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Seit Jahren erklimmt die Inflation in Deutschland immer neue Höchststände. Zu Recht fürchten Sparer hohe Preise sowie den Verlust ihres Vermögens – was aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass der Wendepunkt erreicht ist: Der schleichende Prozess der Deflation, also der Rückgang des Preisniveaus und die Steigerung des Geldwertes, hat bereits begonnen, was wiederum ein Umdenken bei der Geldanlage bedeutet. Was wissen wir wirklich über Inflation und über deren Zusammenhang mit Hyperinflation und Deflation und worauf steuern wir zu? Mark Mobius, einer der weltweit renommiertesten Investoren, gibt einen spannenden Einblick in die Geschichte der Auf- und Abwertung von Geld und zeigt, mit welchen Zielen Statistiken von Regierungen und Zentralbanken eingesetzt oder auch manipuliert werden können und welche Möglichkeiten wir haben, das zu durchschauen. Dr. Mark Mobius ist weltbekannter Investmentexperte und einer der besten Kenner der Schwellenländer. Aufgrund seiner zahlreichen Reisen rund um den Globus, um vor Ort die besten Investmentchancen ausfindig zu machen, trägt er den Spitznamen »Indiana Jones der Geldanlage«.
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Seitenzahl: 215
Veröffentlichungsjahr: 2019
MARK MOBIUS
DIE WAHRHEIT ÜBERINFLATION
MARK MOBIUS
Warum Geldentwertung jeden etwas angeht, wiesie manipuliert wird und wie man es durchschaut
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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1. Auflage 2019
© 2019 by FinanzBuch Verlag,
ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
Tel.: 089 651285-0
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Titel der engl. Originalfassung: The Inflation Myth and the wonderful World of Deflation by Mark Mobius
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Die im Buch veröffentlichten Ratschläge wurden von Verfasser und Verlag sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie kann jedoch nicht übernommen werden. Ebenso ist die Haftung des Verfassers beziehungsweise des Verlages und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.
Übersetzung: Karsten Petersen
Redaktion: Werner Wahls
Korrektorat: Manuela Kahle
Umschlaggestaltung: Maria Wittek
Satz: Müjde Puzziferri, MP Medien, München
Druck: GGP Media GmbH, Pößneck
eBook: ePubMATIC.com
ISBN 978-3-95972-191-2
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-352-7
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-353-4
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter:
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Vorwort
Vorwort zur deutschen Ausgabe
KAPITEL 1
Was ist eigentlich Inflation?
Was die Experten sagen
Inflation als weltweites Problem
KAPITEL 2
Der Kampf um die »richtige« Statistik und einige historische Reminiszenzen
Im Reich der Mitte
Keine Währung behält ihren Wert
KAPITEL 3
Die Tyrannei der Zahlen
Maßnahmen gegen die Inflation
Inflationsstatistiken und ihre Folgen
KAPITEL 4
Inflation außer Rand und Band
Was die Experten sagen
Hyperinflationen in aller Welt
KAPITEL 5
Geldmenge und Inflation
Wie viel Geld gibt es auf der Welt?
Papierwährungen am Ende
Die Welt der Kryptowährungen
KAPITEL 6
Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast …
Kleine Geschichte der Inflationsmessung
Was kaufen die Menschen wirklich?
Schwierigkeiten bei der Datenerfassung
Verfälschungen verschiedenster Art
Was Statistiken nicht messen können
KAPITEL 7
Inflation kontrollieren und manipulieren
Die Eigeninteressen von Regierungen
Ist Inflation steuerbar?
Die Niedriginflationsfalle
Inflations-»Bekämpfung«
KAPITEL 8
Die wunderbare Welt der Deflation
Was die Experten sagen
Niedrigere Preise – höhere Einkommen?
Deflationsstatistiken
Schlussfolgerungen
Anmerkungen
Dieses Buches beschäftigt sich mit einem Thema, das für uns alle wichtig ist; für die einen ist es ein Menetekel, ein Schreckgespenst; für die anderen eine fiskalpolitische Herausforderung: die Inflation.
Dazu folgende Thesen:
Erstens: Das Konzept von Inflation ist aus verschiedenen Gründen ein Mythos, eine Legende, eine Fabel, ja, sogar eine Unwahrheit. Zwar steigen die Preise von Waren und Dienstleistungen in der einen oder anderen Währung hin und wieder an, aber diese Preise manifestieren sich an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeiten auf sehr unterschiedliche Weise.
