Die Seele bleibt Fußgänger - Tamara Dietl - E-Book

Die Seele bleibt Fußgänger E-Book

Tamara Dietl

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Beschreibung

Wie wir angesichts tiefgreifender Umbrüche dennoch ein gelingendes Leben führen können - das neue Buch von Tamara Dietl, Autorin, Kolumnistin sowie Sinn- und Wertecoach nach Viktor Frankl.

Die Welt scheint aus den Fugen. Alte Gewissheiten schwinden. Was gestern noch undenkbar war, ist heute Realität. Die Welt ist chaotisch, unüberschaubar, widersprüchlich und verletzlich. Und sie verändert sich so rasend schnell, dass es uns schwindelt. Als Expertin und Beraterin für den erfolgreichen Umgang mit Krisen beschäftigt sich Tamara Dietl seit Jahren mit tiefgreifenden Umbruchserfahrungen und ist auch selbst schon durch schwere Krisen gegangen. Innerhalb von wenigen Jahren starben nach langen Krankheiten ihre Mutter, ihr Vater und ihr Mann, der Regisseur Helmut Dietl.

Zu ihrer eigenen Überraschung verspürte sie vor einiger Zeit, dass ihre Seele trotz ihrer professionellen und persönlichen Krisen-Resilienz nicht mehr hinterher kam mit der Entwicklung der Welt. Wie sie immer öfter Schaden zu nehmen drohte angesichts von Klimakrise, Artensterben, Kriegen, Pandemie und wankenden Demokratien. Sie verspürte den Wunsch nach einer Antwort auf die Frage, wie sie auch weiterhin ein gelingendes Leben führen kann. Ein sinnvolles Leben, das nicht ständig geprägt ist von Angst und Ohnmacht.

Und was lag da näher, als ein Buch zu schreiben? Denn nicht nur Krisen sind ihre Profession, sondern auch das Schreiben. Und so hat sie sich mit diesem Buch ihren Platz in der Welt erschrieben, ihren sinnvollen Platz in einer Welt im Wandel. Nicht zuletzt in der Hoffnung, dass es auch ihren Leserinnen und Lesern jene Hilfe sein möge, die es für sie während des Schreibens geworden ist.

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Seitenzahl: 235

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Buch

Die Welt scheint aus den Fugen. Alte Gewissheiten schwinden. Was gestern noch undenkbar war, ist heute Realität. Die Welt ist chaotisch, unüberschaubar, widersprüchlich und verletzlich. Und sie verändert sich so rasend schnell, dass es uns schwindelt. Als Expertin und Beraterin für den erfolgreichen Umgang mit Krisen beschäftigt sich Tamara Dietl seit Jahren mit tiefgreifenden Umbruchserfahrungen und ist auch selbst schon durch schwere Krisen gegangen. Innerhalb von wenigen Jahren starben nach langen Krankheiten ihre Mutter, ihr Vater und ihr Mann, der Regisseur Helmut Dietl.

Zu ihrer eigenen Überraschung verspürte sie vor einiger Zeit, dass ihre Seele trotz ihrer professionellen und persönlichen Krisen-Resilienz nicht mehr hinterherkam mit der Entwicklung der Welt. Wie sie immer öfter Schaden zu nehmen drohte angesichts von Klimakrise, Artensterben, Kriegen, Pandemie und wankenden Demokratien. Sie verspürte den Wunsch nach einer Antwort auf die Frage, wie sie auch weiterhin ein gelingendes Leben führen kann. Ein sinnvolles Leben, das nicht ständig geprägt ist von Angst und Ohnmacht.

Und was lag da näher, als ein Buch zu schreiben? Denn nicht nur Krisen sind ihre Profession, sondern auch das Schreiben. Und so hat sie sich mit diesem Buch ihren Platz in der Welt erschrieben, ihren sinnvollen Platz in einer Welt im Wandel. Nicht zuletzt in der Hoffnung, dass es auch ihren Leserinnen und Lesern jene Hilfe sein möge, die es für sie während des Schreibens geworden ist.

Autorin

Tamara Dietl wurde 1964 in Hamburg als Tochter des SPD-Politikers und Publizisten Freimut Duve und der ägyptischen Lehrerin Gulnar Abdel Magid geboren. Ihr Großvater mütterlicherseits war Moslem und Professor für Psychologie und Pädagogik, ihr Großvater väterlicherseits Journalist und ein Großneffe des Zionismus-Begründers Theodor Herzl. Tamara Dietl begann ihre journalistische Laufbahn als Gerichtsreporterin bei der Hamburger Morgenpost und wechselte 1988 zu SpiegelTV. Sie produzierte dort über zehn Jahre lang u. a. Portraits über Willy Brandt, Romy Schneider und Marlene Dietrich. Daneben war sie als freie Autorin und Beraterin tätig, u. a. für ARD, ZEIT, Süddeutsche Zeitung, und unterrichtete als Dozentin an Journalisten- und Filmhochschulen. Heute arbeitet Tamara Dietl als Consultant und Business-Coach mit Verantwortlichen aus Wirtschaft, Politik und Medien. Sie absolvierte eine Ausbildung zum Sinn- und Wertecoach nach der Lehre des Neurologen und Psychiaters Viktor Frankl. Außerdem ist sie seit 2018 Kolumnistin der Zeitschrift DONNA.

