Die Zisterzienser - Jörg Oberste - E-Book

Die Zisterzienser E-Book

Jörg Oberste

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Beschreibung

Cistercians are the reform order of Benedictine monks dating back to the High Middle Ages. As ingenious technical designers, they laid down the basis for intensive agriculture. Their ideal of piety was far ahead of the mendicant orders and made the Benedictine order attractive again in the time of the Investiture Controversy. The book covers the history of the Cistercians from their oundation by Robert of Molesme and Bernard of Clairvaux, through their cultural, scientific and social function in the Middle Ages to the present day, although its focal point - the importance of the order - was in the Middle Ages.

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Seitenzahl: 420

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Die Zisterzienser haben im 12. Jahrhundert die Rechtsform des modernen religiösen Ordens erfunden. Ihre Reformen im geistlich-liturgischen und organisatorisch-konstitutionellen Bereich haben das hoch- und spätmittelalterliche Mönchtum dauerhaft geprägt. Durch ihre Rückkehr zur Eigenbewirtschaftung, die Einbeziehung von Laienbrüdern und ein europaweites Newtzwerk zu Herrschern, Bischöfen und lokalen Adligen haben sie auch außerhalb des Klosters tiefe Spuren in der Gesellschaft und Wirtschaft ihrer Zeit hinterlassen. Das Buch behandelt die Geschichte der Zisterzienser von der Gründung durch Robert von Molesme und ihrer größten Expansion unter Bernhard von Clairvaux über ihre religiöse, kulturelle, wissenschaftliche, politische und sozioökonomische Bedeutung bis zu den Reformen und Krisen der Neuzeit und dem gewandelten Selbstverständnis in der Gegenwart. Professor Dr. Jörg Oberste ist Professor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Regensburg.

Professor Dr. Jörg Oberste ist Professor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Regensburg.

Jörg Oberste

Die Zisterzienser

1. Auflage 2014 Alle Rechte vorbehalten © 2014 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print: 978-3-17-022142-0

E-Book-Formate

pdf:

978-3-17-024389-7

epub:

978-3-17-024390-3

mobi:

978-3-17-024391-0

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Rebellion und Experiment – die Anfänge der Zisterzienser

