Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 585 - Rita Hellmann - E-Book

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 585 E-Book

Rita Hellmann

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Baron von Hellinghaus steht kurz vor dem Ruin. Um zu verhindern, dass die ganze Familie untergeht, soll Katja, seine Tochter aus erster Ehe, eine Geldheirat eingehen. Ihre Stiefmutter hat bereits den richtigen Kandidaten ausgesucht: Wilfried von Garbe.
Der zwanzigjährigen Katja läuft es eiskalt den Rücken hinunter, wenn sie daran denkt, diesen feisten Kerl, der mehr als doppelt so alt ist wie sie, heiraten zu müssen. Buchstäblich in letzter Sekunde taucht ein Retter in der Not auf, der Katja dieses Schicksal ersparen will und ihr kurz entschlossen selbst einen Heiratsantrag macht. Dieser Bewerber ist jung, attraktiv und dazu sehr reich, doch Katja ist zu stolz, seinen Antrag aus Mitleid anzunehmen. Mit weinendem Herzen erteilt sie dem überaus sympathischen Grafen eine Abfuhr ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Die Geldheirat

Vorschau

Impressum

Die Geldheirat

Das fesselnde Schicksal der Katja v. H.

Baron von Hellinghaus steht kurz vor dem Ruin. Um zu verhindern, dass die ganze Familie untergeht, soll Katja, seine Tochter aus erster Ehe, eine Geldheirat eingehen. Ihre Stiefmutter hat bereits den richtigen Kandidaten ausgesucht: Wilfried von Garbe.

Der zwanzigjährigen Katja läuft es eiskalt den Rücken hinunter, wenn sie daran denkt, diesen feisten Kerl, der mehr als doppelt so alt ist wie sie, heiraten zu müssen. Buchstäblich in letzter Sekunde taucht ein Retter in der Not auf, der Katja dieses Schicksal ersparen will und ihr kurz entschlossen selbst einen Heiratsantrag macht. Dieser Bewerber ist jung, attraktiv und dazu sehr reich, doch Katja ist zu stolz, seinen Antrag aus Mitleid anzunehmen. Mit weinendem Herzen erteilt sie dem überaus sympathischen Grafen eine Abfuhr ...

»Mein liebes Kind, es wird höchste Zeit, dass du heiratest!«, erklärte Elfriede Baronin von Hellinghaus entschieden.

Ihre zwanzigjährige Stieftochter Katja stand mit bestürztem Gesicht und ineinander verkrampften Händen vor ihr.

»Unsere finanzielle Lage ist durch die jahrelange Krankheit deines Vaters nicht gerade rosig«, fuhr die Baronin nach einer gewichtigen Pause fort. »Und es wird uns daher nichts anderes übrig bleiben, als uns durch zwei reiche Heiraten ein wenig zu sanieren. Du bist die Älteste – meine Tochter Sigrid ist ja ein Jahr jünger als du –, und du wirst deshalb mit dem Heiraten den Anfang machen. Ich habe auch schon einen Bewerber für dich. Es handelt sich um Wilfried von Garbe und ...«

»Nein!«, schrie Katja entsetzt auf. »Hör endlich auf damit, Mama! Ich bitte dich!«

»Bitte keine hysterischen Ausbrüche, Katja!«, verlangte die Stiefmutter scharf. »Ich habe dir unsere Lage in aller Ruhe auseinandergesetzt und kann wohl zumindest auf dein Verständnis hoffen.«

»Ja, natürlich«, flüsterte Katja erstickt. »Ich weiß ja auch, dass wir dringend Geld brauchen, aber deswegen muss ich doch nicht gleich heiraten, und noch dazu diesen ekelhaften Wilfried von Garbe. Er ...«

»Ich verstehe nicht, was du gegen ihn einzuwenden hast. Er ist immens reich und ...«

»Aber er ist doch schon über fünfzig«, wisperte Katja verschreckt. »Wir würden ja schon altersmäßig gar nicht zueinanderpassen.«

»Papperlapapp!«, fuhr die Baronin ihrer Stieftochter über den Mund. »Früher oder später musst du ja doch heiraten. Warum kann es da nicht Wilfried von Garbe sein? Er legt keinen Wert auf eine große Mitgift und bietet dir ein schönes Heim, einen guten alten Namen und ein fantastisches Vermögen. Ich verstehe nicht, warum du dich so gegen ihn sperrst. Jedes andere Mädchen wäre wahrscheinlich glücklich über solch einen noblen Verehrer.«

