Die Zweitreisenden - Urs Rauscher - E-Book

Die Zweitreisenden E-Book

Urs Rauscher

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Beschreibung

Zwei arbeitslose Akademiker bekommen im TV etwas Ungeheuerliches mit: Hartz IV-Empfänger sollen zukünftig im Ausland ihre Brötchen verdienen.Um diesem Schicksal zu entgehen, beschließen die beiden Freunde, sich selbst aus der Datenbank der Arbeitsagentur zu löschen. Doch dazu müssen sie an die Daten gelangen. Sie schmieden einen folgenschweren Plan... Spannung, Sex und abstruse Wendungen: Das ist die Essenz dieses Romans. Ein humorvoller, witziger, makaberer Ritt durch die Zeit mit zwei brüllend komischen Protagonisten, die unversehens durch die wildesten Abenteuer stolpern. Zwei grundlegend verschiedene Charaktere, die ihre ganz eigene amüsante und verrückte Sicht auf die Dinge haben. Martin und Benjamin: Die Zweitreisenden. Eine Zweierkonstellation, wie es sie in der Literatur noch nicht gegeben hat!

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Seitenzahl: 235

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Urs Rauscher

Die Zweitreisenden

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

IX

X

Impressum neobooks

I

Martin stand an der Balkontüre und drehte sich eine Zigarette. Gerade hatte er gegen Benjamin ein Spiel Real Madrid gegen Chelsea verloren. Sie hatten es auf ihrem Fernseher im Wohnzimmer gespielt. Wie jeden Abend. Wie schon seit Jahren.

„Revanche“, brüllte Benjamin und fuchtelte triumphierend mit seinem Controller herum.

„Gleich“, sagte Martin angefressen. Seinen Controller hatte er aufs Sofa gepfeffert. Jetzt blinkte dieser. Das schnurlose Gerät wollte geladen werden.

„Lass dir die Verlierer-Zigarette schmecken“, spottete Benjamin.

„Ja“, knurrte Martin und trat auf den Balkon. Er wusste, dass Benjamin diesen Moment auskosten musste. Die nächste Niederlage kam bestimmt. Da sie das Spiel schon ungefähr gleich lang spielten, waren sie auch ungefähr gleich gut. Es kam nur auf die Tagesform an. Und darauf, wer gerade eine Glückssträhne hatte. Noch konnte er sich in der mentalen Balance halten, aber wenn er ein paarmal häufiger verlieren würde, wäre der Abend gelaufen.

„Ich schalt mal um“, hörte er Benjamin von drinnen sagen. In den Spielpausen switchten sie gerne zwischen Spielkonsole und TV hin und her. Den Fanjubel in der Endlosschleife konnten sie sich sparen.

Es war kalt hier draußen. Einen Moment überlegte er, die Jacke zu holen, dann aber entschloss er sich zum Quickie-Rauchen. Auf dem Balkon standen überall leere Bierflaschen herum. Dazu randvolle Aschenbecher. Und Bierflaschen, die als Aschenbecher missbraucht worden waren. Es roch nach Vergorenem mit einer Prise Asche. Sie hatten den Bierwald jetzt lange genug aufgeforstet. Es wurde Zeit, dass sie mit der Rodung begannen.

„Matti, Schau dir das mal an!“, rief Benjamin von innen. Martin kannte diese Form von Ausrufen. Es konnte sich um nichts Besonderes handeln. Aber er beeilte sich, ins Warme zu kommen. Nichts hasste er mehr als den Spätherbst.

„Jetzt wollen sie ans Eingemachte“, sprach Benjamin vor sich hin, wie gefesselt von dem, was er vom Fernseher verabreicht bekam.

Martin steckte seinen Controller ans Ladekabel und sah erst dann auf den Bildschirm. „Was meinst du?“

„Sie machen ernst“, sagte Benjamin konsterniert und sank ein Stück weiter in seinen Sessel ein.

Martin sah in der Totalen ein großes Gebäude mit einem roten Logo. „Ist das die Arbeitsagentur?“

Benjamin sparte sich die Antwort. „Jetzt verschicken sie die Leute ins Ausland. Wie in einem schlechten Film.“

Martin setzte sich in seinen Sessel und griff nach seinem Bier. Bevor er weiterfragte, nahm er einen Schluck. Es war schon schal geworden.

