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Vanessa hat ihren Job bei der Notariatskanzlei Grieser verloren, da ihr Arbeitgeber verstorben ist und seine Neffen das Notariat übernommen haben. In ihrem Lieblings Café hört sie durch einen Sichtschutz wie die beiden eine "Testaments Eröffnung" machen. Aber so viel sie sich erinnern konnte, war das Testament anders als die beiden es ausgelegt hatten. Sie wollten sich das Geld selber einstreifen, indem sie Victor von Hoven falsche Angaben machten. Er müsse bis Ende des Jahres verheiratet sein und bis Ende des nächsten Jahres einen männlichen Erben vorweisen. Dann bekommt er Geld und die Firma oder es wird einer karitativen Stiftung vermacht. Das konnte Vanessa nicht zulassen. Er war doch mal ihre Jugendliebe, doch er kann sich an sie und an damals nicht mehr erinnern. Und außerdem hatte sie einen Sohn von ihm …. Wird es ihr gelingen die beiden zur Strecke zu bringen und wird sich Victor noch an sie erinnern …?
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Seitenzahl: 174
Veröffentlichungsjahr: 2022
Die Testaments-Ehe
Inhaltsverzeichnis
Das Komplott
Das Angebot
Herrn Griesers Testament
Der erste Vertrag
Treffen mit Victor
Termine
Die Hochzeit
Die Wahrheit
Neuanfang
Aufräumaktionen
Neustart
Nachtrag
Das Komplott
Vanessa saß, seitdem sie ihren Job vor 2 Monaten Anfang März verloren hatte, in ihrem Lieblings Café und sah die Zeitung nach Job Inseraten durch. Ihr Lieblingsplatz war in den abgetrennten Nischen, die mit einem aus Bast gemachten Sichtschutz getrennt waren. Auch waren sie mit einigen aus Papier gemachten Blumen verziert. Also konnte man denken, man war in einem Blumengarten. Das gefiel ihr sehr gut. Früher hatte sie sich oft nur einen Frühstückkaffee hier geholt, oder nachmittags eine kleine Jause. Das Café war nicht weit von ihrem Arbeitsplatz entfernt. Doch den hatte sie leider verloren, als ihr Chef verstorben war und die neuen Besitzer nicht alle Angestellten übernommen hatten. Sie war die älteste und die sich am besten ausgekannt hatte. Doch sie wollten lieber jüngere Sekretärinnen. Leider kannten sich Erika und Gabriela nicht so gut aus wie sie. Aber das machte den Besitzern, den Neffen von Herrn Grieser, anscheinend nichts aus. Erika rief sie hin und wieder an, wenn sie sich nicht mehr durchblickte. Das Verstanden nicht einmal die beiden warum Vanessa entlassen wurde und nicht eine von ihnen. Sie war die rechte Hand des Chefs gewesen, oder vielleicht gerade deswegen? Leider konnte Vanessa dagegen nichts machen, es war alles rechtens gewesen. Somit war sie auf der Suche nach einem neuen Job.
Sie holte sich noch einen Kaffee und einen Kuchen. Da sie jetzt Zeit hatte konnte sie das genießen. Als sie zurückkam, hatten zwei Männer hinter ihrer Nische Platz genommen. Die Stimmen kamen ihr irgendwie bekannt vor. Dachte sich noch nichts dabei. Ungewollt wurde sie Ohrenzeuge was die beiden besprachen. Erst als der eine den anderen beim Namen nannte, wurde sie neugierig. Denn jetzt wusste sie auch wer hinter ihr saß. Da man sie nicht sehen konnte, lehnte sie sich an die Wand und lauschte dem Gespräch.
„Johann, glaubst du wirklich wir können das machen?“
„Natürlich. Wer will uns das beweisen? Wir legen das Testament nur etwas anders aus und streiten hinterher alles ab. Das falsche Testament lassen wir später verschwinden.“
Bei dem Namen „Johann“ und „Testament“ wurde Vanessa hellhörig. Es waren die neuen Besitzer von der Notariatskanzlei in der sie vorher gearbeitet hatte. Es waren Johann Klage und Franz Gerber, die Neffen und neuen Besitzer der Kanzlei. Sie waren Anwalt und Notar.
Was heckten die beiden aus? Sie lauschte unbemerkt weiter.
