Ehe zu Dritt - Doreen Brigadon - E-Book

Ehe zu Dritt E-Book

Doreen Brigadon

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Beschreibung

Amelia trifft im Imbiss auf einen ihr fremdem Mann, der ihr auch sofort hilft. Nach einem Kaffee bei ihr, stellt es sich heraus, dass es André Wittman, der Sohn des Kekse Fabrikanten ist. Bald kommt er mit einem Jobangebot auf sie zu, da sie ihren Job gekündigt hat. Sie geht für ihn Undercover in seine Fabriken, denn dort geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Wird das gut gehen? Und was passiert danach? André schwebt noch etwas anderes im Kopf herum. Wird sie zu dem Gespinst auch "JA" sagen? Gibt sie ihrem Helfersyndrom wieder nach? Es wird spannend.

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Seitenzahl: 173

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Mein schwuler Ehemann

Oder Ehe zu dritt

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Urheberrechtlich geschütztes Material

Inhaltsverzeichnis

Das unverhoffte Treffen

Das Komplott

Fred Steiner schlägt zurück

Frau Wittmann

Das Obdachlosenheim

Vaters „neue“ Sekretärin

Komplott aufgeflogen?

Alles aus und vorbei?

Mein schwuler Ehemann

Oder Ehe zu dritt

Das unverhoffte Treffen

André lief gedankenverloren durch die Gegend. Er sah nicht wo er hinlief und auch nicht ob er jemandem anrempelte. Ihm ging der eine Satz nicht aus dem Kopf: „Du musst endlich heiraten und Kinder zeugen!“ Das war nicht was er wollte. Dann sprach sein Vater weiter. „Und ich hoffe, dass Gerücht ist nicht wahr von dem ich gehört habe. Das du eine Liaison mit deinem Assistenten hast. Einen schwulen Sohn brauche ich nicht! Ansonsten wird die Firma verkauft!“, sagte ihm sein Vater heute.

Aber was sollte er machen? Er stand nicht auf Frauen und bekam auch keinen hoch bei ihnen. Er war oft genug in einem Bordell, doch sie konnten machen was sie wollten. Nur wenn er mit René zusammen war, bekam er Gefühle und es regte sich etwas. Vor 14 Tagen hatte er noch Hoffnung, dass es seine Eltern vielleicht doch akzeptieren könnten. Doch das wurde sofort zu nichte gemacht. Vater beschimpfte auf der Straße ein Pärchen. Ein schwules Pärchen. Danach traute er sich nichts mehr zu sagen. Ja, er könnte zu seiner Gesinnung stehen, aber seine Eltern würde es das Herz brechen. Und die Firma würde zu Grunde gehen. Und er liebte die Firma. War damit aufgewachsen und wollte sie weiterführen.

Sein Magen knurrte und rebellierte. Er sah sich um wo er war. Leider kannte er die Gegend nicht. In der Nähe sah er einen Imbiss. Er steuerte darauf zu. Er war noch offen. Viele Leute waren nicht mehr hier. Er sah auf seine Uhr die er von seinem Vater zu seinem 30igsten Geburtstag bekommen hatte. Es war schon 21 Uhr. Seit 17 Uhr lief er schon in der Gegend herum.

Er setzte sich an einen Tisch, wo er alles übersehen konnte. Auf der anderen Seite saß eine Mutter mit einem Mädchen. Es war ein mongolides Kind. Eine Kellnerin brachte ihnen gerade etwas zu trinken.

„Wollt ihr auch noch etwas zum Essen?“

„Würden wir gerne, aber leider hat ihr Vater die Alimente noch nicht überwiesen. Er streitet immer noch ab, dass sie nicht seine Tochter sein kann. Eigentlich müsste er zahlen, vom Gericht aus, aber er macht immer etwas, dass er einen Grund hat nicht zu zahlen. Er wollte nie ein behindertes Kind und ich soll es weggeben. Das verstehe ich nicht.“

„Ich auch nicht. Sie ist doch so ein liebes Kind“, und die Kellnerin streichelte ihr über den Kopf.

Das Mädchen quittierte es mit einem Lächeln.

„Ich werde sehen was sich machen lässt“, drehte sich um und ging zu dem Mann der gerade reingekommen war.

