Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 521 - Rita Hellmann - E-Book

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 521 E-Book

Rita Hellmann

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Stella Wagner, die am heutigen Tage Gräfin Freiberg wird, steht in ihrem kostbaren Hochzeitskleid vor dem Spiegel ihres Ankleidezimmers auf Gut Freiberg und betrachtet sich mit sinnenden Augen.
Hübsch sieht sie aus, bezaubernd schön! Das blonde Haar wird gekrönt von einem kleinen Diadem, der Schleier umrahmt das zarte Gesicht mit den dunklen Augen und lässt es besonders rührend und hilflos erscheinen.
Heute ist ihr Hochzeitstag, sie müsste also die glücklichste Frau auf Erden sein. Sie ist es aber nicht! Stella fröstelt, wenn sie an ihre Zukunft denkt ...


Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2020

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Impressum

Doch eine weinte um den Grafen

Vorschau

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: PushAnn / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0109-9

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Doch eine weinte um den Grafen

Ein packender Liebes- und Schicksalsroman

Stella Wagner, die am heutigen Tage Gräfin Freiberg wird, steht in ihrem kostbaren Hochzeitskleid vor dem Spiegel ihres Ankleidezimmers auf Gut Freiberg und betrachtet sich mit sinnenden Augen.

Hübsch sieht sie aus, bezaubernd schön! Das blonde Haar wird gekrönt von einem kleinen Diadem, der Schleier umrahmt das zarte Gesicht mit den dunklen Augen und lässt es besonders rührend und hilflos erscheinen.

Heute ist ihr Hochzeitstag, sie müsste also die glücklichste Frau auf Erden sein. Sie ist es aber nicht! Stella fröstelt, wenn sie an ihre Zukunft denkt …

Stella denkt an die Kämpfe, Intrigen und Anfeindungen, die sie durchstehen musste, um heute hier als Braut Klaus von Freibergs gelten zu können. Und sie weiß, dass das alles nicht mit dem heutigen Hochzeitstage vorbei sein wird.

Die stolze, ja, hochmütige Gräfin Agnes hat alles versucht, um ihren einzigen Sohn von dieser Heirat mit ihr, dem armen, elternlosen Mädchen abzubringen.

Und Komtess Verena, die boshafte Schwester Klaus von Freibergs, hat ihre Mutter in diesen Bemühungen meistens noch übertroffen.

Stella fröstelt, als ihr so manche Begebenheit wieder einfällt. Wird sie auf Gut Freiberg wirklich das Zuhause finden, von dem sie geträumt hat? Wird sie sich nicht schon bald nach ihrem engen möblierten Zimmer zurücksehnen?

Nun, da ist ja noch Klaus, der heute ihr Mann wird und der sie vor seiner Mutter und Schwester gewiss in Schutz nehmen wird. Klaus, der junge Graf, der sie liebt und dem auch sie von Herzen zugetan ist, der Mann, der sie trotz des energischen Widerstandes seiner Familie zu seiner Frau machen wird und der über ihre Befürchtungen und Ängste bisher immer nur gelacht hat.

„Du musst ein wenig Geduld mit Mutter haben“, sagt er immer, wenn sie ihm ihre Sorgen um die Zukunft anvertraut. „Ihr Adelsstolz ist so ausgeprägt, dass sie es einfach nicht versteht, wie ich die Hand der reichen Komtess, die sie mir ausgesucht hatte, ausschlagen und dafür dich erwählen konnte! Wenn wir erst einmal verheiratet sind, wird sie ihren dummen Widerstand schnell aufgeben. Immerhin bist du dann eine Gräfin Freiberg und ihr durchaus ebenbürtig!“

Ein leises Pochen ertönt von der Tür her. Stella zuckt zusammen.

„Ja, bitte?“

Klaus von Freiberg tritt ein. Ein bewunderndes Lächeln erscheint auf seinem Gesicht, als er Stellas ansichtig wird.

„Stella, wie wunderschön du bist!“, sagt er andächtig und ist mit zwei langen Schritten bei ihr.

Für Stella versinken die Sorgen und Kümmernisse in nebelhafte Fernen, als er sie zärtlich in die Arme nimmt und ihre Lippen küsst.

„Hast du schon wieder gegrübelt, Stella?“, fragt Klaus, als er sie loslässt.