Zweitens: Inflationsstatistiken sind für Regierungen in aller Welt von großer Bedeutung, weil steigende Preise eine politische Reaktion bei ihren Wählern1 herbeiführen. Häufig hängen Aufstieg oder Niedergang von Regierungen davon ab, wie die Bürger die Preise in ihrem Alltag wahrnehmen. Daher sind alle Regierungen sehr bemüht, Inflation zu messen, und dabei greifen sie gern zu Vereinfachungen und Verallgemeinerungen.
Drittens: Die Verfahren zum Erfassen von Inflation haben erhebliche Mängel. Das liegt nicht etwa daran, dass die Menschen, die in aller Welt emsig Daten über die Preise von Waren und Dienstleistungen zusammentragen, für diese Aufgabe nicht hinreichend qualifiziert oder gewissenhaft genug wären, sondern vielmehr daran, dass diese Daten sich ständig ändern. Die Preise fallen oder steigen von Minute zu Minute, und hinzu kommt noch, dass sogar die Produkte und Leistungen selbst, deren Preise erfasst werden, sich ihrem Wesen nach ständig verändern. Das Streben nach Vereinfachung beim Entwickeln eines Index, der die unzähligen Preise abbildet, die sich aus dem Kaufverhalten der gesamten Bevölkerung ergeben, führt zwangsläufig zu gravierenden Unzulänglichkeiten.
Viertens: Eine Währung wird von Menschen gemacht, und daher kann sie auch von Menschen auf- oder abgewertet werden, um ihr einen Wert zu verschaffen, der höher oder niedriger ist als der »Markt«-Wert. Im Laufe der Geschichte dienten viele Formen von »Geld« als Zahlungsmittel – Gold-, Silber-, Zinn- und Kupfermünzen, Muscheln, Geldscheine aus Papier und anderes –, aber sie alle wurden ausnahmslos durch Entwertung zugrunde gerichtet.
Fünftens: Regierungen in aller Welt sind bemüht, die Inflation genau im Blick zu behalten, da es die Wähler gar nicht gerne sehen, wenn die Lebenshaltungskosten zu schnell zu steigen scheinen. Deshalb treiben die Regierungen nicht nur einen erheblichen Aufwand, um die Inflation zu messen, sondern sind auch sehr darauf aus, die Ergebnisse zu kontrollieren, indem sie zum Beispiel Preiskontrollen für diverse Produkte und Leistungen einführen oder gar die Statistiken manipulieren.
Der letzte und wichtigste Punkt: Die Einkommen – und somit die Kaufkraft der Verbraucher – ändern sich ständig. Das bedeutet, dass sie im Laufe der Zeit zumeist mit steigenden Preisen Schritt gehalten haben. Das führte zu dem Effekt, dass Produkte und Leistungen im Verhältnis zur Ertragskraft des Verbrauchers tatsächlich billiger werden – obwohl es so scheint, als ob die Inflation die Einkommenszuwächse auffrisst! In Wirklichkeit befinden wir uns aber in einer Deflation!
Schwer zu glauben? Wir werden sehen.
In diesem Buch werden die deflationären Entwicklungen dargestellt, die sich überall auf der Welt vollziehen, und begründet, warum sie vorteilhaft sind. Angesichts der Erfahrungen der Deutschen mit Inflation und Deflation in ihrer Geschichte ist sich die heutige Generation ihrer Lebenshaltungskosten sehr bewusst: Sie behält genau im Auge, was sie für ihr Geld im Alltag kaufen kann. Allerdings spielt das im Moment keine allzu große Rolle, da die Preissteigerungen während der vergangenen Jahre relativ harmlos waren. Aber die Angehörigen früherer Generationen, die zwei Weltkriege durchgemacht hatten, konnten sich noch gut an die Ära der Weimarer Republik erinnern, als es zwischen 1921 und 1923 zu einer dramatischen Hyperinflation kam. Damals verlor die Deutsche »Papiermark« so rapide an Wert, dass man für einen Laib Brot einen ganzen Korb voller Geldscheine zum Bäcker tragen musste. Das führte zu politischen Unruhen, vor allem im Januar 1923, als französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet besetzten, um Reparationszahlungen für die im Ersten Weltkrieg von den Deutschen angerichteten Schäden zu erzwingen. Zur Hyperinflation kam es, als die Arbeiter im Ruhrgebiet in einen Generalstreik traten und die deutsche Regierung immer mehr Geld druckte, um sie für ihren passiven Widerstand zu entlohnen. Heute ist in Vergessenheit geraten, dass es selbst damals, in der Zeit der Not, als die deutsche Währung wertlos wurde, Menschen gab, die sich des rapide verfallenden Wertes der Währung bewusst waren und die Gelegenheit nutzten, um Sachwerte – Immobilien, Schmuck, Kunstwerke – zu kaufen und dabei mithilfe der zunehmend wertloser werdenden Währung die Preise zu drücken. Noch mehr Profitchancen taten sich auf, als Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht 1926 eine neue Währung auflegte, nämlich die durch Grund und Boden besicherte »Rentenmark«, um die Hyperinflation unter Kontrolle zu bringen. Der Wechselkurs zur »Papiermark« wurde mit 1:1 Billion festgesetzt!