„Guten Abend der Herr. Neu hier? Habe Sie noch nie hier gesehen.“

Sie zückte ihren Kuli und einen Block.

„Guten Abend. Ich glaube, ich habe mich verlaufen und dann fing mein Magen an zu knurren. Der war beleidigt.“

„Und wie kann man sich verlaufen?“

„Wenn man mit den Gedanken woanders ist und nicht sieht wo man hinläuft?“

„Das geht auch? Da sind Sie keinem angerannt oder vor ein Auto?“

„Wie Sie sehen nicht. Vielleicht hatte ich einen Schutzengel“, und lächelte verlegen.

Sie merkte sofort, dass er nicht hier aus der Gegend war. Er war dafür viel zu gut angezogen. Die Kellnerin sah sich kurz um. Hinter der Theke stand auf einmal ein Mann.

„Und wünschen Sie etwas zu essen?“, schwenkte sie sofort um.

André sah in die Speisekarte und sagte: „Ein Bier und Gulasch, bitte.“

„Danke sehr. Wird sofort gebracht.“

Sie drehte sich um und ging zur Theke zurück. Beim Kollegen bestellte sie ein Bier. Dann verschwand sie hinten. Der andere Mann ging auch wieder zurück. Etwas später kam sie wieder nach vorn und brachte André sein Bier.

„Wer war der Mann der noch hinter der Theke stand?“

„Mein Chef“, und sah ihn verwirrt an.

„Er hat Angst, dass ich wieder jemandem etwas mitgebe, dass er nicht bezahlt. Er wirft es später lieber weg, als es jemandem zu geben, der es nötig braucht.“

Bei der Tür kam auf einmal ein Obdachloser rein. Die Kellnerin war sofort bei ihm und sprach leise mit dem Mann. Der drehte sich rasch um und ging wieder. Die Kellnerin ging wieder zurück in die Küche und zwei Minuten später kam sie mit dem Essen für André wieder. Danach ging sie zu der Mutter mit dem Kind.

„Tut mir leid, aber mein Chef ist heute hier. Leider kann ich euch dann nichts bringen.“

André taten die beiden leid. Sie musste sparen. Leider hatte sie noch keinen Job und Alimente wollte ihr Ex-Ehemann auch nicht bezahlen. So blieb ihr nicht viel Geld über.

„Kellnerin?“, rief André.

Sie kam wieder zu ihm.

„Ja bitte? Brauchen Sie noch etwas?“

„Ja, bringen Sie der Mutter und ihrer Tochter was sie essen mögen. Ich bezahle es. Setzen Sie es auf meine Rechnung“, bat er sie.

Zuerst sah sie ihn verwirrt an, dann beeilte sie sich das Essen zu bonieren, bevor es sich der Mann anders überlegen konnte. Ging rasch in die Küche und kam kurze Zeit später mit einem Essen für die beiden zurück. Die Frau und das Mädchen sahen sie verwirrt an. Die Kellnerin erklärte es ihnen rasch. Sie sahen dankbar zu dem Mann und die Frau sagte mit den Lippen „Danke“. Rufen konnte sie es nicht. Sie genossen das Essen, auch wenn es etwas Einfaches war. André aß auch genüsslich und hungrig. Als sie fertig waren, räumte die Kellnerin das Geschirr weg.

„Ich soll mich bei Ihnen von Frau Köster bedanken. Das war sehr nett von Ihnen. Sie kennen sie gar nicht und zahlen ihnen ein Essen. Das ist sehr nobel von Ihnen.“

„Ist das auch Ihre Meinung?“, fragte er sie rasch.

„Ja. Ist auch meine Meinung.“

„Gut das freut mich. Mache das gerne.“

„Entschuldigung, es geht mich zwar nichts an, aber mich würde es interessieren wieso sie das machen.“

„Das geht sie zwar wirklich nichts an, aber vielleicht auch aus dem gleichen Grund warum Sie es machen“, und sah sie unverwandt an.

Sie war jetzt so überrascht, dass sie nichts darauf sagen konnte. Erst als sie sich gefangen hatte, fragte sie: „Wieso wissen Sie das?“

„Ich beobachte gerne meine Umgebung. Sie hätten der Frau gerne etwas gegeben und wahrscheinlich nicht alles verrechnet. Doch ihr Chef ist hier und der Obdachloser hätte sicher auch etwas bekommen oder Sie stecken ihm später etwas zu. Kommt er jeden Tag?“

Jetzt war sie überrascht, dass ein fremder Mann das sofort rausbekommen hatte.