„Franz. Dieser von Hoven nagt nicht am Hungertuch und sein Vater ist reich. Also geht ihm die halbe Million nicht ab. Und wir können gut davon leben.“
„Aber es ist trotzdem nicht richtig und es ist Betrug. Du als Anwalt müsstest das wissen.“
„Darum müssen wir beide an einem Strang ziehen. Das falsche Testament lassen wir hinterher verschwinden. Wir machen ein Konto für eine Karitative Organisation auf und dort hin überweisen wir das Geld. Das wir dann hinterher auf ein anderes Konto überweisen. Was soll schon passieren. Solange er nichts vom original Testament weiß, das er hinterher bekommt und dann ist schon alles zu spät. Dann hat er sich eben geirrt, denn das Testament wird irgendwie von der Post nicht zugestellt. Und wir sind aus dem Schneider.“
„Aber …“
„Nichts aber! Lass mich nur machen. Na glaubst du wieso ich diese Vanessa entlassen habe? Die kannte sich viel zu gut aus! Den beiden anderen kann man alles einreden.“
Jetzt wurde Vanessa noch neugieriger. Da ging es jetzt auch um sie und natürlich um ihren alten Arbeitsplatz im Notariat Eberhard Grieser.
„Halte jetzt deinen Mund, denn er kommt schon.“
Wen wollten sie denn übers Ohr hauen? Der Name sagte ihr momentan nichts. Aber sie sollte noch ganz schön überrascht und wütend werden.
Die Männer begrüßten sich. Johann Klage begann zu sprechen: „Zuerst muss ich mich entschuldigen, dass wir uns hier treffen müssen. Leider sieht es im Notariat schlimm aus. Wir modernisieren gerade alles.“
Vanessa wusste genau, dass nichts umgebaut wurde und auch nicht in absehbarer Zeit etwas gemacht wird.
„Kein Problem. Aber was haben Sie mit mir zu besprechen?“
„Ihr Onkel, Melchior von Poch, ist leider Anfang März verstorben und wir dürfen Ihnen das Testament vorlesen.“
„Melchior von Poch? Ich kenne keinen Melchior von Poch. Wer soll das gewesen sein?“
„Laut unseren Unterlagen der Bruder ihrer Großmutter väterlicherseits.“
„Onkel Pochi?!“, hakte dieser Mann nach, „Der muss ja schon steinalt gewesen sein!“, erinnerte sich dieser Mann.
Jetzt wusste auch Vanessa wo sie diese Namen hin sollte. Dann musste er …
„Herr Viktor von Hoven“, sagte in dem Moment Johann der Anwalt, „Darf ich das Testament vorlesen? Ich kürze es auch ab. Die Formalitäten können wir uns sparen, denke ich mal. Wenn sie später Zeit haben und in unserem Büro nicht mehr so ein Durcheinander ist, kommen Sie vorbei und Sie bekommen dann alles ausgehändigt oder wir schicken Ihnen alles mit der Post zu. Derzeit Strukturieren wir alles um und das dauert natürlich alles seine Zeit.“
„Was könnte mir der alte Pochi denn hinterlassen haben. Er hatte ja einen Sohn, leider nicht verheiratet, soviel ich weiß. Viel wird es ja nicht sein“, meinte Viktor.
Wenn du wüsstest, dachte sich Vanessa. Jetzt war sie neugierig was die beiden machen wollten. Außerdem müssten sie ihm eine Einladung zur Testamentseröffnung schicken und dann alles formell abwickeln. Also ist das schon alles falsch.
