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Eintauchen in die Welt des Denkens. Wir alle lernen es schon als kleine Kinder, und trotzdem fällt es uns auch als Erwachsene noch schwer: uns einzustellen auf das Denken anderer Menschen. Sehen Sie die Welt genau so wie wir oder stellt sie sich aus ihrer Perspektive ganz anders dar? Gerade im Kontakt mit fremden Kulturen spitzt sich diese Frage besonders zu: Hängt das, was Menschen wahrnehmen, denken und fühlen – womöglich sogar wie sie es tun – grundsätzlich davon ab, in welcher Kultur sie aufgewachsen sind? Oder gibt es doch mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes? Und wie kann man das eigentlich untersuchen? Andrea Bender und Sieghard Beller forschen seit vielen Jahren im Grenzgebiet zwischen Psychologie, Linguistik und Ethnologie und nehmen uns mit auf eine faszinierende wissenschaftliche Reise durch das weitläufige Gebiet der Kognitionen und rund um den Erdball. So lernen wir beispielsweise bei den Shuara-Indianern Südamerikas, wie ethnobiologisches Wissen organisiert ist, bei den Kpelle Afrikas, was Sprache mit der räumlichen Orientierung zu tun hat, und bei den Samoanern Polynesiens, wie sich die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme entwickelt. Kognition und Kultur sind eng verwoben – wie eng, zeigt dieses Buch an neun Fallbeispielen auf.
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Seitenzahl: 507
Veröffentlichungsjahr: 2015
Beller / Bender
Verlag Hans Huber
Die Welt des Denkens
Psychologie
Wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Guy Bodenmann, Zürich
Prof. Dr. Dieter Frey, München
Prof. Dr. Lutz Jäncke, Zürich
Prof. Dr. Franz Petermann, Bremen
Prof. Dr. Hans Spada, Freiburg i. Br.
Andrea Bender & Sieghard Beller
Die Welt des Denkens
Kognitive Einheit, kulturelle Vielfalt
Verlag Hans Huber
Programmleitung: Tino Heeg
Lektorat: Eva Henle, Wien
Herstellung: Jörg Kleine Büning
Umschlaggestaltung: Claude Borer, Basel
Druckvorstufe: mediaventa, Roland Schmid, München
Druck und buchbinderische Verarbeitung: AALEXX Buchproduktion GmbH, Großburgwedel
Printed in Germany
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Lektorat Psychologie
Länggass-Strasse 76
CH-3000 Bern 9
Tel: 0041 (0)31 300 4500
www.verlag-hanshuber.com
1. Auflage 2013
© 2013 by Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern
ISBN 978-3-456- 85224-9
E-Book-ISBN [PDF] 978-3-456-95224-6
E-Book-ISBN [EPUB] 978-3-456-75224-2
eBook-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheimwww.brocom.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1
Kognition und Kultur – Einheit oder Vielfalt?
1.1
Die Wissenschaft von den Kognitionen
1.2
Kulturelle Variabilität
1.3
Methodische Herausforderungen
1.4
Aufbau des Buches
Aufgaben
Weiterführende Literatur
2
Blau und Grün statt Blün – Beeinflussen Farbkategorien die Farbwahrnehmung?
2.1
Licht und Farbe
2.2
Wahrnehmung von Farbe
2.3
Sprechen über Farbe
2.4
Blue and green im Englischen versus siyó im Tarahumara
2.5
Kategoriengrenzen, ihre Wirkung und Bildung
Aufgaben
Weiterführende Literatur
3
Wie heißt dieser Vogel? – Wie Menschen die Tier- und Pflanzenwelt ordnen
3.1
Vogelexpertise der Shuara
3.2
Klassifizieren Amerikaner anders?
3.3
Ethnobiologische Kategorien
3.4
Kategoriestruktur und Typikalität
3.5
Prozesse beim Erwerb von Kategorien
Aufgaben
Weiterführende Literatur
4
Einige, aber nicht alle – Wenn Inhalte in das logische Denken einfließen
4.1
Mengen, Quantoren und Syllogismen
4.2
Logikkompetenz und belief bias bei den Kpelle
4.3
Logikkompetenz bei Hochschülern?