„Wie heißen Sie?“, fragte er sie jetzt.

Er konnte es nicht auf ihrem Schild lesen. Das hatte sich verhakt und lag verkehrt über ihrer Brust.

„Das steht doch auf meinem Schild“, und sah hinunter.

Da merkte sie, dass man es nicht lesen konnte.

„Amelia“, drehte es um und strich darüber.

„Amelia. Packen sie den beiden Frauen noch etwas ein, bringen es ihnen und setzen Sie das auch auf meine Rechnung.“

Sie starrte ihn verblüfft an.

„Bitte“, sagte er noch als sie nicht antwortete.

„Aber aus welchem Grund?“

„Aus dem gleichen wie Sie es machen würden. Also beeilen Sie sich, bevor Ihnen ihr Chef noch auf die Finger sieht.“

Noch verwirrt ging sie zur Kasse und bonierte etwas und ging dann wieder zurück in die Küche. Zehn Minuten später kam sie mit drei Boxen in einer Tasche zu den beiden und überreichte sie ihnen. Ganz verwirrt sahen die beiden sie an. Sie sagte etwas leise zu ihnen und deutet mit dem Kopf zu dem Mann. Ganz verwirrt bedankte sie sich und die Frau bezahlte ihre Getränke. Als Amelia zur Kasse ging um das Wechselgeld zu holen, kam auch schon wieder ihr Chef daher und fing an sie zu rügen. Dass sie den beiden schon wieder ein Essen mitgab, ohne dass sie bezahlten, denn er hatte sich rasch den Bon genommen und nur die Getränke gesehen. Bevor ihm Amelia noch antworten konnte war André bei ihnen.

„Könnte ich auch bitte gleich bezahlen?“

Sofort musste der Mann aufhören zu schimpfen.

„Und setzen Sie noch zwei Essen auf meine Rechnung für Sie zum Mitnehmen“, und zwinkerte ihr zu.

Sofort bonierte sie noch etwas dazu.

„Das macht dann 45,50, bitte.“

André zog aus seiner Börse einen Hunderter heraus und gab ihn ihr.

„Wollen Sie nicht auch meine Rechnung kontrollieren?“, fragte er den Mann spöttisch.

Der sah ihn verwirrt an.

„Fragen Sie sich nicht wie ein einzelner Mann so viel bezahlen kann?“

„Nein wieso? Wenn Sie so einen großen Hunger hatten?“

Das war ihm anscheinend egal, Hauptsache es wurde bezahlt. Amelia wollte ihm das Restgeld zurückgeben. Doch er hatte seine Geldbörse schon eingesteckt.

„Der Rest ist Trinkgeld“, sagte er ohne ihn aus den Augen zu lassen.

„Das bleibt aber in der Kasse, für alle“, sagte der Chef sofort.

„Nein bleibt es nicht“, antwortete ihm André und wendete den Blick nicht von ihm ab.

Wenn er ständig jemandem ansah, konnten die meisten nicht so lange dagegenhalten und sahen irgendwann weg. Dann hatte er gewonnen.

Er hielt die Hand zu ihr hin und sie gab ihm das restliche Geld.

„Das geben Sie in die Kasse und der Rest ist für Sie.“

Ihr Chef sah jetzt auf seine Hand und dann auf Amelia. Er hatte seinen Blick abgewendet. André hatte gewonnen.

„Nein das Trinkgeld bleibt in der Kasse für alle“, wollte er seinen Willen Nachdruck verleihen.

Doch da kam er bei André auf den Falschen.

„Gut ich kann auch anders. Ich muss es ihr ja nicht hier geben“, und steckte das Geld in seine Manteltasche.

Ein Koch kam von hinten dazu und übergab Amelia zwei Boxen. Ihr Chef wurde sofort wütend.

„Nimmst du dir schon wieder etwas mit für diesen Penner? Das bleibt hier!“, und wollte es ihr wegnehmen.

„Herr …!“, André wusste nicht seinen Namen.

„Grabner“, sagte da rasch der Kellner hinter der Theke.

Auch der Koch sah dem verwirrt zu.