2002 heiratete sie den Filmemacher Helmut Dietl. 2003 kam ihre gemeinsame Tochter zur Welt. Im März 2015 starb Helmut Dietl nach langer Krankheit. Im November desselben Jahres erschien im btb Verlag ihr erstes Buch »Die Kraft liegt in mir: Wie wir Krisen sinnvoll nutzen können«. Darin setzt sie sich mit der Krebserkrankung und dem Sterben ihres Mannes auseinander.

Die Autorin lebt in München.

Tamara Dietl

Die Seele bleibt Fußgänger

Vom gelingenden Leben in einer Welt im Wandel

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Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Copyright © 2025 by btb Verlag

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

Covergestaltung: semper smile, München

Covermotiv: © shutterstock / afife melisa gonceli

Satz und E-Book-Konvertierung: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 978-3-641-32802-3V002

www.btb-verlag.de

www.facebook.com/penguinbuecher

FürSylviaundSerafina

»Alles Leben ist Problemlösen.«

Karl Popper

»Mensch sein heißt Sinn finden.«

Viktor Frankl

Prolog

Die Welt scheint aus den Fugen. Alte Gewissheiten schwinden. Was gestern noch undenkbar war, ist heute Realität. Die Welt ist chaotisch, unüberschaubar, widersprüchlich, verletzlich, und sie verändert sich so rasend schnell, dass es uns schwindelt. Ihre Komplexität nimmt in atemberaubendem Tempo zu. Als Expertin und Beraterin für den erfolgreichen Umgang mit Krisen beschäftige ich mich seit Jahren professionell sowohl mit persönlichen als auch gesellschaftlichen Umbruchserfahrungen und bin selbst schon durch schwere Krisen gegangen.

Umso überraschter war ich, als ich vor einiger Zeit zu spüren begann, wie meine Seele nicht mehr hinterherkam mit der Entwicklung der Welt. Wie sie immer öfter Schaden zu nehmen drohte angesichts von Klimakrise, Artensterben, Kriegen, Pandemie und wankenden Demokratien. Wie ich sie immer dringlicher schützen wollte vor täglich neuen Schlagzeilen und Bildern von immer noch mehr Katastrophen. Ich verspürte die Sehnsucht nach einer Antwort auf die Frage, wie ich trotz allem auch weiterhin ein gelingendes Leben führen kann. Ein sinnvolles Leben, das nicht ständig geprägt ist von Angst und Ohnmacht.

Der Beginn meiner Suche nach dieser Antwort lag in der »Salutogenese«, der Lehre von der Gesundheit. Sie wurde von dem Medizin-Ethiker Aaron Antonovsky in den 1970er Jahren erforscht und entwickelt, und ich hatte sie vor langer Zeit während meiner Ausbildung zum Sinn- und Werte-Coach kennengelernt. Die Salutogenese fragt nicht danach, was uns krank macht, sondern welche Faktoren dazu führen, dass wir physisch und psychisch gesund bleiben können. Im Mittelpunkt steht dabei der sense of coherence, das Kohärenzgefühl. Also das Gefühl von Stimmigkeit. Je größer es ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit von körperlicher und seelischer Gesundheit. Das Kohärenzgefühl besteht aus drei Komponenten. Erstens: Ich kann verstehen. Zweitens, ich kann handeln, und drittens, ich finde Sinn. Je intensiver ich mich während meiner Suche nach einer Antwort nun wieder mit der Salutogenese zu beschäftigen begann, desto klarer wurde mir, dass mein Kohärenzgefühl angesichts der Weltlage in letzter Zeit immer mehr verkümmert war. Ich begriff, dass ich es mir wieder holen musste, wenn ich nicht in meinem Weltschmerz versinken, sondern seelisch überleben wollte. Und was lag da näher, als ein Buch zu schreiben? Denn nicht nur Krisen sind meine Profession, sondern auch das Schreiben. Und so habe ich mir mit diesem Buch mein Gefühl der Stimmigkeit zurückerobert, habe mir meinen Platz erschrieben in einer Welt im Wandel. In der Hoffnung, dass es auch meinen Leserinnen und Lesern jene Hilfe sein möge, die es für mich während des Schreibens geworden ist.

