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Die bezaubernde Christine Sahlfeld, genannt Chrissi, hat das ausgeprägte Talent, von einem Liebeskummer in den nächsten zu stolpern.
Der erste Freund, den sie mit nach Hause brachte, wurde der Mann ihrer ältesten Schwester. Hans, den nächsten Freund, verlor sie an Sigrid, die andere Schwester.
Doch bevor Sigrid ihre Verlobung mit Hans bekanntgeben kann, bringt Chrissi es fertig, die Verlobten zu trennen. Diesmal ist sie Siegerin. Doch Martin Techner, der sie wirklich liebt, verliert sie dadurch ...
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2022
Cover
Unruhige Herzen
Vorschau
Impressum
Unruhige Herzen
Erfolgsroman um einen weiten Weg zum Glück
Die bezaubernde Christine Sahlfeld, genannt Chrissi, hat das ausgeprägte Talent, von einem Liebeskummer in den nächsten zu stolpern.
Der erste Freund, den sie mit nach Hause brachte, wurde der Mann ihrer ältesten Schwester. Hans, den nächsten Freund, verlor sie an Sigrid, die andere Schwester.
Doch kurz bevor Sigrid ihre Verlobung mit Hans bekanntgeben kann, bringt Chrissi es fertig, die Verlobten zu trennen. Diesmal ist sie Siegerin. Martin Techner, den Mann, der sie wirklich liebt, verliert sie dadurch ...
»Das ist eine Gemeinheit!«
Christine Sahlfelds Gesicht war krebsrot vor Zorn, während sie diese anklagenden Worte ausstieß. Das hübsche achtzehnjährige Mädchen zitterte vor Wut. Ihre schwarzen Kirschenaugen schleuderten Blitze, und ihre langen dunklen Locken flogen durch die Luft, als sie den Kopf nun zurückwarf.
»Ich habe Hans zuerst kennengelernt! Ich habe ihn mit hierhergebracht! Ich habe ihn mit Sigrid überhaupt erst bekannt gemacht! Und jetzt nimmt sie ihn mir weg! Das ist eine Gemeinheit! Und du sagst überhaupt nichts dazu.«
Die letzte Bemerkung galt Christines Mutter, Marie-Luise Sahlfeld, die ihre jüngste Tochter fassungslos betrachtete und nicht wusste, was sie sagen sollte.
»Hör zu, Chrissi«, begann sie schließlich vorsichtig, »ich finde, du solltest wirklich nicht ...«
»Ich weiß«, unterbrach Chrissi ihre Mutter aufbegehrend. »Hans hat sich nun mal in Sigrid verliebt und nicht in mich, das ist es doch, was du mir sagen willst, nicht wahr?«
Marie-Luise Sahlfeld nickte.
»Und weshalb hat er sich in meine Schwester verliebt?«, fuhr Chrissi aufgebracht fort. »Weil sie ihm so lange schöne Augen gemacht hat, bis sie es endlich geschafft hatte, ihn herumzukriegen. Sie hat ihn mir ausgespannt! Und das ist eine solche Gemeinheit, dass ich überhaupt keine Worte dafür finde.«
»Den Eindruck habe ich allerdings ganz und gar nicht!«, warf Sigrid Sahlfeld, die gerade von der Terrasse her ins Wohnzimmer trat, mit leisem Spott ein. »Du findest eher zu viele Worte für eine Tatsache, die so ungeheuerlich an sich gar nicht ist, wie du sie hinstellst. Schließlich hast du nach anfänglicher Begeisterung erst dann wieder Interesse für Hans gezeigt, als es zwischen uns beiden ernst zu werden begann.«
»Wie konnte ich denn auch ahnen, dass du dich still und heimlich an ihn heranmachst?«
»Ich habe mich nicht klammheimlich an ihn herangemacht«, widersprach Sigrid.
»Ganz recht«, schaltete sich Marie-Luise Sahlfeld ein. »Jeder konnte sehen, dass sich zwischen Hans und Sigrid etwas anspann. Von Heimlichkeit war da nichts zu merken, und wenn du nicht so ausschließlich mit Martin beschäftigt gewesen wärst, hättest du es auch gemerkt. In dieser Hinsicht muss ich Sigrid recht geben. Wie sollte sie ahnen, dass dir noch etwas an Hans lag, wenn du dich überhaupt nicht mehr um ihn kümmerst?«
»Außerdem hat sie sowieso kein Recht an ihm«, versetzte Sigrid böse. »Schließlich muss Hans entscheiden, wen er heiraten will. Und er will eben mich heiraten!«
»Weil du ihn dazu gebracht hast!«, schnaubte Chrissi gekränkt.
