Die Wiedergeburt der Schöpfer - Audrey Morgan - E-Book

Die Wiedergeburt der Schöpfer E-Book

Audrey Morgan

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Beschreibung

Die Heere Velorias durchqueren unter hohen Verlusten die Feäolamar-Felder, in deren verworrenen Zaubern allerhand Sinnestäuschungen und dunkle Geister auf die Krieger warten. Lirah muss sich ihrem größten Verlust stellen, dem Tod ihrer Eltern und zerbricht beinahe an Schmerz und Schuldgefühl. Schließlich erreichen die Streitkräfte Dol Cala, die Trutzburg der Asgulacs, die ihnen den Weg zum Herrscher der Schatten versperrt. Bevor sie sich ihm stellen können, müssen sie das Tor nach Balkorad überwinden. Lirah gelingt es, das Tor zu öffnen. Auf der anderen Seite warten die Scheusale, Untoten und Monster im Schatten ihres Herrschers.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Über dieses Buch

Über die Autorin

Impressum

Elfenherrscher

Feäolamar

Dol Cala

Illurien

Geschwister

Vögel aus Licht

Der Weg ist versperrt

Dunkle Diener

Die Quelle

Die lebenden Toten

Schattenland

Die dunkle Festung

Dunkle Mächte

Steinerner Schatten

Schattenherrscher

Dunkle Hallen

Weißer Sturm

Verschmelzung

Leiser Tod

Feuer und Schatten

Schleichender Tod

Geschuppte Schatten

Herrscher der Schatten

Kastria

Ein Funken Hoffnung

Die Macht der Elemente

Wiedergeburt

Weitere Titel von Audrey Morgan

 

Audrey Morgan

HERRSCHER

DER

SCHATTEN

Die Wiedergeburt der Schöpfer

 

Über dieses Buch

Die Heere Velorias durchqueren unter hohen Verlusten die Feäolamar-Felder, in deren verworrenen Zaubern allerhand Sinnestäuschungen und dunkle Geister auf die Krieger warten. Lirah muss sich ihrem größten Verlust stellen, dem Tod ihrer Eltern und zerbricht beinahe an Schmerz und Schuldgefühl. Schließlich erreichen die Streitkräfte Dol Cala, die Trutzburg der Asgulacs, die ihnen den Weg zum Herrscher der Schatten versperrt. Bevor sie sich ihm stellen können, müssen sie das Tor nach Balkorad überwinden. Lirah gelingt es, das Tor zu öffnen. Auf der anderen Seite warten die Scheusale, Untoten und Monster im Schatten ihres Herrschers.

 

Über die Autorin

Audrey Morgan, 1993 als einziges Kind eines Deutschen und eines Walisers geboren, lebt auf der sagenumwobenen Insel Anglesey. Schon früh hat sie es sich mit Büchern über die Legenden ihrer Heimat bequem gemacht. Zunächst hat Audrey sich malend und zeichnend künstlerisch betätigt. Bis ihr eines Nachts die Elfe Lirah im Traum erschien und Audrey ihre Geschichte erzählte. Am nächsten Morgen stand Audrey auf und begann zu schreiben.

 

Impressum

Originalausgabe

Copyright © 2022 by Audrey Morgan

Lektorat: Texterei Andreas Zinßer, Hochdorf

Covergestaltung: Texterei Andreas Zinßer, Hochdorf

unter Verwendung eines Bildes von Warm_Tail/Shutterstock.com

E-Book-Erstellung: Texterei Andreas Zinßer, Hochdorf

Audrey Morgan

c/o Fakriro GbR / Impressumsservice

Bodenfeldstr. 9

91438 Bad Windsheim

ISBN 978-3-9824894-5-2

www.magischewelten.com

 

Elfenherrscher

Unsere Herrscher wurden anders gewählt als die der anderen Völker. Bei den Gethlungs wurde die Thronfolge an die nächste Generation derselben Familie vererbt. Die Rentwas erwählten einen aus den herrschenden Klans und bei den Shrigs herrschte der Stärkste. Wir hingegen wählten diejenigen als unsere Herrscher aus, die am besten dafür geeignet waren, unser Volk zu führen. So konnte eine Aedal aus der ältesten Familien Königin werden genauso wie ein junger Aedal aus den einfachsten Verhältnissen. Die Zeit ihrer Herrschaft war so lange, wie unser Volk sie regieren ließ. Wenn es jemanden gab, der geeigneter war zu herrschen, wurde die Krone weitergegeben. In all den Millennien, in denen wir schon existieren, gab es nie einen Herrscher oder eine Herrscherin, der seine Macht missbraucht und diese nicht abgegeben hätte, als es an der Zeit dafür war.