»Warum heiratet Sigrid ihn dann nicht?«, fragte Katja patzig. »Du hast vorhin selbst gesagt, dass wir beide reich heiraten müssten. Wenn also jedes andere Mädchen glücklich über einen Antrag Wilfried von Garbes wäre, dann könnte doch auch Sigrid ...«

»Lass deine Schwester aus dem Spiel!«, fauchte die Baronin. »Sie ist viel zu jung für den Baron Garbe.«

»Sigrid ist nur ein Jahr jünger als ich. Dieses eine Jahr ...«

»Und außerdem interessiert sich Baron Garbe nicht für sie, sondern für dich. In unserem ausführlichen Gespräch hat er mir selbst gesagt, dass er ...«

»Du hast schon ausführlich mit ihm über mich gesprochen?«, fragte Katja entsetzt.

»Allerdings«, erwiderte die Baronin hochmütig. »Er hat mir gesagt, dass er sich für dich interessiert und nicht für Sigrid.«

Katja war davon überzeugt, dass ihre Stiefmutter das nur sagte, um sie umzustimmen. Niemals sonst hätte sie zugegeben, dass ein Mann sie, Katja, ihrer Stiefschwester vorzog.

Allerdings hatte sie vorhin von zwei reichen Heiraten gesprochen. Gab es da also noch jemanden, einen anderen reichen, aber jüngeren und attraktiven Mann vielleicht, den sie für ihre leibliche Tochter vorgesehen hatte? Möglich war es.

»Er könnte mein Vater sein«, murmelte Katja. »Was sagt denn mein Vater zu diesem Plan?«

»Justus ist ein kranker Mann. Man kann ihn nicht allzu viel mit unseren Problemen behelligen. Es würde ihn zu sehr aufregen und seinen Gesundheitszustand womöglich noch verschlechtern.«

»Hast du mit ihm über meine geplante Verheiratung gesprochen?«, wollte Katja wissen.

»Natürlich«, gab die Baronin brüsk zurück.

»Und was hat er dazu gesagt?«, fragte Katja gespannt.

»Er meinte, ich würde wohl am besten wissen, was für uns alle gut und richtig wäre«, erwiderte Elfriede von Hellinghaus schulterzuckend.

Katja senkte resignierend den Kopf. So war es nun schon seit dreizehn Jahren, genauer gesagt, seit dem Tag, als der verwitwete Justus von Hellinghaus die geschiedene Elfriede Doblin geheiratet hatte.

Er hatte sicherlich gehofft, in seiner zweiten Frau eine neue Mutter für seine kleine Tochter und in der von Elfriede mit in die Ehe gebrachten Sigrid eine Spielgefährtin für Katja zu bekommen, aber seine Wünsche waren nicht in Erfüllung gegangen.

Elfriede hatte sich in der Ehe als eine rechthaberische Frau entpuppt, gegen die der kränkelnde Mann sich vergebens aufgelehnt hatte, und schließlich hatte er mehr und mehr nachgegeben.

Und auch Katja konnte sich nicht recht mit ihrer Stiefschwester, die im Alter doch gut zu ihr gepasst hätte, anfreunden. Sigrid war launisch und verzogen, musste immer die erste Geige spielen und lief heulend zu ihrer Mutter, um sich über Katja zu beschweren, wenn sie ihren Willen nicht bekam.

Es war alles auch nicht besser geworden, als der kleine Jan geboren wurde. Das gemeinsame Kind der Eheleute Hellinghaus hatte ebenfalls von Anfang an eine Sonderstellung im Haus eingenommen. Als sich herausgestellt hatte, dass Jan sich mehr zu seiner Halbschwester Katja hingezogen fühlte als zu seiner Halbschwester Sigrid, war es ganz aus gewesen.

Elfriede von Hellinghaus beschuldigte Katja, den Kleinen sträflich zu verwöhnen, und entzog ihn geschickt immer mehr ihrer Gesellschaft, ohne allerdings die Zuneigung zwischen den beiden Kindern ganz zerstören zu können.

Der Gesundheitszustand des Barons hatte sich von Jahr zu Jahr verschlechtert. Er durfte sich nicht aufregen, um nicht einen immer schwereren Herzanfall zu riskieren, und so hatte er allmählich immer weniger zu dem gesagt, was seine Frau bestimmte.

Elfriede von Hellinghaus nutzte seine Schwäche weidlich aus, und so gab es seit Jahren nur noch einen, der auf Gut Hellinghaus das Sagen hatte: die Baronin.

