Die Wasser des Anfangs - Audrey Morgan - E-Book

Die Wasser des Anfangs E-Book

Audrey Morgan

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Beschreibung

Die junge Elfe Lirah lebt im wunderschönen Elfenhafen Dawen ein unbeschwertes Leben. Ihre einzige Sorge sind die Studien der Magie bei ihrem eher unangenehmen Lehrmeister. Zum Glück lernt sie zusammen mit ihrem besten Freund Lani. Doch eines strahlend schönen Tages wird die Elfenstadt angegriffen. Getrieben von ihrem Gebieter, dem Herrscher der Schatten, wollen die dunklen Scheusale den Elfenhafen vernichten. So beginnt der Krieg gegen die Dunkelheit an den Ufern der Wasser des Anfangs.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Über dieses Buch

Über die Autorin

Impressum

Velo unet Asgu

Prolog: Schattenbringer

Elfenhafen

Elfenstädte

Ein neuer Tag

Das Lied des Wassers

Elfenmagier

Magische Kräfte

Die Tiefe der See

Ozean

Kampf um Dawen

Raes Licht

Elfenschiffe

Seeschlacht

Der Fall der Siethraaedals

Weitere Titel von Audrey Morgan

 

Audrey Morgan

HERRSCHER

DER

SCHATTEN

Die Wasser des Anfangs

 

Über dieses Buch

Die junge Elfe Lirah lebt im wunderschönen Elfenhafen Dawen ein unbeschwertes Leben. Ihre einzige Sorge sind die Studien der Magie bei ihrem eher unangenehmen Lehrmeister. Zum Glück lernt sie zusammen mit ihrem besten Freund Lani. Doch eines strahlend schönen Tages wird die Elfenstadt angegriffen. Getrieben von ihrem Gebieter, dem Herrscher der Schatten, wollen die dunklen Scheusale den Elfenhafen vernichten. So beginnt der Krieg gegen die Dunkelheit an den Ufern der Wasser des Anfangs.

 

Über die Autorin

Audrey Morgan, 1993 als einziges Kind eines Deutschen und eines Walisers geboren, lebt auf der sagenumwobenen Insel Anglesey. Schon früh hat sie es sich mit Büchern über die Legenden ihrer Heimat bequem gemacht. Zunächst hat Audrey sich malend und zeichnend künstlerisch betätigt. Bis ihr eines Nachts die Elfe Lirah im Traum erschien und Audrey ihre Geschichte erzählte. Am nächsten Morgen stand Audrey auf und begann zu schreiben.

 

Impressum

Originalausgabe

Copyright © 2022 by Audrey Morgan

Lektorat: Texterei Andreas Zinßer, Hochdorf

Covergestaltung: Texterei Andreas Zinßer, Hochdorf

unter Verwendung eines Bildes von Warm_Tail/Shutterstock.com

E-Book-Erstellung: Texterei Andreas Zinßer, Hochdorf

Audrey Morgan

c/o Fakriro GbR / Impressumsservice

Bodenfeldstr. 9

91438 Bad Windsheim

ISBN 978-3-9824894-1-4

www.magischewelten.com

 

Velo unet Asgu

Einst lebten die Völker in Veloria in Frieden und Harmonie. Die Länder blühten in Wissen und Schönheit und der Reichtum der Elfen, Zwerge und Menschen mehrte sich mit den Jahren. Ihre Städte wurden immer größer, schöner und ihr Glanz währte viele Jahrtausende lang. Jede Stadt war wundersamer als die andere und die Kunstfertigkeit der Völker erreichte den Höhepunkt ihrer Macht. Es gab Städte, die tief im Meer lagen, umgeben vom tiefen Blau der See. Die Elfen wurden die Lehrer der jüngeren Völker und nirgends gab es Leid und Armut. Schwebende Festungen flogen am Himmel und erfüllten die Luft mit Leben. Jedes Jahr gab es große Feste, zu denen die Völker zusammenkamen, um den Frieden ihres Zeitalters zu feiern.

Das hellste aller Wunder aber war die Stadt Liuen Sylangra. Eine Stadt, so erhaben, dass es nie etwas Vergleichbares in der weiteren Existenz der Welt geben wird.