Pergament aus der Großen Bibliothek von Saneria mit dem Siegel des Hüters des Wissens

 

Feäolamar

Lirah stand zusammen mit Lani auf einem Hügel und blickte auf die Feäolamar-Felder. Sie war vor wenigen Minuten erst eingetroffen und hatte zusammen mit den anderen Gesandten den Herrschern Bericht erstattet und die Botschaften aus Silithrim überreicht.

Lirahs Blick konnte den dichten Nebel nicht durchdringen. Die Feäolamar-Felder erstreckten sich bis zum Horizont. Nichts erhob sich aus dem Nebel, kein Baum, kein Felsen. Nichts.

„Der Nebel ist undurchdringlich. Ich glaube nicht, dass wir ihn ohne Schaden durchqueren können“, überlegte Lirah.

Undol, die mit einigen Gesandten und Herrschern zu ihnen getreten war, nickte gen Westen: „Wir müssen ihn aber durchqueren. Wenn wir ihn umgehen würden, müssten wir mehrere hundert Meilen gen Norden. Dies kostet uns zu viel Zeit. Nur wenn wir ihn durchqueren, gelangen wir schnell nach Dol Cala. Wir werden vorsichtig im Nebel sein müssen, aber so werden uns die Feinde nicht allzu schnell entdecken. Denn der Nebel wird von jedem gemieden, sogar von den Shrigs.“

„Ich weiß nicht, ob mich das beruhigt, wenn selbst Orks diesen Nebel meiden“, meinte Nurmen.

Dislof sprach: „Wir müssen vorsichtig sein. Die Feäolamar-Felder bieten die perfekte Gelegenheit, uns in einen Hinterhalt zu führen. Wie sollen wir uns dort drinnen schützen?“

„Heißt es nicht, dass die Seelen der Gefallenen im Nebel wandeln und jene, die sich in den Nebel wagen, für immer ziellos umherwandern“, wandte sich Triema an die Anwesenden.

Dislof meinte: „Herrenlose Seelen! Aberglaube, nichts weiter.“

Doch Asul widersprach: „Manch Seele von einst wandelt noch immer ziellos im Nebel. Keiner weiß genau, was uns darin erwartet. Aber solltet nicht Ihr, Dislof und die anderen Zwerge, am besten wissen, was uns erwartet?“

Triema fragte verblüfft: „Wieso die Zwerge?“ Damit wandte er sich an den Herrscher Erlithas.

Dislof sprach: „Ihr wisst, dass Dol Cala einst eine Zwergenstadt war, bevor sie dem Feind in die Hände fiel. Doch als die Orks und andere Scheusale gegen sie zogen, wirkten die Zwergenmagier von einst einen gewaltigen Zauber. Sie wussten, allein konnten sie nicht siegen. Auch ihre Mauern hätten sie nicht vor der Flut an Feinden retten können und in ihrer Verzweiflung erschufen sie den Nebel, um die Feinde zu verwirren und zu vernichten. Die Orks betraten den Nebel und als sie ihn nach mehreren Tagen durchquert hatten, waren nur noch wenige hundert übrig. Sie hatten im Nebel über die Hälfte ihrer Armee verloren. Gleichzeitig verliehen die Zwergenmagier ihrem Volk die Gabe, sich sicher im Nebel zu bewegen und so konnten sie die Orks im Nebel spalten und vernichten. Doch schließlich hat es ihnen nur einen Aufschub gewährt und am Ende fielen sie alle. Die Zwergenmagier waren tot und so konnte keiner mehr den Zauber rückgängig machen. Mit den Magiern sind auch alle Zwerge gestorben, die durch den Zauber gefeit vor dem Nebel waren. Die Asgulac ließen den Nebel weiter bestehen und nutzten ihn nun, um ihre Festung zu sichern. Obwohl es Zwerge waren, die den Nebel erschufen, kann ich nicht sagen, mit was für schrecklichen Dingen sie ihn belebt haben. Im nahenden Ende verfallen viele dem Wahnsinn und erschaffen schreckliches.“

„Aber ansonsten eine wunderbare Verteidigung“, warf Unthar ein. Lirah konnte den Herrscher einfach nicht leiden. Sobald er sprach, erwartete man, dass er Zwietracht unter die Monarchen säte.

„Was gibt es Besseres, als eine Verteidigung, die einem selbst keinen Schaden zufügt, aber alle anderen vernichtet. Vielleicht benötige auch ich so etwas?“

„Und was, wenn Ihr besiegt werdet und das gleiche wie hier geschieht?“, fragte Triema den König.