Dass sich diese Tatsache nicht gut auf den Gutsbetrieb und seine Erträge ausgewirkt hatte, machte sich jetzt nach dreizehn Jahren überdeutlich bemerkbar. Geld fehlte an allen Ecken und Enden, und wie Katja von dem alten Verwalter Voltmer wusste, stand das Gut kurz vor dem Ruin. Wenn nicht ein Wunder geschah ...

Katja seufzte tief. Dieses Wunder erhoffte sich die Stiefmutter anscheinend von zwei reichen Heiraten, von denen sie, Katja, die erste eingehen sollte.

»Mein Vater würde trotz allem nicht von mir verlangen, dass ich einen Mann heirate, den ich nicht liebe«, sagte sie jetzt düster.

»Mag sein«, erwiderte die Baronin gleichmütig. »Dazu ist dein Vater auch viel zu weltfremd und außerdem nicht so gut über unsere finanzielle Lage informiert wie ich. Ich hoffe, mein Kind, du bist rücksichtsvoll genug, um deinen Vater durch eine Heiratsverweigerung nicht einer unnötigen Gefahr auszusetzen.«

»Wenn ich mit Papa selbst spreche und ihm klarmache, dass ich diesen Mann einfach nicht heiraten kann, wird er sich schon nicht aufregen«, wehrte Katja sich verzweifelt. »Warum heiratet denn Sigrid nicht zuerst?«

»Weil wir noch keinen reichen Mann für sie haben«, erklärte Elfriede. »Es gibt da zwar jemanden, den ich in Betracht gezogen habe, aber ...«

Sie verstummte, da sie offensichtlich keine nähere Erklärung abgeben und auch den Namen des Auserwählten nicht preisgeben wollte.

»Handelt es sich vielleicht um den Grafen Vanderloo?«, fragte Katja ahnungsvoll.

»Natürlich nicht«, gab die Stiefmutter empört zurück. »Wie kommst du denn darauf?«

»Na, ganz so weit hergeholt ist meine Vermutung doch wohl nicht«, erwiderte Katja nachdenklich. »Clemens von Vanderloo ist einer der reichsten Männer in der ganzen Umgebung. Dazu noch Junggeselle und lange nicht so alt wie Wilfried von Garbe und außerdem ...«

»Unsinn!«, unterbrach ihre Stiefmutter sie energisch. »Diesen Mann schlag dir getrost aus dem Kopf. Ihn einzufangen wäre eine Meisterleistung, und ich glaube nicht, dass es mir gelingen würde, ihn für dich oder Sigrid zu interessieren. Ich habe auch keine Lust, es zu versuchen und mir höchstwahrscheinlich eine Abfuhr zu holen.«

Diese vornehme Zurückhaltung sah ihrer Stiefmutter eigentlich gar nicht ähnlich, zumal es sich bei Clemens von Vanderloo wirklich um eine fantastische Partie handelte, aber ihre Erklärung klang so ehrlich, dass Katja ihr trotz ihres Erstaunens glauben musste.

Insgeheim atmete sie auf. Sie kannte Clemens von Vanderloo flüchtig, und der Gedanke, dass ihre Stiefmutter dem stolzen, selbstbewussten Mann in ihrer plumpen, dreisten Art Sigrid als Ehefrau angeboten hatte, war ihr unerträglich. Sie hatte erst neulich bei einer anderen Gelegenheit erlebt, wie Graf Vanderloo ihre Stiefmutter hatte abblitzen lassen, und hatte sich für sie geschämt.

In diesem Moment stürzte der elfjährige Jan herein.

»Ratet mal, wer gerade gekommen ist?«, platzte er heraus.

»Ich habe dir schon oft gesagt, Jan, du sollst anklopfen, bevor du wie ein Wilder in meinen Salon gestürmt kommst«, tadelte seine Mutter ihn streng. »Also, wer ist gekommen?«, fragte sie dann.

»Der olle Garbe«, verkündete Jan respektlos, was Katja ein heimliches Kichern und seiner Mutter einen entrüsteten Seufzer entlockte. »Und er hat noch jemanden mitgebracht, das heißt, eigentlich ist der olle Garbe mitgebracht worden, denn er hinkt und ...«

»Wenn du Wilfried Baron von Garbe noch einmal den ollen Garbe nennst, bekommst du Stubenarrest«, schimpfte Elfriede ärgerlich. »Es gehört sich einfach nicht, wenn du einen Mann, der sich im besten Alter befindet und überdies zu unserem Haus in verwandtschaftliche Beziehungen treten will, so titulierst.«

»Was will der?«, fragte Jan mit offenem Mund.

