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Der erfahrene Management- und Team-Coach Edwin Prelog hilft Führungskräften und Mitarbeitern, die Begeisterung für das Verfolgen gemeinsamer Ziele wiederzuentdecken. Er zeigt an vielen praktischen Beispielen positive Führungsmethoden sowie Verhaltensweisen von Mitarbeitern, die die Motivation und das Gemeinschaftsgefühl von Teams und im gesamten Unternehmen stärken und dadurch dessen Erfolg steigern. Mit diesem Buch können Führungskräfte und Mitarbeiter Hand in Hand an ihrer Traumfabrik arbeiten. Inhalte: - Wie Führung allen Beteiligten Spaß macht und Engagement sich wieder lohnt. - Mit einem gute Betriebsklima sind Sie erfolgreicher und meistern Herausforderungen spielend. - Ihr Matchplan auf dem Weg zur Traumfabrik. - Wie Sie gemeinsam eine positive Kultur entwickeln und Demotivation verbannen. - Das Wichtigste sind SIE - als Coach und Motivator - sowohl als Führungskraft als auch als Mitarbeiter.
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Seitenzahl: 302
Veröffentlichungsjahr: 2016
Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
Print: ISBN 978-3-648-08233-1 Bestell-Nr. 10160-0001ePub: ISBN 978-3-648-08234-8 Bestell-Nr. 10160-0100ePDF: ISBN 978-3-648-08235-5 Bestell-Nr. 10160-0150
Edwin Prelog
Die Traumfabrik
1. Auflage 2016© 2016 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, [email protected]
Produktmanagement: Jürgen Fischer
Lektorat: Rivkah Frick / die textreinigung, Berlin
Satz: kühn & weyh Software GmbH, Satz und Medien, FreiburgUmschlag: RED GmbH, KraillingDruck: BELTZ Bad Langensalza GmbH, Bad Langensalza
Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.
Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe (einschließlich Mikrokopie) sowie der Auswertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen, vorbehalten.
Die Inhalte dieses Buches fußen auf den Erfahrungen und Erkenntnissen aus 20 Jahren Coaching. Daher möchte ich all den Teilnehmern an meinen Coachings und Trainings ganz herzlich danken: Ohne Sie hätte die „Traumfabrik” niemals entstehen können.
Können Sie von sich behaupten, täglich mit Freude und Spaß bei der Arbeit zu sein? Und wenn nicht, wäre das nicht ein wunderbares Ziel? Genau diesem Ziel widmet sich dieses Buch. Sie werden in den folgenden Kapiteln unzählige gute Tipps dafür finden, wie Sie gemeinsam mit Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten Ihre Arbeitswelt zu einer echten Traumfabrik umgestalten können.[2]
Viel zu viele Mitarbeiter und Führungskräfte – und also auch viel zu viele Unternehmen – haben eines gemeinsam: Freude und Spaß an der Arbeit halten sich in Grenzen, oftmals sind Mitarbeiter und ganze Teams eher unzufrieden und haben mit einem schlechten Betriebsklima zu kämpfen. Damit gehen Kreativität, Begeisterung und wohl auch die von Unternehmen so hoch gepriesenen und auf Glanzpapier veröffentlichten Unternehmenswerte den Bach hinunter. Diese Tatsache wird nicht zuletzt durch regelmäßige Studien seit Jahren belegt. Rund 70 Prozent aller Arbeitnehmer sind in ihren Unternehmen und Teams eher unzufrieden, machen Dienst nach Vorschrift und geben nicht wirklich ihr Bestes, obwohl sie es durchaus könnten. Dabei wären die meisten Mitarbeiter grundsätzlich bereit dazu. Verschiedene Umstände in den Unternehmen führen jedoch dazu, dass die Motivation zu guter und erfolgreicher Arbeit aufgrund schlechter Erfahrungen bei vielen Mitarbeitern verloren gegangen ist.
Das bedeutet nicht unbedingt, dass diese Mitarbeiter schlechte Arbeit abliefern. Aber sie könnten unter anderen Voraussetzungen noch viel besser, engagierter und vor allem mit mehr Freude arbeiten.
Weitere 15 Prozent haben innerlich bereits gekündigt und nur die spärlichen restlichen 15 Prozent sind hoch engagiert und mit Freude bei der Sache. Experten beziffern den jährlichen Verlust, den die Wirtschaft durch diesen Umstand erleidet, im hohen zweistelligen Milliardenbereich. Die Verluste entstehen durch starke Fluktuation, hohe Fehlzeiten und fehlende Effizienz. Gleichzeitig sind viele Mitarbeiter wirklich unglücklich mit der Situation an ihrer Arbeitsstelle, fühlen sich unwohl oder sogar bei der Arbeit behindert und können schon allein deshalb nicht ihr gesamtes Potenzial abrufen. Dass Unzufriedenheit ein schlechter Begleiter im Leben ist, wissen wir sicherlich alle. Oft ist es zudem so, dass die mangelnde Zufriedenheit im Beruf auch Auswirkungen auf den privaten Bereich hat. Und nicht zuletzt dies sollten Sie auf jeden Fall vermeiden.[3]
Die Unzufriedenheit resultiert in der Regel aus einem schlechten Betriebsklima und demotivierenden Strukturen, oftmals noch verstärkt durch mangelnde Führungskompetenz. Jeder soll nur nach den Vorgaben funktionieren und manchmal hat es den Anschein, als seien vorgegebene Prozessabläufe und Standards wichtiger als die Menschen, die im Unternehmen arbeiten. Dies demotiviert am allermeisten. Schließlich sind es in erster Linie die Menschen, die die Identität eines Unternehmens und damit den entscheidenden Unterschied im Wettbewerb ausmachen. Dieses unglaubliche Potenzial wird leider in vielen Fällen einfach links liegen gelassen oder verschwendet. Das ist nicht nur bedenklich, sondern auch höchst erstaunlich, vermittelt doch beinahe jedes Unternehmen den Eindruck, dass bei ihm gerade das Humankapital oberste Priorität habe und mit allen erdenklichen Mitteln gefördert werde. Insgesamt scheinen Unternehmen die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter oftmals völlig falsch einzuschätzen. Auch dies ist in Mitarbeiterbefragungen häufig nachgewiesen worden. Irgendetwas kann also in vielen Unternehmen und Teams nicht stimmen, nicht von ungefähr finden sich Themen wie Mobbing oder Burn-out immer öfter in den Schlagzeilen.[4]
Diese Last liegt vornehmlich auf den Schultern der Führungskräfte, schließlich sind sie verantwortlich für ihre Mitarbeiter, für deren Motivation und Leistungsbereitschaft – und für die resultierenden Ergebnisse. Und tatsächlich müssen wir feststellen, dass diese Last zu groß für die meisten Führungskräfte ist. Viele sind zu sehr in das Tagesgeschäft involviert, andere eher Fachexperten, einige sind nicht wirklich gerne Führungskraft. In all diesen Fällen steht das motivierte und konstruktive Führen nicht im Mittelpunkt der täglichen Aufgaben. Die Mitarbeiter fühlen sich für die daraus entstehenden Probleme zu Recht nicht verantwortlich. Im schlechtesten Fall leiden sie still vor sich hin, bedauern, ihre Fähigkeiten nicht besser einsetzen zu können, und träumen von einem besseren, attraktiveren Unternehmen oder Team, in dem sie arbeiten könnten.