Tamara Dietl, München im Sommer 2025

1 Ich muss mir von mir selbst nicht alles gefallen lassen

Als ich am Morgen jenes 24. Februar aufwachte, war ich so voller Freude wie schon lange nicht mehr. Denn heute war mein Geburtstag. Und zwar endlich wieder einer, den ich nicht nur richtig feiern wollte, sondern auch endlich wieder feiern konnte. Seit einer gefühlten Ewigkeit hatte ich das Fest, das den Tag meiner Geburt markiert, nicht mehr unbefangen begehen können. Denn in den vergangenen Jahren hatte ich, wie man so schön sagt, »schwere Zeiten durchgemacht«.

Acht Wochen nach meinem 50. Geburtstag war meine Mutter gestorben. Fünf Wochen nach meinem 51. Geburtstag hatte mich mein Mann für immer verlassen. Beide starben an Krebs. Nachdem mein Mann und meine Mutter gegangen waren, wurde es einige Jahre still um meine Geburtstage. Die Lust, das Leben ausgelassen zu feiern, so wie ich es immer geliebt hatte, war mir irgendwo zwischen Trauer und Erschöpfung verloren gegangen. Als ich sie schließlich wiederfand, fünf Jahre später, als sich die Feierlaune langsam wieder in mir zu regen begann, weil die langen Schatten von Krankheit und Tod endlich verblassten, da starb mein Vater. Eine Woche nach meinem 56. Geburtstag. Und zeitgleich mit seinem Tod zog auch eine andere dunkle Wolke am Horizont auf. Zu meinem persönlichen Schicksal als Witwe und Waise machte mir jetzt noch eine kollektive Krise mit Namen Corona einen Strich durch die Birthdayparty-Rechnung. Zwei lange Jahre.

Ich wachte sehr früh auf an diesem Morgen. Ein bisschen so wie in Kindertagen, wenn ich vor lauter Aufregung schon mitten in der Nacht wach wurde, weil ich es kaum erwarten konnte, endlich meinen Gabentisch zu sehen. Endlich die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen auszublasen, möglichst mit einem Atemzug, weil das Glück brachte, um dann, als Höhepunkt, die Geschenke auszupacken. Und tatsächlich hatte ich mir für diesen besagten 24. Februar 2022 auch einen Geburtstagskuchen gebacken, am Vorabend, und genau den, den ich schon als Kind so geliebt hatte. Einen Gugelhupf mit Schokoladenguss drüber und Schokostückchen drin. Und einen großen, fröhlichen Blumenstrauß hatte ich mir tags zuvor auch schon gekauft und ihn neben den Kuchen platziert. Irgendwie wollte ich mich damit am nächsten Morgen selbst überraschen, um mir das unbeschwerte Geburtstagsgefühl zurückholen, das ich so lange vermisst hatte.

Den Kuchen hatte ich sorgsam verziert, genauso wie früher, mit winzigen Zuckerperlen auf der Schokoglasur, einem Lebenslicht in der Mitte und einer etwas kitschigen, dafür aber sehr pinken »58«, die wirkungsvoll auf dem glänzenden Guss prangte. Für die kleinen Kerzen meiner Kindheit, wo jede einzelne noch ein Lebensjahr symbolisiert hatte, war der Kuchen mittlerweile natürlich zu klein. Aber immerhin, meine pinke »58« erfüllte ihren Zweck anstandslos, denn sie war auch eine Kerze. Und als krönenden Abschluss meines Geburtstagstisch-Arrangements hatte ich hinter Kuchen und Blumen eine strahlend bunte »Happy-Birthday-Girlande« aufgehängt. Die hatte es in meiner Kindheit zwar noch nicht gegeben. Dafür aber in der Kindheit meiner Tochter. Und da sie zum ersten Mal nicht dabei sein würde an meinem Geburtstag, weil sie jetzt achtzehn geworden und zum Studieren nach Wien gegangen war, wollte ich etwas, das mich auch an ihre Kindheit erinnern sollte. Denn die war nun Vergangenheit. Mein erster Geburtstag mit einem volljährigen Kind, das von zu Hause ausgezogen war, um als Erwachsene ihr eigenes Leben zu leben. Nun stand auch ich an der Schwelle eines neuen, eines eigenen Lebens. Wie dieses neue Leben genau aussehen würde, wie es sich anfühlen würde, wenn das Kind auf eigenen Beinen zu stehen lernte, welche Wirkung das auf mein Leben haben würde, all das konnte ich noch nicht genau wissen. Aber ich wusste, dass der Einstieg in diese neue Lebensphase nicht spurlos an mir vorübergehen würde. So wie all die vielen anderen Lebensabschnitte auch, die ich schon durchlebt und durch die ich gelernt hatte, wie wichtig der Umgang mit diesen Übergängen war. Und je bewusster wir die Übergänge wahrnehmen und erleben, desto intensiver spüren wir das Leben selbst. Spüren, dass das Leben eine Reise ist, mit Höhen und mit Tiefen, mit Abschieden und mit Neuanfängen. Und so würde auch der Start in diesen Lebensabschnitt ein Anfang sein. Wieder einmal. Wieder einmal ein Aufbruch in eine neue Zeit.