Großes Wissen hatten sie in ihrer Bibliothek gesammelt. Wissen über Dinge, die waren, Dinge, die sind und Dinge, die noch sein mögen. Die Stadt war auf dem höchsten Berg der bekannten Welt erbaut, dem Thilun und dort lebten Millionen im Einklang. Strahlend weiße Bauten streckten sich dem Himmel entgegen. Straßen aus purem Gold schlängelten sich durch die Stadt und Bäume von tausenden Metern Höhe ragten zwischen den Häusern empor. Die Dächer der Häuser bestanden aus den verschiedensten Kristallen und andere Häuser bestanden aus lebendem Holz. Hohe, in sich gedrehte Türme aus Jade und schwarzem Basal ragten an den Felswänden empor. Ihre Bewohner wurden „das gesegnete Volk“ genannt. Wer nicht dort geboren war, erblindete beim ersten Blick auf die strahlende Stadt, denn ihre Schönheit konnte kein Außenstehender verkraften. In der Nacht leuchtete die Stadt wie ein Stern und nie plagten Krankheiten die Bewohner.

Dies war die Goldene Ära. Eine Zeit ohne Angst davor, nicht den nächsten Morgen zu erleben oder vor dunklen Orten. Ein Zeitalter, ohne dass irgendein Übel durch das Land strich und Länder verwüstete.

Doch dieser Frieden wurde zerstört und ein Schatten legte sich über das Land. Wälder wurden zu grausamen Orten, Meere versiegten und Land für Land fiel in Feuer und Rauch.

Geflüster wurde über einen Schatten laut. Eine Dunkelheit wie eine Seuche ging um und vergiftete Erde, Fluss und Land. Der dunkelste Ort wurden die Sümpfe. Einst ein Ort voller Licht und Musik, doch bald eine Stätte namenloser Grauen. Die dort lebenden Elfen wurden vernichtet und der Sumpf wandelte sich. Der Sumpf wurde der dunkelste Ort und selbst die Sterne wagten es nicht mehr, ihr Licht auf ihn zuwerfen. Um ihn herum schufen die neuen Bewohner Skulpturen aus den Leichen ihrer Feinde. Türme aus Knochen und Sehnen ragten empor und Windspiele aus Schädeln verbreiteten einen unheilvollen Klang. Leinwände, die mit Haut bespannt waren, wurden mit dem Blut der verschiedenen Völker bemalt und zeigten ihren Feinden schreckliche Bilder vom tausendfachen Tod, den sie ihnen bringen würden. Der Schatten breitete sich aus, die Abtrünnigen des lichten Volkes erhoben sich und die Asgu Vyrvien, die Schattenkriege nahmen ihren Lauf. Der Reihe nach fielen die freien Länder unter ihre alles zerstörende Herrschaft. Ihre Aura vergiftete die Welt und nie wieder wird es eine Zeit wie die Goldene Ära geben. Nie wieder wird es so prachtvolle Bauten geben wie einst und viele Wunder sind in der Dunkelheit verloren gegangen.

Doch die Völker leisteten Widerstand. Die Überlebenden schlossen sich zusammen und kämpften für die Zukunft ihrer Welt. Der Kampf währte lange und war blutig. Veloria wurde überschwemmt von dunklem Blut und den eisernen Klingen der Orks. Die Welt wurde dunkel und unzählige Generationen wurden auf dem grausamen Altar des Chaos geopfert. Das Blut von Millionen wurde vergossen und selbst die Erde beugte sich der Dunkelheit. Es gab keinen Ort mehr, auf den die Düsternis nicht ihren Schatten warf. Selbst die Reiche der Elfen wurden fast vollständig vernichtet und waren nur noch einsame Inseln in einer Welt voller Grauen. Was einst gut und schön war, wurde schlecht und fiel in den Schatten.