Das Verrückte dabei ist, dass sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte in der Regel durchaus die Sehnsucht haben, in einem tollen Unternehmen und in einem super Team zu arbeiten, in dem sie mit Freude und Spaß bei der Sache sein und ihre Talente und persönlichen Möglichkeiten verwirklichen können. Allein auf sich gestellt werden es aber vor allem die oben genannten Führungstypen nicht schaffen, Zufriedenheit, Identifikation und Motivation in ihrem Bereich oder Unternehmen herzustellen. Da helfen auch die leider oftmals in Schnellkursen erlernten Führungstechniken nicht viel. Wer nur nach starr festgelegten Methoden und Schemata führt, ist auf dem Holzweg und wird die Situation nicht zum Positiven verändern können. Im Gegenteil, meist entsteht bei Mitarbeitern lediglich noch mehr Demotivation, wenn ihre Führungskräfte versuchen, die erlernten Strategien und Methoden mit Krampf und Druck – anstatt mit Natürlichkeit und Freude – umzusetzen. Die Reaktion vieler Mitarbeiter darauf ist mehr als verständlich: Wer möchte schon gerne starr und monoton oder ausschließlich nach Ergebnissen geführt werden? Hier gibt es aufgabenbezogen sicherlich Ausnahmen – etwa die Verkaufsprofis (vom Wertpapierhändler bis zum Autoverkäufer), die seit Jahren, auch ohne groß geführt zu werden, ihre Zahlen immer weiter steigern. Ihr Erfolg sorgt dafür, dass sie von ihren Führungskräften in Ruhe gelassen werden. Aber selbst diese Gruppe hätte ganz sicher nichts gegen ein wenig mehr Freude und Spaß bei der Arbeit einzuwenden. Vielleicht würde sie dadurch ja sogar noch mehr verkaufen, sich zumindest aber glücklicher und zufriedener fühlen. Und die positive Stimmung, die sie dadurch im Team verbreiten würden, könnte wiederum andere, die noch nicht ganz so erfolgreich sind, beflügeln.[5-6]
Um die Situation in eine positive Richtung zu lenken, brauchen Führungskräfte ihre Teams und ihre Mitarbeiter – und dasselbe gilt auch umgekehrt. Mitarbeiter können ihre Stärken und Talente nur dann bestmöglich einbringen, wenn sie dabei von ihren Führungskräften unterstützt werden. Idealerweise empfinden es beide als wirkliches Vergnügen, gemeinsam Ziele zu verfolgen und Aufgaben erfolgreich zu erledigen. Dann werden sich automatisch auch Betriebsklima, Produktivität, Kreativität und vor allem die Identifikation mit dem Unternehmen sowie die Zufriedenheit mit dem Arbeitsumfeld sofort verbessern. Bei Dienst nach Vorschrift hingegen können sich Freude und Spaß kaum entwickeln. Das Gegenteil ist viel eher der Fall: Oft macht sich Frust breit, Misstrauen entsteht, und darunter leiden natürlich das Betriebsklima und in der Folge dann auch die Ergebnisse.
Um die allgemeine wie auch die eigene Zufriedenheit zu steigern, müssen also alle an einem Strang ziehen, Führungskräfte ebenso wie Mitarbeiter. Das müssten doch eigentlich alle auch wollen: Wer geht schon gerne täglich zur Arbeit mit der Sehnsucht, der Tag möge nur so schnell wie möglich vorübergehen? Ich hoffe sehr, bei Ihnen ist das nicht so. Sollten Sie sich aber doch in dieser Schilderung wiederfinden, liefert Ihnen dieses Buch ganz konkrete Abhilfe.[7]
Hier finden Sie einen leicht anwendbaren Weg, wie Führungskräfte und Mitarbeiter aus ihrem Team oder Unternehmen eine echte Traumfabrik aufbauen und entwickeln können. In den einzelnen Abschnitten möchte ich Ihnen vor Augen führen, was Sie als Führungskraft oder als Mitarbeiter – auch gemeinsam – dafür tun können, und was Sie tunlichst lassen sollten. In vielen anschaulichen Beispielen werden Sie sehen, welche Auswirkungen das eigene Verhalten auf das gesamte Team, auf einzelne Mitarbeiter und umgekehrt auch auf die Führungskraft hat. So finden Sie durch das gesamte Buch hindurch vielfältige Möglichkeiten, sich selbst wiederzuerkennen und Ihr eigenes Verhalten einmal von außen zu betrachten. Erfreuen Sie sich dabei an Ihren positiven Eigenschaften und Verhaltensweisen, scheuen Sie gleichzeitig aber auch nicht die für die Entwicklung Ihrer persönlichen Traumfabrik besonders wichtige kritische Betrachtung.