»Ach, das verstehst du nicht«, fertigte ihn seine Mutter kurz ab. »Es gehört sich eben nicht und damit basta. Du sagtest, Baron Garbe hinkt?«

»Ja, wie ein lahmer Gaul«, bestätigte der Junge, »und dabei stützt er sich auf ...«

»Jetzt ist es aber endgültig genug, Jan!«, fuhr seine Mutter ihn an. »Wenn ich herausbekomme, von wem du diese derbe Ausdrucksweise hast, werde ich mir den Schuldigen einmal gründlich vornehmen. Es bekommt dir anscheinend nicht, dass du dich so viel auf dem Gutshof draußen aufhältst.«

»Aber ich habe meine Ausdrucksweise gar nicht draußen vom Gutshof«, verteidigte sich Jan, der um seine geliebten Ausflüge auf den Gutshof fürchtete.

»Und von wem hast du diese rustikalen Vergleiche dann?«, wollte die Baronin wissen.

»Sigrid nennt den Baron Garbe immer den ollen Garbe«, erklärte Jan. »Und sie hat auch gesagt, dass er wie ein lahmer Gaul hinkt.«

»Verschwinde!«, befahl Elfriede von Hellinghaus ihrem Sohn streng. »Und lass dich in der nächsten halben Stunde nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du bist scheußlich ungezogen, Jan! Wie kannst du nur so etwas von deiner großen Schwester behaupten!«

Jan trollte sich, und seine Mutter schüttelte mit dem Ausdruck größter Verwunderung den Kopf.

»Was sich kleine Jungen immer so ausdenken, um die Schuld von sich abzuwälzen, nicht wahr?«

Katja glaubte nicht, dass Jan sich das ausgedacht hatte, aber sie schwieg, um keinen unnötigen Streit heraufzubeschwören, zumal in diesem Moment der Butler Herbert eintrat.

»Graf Vanderloo und Baron Garbe bitten, Ihnen ihre Aufwartung machen zu dürfen, Frau Baronin«, meldete er mit korrekter Verbeugung.

»Graf Vanderloo und Baron Garbe?«, fragte Elfriede von Hellinghaus verwirrt.

»Baron Garbe hatte in der Nähe unseres Hauses einen kleinen Unfall«, erklärte der Butler würdevoll, »und Graf Vanderloo, der zufällig dazukam, hat es sich nicht nehmen lassen, den Herrn Baron, der ohnehin zur Frau Baronin wollte, hierher zu begleiten.«

»Sagen Sie den Herren, dass ich sofort komme«, erwiderte die Baronin, und der Butler zog sich gehorsam zurück.

Elfriede von Hellinghaus eilte ins Nebenzimmer, wo sie vor einem Spiegel hastig ihr Make-up und ihr übriges Erscheinungsbild prüfte.

»Und lass dir nicht einfallen, Katja, unhöflich zu Baron Garbe zu sein, hörst du?«, rief sie ihrer Tieftochter dabei mahnend zu.

Katja schwieg trotzig, was Elfriede von Hellinghaus diesmal gar nicht zur Kenntnis nahm. Viel zu sehr beschäftigte sie der Gedanke, wie sie den Zufall, dass Graf Vanderloo sich in ihrem Haus aufhielt, gründlich ausnutzen konnte.

♥♥♥

Gerade als Katja heimlich aus dem Haus schlüpfen wollte, um dem unerwünschten Besuch zu entgehen, wurde sie von ihrer Stiefmutter erwischt und zurückgehalten.

»Was ist denn das für ein Benehmen?«, schnaubte die Baronin empört. »Ich denke, du plauderst längst mit dem Baron Garbe und ...«

»Ich war noch gar nicht in der Halle«, sagte Katja spröde.

»Du warst noch gar nicht in der Halle?«, entrüstete sich Elfriede von Hellinghaus. »Lieber Himmel, was müssen die beiden Herren denken, wenn niemand erscheint, um sie zu begrüßen? Sie werden mit Recht gekränkt sein.«

Aber dazu bestand, wie Katja und ihre Stiefmutter sofort nach ihrem Eintritt feststellten, kein Anlass.

Sigrid von Hellinghaus befand sich bei den beiden Herren, und das klingende Lachen der Baroness schien zu beweisen, dass zumindest sie sich gut unterhielt.

Katja musterte ihre Stiefschwester verstohlen, und wie immer, wenn Sigrid sich derart in Szene setzte, fand sie sie einfach unausstehlich. Was mochten die Männer nur denken, wenn Sigrid sich wie ein albernes Schulmädchen benahm?