Doch in all dem war die Macht von Liuen Sylangra ungebrochen. Auch wenn die Welt im Chaos versank, war sie ein Stern in der Dunkelheit und die Armeen der Finsternis rieben sich an ihren Mauern auf. Denn ihre Armee, die Himmelsgleichen, focht mit dem Geschick des gesegneten Reiches. Auch wenn die Stadt ungebrochen war, erregte die Dunkelheit außerhalb ihres Reiches und das Leid all der armen Wesen in ihr, manches Mitleid. Stimmen wurden laut und die mächtigsten aller Völker hielten Rat: Die Inu. Wesen von göttlicher Macht waren sie und ihre Weisheit groß. Einerseits wollten sie nicht hinaus in die Dunkelheit. Wollten ihr gesegnetes Reich, dass nie eingenommen werden konnte, nicht verlassen, und doch waren ihre Herzen nicht kalt. So begann der größte Krieg, den Veloria nach der Verbannung der Schöpfer gesehen hatte. Die Inu stellten ein Heer auf, wie es die Welt nie wieder sehen wird. Mit feurigen Seelen und lichtem Stahl gingen sie hinaus und erfüllten die Dunkelheit mit Licht. Die Erde erbebte und selbst die Luft verkündete ihr Kommen. Dort, wo die Himmelsgleichen fochten, wurde die Erde gereinigt und der Schatten lichtete sich. Die Scheusale der Dunkelheit flohen bei ihren strahlenden Blicken, denn das Licht des Segensreiches war in ihren Augen.

Doch die Abtrünnigen duldeten die Macht des gesegneten Volkes nicht in ihren Reichen. Sie führten ihre Armeen gegen sie und Orks waren ihre harmlosesten Diener. Feuergeister und Schattenschleicher waren ihre mächtigsten Diener. Alles, was die Abtrünnigen mit mächtigen Zaubern verwandelt hatten, verhöhnte die Natur und alles Leben. Die Mionlac waren Wesen aus dunklem Feuer und Schatten. Sie waren riesige Bestien, mit Klauen so groß wie Häuser und mit Flügeln, die eine ganze Stadt in Dunkelheit tauchen konnten. Ihr Atem verbrannte Tausende zur Asche.

Die Asgulthian waren flinke Wesen. Sie waren die fast größten Tiere zu Land und waren beinahe genauso tödlich wie die Mionlac. Sie hatten einen geschuppten schwarzen Panzer und Klauen anstatt Hufen. Ihre Köpfe waren schmal und erinnerten eher an Reptilien. Sie waren die schnellsten Wesen auf dem Boden und mit ihren Klauen durchschlugen sie Granit. Selbst ihr Blut war Säure und tötete jeden, den es traf.

Diese Kreaturen der Finsternis kämpften gegen die Himmelsgleichen und die Welt wurde in ihren Grundfesten erschüttert. Sie wurde fast zerstört. Länder versanken im Meer, Gebirge stürzten ein und selbst der Himmel brannte. Millionen fanden in der Zeit der Reinigung den Tod, doch schließlich wurden die Armeen der Dunkelheit zurückgedrängt.

Die Inu zerschlugen die Hochburg der ewigen Dunkelheit in den Sümpfen und vernichteten die Abtrünnigen.

Aber als die Abtrünnigen ihre drohende Niederlage erkannten, sandten sie ihre Elite-Krieger gegen Liuen Sylangra. Da ihr Hauptheer in den Sümpfen kämpfte, waren nur noch wenige Krieger in der Stadt. Die Elite-Krieger fegten die Verteidiger hinweg und zerstörten die Stadt. Doch auch, wenn sie nur noch wenige waren, die Gesegneten verteidigten ihr Reich und so kam es, dass am Ende nur noch ein Abtrünniger und ein Inu übrig waren. Um sie herum zerfiel die Stadt. Der Boden brach auf und riss die Stadt in die Tiefe, Unwetter fegten über sie hinweg und das flüssige Blut der Erde schmolz alles und jeden. Auf dem höchsten Turm des Palastes fochten Inu und Abtrünniger. Ihr Kampf währte mehrere Tage und schließlich wurden beide tödlich verletzt und starben als letzte im Segensreich.

Im letzten Kampf der Ära der Finsternis, als das Böse vernichtet worden war und Hoffnung in den Herzen der Überlebenden erstrahlte, wurde der gesamte Berg mitsamt der Stadt zerstört.

Der Krieg war zu Ende, die Ära der Finsternis und des Chaos war vorbei, doch wurde dieser Sieg teuer erkauft.