In meiner über 20-jährigen Tätigkeit als Trainer und Coach habe ich die traurigen Ergebnisse der oben erwähnten Studien leider regelmäßig bestätigt gefunden. Das ist überaus schade, denn in den meisten Unternehmen und Teams sind tatsächlich sehr viele Mitarbeiter mit einem enormen Potenzial tätig, welches aber mit der Zeit durch die Umstände immer mehr verloren geht. Immer wieder erlebe ich in meinen Coachings die erschreckende Situation, dass sehr fähige Mitarbeiter weit unter ihren Möglichkeiten bleiben, weil ihre Leistungen nicht anerkannt, ihre oft glänzenden Ideen und Vorschläge nicht gehört werden – weil schlicht und einfach die Kommunikation mit ihnen so gut wie gar nicht stattfindet. Und diese Problematik betrifft durchaus auch Führungskräfte, denn diese haben ja in den meisten Fällen wiederum selbst Vorgesetzte.[8]
Allzu oft werden die Ursachen für ein schlechtes Betriebsklima, fehlende Motivation und mangelnde Identifikation mit der Aufgabe oder dem Unternehmen beim jeweils anderen gesucht. „Die Mitarbeiter sind einfach nicht motiviert, die haben anderes im Sinn ...”, das höre ich immer wieder von Führungskräften. Und genau deren Mitarbeiter sagen mir dann: „Es wäre eigentlich ein wirklich tolles Unternehmen, aber diese Führungskräfte sind so demotivierend. Da kann man doch gar nicht mit Engagement bei der Sache sein.”
Gerade im letzten Jahr hatte ich eine Veranstaltungsreihe durchzuführen, in der ich in der ersten Phase die Geschäftsführer eines Unternehmens, in der zweiten deren Abteilungsleiter und in der dritten die Mitarbeiter trainieren und coachen durfte. Insgesamt hatte die Serie etwa 400 Teilnehmer. Ein wunderbares Setting also, um wirklich auf allen Ebenen Einblick zu erhalten und positiven Einfluss zu nehmen. Das Verblüffende war nun, dass mir die Geschäftsführer in jeder Veranstaltung sagten: „Genau richtig, aber bitte sagen Sie das auch unseren Abteilungsleitern.” Die Abteilungsleiter wiederum baten mich, dieselben Punkte unbedingt an die Mitarbeiter zu vermitteln, und fragten zudem: „Haben Sie das auch unseren Geschäftsführern so gesagt?” Und, Sie werden es ahnen, die Mitarbeiter fragten in jeder Veranstaltung: „Was haben denn unsere Abteilungsleiter und Geschäftsführer dazu gesagt? Haben Sie das bei denen ebenso angesprochen? Fanden sie es auch gut?”[9]
Konkret ging es in diesem Fall darum, vom Konzern vorgegebene Standards praxisgerecht in den Alltag umzusetzen. Und es stellte sich heraus: Eigentlich wollten alle dasselbe, aber offenbar hatte man untereinander noch nie darüber gesprochen. Die Geschäftsführung hatte sich bis dahin nur mit den blanken Anforderungs- und Ergebniszahlen beschäftigt, die Abteilungsleiter waren auf die sture Einhaltung der Vorgaben konzentriert und die Mitarbeiter fühlten sich überfordert, weil die vorgegebenen Standards im Alltag ihre Praxisarbeit eher behinderten als unterstützten. Es gab allerdings de facto durchaus einen gangbaren Weg, der jedoch noch nie thematisiert worden war. Durch das Aufzeigen des Wegs im Verlauf der Veranstaltung kam in allen drei Gruppen heraus, dass sie genau diesen Weg kannten und gut fanden, aber nicht daran glaubten, dass die jeweils anderen Ebenen davon zu überzeugen seien.
Das ist schon eine verrückte Geschichte, oder? Da wollten im Grunde alle dasselbe, taten aber alle etwas total anderes – und demotivierten sich damit gegenseitig. Wenn Sie ähnliche Beispiele aus Ihrem Unternehmen kennen, habe ich eine gute Nachricht für Sie: Sie können diese Situation lösen! Tatsächlich ist das gar nicht so schwer, und Sie können noch viel mehr erreichen. Wenn Sie einige Grundregeln beachten und anwenden, können Sie wirklich und wahrhaftig Ihre Traumfabrik entstehen lassen. Wenn dann auch bei Ihnen jeden Tag Motivation, Teamgeist, Freude und Spaß generiert werden, haben Sie ein tolles Betriebsklima und die besten Zutaten für Kreativität, Leistungsfähigkeit und gute Ergebnisse.[10]
Nicht umsonst wird uns das Begriffspaar Freude und Spaß als roter Faden durch das gesamte Buch begleiten: Diese Empfindungen bilden die Grundlage jedes guten Betriebsklimas und beflügeln Motivation, Kreativität und Leistungsfähigkeit in allerbester Weise. Dabei steht der Spaß für gute Stimmung und eine angenehme und konstruktive Kommunikation untereinander; idealerweise wird er sich auch in den Aufgaben selbst manifestieren. Was gibt es Schöneres, als wenn uns unsere Arbeit tatsächlich Spaß macht? Die Freude hingegen begleitet uns als tieferes Gefühl, wir empfinden sie in Form von Befriedigung, Erfolg, Selbstbestätigung – wenn wir sehr großes Glück haben, sogar als Berufung für unsere Aufgabe.