Unthar sah ihn irritiert an: „Wenn ich besiegt werde und mein Reich fällt, dann kann es gerne zu einem Ort werden, an dem niemand mehr leben kann. Was bringt ein blühendes Reich, wenn ich tot bin?“ Bei seinen letzten Worten huschte ein böses Lächeln über sein Gesicht. An dieser Aussage zeigte sich wieder einmal, was für ein Herrscher er war. Sein Wohl und seine Wünsche lagen über denen seines Volkes. Wie so jemand König bleiben konnte, blieb Lirah unbegreiflich. Die Anwesenden blickten gedankenverloren den Feäolamar-Feldern entgegen. Nein, es würde nicht einfach werden, sie zu durchqueren. Nurmen fragte: „Können wir den Zauber, der den Nebel bindet, nicht lösen?“ Tharantala schüttelte den Kopf: „Bisweilen mussten wir ihn durchqueren und dabei haben wir eins gelernt: Der Nebel lässt sich nicht auf Dauer vertreiben. Man kann ihn lichten, doch es ist, als ob man einen reißenden Strom aufhalten will. Irgendwann wird der Druck so stark, dass man nachgeben muss und der Nebel verdichtet sich wieder. Seit Jahrhunderten existieren die Feäolamar-Felder nun, der Zauber ist Teil des Landes geworden. Er ist tief in die Erde eingesunken und erfüllt ebenso die Luft. Einige meiner Krieger, die Feäolamarsanir, die den Nebel bereits durchquert haben, werden uns bei den Feldern erwarten. Sie werden die Krieger leiten. Sie werden einen Zauber wirken, der den Nebel für eine gewisse Zeit teilen wird. Die Magier unserer Heere werden den Zauber aufnehmen, ihn verstärken und weiterleiten. So werden wir einen Kokon schützender Magie weben.“

„Und so werden wir keinen unserer Krieger verlieren“, nickte ihm Nurmen zu.

Doch Tharantala widersprach: „Meine Krieger werden die anderen leiten können. Doch für die gesamte Armee von Aedal, Zwergen und Menschen wird es nicht lange reichen. Es gibt nur wenige, selbst unter meinem Volk, die die Feäolamar-Felder durchquert haben und noch weniger sind zurückgekehrt. Wir können den Verlust mäßigen, doch Verluste werden wir gewiss erleiden. Es sind keine Bestien dort zu finden. Aber die Luft ist erfüllt von Schatten und Sinnestäuschungen. Vertraut euren Augen nicht im Nebel, denn sie werden euch Dinge zeigen, die nicht existieren.“

Die Stimmung war gedämpft. Alle wussten, dass sie das Wagnis eingehen mussten, doch die Feäolamar-Felder waren einer der tückischsten Orte der bekannten Welt.

Die Krieger sammelten sich vor den Ausläufern der Nebelfelder. Die Pferde wurden in eine Trance versetzt, selbst die Elfenrösser, denn keines der Tiere würde je freiwillig den Nebel betreten. Die Pferde schritten voran, aber es war eher mit Schlafwandeln zu vergleichen. Lirah stand mit Elian und Undol vor den Kriegern des Schattenwaldes. Magier hatten sich an den Rändern der Heere verteilt und würden versuchen, dem Nebel so lange wie möglich zu widerstehen. Feuchtigkeit setzte sich auf den Rüstungen ab und ein klammes Gefühl verbreitete sich unter den Truppen. Helle Schemen schälten sich aus dem Nebel und aus dem sich immer bewegenden Weiß traten vereinzelt Elfen. Die Elfen trugen graue Rüstungen, die mit weißen Tüchern umwickelt waren. Alle hatten sie silberne Haare und sahen wie Nebelwesen aus einer anderen Welt aus.

Die Elfen Silithrims nickten den Kriegern zu und traten in den Nebel. Voller Unbehagen setzte sich Lirah in Bewegung. Sie und Undol traten links und rechts der Königin und nahmen ihre Position vor den Kriegern ein. Elian, Undol und Lirah bildeten die Spitze der Elfenmagier. Die Leibwache Elians und die stärksten Elfenmagier bildeten die Eckpfeiler des Zaubers und hatten sich um die gesamte Armee verteilt. Ein Elf in goldener Rüstung befand sich im Herzen der Heere und würde den Zauber wie eine Kuppel von der Mitte aus stützen. Dazwischen kamen die restlichen Zwergen- und Menschenmagier, die die Verbindungen aufrechterhalten sollten. Die anderen Magier ihres Volkes traten aus den Reihen der Krieger und verteilten sich. Langsam rückten die Kämpfer gen Nebel und Reihe um Reihe wurde vom undurchsichtigen Weiß verschlungen.