Liuen Sylangra war vernichtet und ihr gesamtes Volk war auf ein paar hundert zusammengeschrumpft. Unzählige waren gefallen. Als die Siegreichen zurück in ihre Heimat kamen, fanden sie nur noch den eingestürzten Berg vor sich. Der Verlust ihrer Stadt war der schlimmste Schlag, den sie in diesem Krieg erlebt hatten. Sie wurden ein Schatten ihrer selbst. Der Schmerz war groß und aus den Trümmern retteten sie das Wenige, das zu retten war.

Die letzten Überlebenden von Liuen Sylangra gingen schließlich zum Ufer des Meeres und segelten fort und verließen die bekannte Welt, denn es gab hier nichts, das ihren Schmerz hätte lindern können. Das größte Wunder der Welt war unwiederbringlich verloren gegangen.

Nur ein paar wenige blieben und halfen den anderen Völkern, die zerstörte Welt neu zu erschaffen und bald vermischten sie sich mit ihnen und verschwanden von Veloria.

Pergament aus der Großen Bibliothek von Saneria,

versehen mit dem Siegel des Hüters

 

Prolog: Schattenbringer

Isla und Aryamar hielten zusammen Wache an der Pforte des Andorian. Die beiden Elfen hatten ihre Riedgrasflöten herausgeholt und spielten eine sehnsüchtige Melodie. Es wehte eine kühle Brise über das Land und trug den Geruch von Wasser und Gras mit sich. Die Sterne leuchteten in ihrer ganzen Pracht und Silmar schien hell. Die Welt erschien friedlich in ihrem dunklen Schlummer. Dies war eine der Nächte, in der die Dunkelheit klar war und das ewige Licht der Sterne hell erstrahlte. Ungetrübt und rein wie zu Beginn aller Dinge. Die Luft war erfüllt von uraltem Licht, das den Elfen so vertraut war, da auch sie beinahe so alt waren wie das Licht.

Sie saßen zusammen vor den Elfentürmen Iodala, die seit jeher über die Pforte des Andorians wachten. Alte Bauwerke, die aus einer längst vergangenen Zeit stammten, als der Norden noch grün und fruchtbar gewesen war und nicht dunkel und düster. Damals waren die Türme der südlichste Punkt der Hafenstadt Miran gewesen und hier hatten sich die Zwerge des Nordens mit ihnen getroffen, um Handel zu treiben. Doch als der Norden in die Dunkelheit gestürzt war, wurden die Türme zu Wächtern über die Pforte des Andorian, um die Länder östlich der Brücke vor allen Gefahren zu warnen. Schon damals, in den glücklicheren Tagen, waren Isla und Aryamar die Wächter der alten Türme Iodala gewesen und seit jeher bewachten sie diesen Ort. Die Brise trug die Melodie ihrer Riedgrasflöten über das Land und das Gras bewegte sich im Klang der Melodie. Es war ein altes Lied, das die Elfen damals gespielt hatten, wenn Wanderer ihren Weg kreuzten. Doch heutzutage kamen nur noch selten Wanderer, um die Pforte zu durchqueren. Wenige aus dem Osten und noch viel weniger aus dem Norden. Die Berge in der Ferne zeichneten sich dunkel vom Himmel ab und tauchten das Land vor ihnen in Schatten.

Die Elfen trugen beide silberne Rüstungen, die hell wie die Strahlen Silmars leuchteten. Darüber lagen schneeweiße Umhänge und auf der Stirn trugen beide einen kirschgroßen Smaragd, das Zeichen der Aedalsanir. Den Schutz der Elfen über der Pforte des Andorians und seinem Fluss hatten schon manche versucht zu brechen, doch waren sie an ihren Wächtern zerschellt. Auch das Wasser stand unter dem Schutz der Elfen und war durch den Hafen Mirans mit Elfenmagie angereichert. Der Zauber brachte klares und reines Wasser ins Innenland. Orks und andere Scheusale hassten die geheiligten Wasser der Elfen, denn es bereitete ihnen Schmerzen, wenn sie es zu durchwaten suchten und trinken konnten sie es schon gar nicht.