„Nein, nein!“, beteuert sie rasch. „Heute an unserem Hochzeitstag bin ich ganz ruhig und glücklich!“

„Und das sollst du auch immer sein, meine Stella!“, flüstert der junge Graf. „Ruhig und glücklich! Du wirst sehen, unser Leben wird wunderschön werden!“

„Oh ja!“, haucht sie. Im Stillen aber bittet sie: Lieber Gott, lass unser Leben ruhig und glücklich verlaufen. Ich bitte dich so sehr darum!

Zwei Stunden später sind sie Mann und Frau. Stolz lächelnd führt der Bräutigam seine scheu um sich blickende Frau aus der Kirche ins Freie, wo die Bevölkerung der Grafschaft Freiberg sie mit lauten Hochrufen empfängt.

Durch ein Ehrenspalier schreiten die jungen Brautleute zu ihrem Wagen, der sie zum Gutshaus zurückbringt, wo eine große Hochzeitsfeier auf sie wartet. Hinter ihnen schreiten mit unbewegten Gesichtern Gräfin Agnes und ihre Tochter.

Es entgeht niemandem, dass die engsten Angehörigen des jungen Grafen offenbar ganz und gar nicht mit dieser Heirat einverstanden sind.

♥♥♥

Am Abend, ehe das Brautpaar die Hochzeitsfeier verlassen kann, tritt Komtess Verena ihrer Schwägerin plötzlich in den Weg.

„Ich hoffe, du bist nun zufrieden, dass du alles erreicht hast, was du wolltest!“, zischt das Mädchen ihr zu.

„Aber, Verena!“, sagt Stella. „Lass uns doch in Frieden miteinander leben, ja? Warum fängst du schon wieder an, mit mir zu streiten? Ich habe die beste Absicht …“

„Deine Absichten interessieren mich nicht!“, faucht Verena bissig und wirft der anmutigen Frau im weißen Brautkleid einen giftigen Blick zu, ehe sie sich brüsk umdreht und davongeht.

Stella bleibt allein und traurig zurück. So hat sie also recht gehabt, als sie befürchtete, ihre Schwägerin und Schwiegermutter würden auch vom heutigen Tage an keine Ruhe geben.

Was hat sie denn getan? Sie hat Klaus doch nicht geheiratet, weil es sie nach einem Grafentitel gelüstete, sondern weil sie ihn von ganzem Herzen liebt.

Stella seufzt kummervoll auf und fährt erschrocken herum, als eine warme Hand sich in die ihre schiebt.

„Nun, Stella, schon wieder Sorgenfalten?“ Graf Klaus steht neben ihr und betrachtet sie. „War etwas?“

Stella schüttelt hastig den Kopf. Sie will ihm und auch sich selbst nicht den Hochzeitstag verderben.

„Ich gehe mich rasch umziehen“, sagt sie mit einem krampfhaften Lächeln, erwidert noch einmal liebevoll den Druck seiner Hand und eilt dann die Treppe hinauf in ihr Zimmer.

Graf Klaus sieht ihr sinnend nach. Natürlich ist etwas geschehen! Stella kann so schlecht lügen. Aber was? Hat seine Mutter irgendetwas Hässliches gesagt oder vielleicht Verena?

Mit langen Schritten schiebt er sich durch das Gewühl der tanzenden Gäste und steht kurz darauf vor seiner Mutter, die allein in einer Fensternische steht und mit gefrorenem Lächeln das Festgewoge betrachtet.

„Hallo, Klaus, sieht man dich endlich einmal allein?“, begrüßt sie ihren Sohn und legt ihm die Hand auf den Arm.

„Ab heute wirst du mich meistens in Gesellschaft meiner Frau sehen, und ich hoffe, du wirst dich während unserer Hochzeitsreise an diesen Gedanken gewöhnen!“, erwidert Graf Klaus finster.

„Deine Frau!“, wiederholt Gräfin Agnes verächtlich. „Mir ist bereits den ganzen Tag übel, weil ich immer daran denken muss, dass du tatsächlich dieses hergelaufene Mädchen zur Gräfin Freiberg gemacht hast! Ach, mein Junge! Wenn sie wenigstens einen Namen gehabt hätte, aber so …“

„Ich verstehe dich beim besten Willen nicht, Mutter. Stella ist ein so bezauberndes Geschöpf, dass man sie einfach gernhaben muss. Und wenn dir das nicht gelingt, musst du dich trotzdem damit abfinden, dass auch Stella jetzt eine Gräfin Freiberg ist. Ich erwarte von dir und Verena, dass ihr meine Frau mit allen Rechten, die sie als Gräfin Freiberg erworben hat, anerkennt und sie entsprechend behandelt!“

Ich denke nicht daran!, will die Gräfin ausrufen, aber ein Blick in das energische Gesicht ihres Sohnes lässt sie schweigen.