»Unsinn«, verbesserte Sigrid sie lächelnd. »Weil wir uns ineinander verliebt haben, deshalb! Zwischen euch ist doch nie von Liebe die Rede gewesen! Ihr wart doch nur durch das gemeinsame Tennisspielen locker miteinander befreundet. Das hat Hans mir selbst erzählt.«
»Pah«, knurrte Chrissi. »Der kann dir viel erzählen. Wenn du nicht dazwischengekommen wärst, hätte er mich genommen. Also hast du mir doch den Mann ausgespannt, genau wie Lilo das vor einem Jahr gemacht hat. Günther war auch zuerst mit mir befreundet, und dann hat Lilo ihn geheiratet. Schöne Schwestern habe ich, das kann man wohl sagen.«
»Hast du nicht mal darüber nachgedacht, dass es an dir liegen könnte, wenn alle deine Verehrer, nachdem sie deine Schwestern kennengelernt haben, plötzlich umschwenken und uns dir vorziehen?«, fragte Sigrid boshaft.
»Du Biest!«, schrie Chrissi außer sich vor Empörung und sprang wütend auf ihre Schwester zu, als wollte sie ihr an die Kehle fahren.
»Jetzt ist es aber genug, Chrissi!«, mahnte die Mutter und trat schnell zwischen die beiden. »Oder hast du einen Rückfall in deine Kinderzeit?«
»Warum sagt sie dann etwas so Gemeines?«, jammerte Chrissi. »Und du hältst immer zu ihr, genau wie du damals zu Lilo gehalten hast. Ich bin ja in diesem Haus nichts wert. Und warum? Weil ich meinem Vater so ähnlich sehe, nicht wahr? Weil ich dich immer an ihn erinnere, wenn du mich ansiehst. Nur deshalb magst du mich nicht. Ach, hätte er mich nach eurer Scheidung doch mit zu sich genommen, dann wäre mir viel erspart geblieben.«
Marie-Luise kam erst wieder zur Besinnung, nachdem sie ihrer tobenden Jüngsten eine schallende Ohrfeige versetzt hatte. Bestürzt blickte sie dann von ihrer brennenden Hand auf die rot anlaufende Wange Christines, die sie fassungslos anstarrte.
»Chrissi, Liebes«, murmelte sie, »es tut mir leid, aber mir ist einfach die Hand ausgerutscht. Warum musst du aber auch so etwas Hässliches sagen? Niemals habe ich ...«
»Du brauchst dich für den Schlag nicht zu entschuldigen«, sagte Chrissi finster. »Er war nur eine Bestätigung meiner Worte.«
»Chrissi, werde bitte nicht ungerecht.«
»Ich glaube jedenfalls nicht«, fuhr Christine erbarmungslos fort, »dass mein Vater mich in einer ähnlichen Situation geschlagen hätte. Er hat mich nie geschlagen, wenn ich bei ihm war. Und vielleicht hätte ich es manches Mal eher verdient gehabt als heute.«
»Ich verstehe nicht, warum du dann nicht öfter zu ihm hingefahren bist«, warf ihre Schwester Sigrid spöttisch ein. »Ja, ich muss mich sogar wundern, warum du nicht ganz und gar bei ihm lebst, wenn es dir bei ihm so viel besser gefällt als bei uns.«
Chrissi warf sich herum und maß ihre Schwester mit funkelnden Augen.
»Wegen Mama, wenn du es ganz genau wissen willst. Mama zuliebe bin ich hiergeblieben, aber das kann sich sehr schnell ändern, nachdem ihr mir bestätigt habt, dass ihr gar keinen Wert auf meine Anwesenheit legt. Ich kann noch heute zu meinem Vater fahren, wenn ihr unbedingt wollt«, schrie sie mit Tränen in den Augen.
»Chrissi«, sagte Marie-Luise Sahlfeld mit erstickter Stimme. »Musst du unbedingt so hässlich sein?
»Wie man es in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus!«, rief Chrissi erbittert. »Ihr habt mich gereizt, und ich wehre mich nur. Das ist doch wohl mein gutes Recht, nicht wahr? Wenn mir in dieser Familie alles weggenommen wird, was ich lieb habe.«
»Du liebst Hans Erichsen?«, fragte ihre Mutter bestürzt.