„Also, Herr von Poch schreibt in seinem Testament, das sie 500 000 Euro bekommen, wenn sie bis Ende des Jahres verheiratet sind.“
Bis zu ihr hörte sie sogar den lauten Atemzug von Viktor. Er wollte etwas sagen, doch Johann Klage sprach weiter: „Ja und wenn Sie bis Ende nächsten Jahres einen ehelichen Sohn vorweisen können, bekommen Sie die Firma überschrieben, ansonsten kommt alles einem Karitativen Zweck zugute. Das kann dann der Notar entscheiden.“
Das hatte Vanessa alles anders in Erinnerung. Sie hatte ja alles geschrieben und dreimal alles ändern müssen. So viel sie sich erinnern konnte, sollte er ab Testamentseröffnung vier Monate Zeit haben um zu heiraten. Also wäre das bis August. Und es reichte ein leibliches Kind, weder ehelich, noch musste es ein Sohn sein. Jetzt wusste sie auch worauf die beiden hinaus wollten. Herr von Poch war am 01. März verstorben. Eigentlich hätte die Testamentseröffnung schon im März gewesen sein sollen und jetzt hatte man Ende April. Wieso dauerte es so lange? Sollte er nicht Ende August verheiratet sein, verliert er die 500 000 Euro. Und dass er dann auf Anhieb einen Sohn bekommt, liegt die Chance 50/50. Eigentlich hätte sie sofort aufstehen sollen und ihnen ihre Meinung sagen. Doch sie hatte keine Beweise und die beiden würden alles abstreiten. Das musste sie anders angehen, wie wusste sie noch nicht. Doch der Zufall sollte ihr helfen, so wie sie dieses Gespräch gehört hatte.
Die beiden ließen ihm noch etwas unterschreiben und verließen ihn dann. Dann hörte sie wie er anfing zu telefonieren. Mit einer Franziska. Zuerst machte er Smalltalk, dann fragte er sie, ob sie noch Interesse hätte ihn zu heiraten.
„Na dann nicht!“, hörte sie ihn sagen.
Dann telefonierte er noch mit einigen seiner Freundinnen. Mit keiner hatte er ein schönes Gespräch. Alle ließen ihn abblitzen. Nacheinander hörte sie wie er sagte: „Löschen!“
Wieso eigentlich. Nach der 10. Abfuhr, hatte Vanessa eine Idee. Sie stand auf und setzte sich zu ihm. Er starrte sie nur an.
Das Angebot
Viktor versuchte sein Glück sofort. Jede Sekunde zählte, wenn er das Geld erben wollte. Die Firma könnte er ja verkaufen, würde auch etwas einbringen. Aber von woher hatte er diese 500 000 Euro? Hat er so viel gespart. Sein Geld wurde auch schon knapp. Sein Vater gab ihm nicht mehr so viel Taschengeld. Er war auch der Meinung, dass er sich eine Frau suchen sollte und auch Nachwuchs zeugen. Und er endlich in der Firma mitarbeiten sollte. Was nur alle damit hatten!
Franziska gab ihm sofort eine Abfuhr. Sie war schon seit einem Jahr glücklich verheiratet. Gerda war gerade von ihrem Freund schwanger. Isabell hatte einen reicheren an der Angel. Mary war in Acapulco und war verärgert, da er sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Und so ging es weiter. Er löschte eine nach der anderen. So viele Freundinnen hatte er und keine wollte ihn zum Mann nehmen? Dabei rissen sie sich früher um ihn. Oder hatte das mit dem Geld zu tun? Er konnte mehr keine so großen Partys schmeißen. Vaters Yacht durfte er auch nicht mehr benutzen. Also seilten sich viele von ihm ab, weil er nicht mehr so eine gute Partie war. Aber gleich heiraten? Musste das sein? Könne man das nicht auch anders machen? Auf einmal setzte sich eine Frau zu ihm. Sie dürfte in seinem Alter sein und sagte: „Hallo Viktor. Ich könnte dir vielleicht aus der Patsche helfen.“
Er starrte sie nur an und wollte sie schon anblaffen.
„Erkennst du mich nicht wieder?“
Viktor fixierte sie an. Sollte er sie kennen? Sie hatte dunkelblonde Haare, die sie zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Grüne Augen und war etwas mollig. Also kein so schlankes Model auf die er eigentlich steht.
„Allem Anschein nach erkennst du mich nicht wieder. Ich habe dich sofort erkannt. Du hast dich nicht viel verändert. Nur etwas älter bist du auch geworden.“
Viktor ging auf Angriff.
„Was wollen Sie von mir! Was haben Sie alles mitbekommen. Wollen Sie meine Not ausnutzen?“
„Nein, ich mache dir ein Angebot. Du kannst es ja ausschlagen, wenn du eine andere Frau findest. Aber deine Zeit ist begrenzt.“
Dann klingelte sein Telefon.
„Hallo Moni! Du wolltest mich ja schon immer heiraten, jetzt hast du die Chance.“
Vanessa hörte einen Jubelschrei.