Prüfend glitt Katjas Blick zu Wilfried von Garbe hinüber, dessen langes Gesicht zu einem etwas töricht wirkenden Grinsen verzogen war, und von diesem weiter zu Clemens von Vanderloo, dessen unbeteiligte Miene allerdings nur Höflichkeit verriet und sonst nichts. Katjas Blick kehrte zu ihrer Schwester zurück.

Sigrid von Hellinghaus – sie war von Katjas Vater gleich nach seiner zweiten Eheschließung adoptiert worden – war ein außergewöhnlich schönes Mädchen, und sie wäre unwiderstehlich gewesen, wenn sie sich nicht so affektiert gegeben hätte. So aber verlor sie dadurch viel von ihrem Liebreiz, und sogar ihre Mutter, die ihre schöne Tochter sonst förmlich vergötterte, hatte ihr schon manchmal empfohlen, ein wenig öfter den Mund zu halten, wenn sie Eindruck schinden wollte.

»Männer bevorzugen nun einmal stille, sanfte Mädchen«, pflegte sie bei solchen Anlässen zu sagen. »Und solange du einen Mann noch nicht sicher an der Angel hast, musst du dich wohl oder übel ein wenig danach richten, Liebling.«

Auch jetzt traf die kichernde Sigrid sofort ein mahnender Blick ihrer Mutter, der sie zum Verstummen brachte. Dafür überbot sich die Baronin bei der Begrüßung ihrer Gäste an Liebenswürdigkeit, nicht ahnend, dass sie dabei so ähnlich wirkte wie die deswegen oftmals gescholtene Sigrid.

Wilfried von Garbe schien sich unter dem Schwall herabprasselnder freundlicher Worte sehr wohlzufühlen, denn sein längliches Gesicht strahlte eitel Wohlwollen aus.

Clemens von Vanderloo aber verzog keine Miene, wie Katja mit einem raschen Blick feststellte. Er deutete noch nicht einmal die Spur eines höflichen Lächelns an.

Katja konnte ihn sehr gut verstehen, denn auch ihr fiel das törichte, übertriebene Geschwätz ihrer Stiefmutter entsetzlich auf die Nerven. Sie sah sich nach einem Fluchtweg um.

»Hiergeblieben, meine Teuerste!«, flüsterte Clemens von Vanderloo ihr da plötzlich mit einem raschen Augenblinzeln zu. Offenbar hatte er Katja durchschaut. »Immerhin habe ich mich nur Ihretwegen dazu überwinden können, den Baron Garbe bis ins Haus zu begleiten und ihn nicht vor der Haustür abzusetzen.«

»Meinetwegen?«, fragte Katja ungläubig. »Sie scherzen wohl, Graf.«

»Nichts liegt mir ferner, Baroness. Wenn Sie mich ein wenig besser kennen würden, wüssten Sie, dass ich solche Dinge nie zum Scherz sage.« Clemens von Vanderloo lächelte humorvoll.

Katja musste sich Mühe geben, dieses bezwingende Lächeln nicht zu erwidern. Nach der ersten Überraschung darüber, dass der Graf eine solche Bemerkung zu ihr gemacht hatte, ging ihr auf, dass seine Worte für ihr Elternhaus nicht gerade ein Kompliment gewesen waren, und obwohl sie ihn insgeheim verstand, fühlte sie sich gekränkt.

Wie konnte er es wagen, ihr seine Meinung über ihre Stiefmutter so unverblümt darzulegen? Ihre bernsteinfarbenen Augen begannen ärgerlich zu funkeln.

Wieder schien er sie sofort durchschaut zu haben, denn seine Hand legte sich mit leichtem Druck auf ihren Arm.

»Entschuldigen Sie, Baroness, ich wollte Sie gewiss nicht kränken«, sagte er abbittend.

Katja entzog ihm ihren Arm so rasch, als hätte sie glühendes Feuer berührt. Sein Benehmen verwirrte sie zutiefst. In diesem Moment war sie ihrer Stiefmutter sogar dankbar, dass sie sich jetzt einmischte.

»Na, na, Herr Graf, was tuscheln Sie denn da mit meiner Stieftochter?«, fragte sie lachend.

Elfriede von Hellinghaus ließ keine Gelegenheit ungenutzt, ihren jeweiligen Gesprächspartner darauf hinzuweisen, dass Katja nicht ihre leibliche Tochter war.