Aber das waren außergewöhnliche Zeiten. In normalen Zeiten ist es doch so, dass die Regierung zwar Geld druckt, bis dessen Kaufkraft abnimmt, zugleich jedoch die Ertragskraft der arbeitenden Bevölkerung steigt. Noch wichtiger ist jedoch, dass die zunehmende Produktivität zu preiswerteren Produkten und Leistungen in größeren Mengen führt, sodass die Kaufkraft der Menschen steigt, ungeachtet der immer größeren mit der Notenpresse produzierten Geldmenge. In den vergangenen Jahren hat es in Deutschland Zeiten gegeben, da gemäß der umstrittenen Inflationsstatistik die Preise fielen statt zu steigen. Anfang 2016 sank der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland, und Anfang 2017 zeigte der Index erneut, dass die Preise fielen.2
Zu dieser Zeit stellte EZB-Chef Mario Draghi fest, dass nicht nur die deutsche Wirtschaft eine Deflation verzeichnete, sondern auch alle anderen der insgesamt 19 Länder der Eurozone. Das motivierte ihn, eine bemerkenswerte Aussage zu machen: »Die Menschen in Deutschland können sicher sein, dass ihr EZB-Präsident alles tun wird, um die Inflation wieder auf das richtige Niveau zu bringen.« Natürlich wusste niemand so recht, was denn nun eigentlich »das richtige Niveau« sei; und noch wichtiger: Es gab und gibt keinen guten Grund, warum es überhaupt Inflation geben sollte. Die Befürworter von Inflation allerdings zeigten sich mehr oder weniger erleichtert, als 2018 die Inflationsrate in Deutschland langsam zu klettern begann – Ende des Jahres war sie bei etwa 2,5 Prozent angekommen.
Solche kurzfristigen Schwankungen in den offiziellen Statistiken können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland sich seit geraumer Zeit in einem deflationären Trend befindet, obwohl viele Deutsche erstaunt wären, das zu hören. Wenn man sich die deutsche Wirtschaftsstatistik ansieht, bekommt man einen guten Eindruck davon, wie sich dort die Dinge in jüngerer Vergangenheit entwickelt haben, wenn auch nicht über einen längeren Zeitraum. Schauen wir uns die von der EZB für Deutschland berechneten Inflationsstatistiken und die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten durchschnittlichen Brutto-Monatseinkommen für die Jahre 2015 und 2018 an, stellen wir fest, dass zwischen Juli 2015 und Juli 2018 das durchschnittliche Brutto-Monatseinkommen von 3624 Euro auf 3875 Euro gestiegen ist, eine Zunahme um 7 Prozent, während der HVPI von 100 auf 103 stieg, ein Anstieg von nur 3 Prozent. Dies ist nur eine kleine Momentaufnahme eines langfristig deflationären Szenarios, durch das die Lebensverhältnisse der Deutschen dramatisch verbessert wurden – vor allem seit Ende des Zweiten Weltkriegs, aber auch schon davor, trotz der zwischenzeitlichen Perioden von Krieg und Chaos.
KAPITEL 1
Was ist eigentlich Inflation?
»Inflation ist eine Methode, um den Menschen ihren Wohlstand zu nehmen, ohne die Steuern offen erhöhen zu müssen. Sie ist die universellste aller Steuern.«
Thomas Sowell, Senior Fellow an derHoover Institution, Stanford University
Inflation ist ein Währungsphänomen, das extremen Schwankungen unterliegt, und zwar infolge von Veränderungen – zumeist Vergrößerungen der Geldmenge –, die von den ausgebenden staatlichen Instanzen vorgenommen werden. Inflation wird gemessen anhand der Anzahl der Währungseinheiten, die benötigt werden, um ein Produkt oder eine Leistung zu kaufen. Wenn eine Person feststellt, dass sie heute mehr Währungseinheiten braucht, um das gleiche Produkt wie gestern zu kaufen, dann würde sie sagen, sie sei ein Opfer der Inflation geworden.