1.1 Vor den Zisterziensern

1.2 Robert von Molesme

1.3 Novum monasterium

1.4 Kloster im Aufbau – Cîteaux unter Alberich (1099–1109)

1.5 Orden im Aufbau – die Anfänge Abt Stephan Hardings

2 Charisma und Ratio – der zisterziensische Verband und seine Verfassung

2.1 Die ersten Töchter

2.2 Das System der Carta caritatis

2.3 Päpstliche Privilegien

2.4 Europa wird zisterziensisch

2.5 Zisterzienserinnen

2.6 Die kommunikative Praxis

3 Verinnerlichung und Gelehrsamkeit – die geistliche Welt der Zisterzienser

3.1 Mythos Gründerväter – die Ideale der Zisterzienser

3.2 Klosteralltag und Liturgie

3.3 Lehrer und Gelehrte

3.4 Skriptorien, Bibliotheken und Schulen

3.5 Bernhard und Maria – Visionen und Heilige

3.6 »Heilige Räume und Bilder« – zisterziensische Architektur und Kunst

4 Soziale Netzwerke in der Einsamkeit – Zisterzen in ihrer weltlichen und kirchlichen Umgebung

4.1 Memoria als soziale Praxis

4.2 Stifter und Herren

4.3 Kommunikation über Ordensgrenzen

4.4 Zisterzienser in der kirchlichen Hierarchie

4.5 Kreuzzug und Mission

4.6 Pilger und Pauperes

5 Innovationen in Armut – zisterziensische Arbeit, Ökonomie und Technik

5.1 Arbeit bei den Zisterziensern

5.2 Konversen

5.3 Landwirtschaft

5.4 Zisterzienser als Spezialisten – Handwerk, Technik und Handel

5.5 Verschuldungskrise und Klosterökonomie

6 Orden im Umbruch – Krisen und Reformen in Spätmittelalter und Reformationszeit

6.1 Verlust der Mitte – Zentrale Ordensinstanzen und Regionen

6.2 Ordensleben in Krisenzeiten – Krieg, Pest und Schisma

6.3 Reformen vor der Reformation

6.4 Neuerungen in der Kirche – Kommende und Kongregationen

6.5 Reformation

7 Diversität und Dekadenz – das Ordensleben im Zeitalter von katholischer Reform, Revolution und Säkularisation

7.1 Katholische Reform und neue Kongregationen – die Zisterzienser nach der Reformation

7.2 Ringen um die Lebensweise – die Entstehung der strengen Observanz

7.3 Erneuerung und Erinnerung – der Orden im Barockzeitalter

7.4 Aufklärung und Revolution

7.5 Säkularisationen

8 Zisterzienser global – die beiden Orden bis in die Gegenwart

8.1 Der Orden der strengeren Observanz

8.2 Die Zisterzienser der allgemeinen Observanz

9 Abkürzungen

10 Auswahlbibliographie

11 Abbildungsverzeichnis

Für meinen Vater

Vorwort

Wer über das zisterziensische Ordensleben im Singular schreibt, wählt eine historische Betrachtungsweise mit Blick auf das Reformpropositum der Gründerväter des Ordens, das der zisterziensischen Bewegung dauerhaft etwas Unverwechselbares einschrieb. Obwohl keineswegs in allen Zeiten und an allen Orten danach gelebt wurde, gelten Werte wie die Rückbesinnung auf die Benediktsregel, der Gleichklang von Gebet und Handarbeit, die Schlichtheit von Liturgie und Architektur bis heute als ›Markenzeichen‹ der Zisterzienser und als Leitlinien von Reformen. Wer hingegen die fast tausendjährige Geschichte des Ordens in den Blick nimmt, die sich in hunderten von Konventen auf mittlerweile allen Kontinenten abspielt, sieht sich einer Pluralität von Lebensformen und -verhältnissen gegenüber, die sich einer geschlossenen Darstellung, zumal in der hier erforderlichen Kürze, weitgehend entzieht.

Das vorliegende Buch ist als Einführung in die lange Geschichte der Zisterzienserinnen und Zisterzienser konzipiert. Es zeigt von der Einrichtung des Neuklosters und des Ordens in den ersten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts an in exemplarischer Auswahl die Vielfalt von Lebensformen und Handlungsfeldern auf. Zur besseren Orientierung in diesem Geflecht von Bedingungen, Antriebskräften und Wirkungen dienen unter anderem neuere Fragestellungen und Methoden der vergleichenden Ordensgeschichte, die sich in dem vorliegenden Band etwa in Kapiteln über die kommunikative Praxis im Zisterzienserorden (2/6), Memoria als soziale Praxis (4/1) oder über Verschuldungskrise und Klosterökonomie (5/5) niederschlagen. In den drei abschließenden Kapiteln wird der Zisterzienserorden in Spätmittelalter und Neuzeit thematisiert. Auch wenn viele Entwicklungen bereits in den systematischen Abschnitten über Liturgie, geistiges Leben, politisches Umfeld, Wirtschaft u. a. behandelt wurden, erscheint eine chronologische Einordnung in die Umbrüche der Neuzeit sinnvoll.

Bei der schwierigen Aufgabe, in allen Epochen und Themen, auch in jenen, zu denen der Verfasser keine eigenen Forschungen betrieben hat, den Überblick zu behalten und die richtigen Schwerpunkte zu setzen, habe ich auf vielfältige und liebenswerte Weise Unterstützung erhalten, für die ich zutiefst dankbar bin. Wertvolle Erkenntnisse haben sich aus zwei Doktorandenkolloquien ergeben, die ich 2010 und 2012 gemeinsam mit P. Dr. Alkuin Schachenmayr in Stift Heiligenkreuz veranstaltet habe. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern sei dafür herzlich gedankt. Mein Mitarbeiter Christian Malzer, der mit einem Promotionsprojekt über die sozialen Netzwerke der Zisterzienserabtei Waldsassen im späteren Mittelalter über einen reichen Wissens- und Literaturfundus zur Ordensgeschichte verfügt, hat mir diesen uneigennützig und hilfsbereit zur Verfügung gestellt. Er hat nicht zuletzt das gesamte Manuskript durchgesehen. Wichtige Kapitel dieses Buchs haben darüber hinaus P. Dr. Alkuin Schachenmayr (Heiligenkreuz), Kathrin Müller (München) und mein Kollege Harald Buchinger (Regensburg) gelesen und mit wertvollen Hinweisen versehen. Solche steuerten ebenfalls die Reihenherausgeber Christoph Dartmann (Münster) und Klaus Unterburger (Regensburg) sowie Daniel Kuhn (Kohlhammer-Verlag) bei. Eine unentbehrliche Stütze bei der redaktionellen Betreuung des Bandes, bei bibliographischen Recherchen, Registerarbeiten und Überprüfung von Zitaten war mir mein Regensburger Team, dem neben Christian Malzer vor allem Lisa Pfau, Theresa Jung und Theresa Rinser angehören. Ihnen allen gebührt mein aufrichtiger Dank für die jederzeit freundschaftliche Zusammenarbeit!