Als Lirah die Nebelwand durchschritt, sah sie einen Moment nichts als Weiß. Nur langsam, wie nachts, gewöhnten sich ihre Augen an das sich stets veränderte Weiß. Der Nebel teilte sich vor ihr und zwischen ihr und der Königin tauchte ein Feäolamarsanir auf. Lirah spürte, wie er einen Zauber wob, der den Nebel vor ihm teilte. Lirah nahm den Zauber auf und wob ihn weiter. Breitete das schützende Netz vor sich aus und spielte den Zauber dem nächsten Magier neben sich zu. So woben die Magier einen gewaltigen Zauber, der ihre Armee vor dem Nebel schütze.

Stetig strömte Energie aus Lirah, aber noch spürte sie kaum den Kraftverlust und sie blickte sich um. Der Nebel dämpfte jedes Geräusch. Außer den Schritten und leisen Gesprächen der Krieger hörte sie nichts. Die Erde war weich und dämpfte ihre Schritte noch zusätzlich. Keine Pflanzen gediehen im Nebel, Lirah spürte keine Lebewesen. Sie blickte über die Schulter. Die Elfen schritten eng Seite an Seite. Es galt, so wenig Platz wie möglich frei zu lassen. Denn je weiter sie den Zauber ausdehnen mussten, umso mehr Energie verbrauchte er. Jeder Elf, seien seine magischen Fähigkeiten noch so gering, leitete etwas von seiner Energie an die Magier und so wohnte dem Zauber die gesamte Kraft der Elfenarmee inne. Bei den Menschen und Zwergen waren es nur wenige außer ihren Magiern, die das schafften.

Dumpfen Schrittes marschierten sie weiter. Lirah hatte längst die Orientierung verloren. Nichts gab einen Anhaltspunkt über die Himmelsrichtungen. Über ihr, links, rechts und vorne nur Nebel. Selbst der Boden war verborgen und Lirah fühlte sich, als ob sie hoch oben in den Wolken wandeln würde. Nur innerhalb des Zaubers erkannte sie ihre Umgebung. Sie mussten schon seit Stunden den Nebel durchqueren und noch immer war kein Ende in Sicht. Lirah wandte einen Blick nach rechts. Warum die Feäolamarsanir sich auch noch in den Farben des Nebels kleideten, war ihr schleierhaft. Wäre es nicht besser, leuchtende Farben zu tragen, damit man sich leichter wiederfand?

Als ob er ihre Gedanken vernommen hätte, wandte sich der Elf vor ihr um.

Der Nebel duldet niemanden in sich. Wir passen uns ihm so gut wie möglich an und so überlebten wir. Wenn wir nicht hier wären, wären eure Heere schon längst im Begriff sich aufzulösen.

Lirah erschrak, als sie die Worte des Elfen in ihren Gedanken vernahm. Sie hatte ihren Geist verschlossen und die Rüstung verstärkte diesen Schutz. Der Elf hätte nicht so einfach in ihre Gedanken sehen sollen!

Mäßigt euer Herz. Wenn ihr hier überleben wollt, dann müsst ihr wie der Nebel sein. Eure Gedanken müssen ebenso weich und sanft fließen wie der Nebel. Eure Gefühle müssen eine leichte Brise sein. Der Nebel durchdringt alles. Jeden Schutz. Wir halten nur das offensichtliche von den Kriegern fern, doch der Zauber wirkt bereits unter ihnen.

Die Elfen sahen den Feäolamarsanir verunsichert an. Lirah fragte sich, ob nicht nur sie ihn gehört hatte. Eine der Elfen nickte ihr zu und plötzlich hörte sie deren Stimme in ihrem Geist.

Wir alle hören ihn. Jeder hört die Gedanken des anderen.

Jetzt, als Lirah die Krieger genauer betrachtete, verstand sie. Die Stimmen der Krieger stammten nicht von leisen Gesprächen. Es waren ihre Gedanken, die Lirah hörte. Keiner der Krieger bewegte den Mund und doch hörte Lirah ihre Stimmen. Die Gedanken der Krieger wurden lauter und ein Stimmengewirr entstand, das an Stärke weiter zunahm. Gleichzeitig spürte Lirah, wie der Zauber immer mehr Energie forderte. Als ob er auf die veränderte Stimmung der Elfen reagierte.