Hin und wieder wird Inflation mit einem Luftballon verglichen, der expandiert, wenn er aufgeblasen wird – ganz ähnlich wie Preise expandieren, wenn Inflation auftritt. Sie kann sich auf ein bestimmtes Objekt auswirken oder auf eine ganze Kategorie von Objekten.
Es wurden verschiedene ökonomische Theorien entwickelt, um Inflation zu erklären. Ökonomen in der Tradition von Keynes folgen der Idee, dass Inflation entsteht, wenn die Gesamtnachfrage nach Waren und Dienstleistungen das Angebot übersteigt. Die Monetaristen meinen dagegen, dass bei einem Überangebot an Geld das überschüssige Geld eine Inflation der Preise von Vermögenswerten, Gütern und Leistungen erzeugt. Eine dritte Theorie besagt, dass Inflation entsteht, wenn eine Regierung durch zu hohe Staatsausgaben sämtliche Ressourcen in Anspruch nimmt.
Viele bekannte Ökonomen und Politiker haben sich – aus sehr unterschiedlichen Perspektiven – zum Phänomen Inflation geäußert. Hier einige Zitate:
Friedrich August von Hayek, Ökonom: »Ich halte es nicht für eine Übertreibung, wenn man sagen wollte, dass die Geschichte zum großen Teil eine Geschichte der Inflation ist, zumeist von Inflationen, die von Regierungen zum Vorteil von Regierungen ins Werk gesetzt wurden.«
Ayn Rand, Begründerin der philosophischen Denkschule des Objektivismus: »Inflation wird nicht durch das Handeln privater Bürger verursacht, sondern durch die Regierung: durch eine gezielte Ausweitung der Geldmenge, die notwendig wird, um defizitäre Staatsausgaben zu finanzieren. Kein privater Betrüger oder Bankräuber der Geschichte hat jemals die Ersparnisse der Menschen in einem Maße geplündert, das vergleichbar wäre mit den Beutezügen, die durch die Fiskalpolitik dirigistischer Regierungen begangen wurden.«
Ernest Hemingway, Schriftsteller und Journalist: »Das erste Patentrezept für eine schlecht geführte Nation ist die Inflation der Währung; das zweite ist Krieg. Beide erzeugen einen vorübergehenden Wohlstand; beide bringen einen permanenten Ruin. Aber beide sind sie die Zuflucht politischer und wirtschaftlicher Opportunisten.«
Sri Mulyani Indrawati, seit 2016 Finanzministerin von Indonesien: »Viele Schwellenländer sind mit dem gleichen Problem konfrontiert, nämlich Überhitzung der Wirtschaft und Inflation, weil sie ihre Fiskal- und Geldpolitik energisch expandiert haben, um den Folgen des Schocks von 2008 entgegenzuwirken.«
James Callaghan, ehemaliger Premierminister Großbritanniens: »Früher haben wir gedacht, man könne sich aus einer Rezession herausarbeiten und die Beschäftigung erhöhen, indem man die Steuern senkt und die Staatsausgaben erhöht. Ich sage Ihnen ganz offen, dass es diese Option nicht mehr gibt. Sie hat bei jeder Gelegenheit nach dem Krieg nur deswegen funktioniert, weil der Wirtschaft jedes Mal eine höhere Dosis Inflation injiziert wurde, worauf dann im nächsten Schritt noch höhere Arbeitslosigkeit folgte.«
W. Edwards Deming, der das Stichproben-Erhebungsverfahren entwickelt hat, das vom U.S. Department of the Census und dem Bureau of Labor Statistics (BLS, »Amt für Arbeitsmarktstatistik«) eingesetzt wird: »Abnehmende Produktivität und Qualität bedeuten, dass Ihre Produktionsstückkosten hoch bleiben, Sie aber nicht mehr so viel zu verkaufen haben. Ihre Arbeiter weigern sich, niedrigere Löhne hinzunehmen, und deswegen müssen Sie, um den gleichen Profit zu erzielen, Ihre Preise erhöhen. Das ist Inflation.«
Janet Yellen, ehemalige Präsidentin der Federal Reserve: »Bemühungen, das Finanzsystem durch Anpassungen der Zinssätze zu stabilisieren, würden die Schwankungsbreite von Inflation und Beschäftigungsquote erhöhen. Daher glaube ich, dass ein makroprudenzieller Ansatz zur Bankenaufsicht und -regulierung die primäre Rolle spielen sollte.«