„Herr Grabner! Das Essen habe ich gerade bezahlt, falls Sie es nicht mitbekommen haben.“

Die beiden Männer warteten jetzt auf seine Reaktion. Er musste die Boxen auslassen.

„Und wieso gibst du sie nicht dem Mann?“, fragte er böse den Koch.

„Wie soll ich das wissen?“, und zuckte mit den Schultern, „Amelia hat es bestellt oder?“

Wütend sagte er dann noch: „Deinem Penner sag auch er soll von hinten verschwinden, sonst rufe ich die Polizei. Und wenn ich sehe, dass du wieder jemandem ein Essen zusteckst oder etwas nach Ladenschluss mitnimmst, dann bist du gekündigt!“

„Ach wissen Sie was? Ich kündige. Denn mit so einem knausrigen Chef kann man nicht arbeiten. Eigentlich müsste hier noch viel mehr los sein um diese Zeit, aber es ist tote Hose. Überweisen Sie mein restliches Geld und ich hoffe, ich sehe sie nie mehr wieder“, stellte die Boxen auf die Theke und holte sich ihren Mantel von hinten.

Die beiden anderen Männer machten das gleiche.

„Was macht ihr denn?“, fragte er sie.

„Wir gehen auch. Ist ja nichts mehr los.“

„Ja geht nur alle, aber vorher wird noch geputzt!“

Alle sahen sich um. Es war nichts zum Putzen vorhanden da schon alles sauber war.

„Hier ist Ihr Schlüssel, sperren Sie heute selber zu“, Amelia drehte sich um, nahm die Boxen und das Wechselgeld für Frau Köster.

„Und was ist mit der Arbeitskleidung? Die bleibt aber schon hier!“, rief er ihr nach.

Amelia drehte sich um und sagte: „Soll ich es jetzt und hier ausziehen?“, und fing schon an die Knöpfe zu öffnen.

Alle warteten gespannt auf seine Reaktion. Denn Amelia hatte keine Kleidung hier. Sie kam immer schon mit der Arbeitskleidung.

„Bringen Sie diese morgen vorbei“, grummelte er.

Amelia gab Frau Köster das Geld und ging dann mit ihr hinaus. André schloss sich ihnen an. Auch der Kellner und der Koch.

„Kommst du morgen wirklich nicht?“, fragte sie Roman der Koch.

„Nein, wieso sollte ich? Habe doch gekündigt. Er soll sich jemanden suchen der für ihn 60 Stunden in der Woche arbeitet und er nur 40 ausbezahlt. Den Rest immer schuldig bleibt. Und wenn man mal frei braucht nicht frei bekommt. Ich bekomme zu dieser Woche noch einen Monatslohn dazu. Bin neugierig ob er es auch ausbezahlt. Wenn nicht muss ich klagen. Die Stundenabrechnungen habe ich mir kopiert. Also ich wünsche euch noch alles Gute.“

Sie wünschten ihr auch noch alles Gute und gingen. Jetzt konnte sich Frau Köster endlich persönlich bei André bedanken.

„Danke für das Essen. Ich kann es Ihnen aber nicht bezahlen.“

„Müssen Sie auch nicht. Ich helfe gerne. Vielleicht kommt es dann mal zurück, wenn man selber Hilfe braucht. Sagt immer ein Freund von mir.“

„Und haben Sie schon Hilfe bekommen, wenn Sie eine brauchten? Und Sie immer so viel helfen?“

„Bis jetzt konnte ich mir meistens immer selber helfen. Aber vielleicht demnächst. Ich will das Glück nicht überstrapazieren.“

Sie drückte ihm fest die Hand und sagte: „Ich wünsche Ihnen alles Gute und das auch alles klappt, so wie Sie es sich wünschen.“

„Ihr Wort in Gottes Ohr oder eine Bitte an das Universum.“

Jetzt ging sie auch mit ihrer Tochter nach Hause. Es blieb nur mehr Amelia über. Die hielt ihm auch ihre Hand entgegen.

„Sagen Sie nicht, Sie wollen mich jetzt alleine lassen“, sagte André.