Ihr habt Recht.

Wieder waren es die Gedanken des Feäolamarsanir.

Je mehr sich die Krieger fürchten, desto stärker wird der Nebel.

Lirahs Herz schlug schneller, als sich der Nebel vor ihr zu verändern schien. Dunkle Schemen tauchten vor ihr auf. Rauschen wie Flügelschläge hallte über sie hinweg. Doch wenn Lirah die Schemen erreichte, verschwanden sie und lösten sich in Rauch auf. Lirah spürte Panik in sich aufkommen. Überall war Bewegung, sie drehte den Kopf immer hektischer umher, um nichts aus den Augen zu lassen. Eine Hand aus grauem Nebel griff nach ihr. Lirah hob die Hand, um einen Zauber zu wirken, doch die Nebelhand schlug auf den Boden und verschwand. Lirah versuchte sich zu beruhigen. Es waren nur ihre Sinne, die ihr einen Streich spielten. Dann ertönte ein Schrei aus dem Nebel. Wieder Schemen, doch nun nahmen sie Gestalt an. Aus dem Nebel schälten sich Orks. Lirah zog ihre Schwerter, doch eine Windböe und die Orks lösten sich auf. Dann wieder ein Schrei und das Brüllen von Orks hallte gedämpft durch den Nebel. Wieder Orks, die im Nebel erschienen. Pfeile zischten an Lirah vorbei, doch schon war nur noch Nebel vor ihr. Die Krieger hinter ihr hatten die Bögen erhoben und warteten. Trotz alldem lief der Feäolamarsanir einfach weiter. Die Krieger folgten ihm zwar, aber nur, um weiter im Kreis der schützenden Magie zu schreiten. Immer mehr Schreie und Ork-Rufe hallten durch den Nebel. Und dann trat der Nebel durch den Zauber. Lirah sah, wie ihre Füße im Nebel verschwanden und dann sah sie nichts mehr. Die Krieger, die hinter ihr gingen, verschwanden im weißen Dunst. Doch noch immer entzog der Zauber ihr Kraft, aber wieso hielt er dann nicht mehr den Nebel ab? Nun waren die Schreie überall. Ein Schatten tauchte neben ihr auf und Lirah stach zu, doch ihr Hieb traf nur Nebel. Schritte näherten sich ihr, doch Lirah sah niemanden. Sie war kurz davor, einfach loszurennen.

Dann bebte die Erde und ein riesiger schlangenhafter Schemen trat aus der Erde. Vier graugrüne Augen starrten auf sie hinab. Die Bestie fauchte und ein dunkler Schweif schlug nach ihr. Lirah sprang mit einem Schrei zur Seite und rollte sich ab. Sie kam wieder auf die Füße und drehte sich um. Lirah schleuderte einen Vernichtungszauber gegen die Bestie. Der Nebel verschlang den Zauber und die Bestie stürzte sich auf sie. Lirah versuchte auszuweichen, doch das Maul der Bestie schloss sich um sie und löste sich in Rauch auf. Die junge Elfe kauerte zitternd am Boden. Ihre Finger krallten sich um ihre Schwerter. Wieder Schritte hinter ihr. Lirah wandte sich mit einem spitzen Schrei um und schlug zu. Doch vor ihr war keine Bestie. Ihr Schwert durchbohrte die Brust ihrer Mutter. Lirah taumelte einen Schritt zurück. Ihr Mutter sah sie enttäuscht an: „Du hast mich sterben lassen.“

Lirah liefen Tränen die Wange hinunter: „Ich wollte zu euch...“

Ihre Mutter trat einen Schritt auf sie zu und packte sie an der Schulter. Ihr Augen sahen sie verächtlich an: „Mich und deinen Vater hast du zurückgelassen!“ Obwohl Lirah die Rüstung trug, spürte sie die kalte Hand ihrer Mutter.

„Verzeih mir, ich weiß es, ist meine Schuld!“

Lirah sackte zusammen und fiel auf die Knie.

Ihre Mutter blickte zu ihr hinunter und antwortete mit tonloser Stimme: „Meiner Mörderin werde ich nie vergeben.“

Lirah war, als ob ihr jemand ein Schwert in die Brust gerammt hätte. Sie schrie aus voller Verzweiflung. Sie bekam keine Luft mehr und fiel nach hinten. Aus verweinten Augen sah sie ihre Mutter an und flüsterte: „Verzeih mir ...“

Die Gestalt ihrer Mutter löste sich im Nebel auf und das letzte, was sie sagte, war: „Nie.“

Lirah lag am Boden. Sie fühlte sich wie tot. Es stimmte. Sie hatte ihre Eltern sterben lassen. Eine Hand legte sich auf ihre Schulter und sie blickte auf. Lani stand über ihr. Auch er hatte schreckensweite Augen, doch noch erlag er der Furcht nicht.

