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Sprache und Wahrnehmung sind so grundlegend und selbstverständlich, dass sie häufig automatisch und unreflektiert verwendet werden. Dadurch entstehen viele Probleme. Die in diesem Buch vorgestellten methodischen Anwendungen helfen dabei, diese Probleme zu erkennen und zu lösen. Das Buch bietet eine konzentrierte Handreichung von zwei methodisch aufbereiteten Zugängen, die für die persönliche wie berufliche Orientierung höchst relevant sind: die Sprache als Erkenntnismittel und die phänomenologische Welterfahrung. Sie werden hier in einer Weise vorgestellt, die zum Selbstdenken, zum kritischen Hinterfragen wie zur Intensivierung der persönlichen Lebenswelt unmittelbar anregen. Der Text ist so gestaltet, dass sich essayistische und erläuternde Partien mit Übungen und perspektivischen Angeboten abwechseln. Die praktischen Einheiten dienen dazu, die vorgestellten Thesen und Reflexionen an der eigenen Erfahrung besser überprüfen zu können und Philosophieren als konkreten Handlungsvollzug sichtbar werden zu lassen.Aus einem größeren Materialfundus, der während vieler Jahre entstanden ist, wurden viele der hier dargestellten Methoden durch die Arbeit mit Einzelnen, Gruppen, Teams oder Organisationen erprobt. Doch wendet sich das Buch damit nicht allein an Therapeuten, Berater, Coaches, Seelsorger, Organisationsentwickler oder philosophische Praktiker, sondern gleichermaßen an alle Leser, die ihre Erfahrungen tiefer verstehen und ihre Lebensmöglichkeiten genauer erkunden wollen.
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Seitenzahl: 292
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Für Mone, die es auf ihre Weise begleitet
Thomas Stölzel
Die Welt erkunden
Sprache und Wahrnehmung in Therapie, Beratung und Coaching
Vandenhoeck & Ruprecht
Mit 3 Abbildungen und 2 Tabellen
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
eISBN 978-3-647-99665-3 ISBN 978-3-647-40376-2
Umschlagabbildung: www.shutterstock.de
© 2015, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen / Vandenhoeck & Ruprecht LLC, Bristol, CT, U.S.A.
www.v-r.de
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages.
Satz: SchwabScantechnik, Göttingen
Umschlag: SchwabScantechnik, Göttingen
Inhalt
Vorwort
Der Mensch als sprechendes und wahrnehmendes Wesen
Der Mensch als sprechendes Wesen
»Im Anfang war das Wort«
Exkurs über den Anfang und das Anfangen
Wie reden wir?
»Sprachspiele«
Exkurs über das Denglische
Das Zauberwort treffen
Etwas besprechen
Exkurs: Transitiv oder reflexiv?
Mit anderen Worten
Begriffe sind keine Einzelkinder
Anschauliche Worte
Genau und klar
Die menschliche Sprache als zentrales Arbeitsinstrument
Der Mensch als wahrnehmendes Wesen
Was sich zeigt
Exkurs über das Selbstverständliche
Am »Nullpunkt« der Erfahrung
Systemaufstellungen – eine Anwendungsform der Phänomenologie?
Sich anmuten lassen – Phänomenologie im Umgang mit dem anderen
Dynamik des Dialogischen
Gleitende Perspektiven
»Unaufmerksamkeitsblindheit«
Zwei Lebensinstrumente stimmen
Tubus heuristicus – Der Mensch als Welterkunder
Chronologische Liste der Übungen
Literatur
Vorwort
Wie sähe unsere Welt aus – ohne die Möglichkeit, sprechen und wahrnehmen zu können? Man braucht sich nur ein wenig mit dieser Frage zu beschäftigen, um zu erkennen, wie grundlegend diese beiden so selbstverständlichen Tätigkeiten sind. Sie bilden so etwas wie die beiden Lebensinstrumente, die den Klang unseres persönlichen Daseins modulieren. Alles, was wir erfahren können, wird durch sie überhaupt erst ermöglicht. Das mag manchem trivial, ja banal erscheinen. Doch dass gerade die vermeintlichen Banalitäten des Lebens eine besondere Rückseite haben – wendet man die sprichwörtliche Medaille –, ist oft bemerkt worden. Und so soll in diesem Buch gewissermaßen die Medaille umgedreht werden, um deutlich werden zu lassen, was zutage tritt, wenn existentielle Themen wie Sprache und Wahrnehmung anders betrachtet werden – und dies nicht allein im Kontext von Therapie, Beratung oder Coaching.