Isla unterbrach seine Melodie und sprach zu Aryamar: „Heute hatte ich eine dunkle Vorahnung. Ich blickte hinter die Schleier der Zukunft und sah eine riesige Armee. Sie trugen pechschwarze Rüstungen und lange Speere. Der Boden vor ihnen wurde grau und starb. Sie waren wie eine mächtige Welle, die über das Land fegte und alles unter sich begrub. Über ihnen flog ein Schatten. Als ich ihn erblickte, überkam mich ein Schauer, als ob ich in die Schattenwelt blicken würde. Selbst seine eigenen Diener fürchteten ihn. Du weißt, von was ich rede.“

Aryamar nickte.

„Ich weiß. Glaubst du, deine Vision wird in näherer Zeit wahr werden?“

„Ich hoffe nicht, aber mein Herz sagt mir, dass bald etwas geschehen wird. Nichts wird mehr so sein, wie es war und vieles wird vergehen. Einst blühende Orte werden in Vergessenheit geraten, da niemand mehr leben wird, der sich erinnert.“

Beide spielten nachdenklich weiter. Eine heftige Windböe fegte über sie hinweg, und der Wind trug dunkle Vorzeichen mit sich. Der Wind war stechend kalt geworden wie der Tod. Ihre Melodie hatte an Tiefe verloren und hallte schrill und hohl über das Land, als ob ein dunkler Zauber die Anmut ihrer Melodie gestohlen hätte. Sie sahen sich an und nahmen ihre Bögen in die Hand und legten weißgefiederte Pfeile an. Sie blickten über die Brücke Richtung Westen. Es war zwar dunkel, doch konnten beide mit ihren scharfen Elfenaugen den Fluss Casdra sehen, der sich durch das Land wand wie flüssiger Opal. Der Schein des Mondes beschien den Fluss und ließ ihn hell leuchten und friedlich wirken. Sie blickten weiter und sahen die Feäolamar, die Nebelfelder. Eine undurchdringliche Wand aus Nebel, die in Zeiten der Schlacht der Zwerge entstanden war. Nichts konnte den Nebel durchdringen, weder ihre Elfenaugen noch ein Zauber. Der Nebel war Teil des Landes und von verworrener Magie durchdrungen.

Dahinter sahen sie die schwarzen Berge Balkorads. Die Gebirgskette war von Bosheit und Finsternis durchdrungen. Sie waren wie ein Schleier, der den Schatten aus Balkorad vor der Welt des Lichtes verhüllte.

Wieder wehte ein kalter Wind zu ihnen, doch dieses Mal hatte er an Heftigkeit zugenommen. Es war, als ob eiskalte Hände nach ihnen griffen und sie zum Verstummen bringen wollten.

Isla lief ein kalter Schauer über den Rücken und seine innere Stimme riet ihm, wegzulaufen, doch seine Pflicht hielt ihn fest. Die Königin und Miran vertrauten auf sie und sie durften keinen enttäuschen. Seit Jahrtausenden wachte das Volk der Elfen über die Pforte des Andorian, um die jüngeren Völker vor allem Unheil des Nordens zu schützen. Beide spähten sie zum Himmel.

Plötzlich hob sich vom Himmel ein dunkler Schatten ab, der auf sie zuflog. Es war wie eine große Wabe aus Finsternis, die alles Licht zu verschlingen schien. Selbst die Sterne erzitterten und verblassten, als ob sie es nicht wagten, diese Dunkelheit zu erhellen.

Beide hörten sie einen schrillen Schrei, der über das Land fegte und blanken Hass und Fäulnis verbreitete.

Isla packte die Angst. Der Schatten kam schneller als der Westwind auf sie zugeflogen! Er wusste, was der Schatten war. Die Dunkelheit hatte viele Gestalten, doch nur eine ließ selbst das Licht der Sterne verblassen.

Aryamar stieß einen Schrei: „Asgulac! Der Schatten aus Balkorad! Die Asgulac haben den Nebel überquert!“