»Ja«, erwiderte Chrissi mit erhobener Stimme.
»Und du hast vorher Günther Bietendüwel geliebt, bevor Lilo ihn geheiratet hat, nicht wahr?«, fragte Sigrid honigsüß dazwischen.
»Ja«, sagte Chrissi trotzig. »Genauso ist es.«
»Ha!«, triumphierte Sigrid. »Wenn du Günther so schnell vergessen hast, dann kann es mit deiner Liebe nicht weit her gewesen sein, und genauso wird es dir jetzt mit Hans ergehen. Du bildest dir nämlich nur ein, dass du ihn liebst. In Wirklichkeit fühlst du dich nur in deiner Eitelkeit verletzt.«
»Das ist eine Lüge!«, schrie Chrissi erzürnt.
»Die Tatsache, dass du Hans Erichsen eher kennengelernt hast als ich, berechtigt dich nämlich noch nicht zu der Hoffnung auf einen Heiratsantrag. Wenn Hans allen Mädchen einen Antrag gemacht hätte, die er vor mir gekannt hat, dann ...«
»Das wirft ja ein schönes Licht auf deinen ... hm ... Verlobten«, unterbrach Chrissi sie bissig. »Und einen Mann, der schon so viele Mädchen vor dir gekannt hat, willst du heiraten?«
»Du doch auch, wenn ich dich recht verstehe«, versetzte Sigrid schlagfertig. »Oder weshalb sonst führst du dich hier so unmöglich auf, wenn nicht aus rasender Eifersucht?«
»Ich bin nicht eifersüchtig«, widersprach Chrissi verdrossen, »das heißt, eifersüchtig bin ich schon, aber nur deshalb, weil ...«
»Weil es dir nicht in den Kram passt, dass sich ein Mann, den du zufällig eher gekannt hast als ich, sich mit deiner Schwester verlobt. Ich sage ja, du liebst Hans nicht, du bildest es dir nur ein. Du möchtest ihn dir nur weiterhin ans Schürzenband heften, weil es deiner Eitelkeit schmeichelt, wenn du nach außen hin einen so gut aussehenden Mann zu deinen Eroberungen zählen kannst.«
»Das ist eine Lüge!«, brauste Chrissi erneut auf. »Ich mag Hans sehr gern und er mich auch. Noch heute werde ich ihn zur Rede stellen und ihn fragen, was er sich dabei gedacht hat, dir einen Heiratsantrag zu machen.«
»Sollte er dich vielleicht vorher um Erlaubnis fragen?«, empörte sich Sigrid.
»Allerdings. Es hätte sich tatsächlich so gehört, dass er sich vorher mit mir ausspricht. So, wie wir zueinander gestanden haben, war das wohl das Mindeste, was ich von ihm erwarten durfte.«
»Jetzt reicht es mir aber.« Die hübsche blonde Sigrid, die ihrer dunkelhaarigen Schwester so gar nicht ähnlich war, geriet allmählich ebenfalls in einen handfesten Zorn. »Ich werde Hans nachher selbst fragen, ob das Verhalten, das du an den Tag legst, gerechtfertigt ist. Und merke dir eines, liebes Schwesterchen, ich werde ihm glauben und nicht dir, und wehe, wenn du jetzt aus purer Bosheit und Rachsucht Behauptungen aufgestellt hast, die nicht wahr sind. In diesem Fall werde ich nie wieder ein Wort mit dir sprechen. Darauf kannst du dich verlassen!«
»Ich lege sowieso keinen Wert darauf«, erklärte Chrissi hitzig. »Mit einer Schwester, die mir seelenruhig den Mann wegnimmt, rede ich auch nicht, damit du es weißt.«
»Chrissi, bitte«, schaltete Marie-Luise Sahlfeld sich nun wieder ein. »Darf ich dich daran erinnern, dass du inzwischen mit Martin befreundet bist? Was soll er bloß von dir denken, wenn du dich jetzt plötzlich mit deiner Schwester wegen Hans Erichsen streitest?«
»Es ist mir ganz egal, was Martin von mir denkt«, ereiferte sich Chrissi. »Er war sowieso nur ein Lückenbüßer für Hans. Ich wollte mit ihm nämlich nur Hans eifersüchtig machen.«
»Das glaubst du doch selbst nicht«, entgegnete die Mutter.