Chester Bowles, ehemaliger US-Botschafter in Indien: »Produktion ist die einzige Antwort auf Inflation.«
Raghuram Rajan, ehemaliger Gouverneur der Reserve Bank of India: »Ich habe wiederholt gesagt, dass der beste Weg zu mehr Wachstum darin besteht, die Inflation auf ein wesentlich vernünftigeres Niveau zu senken.«
Milton Friedman, Ökonom: »Inflation ist eine Krankheit, eine gefährliche und manchmal tödliche Krankheit, die eine Gesellschaft zerstören kann, wenn sie nicht unter Kontrolle gebracht wird.«
Toba Beta, indonesischer Schriftsteller: »Inflation erzeugt eine Blase, die dann platzt. Das entwickelt die Weltwirtschaft und wird sie auch zerstören.«
Henry Hazlitt, Wirtschaftsjournalist: »Wie jede andere Steuer wirkt sich Inflation auf die Verhaltensregeln für Individuen und Unternehmen aus, die wir alle gezwungen sind zu befolgen. Sie demotiviert jede Form von Maßhalten und Sparsamkeit. Sie fördert Verschwendung, Glücksspiel, leichtsinniges Verhalten aller Art. Oft macht sie Spekulieren profitabler als Produzieren. Sie zerreißt das gesamte Gewebe stabiler wirtschaftlicher Beziehungen. Ihre unentschuldbaren Ungerechtigkeiten treiben Menschen zu verzweifelten Taten. Sie legt den Keim für Faschismus und Kommunismus. Sie führt die Menschen dazu, totalitäre Kontrollen zu fordern. Sie endet stets in bitterer Ernüchterung und einem Zusammenbruch.«
Kevin Brady, US-Kongressabgeordneter und Vorsitzender des House Ways and Means Committee (Ausschuss des US-Repräsentantenhauses mit sehr breit gefassten Zuständigkeiten): »Inflation vernichtet Ersparnisse, erschwert Planung und demotiviert Investitionen. Das bedeutet geringere Produktivität und einen niedrigeren Lebensstandard.«
Azim Premji, Vorstandsvorsitzender der Wipro Limited: »Inflation drückt die Armutsgrenze nach oben, und Armut ist nicht nur wirtschaftlich definiert, sondern auch durch Gesundheit und Bildung.«
Paul Samuelson, Begründer der modernen Wirtschaftswissenschaften: »Es ist kein absolutes Gebot, Inflation zu vermeiden, sondern vielmehr eines von mehreren gegensätzlichen Zielen, die wir anstreben müssen, wobei es häufig notwendig wird, Kompromisse einzugehen.«
Martin Feldstein, ehemaliger Präsident des US-Wirtschaftsforschungsinstituts National Bureau of Economic Research: »Vor 30 Jahren waren viele Ökonomen der Meinung, Inflation sei eine Art belangloses Ärgernis und es wäre zu kostspielig, sie wirkungsvoll zu bekämpfen. Das würde heute niemand mehr sagen.«
Robert Kiyosaki, Gründer der Rich Dad Company: »Wenn die Menschen Inflation befürchten, kaufen sie lieber ein großes Haus und ein schönes Auto.«
Ha-Joon Chang, Ökonom eines südkoreanischen institutionellen Anlegers: »Niedrige Inflation und staatliche Haushaltsdisziplin könnte für die wirtschaftliche Entwicklung schädlich sein.«
Jerome Powell, seit 2018 Präsident der Federal Reserve: »Eine Inflationsrate unterhalb des Zielwerts erhöht den realen Wert der Schulden von privaten Haushalten und Unternehmen und beeinträchtigt die Möglichkeiten von Zentralbanken, auf Wirtschaftsabschwünge zu reagieren.«
Janet Yellen, ehemalige Präsidentin der Federal Reserve: »Aus meiner Sicht ist es eine kluge und humane Politik, hin und wieder die Inflationsrate steigen zu lassen, selbst wenn sie schon oberhalb des Zielwerts liegt.«
»Die US-Regierung hat eine Technologie, die ›Druckerpresse‹ genannt wird (oder heute ihr elektronisches Äquivalent) und sie in die Lage versetzt, praktisch kostenlos beliebig viele US-Dollars zu produzieren. … Daraus schließen wir, dass eine entschlossene Regierung jederzeit höhere Konsumausgaben herbeiführen kann und dadurch positive Inflation … durch ihre Fähigkeit, Geld zu drucken, kann die Regierung Inflation erzeugen, und das ist gut so.«