Unter dem Titel: »Die Welt erkunden. Sprache und Wahrnehmung in Therapie, Beratung und Coaching«, steht eine konzentrierte Heranführung an zwei methodisch aufbereitete Zugänge, die für die persönliche wie berufliche Orientierung höchst relevant sind: Die Sprache als Erkenntnismittel und die phänomenologische Welterfahrung. Sie werden hier in einer Weise vorgestellt, die unmittelbar zum Selbstdenken, zur kritischen Hinterfragung wie zur Intensivierung der persönlichen Lebenswelt anregt. Dabei ist der Text so gestaltet, dass sich essayistische und erläuternde Partien mit Übungen und perspektivischen Angeboten abwechseln. Die praktischen Einheiten dienen dazu, die hier vorgestellten Thesen und Reflexionen an der eigenen Erfahrung besser überprüfen zu können und Philosophieren als konkreten Handlungsvollzug sichtbar werden zu lassen. Viele der hier dargestellten Methoden wurden durch die Arbeit mit Einzelnen, Gruppen, Teams oder Organisationen erprobt. Doch wendet der Text sich damit nicht allein an Therapeuten, Berater, Coaches, Seelsorger, Organisationsentwickler oder Philosophische Praktiker, sondern gleichermaßen an alle Leser, die ihre Erfahrungen tiefer verstehen und ihre Lebensmöglichkeiten genauer erkunden wollen – und dies anhand von zwei so elementaren und oft eigens nicht betrachteten Selbstverständlichkeiten.
Das Buch setzt auf seine Weise die beiden Vorgängerbände – »Staunen, Humor, Mut und Skepsis. Philosophische Kompetenzen für Therapie, Beratung und Organisationsentwicklung« und »Fragen – Lösen – Fragen. Philosophische Potentiale für Therapie, Beratung und Organisationsentwicklung« – fort; es fasst sozusagen die losen Enden dieser Bände an zwei kardinalen Punkten: der Sprache und der Wahrnehmung. Ohne zu sehr in eigener Sache zu werben, kann ich sagen, dass der Gewinn für Leser, welche diese Bände bereits kennen oder jetzt kennenlernen wollen, größer ist. Das dritte Buch steht aber auch für sich und kann für sich gelesen und verwendet werden. Mit diesem Buch beende ich (fürs Erste) eine Zwischenbilanz meiner Arbeit der letzten zwanzig Jahre. Wie in den beiden anderen Büchern ist das grammatische Genus männlich. Das liegt nicht in dem Umstand begründet, dass ich diesem Geschlecht angehöre, sondern in der bislang nicht befriedigend gelösten Tatsache, beide Geschlechter gleichzeitig angemessen und sprachlich gelenk abzubilden. Die geneigten Leserinnen können also das »er« oder »ihn« als »sie« oder »ihr« lesen.
Es bleibt mir noch, meinen Dank auszusprechen; und der gilt »ihr« wie »ihm« gleichermaßen. Ich danke auch hier Matthias Ohler für die konstruktive und bereichernde Zusammenarbeit in der früher gemeinsam geleiteten Fortbildungsreihe »Philosophisches Jahr« und anderen Seminaren und Supervisionen sowie für alle Anregungen und Hinweise, die ich von ihm erhalten habe; Peter Friedrich und Charlotte Friedli aus dem Fachbereich Psychosoziales Management der Fachhochschule Nordwestschweiz für ihr Engagement bei der Etablierung des CAS-Kurses »Angewandte Philosophie im beruflichen Kontext« und ihr Interesse an den hier behandelten Themen; Fritz B. Simon, der die Anregung gegeben hat, diese Bücher überhaupt zu verfassen; Günter Presting, Sandra Englisch und Imke Heuer vom Vandenhoeck & Ruprecht Verlag für ihr beständiges Interesse an dem Thema und die Möglichkeit, noch einen dritten Band in ihr Programm aufzunehmen, sowie für die abermalige gute und professionelle Zusammenarbeit; Silke Strupat für ihre sorgfältige Durchsicht auch dieses Manuskripts.