Das sind sehr hochgesteckte Ziele, finden Sie? Sie sind viel leichter zu erreichen, als Sie denken mögen. Dafür müssen Sie nur Ihre Traumfabrik zu einem gemeinsamen Projekt mit Ihren Mitarbeitern, Teamkollegen und/oder Führungskräften machen. Wie Sie das angehen, dafür finden Sie unzählige Hinweise in diesem Buch. Wenn Sie die vielen Beispiele und Vorschläge auf Ihre Situation, Ihr Team anpassen, wird Ihnen die Umsetzung leicht fallen. Wichtig dafür ist die Kommunikation mit allen Beteiligten; im Alleingang kann man ideale Arbeitsumstände schwerlich herstellen. Holen Sie also nach Möglichkeit Ihre Mitarbeiter, Ihre Teamkollegen mit ins Boot. Wenn Sie gemeinsam diesen Weg einschlagen, werden Sie ganz schnell bemerken, dass sich in Ihrem Team etwas tut. Eine überaus positive und für alle Beteiligten aufregende Dynamik entsteht. Sie werden bereits nach Kurzem spüren, wie sich die Kommunikation, die Stimmung und dadurch automatisch auch die Motivation und das Betriebsklima positiv entwickeln.[11]
Stellen Sie sich nur vor, alle Teams in Ihrem Unternehmen würden es ebenso machen. Sie wären überhaupt nicht aufzuhalten beim Errichten Ihrer Traumfabrik. Warten Sie aber nicht auf die anderen – gehen Sie einfach voran und erleben Sie, wie schnell sich die anderen mitziehen lassen. Beginnen Sie in Ihrer Gruppe, die Veränderung wird auch von anderen Teams oder Abteilungen schnell wahrgenommen werden. Wenn Sie darauf angesprochen werden, nehmen Sie es als ein gutes Zeichen: Daran sehen Sie, dass es funktioniert und Sie auf dem besten Weg zu Ihrer Traumfabrik sind!
Idealerweise ziehen also Führungskräfte und Mitarbeiter an einem Strang und verfolgen die Traumfabrik als gemeinsames Projekt. Egal, ob Sie Führungskraft oder Mitarbeiter sind: Ich verspreche Ihnen, es wird Ihnen und den anderen Beteiligten Spaß machen und Freude bereiten.
Stellen Sie sich vor, Sie kommen jeden Morgen zur Arbeit und freuen sich auf alles, was Sie dort erwartet. Sollte dies schon heute bei Ihnen so sein, dann freue ich mich sehr für Sie. Lesen Sie aber ruhig trotzdem weiter: Sie werden viele praktische Empfehlungen dafür finden, wie Sie diese Situation absichern und langfristig erhalten können. Und im anderen Fall werden Sie natürlich umso mehr davon profitieren.[12]
Dass es hier um ein gemeinsames Projekt geht, spiegelt sich auch im Aufbau dieses Buches wider. Entweder direkt nacheinander oder gleich in einem werden in jedem Kapitel die Hinweise für Führungskräfte und für Mitarbeiter aufgelistet – und Sie sind herzlich eingeladen, sich auch mit den Abschnitten zu beschäftigen, die sich an die jeweils andere Gruppe richten. Denn je besser Sie sich und Ihre Aufgabengebiete gegenseitig kennen, desto besser und harmonischer können Sie auch zusammenarbeiten. Daher gibt es hier keine „geheimen” Missionen für Führungskräfte zur Mitarbeiterführung und keine Anleitungen für „geheime” Aktionen von Mitarbeitern gegenüber den Führungskräften. Denn nur gemeinsam können Sie Freude und Spaß entwickeln und damit die Grundlage für einen nachhaltigen Erfolg schaffen.
Wir werden die unterschiedlichen Führungsmethoden mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen betrachten, mit vielen Anregungen für Sie als Führungskraft, wie Sie mit Ihren Mitarbeitern positiv und zielorientiert umgehen können. Gleichzeitig betrachten wir diese aus der Sicht der Mitarbeiter, die sich hier sicherlich an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen werden. Als Mitarbeiter werden Sie Empfehlungen dafür finden, wie Sie Ihre Führungskräfte dabei unterstützen können, motivierend und zielorientiert zu führen. Sie werden staunen, wie positiv manche Führungskraft reagiert, wenn sie sich von Ihnen unterstützt fühlt. Und natürlich enthält dieses Buch viele gute Möglichkeiten, wie Sie als Führungskraft Ihre Mitarbeiter fördern und unterstützen können. Nicht zuletzt werden wir uns aber auch damit beschäftigen, was Sie bei Ihren Mitarbeitern nervt – und umgekehrt! Denn wenn Sie darüber Bescheid wissen, haben Sie erst wirklich die Möglichkeit, es besser zumachen.[13]
In einer Vielzahl von Coachings mit Teams habe ich vor allem eines festgestellt: Bei den „gemischten” Coachings, in denen die Führungskräfte mit dabei waren, wirkten die positiven Ergebnisse wesentlich nachhaltiger als bei Coachings mit getrennten Gruppen oder gar solchen, bei denen von vorneherein nur die Mitarbeiter teilnahmen. Nun ist es für Führungskräfte sicherlich oftmals eine ziemliche Herausforderung, sich mit seinem gesamten Team quasi „öffentlich” über erfolgreiche Teamarbeit auseinanderzusetzen – dabei kann es stellenweise auch schon mal etwas delikat werden. Auch für die Mitarbeiter ist es bei solchen gemeinsamen Coachings bestimmt nicht immer einfach, vor der eigenen Führungskraft ganz offen auszusprechen, was man wirklich über die Zusammenarbeit denkt.