„Du meinst…? Sie schicken Arbeitslose ins Ausland?“

„Nein Babys…“ Benjamin schnellte nach vorne und sah ihn mit aufgerissenen Augen an. „Natürlich Arbeitslose! Was denkst denn du?“

„Ach du Scheiße.“ Begreifen sickerte Martin in die Glieder. Er verschluckte sich und prustete eine feine Fontäne formidabelsten Flaschenbiers in Richtung der Mattscheibe.

„Ja. Scheiße.“

„Das ist das Ende des Sozialstaats.“

„Das ist das Ende vonuns“, korrigierte ihn Benjamin.

„Ich geh wieder jobben“, sagte Martin und fuhr sich durch den lockigen Haarschopf.

„Einen Scheiß gehst du. Die haben uns schon auf der Liste. Die sparen jetzt nicht nur Geld, jetzt können sie sogar was mit uns verdienen. Das ist moderne Sklaverei!“

„Aber das können sie doch nicht machen. Stell dir mal vor, jemand hat Familie. Oder Eltern, die er pflegen muss.“

„Hab ich Familie?“, fragte Benjamin rhetorisch.

„Nein.“

„Hast du Familie?“

„Nein.“

„Willkommen in Nicaragua, Martin Kimmel!“

„Fuck!“

„Vier Millionen Arbeitslose. Vier Millionen Leiharbeiter für Südamerika, Asien, Afrika! Wenn der Staat nur nen Tausender Leihgebühr pro Person pro Jahr einstreicht, sind das schon 4 Milliarden Euro Mehreinnahmen. Die man zu den Milliarden-Einsparungen addieren kann.“

„Dann kann die Bundeswehr so richtig aufrüsten.“

„Bundeswehrist das Stichwort!“, stieß Benjamin aus. „Wir können froh sein, dass man uns nicht am Hindukusch verheizt. Wie das die Amis mit ihren Arbeitslosen machen.“

„Und.“ Martin wurde gerade ein erschreckender Fakt bewusst. „Akademiker sind besonders wertvoll.“

„Natürlich!“, sagte Benjamin, als wäre sein Freund schwer von Begriff. „Wir bringen am meisten ein. Deswegen sind wir auch die Ersten, die verschickt werden…“

„…um für einen Hungerlohn einen anspruchsvollen Job zu machen“, führte Martin den Gedanken fort.

„So ist es“, sagte Benjamin und rülpste.

„Ich muss jetzt erst mal ne Tüte rauchen“, sagte Martin geschockt und griff nach dem durchsichtigen Beutel mit dem Gras, der auf dem Wohnzimmertischchen lag.

„Gute Idee“, meinte Benjamin mit biervollem Mund. Er sah plötzlich sehr müde aus. „Kein Bock auf Zocken mehr.“ Sein struppig-blondes Haar war seit Wochen nicht mehr geschnitten worden.

Einige Joints und Biere später lagen beide noch tiefer in ihren Sesseln, waren aber nicht weniger von der Rolle. Rauchschwaden umgaben sie. Und sie fassten einen Plan.

Martin und Benjamin bezogen schon seit über zwei Jahren das Arbeitslosengeld II, im VolksmundHartz IVgenannt. Sie bezogen es, weil sie nach dem Studium keinerlei Versuche unternommen hatten, einen ordentlichen Job zu bekommen. Ihr geisteswissenschaftliches Studium hatte ihnen als Ausrede gedient, sich gar nicht erst auf Jobsuche zu begeben, waren doch die Berufsaussichten für Historiker und Philosophen äußerst beschränkt. Eine Weile hatten sie nach dem Abschluss noch gejobbt, dann hatten sie festgestellt, dass es sich wesentlich besser feierte, kiffte und zockte, wenn man das Geld ohne jegliche Verpflichtungen bezog. Weiterhin lebten sie in ihrer Stundenten-WG, jedoch zahlte nun der Staat statt ihrer Eltern die Miete. Zwar hatten sie sich wegen ihrer Weigerung, Fortbildungen zu besuchen oder bestimmte Jobs anzunehmen, einige Kürzungen ihrer Bezüge eingehandelt, aber das glichen sie mit gelegentlichen Weiterverkäufen geringerer Drogenmengen aus. Solange man das Geld nicht legal verdiente, machte man sich auch nicht des Betrugs verdächtig.