Es kam also einiges zusammen, warum gerade dieser 24. Februar ein so wichtiger Tag für mich war und ich ihn deshalb gebührend feiern wollte. Allerdings war ein rauschendes Fest mit vielen Gästen, die ausgelassen aßen, tranken und tanzten, in diesem dritten Corona-Winter immer noch viel zu riskant. Aber dennoch hatte ich eine tiefe Sehnsucht nach Unbeschwertheit, die ich endlich wieder stillen wollte. Ja, ich wollte mich an diesem Geburtstag frei und unbeschwert fühlen nach all den Jahren der Zurückhaltung und der Vorsicht, diesem unterschwelligen Gefühl permanenter Angst, das uns jetzt schon so lange begleitete. Aber trotzdem kam die große Party, die sich möglicherweise schon wenige Tage später als Superspreader-Event erweisen könnte und meine unbeschwerte Feierfreude damit wie ein Bumerang in ihr Gegenteil verkehren würde, nicht in Frage. Und deshalb trotzte ich den schwierigen Pandemie-Bedingungen mit einem kleineren Fest. Einem kleinen feinen Fest, das sich dafür aber über drei herrlich lange Tage erstrecken sollte. Bis ins letzte Detail hatte ich es geplant, damit wir uns in Sicherheit wiegen und unbekümmert feiern konnten.

Fünf Freundinnen hatte ich eingeladen. Zwei kamen aus München, eine würde aus Wien anreisen, eine andere aus Hamburg und meine beste Freundin Claudia aus Ravensburg. Wir alle waren geimpft, und ich hatte am Vorabend einen PCR-Test gemacht, der negativ ausgefallen war. Auch meine Freundinnen ließen sich heute früh noch testen, bevor sie sich auf den Weg zu mir machen würden. Die weniger komplizierten Schnelltests hatten wir gar nicht erst in Betracht gezogen, weil auf sie schon lange kein Verlass mehr war, seitdem die hochansteckende Virus-Variante Omikron dominierte und nicht nur den Impfschutz umgehen konnte, sondern auch die praktischen Selbsttests.

Und so wachte ich am Morgen des 24. Februar 2022 nicht nur sehr früh und in großer Vorfreude auf, sondern auch mit dem Gefühl, alles perfekt geplant und unter Kontrolle zu haben. Sogar mein Lieblings-Geburtstagslied hatte ich mir vorsichtshalber noch gestern Abend auf mein Handy geladen, damit ich nicht lange danach suchen müsste. Gleich würde ich es abspielen, wenn ich rüber zu meinem Geburtstagstisch gehen, die Blumen bewundern und die Kerzen auf dem Kuchen anzünden würde, um sie dann gleich wieder auszublasen. Möglichst mit einem Atemzug, weil das Glück bringt.

Ich schlug die Decke zurück, setzte mich auf die Bettkante, nahm mein Handy vom Nachttisch und schaltete es ein. Noch heute sehe ich diese, meine Bewegungen wie in Zeitlupe vor mir ablaufen. Decke weg, hinsetzen, Handy anschalten. Eigentlich wie immer – aber weil das, was dann folgte, so unfassbar war, so unwirklich, bleibt mir die Erinnerung an diesen Moment als ein viel zu langsam ablaufender Film im Gedächtnis. Decke weg, hinsetzen, Handy anschalten. Und dann der Blick auf mein Display. Putin greift die Ukraine an stand da. Raketenbeschuss und Bodentruppen. Der russische Angriff auf die Ukraine gilt dem ganzen Land. Die Regierung in Kiew meldet die ersten Todesopfer. Zurück ins Bett, Decke über den Kopf, Augen zu. Immer noch Zeitlupe.

Was in den Morgenstunden meines 58. Geburtstages passierte, erschütterte mich in einer Weise, wie ich es bisher noch nicht erlebt hatte. An diesem 24. Februar 2022 passierte etwas, das gar nicht passieren konnte. Ein Angriffskrieg in Europa! Ein Angriffskrieg in Europa? Undenkbar! Dieses »Undenkbar« war die unumstößliche Gewissheit gewesen, mit der ich, geboren Mitte der 1960er Jahre, mein bisheriges Leben verbracht hatte. Ja mehr noch – mit dieser Gewissheit hatten wir uns, die Kinder des Kalten Krieges, zeitlebens in Sicherheit gewogen. Frieden und Sicherheit als Normalzustand. Aber du kannst eben eines Morgens aufwachen, und die Welt ist über Nacht eine andere geworden. Kannst reglos im Bett liegen und schlagartig begreifen, dass es eine Illusion war. Dass in Wahrheit die Unsicherheit der Normalzustand ist.