„Doch. Ich gehe auch nach Hause.“

„Und was soll ich machen? Ich kenne mich hier gar nicht aus, weiß nicht wo der nächste Taxistand ist und außerdem wollte ich noch gerne einen Kaffee trinken und noch etwas mit Ihnen plaudern. Sie scheinen sehr nett und couragiert zu sein. So etwas gefällt mir.“

Etwas verlegen sah sie zum Boden und dann mit einem Kleinen lächeln wieder hoch.

„Hier muss man sich durchsetzen können“, gab sie ihm zur Antwort.

Sie überlegte noch, ob sie ihm vertrauen konnte. Aber jemand der Fremdem ein, nein eigentlich mehrere Essen bezahlt, konnte man vertrauen.

„Na gut. Ich mache bei Ihnen heute eine Ausnahme. Weil Sie so viel schon Gutes getan haben. Ich nehme Sie mit zu mir und bekommen von mir einen Kaffee. Vielleicht habe ich auch noch ein Stückchen Kuchen für Sie. Na dann kommen Sie mal mit“, drehte sich um und ging weiter.

Blieb aber bald darauf in einer Seitengasse stehen und sah sich um. Da kam dann eine Gestalt auf sie zu. André bekam Angst um sie.

„Fred. Hier hast du etwas zum Essen und teile es mit jemandem. Leider musst du von hier verschwinden. Ich habe gekündigt und Herr Gruber will die Polizei rufen, wenn er dich noch einmal hier sieht.“

„Ach Amelia! Wegen mir hättest du nicht kündigen müssen.“

„Habe ich auch nicht. Wegen dir wäre ich schon geblieben, aber Herr Gruber ging mir heute den ganzen Tag schon auf die Nerven. Ständig nörgelte er herum. Ich mag nirgends arbeiten wo man schikaniert wird. Das weißt du.“

„Gut dann gehe ich wieder in die Holpergasse. Dort kannst du mich dann finden.“

„Ja und pass gut auf dich auf.“

„Du auch“, sagte er noch und ging in die andere Richtung weiter.

Amelia ging mit André ein paar Straßen weiter. Dann ging sie in ein schon etwas älteres Haus. In den dritten Stock und schloss eine Türe auf.

„Bitte nicht erschrecken. So nobel ist es bei mir nicht, wie bei Ihnen“, und machte das Licht an.

Man merkte sofort, dass die Möbel schon sehr abgenutzt waren. Aber es war alles sauber. Auch war es warm. André konnte seinen Mantel ausziehen und setzte sich auf die Couch. Er fiel sofort fast durch.

Aus der Küche rief Amelia: „Bitte nicht in die Mitte von der Couch setzen, die ist schon durchgesessen. Bitte an den Rand setzen.“

André stand auf und setzte sich an den Rand der Couch. Ja da ging es noch. Er hörte sie in der kleinen Küche rumoren. Dann kam sie mit einer einfachen Kaffeetasse zurück. Diese stellte sie auf den einfachen Tisch vor ihm.

„Wollen Sie Zucker in den Kaffee? Die Milch ist mir leider sauer geworden. Hab sie in der Früh vergessen wieder in den Kühlschrank zu stellen.“

„Nein. Wird auch so gehen.“

Milch wäre ihm schon lieber gewesen als Zucker. Jetzt musste er den Kaffee mal so trinken. Er schmeckte gar nicht mal so schlecht.

„Ich komme gleich wieder“, und ging zu der gegenüberliegenden Türe und verschwand darin. Nach ein paar Minuten kam sie wieder umgezogen zurück. Sie hatte ihre Arbeitskleidung, das Kleid mit Schürze, gegen eine Hose und einen Pullover getauscht.

„So ist es doch bequemer“, und holte sich auch ihren Kaffee.

Sie brachte noch ein paar Kekse mit.

„Leider habe ich derzeit nicht mehr zum Anbieten. Bekomme ganz selten besuch und essen kann ich in der Firma, bzw. konnte ich essen.“

„Nein, das reicht allemal“, meinte er und nahm sich schon einen Keks.Dann sah er ihn an und meinte: „Die kenne ich von irgendwo. Die habe ich schon mal gegessen.“

„Ja, die sind von der Firma Wittmann und Co. Leider lassen sie diese Kekse und noch ein paar andere auf. Jetzt waren sie im Abverkauf.“

„Das gibt es doch nicht! Die sind der Kassenschlager!“, meinte er etwas aufgebracht.