Zornig kräuselt sie die Lippen. Niemals wird ihre Achtung oder ihre Zuneigung der jungen Schwiegertochter gehören, niemals! Sie wird sie niemals als eine Gräfin anerkennen und sie das immer fühlen lassen! Starr und steif steht sie vor ihrem Sohn und blickt hochmütig über seine Schulter ins Leere.

„Mutter!“, sagt Klaus bittend.

Aber Gräfin Agnes will nicht verstehen. Mit einem Achselzucken kehrt ihr Blick zu ihm zurück. „Ihr wollt uns jetzt wohl verlassen, nicht wahr?“, fragt sie rau.

Klaus nickt. Er hat eingesehen, dass es zwecklos ist, sich weiterhin mit seiner Mutter über ihr Verhältnis zu Stella zu unterhalten. Vielleicht ist sie zugänglicher, wenn sie von ihrer Reise zurückkehren. Er hofft es jedenfalls sehr.

„Ja, wir wollen jetzt fahren! Ich warte nur noch auf Stella, die sich umziehen wollte. Gewiss wird sie gleich kommen, um sich ebenfalls von dir und Verena zu verabschieden!“

„Grüß sie von mir!“, sagt Gräfin Agnes leidenschaftslos. „Ich wünsche euch viel Spaß auf dieser Reise.“ Ein kühler Kuss streift seine Wange, und ehe Graf Klaus etwas auf die Worte seiner Mutter erwidern kann, ist sie zwischen den Gästen verschwunden.

Er presst die Lippen zusammen. Als er Verena im Arm eines blonden Jünglings tanzend entdeckt, bringt er es nicht fertig, sich ebenfalls von ihr zu verabschieden. Er winkt ihr nur zu und verschwindet dann in Richtung auf die breite Treppe, die in die obere Etage des Hauses führt.

Es herrscht bereits tiefe Dunkelheit, als der Wagen des jungen gräflichen Paares das herrschaftliche Gutshaus mit den erleuchteten Fenstern verlässt. Klaus von Freiberg ist ein leidenschaftlicher Autofahrer, und so hat er es sich auch jetzt nicht nehmen lassen, seine Hochzeitsreise mit dem eigenen Wagen zu machen.

„Freust du dich auf unsere Reise, Liebes?“, fragt er freundlich.

„Aber natürlich, Klaus. Ich freue mich sogar sehr!“, erwidert Stella.

„Du wirst sehen, es wird wunderschön werden!“ Klaus streichelt zärtlich über ihre Hand.

Stella lächelt ihm zu, aber ihre Furcht, dass die alte Gräfin und Verena auch nach ihrer Heimkehr keine Ruhe geben werden, kann sie nur mit größter Mühe unterdrücken.

♥♥♥

Klaus’ und Stellas Hochzeitsreise wird tatsächlich wunderschön. Für Stella, die noch niemals über die Grenzen ihrer Heimatstadt hinausgekommen ist, ist diese Fahrt durch die südlichen Länder ein überwältigendes Erlebnis.

Nach vier Wochen machen sie in einem romantischen Fischerdorf an der französischen Riviera halt, um hier die letzten Tage ihres Urlaubs zu verbringen.

Stella liegt neben Klaus am Strand. Ihre tiefblauen Augen leuchten voller Intensität in ihrem gebräunten Gesicht. Ihr blondes Haar ist in der Sonne noch heller geworden.

„Du siehst aus wie eine blonde Indianerin!“, sagt Klaus lachend und wickelt sich eine Strähne ihres Haares um den Finger.

„Dann bist du der dazugehörige Indianerhäuptling!“, scherzt Stella und beugt sich tiefer hinab, um einen Kuss auf seine Wange zu drücken.

Klaus schlingt die Arme um ihren Hals und zieht sie tiefer zu sich hinab.

„Ich liebe dich so sehr, meine Liebste“, raunt er ihr leise ins Ohr, und dann küsst er sie voller Zärtlichkeit.

Die letzten Urlaubstage vergehen wie im Flug. Stella ist in den letzten Wochen zu einer selbstbewussten jungen Frau herangereift. Sie ist schöner und begehrenswerter denn je!

