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Es handelt sich um eine mit 2,0 beurteilte Arbeit für ein Forschungsseminar an der Universität Wien. Der Zeitraum umfasst auch die Vorgeschichte und die ersten Monate nach Stalins Tod. Trotz der erzwungenen "Selbstauflösung" auf der (Pseudo-)Synode von L'viv/Lemberg wurde die Kirche nicht nur nicht zerstört, sondern wurde durch die Deportationen und Verbannungen auch in Gebieten aktiv, in denen sie vorher nicht vertreten war. Außerdem sicherten Metropoliten, Klerus und Gläubige durch sehr ungewöhnliche Maßnahmen ihr Weiterbestehen, sodass sie nach ihrer Wiederzulassung sich rasch wieder konstituieren konnte.
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Seitenzahl: 47
Veröffentlichungsjahr: 2024
Name:
Brigitte Ecker BA
MNR:
A 8201399
STR:
MA Geschichte
STK:
A 066 803
Zuordnung:
PM 2 – Konzeption und Einübung selbständiger Forschungsprozesse
LV:
FS Die Ukrainisch griechisch-katholische Kirche
LVLtg:
Univ.-Prof. Dr. Kerstin Susanne Jobst
LVNR:
070 144
SE:
SS 2024
Abkürzungsverzeichnis
I.
Vorbemerkungen
A.
Forschungsfrage
B.
Quellenanalyse
II.
Definitionen
III.
Die UGKK unter Stalin ab 1944
1.
Vorgeschichte 1917 – 1944
2.
Ab 1944
A.
Die Sowjetregierung
B.
Die ROK und ihr Patriarch Alexius
C.
Der Umsturz von innen her
D.
Die „Synode“ von L’viv
3.
Im Untergrund
IV.
Literaturverzeichnis
V.
Anmerkungen
IG
Initiativgruppe (auch Initiativausschuss oder Bewegung genannt) zur Vorbereitung der Verschmelzung der griechisch-katholischen mit der orthodoxen Kirche
MGB
Ministerium für Staatssicherheit, Vorläufer des KGB
MVD
Innenministerium der Sowjetunion
NKGB
Volkskommissariat für Staatssicherheit, Vorläufer des MGB
NKVD
Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten,
Vorläufer des MVD
OUN
Organisation Ukrainischer Nationalisten
ROK(-MP)
Russisch-Orthodoxe Kirche, ihre zweite offizielle Bezeichnung ist
Moskauer Patriarchat
UGKK
Ukrainisch griechisch-katholische Kirche
UNDV
Ukrainische National-Demokratische Vereinigung
ZK
Zentralkomitee
ŽMP
Žurnal Moskovskoj Patriarchii
A. Forschungsfrage
Wie wurde die UGKK liquidiert?
Wie konnte sie sich dennoch im Untergrund so lange und letzten Endes erfolgreich halten? (eingegrenzt bis 1953/bis kurz nach Stalins Tod)
Šeptycʹkyj sah die Verfolgung bereits voraus und traf Gegenmaßnahmen, auch andere Geistliche trafen zum Teil sehr ungewöhnliche Maßnahmen, die Gläubigen blieben trotz aller Repressionen der Kirche treu, ohne diese hätte die Kirche nicht überleben können.
Warum blieben Geistliche und Gläubige der UGKK auch nach der formalen Auflösung treu, während andere sich der ROK anschlossen? (Diejenigen, die sich der ROK anschlossen, taten dies oft erst unter Zwang und waren oft nur nach außen hin orthodox und in Wirklichkeit weiter griechisch-katholisch, andere wiederum hofften, wenigstens einige Elemente ihres Glaubens bei einer anderen Kirche des gleichen Ritus retten zu können.)
Es hat sich darüber hinaus im Laufe der Arbeit ergeben, dass die UGKK durch die zahlreichen Verhaftungen und Deportationen nicht nur nicht zerstört wurde, sondern in Regionen aktiv wurde, in denen sie bisher nicht vertreten war.