„Lirah, komm.“

Er half ihr auf und nahm sie in den Arm.

„Es ist meine Schuld. Ich habe meine Eltern sterben lassen. Wäre ich nur mit ihnen gestorben“, schluchzte sie an Lanis Schulter.

„Nein, Lirah, es ist nicht deine Schuld. Was geschehen ist, ist schrecklich, aber es ist nicht wegen dir geschehen. Der Nebel zeigt dir nur deine dunkelsten Ängste. Du darfst diesen nicht erliegen. Unser Volk braucht dich!“

Sie spürte, wie Lani ihren Geist berührte und er ihre Erinnerung an das Band aus ihrem Gedächtnis holte. Lirah hatte sie ihm gezeigt und auch Lani hatte ein Frieden erfüllt, allein bei der Betrachtung ihrer Erinnerungen. Der unverfälschte Frieden, den Lirah damals wahrgenommen hatte, bahnte sich durch ihre dunklen Gedanken und erfüllte sie mit Ruhe und Frieden. Sie spürte, wie ihr klammes Herz langsam wieder kräftiger schlug und der Schatten von ihr wich. Sie löste sich aus der Umarmung und wischte sich die Tränen weg.

„Wird es gehen?“, fragte Lani sorgenvoll.

Lirah nickte.

Doch nicht nur Lirah war dem Zauber anheimgefallen. Sie sah schattenhafte Gestalten an sich vorbeilaufen und es waren Elfen, Zwerge wie Menschen die ihre schlimmsten Ängste erlebten. Die beiden versuchten, den Schutzzauber zu verstärken, der nur noch in einer dünnen Schicht über dem Heer lag und immer mehr Löcher aufwies. Der Nebel wich wieder von ihnen und zeigte ein schreckliches Bild. Dutzende Krieger lagen tot am Boden. Ihre Augen schreckensweit, der Schrecken war zu viel für sie gewesen und ihre Herzen hatten versagt. Sie spürte, wie der Zauber von den Elfen erneut aufgenommen wurde und der Nebel wich weiter. Einzig das Heer der Elfen hielt noch halbwegs seine Formation. Die Heere der Zwerge und Menschen waren dabei, auseinander zu fließen. Dann erstrahlte ein Licht zu ihrer Rechten und dieses Licht wallte in Wellen über die Krieger. Das Licht war wie ein Rettungsring, an dem sich ein Ertrinkender festklammerte. Von dem Licht gingen Wärme und Frieden aus. Langsam wandten sich die Krieger dem Licht zu und begannen ihm zu folgen. Lirah spürte die starke Magie Liuen Sylangras und Undol verband den schützenden Kokon mit dem Licht und Lirah tat es ihr gleich. Die Lichtwellen trieben den Nebel weiter auseinander, doch nun spürten sie, wie er immer stärker gegen die Eindringlinge aufbegehrte. Am Rand des Zaubers, wo die Lichtwellen erloschen, wallte der Nebel wie kochendes Wasser. Er wurde dunkler und rote Blitze zuckten durch ihn.

Die Krieger rückten wieder enger zusammen und sahen voller Furcht den tobenden Nebel hinter sich. Lirah spürte, wie der Zauber immer aggressiver wurde. Immer wieder waren Soldaten doch zu langsam und wurden vom Nebel verschlungen. Aber nun drang der Nebel durch Augen, Ohren und Mund und ließ sie wenige Augenblicke später tot umfallen. Es wurde immer schwerer, gegen den Zauber anzukämpfen. Mühsam setzte Lirah einen Schritt nach dem anderen. Es war, als ob sie versuchte, ein tonnenschweres Tor aufzuschieben. Das Gewicht des Zaubers lastete schwer auf ihren Schultern und dann war es vorbei. Sie durchstieß den Nebel und war außerhalb seiner Schatten. Sie setzte ihre Schritte fest auf den Boden und lief immer weiter, ohne zurück zu blicken. Sie spürte die Dunkelheit des Zaubers hinter sich und sie wollte so viel Abstand zwischen sich und ihn bringen wie nur möglich. Irgendwann hielt Lani sie am Arm fest und Lirah blieb nur widerwillig stehen.