Ich war fassungslos. Und zwar gleich doppelt. Fassungslos über Putins Überfall auf die Ukraine und fassungslos über mich selbst. Genauer gesagt über meine eigene Fassungslosigkeit. Denn dass in Wahrheit die Unsicherheit der Normalzustand ist – genau das war ja seit Jahren mein großes Thema. Sowohl privat, als auch beruflich. Mit dem Mantra Die Unsicherheit als Normalzustand hatte ich nicht nur meine eigenen Schicksalsschläge bewältigt und war als Krisencoach erfolgreich, sondern ich hielt als Rednerin genau damit seit Jahren unzählige Vorträge über »Die Welt im Wandel«. Und jetzt lag ich hier fassungslos in meinem Bett und fühlte mich wie gelähmt. Langsam schob ich den Kopf unter der Decke hervor, tastete vorsichtig nach meinem Handy, öffnete die Augen und wagte einen neuen, sehr zögerlichen Blick auf das Display. Bundeskanzler Scholz hatte sich bereits zu dem russischen Überfall geäußert: Dies ist ein furchtbarer Tag für die Ukraine und ein dunkler Tag für Europa…Und es ist ein Scheißtag für mich!, musste ich unwillkürlich denken und spürte, wie plötzlich Wut in mir hochkam. Wieso ausgerechnet an meinem Geburtstag? Es gibt doch noch 364 andere Tage im Jahr, verdammt nochmal! Womit hab ich das nach all den Jahren verdient? Warum passiert das ausgerechnet mir?

Wieso ausgerechnet dir NICHT, hörte ich aus weiter Ferne eine Stimme fragen. Wie bitte, dachte ich, wer mischt sich denn hier gerade mit einer derart unsachgemäßen Gegenfrage in meinen Wutanfall ein? Oder fang ich jetzt schon an, vor lauter Fassungslosigkeit Stimmen zu hören? …Hallo, ich warte auf eine Antwort! … Jetzt war die Stimme ganz nah. Wiederholte noch einmal klar und deutlich ihre Frage, warum ausgerechnet mir das NICHT passieren sollte. Ja, sie setzte sogar noch einen drauf: Ist es nicht ganz schön egozentrisch, angesichts der Tragödie, die sich da gerade abspielt, dich mit deinem banalen Geburtstag so wichtig zu nehmen?! In diesem Moment erkannte ich die Stimme – es war meine eigene. Ich hatte laut zu mir selbst gesprochen.

Dass ich eine starke innere Stimme habe, die mir immer wieder kritische Fragen stellt oder mir sagt, wo es langgehen könnte, das wusste ich. Sie ist mein Kompass, seitdem ich denken kann. Dass sie sich allerdings laut zu Wort meldete, war neu. Aber an jenem Morgen des 24. Februar 2022, als ich mich derart in meine Wut reinsteigerte, da sah sie vermutlich keine andere Chance. Mit ihrer sonst eher stillen Art wäre sie nicht zu mir durchgedrungen … so wütend hab ich dich ja seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt, sagte die Stimme jetzt und zum Glück wieder so leise, wie ich es von ihr gewohnt war … Wut gehörte doch eher in das Gefühls-Repertoire deiner Jugend … Die Stimme machte eine Pause.

Diese Pausen kannte ich von ihr, denn die machte sie ständig, wenn ich mich mit ihr auf einen unserer unzähligen Dialoge einließ. Früher, als ich jünger und ungeduldiger gewesen war, hatten mich diese Pausen genervt. Dann war ich meiner inneren Stimme nicht selten über den Mund gefahren, hatte sie im Keim erstickt und den Dialog beendet, noch bevor er richtig Fahrt hätte aufnehmen können. Erst als ich älter wurde, lernte ich, meinem Innern den nötigen Raum zu geben und geduldig abzuwarten. Solange abzuwarten, bis meine Kompassnadel ihr sanftes Zittern beendet hatte, um dann an jenem Punkt zu verweilen, der mich weiterbringen würde.