„Ja dann pack deine Sachen und wir heiraten noch dieses Jahr.“
„Dieses Jahr? Das geht sich nicht mehr aus. Wie willst du das schaffen! Weißt du nicht das, das Palais schon 2 Jahre im Voraus ausgebucht ist? Wenn dann erst im Jahr 24, früher geht da gar nichts.“
„Wir können ja schon mal standesamtlich heiraten und die große Sause machen wir dann danach, wenn mein Sohn auf der Welt ist.“
„Sohn!“
Das hörte Vanessa auch so.
„Ich bekomme doch keine Kinder! Meine Figur ruinieren! Und von denen tyrannisieren lassen. Das kannst du dir abschminken.“
„Aber dafür bekomme ich viel Geld! Und du kannst dann auch gut leben.“
„Nein! Meine Figur bekomme ich dann nicht mehr zurück!“
„Na gut dann wird es eben nichts mit uns beiden!“, und legte auf.
Vanessa sah ihn abwartend an. Sie hatte jetzt etwas Zeit ihn genauer zu betrachten. Die Haare trug er, wie es jetzt Mode war, etwas länger. Früher war er fast strohblond und die Haare waren kurz geschnitten. Leider sind seine Haare auch dunkler geworden. Er ist jetzt ein Mann und nicht mehr so ein schlaksiger Junge wie damals.
„Von woher sollte ich dich kennen?“
„Auf das musst du selber kommen, ich sage dir nichts.“
„Und was willst du dann von mir haben?“
„Wenn wir verheiratet sind überweist du mir die 500 000 Euro. Du hast ja noch die Firma von Herrn von Poch.“
„Und du glaubst die Firma ist mehr wert als eine halbe Million?“
„Ja mindestens 10-mal mehr. Dann weißt du anscheinend nicht welche Firma ihm gehört. Dann sieh mal nach. Ich verrate dir nichts. Hier hast du meine Nummer. Wenn du es dir anders überlegst, dann ruf mich an, oder wenn dir eingefallen ist, von woher wir uns kennen. Es ist schon lange her! Gebe ich dir noch einen Tipp.“
Dann stand sie auf und ging. Er sah ihr nach. Sie trug eine weiße Bundhose und eine hellblaue Bluse. Jetzt musste er entscheiden was er tun wollte. Als sie auf der Straße war, klingelte ihr Telefon. Es war Erika ihre ehemalige Kollegin. Mal sehen was sie wollte.
„Hallo Vanessa! Störe ich gerade?“
„Nein. Wobei solltest du stören. Habe noch keinen neuen Job.“
„Das ist gut! Denn wir brauchen dringend deine Hilfe! Die beiden Neffen waren gerade hier und sind wieder verschwunden. Haben uns die ganze Arbeit hiergelassen und die sollen wir bis morgen erledigt haben. Aber wir blicken uns nicht durch. Würdest du uns bitte helfen? Du kannst auch verlangen was du willst. Ich putze dir deine Wohnung oder was immer du willst. Bitte?!“
Vanessa hatte schon überlegt wie sie ins Notariat kommen sollte. Sie musste das Testament suchen, denn ganz auswendig wusste sie es nicht mehr. Es kam ihr wieder Herr Zufall zu Hilfe. Das lief ja wie am Schnürchen. Mal sehen ob es bei Viktor auch so funktionierte.
Vanessa ging sofort in die Kanzlei. Dort sah es fürchterlich aus. Herr Grieser würde die Hände zusammenschlagen und lospoltern. Vanessa kommandierte die beiden gleich herum. Die beiden machten die Arbeit sogar freudig. Nebenbei hielt sie Ausschau nach dem Testament von Herrn von Poch. Erika gab die neuen Dokumente in den Computer ein und druckte sie aus. Gabriela sortierte alles ein so wie es ihr Vanessa ansagte. Sie wusste nie wo etwas hingehörte. Und Erika musste sich aufs Schreiben konzentrieren. Eigentlich sollte, dürfte sie gar nicht hier sein. Aber wer sollte sie verraten? Die beiden sicher nicht! Nach zwei Stunden hatten sie das meiste erledigt. Sie brachte noch die Akten, die sie demnächst bearbeiten sollten ins Büro. Vanessa suchte nach einem Zettel und Kugelschreiber, damit sie die Stöße anschreiben konnte. Ihr fiel dann ein Block auf den Fußboden. Als sie ihn aufheben wollte, blieb der unter den Laden vom Schreibtisch hängen. Sie sah nach und spürte einen Stift. Sie wollte ihn rausnehmen oder hineinschieben, damit sich keiner verletzt. Doch auf einmal sprang die unterste Lade auf. Diese hatte zwar ein Schloss, doch man konnte es nicht aufsperren.