»Das ist ihr eben gerade erst eingefallen«, rief Sigrid dazwischen. »Darum möchte ich wetten.«
»Meinetwegen wette, bis du schwarz wirst«, stieß Chrissi verächtlich hervor. »Was weißt du schon, wie es in meinem Herzen aussieht. Was wisst ihr beide schon ...« Sie senkte den Kopf und schlug ihre beiden Hände mit einer Geste unsagbaren Leides vor die Augen.
»Chrissi, hör um Himmels willen auf, dich wie eine abgetakelte Filmdiva zu benehmen!«, rief Marie-Luise nervös aus.
»So«, fauchte Chrissi, »du schlägst mich also nicht nur, du beleidigst mich auch noch? Du nimmst mich einfach nicht ernst. Du behandelst mich wie ein Kind, aber ich bin kein Kind mehr, und deshalb durftest du mich auch nicht schlagen. Diese Ohrfeige verzeihe ich dir nicht so schnell, Mama. Damit du es weißt!«
Noch während sie sprach, rannte sie zur Tür, öffnete sie und ließ sie kurz darauf mit einem lauten Knall hinter sich ins Schloss fallen.
Betroffen blickte ihre Mutter ihr nach.
»Um Himmels willen«, sagte sie seufzend. »Was sagst du dazu? Was mache ich bloß mit diesem Kind?«
»Wenn du mich schon fragst«, antwortete Sigrid finster, »das Beste wäre, ihr mal richtig den Hintern zu versohlen. Diese eine Ohrfeige hat nicht genügt!«
♥♥♥
Hans Erichsen durchquerte mit langen Schritten den Vorgarten der Villa Sahlfeld, als seitlich von ihm hinter einem Busch hervor ein unüberhörbares »Pst! Pst!« erklang. Unwillkürlich verhielt Hans den Schritt und blickte hinüber.
»Hallo!«, kam es dieses Mal hinter dem Busch hervor. »Hans, warte mal!«
»Wer ist denn da?«, fragte er erstaunt und versuchte, das dichte Buschwerk mit seinen Blicken zu durchdringen, was aber misslang.
»Ich bin's.« Das war unverkennbar Chrissis Stimme, wie Hans Erichsen bei sich konstatierte, und sie klang überdies ausnehmend kläglich. »Komm doch bitte mal her, Hans.«
»Aber warum denn?«, fragte er erstaunt. »Warum versteckst du dich denn da?«
»Das hat seinen guten Grund.« Chrissi lugte hinter dem Gesträuch hervor und winkte ihm mit ihrer kleinen gebräunten Hand auffordernd zu. »So komm doch schnell mal, bevor dich jemand sieht.«
»Ja, um Himmels willen, Chrissi, mach es doch nicht so spannend!«, knurrte Hans, tat aber, gutmütig wie er war, Chrissi doch den Gefallen und schlenderte über den Rasen zu dem Busch hinüber, hinter dem sich seine Schwägerin verborgen hielt. »Nun?«, fragte er, als er schließlich vor ihr stand. »Wo brennt's denn, Chrissi?«
»Nirgends«, haspelte sie verwirrt hervor, »das heißt, eigentlich doch ... Hier drinnen nämlich!« Damit klopfte sie sich bezeichnend auf die Herzgegend.
»Aha«, sagte Hans grinsend, »du bist also wieder einmal verliebt.«
Chrissi nickte wichtig.
»Und wer ist es dieses Mal?«, wollte Hans, der über die Eskapaden seiner zukünftigen Schwägerin weitgehend informiert war, lächelnd wissen.
»Du«, erwiderte Chrissi ernsthaft. »Immer noch du, Hans.« Sie starrte den dunkelhaarigen jungen Mann mit dem hübschen Gesicht und den schalkhaften braunen Augen hingerissen an. Wie hatte sie nur vergessen können, wie gut er aussah und wie männlich er wirkte! Kein Wunder, dass Sigrid ihn sich, kaum dass sie nicht aufgepasst hatte, geangelt hatte!