Die Stimme meldete sich zurück: Einen Garantieschein auf einen schönen Geburtstag gibt es nun mal nicht … Hmm … dieser Satz kam mir irgendwie bekannt vor … klar kommt er dir bekannt vor, hast ihn ja auch schon oft genug gesagt … Das stimmte. Ich hatte ihn schon tausendmal gesagt. Aber noch nie in Verbindung mit einem »schönen Geburtstag«. Das Grundgerüst des Satzes »Einen Garantieschein gibt es nicht«, war nämlich je nach Bedarf grenzenlos zu ergänzen. Wahlweise mit »auf ein sorgenfreies Leben«, »auf eine glückliche Kindheit« oder »auf ewige Treue« – um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen.

Es gibt überhaupt keinen Garantieschein auf irgendetwas – außer auf den Tod. Und das bedeutet im Prinzip nichts anderes als mein Mantra von der Unsicherheit als Normalzustand. Und dass es außer auf den Tod keinen Garantieschein auf irgendwas gibt, ist, wie gesagt, eine der wichtigsten Erkenntnisse überhaupt in meinem Leben. Und deshalb werde ich auch nie müde, es geradezu gebetsmühlenartig all denjenigen zu predigen, die immer wieder enttäuscht sind vom Leben und nicht aufhören können, sich darüber zu wundern, dass es erstens anders kommt und zweitens, als man denkt.

Und sich drittens, diesen Tag anders vorgestellt haben! Und zwar ganz anders! Die Wut war immer noch da. Wie viel Energie Wut freisetzen kann, wenn sie einen mit großer Wucht überfällt, das war mir gar nicht mehr bewusst gewesen. Es war wirklich schon sehr lange her, dass ich eine solche Wut empfunden hatte. Offenbar hatte ich über all die Jahre, ach, was sage ich, über all die Jahrzehnte, in denen ich mich nun schon im Umgang mit meinen Gefühlen trainierte, und vor allem mit denen, die einen im Affekt überkommen, eine gewisse Gelassenheit entwickelt. Eine Gelassenheit, die wiederum dazu geführt hatte, dass bestimmte Gefühle im Laufe der Zeit immer seltener geworden waren. Eine interessante Erkenntnis. Nur half mir die im Moment leider überhaupt nicht weiter. Meine Wut war da, meine Impulskontrolle hatte mich schmählich im Stich gelassen, und ich musste nun schleunigst raus aus dieser Nummer. Denn vor meinem geistigen Auge flog gerade mein schöner Geburtstagskuchen durchs Zimmer und der fröhliche Blumenstrauß hinterher. Und bevor ich gedanklich und in genussvoller Rage auch noch die Happy-Birthday-Girlande in tausend bunte Schnipsel zerfetzen würde, musste etwas geschehen. Und zwar das, was ich in meinem beruflichen Kontext gerne unter der Überschrift »Vom Reflex zur Reflexion« zusammenfasse.

Vielleicht atmest du einfach mal durch! Wenn schon nicht mehr auf mich selbst, war wenigstens noch auf meine innere Stimme Verlass. Gar keine schlechte Idee, dachte ich, Atmen hilft immer. Also Einatmen und Ausatmen. Ein und Aus. Und in meiner momentanen Stimmung möglichst länger aus als ein. Weil eine lange Ausatmung den Teil des Nervensystems aktiviert, der uns entspannt und beruhigt. Vier Sekunden einatmen, sieben wieder aus. Vier ein, sieben aus. Ein, aus. Ich wurde ruhiger. Und war wieder einmal überrascht darüber, wie gut das funktionierte. Vier Sekunden einatmen, sieben wieder aus. Vier ein, sieben aus. So einfach ging das. Vier ein, sieben aus.

Diese simple Atemtechnik eignet sich wirklich hervorragend für Situationen, in denen man sich schnell beruhigen will. Und sie ist eines der wirkungsvollsten Tools aus meinem Werkzeugschrank für ein gelingendes Leben. Ja, ich habe einen Schrank voller Tools. Und ja, ich weiß, das klingt jetzt sehr mechanisch. Werkzeugschrank und Tools. Eigentlich viel zu mechanisch für diese einmalige, diese unglaublich kostbare Zeit zwischen Geburt und Tod, die wir Leben nennen. Aber gerade weil unsere Lebenszeit so kostbar ist, habe ich irgendwann begonnen, Werkzeuge zu sammeln, die mir helfen, ein gelingendes Leben zu führen. Und wenn ich es mir so recht überlege, ist es auch gar kein Werkzeugschrank. In Wahrheit ist es eine Schatzkammer. Eine herrliche Schatzkammer mit einer Sammlung wertvollster Instrumente für ein gelingendes Leben.