Milton Friedman, Ökonom: »Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen, und zwar insofern, dass sie nur darin besteht und nur dadurch erzeugt werden kann, dass die Geldmenge schneller wächst als der wirtschaftliche Output. Eine kontinuierliche und moderate Ausweitung der Geldmenge kann einen Rahmen bieten, in dem ein Land eine niedrige Inflation und viel Wachstum haben kann. Das wird nicht zu perfekter Stabilität führen; es wird nicht einmal den Himmel auf Erden herbeiführen; aber es kann einen wichtigen Beitrag zu einer ökonomisch stabilen Gesellschaft leisten.«
Henry Hazlitt, Wirtschaftsjournalist: »Reine Inflation – das heißt, die reine Emission von mehr Geld, die zu höheren Löhnen und Preisen führt – mag so aussehen, als würde mehr Nachfrage geschaffen. Doch für die tatsächliche Produktion und den Austausch von realen Dingen gilt das nicht.«
James Surowiecki, ehemaliger Redakteur des
The New Yorker
: »Natürlich gehört es zur Stellenbeschreibung eines Zentralbankers, den Eindruck zu erwecken, er würde Inflation energisch bekämpfen: Wenn Anleger glauben, die Inflation könnte aus dem Ruder laufen, steigen die Zinsen und es kommt zu Kapitalflucht, und das mündet schnell in einen Teufelskreis.«
Jim Powell, Senior Fellow am Cato Institute: »Die allermeisten Zentralbanken wurden nach 1900 gegründet, um es Regierungen zu ermöglichen, Geld auszugeben, das sie nicht haben. Die Zentralbanken entwickelten sich zu Inflationsmotoren. Die meisten und die schlimmsten galoppierenden Inflationen hat es nach 1900 gegeben.«
Arundhati Bhattacharya, ehemalige Vorstandvorsitzende der State Bank of India: »Höhere Zinsen und höhere Inflation sind ein Teufelskreis.«
Bill Gross, Manager für festverzinsliche Kapitalanlagen: »Niedriges Wachstum und Inflation sind häufig Begleiterscheinungen von hohen Haushaltsdefiziten und einer im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt steigenden Staatsverschuldung.«
William Vickrey, Professor der Wirtschaftswissenschaften und Nobelpreisträger: »Weder erzeugen Defizite allein Inflation noch kann ein ausgeglichener Staatshaushalt stabile Preise gewährleisten.«
Douglas R. Oberhelman, ehemaliger CEO und Vorstandsvorsitzender von Caterpillar Inc.: »Inflation wird angetrieben von höheren Arbeitskosten, nicht von höheren Warenkosten. Ehrlich gesagt wäre es mir umgekehrt lieber, da ich meinen Leuten gern höhere Löhne zahlen würde. Es würde mich sehr freuen, wenn alle Menschen höhere Löhne bekommen könnten.«
Walter Bigelow Wriston, ehemaliger Präsident und Vorstandvorsitzender von Citibank: »Steigende Preise sind nicht die Ursache von Inflation; sie sind nur ihr Symptom. Sie stellen eine fundamentale Form ökonomischer Meinungsäußerung dar, da Geld lediglich eine weitere Form von Information ist.«
Ludwig von Mises, Ökonom der Österreichischen Schule: »Was heute Inflation genannt wird, ist keine Inflation, also die Ausweitung der Menge von Geld und Geldersatzmitteln, sondern vielmehr der allgemeine Anstieg von Warenpreisen und Löhnen, der die unvermeidliche Folge von Inflation ist.«
Es ist unschwer zu erkennen, dass die Meinungen über Inflation sehr weit auseinandergehen und oft widersprüchlich sind. Doch ein grundsätzlicher Konsens besteht: Inflation ist eine Maßzahl, die sich aus der Aufzeichnung der Preisänderungen einer großen Vielfalt von Waren und Dienstleistungen ergibt. Um diesen Prozess zu vereinfachen, wird ein Index berechnet, der die Preisänderungen insgesamt reflektiert. Dann wird angenommen, dass dieser Index das allgemeine Preisniveau repräsentiert. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist der wichtigste Index; er misst die Veränderungen der Preise von Jahr zu Jahr, da angenommen wird, dass er die Auswirkungen von Preisänderungen auf die gesamte Bevölkerung abbildet. Eine solche Maßzahl ist natürlich eine enorme Vereinfachung.