Ein Teil ihrer Freunde war in Berlin geblieben, ein anderer Teil war weggezogen, fast alle aber hatten einen Beruf ergriffen und sich eine feste Partnerin gesucht, weswegen man sich nicht mehr so häufig sah. Dafür hatten die beiden jetzt neue Freunde, die ungefähr so verlottert und verloren waren wie sie selbst, die aber mit derselben Disziplin Marihuana rauchen und Bier trinken konnten wie die beiden unzertrennlichen Komilitonen. Von Zeit zu Zeit gingen sie bei einem dieser Freunde vorbei oder kam einer von ihnen zu ihnen nach Hause. Dann tat man dasselbe, was man auch zu zweit machte. Nur dass es ein paar seltene Gestalten gab, die mit Fußballspielen auf Konsolen nichs anzufangen wussten. Die kifften dann einfach nur.

Das Leben war angenehm. Das Einzige, was den beiden fehlte, waren Frauen. Zwar hatte alle paar Monate mal einer von ihnen Glück und konnten eine besonders betrunkene Frau für eine Nacht aufgabeln, aber in Sachen Beziehung waren sie in der Kreisliga angelangt. Nicht nur hatten sie keinen Job, ihre Lebensweise hatte ihnen auch beiden ein ordentliches Bäuchlein und eine ungesunde Blässe beschert. Fußball, den sie früher zweimal in der Woche gespielt hatten, fand nun ausschließlich auf der Konsole statt. Technisch waren sie inPro Evolution SoccerAsse, aber würde man sie wieder auf den echten Rasen stellen, würden sie sich bei dem ersten Sprint schwer verletzen - ohne Fremdeinwirkung. Selbst für Liegestützen und Sit-Ups waren sie nicht mehr zu gebrauchen. Körperlich und charakterlich waren sie also das Gegenteil von attraktiv, und das, obwohl beide im Studium in Sachen Liebe nicht wenig Erfolg gehabt hatten. Benjamin ein bisschen mehr als Martin, aber Erfolg hatten sie beide. Nun aber besuchten sie aus Kostengründen weiterhin ausschließlich Studentenpartys und das Publikum dort war, zugegebenermaßen, etwas jung. Sehr jung. Die beiden alten Knacker in ihren verschlissenen Klamotten kamen den Mädchen dort nicht wie potentielle Geschlechtspartner, sondern wie die verarmten Cousins des Veranstalters vor. Oder wie männliche Putzfrauen, die sich nach Dienstschluss verirrt hatten.

Keine Chance. Benjamin und Martin verlegten sich auf Pornos und gelegentliches Resteficken. Manchmal spielten sie auchKiss and Rush, ein Spiel, das sie in Anlehnung an eine englische Fußballtaktik benannt hatten. Dabei gingen sie bei einer Party zu einer Frau, küssten sie auf den Mund und rannten dann so schnell wie möglich außer Reichweite. Dieses Spiel spielten sie um die Wette, bis sie von der Party geworfen wurden oder der Freund eines Mädchens einem von ihnen eins verpasst hatte. Man kann sagen, dass sie in Sachen weibliches Geschlecht einen kleinen Mangel verspürten. Dennoch waren Frauen nichts, was sie dazu bewegen konnte, ihren Lebensstil aufzugeben. Dazu musste schon eine drastische Maßnahme der Arbeitsagentur das Licht der Welt erblicken. Um es kurz zu machen: Trotz ihres Drogenlevels waren beide an jenem Abend in heller Aufruhr.

Denn so sehr sie den Herbst und den Winter hassten, so sehr ihr Leben sie manchmal anödete, während der Semesterferien hatten sie in wochenlangen Reisen die Welt gesehen, und das eine, was sie die Welt gelehrt hatte, war: Deutschland war ein Paradies. In Indien oder Nigeria wollten sie selbst mit einem Harem an Frauen nicht leben.

Benjamin Fürstner war der etwas Größere, ca. zehn Zentimeter, und insgesamt etwas gröber Geschnitztere. Martin war stromlinienförmiger, hatte hübsche Locken und ein wohlgeformtes Gesicht, das, wenn man Benjamins Exfreundin glauben durfte, für Gesicht eines Mannes viel zu glattgebügelt war. Sie tröstete ihren Freund damit, dass dieser eininteressantesProfil habe. Damit meinte sie sein ausladendes Kinn und seine nicht minder markante Nase. Außerdem war er blond, nicht dunkelblond, sondern norwegisch-blond, was selbst in Berlin eine Seltenheit darstellte, und hatte im Gegensatz zu seinem Freund blaue Augen. Beide hatten sie also weder Grund, über ihre Erscheinung in Euphorie zu verfallen, noch sich irgendwelchen Komplexen hinzugeben. Für ein Leben auf der Couch reichte ein solches Aussehen allemal.