Eigentlich bin ich überhaupt kein Sammlertyp. War ich nie. Weder Briefmarken noch Münzen, auch keine Muscheln am Strand und Schuhe schon mal gleich gar nicht. Nach dem Motto »weniger ist mehr« habe ich es gerne übersichtlich, unaufwendig und pflegeleicht. Deshalb hatte ich am Anfang eine sehr kleine Werkzeugkiste mit ein paar Tools, die mir das Leben leichter machen sollten. Denn ich suchte damals noch, am Beginn meines erwachsenen Lebens, nach dem einen, dem einzigen Tool, dem praktischen Allzweck-Werkzeug, einer Art Zauberstab, der aus mir, Hokuspokus Fidibus, einen klugen, starken, widerstandsfähigen, liebevollen, erfolgreichen, gelassenen, glücklichen und, am allerwichtigsten, einen guten Menschen machen würde. Die positive Entwicklung von Körper, Geist und Seele quasi im Handumdrehen, auf Knopfdruck. Leider habe ich weder Knopf noch Zauberstab gefunden, dafür aber unzählige gute wie schlechte Erfahrungen gemacht. Und aus diesen Erfahrungen habe ich gelernt, dass ich für meine Entwicklung selbst zuständig bin und dass das Leben als Selbstentwicklerin harte Arbeit bedeutet.

Deshalb ist im Laufe der Zeit aus der kleinen Kiste von damals die große Schatzkammer von heute geworden. Und meine Schätze sind eine bunte Mischung aus Übungen und Methoden, aus Techniken, Modellen, Theorien, Praktiken, Haltungen, Routinen, Fragen und dem immensen Reichtum an klugen Gedanken, den ich in einer stattlichen Zitatensammlung zusammengetragen habe. Eines meiner wertvollsten Sammlerstücke, ein bisschen so etwas wie die Blaue Mauritius für Briefmarkenfans, ist ein Zitat von Viktor Frankl. Es lautet: Zur Fähigkeit des Menschen, über den Dingen zu stehen, gehört nun mal auch die Fähigkeit über sich selbst zu stehen. Ich muss mir von mir selbst doch nicht alles gefallen lassen. Ich habe es entdeckt, als ich meine Ausbildung zum Sinn- und Werte-Coach nach seiner Sinntheorie machte. In dieser Zeit schoss der Bestand meiner Zitatensammlung sprunghaft in die Höhe. Denn Viktor Frankl, ein Neurologe und Psychiater aus dem vorigen Jahrhundert, ist für mich ein großer Philosoph, ein wichtiger Denker für das 21. Jahrhundert.

Du musst dir von dir selbst nicht alles gefallen lassen. Es war meine innere Stimme, die mich aus meinen Gedanken riss. Mein Gott, ich lag ja immer noch im Bett. Aber nicht mehr ganz so wütend wie vorhin. Dank meiner wunderbaren Vier-zu-sieben-Atemtechnik hatte ich mir von mir selbst nicht alles gefallen gelassen. Ich schlug die Decke zurück und wollte aufstehen, da klingelte mein Handy. Es war meine Tochter aus Wien.

»Guten Morgen, Mami, alles, alles Gute zum Geburtstag!«

»Danke, mein Schatz. Wie hast du geschlafen?«

»Eigentlich ganz gut, aber hast du gehört, was Putin gesagt hat?«

»Nein, noch nicht.«

»Er hat gesagt, dass sich niemand einmischen darf. Sonst wird es Konsequenzen geben, die die Welt noch nicht gesehen hat.«

Konsequenzen, die die Welt noch nicht gesehen hat … Ich fühlte Angst in mir aufsteigen. Da wo eben noch die Wut getobt hatte, machte sich jetzt Angst breit. Lähmende Angst. Denn im Gegensatz zur Wut mit ihrer enormen Energie, ist Angst ein Gefühl, das uns blockiert. Ich musste dagegenhalten. Vier ein, sieben aus. Ein, aus. Gibt es eine Steigerung von »undenkbar«? Nein. Undenkbar ist undenkbar. Mehr geht nicht. Aber in diesem Moment ging noch mehr … Was die Welt noch nicht gesehen hat … undenkbarer als undenkbar. Der Dritte Weltkrieg, ein … Atom … Krieg … Vier ein, sieben aus!

»Mami, bist du noch da?«

»Mach dir keine Sorgen, mein Schatz«, hörte ich mich sagen. Mit einer überraschend ruhigen Stimme. Offenbar der mütterliche Reflex, wenn das Kind beruhigt werden muss, obwohl man selbst beunruhigt ist.