B. Quellenanalyse
Die Literatur ist durchgehend auf Seiten der UGKK, vor allem Stricker, von denen die meisten kirchlichen Stellen nahestehen. Eine Reihe von Informationen wird von mehreren Werken bestätigt, bei manchen Informationen gibt es Differenzen, etwa bei den Teilnehmern an der Synode 1946. Hrynioch bietet sehr viele Informationen trotz seines frühen Erscheinungsdatums. Viele Informationen bieten auch Heyer und Wolf. Mit Ausnahme von Németh und Heyer ist die Sprache eher emotional statt wissenschaftlich, dennoch waren alle um Objektivität bemüht. Hervorzuheben sind auch die vielen Faksimiles bei Bublyk. Ein noch genau vor allem auf die Echtheit zu untersuchender, Fund ist ein Dokument aus dem Geheimarchiv der Parteiführung im Kreml, der der Kathpress zugespielt wurde. Es handelt sich um einen Bericht an Stalin betr. Zerstörung der UGKK und deren Übertritt in die ROK. Es gibt aber noch weitere Dokumente, die dies belegen. Eine so gravierende Aktion hätte gegen den Willen oder ohne Wissen Stalins auch gar nicht durchgeführt werden können.i
Unierte Kirche: Es handelt sich hierbei um Kirchen eines Ost-Ritus, im konkreten Fall des byzantinischen Ritus, die sich mit der Kirche im Rom vereinigt haben und den Primat des Papstes anerkennen. Sie haben auch ein eigenes Kanonisches Recht. Während der Terminus „uniert“ (aufgrund einer Union mit Rom) in den Kirchen des Abendlandes keine Ressentiments hervorruft, hat er bei den slawischen Völkern und den Ostkirchen seit jeher einen schlechten Beigeschmack als Synonym für „Abweichler“ und „Abtrünniger“ und sollte daher im Westen vermieden werden, er wird hier im Fall der UGKK von der ROK und russischen Historikern in pejorativem Sinn verwendet.ii
Griechisch-Katholisch: In den offiziellen Dokumenten unierter Kirchen kommt der Terminus „Uniert“ nicht vor. Polen und Russen gebrauchten es als erstes mit negativem Akzent. Die Polen erfanden auch den Begriff „Pope“ im Sinne von „Pfaffe“. Der Streit nahm ein derartiges Ausmaß an, dass der ukrainische Klerus bei Maria Theresia um Schutz ersuchte. 1784 erließ diese eine Verordnung, in der der lateinische Episkopat zur Eintracht und zum freundlichen Zusammenleben mit dem ostkatholischen Klerus aufgefordert wurde, statt „uniert“ habe er „griechischkatholisch“ zu verwenden. Dies galt für alle katholischen Ostkirchen innerhalb des Reiches ohne Rücksicht auf die Nationalität. Hierdurch wird angedeutet, dass diese Kirche aus der griechisch-byzantinischen Kirche hervorgegangen sind. Griechisch-Katholisch ist bis heute die offizielle Konfessionsbezeichnung für die slawischen Katholiken des byzantinischen Ritus.iii
Ukrainisch katholische Kirche: Während der kurzzeitigen Existenz der freien Republik Ukraine 1917 – 19 erlebte die ukrainische autokephale orthodoxe Kirche ihre Blütezeit. Um sich abzugrenzen, nannten die griechischen Katholiken der Ukraine ihre Kirche Ukrainisch-katholische Kirche. Diese Bezeichnung hat einen nationalen Akzentiv
Russisch katholische Kirche: 1917 wurde das Exarchat der Russisch- katholischen Kirche errichtet, Jurisdiktion war das europäische und asiatische Russland. Es existiert im geheimen weiter.v
1. Vorgeschichte 1917 - 1944
Stricker vermutet, dass die Kirche in der Westukraine schon in der Zwischenkriegszeit in den Untergrund gedrängt wurde.vi In der Westukraine blieben aber die Kirchenstrukturen der UGKK intakt bis zum Einmarsch 1939 aufgrund des Hitler-Stalin/Molotov-Ribbentrop-Paktes.vii Allerdings wurden auch orthodoxe Kirchen verfolgt.viii Die Sowjetunion kannte unterschiedliche Stufen der Duldung. Die ROK galt im Vergleich als privilegiert und die ROK galt gewissermaßen als Staatskirche.ix
Aufmerksam auf die UGKK wurde Stalin 1939 beim Einmarsch in die Westukraine. Zwar war der Ritus der UGKK derselbe wie der der ROK, aber das Oberhaupt war der Römische Papst.x Ein weiterer Grund war die Volksverbundenheit der UGKK. Der Kommunismus wurde außerdem zu einer politischen Religion.