4.4
Belief bias auch bei Hochschülern?
4.5
Bildung, Sprache, Logik und beliefs
Aufgaben
Weiterführende Literatur
5
Zwei, vier, sechs, acht, zehn – Wie Zahlensysteme und Rechenoperationen interagieren
5.1
Zählen mit natürlichen Zahlen
5.2
Zahlensysteme und ihre Eigenschaften
5.3
Brotfrucht ist nicht gleich Brotfrucht: Zählen auf Mangareva
5.4
Evolution von Zahlensystemen
Aufgaben
Weiterführende Literatur
6
Wege in der Wüste – Wie räumliche Bezugssysteme für Orientierung sorgen
6.1
Grundlagen räumlicher Kognition
6.2
Kognitive Landkarten
6.3
Räumliche Referenzrahmen
6.4
Strategien der räumlichen Orientierung bei den Aborigines
6.5
Sind Aborigines „genordet“?
Aufgaben
Weiterführende Literatur
7
Vorwärts oder rückwärts in die Zukunft – Wie relativ sind Konzepte der Zeit?
7.1
Physikalische Perspektive: der Pfeil der Zeit
7.2
Biopsychologische Perspektive: die Gesichter der Zeit
7.3
Sprachliche Perspektive: die Verankerung der Zeit im Raum.
7.4
Kulturelle Perspektive: die Richtung der Zeit
Aufgaben
Weiterführende Literatur
8
Mit den Sternen segeln – Wie Navigatoren auf See Raum und Zeit integrieren
8.1
Die Geografie der Karolineninseln
8.2
Unterwegs in Auslegerbooten
8.3
Orientierung an den Sternen
8.4
Von Insel zu Insel
8.5
Navigatoren brauchen vielfältige kognitive Kompetenzen
Aufgaben
Weiterführende Literatur
9
Theory of Mind – Wie die Welt aus Sicht der anderen aussieht
9.1
Perspektivenwechsel – eine spezifisch menschliche Kernkompetenz?
9.2
Entwicklung der Theory of Mind
9.3
Soziale und kulturelle Einflüsse
9.4
Kulturspezifische Theories of Mind
Aufgaben
Weiterführende Literatur
10
Mensch ärgere dich nicht – Wie Kognitionen Emotionen bestimmen
10.1
Was ist eine Emotion?
10.2
Am Gesicht, da könnt ihr sie erkennen!
10.3
Auf die Ereigniseinschätzung kommt es an
10.4
Das Emotionslexikon und seine Ordnung
10.5
Kulturelle Einflüsse auf mehreren Ebenen
Aufgaben
Weiterführende Literatur
11
Zurück zum Ausgangspunkt – Was uns die Vielfalt lehrt
11.1
Kaleidoskop der Kognitionen
11.2
Wie tief reichen die kulturellen Einflüsse?
11.3
Die Bedeutung von Kultur
Literatur
Sachregister
Länder, Sprachen und Kulturen
Zu den Autoren
Vorwort
Kognition und Kultur sind eng verwoben – wie eng, will dieses Buch an ausgewählten Fallbeispielen illustrieren. Über Kognitionen, also die Informationsverarbeitung des Menschen, weiß die Psychologie viel zu berichten. Schlägt man ein Lehrbuch zur Kognitiven Psychologie auf, so findet man darin Themen wie Wahrnehmung, Denken und Sprache, aber auch Emotion und Motivation. Meist erfährt man allerdings kaum etwas darüber, in welchem Ausmaß die psychologischen Prozesse über Individuen und Kulturen hinweg variieren. In der Ethnologie wiederum lernt man etwas über die Vielfalt, in der menschliches Leben in verschiedenen Gesellschaften organisiert sein kann, aber kaum etwas über die psychologischen Prozesse, die das Erleben und Verhalten des Einzelnen bestimmen. Psychologie als Wissenschaft vom Erleben und Verhalten und Ethnologie als „Wissenschaft vom kulturell Fremden“ (Kohl, 2000) sind als Fachdisziplinen nur wenig verzahnt, obwohl sie einander viel zu bieten hätten. Die beiden Disziplinen stärker aufeinander zu beziehen war Ziel von Vorlesungen und Seminaren zum Thema Kognition und Kultur, die wir von 2005 bis 2010 an der Universität Freiburg gehalten haben, und ist auch Ziel dieses Buches.