Meine Frau Melanie und meine Söhne Artur und Paul waren die treibenden Kräfte im Hinter-, oder besser Vordergrund. Gewidmet ist das Buch in Liebe meinem Vater Dr. Walter Oberste, der am 25. Dezember 2013 80 Jahre alt wurde.

Dresden, im Februar 2014

Jörg Oberste

1 Rebellion und Experiment – die Anfänge der Zisterzienser

Die ersten Zisterzienser stellt man sich nicht als Rebellen vor, schon eher als Fundamentalisten, denen die konsequente Rückkehr zu einem älteren Ideal vor Augen stand. Gleichwohl bewegten sich Robert von Molesme, Alberich, Stephan Harding und ihre Anhänger nicht in den vorgezeichneten Bahnen der Kirche. Ihnen schwebte die Verwirklichung eines religiösen Ideals, eine vita perfectionis vor, zu deren Erreichung man sogar den Bruch kirchlicher Gelübde und kirchenrechtlicher Normen in Kauf nahm. Den Maßstab eines solchen Verhaltens, das von der Sorge um das eigene Seelenheil diktiert war, lieferten die heiligen Texte des Evangeliums, der Kirchenväter und der Benediktsregel, die selbst nur einen »Anfang im klösterlichen Leben« (RB 73,1) setzen wollte. Für die Amtskirche, die das Auslegungsmonopol der heiligen Texte für sich reklamierte, implizierte ein solches Verhalten die öffentliche Infragestellung ihres Primats. Folglich bemühten sich Kirchenleute darum, die ersten Zisterzienser in das System der Kirche einzubinden. Betrachtet man aber die Ereignisse von 1098 aus der Perspektive der Betroffenen, kann man darin sehr wohl die tatkräftige Auflehnung gegen eine kirchliche Ordnung erkennen, der es durch das trostlose Erscheinungsbild ihrer Glieder in der Welt an Glaubwürdigkeit mangelte. Gerade das Beispiel Roberts von Molesme ist dabei von einer rastlosen Suche nach alten Idealen und innovativen Lösungen geprägt. Rebellion gegen die Unordnung der Amtskirche und Experimentierfreude in der Verwirklichung der mönchischen Lebensform kennzeichnen die Anfänge der Zisterzienser.

1.1 Vor den Zisterziensern

Die Gründung des Neuklosters im Jahre 1098 und mehr noch das bis dahin beispiellose Anwachsen des zisterziensischen Verbandes im Laufe des 12. Jahrhunderts sind Ausdruck einer verbreiteten und vielgestaltigen Suche nach religiöser Erlösung. Das Mittelalter brachte in fast jeder Generation Zweifel an herkömmlichen Wegen und Neuansätze im religiösen Leben hervor, doch in den beiden Jahrhunderten vor der zisterziensischen Ordensgründung entfaltete sich im westlichen Europa eine besondere Dynamik der Heilssuche1. Eine Bedingung dafür war langfristig in den karolingischen Bildungsreformen geschaffen worden, die zu einer Befruchtung der Theologie und zu einer rudimentären Hebung des intellektuellen Niveaus beitrugen. Prophezeiungen im Umfeld der ersten Jahrtausendwende riefen überdies gesteigerte religiöse Erwartungen und Ängste vieler Menschen hervor. Die im Abendland zu diesem Zeitpunkt erstmals auftretenden Wanderprediger und Ketzer predigten Enthaltsamkeit, Weltflucht und Evangelientreue. Ihr Erfolg ist ein Indiz dafür, dass das Vertrauen in die amtskirchliche Heilsvermittlung angesichts offensichtlicher Missstände im Schwinden begriffen war. Verstärkt wurde dieses Misstrauen durch die kritischen Stimmen der Kirchenreform. In beispielloser Schärfe geißelt etwa der Kardinal und Ordensmann Petrus Damiani († 1072) in seiner »Verteidigung der Weltverachtung« (Apologeticum de contemptu saeculi) die Habgier und Verweltlichung vieler Mönche und Kleriker als Grundübel seiner Zeit.

Nur wenig später hat der süddeutsche Benediktiner Bernold von Konstanz († 1100), der in den Abteien Sankt-Blasien und Schaffhausen für die Kirchenreform eintrat, die Breite und damit das Neue der religiösen Bewegung seiner Zeit gesehen, indem er die laikale Frömmigkeit neben die herkömmlichen Lebensformen der Mönche und Kleriker einordnete:

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