„Lirah, wir sind sicher.“

Sie sah zögerlich nach hinten. Sie hatte zwischen sich und den Nebel beinahe hundert Meter Abstand gebracht, doch noch konnte sie den Zauber nicht lösen. Die Krieger fielen beinahe aus dem Nebel heraus und jedem war die Erleichterung anzusehen.

Sie blickte zur Seite und sah die Feäolamarsanir. Sie standen zusammen und verbreiteten das helle Licht, das die Krieger gerettet hatte. Es dauerte lange, bis alle Krieger aus dem Nebel getreten waren und solange mussten die Magier den Zauber aufrecht halten, damit der Nebel nicht die gesamte Armee verschlang. Zwischenzeitlich war das Elfenheer aus Silithrim eingetroffen und hatte dabei geholfen, die restlichen Krieger sicher aus dem Nebel zu führen. Als schließlich alle den Nebel verlassen hatten, mussten die Krieger erst rasten, denn alle waren durch den Nebel gezeichnet. Jeder besaß den gleichen Schrecken in den Augen, der sie alle hatte Höllenqualen erleben lassen. Die wenigsten Verluste hatten die Elfen erlitten, dann die Zwerge und am schlimmsten hatte es die Menschen getroffen. Ganze Bataillone waren dem Nebel zum Opfer gefallen, die Reiter Noeas waren beinahe um die Hälfte dezimiert worden. Die Axtschwinger aus Bruchfels waren fast vollständig ausgelöscht worden und doch hatten sie noch Glück gehabt, denn ohne die Feäolamarsanir wäre niemand lebend aus dem Nebel getreten.

Es wurde hier oben im Norden nie richtig hell. Dunkle Wolken bedeckten den Himmel und ein kalter Wind blies über das Land. Sie entfachten große Feuer, an denen sich die Soldaten wärmen konnten. Allein das Licht half ihnen, die dunklen Gedanken zu schwächen. Doch das Feuer vermochte nicht die innere Kälte zu vertreiben, die jedem in den Knochen lag. Die Krieger saßen stumm am Feuer. Vereinzelt hörte man Gespräche, doch es war so still im Lager wie noch nie. Kein Rattern der Fuhrwerke, keine wiehernden Pferde, die sich ebenfalls in der Nähe des Nebels fürchteten, kein Waffengeklirre und sonst keine Geräusche einer lagernden Armee.

Auch Lirah saß zusammen mit Lani an einem Lagerfeuer, schweigend. Glan und Undol hatten sich zu ihnen gesellt. Auch Undol hing ihren eigenen Gedanken nach und Glan, der sonst so laute Zwerg schwieg wie alle. Ab und zu versuchte einer von ihnen, die Stille zu durchbrechen, doch kamen nur einsilbige Antworten und so schwiegen sie wieder. Ihr nächstes Ziel hob nicht gerade die Stimmung der Krieger. Dol Cala, eine Hochburg der Finsternis, mussten sie als nächstes einnehmen. Die Festung war nur noch zwei Tagesmärsche entfernt. Es war nicht gut, dass die Armee hier auf offener Fläche rastete und ihren Feinden Zeit gaben, sich auf sie vorzubereiten. Aber die Heerführer hatten eingesehen, dass sie die Soldaten nicht gleich zum weitermarschieren bekommen würden, ihre Kämpfer mussten sich zuerst erholen. Und insgeheim waren die Heerführer froh über die Rast, denn auch sie waren nicht gefeit gewesen vor den Schrecken des Nebels.

 

Dol Cala

Dunkel ragte Dol Cala vor ihnen auf. Die Feste war aus dem schwarzen Felsen des Berges herausgehauen worden. Seine Türme bohrten sich in den dunklen Himmel, durch den niemals Sonnenstrahlen drangen. Die vielen Türme erinnerten an die Zähne einer Bestie, die alles verschlangen. Unzählige scharfe Zinnen ragten empor und ein riesiges Tor war der einzige Zugang zur Stadt. Weißgraues Licht umgab die Stadt wie ein Totenlicht. Aus tausenden Fenstern drang gelbliches Licht, als ob die Feste sie beobachten würde. Der Boden vor den Mauern war verdorrt und selbst die Luft war von Boshaftigkeit durchdrungen.