Respekt an alle Teilnehmer, die sich darauf einlassen! Dafür braucht es schon ein gewisses Vertrauen, aber auch den Willen, sich in das Team einzubringen und an konstruktiven Lösungen innerhalb des Teams mitzugestalten. Tatsächlich leben diese Coachings geradezu von der aktiven Teilnahme möglichst aller Beteiligten. Aber es braucht sich keiner, egal ob Führungskraft oder Mitarbeiter, Sorgen vor einem solchen Coaching zu machen. Schließlich ist es meine Hauptaufgabe als Coach, Sie alle „unfallfrei” durch die verschiedenen Themen zu begleiten und für Ihr Team und jeden Einzelnen die bestmöglichen Arbeitsgrundlagen zu schaffen.[14]
Dieses Buch können Sie wie ein Team-Coaching aus meiner Praxis lesen und die Erkenntnisse direkt in Ihre Arbeitspraxis transferieren. Bei diesem wunderbaren Experiment haben Sie die Chance, Ihren Freude- und Spaßfaktor bei Ihrer beruflichen Aufgabe zu verzehnfachen. Dadurch werden Sie alle gemeinsam erfolgreicher und zufriedener werden. Und dieses „alle gemeinsam” ist im Grunde der Schlüssel zum Erfolg. Auch, wenn Sie möglicherweise als Mitarbeiter einen Karriereschritt planen, der Sie langfristig von Ihrer Führungskraft wegführen soll: Verweigern Sie Ihrem Vorgesetzten niemals die Unterstützung. Es lohnt sich definitiv mehr, mit ihm zusammenzuarbeiten und ihn zu unterstützen. Sie werden sehen: Genau dadurch steigern Sie auch Ihre Chancen auf Ihren nächsten Karriereschritt.
Als Führungskraft denken Sie eventuell: „Ich kann doch nicht völlig offen mit meinen Mitarbeitern umgehen, das wäre viel zu gefährlich für mich.” Auch da muss ich heftig widersprechen. Gerade durch Ihre Offenheit und Bereitwilligkeit werden Sie Ihren nächsten Karriereschritt erreichen, und dies vermutlich wesentlich schneller als auf dem umgekehrten Weg. Außerdem haben Sie dabei viel mehr Freude und Spaß, und das wiederum hat großartige Auswirkungen auf Ihre gesamte Ausstrahlung und Persönlichkeit: Allein schon die Begeisterung, die Sie spüren und dadurch versprühen werden, wird es zu einer tollen Erfahrung machen, mit Ihnen oder „unter” Ihnen zu arbeiten! Dadurch steigern Sie wiederum automatisch auch Ihre Ergebnisse und Ihren Erfolg. Tatsächlich ist dies die einzige echte Möglichkeit, Ihre Potenziale wirklich positiv weiterzuentwickeln. Dabei kommt es übrigens überhaupt nicht darauf an, ob Sie in einem großen oder kleinen Unternehmen arbeiten. Wenn hingegen jeder nur seine eigenen Ziele verfolgt, werden Sie keine Weiterentwicklung herbeiführen können, weder in Ihrem Team noch in Ihrem Unternehmen oder bei sich selbst.[15]
Lassen Sie uns kurz einen Blick auf die Probleme werfen, die entstehen, wenn jeder nur ichbezogen vorgeht:
Schlechte oder gar keine Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern
Konflikte (oft auch unausgesprochene) untereinander – und daraus resultierend Misstrauen
Egoistisches Verhalten Einzelner zur Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes/der eigenen Position (beispielsweise spezieller Aufgaben- und Verantwortungsbereiche oder auch informeller Positionen wie „Liebling des Chefs”, „darf zu Außenterminen wie Messen, Kunden” etc.)[16]
Streben nach der nächsthöheren Position durch Ellenbogentechnik oder Machtkämpfe
…
Diese Liste ließe sich noch beliebig verlängern, aber die Grundrichtung sollte klar geworden sein: Wenn jeder nur auf sich selbst schaut, gehen viel Zeit und Potenzial verloren. Erschreckenderweise ist nachgewiesen, dass ab einer gewissen Position innerhalb des Unternehmens meist ein beträchtlicher Teil der Arbeitszeit damit verbracht wird, an den nächsten Karriereschritten zu basteln. Man beschäftigt sich dann beispielsweise lieber mit Plänen, wie man selbst vor der Geschäftsleitung beim nächsten Meeting besser als die anderen aussehen könnte, als mit der Frage, wie man seine Mitarbeiter bei wichtigen Projekten unterstützen kann. Fürchterlich sind die Fälle, in denen ein Teil der Arbeitszeit mit Überlegungen verbracht wird, wie man einem Konkurrenten schaden und ihn vor den Vorgesetzten oder der Geschäftsleitung in einem schlechten Licht erscheinen lassen kann. Leider funktioniert so etwas immer noch viel zu oft. Fakt ist allerdings, dass diese Strategie das Unternehmen, das eigene Team oder die eigenen Mitarbeiter im Normalfall keineswegs weiterbringen wird. Die Auswirkungen sind lediglich schlechte Stimmung, Demotivation und Leistungsabfall – also Gift für den gemeinsamen Erfolg und vor allem für Spaß und Freude an der Arbeit.
Eines ist ganz entscheidend für das Gelingen: Ihr Vorhaben muss ehrlich sein! Es muss Ihnen wirklich am Herzen liegen und Sie müssen es mit Haut und Haaren wollen. „Ein bisschen wollen” bringt Sie hier nicht weiter.[17]
Das Fatale an sogenannten Führungs- oder Managementtechniken ist oftmals, dass der Mitarbeiter schon beim ersten Wort der Führungskraft erkennt, dass etwas „im Busch” ist. Das können wir uns am Beispiel des Mitarbeitergesprächs gut genauer anschauen. Viele Mitarbeiter werden sich schon bei der Ankündigung fragen: „Was will er wohl von mir?” Eventuell sogar „Habe ich schon wieder etwas falsch gemacht? Oder „Mit welchen Ergebnissen ist er wieder mal nicht zufrieden?” Ich glaube, Sie wissen, was ich meine. Das ist natürlich nicht gerade eine positive Voraussetzung, und oftmals geht die Stimmung dann auch geradewegs in den Keller.