Der Asgulac war über ihnen. Beide schossen sie ihre Pfeile ab, doch die Dunkelheit verschlang diese. Aryamar umgab sie mit seiner Magie und ein helles Licht hüllte die Elfen ein. Die Dunkelheit prallte an ihrer Magie ab und flog hoch in den Himmel. Außerhalb Aryamars Zauber überzog sich das Gras mit Eis und selbst der Fluss gefror. Isla hob seine Flöte an den Mund und spielte ein altes Kampflied. Seine Melodie drang aus seiner Flöte in goldenen Bahnen und wand sich um die Elfen und die Türme. Aryamar begann, ein Lied zu singen und die goldenen Lichter formten sich zu Strahlen aus Licht und griffen weit in den Himmel, um den Schatten zu vertreiben. Der Schatten wich den Strahlen aus und stürzte sich wie ein fallender Komet auf die Elfen. Isla verstärkte seine Melodie und das Licht verdichtete sich und mit einem schrillen Schrei trafen Licht und Schatten aufeinander. Grelle Funken stoben in den Himmel und steckten das eisige Gras in Brand, dann explodierten Licht und Finsternis und die Elfen wurden zu Boden geschleudert. Eine Druckwelle fegte über die Ebene und brachte Bäume und Felsen zum Bersten. Die Elfentürme hatten standgehalten, denn sie waren durchdrungen von mächtiger Magie.

Die Elfen sprangen mit gezogenen Schwertern auf und blickten sich um. Ein Teil der Brücke war rußgeschwärzt, aber es gab keinen großen Schaden, den sie nicht beheben konnten. Sie suchten den Himmel und die Ebene mit ihren Augen ab, doch der Schatten schien verschwunden zu sein.

Aryamar drehte sich langsam in Richtung der Brücke und flüsterte: „Vielleicht haben wir ihn vertrieben“, doch da quoll Dunkelheit unter der Brücke hervor und umschloss die Elfen. Eiseskälte umgab sie. Isla wollte einen Zauber wirken, doch da drang die Dunkelheit in sie ein und verschlang sie beide. Das ewige Licht in ihnen erlosch.

 

Elfenhafen

Nimodel stand hoch am Himmel und ließ Dawen, die weiße marmorne Elfenstadt an der Leon-Bucht, so hell strahlen wie die Nordsterne. Wie ein funkelnder Diamant an weißen Stränden. Lirah trat aus ihrem Haus und hinein in Dawens Straßen. Lirahs Leben zählte gerade einmal hundertsechzig Jahre. Sie gehörte damit zu einer jüngeren Elfengeneration.

Der Wind wehte durch die Straßen Dawens und ließ die Baumkronen der Bäume im Einklang schwenken. Die Luft roch salzig und man hörte das Rauschen des Meeres durch die Straßen wehen.

Im Zentrum Dawens, im Velo dere Crema, wollte Lirah sich mit ihrem besten Freund Lani treffen.

Lirah sah wie viele andere Elfen aus: Sie war von hohem Wuchs, hatte hellgoldenes Haar, die ihr auf die Schultern hingen, saphirblaue Augen, spitze Ohren, hohe Wangenknochen. Sie war wunderschön wie die Abendröte, aber das war bei ihrem Volk nicht selten. Die Haut der Elfen verteilte einen leichten Schimmer, da die Elfen aus allen Stoffen der Welt entstanden waren, dazu gehörte auch das Licht.

Als Lirah das Velo dere Crema erreichte, sah sie Lani am Fuße des großen Baumes in der Mitte des Platzes sitzen. Es war ein Aedal-Baum, ein uralter Elfenbaum. Sein breiter Stamm hatte die Farbe von sattem Gold und seine silbernen Blätter leuchteten so intensiv, dass selbst Silmar nicht hätte heller leuchten konnte. Der uralte Baum von dreißig Metern Höhe, dessen Krone aber hunderte Meter über den Platz ragte, stand schon seit den Anfängen Dawens im Zentrum der Stadt. Er war das Herz Dawens und der Elfen. Das Licht Nimodels strahlte durch seine Blätter und wurde durch sie in Silberlicht verwandelt. Das Silberlicht leuchtete in alle Ecken des Platzes und ließ alles strahlen und die Welt unwirklich erscheinen. Flüssiges Licht tropfte von seinen Blättern und verschmolz mit dem Stein des Bodens. Das flüssige Licht wurde vom Wind weitergetragen und schwebte durch Dawen. Es ließ zur Mittagstunde, wenn Nimodel genau über Dawen stand, die ganze Stadt in einem silbernen Glanz erstrahlen.

Der Platz wurde von hohen Bäumen eingeschlossen und gab einem das Gefühl, in den Tiefen der Elfenwälder zu sein.

---ENDE DER LESEPROBE---