Ob sie über die Strandpromenade bummeln oder in einem Restaurant sitzen, immer wieder werfen ihr Männer verstohlen bewundernde Blicke zu.

Klaus von Freiberg ist unsagbar stolz auf seine schöne Stella. Er ist glücklich, dass es ihm gelungen ist, ihre Liebe zu erringen.

Erst auf der Heimreise fällt ihm wieder ein, wie ablehnend sich seine eigene Familie gegen Stella gestellt hat und vermutlich noch immer stellt. Doch von diesen trüben Gedanken lässt er sich seine Urlaubsstimmung nicht verderben.

♥♥♥

Es ist bereits Abend, als sie auf Gut Freiberg ankommen. Klaus hat seiner Mutter den genauen Ankunftstermin nicht mitgeteilt.

Als sie aus dem Wagen steigen, hören sie heiße Rhythmen und Musikfetzen, die aus den geöffneten Fenstern eines großen Raumes auf den Gutshof dringen. Zwischendurch erklingen lautes Lachen und das Klirren von Gläsern.

„Was ist denn das?“, stößt der junge Graf befremdet hervor. „Es hört sich ja an, als wären alle Halbstarken der Gegend hier versammelt.“

„Deine Schwester wird Besuch haben“, meint Stella.

„Du glaubst wirklich, dass Verena diese Art von Musik liebt? In ihrem Alter noch?“

Stella muss unwillkürlich lachen.

„Aber, Klaus, Verena ist nur fünf Jahre älter als ich, also siebenundzwanzig. Warum sollte sie keinen Gefallen mehr an solchen Vergnügungen haben?“

Der junge Graf verzieht den Mund zu einem verkrampften Lächeln. Obwohl er sichtlich verstimmt ist, legt er zärtlich den Arm um Stellas Schultern und führt sie die Stufen zum Hauseingang empor.

Warum ist keiner von den Dienstboten zu sehen?, fragt Klaus sich nun richtig verärgert.

Bei ihrem Eintritt in die Halle stoßen sie beinahe mit dem alten Franz zusammen, der mit einem Tablett voller Gläser an ihnen vorbeilaufen will.

„Oh, Herr Graf!“, stottert der Alte und bleibt stehen. „Sie sind wieder da?“

„Allerdings!“ Klaus mustert das Tablett und dann den Diener, der seine gestreifte Weste mit einer weißen Kellnerjacke vertauscht hat.

„Willst du mir nicht erklären, was das alles bedeuten soll? Warum lässt sich niemand von den Dienstboten sehen? Und was bedeutet dieser Lärm da drinnen?“ Er weist zu einer Tür hinüber, durch die schrille Jazzmusik dringt.

„Ich … äh … Entschuldigen Sie, Herr Graf!“, stammelt der alte Franz. Er stellt das Tablett auf einem Tischchen ab und fährt sich mit dem Taschentuch über die Stirn. „Aber Komtess Verena, Ihr Fräulein Schwester … sie … sie gibt eine Party! Eine Abschiedsparty sozusagen!“

„Eine Abschiedsparty?“, fragt Graf Klaus erstaunt. „Wieso Abschiedsparty?“

Der Alte windet sich verzweifelt.

„Ich habe mich vielleicht ein bisschen unglücklich ausgedrückt, obwohl genau das …“

„Hör auf zu stottern und sag mir sofort klipp und klar, was los ist!“, verlangt der Graf.

„Sehr wohl!“ Franz hat zu seiner korrekten, unerschütterlichen Haltung zurückgefunden. „Komtess Verena hat all ihre Freunde eingeladen, weil man Sie, Herr Graf, und die junge Frau Gräfin in den nächsten Tagen zurückerwartet und weil man dann nicht mehr …“ Er stockt nun doch wieder.

„Weil man dann nicht mehr solch entsetzlichen Lärm in unserem Hause veranstalten darf, nicht wahr?“, ergänzt Klaus ärgerlich.

In diesem Moment tauchen von der anderen Seite der Halle weitere Dienstboten auf, die ebenfalls mit Tabletts beladen sind. Als sie den jungen Herrn erkennen, bleiben sie wie angewurzelt stehen und verneigen sich leicht.

Dann öffnet sich die Tür zu dem lärmerfüllten Zimmer, und eine über und über in Tüllwolken gehüllte Mädchengestalt tritt heraus.