Viele Führungskräfte beginnen ein Mitarbeitergespräch zunächst mit einem Small Talk (wie man es ja auch in den meisten Führungstrainings lernt), um erst anschließend zum Thema zu kommen. Das ist auch gar nicht grundsätzlich verkehrt. Allerdings ist es eben meistens ein recht aufgesetzter Small Talk, was man ihm leider auch anmerkt. Mindestens 60 Sekunden, bevor die Führungskraft zum Thema kommen möchte, hört sie dann oftmals nicht mehr richtig zu und denkt bereits daran, was sie gleich sagen möchte. Das kann der Mitarbeiter deutlich sehen: Ihr Gesichtsausdruck verändert sich, sie rutscht auf ihrem Stuhl hin und her, nimmt eine andere Sitzposition ein, verliert den Augenkontakt – manche Führungskräfte wirken in dieser Phase tatsächlich richtiggehend abwesend. Haben Sie sich als Führungskraft erkannt? Sie wissen es nicht genau? Achten Sie beim nächsten Mitarbeitergespräch mal darauf.[18]
Oder haben Sie als Mitarbeiter Ihre Führungskraft erkannt? Wie reagieren Sie darauf: Ziehen Sie sich zurück und gehen auf Distanz? Verschränken Sie spontan Ihre Arme? Sind Sie mit Ihren Gedanken bei der Frage, was Sie wohl gleich zu hören bekommen? Schmunzeln Sie verlegen oder setzen Sie eher ein Pokerface auf? Es gibt da die verschiedensten Möglichkeiten, je nachdem, welcher Typ Sie sind.
An diesem Beispiel können Sie sehr schön sehen, wie wertvoll es ist, solche Dinge immer aus beiden Perspektiven zu betrachten. Dazu erhalten Sie in diesem Buch mannigfache Gelegenheiten. Hier aber wollen wir noch eben die Chance nutzen, uns den konstruktiven Umgang mit einer solchen Situation vor Augen zu führen.
Wenn Sie als Führungskraft bemerken, dass das Gespräch von vorneherein verquer verläuft, haben Sie zwei Möglichkeiten. Die erste: Brechen Sie das Gespräch ab und verschieben Sie es auf einen anderen Termin, denn an diesem Tag werden Sie ohnehin nichts erreichen. Sie werden im besten Fall ein „Standardgespräch” führen, bei dem Sie Ihren Mitarbeiter jedoch nicht erreichen. Und das liegt nicht etwa daran, dass der Mitarbeiter prinzipiell nicht dazu bereit gewesen wäre, sondern daran, dass er Ihnen nun nicht mehr offen gegenübersteht. Sehr wahrscheinlich wird der Mitarbeiter Ihre Botschaften daher nicht annehmen und stattdessen für sich selbst Gründe finden, weshalb Sie falsch liegen. Je nachdem, wie direkt Ihre Kommunikation untereinander ist, wird Ihnen der Mitarbeiter dies vielleicht auch mitteilen, sodass Sie wenigstens wissen, woran Sie sind. Wenn aber Ihr Mitarbeiter eher distanziert oder verschlossen ist, wird er vermutlich nicht viel sagen, selbst wenn Sie ihn nach seiner Meinung fragen. Darüber hinaus werden durch einen solchen Gesprächsverlauf falsche Botschaften und Signale gesendet, und zwar in beide Richtungen. Das wird nicht dafür sorgen, dass die Gespräche in Zukunft eine bessere Qualität erreichen können. Ganz im Gegenteil ist zu erwarten, dass die Qualität mehr und mehr absacken wird – und irgendwann werden diese Gespräche nur noch geführt, weil sie eben dazugehören. Nicht unbedingt eine gute Grundlage für Freude oder gar Begeisterung.[19]
Als Mitarbeiter werden Sie in einem solchen Fall vermutlich Ihrem Vorgesetzten signalisieren, dass Sie, je nach Typ, resistent bis unnahbar auf diese Art der Gesprächsführung reagieren. Auch wenn das gar nicht stimmen muss, wird Ihre Führungskraft durch Ihr Verhalten genau diesen Eindruck gewinnen – auch das also für beide Seiten keine gute Grundlage, sich auf das nächste Gespräch zu freuen.
Oft ist bei solchen Gesprächen tatsächlich das Problem, dass die Führungskraft mit aller Gewalt ein bestimmtes Gesprächsergebnis erreichen möchte – und der Mitarbeiter sich nach allen Regeln der Kunst dagegen wehrt. Manchmal „überschatten” diese beiden gegensätzlichen Ziele sogar schon die Small-Talk-Phase. Auch wenn von vorneherein bekannt ist, worum es in dem Gespräch gehen soll (zum Beispiel um die Zielerreichung des letzten Monats), wird zu Beginn auf den Small Talk nicht verzichtet – aus Höflichkeit oder um die Konventionen zu wahren. In Wahrheit aber belauern sich beide lediglich; die Führungskraft sucht den richtigen Einstieg, während der Mitarbeiter sich bereits nervös auf das erste Abwehrmanöver konzentriert. Das mag von außen sogar lustig zu beobachten sein, für die Beteiligten ist es aber genau das Gegenteil und bringt alles andere als Spaß und Freude in die Situation.[20]
Noch besser aber, als das Gespräch abzubrechen, sobald Sie einen solchen Verlauf erahnen, ist die zweite Möglichkeit: Ändern Sie grundsätzlich Ihre Einstellung! Gehen Sie als Führungskraft ehrlich und offen in Mitarbeitergespräche und verzichten Sie auf unaufrichtiges Drumherum. Wenn Sie eine klare Strategie haben, die Sie regelmäßig kommunizieren, sollte das kein Problem sein. Sprechen Sie klar und deutlich an, was Sie denken, und lassen Sie sich dabei nicht von irgendwelchen vermeintlich einzuhaltenden Methoden beirren. Der entscheidende Unterschied ist, dass Ihr Mitarbeiter dann spürt, dass Sie es ehrlich meinen, denn nur so werden Sie faktisch etwas erreichen.
