Die Violine von Auschwitz - Maria Àngels Anglada - E-Book

Die Violine von Auschwitz E-Book

Maria Àngels Anglada

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Beschreibung

Die Wiederentdeckung der Grande Dame der zeitgenössischen katalanischen Literatur!

"Die Violine von Auschwitz" erzählt die Geschichte des Geigenbauers Daniel, dessen Überleben im Konzentrationslager vom Bau einer Geige für einen Lagerkommandanten abhängt – einer Geige, die inmitten des Grauens zum Symbol für Hoffnung und Menschlichkeit wird.

Bei einem Gastspiel in Krakau lernt der Pariser Musiker Climent die polnische Geigerin Regina kennen, die ihn mit ihrem virtuosen Spiel und dem vollen Klang ihrer Geige tief beeindruckt. Sein Interesse für diese besondere Violine führt ihn auf die Spur einer Geschichte, die im nationalsozialistischen Deutschland ihren Anfang nimmt. Es ist die Geschichte des jüdischen Geigenbauers Daniel, der in einem Nebenlager von Auschwitz interniert ist. Eines Tages bekommt er vom Kommandanten des Lagers den Auftrag, eine Geige in bester italienischer Tradition anzufertigen. Was Daniel aber erst später durch Zufall erfährt: Der Auftrag beruht auf einer infamen Wette des Kommandanten mit dem skrupellosen Lagerarzt: Gelingt Daniel der Bau der Geige, erhält der Kommandant eine Kiste Wein; wenn er scheitert, bekommt der Arzt Daniel als Objekt für seine teuflischen Unterkühlungsexperimente. Inmitten des Grauens erschafft Daniel schließlich ein Instrument von seltener Schönheit. Ein Instrument, das ihm wider alle Wahrscheinlichkeit sein Leben rettet und noch Jahrzehnte später von seinem Schicksal kündet.

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Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Inhaltsverzeichnis
Widmung
I
Copyright
Im Gedenken an die Opfer
Die Autorin ist dem Geigenbauer Ramon Pinto i Comas zu Dank verpflichtet.
Bei den Texten zu Anfang der Kapitel handelt es sich um authentische Dokumente. Vgl. Reimund Schnabel, Macht ohne Moral - Eine Dokumentation über die SS, Röderberg Verlag, Frankfurt am Main, 1957.
I
Ghettowache 6.
Litzmannstadt, 1. Dezember 1941
Betrifft: Schußwaffengebrauch.
Am 1. Dezember 1941 in der Zeit von 14.00 Uhr bis 16.00 befand ich mich auf Posten 4 in der Hohensteinerstraße. Um 15.00 Uhr sah ich, wie eine Jüdin auf den Zaun des Ghettos kletterte, den Kopf durch den Ghettozaun steckte und den Versuch machte, von einem vorüberfahrenden Wagen Rüben zu stehlen. Ich machte von meiner Schußwaffe Gebrauch. Die Jüdin wurde durch zwei Schüsse tödlich getroffen.
Art der Schußwaffe: Karabiner 98.
Verschossene Munition: 2 Patronen
gez. Naumann Wachtm. d. Sch. P. d. Res. 1. Komp. Bl.- Batt. Ghetto.
Dezember 1991
Immer wenn ich ein Konzert gegeben habe, fällt es mir schwer, nachts einzuschlafen. So als ließe ich ein Tonband laufen, das sich pausenlos wiederholt, kehrt es dann ständig in mein Gedächtnis zurück. Jenes Konzert,es das am zweihundertsten Todestag Mozarts stattgefunden hatte, war zudem etwas Besonderes gewesen. Wir hatten in Krakau, einer Stadt herausragender Musiker, in einem für Konzerte adaptierten Saal der prächtigen Tuchhallen gespielt. Das kalte Wetter hatte uns daran gehindert, ausgiebig durch die Stadt zu spazieren, die reich an Kunstwerken ist. Nur zu Mittag, als die Sonne den Nebel vertrieb, war ich eine Weile über den Rynek Glowny geschlendert, bevor ich ins Hotel zurückkehrte.
Im ersten Teil des Konzerts war Virgili Stancu, der Pianist unseres Trios, auf den Vorschlag der polnischen Veranstalter eingegangen und hatte, obwohl der Abend Mozart gewidmet war, Chopins Préludes vorgetragen - kunstvoll wie immer. Im zweiten Teil hatten er und ich die Sonate in b-Moll gespielt, die Mozart einst für Regina Strinasacchi, eine von ihm äußerst bewunderte Geigerin, komponiert hatte. Wir waren auch noch geblieben, um das Orchester zu hören, das die Konzertante Symphonie KV 364 makellos interpretierte, alle klanglichen Ebenen herausarbeitete und hinter dem heiteren, klaren Geflecht der Phrasierungen die dramatische Tiefe durchscheinen ließ.
Vor allem der Klang der ersten Geige hatte meine Aufmerksamkeit erweckt. Die Konzertmeisterin, eine ältere Frau, spielte sie mit äußerst reiner Intonation und, wie mir schien, mit echter, verhaltener Leidenschaft.
Ihre Augen waren traurig, wenn sie nicht spielte.
Es war spät geworden, ich sehnte mich nach Elektra, und es kam mir so vor, als hätte ich noch immer den Klang dieser Geige im Ohr. Er war nicht besonders tragend, wohl aber samtig weich und voll. Gewiss handelte es sich nicht um ein von den großen Meistern aus Cremona gebautes Instrument, vielleicht aber, so vermutete ich, um eine Geige der alten polnischen Schule. Sollte etwa eine Mateusz Dobrucki aus Krakau all die Zerstörungen überlebt haben? Ihre rötliche Farbe war mir allerdings dunkler, nicht so transparent vorgekommen. Sie konnte jedoch auch eine Tiroler Arbeit sein oder von einem Mitglied der Mittenwalder Geigenbauerfamilie Klotz stammen.
»Nein, du siehst doch, dass es keine Klotz ist.« Sie hatte es lächelnd gesagt, aber ihr Lächeln hatte keine Fröhlichkeit ausgestrahlt. Das war am Tag nach dem Konzert gewesen. In der Nacht zuvor hatte ich beschlossen, die Geigerin persönlich nach der Herkunft des Instruments zu fragen, und mich dann, um nicht mehr weitergrübeln zu müssen, in die Lektüre eines dieser großartigen Krimis von Eric Ambler vertieft, die mir stets einen friedlichen und tiefen Schlaf verschaffen.
Wir trafen uns in der Musikhochschule der Stadt - hier nennt man sie nicht Konservatorium -, wohin ich eingeladen worden war. Zunächst bewunderte ich im weitläufigen Foyer die Ölporträts berühmter polnischer Musiker, von den ältesten bis hin zu meinem Kollegen Wienasky, und hielt dann in einem kleineren Hörsaal eine Unterrichtsstunde, eine sogenannte Meisterklasse, ab.
Danach legte mir die Frau die Geige in die Hände, ihre Geige. Ich probierte sie aus: Die Saiten gehorchten mir, wie ich es von ihnen verlangte, wie geschmeidiger Ton in den Fingern, die ihn modellieren. Es war ein kleines Wunder.
Die Originalausgabe erschien 1994 unter dem Titel El violì d’Auschwitz bei Columna, Barcelona.
Die Übersetzung wurde gefördert vom Institut Roman Llull.
1. Auflage
Copyright © der Originalausgabe 1994
Maria Àngels Anglada Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2009 Luchterhand Literaturverlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH
eISBN : 978-3-641-03794-9
www.luchterhand-literaturverlag.de
Leseprobe

www.randomhouse.de