Wenn wir Inflation definieren wollen, müssen wir die diversen Theorien in Betracht ziehen, die rings um das Konzept entstanden sind. Die »Quantity Theory of Inflation« geht davon aus, dass Inflation durch eine Ausweitung der Geldmenge – oder »monetäre Inflation« – entsteht, doch mittlerweile hat sich gezeigt, dass eine Zunahme der Geldmenge zwar zu höheren Preisen führen kann, aber nicht zwangsläufig muss. Also geht die Suche der Ökonomen nach den Ursachen von Inflation weiter. Eine der Theorien, die sogenannte »Quality Theory of Inflation«, basiert auf den Erwartungen eines Verkäufers, dass er mit einem bestimmten Geldbetrag die gleichen Waren oder Dienstleistungen in der Zukunft wird kaufen können. Wenn ein Verkäufer erwartet, dass er mehr Geld brauchen wird, um in der Zukunft das gleiche Produkt zu kaufen, wird er seinen Verkaufspreis erhöhen.
Eine weitere Erklärung ist die »Demand Pull Inflation« (»Nachfragesoginflation«), bei der steigende Nachfrage durch höhere private und staatliche Ausgaben zu Inflation führt. Es wird angenommen, dass diese Art von Inflation das Wirtschaftswachstum fördert, da die überschüssige Nachfrage in Verbindung mit günstigen Marktbedingungen zu mehr Investitionen und einer Expansion der Wirtschaft führt. Inflation, die infolge eines zurückgehenden Angebots an Gütern und Leistungen auftritt, das zu höheren Rohstoffpreisen führt, wird als »Cost-Push Inflation« (»Kostendruckinflation«) bezeichnet; manchmal wird dafür nach einer Naturkatastrophe, die den Rohstoffnachschub verknappt, auch die etwas dramatischere Bezeichnung »Supply Shock Inflation« verwendet. Dann wäre da noch die »Built-In Inflation« zu nennen, bei der Preise steigen, weil zum Beispiel Lieferanten ihre Preise erhöhen, da die an die Inflationsrate gekoppelten Arbeitsverträge mit ihren Mitarbeitern sie zwingen, die Löhne zu erhöhen. In solchen Fällen spricht man von der »Price/Wage Inflationary Spiral« (»Lohn-Preis-Inflationsspirale«). Und schließlich gibt es noch die »Asset-Price Inflation« (»Vermögenspreisinflation«) – steigende Kurse von Finanzanlagen.
Die Tatsache, dass es so viele Erklärungen für Inflation gibt, zeigt, dass wir die wahren Ursachen von Inflation nicht wirklich kennen. Und das wiederum zeigt, mit welch einer Herausforderung konfrontiert ist, wer Inflation wirkungsvoll bekämpfen will.
Im Jahr 1973 veröffentlichte der Ökonom und Universitätsprofessor Irving Friedman sein Buch Inflation: A Worldwide Disaster (dt. Inflation: das weltweite Übel, München 1974). Darin schreibt er, dass in den 30 vorangegangenen Jahren ein Land nach dem anderen versucht habe, mit dem Problem ständig steigender Preise und Löhne fertigzuwerden. Zwar waren vorübergehende Erfolge zu verzeichnen, doch in der Regel brachten solche Anstrengungen nicht viel. Die betroffenen Regierungen hatten sich immer wieder als unfähig erwiesen, Lösungen zu finden, die politisch und gesellschaftlich akzeptabel waren; stattdessen hatten sie Maßnahmen vorangetrieben, durch die inflationäre Trends verstärkt wurden, was zu der generellen Überzeugung geführt hatte, dass Inflation unvermeidlich sei und eine Regierung inflationäre Trends weder beenden könne noch solle.
In seinem Buch analysiert Friedman die Geschichte der Inflation. Er beschreibt, wie im 16. Jahrhundert die Importe von Gold und Silber aus der Neuen Welt nach Spanien massiv zunahmen und wie es sich auf die europäische Gesellschaft auswirkte, als diese Edelmetalle ihren Weg von Spanien in andere europäische Länder fanden und dort steigende Preise und Zinsen verursachten. Was wiederum dazu führte, dass die Katholische Kirche ihre Stimme erhob, »Wucherzinsen« verdammte und verkündete, was ein »gerechter« Preis sei.