Jetzt hatten sich die beiden Gesichter verfinstert und verdunkelten sich weiter um die Wette. Ihr Äußeres war jetzt wirklich das letzte Problem. Auch Triebabfuhr war nicht mehr angesagt.

„Wir müssen was machen“, sagte Martin und drückte den Joint im Aschenbecher aus. Er drückte und drehte so lange, bis nichts mehr davon übrig blieb.

„Aber was?“ Benjamin flätzte sich auf dem Sessel.

„Es gibt nur eine Möglichkeit.“ Martin genoss, dass nun er der Tonangebende war. „Wir müssen irgendwie aus dem System raus.“

„Wie soll das gehen?“ Benjamin sammelte seine Gedanken. „Das ist doch sicher alles digitalisiert.“

„Ja, schon. Aber vielleicht noch nicht im Zentralrechner.“

„Ach was! Du meinst, das liegt alles noch auf den Berliner Servern?“

„Auf einem einzigen. Und zwar dort, wo wir uns arbeitslos gemeldet haben.“

„Du willst damit sagen.“ Benjamin zeigte zur Wand, in Richtung des Arbeitsamts. „Dort?“

„Genau.“ Martin nickte. „Auf der anderen Straßenseite. Ein Glück, dass wir uns nicht online arbeitslos gemeldet haben. Sonst wären wir jetzt zentral gespeichert.“

„Wenn wir Glück haben! Und sie die Daten noch nicht weitergeleitet haben.“

„Auf jeden Fall müssen wir es versuchen.“

„Was? Hingehen und uns löschen lassen?“

„Haha. Sehr komisch. Nein.“ Martin grinste.

„Was dann?“

„Hingehen und… Und uns selbst löschen.“

„Wie? Einbrechen?“

Martins Grinsen wurde breiter. „Ganz genau.“

„Du spinnst doch!“ Benjamin sah ihn ungläubig an.

„Hast du eine bessere Idee?“

„Jetzt?“

„Jetzt oder morgen. Hast du eine?“

„Nee.“

„Na, also. Spätestens morgen Nacht müssen wir da rein.“

„Und wie? Einsteigen geht nicht. Ich bin schon über dreißig.“

„Selten so gelacht“, meinte Martin. „Natürlich Einsteigen. Was denn sonst? Notfalls mit Gewalt.“

„Damit sie uns gleich festnehmen?“ Benjamin streichelte seinen Bauch.

„Also ich bin lieber hier im Gefängnis als…“

„Ja, ja. Bei den Assis aus Neukölln? Glaubst du doch selber nicht.“

„Na, ja, vielleicht nicht. Aber riskieren müssen wir’s trotzdem.“

Benjamin schüttelte den Kopf. „Du bist verrückt, Matti!“

„Und du bist dabei, Benni!“, nagelte ihn Martin fest.

„Meinetwegen. Und warum erst morgen?“

„Wir müssen klar im Kopf sein.“

„Und wie willst du an die Daten ran? Vom Hacken hast du doch keine Ahnung. Genauso wenig wie ich.“

„Wir werden nicht nur uns löschen“, sagte Martin scharfsinnig.

Benjamin stöhnte. „Wie soll ich das jetzt schon wieder verstehen?“

„Wir zerstören nicht die Daten, wir zerstören die physikalischen Speicher.“

„Ah, sehr clever. Damit befreien wir also Tausende von Berliner Bürgern aus den Fängen der Arbeitsindustrie.“

„So ist es. Wir sind dann so eine Art Freiheitskämpfer. Ich bin Robin Hood und du Little John!“

„Du meinst wohl andersrum! Du Zwerg!“

„Hehe. Viele, viele Menschen werden diesem Batman dankbar sein, dass er sie vor der Hölle bewahrt hat. Gothham City ist wieder frei.“

„Und alle werden sehen, wie schnell die Menschen wieder gerne arbeiten.“

„Wir werden es an uns selbst sehen“, meinte Martin nachdenklich und strich sich über die Bartstoppeln. „Gleich übermorgen können wir mit der Schufterei anfangen. Weil Geld gibt’s nächsten Monat sicher nicht mehr.“

„Pff. So ne Scheiße. Aber immer noch besser als in Caracas schuften.“

„Das meine ich auch.“ Martin erhob sich mühsam.