»Ich?«, fragte Hans nun einigermaßen verdattert, »aber, Chrissi, was soll denn dieser Unsinn? Du weißt doch, dass ich ...«
»Es ist kein Unsinn!«, unterbrach Chrissi ihn heftig. »Es ist mein völliger Ernst.« Ihre glühenden Augen hingen an seinem Gesicht. »Du musst doch gemerkt haben, dass ich dich liebe.«
»Keine Spur«, versicherte Hans immer noch verdutzt. »Ich dachte, du bist mit Martin zusammen.«
»Nun ja, zwischendurch mal«, erklärte Chrissi ihm eifrig. »Zwischendurch bin ich mal mit Martin ins Kino gegangen, aber ich habe darüber nie vergessen, dass mein Herz dir gehört, Hans. Immer und ewig nur dir!«
Hans Erichsen wollte über ihre pathetisch hervorgebrachten Worte lachen, aber der Ton blieb ihm in der Kehle stecken, als er Chrissis Gesicht sah. Es lag so viel verzweifelte Hingabe darin, dass er nicht darüber lächeln konnte. Chrissi meinte es ernst, das begriff er nun. Zumindest im Augenblick meinte sie es ernst.
»Aber, Chrissi«, begann er erneut, »das denkst du nur. In Wirklichkeit bist du ganz sicher nicht in mich verliebt, sonst hättest du nicht so ruhig mit ansehen können, wie Sigrid und ich uns angefreundet haben und nun ...«
»Aber das habe ich doch gar nicht gemerkt«, unterbrach Chrissi ihn unglücklich. »Sigrid hat so eine Heimlichtuerei daraus gemacht, dass ich es einfach nicht gemerkt habe.«
»Das meine ich ja«, sagte Hans ernst. »Du hättest es gemerkt, wenn du wirklich in mich verliebt gewesen wärst. Sei doch mal ehrlich, du hast doch niemals mehr für mich empfunden als Sympathie. Warum bildest du dir plötzlich ein, in mich verliebt zu sein?«
»Na, hör mal!«, erwiderte Chrissi heftig. »Es ist ja wohl höchste Zeit, dass mir das jetzt einfällt, wo Sigrid und du euch nun verloben wollt.«
»Aha!« Hans ging, wie man so schön sagt, ein Licht auf. »Das ist also der wahre Grund. Unsere bevorstehende Verlobung steckt dahinter. Jetzt wird mir einiges klar. Du bist bloß eifersüchtig, weil einer der Männer, die du zu deinen Verehrern zähltest, plötzlich deine Schwester liebt und heiraten möchte.«
»Das ist nicht wahr!«, rief Chrissi.
»Aber was bist du denn, wenn du nicht eifersüchtig bist?«, fragte Hans Erichsen ratlos.
»In dich verliebt, Hans. Erst als ich von eurer Verlobung hörte, da ist mir klar geworden, dass du mir mehr bedeutest, als ich angenommen habe. Das ist die Wahrheit, Hans.«
»Es tut mir leid, Chrissi«, erwiderte Hans bekümmert und bemüht, dem jungen Mädchen nicht wehzutun, »aber ich liebe nun mal Sigrid. Ich liebe deine Schwester und will sie heiraten.«
»Aber ich habe dich doch viel eher gekannt als Sigrid«, beklagte sich Chrissi.
»Das hat doch damit nichts zu tun«, stellte Hans klar. »Ich mag dich sehr gern, Chrissi. Aber lieben tue ich nun mal deine Schwester. Daran ändert auch unsere längere Bekanntschaft nichts, Kleines.«
»O Gott!«, stöhnte Chrissi verzweifelt.
Hans betrachtete ratlos das zierliche Persönchen vor sich. Was sollte er noch sagen? Niemals hatte er gedacht, dass er einmal in eine so verzwickte Situation geraten könnte. Es war gar nicht so leicht, Chrissi zu trösten und zu versöhnen, ohne sie zu verletzen.
»Komm, Chrissi«, meinte er beschwörend, »in ein paar Wochen wirst du darüber lachen, was du mir heute gesagt hast. Du bist noch so jung und ...«
»Bin ich dir zu jung?«, forschte Chrissi. »Sigrid ist nur gut zwei Jahre älter als ich.«
»Mit dem Alter hat das doch gar nichts zu tun, Chrissi. Ich liebe dich nun mal nicht.«
Hans wurde es warm, als sie jetzt noch einen Schritt dichter an ihn herantrat.
»Gut, ich sehe es ein«, erklärte Chrissi nun völlig überraschend. Offenbar hatte sie endlich eingesehen, dass all ihre Bemühungen zwecklos waren, und anscheinend besaß sie auch genügend Stolz, um ihre Niederlage gelassen hinzunehmen. »Ich verzeihe dir großzügig. Was zwischen uns war, ist vorbei. Wir wollen es vergessen. Aber bitte küsse mich noch ein letztes Mal, ja? Es soll unser Abschiedskuss sein.«