Zum Inhalt des Buches
Das Einleitungskapitel gibt eine kurze Einführung in die Grundlagen von Kognition und Kultur. Jedes weitere Kapitel behandelt ein spezifisches Thema, für das es zunächst die konzeptuellen und psychologischen Grundlagen vorstellt und vor diesem Hintergrund dann ein Fallbeispiel aus einer spezifischen Kultur diskutiert. Zur vertieften Auseinandersetzung mit den einzelnen Themen enthält jedes Kapitel zudem einige Übungsaufgaben und ausführliche Hinweise auf weiterführende Literatur. Ein Fazit, das die berichteten Befunde einordnet, beschließt den Text.
Zur Entstehung des Buches
Dieses Buch zu konzipieren und zu verfassen erwies sich als aufwendiger, als wir ursprünglich gedacht hatten; von der ersten Idee bis zum fertigen Buch vergingen deshalb mehr als sieben Jahre. Nicht nur, dass immer wieder andere, im akademischen Leben wichtige Dinge die Arbeit am Manuskript unterbrachen – durch diese Arbeit wurden wir zugleich dazu angeregt, zu dem einen oder anderen Thema weitere Forschungsarbeiten durchzuführen. Davon hat der Inhalt dieses Buches natürlich enorm profitiert, die Fertigstellung wurde dadurch jedoch immer wieder verzögert. Dass es nun fertig vor uns liegt, verdanken wir zum einen der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG, die mit einem Heisenberg-Stipendium (Be 2451/8-1) der Erstautorin Freiräume für diese Arbeit schuf, und zum anderen dem Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld, wo wir mit unserer Forschungsgruppe The cultural constitution of causal cognition dem Dialog und der Zusammenarbeit zwischen der Ethnologie und anderen Kognitionswissenschaften neue Impulse zu geben hoffen.
Danksagung
Ohne die Mithilfe anderer ist ein solches Buchprojekt kaum realisierbar, und so hat auch in diesem Fall über die Jahre hinweg eine ganze Reihe von Personen zum Gelingen beigetragen. Für die Unterstützung bei der Recherche von Literatur danken wir Lukas Bischof, Susanne Bubser, Annelie Rothe, Julian Schmitz und Simone Traber. Mehrere Hundert Bücher und Fachartikel wurden für dieses Werk berücksichtigt. Verschiedene Testleser haben uns zu einzelnen Kapiteln konstruktiv Rückmeldung gegeben und auf vielen Ebenen zur besseren Lesbarkeit und Anschaulichkeit beigetragen. Für ihre Anmerkungen und Ideen möchten wir danken: Lukas Bischof, Susanne Bubser, Lisa Hüther, Stephan Klessinger, Annelie Rothe, Mario Spengler, Michael Stumpf und Sven-Erik Wulf. Und schließlich möchten wir uns auch bei Kurt Pawlik und Hans Spada vom wissenschaftlichen Beirat des Verlags Hans Huber bedanken für ihren Enthusiasmus, mit dem sie unser Buchprojekt aufgenommen haben.
Zum Schluss bleibt uns nur noch, Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, neue Erkenntnisse zum Verhältnis von Kultur und Kognition zu wünschen – einem, wie wir meinen, faszinierenden Themenfeld.