Zuletzt und wiederum zumeist danke ich meinem persönlichen Umfeld und hier an erster Stelle (die Widmung deutet es wiederum an) meiner lieben Frau Simone Stölzel für ihre abermalige Anteilnahme, Dialogbereitschaft und Unterstützung, mit der sie den Entstehungsprozess dieses Buches freundlich-kritisch begleitet hat. Und ich danke unseren Kindern Maura, Nikolai, Valentin und Milan für ihr Verständnis und ihre (von der Hoffnung getragene) Rücksichtnahme, ihr Vater möge nach Beendigung dieses Buches wieder leichter ansprechbar sein.
Ich wünsche allen Lesern, die bereit sind, sich auf eine Überprüfung ihrer Sprach- und Wahrnehmungsmöglichkeiten einzulassen, viele Anregungen, Aufschlüsse und Anknüpfungspunkte, die ihre Arbeit und ihr Leben bereichern und sie anders mit dem Umstand in Kontakt bringen, was es heißt, – sprechend und wahrnehmend – auf der Welt zu sein und sich auf eigene Weise in ihr zu bewegen.
Thomas Stölzel
Der Mensch als sprechendes und wahrnehmendes Wesen
Meine Muttersprache hat recht. Die Welt schaut so aus, wie meine Muttersprache sie beschreibt.
Ernst von Glasersfeld
Aufenthalte in zweisprachigen Städten, wie zum Beispiel in Fribourg, Bozen oder Frankfurt an der Oder, in denen die Dinge auch öffentlich zwei Namen haben, können sehr aufschlussreich sein. Sie bieten nicht nur Deutschsprachigen die Möglichkeit, leichter Französisch, Italienisch oder Polnisch zu lernen; sie irritieren (vor allem bei einsprachigen Menschen) eine willkürliche Verbindung, die für viele zur Gewohnheit, ja zur Selbstverständlichkeit geworden ist. »Für uns heißen alle Dinge mit Notwendigkeit gerade so, wie sie in unserer Sprache heißen, so und nicht anders. Die naive1 Identifikation der Dinge mit ihren Namen gibt uns die – trügerische – Gewissheit, mit unseren Worten von den Dingen selbst zu reden« (Wandruszka, 1979, S. 18). Wer sich auf diese Irritation einlässt, der kann spüren, wie sein Gewohnheitspanzer in Schwingung und sein Selbstverständlichkeitsgefühl ins Schwanken gerät. Denn die »richtige« Kongruenz zwischen Wort und dem durch dieses Wort bezeichneten Erscheinungsbild passt nicht mehr zusammen. Zwar sieht das wahrgenommene Ding noch ganz genauso aus, heißt jetzt aber anders. Genauer: Es hat einen zweiten Namen, der jedoch gleichberechtigt neben dem ersten steht. Und angenommen, ich nehme jetzt das andere Wort, das ja für dieselbe Sache steht, verändere ich dann auch das Bezeichnete? Fühlt sich der Gegenstand, das Thema, die Person anders an, wenn ich statt »Haus« »maison« »casa« oder »dom« sage? Wenn wir etwas wahrnehmen, hören wir (zumeist stumm) den Eigennamen mit und erzeugen so einen stabilen Wechselwirkungsprozess zwischen Wort und Ding, zwischen Sprache und Wahrnehmung (ich sehe »eine Eiche« und höre »eine Eiche«). Dieser zumeist unbemerkte Wechselwirkungsprozess begründet das Fundament unseres alltäglichen Welterlebens und teilt damit das Schicksal anderer Fundamente: Er schwindet aus unserem Gewahrsein; wir bemerken diesen »Boden«, auf dem unsere gesamte Welterfahrung ruht, nicht mehr, so lange, bis wir uns von der eben skizzierten Irritation zumindest subtil aus unserem Gewohnheitsschlaf aufstören lassen.
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