„Leider die Betonung auf „waren“. Der Markt wird schwer umkämpft sein. Darum müssen sie sich auch immer etwas anderes einfallen lassen. Und die Marken die nicht mehr gut gehen, aber trotzdem noch gut schmecken, werden aus dem Sortiment genommen. Das finde ich sehr schade.“

„Sie kennen sich damit gut aus.“

„Ist in der Gastronomie nicht anders. Man muss hier auch immer wieder mit dem Geschmack der Leute gehen und sich immer etwas Neues einfallen lassen.“

„Was würden Sie machen, damit die Kekse im Handel bleiben könnten?“

„Ich würde die Verpackung ändern. Den Namen könnte man lassen. Aber die Leute werden blind auf das alte. Sie suchen oft etwas Neues. Einige wiederum suchen das altgewohnte, wie die ältere Generation. Wenn dann ihr Essen anders aussieht und auch noch anders heißt, finden sie es nicht. Aber sie sehen gerne Werbung. Wenn man es ihnen dann zeigt, dass sie jetzt anders aussehen und vielleicht sogar noch besser schmecken. Dann könnte es wieder mehr gekauft werden und man müsste sie nicht aus dem Handel nehmen. Oder man macht mehr Werbung dafür. So wie für die blöden Käsekekse, die kaum einer isst, aber sehr viel dafür Werbung gemacht wird. Eine Freundin arbeitet in einer Fabrik bei den Wittmanns. Die jammern auch alle, weil sie dann soviel zurückbekommen.“

„Das sind gute Ideen.“

„Was nützen die Besten Ideen, wenn man sie nicht umsetzen kann.

„Wieso?“, hakte André nach.

„Um das Geschäft besser anzukurbeln, schlug ich Herrn Gruber vor, Thementage einzuführen. Das wäre zum Beispiel am Montag hätten wir die Burger in Aktion, Dienstag Gulasch, Mittwoch etwas ohne Fleisch usw.“

„Das hört sich doch gut an.“

„Das nützt nichts, wenn er es nicht machen will. Mit der Begründung: Das ist ein Blödsinn!“

André konnte nur mit dem Kopf schütteln. Amelia sah auf die Uhr. Sie erschrak sich. Es war schon fast 23 Uhr.

„Oh“

Auch André sah auf die Uhr.

„Oh, ja. Könnten Sie mir bitte trotzdem noch ein Taxi besorgen? Ich weiß ja nicht ob ich eines finde. Und die Nummern die ich habe, fahren in einer anderen Gegend.“

Rasch holte Amelia ihr Handy und rief Fred an. Ein Bekannter der sie oft, wenn es möglich war, mitnahm.

„Hello Fred. Ich bräuchte ganz dringend noch ein Taxi. Fährst du noch?“

„Hello Amelia! Ja, fahre noch. Aber du weißt, ich kann es nicht immer gratis für dich machen.“

„Oh entschuldige. Es ist nicht für mich. Sondern für einen Gast. Also wird die Fahrt bezahlt.“

„Kann aber erst in einer halben Stunde beim Imbiss sein.“

„Nein, er ist bei mir abzuholen. Ich habe gekündigt, weil mir Herr Gruber endgültig auf den Nerv ging. Mehr erzähle ich dir später. Kannst du ihn bitte abholen?“

„Wieso wartet der bei dir?“

„Das erzähle ich dir auch später. Bitte?“

„Ja Okay. Ich werde mich beeilen. Melde mich, wenn ich da bin.“

„Okay, danke. Du bist ein Schatz!“

„Er kommt leider erst in einer halben Stunde“, sagte sie ihm.

„Ich werde es überleben. Aber Sie sehen schon recht müde aus. Ich könnte auch unten auf das Taxi warten“, bot er ihr an.

„Nein, müssen Sie nicht. Sie würden pitschnass werden.“

„Wieso das? Es regnet ja nicht.“

„Doch und wie!“

Sie ging zum Fenster und öffnete es einen Spalt. Jetzt hörte man es plätschern.

„Oh! Wirklich. Wenn ich dann doch hier warten dürfte. Ich habe leider auch keinen Regenschirm mit. Sie können sich aber schon für die Nacht herrichten. Damit sie danach gleich schlafen gehen können. Ich bin auch ganz brav, versprochen.“

Beide lächelten verlegen.