Für Friedman ist das ein gesellschaftliches Problem und denkbare Lösungen müssen daher bei den sozialen Ursachen ansetzen; sie dürfen nicht allein den Ökonomen überlassen bleiben. Wie viele seiner Kollegen sagt auch er, dass die armen Bevölkerungsschichten am stärksten unter Inflation zu leiden haben, was natürlich zu der logischen Konsequenz führt, dass die Regierungen einschreiten und handeln müssen. In den 1960er-Jahren lag die durchschnittliche Teuerungsrate in einer Stichprobe von 37 Entwicklungsländern bei etwa 3,5 Prozent, was einer Verdopplung der Preise in etwa 20 Jahren entspricht. Zu den von Friedman betrachteten Ländern gehören Mexiko, Guatemala, Costa Rica, Pakistan, Thailand, Südkorea, Indonesien, Brasilien, Chile und Argentinien; in manchen dieser Länder wurde bedenkenlos Geld gedruckt. Friedman wiederholt eine häufig zitierte Theorie: Wenn mehr Geld sich auf weniger Güter verteilt, sinkt die Kaufkraft des Geldes, sodass die Kräfte des Marktes die Preise in die Höhe treiben. In seinem Buch bringt er die Überzeugung zum Ausdruck, dass die Welt am Anfang einer Epoche steht, in der die anhaltende Inflation so sehr an Fahrt aufnehmen und eine derart zerstörerische Kraft entfalten wird, dass nicht zu erwarten ist, sie werde von selbst wieder verschwinden. Das Versagen beim Ermitteln der Verbraucherpreise erklärt er damit, dass derartige Statistiken eine Vereinfachung der Durchschnittspreise seien, die von Verbrauchern für alle erfassten Waren und Dienstleistungen jeweils gezahlt werden. Die Gewichtung der verschiedenen Güter und Leistungen unterscheide sich von einem Verbraucher zum anderen. Der daraus ermittelte »Durchschnitt« könne nicht die Erfahrungen der meisten Menschen reflektieren, und außerdem bestünden erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen eines Landes. Die veröffentlichte Inflationsrate ist also offensichtlich ein Politikum. Schauen wir mal, wie Politiker damit umgehen.
KAPITEL 2
Der Kampf um die »richtige«Statistik und einige historischeReminiszenzen
»Ich halte es nicht für eine Übertreibung, wenn man sagen wollte, dass die Geschichte zum großen Teil eine Geschichte der Inflation ist.«
Friedrich A. Hayek, Ökonom
Mein Interesse an Inflation wurde 2007 geweckt, als in Argentinien die Direktorin für Verbraucherpreisforschung des Nationalen Instituts für Statistik und Volkszählung INDEC (Instituto Nacional de Estadística y Censos), Graciela Bevacqua, entlassen wurde, weil sie sich geweigert hatte, die von ihrem Institut produzierte Inflationsstatistik zu fälschen, um der Regierung der Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner gefällig zu sein. Der Vorfall wuchs sich zu einer internationalen Affäre aus, als der Internationale Währungsfonds (IWF) seinem Direktorium einen Bericht über Argentinien vorlegte, der dazu hätte führen können, dass das Land gemaßregelt und aus dem IWF ausgeschlossen wird. Die offiziellen argentinischen Daten wiesen eine Inflationsrate von 10 Prozent aus; andere, von neun unabhängigen privaten Marktforschungsinstituten veröffentlichte Daten zeigten dagegen, dass sie tatsächlich mehr als doppelt so hoch war, nämlich zwischen 25 und 30 Prozent. Die Bemühungen der Regierung, die Zahlen zu drücken und die Öffentlichkeit zu täuschen, waren eine Reaktion auf rapide steigende Preise, die Massenproteste gegen die Kirchner-Regierung ausgelöst hatten. IWF-Chefin Christine Lagarde drohte, sie werde, wenn Argentinien nicht bereit sei, zuverlässige Statistiken zu produzieren, dem Land »die rote Karte« zeigen; darauf antwortete Kirchner bei einer vor der UN-Generalversammlung gehaltenen Rede, dass »Argentinien keine Fußballmannschaft ist, sondern ein souveränes Land, dass sich keinen Drohungen und Pressionen beugt. … Wenn wir schon dabei sind, Fußball mit Wirtschaft und Politik zu vergleichen, sei der Hinweis erlaubt, dass die Arbeit des FIFA-Präsidenten wesentlich erfolgreicher und effektiver gewesen ist als die des IWF-Exekutivrats.« (Das war natürlich noch, bevor bekannt wurde, dass die FIFA-Chefetage zutiefst korrupt war.)