Als Mitarbeiter gilt natürlich dasselbe für Sie: Sagen Sie Ihrer Führungskraft ehrlich, was Sie denken und fühlen. Bleiben Sie dabei jedoch sachlich und verzichten Sie auf überzogene Emotionen. Es ist kein Weltuntergang, nötigenfalls auch einmal einen Fehler oder ein Versäumnis zuzugeben. Genau diese Kombination wird Ihnen Erfolg bringen. Alles andere sind Spielchen, die niemandem wirklich etwas nutzen und Sie auch auf dem Weg zu Ihrer Traumfabrik nicht weiterbringen.[21]
Nach diesem kleinen Einstieg können wir nun gleich an die Detailarbeit gehen. Freuen Sie sich auf die folgenden drei Grundlagenkapitel und auf viele konkrete und leicht umsetzbare Hinweise zu den einzelnen Freude- und Spaßfaktoren in Kapitel 5. Und starten Sie am besten gleich heute in Ihr Projekt, Ihre Arbeitspraxis glücklicher und erfolgreicher zu gestalten. Springen Sie über Ihren Schatten – es wird sich ganz sicher lohnen.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg dabei!
Hinweis: In diesem Buch sind Leserinnen und Leser gleichermaßen angesprochen, auch wenn aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form verwendet wird.
Im Grunde genommen wollen wir doch alle dasselbe, egal, ob wir nun Führungskraft oder Mitarbeiter sind: Jeder von uns möchte sich gut fühlen, so glücklich wie möglich sein, Wertschätzung als Mensch erfahren, aber auch in seinem Tun, also in seiner Tätigkeit anerkannt werden. Diese Liste könnte ich noch weiter fortführen, ganz sicher gehört dazu, dass jeder von uns seine persönlichen beruflichen Ziele erreichen und dabei Spaß und Freude haben möchte.
Dafür ist es natürlich auch wichtig, in seinem Tun erfolgreich zu sein, wobei dies konkret durchaus Unterschiedliches bedeuten mag: Hat doch jeder von uns sein ganz eigenes, individuelles Werteverständnis und damit auch eine eigene Vorstellung davon, was Erfolg ausmacht.[22]
Spaß und Freude bei der eigenen Aufgabe zu haben, ist auch und vor allem deshalb extrem wichtig, weil genau aus dieser Begeisterung die beste Motivation entsteht, seine Arbeit gut zu machen. Wenn man Spaß und Freude an der eigenen Aufgabe hat, wird dies automatisch die Identifikation mit dem Unternehmen und den eigenen Tätigkeiten stärken. Zudem bin ich überzeugt davon, dass die Menschen damit mehr Ideen und auch den Antrieb zu mehr (Mit-)Verantwortung entwickeln. Und all dies sind schließlich Faktoren, die sich jedes Unternehmen von seinen Mitarbeitern nur wünschen kann.
Nicht zu vergessen sind dabei die positiven Auswirkungen auf die Ausstrahlung, die persönliche Wirkung auf die Mitmenschen und insgesamt auf die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit. Menschen, die mit Freude arbeiten, denken und fühlen einfach positiver und – nach meinen langjährigen Erfahrungen als Coach – damit auch wirkungsvoller und erfolgreicher. So möchte jeder im Grunde genommen in einer, der ganz eigenen Traumfabrik arbeiten. Dieser Wunsch ist mehr als nachvollziehbar, wünschen wir uns doch alle nichts mehr als Zufriedenheit, Glück und Bestätigung. Und denken Sie nur daran: Wie viel Zeit verbringen Sie auf Ihrer Arbeitsstelle, mit Ihren Kollegen, in Ihrer Firma? Wie wichtig diese Zeit uns allen ist, bestätigt auch der Umstand, dass die meisten von uns auch in der Freizeit immer wieder über ihre Firma – sei es im Positiven oder im Negativen – sprechen und die wichtigsten Ereignisse allen erzählen, die es hören oder auch nicht hören wollen.[23]
Das oberste Ziel der Führungsarbeit müsste demnach doch sein, den eigenen Mitarbeitern Freude und Spaß bei ihrer Arbeit zu vermitteln. Besser ausgedrückt, ihnen die Möglichkeit zu geben und den Rahmen zu schaffen, Freude und Spaß bei ihrem Tun selbst entwickeln zu können.
Das bedeutet nun natürlich nicht, jeden Tag eine Party zu veranstalten – obwohl auch dies so manche Führungskraft in der Tat versucht, indem sie jeden Abend zum Umtrunk lädt. Davon ist dringend abzuraten, denn dieser Versuch geht so gut immer nach hinten los. Stattdessen sollte man das Streben befördern, in der eigenen Aufgabe Erfüllung zu finden und darin aufzugehen.
Vielleicht denken Sie jetzt bei sich: „Mit diesem oder jenem meiner Mitarbeiter geht das wirklich nicht. Der ist gar nicht in der Lage dazu.” Sicher, der Mitarbeiter muss auch dazu bereit und fähig sein, seine Rolle positiv zu definieren und auszufüllen. Und Mitarbeiter, die eine unpassende Aufgabe bekleiden, eine, die ihnen eben keinen Spaß macht, werden dazu tatsächlich nicht in der Lage sein. Ich glaube aber, dass dies viel weniger Menschen betrifft, als Führungskräfte oft glauben mögen.