„Franz, Harry, wo bleibt ihr denn mit den Getränken? Wollt ihr uns verdursten …“ Komtess Verena bricht mitten im Satz ab, als sie die versammelte Dienerschaft und mitten darin ihren Bruder erblickt. „Oh!“, ruft sie verblüfft.

„Deshalb also ist niemand vom Personal zu sehen, wenn man auf den Hof fährt!“, sagt Klaus von Freiberg laut. „Sie sind alle anderweitig beschäftigt. Ich muss schon sagen, das geht ein bisschen zu weit, Verena!“

Verena hat die Tür hinter sich geschlossen und kommt näher.

„Du bist schon wieder da?“, fragt sie ein wenig verlegen.

„Wie ich sehe, habt ihr uns nicht erwartet. Oder soll diese Vorstellung dort drin etwa uns zu Ehren arrangiert worden sein?“

„Sei nicht so eklig, Klaus!“, erwidert Verena und hakt sich bei ihm ein. „Was hast du gegen ein bisschen Fröhlichkeit in unserem Haus? Komm, sei brav und sag allen Guten Tag!“

„Fröhlichkeit nennst du das?“, fragt Klaus grimmig. „Das hört sich aber mehr nach einer handfesten Orgie an! Wer ist überhaupt dort drinnen?“

Als Verena antworten will, öffnet sich die Tür, und ein Haufen lärmender junger Leute, die alle nicht mehr ganz nüchtern sind, quillt heraus. Neugierig glotzen sie auf die drei Menschen, die jetzt ohne die Dienerschaft, die sich stumm zurückgezogen hat, beieinanderstehen.

„Hallo, ist das nicht das frischgebackene Ehepaar?“, ruft jemand. „Kommt herein, trinkt einen Begrüßungsschluck mit uns!“

„Ich glaube, Verena, die Herrschaften haben das Bedürfnis, nach Hause zu gehen“, sagt der junge Graf darauf. Dann nickt er seiner Schwester kurz zu und verschwindet mit Stella die Treppe hinauf.

„Oller Spielverderber!“, grölt ihnen eine Stimme nach. Ein Wispern, Kichern und unterdrücktes Flüstern erhebt sich, das hinter ihnen zurückbleibt, als sie um die Treppenbiegung verschwinden.

„Ekelhaft!“, sagt Klaus. „So etwas nennt Verena nun ,ein bisschen Fröhlichkeit’! Himmel, die waren doch alle mehr oder weniger betrunken!“

Kurz vor ihren Zimmern treffen sie mit Gräfin Agnes zusammen.

„Oh Klaus, da seid ihr ja endlich!“, flötet sie honigsüß und eilt auf ihren Sohn zu.

„Ich habe nicht den Eindruck, dass man uns erwartet hat!“, gibt Klaus unfreundlich zurück, duldet es aber, dass seine Mutter ihn in die Arme schließt. Stella reicht sie nur die Hand, die diese höflich drückt.

„Ach, Junge, lass sie doch!“, sagt Gräfin Agnes mit einem nachsichtigen Lächeln. „Du warst doch früher nicht so!“ Ein blitzschneller Blick fliegt zu Stella hinüber, als träfe sie die Schuld an Klaus’ Verstimmung.

Klaus öffnet die Tür zu seinen Zimmern und schiebt Stella hinein.

„Wie ich höre, sind die Radaubrüder gegangen. Das war kein schöner Empfang!“

„Nimm es Verena nicht übel!“, bittet Gräfin Agnes. „Sie hat eben ein wenig Abschied von der bisherigen Zeit auf Freiberg gefeiert!“

„Von der bisherigen Zeit auf Freiberg? Was soll das nun wieder heißen?“ Klaus dreht sich mit einem Ruck um.

„Na, jetzt, da du verheiratet bist, wird hier wohl ein anderer Wind wehen, nicht wahr?“ Angriffslustig schiebt seine Mutter das Kinn vor. „Immerhin bringt eine neue Herrin auch immer eine andere, für sie typische Atmosphäre mit, und da dachten wir …“

„Ach, Mutter, sei still! Du langweilst mich!“ Mit diesen Worten betritt Klaus nun ebenfalls das Zimmer und schließt die Tür hinter sich.

Dann geht er zu Stella hinüber, nimmt sie in die Arme und küsst sie zärtlich.

„Willkommen daheim!“, sagt er liebevoll und streicht über ihr Haar. „Jeden Tag werden hier ja nicht solche Feste gefeiert! Wollen wir also das Ganze nicht so tragisch nehmen, nicht wahr?“

♥♥♥