Das war anscheinend das Geheimversteck, von dem Herr Grieser oft gesprochen hatte. Er wollte es ihr noch zeigen, aber zu dem kam er nicht mehr. Jetzt hatte sie es per „Zufall“ gefunden. Sie wollte die Lade schon wieder schließen als ihr Blick auf etwas fiel. Sie nahm den obersten Brief heraus. Auf dem stand ihr Name. Leider hatte sie jetzt nicht die Zeit ihn zu lesen. Sie besah sich auch die anderen Umschläge. Auf einem großen stand noch einmal ihr Name. Auf dem kleineren der von Viktor. Darunter ein Zettel mit einer Notiz: Für Vanessa zur Aufbewahrung! Geheim! Also nahm sie die beiden anderen Kuverts auch an sich. Auf der Suche nach einer Tasche, fand sie die Akte von Herrn von Poch in der anderen Lade. Sofort kopierte sie die Papiere. Erika und Gabriela sahen dabei weg. Sie hatte die beiden schon gefragt wo das Testament von Herrn von Poch sein konnte. Doch die beiden wussten es nicht.
„Die beiden sind damit ins Büro und kamen nicht so schnell wieder raus.“
Vanessa trug die Akte wieder zurück. Dabei kam sie am Computer an, der sich einschaltete. Da sah sie ein Worddokument, noch nicht abgespeichert. Ihr blieb dabei die Luft weg. Sie druckte sich dieses auch aus. Jetzt hatte sie Beweise genug. Aber zur Polizei konnte sie dennoch nicht gehen, da sie keine Berechtigung hatte hier zu sein. Aber sie würde die beiden auch so erwischen. Sie gab alles in eine Tasche, verabschiedete sich von den beiden und bat sie nichts zu sagen, dass sie etwas mitgenommen hat.
„Vanessa! Dann kommen wir selber in Teufels Küche! Wo werden wir! Wir sind froh das du uns geholfen hast und außerdem hast du uns nur kurz besucht“, und zwinkerte ihr zu.
Auch Gabriela sagte das gleiche. Sie wünschten ihr noch viel Glück bei der Suche nach einem neuen Job. Doch das war nicht einfach. Erstens gab es nicht so viele Notare und zweitens, die es gab hatten ihr Personal. Sie könnte auch am Gericht arbeiten. Die Qualifikation hätte sie dazu, aber das war ihr zu mühsam und zu stressig. Oder sie machte sich selbstständig. Aber dazu fehlte ihr noch einiges. Und ohne Geld würde das auch nicht funktionieren und dafür einen Kredit aufnehmen, war auch eine unsichere Sache. Sie kaufte noch ein paar Nahrungsmittel ein, dann ging sie nach Hause. Zuerst machte sie sich ein Abendbrot und holte sich ihren Brief und das große Kuvert.
Im großen Kuvert waren die fehlenden Dokumente die sie benötigte um zur Prüfung als Notar antreten zu können. Diese musste Herr Grieser gesammelt haben. Sie schickte ein großes „Danke“ in den Himmel.
Sie las den Brief der noch dabei war. Er war von Herrn Grieser.
Sehr geehrte Frau Pichler Vanessa!
Nein!
Liebe Vanessa!
Wenn du diesen Brief liest, bin ich schon nicht mehr am Leben. Ich hoffe, du (Ich darf dich jetzt duzen?) hast ihn noch vor meinen Neffen gefunden. Das Testament wird auch verlesen geworden sein. Ich hätte dir so gerne meine Kanzlei vermacht, aber das hätten meine beiden Neffen zu verhindern gewusst. Also wirst du schon von meinem Notar die Nachricht bekommen haben. Lege das Geld gut an. Ich wünsche dir alles Gute weiterhin und wünsche dir einen Mann der dich aufrichtig und ehrlich liebt. Meine Neffen sind es nicht! Du wirst dein Leben weiterhin gut meistern und wünsche dir und deinem Sohn viel Glück auf dieser Welt!