Die Armeen Velorias nahmen außerhalb der Katapulte von Dol Cala Aufstellung. Die ersten Reihen bestanden aus Elfenbogenschützen. Danach kamen Elfenkrieger des Schattenwaldes und Milithrams. An ihrer linken Seite waren die Schwert- und Speerträger der Menschen verteilt und an der rechten Seite die Axt- und Speerträger der Zwerge. In der Mitte der Elfenkrieger warteten die Rammböcke der Zwerge. Sie sollten die Tore Dol Calas zerschmettern. Anschließend standen weitere Elfen- und Menschenbogenschützen und die Axtschleuderer der Zwerge. Sie sollten die Orks von den Mauern schießen und so den Kriegern vor ihnen erleichtern, zum Tor vordringen. Dann kam das Hauptheer der Zwerge. Auf ihrer linken Seite stand das Elfenhauptheer und auf der rechten Seite wartete das Menschenheer. Die Reiter Aeons und Noeas waren an den Flanken verteilt, um den Fußsoldaten im Notfall zur Hilfe zu eilen. Die Katapulte der Zwerge lauerten am Rand verteilt und würden die Stadt mit brennenden Steinen beschießen.

Undol führte einen Elite-Trupp der mächtigsten Magier an. Lirah und Lani standen zusammen im Hauptheer der Elfen. Lirah sollte das Elfenheer mit der Macht Liuen Sylangras verstärken. Die Aufgabe der vorderen Elfenbataillone bestand darin, die Mauern zu erklimmen und die Feinde von ihr zu vertreiben. Die Zwerge und Menschen würden zusammen das Tor angreifen und mit Belagerungsleitern die Mauer besetzen. Das Hauptheer der Menschen würde dann die rechte Seite der Mauer angreifen, die Zwerge das Haupttor und das Elfenheer die linke Mauer. Wenn alles gut ging, würden sie Dol Cala schnell einnehmen, hatte Welorn vermutet. Doch alle wussten, dass die Festung alles andere als leicht einzunehmen war. In jeder Schlacht gegen die Armeen des Schattenherrschers hatte er irgendwelche Teufeleien ausgeheckt.

Allein schon die Asgulacs wogen tausende Krieger auf und mit ihnen konnte man in dieser Schlacht gewiss rechnen, denn Dol Cala war die Trutzburg der Asgulacs. Die Stadt der Dämonen. Vor allem die Elfen spürten die dunkle Macht, denn sie waren das Gegenstück zu den Asgulacs. Die Asgulacs waren Wesen der Finsternis und die Elfen waren Wesen des Lichts.

Die Elfen brauchten keine Leitern, um die Mauer zu erklimmen. Es gab einen Zauber, den nur die Elfen beherrschten. Dieser Zauber ermöglichte ihnen, an Felswänden hinaufzuklettern wie Spinnen, seien sie auch noch so steil. Der Zauber verstärkte die Anziehungskraft auf die beliebige Wand und minderte gleichzeitig die Anziehungskraft der Erde. Solche elfischen Zauber würden Menschen und Zwerge töten, da sie den enormen Kraftverlust nicht überstehen würden. Aber die Elfen waren so in der Lage, jede Festung zu erstürmen.

Lirahs Herz raste. Sie war noch nie bei einer Belagerung einer Burg dabei gewesen. Das Wissen, dass in dieser dunklen Festung die Asgulacs lebten, machte es nicht gerade einfacher. Undols Gedanken hallten in ihren wieder.

Du musst immer einen kühlen Kopf bewahren! In den anderen Schlachten hast du es bewiesen, doch es ist etwas anderes, wenn die Verteidiger zu den Angreifern werden. Wenn sich die eigenen Truppen an einer Mauer zu Tode stürmen.

Lirah dankte ihr und umfasste stärker ihren Bogen. Sobald sie in Bogenschussweite der Festung waren, sollten sie so viele Pfeile wie nur möglich in die Luft bringen, bevor sie die Mauer erklimmen würden.

Es würde nicht mehr lange dauern, bis sie angreifen würden. Auf den Mauern Dol Calas sah man aber keinen einzigen Ork. Selbst die unzähligen Katapulte waren nicht besetzt. Es schien, als ob die Stadt verlassen wäre, gleich einer Totenstadt. Laut den Zwergenplänen der Stadt besaß Dol Cala eine äußere Mauer, von der unzählige Brücken zur zweiten Mauer führten. Zwischen der ersten und der zweiten Mauer lag ein tiefer Wassergraben. Die Brücken konnten ziemlich leicht zum Einsturz gebracht werden und so den Angriff beenden, denn die Brücken waren die einzige Möglichkeit, auf die zweite Mauer und in die Stadt selbst zu gelangen. So war einst die Zwergenstadt aufgebaut gewesen und wenn die Orks sie nicht verändert hatten, war es noch so.

Dann erklang das Hornsignal. Die Heere der freien Völker setzten sich in Bewegung.

---ENDE DER LESEPROBE---