wagten sich die Leute nicht mehr an die Rinder heran. Eines Tages aber sagte eine Gruppe kleiner Jungen: "Wir können das Vieh heim treiben!" Spöttisch meinten die Männer aus dem Kraal: "Wie sollte euch gelingen, was Ältere nicht geschafft haben!"

Die kleinen Jungen aber zogen hinaus, ohne Stöcke, ohne Pfeil und Bogen, ohne Speere. Nur eine kleine Hacke nahmen sie mit, gruben süße Knollen aus und warfen sie, eine nach der anderen, dem Affen zu. Und während der Affe damit beschäftigt war, die süßen Knollen zu essen, trieben sie die Rinder nach Hause.

Der betrogene Betrüger

Man erzählt, dass es die Moorkatze war, der die Tiere ihre Färbung zu verdanken haben. Die Moorkatze hatte nämlich zu ihnen gesagt: "Wer einen Bock tötet und mir das Fleisch bringt, den werde ich mit Farbe bemalen." Die Hyäne hatte das gehört, ging hin und tötete einen Bock. Das Fleisch aber aß sie selbst und brachte der Moorkatze nur die Knochen. Da sagte die Moorkatze: "Leg dich hin."

Die Hyäne legte sich hin, und die Moorkatze bemalte sie mit hässlichen Flecken und sprach dann: "Wenn mich einer prellt, tu' ich mit ihm das gleiche." Nun ging der Leopard auf die Jagd, tötete einen Bock und brachte ihn zur Moorkatze. Die hieß ihn niederknien und malte ihn dann mit einer wunderschönen Farbe an, und dabei sprach sie: "Wenn einer sein Wort hält, dann tu' ich es auch."

Der Blinde und der Krüppel

Vor langer Zeit einmal wurde ein Dorf von einem kriegerischen Haufen überfallen, der die Leute aus ihren Behausungen vertrieb. Nur ein Krüppel und ein Blinder blieben zwischen den zerstörten Hütten zurück. Die beiden verabredeten, dass der Blinde den Krüppel tragen werde, so dass sie fliehen und ihren Leuten folgen könnten.

Als der Blinde den Krüppel so über Land trug, erblickte der, der sehen konnte, kreisende Geier. Er sagte das dem, der gehen konnte, und sie wandten sich der Stelle zu, über der die Geier kreisten. Dort fanden sie noch andere Geier um ein totes Tier versammelt.