Dein und Gernots Onkel Gries!
Nur einer durfte ihn Gries nennen. Ihr Sohn Gernot. Er liebte ihn fast wie einen Sohn, besser gesagt wie einen Enkel. Damit sie für das Jus Studium lernen konnte, passte er oder auch ihre Kolleginnen oft auf ihn auf. Er hatte ihr Potential schnell erkannt und förderte sie wo er nur konnte.
Zuerst hatte er ja noch die Hoffnung, dass sie sich in einen seiner Neffen verlieben könnte. Doch die beiden waren zu hochnäsig und sie ihnen zu normal, sprich zu „dick“. Ja sie hatte etwas mehr Gewicht, schon immer. Etwas mehr Rundungen, aber nicht fett. Größe 44 war immer normal. Manchmal schaffte sie Größe 42 aber das war schon alles.
Wenn Viktor wirklich auf das Angebot einging, dann schwor sie sich, dass sie alles daran setzen werde um abzunehmen. Sie hatte noch gute 2 Monate dafür Zeit. Wenn alles klappte, und es musste nicht das Palais sein, um zu heiraten. Im Freien würde es um diese Jahreszeit auch schön sein.
Dann sah sie sich das Testament von Herrn von Poch durch. Sie wusste es doch! Er hatte leider nur 4 Monate Zeit um zu heiraten. Und das ab Testamentsdatum Eröffnung! Und das war nicht ab heute den 20. April, sondern ab 15.03. laut dem Dokument, das auf dem Computer noch zu sehen war. Also sie wollten ihn wirklich linken. Und als Juristin wusste sie, sie hatte kaum Chancen damit durchzukommen. Nur wenn sie den beiden ein Schnippchen schlug und er vor dem 15. Juli bzw. vor dem 15. August heiratet. Und ihm vorschwindelten das er bis Ende das Jahres Zeit hätte. Das war was sie wollten! Und sie hatte noch einen Trumpf im Ärmel! Laut dem Testament, muss es kein ehelicher Sohn sein, sondern „nur“ ein leibliches Kind! Mehr stand da nicht! Sie wollten ihn in Sicherheit wiegen, denn wenn er erst nach dem 15. Juli heiratet, sind die 500 000 Euro weg! Denn sie hatten das Datum ja noch nach vorne gelegt. Wenn sie das so verwenden wollten. Sie mochte die Neffen noch nie, aber jetzt hasste sie die beiden! Die beiden würden sie später wahrscheinlich noch mehr hassen, aber das war ihr jetzt schon egal.
Den anderen Brief legte sie weg, denn der war von Herrn von Poch für Viktor. Da war noch nicht die Testamentseröffnung. Aber wieso noch nicht? Ach ja die war heute und die von Herrn Grieser?
Sie sah ihre Post durch und fand einen Zettel für ein Einschreiben. Den würde sie sich dann morgen abholen. Sie holte sich ihr Buch und ging damit ins Bett. Es war noch etwas zu früh zum Schlafen gehen.
Was sie nicht wusste, die Beiden hatten den Briefträger bestochen, damit er die Zustellung der Einladung irgendwo „verlegt“! Leider war er diese Woche krank und die Zustellung von einem anderen Postboten klappte.
Am nächsten Morgen ging sie gleich zur Post und holte sich ihr Einschreiben. Es war von einem bekannten Notar. Sie solle nächste Woche zur Testamentseröffnung von Herrn Grieser kommen. War die noch nicht? Die Neffen taten so als wäre schon alles ihres.
Herrn Griesers Testament
Am Mittwoch war sie pünktlich um 9 Uhr in der Kanzlei. Herr Grüber begrüßte sie freundlich. Sie hatte eine Zeitlang auch bei ihm gearbeitet, als Aushilfe. Wenn er einen Platz frei gehabt hätte, hätte er sie sofort genommen.
„Ich freue mich, dass es endlich klappt, dass Sie Zeit haben für die Testamentseröffnung. Herr Grieser bestand darauf, dass alle auf einmal hier sein sollten und nicht jeder einzeln.“
Sie sah ihn etwas entgeistert an.
„Wieso endlich? Ich fand das Einschreiben erst vorige Woche in meinem Briefkasten.“
Jetzt sah sie Herr Grüber etwas verwirrt an.