»Das ist nur eine Drohgebärde. Das ist genau das, was Putin erreichen will, dass wir alle Angst kriegen. Aber wir brauchen überhaupt keine Angst zu haben.«

Ich erhob mich aus dem Bett und spürte, wie mich plötzlich ein starkes Unwohlsein überkam, eine Mischung aus beginnender Übelkeit, leichtem Schwindel, einem Rest Wut im Bauch und einer diffusen Angst im Nacken. Jetzt muss aber wirklich dringend was passieren, wenn du dir deinen Geburtstag nicht endgültig ruinieren willst! Meine innere Stimme hatte absolut Recht. Und was schlägst du vor? fragte ich zurück. Dein Erste-Hilfe-Köfferchen für die Seele. Völlig richtig! Da hätte ich eigentlich selbst draufkommen können. Mein Erste-Hilfe-Köfferchen für die Seele, dieses besondere Juwel aus meiner Schatzkammer. Ich öffnete es sofort. Und da lagen sie, fein säuberlich nebeneinander, meine drei Trostpflaster, diese wunderbaren Retter in der Not: links die Hoffnung, rechts die Brille der Zuversicht und in der Mitte das Quartett der Vier Möglichkeiten.

Wie immer, wenn ich mein Rettungs-Köfferchen zu Hilfe nahm, war ich versucht, sofort die Brille der Zuversicht aufzusetzen. Aber wenn ich wirklich zuversichtlich werden wollte, musste ich mich noch etwas gedulden. Denn Zuversicht richtet den Blick in die Zukunft. Und der ist nur dann erfolgsversprechend, wenn man sich vorher mit der Situation in der Gegenwart auseinandergesetzt hat. Man muss herauszufinden, von welchem gegenwärtigen Standpunkt aus man zuversichtlich nach vorne blicken will. Einfach nur irgendwie schön positiv auf das Kommende zu schauen, ist naiv. Diese blind vertrauende »Alles-wird-gut«-Mentalität habe ich nie verstanden und immer ein wenig als Beleidigung meiner Intelligenz empfunden.

Also zuerst der realistische Blick auf die Gegenwart. Und zwar mit Hilfe des Quartetts der Vier Möglichkeiten. Dieses Quartett besteht aus vier Karten, und auf jeder Karte steht eine der vier Optionen, die man hat, wenn man sich in einer schwierigen Situation befindet. Das Ziel des Spiels ist es, exakt die Karte herauszufinden, die für einen selbst die realistischste und zugleich beste Möglichkeit im Umgang mit der Situation ist. Und schon während man spielt, noch lange bevor das Spiel zu Ende ist, kann man gewinnen. Und zwar die nötige Distanz zu der Situation selbst. Dieser Abstand ist wichtig, um von der Reflex-Reaktion in die Reflexion zu kommen. Oder, wie Viktor Frankl sagen würde, um über den Dingen zu stehen.

Ich begann mein Spiel und nahm die erste Karte aus dem Köfferchen.

DUKANNSTDIESITUATIONÄNDERN, stand da drauf. Nein, das konnte ich nicht. Putin hatte die Ukraine überfallen, und ich hatte Geburtstag. Daran gab es nichts zu ändern.

Nacheinander nahm ich nun die anderen Karten heraus.

DUKANNSTDIESITUATIONVERLASSEN bot mir Karte Nummer zwei an. Auch hier: Nein. Aus dem eigenen Geburtstag konnte ich mich ja schlecht rausbeamen. Den hatte ich nun mal.

Option Nummer drei lautete: DUKANNSTDIESICHTAUFDIESITUATIONÄNDERN. Eigentlich meine Lieblingskarte. Denn wenn man eine Situation weder ändern noch verlassen kann, kann man zumindest versuchen, sie anders zu sehen. Aber das ging diesmal ebenfalls nicht. Mir fiel beim besten Willen gerade keine andere Betrachtung dieses ungeheuerlichen russischen Angriffskrieges ein, als die, die ich hatte, nämlich Fassungslosigkeit.

Die letzte Möglichkeit, Karte Nummer vier, ist eigentlich gar nicht mein Ding: DUKANNSTDICHMITDERSITUATIONABFINDEN. Nein, danke! Ich finde mich höchst ungern mit etwas ab, was mir nicht passt. Bevor ich mich mit etwas abfinde, versuche ich es entweder zu ändern – oder wenigstens meine Sichtweise darauf. Und wenn beides nicht geht, dann verlasse ich auch gerne einmal eine Situation. Aber abfinden? Nur im äußersten Notfall, falls mir überhaupt kein anderer Ausweg bleibt. Und so wie es aussah, war das heute der äußerste Notfall. Mir blieb schlichtweg nichts anderes übrig, als mich mit der Situation abzufinden. Nach dem Motto »Es ist, wie es ist« hatte ich nur eine Chance weiterzukommen, und zwar indem ich die Realität ganz bewusst annahm – auch wenn ich es eigentlich überhaupt nicht wollte. Und in dem Moment, in dem ich bereit war, meine Realität zu akzeptieren, geschah ein kleines Wunder. Ich spürte, wie ich begann, mich zu entspannen.

Ich legte das Quartett zurück in das Köfferchen und nahm