Das Gleiche gilt aber auch um gekehrt. Wie viele Mitarbeiter werden bei diesem Thema aufseufzen: „Mit meiner Führungskraft geht das nicht!” So sitzen möglicherweise beide da mit demselben Vorurteil über den jeweils anderen. Mit dem Ergebnis, dass keiner Spaß an der Arbeit hat. Wie ist das bei Ihnen?[24]
Natürlich gibt es in jedem Beruf, bei jeder Aufgabe auch Dinge, die wahrscheinlich keinem Spaß machen oder Freude bereiten. So sind etwa viele Vollblutverkäufer gelangweilt von der Aufgabe, die Auftragsabwicklung nach Vertragsabschluss streng nach vorgegebenen Standards durchzuführen. Der Mitarbeiter in der Disposition dagegen telefoniert vielleicht weniger gern mit Kunden. Wenn die Grundausrichtung allerdings stimmt, dann sind auch solche, ebenfalls dazugehörende Aufgaben leichter zu bewältigen.
Vor Kurzem geschah es, dass ich beim Abbiegen in der Innenstadt hinter einem Müllwagen landete. „Oh nein” schoss es mir sofort durch den Kopf. Umdrehen ging nicht mehr, weil hinter mir schon Fahrzeuge abgebogen waren. Grummelig richtete ich mich also auf eine längere Wartezeit ein. Aber dieses Mal fand ich mich überraschend begeistert wieder: Die Jungs, die übrigens bei jeder Witterung einen großartigen Job machen, hatten sich offensichtlich zum Ziel gesetzt, nicht nur die Mülltonnen zügig zu entleeren, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer in den engen Straßen der Innenstadt möglichst wenig zu behindern. So war ein Mitarbeiter des Teams, und zwar mit voller Begeisterung, damit beschäftigt, Fahrer und Kollegen in die jeweils richtige Richtung zu dirigieren, um den Stau hinter dem Fahrzeug so kurz wie möglich zu halten. Und sie hatten richtig Spaß dabei: Der „Dirigent” regelte den Verkehr, während der Fahrer alles tat, um auch die kleinsten Lücken mit seinem Riesenfahrzeug auszunutzen, und die anderen mit den Mülltonnen auch bereitwillig mal ein paar Meter weiter zum Wagen liefen. Natürlich alle immer mit Blickkontakt zu ihrem Dirigenten.[25]
Ich fuhr das dritte oder vierte Fahrzeug hinter dieser Szenerie, und als ich dann relativ schnell mit dem Passieren des Müllautos dran war, winkte ich dem Dirigenten zu, der meinen Gruß prompt mit einem Lächeln erwiderte. Ich war ganz baff, denn meiner Erfahrung nach wird man so freundlich in vielen Geschäften, in welchen man eine Menge Geld lassen kann, nicht gegrüßt.
Ich bin sicher, diese Situation entsprang keinem Zufall. Dieses kleine Team hat gemeinsam ganz bewusst seine Arbeit so konstruktiv wie möglich organisiert. So hatten sie an ihrer Arbeit, die wahrscheinlich viele von uns nicht machen möchten, wirklich Spaß und gingen ihr gut gelaunt nach. Und das wirkte zumindest auf mich richtig ansteckend. Ob sie diese Vorgehensweise nun eigenständig innerhalb des Teams besprochen und vereinbart haben oder gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten, wissen wir nicht. Jedenfalls konnte ich im Rückspiegel deutlich beobachten, dass auch die folgenden Autofahrer begeistert waren und die Jungs von der Müllentsorgung sich über die positiven Reaktionen gefreut haben.[26]
An diesem kleinen Beispiel lässt sich hervorragend ablesen, dass es immer Möglichkeiten gibt, Spaß und Freude bei seinen Aufgaben zu entwickeln. Nach meiner Erfahrung ist das allerdings in vielen Bereichen und Unternehmen nicht unbedingt zu spüren. Schade eigentlich, denn das Beispiel zeigt überdies, wie ein paar Minuten ausreichen können, ein ganzes Unternehmen auch nach außen in ein sehr positives Licht zu tauchen – in unserem Fall das Entsorgungsunternehmen aus Frankfurt. Glückwunsch zu diesen Mitarbeitern, kann man da nur sagen!
Vielleicht gebührt dieser Glückwunsch ja auch den Führungskräften des Unternehmens: Möglicherweise haben sie mit ihren Mitarbeitern darüber gesprochen, wie sie die meist für alle Beteiligten unangenehme Situation der Straßenblockierung durch den Müllwagen so positiv wie möglich umgehen können. Eventuell haben also Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam an dieser so eindrucksvoll funktionierenden Lösung gebastelt.
An welchen Situationen können und sollten Sie basteln? Schreiben Sie sich doch gleich einmal genau jene auf, die Ihnen womöglich gerade durch den Kopf gegangen sind. Und besprechen Sie die Angelegenheit mit Ihrer Führungskraft, mit Ihren Mitarbeitern. Finden Sie eine kreative Lösung, idealerweise mit Herz und Verstand. Damit stellen Sie sowohl Freude als auch Praktikabilität sicher.
Ich bin fest davon überzeugt, dass erfolgreiche Mitarbeiterführung nur als Gemeinschaftsarbeit mit den Mitarbeitern funktioniert. Es ist einfach unabdingbar, die Mitarbeiter in die Führungsarbeit (sei es nun betreffs Zielen, Standards, Strategien etc.) einzubeziehen, um ihre willige Mitwirkung sicherzustellen. Denn nur so werden die Mitarbeiter die entwickelten Ziele und Vorgehensweisen auch verinnerlichen und mittragen. Sicherlich müssen Mitarbeiter dazu bereit und fähig sein – die Führungskraft muss es allerdings auch.[27]