Bielefeld, im Juli 2012
Andrea Bender und Sieghard Beller
1 Kognition und Kultur
Einheit oder Vielfalt?
Vor längerer Zeit schuf Frith die Welt. Er schuf auch alle Sterne, und die Welt ist einer der Sterne … Frith schuf alle Tiere und Vögel, aber als er sie machte, waren sie zuerst alle gleich. Der Spatz und der Turmfalke waren Freunde, und sie fraßen beide Samen und Fliegen. Und der Fuchs und das Kaninchen waren Freunde, und beide fraßen Gras … Er ließ wissen, dass er ein großes Treffen veranstalten würde und dass er bei diesem Treffen jedem Tier und jedem Vogel ein Geschenk machen würde, damit sich jeder von dem anderen unterscheide. Richard Adams, Unten am Fluß, 1992, S. 30–31.
Eine Frage der Perspektive
Wenn wir versuchen, uns in der Welt da draußen, in unseren sozialen Beziehungen oder in unserem Innenleben zurechtzufinden, sind wir oft – wenn auch meist uneingestanden – der Überzeugung, dabei die einzig richtige Perspektive einzunehmen. In vielen Situationen fällt es uns deshalb nicht leicht, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Nehmen Sie ein paar einfache Beispiele aus dem Alltag:
Die Besprechung nächsten Mittwoch wird um zwei Tage vorverlegt? Dann findet sie wohl am Montag statt. – Grün und blau sind verschiedene Farben, keine Frage. – „Peter hat mir nicht geholfen, obwohl er mir das versprochen hatte.“ Wer würde sich darüber nicht ärgern? – Oder: „Das Brötchen da vorne links, bitte!“ Wieso reicht mir die Verkäuferin nun statt des gewünschten Sesambrötchens ein Roggenbrötchen von hinten rechts?
Wie wir noch sehen werden, ist es nicht nur im letzten Beispiel, sondern in jeder der genannten Situationen keineswegs selbstverständlich, wie man sie zu verstehen hat oder was andere Personen darüber denken.
Perspektivenwechsel
Perspektivenwechsel ist eine Fähigkeit, die wir alle als kleine Kinder lernen, zumindest dem Prinzip nach (Astington, 2000), und die uns dennoch selbst als Erwachsenen noch schwerfällt (Galinsky et al., 2006; Wu & Keysar, 2007). Umso mehr setzt es uns zu, wenn wir – etwa bei einer Reise ins ferne Ausland – plötzlich mit Personen konfrontiert werden, deren Ansichten, Werte und Verhaltensweisen so gar nicht unseren Erwartungen entsprechen. Dann können wir uns mit einem Mal sehr gut vorstellen – ja, es erscheint geradezu selbstverständlich –, dass „die anderen“ die Welt ganz anders sehen als und sie womöglich auch anders denken als wir.
Leitfragen
Aber wie groß sind die Unterschiede wirklich? Und auf welcher Ebene sind sie angesiedelt? Überschätzt man im Kontakt mit fremden Kulturen, was wir im Alltag eher unterschätzen? Hängt das, was Menschen wahrnehmen, denken und fühlen – womöglich sogar wie sie es tun –, grundsätzlich davon ab, in welcher Kultur sie aufgewachsen sind, oder gibt es doch mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes? Und wie kann man das eigentlich untersuchen?
Eintauchen in die Welt des Denkens
Fragen wie diese stehen im Zentrum unseres Buches. Es lädt Sie ein, in die faszinierende Welt des Denkens einzutauchen, und dies im doppelten Sinne des Wortes. Zum einen möchten wir Sie mitnehmen auf einen Streifzug durch das weitläufige Gebiet menschlicher Kognitionen. Dazu gehören Vorstellungen von Raum und Zeit genauso wie Emotionen und Sprache. Zum anderen möchten wir Sie mitnehmen auf eine Reise zu verschiedenen Kulturen rund um den Erdball, von den indianischen Kulturen Amerikas bis zu den polynesischen Inseln im Pazifik.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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