Benjamin stand ebenfalls auf. „Ich trinke noch ein Absacker-Bier und dann hau ich mich hin.“

„Nacht.“

In dieser Nacht träumte Martin, man hätte ihn wegen seiner Arbeitslosigkeit ins Ausland verschickt. Plötzlich jedenfalls war er in Argentinien, ohne sich jedoch an den Flug erinnern zu können. Doch es war nicht das Argentinien der Gegenwart, sondern, wie er herausfand – er konnte aus irgendeinem Grund Spanisch -, die spanische Kolonie im 18. Jahrhundert, und er musste in einem Bergwerk schuften und Silber schürfen. Schweißgebadet wachte er auf.

Sämtlicher Alkohol, sämtliches Nikotin waren wie weggeblasen. Er war hellwach. Nur die Angst, die ihn am Abend befallen hatte, hatte ihn noch nicht verlassen. Mit einem schummrigen Gefühl setzte er sich an seinen PC. Es war fünf Uhr. In der Mediathek eines öffentlich-rechtlichen Senders suchte er nach Beiträgen zu den neusten Plänen der Arbeitsagentur. Was er zu Gesicht bekam, verschlug ihm die Sprache: Die Auslandsverschickung von Arbeitslosen hatte schon vor längerer Zeit begonnen. Er fing an, an seinen Nägeln zu kauen. In chronologischer Reihenfolge ging er die Beiträge durch. Erste Meldungen hatte es bereits im Spätsommer gegeben. Allein im Raum Berlin waren bereits um die 200 Arbeitsaussiedlungen durchgeführt worden, in aller Herren Länder. Die Meldung darüber datierte von vor einer Woche. Es gab keinen Zweifel: Sie würden die nächsten sein.

Er kratzte sich unter seiner Boxershorts und stellte fest, dass er Pinkeln musste. Als er wieder aus der Toilette kam, hörte er aus dem Wohnzimmer vertraute Geräusche. Er öffnete die Türe. Benjamin saß vor dem Fernseher und spielte ein Match gegen den Computer. Wortlos setzte er sich daneben und schaltete den Controller an. Während sie spielten, richtete er nur einmal das Wort an seinen Freund: „Hast du es auch gelesen?“ Benjamin furzte und nickte.

Am Morgen wurde Benjamin geweckt, indem man ihm ein nasses Handtuch ins Gesicht schlug. Er bäumte sich im Bett auf und schimpfte seinen Freund einverdammtes Arschloch.

„Hej, Benni! Weißt du nicht mehr, was heute ansteht“, fragte Martin mit ernstem Gesicht. Er war rasiert und frisiert. Seine Löckchen waren gegelt und nach hinten gekämmt. Ein seltener Anblick.

„Was denn?“

„Heute ist unser großer Tag“, erklärte Martin und holte nochmals mit dem Handtuch aus.

Benjamin streckte schützend die Hand aus und zog die Augenbrauen zusammen. „Das war doch nur ein Traum, oder?“

„Nein.“ Martin warf ihm eine Zigarette in eine Kuhle seiner Bettdecke. Es war eine Filterzigarette. Es musste einen feierlichen Anlass geben. Beide rauchten sie aus Kostengründen nur Selbstgedrehte. „Da! Komm erst mal klar.“

„Ich habe das nicht nur geträumt?“, fragte Benjamin verschlafen und griff nach der Zigarette.

„Schön wär’s! Ich habe vorhin nochmal im Internet nachgesehen. Kein Traum. Ein echter Alptraum.“

„Mann. Und ich habe geträumt es wäre nur ein Alptraum und ich würde wieder aufwachen. Alles wäre so wie bisher.“ Er wälzte sich mit einer unendlich zähen Bewegung aus dem Bett, so dass seine kleine Wampe herunterhing. Die schweißverklebten Haare standen ihm in alle Richtungen ab.

„Jetzt erstmal rauchen und dann ab unter die Dusche! Es gibt noch einiges zu bereden.“

„Bist du jetzt hier der Wortführer?“, fragte Benjamin unwillig und blinzelte ins Morgenlicht.

Martin sagte nichts und verchwand.

Nach der Dusche, unter der er genüsslich geraucht hatte, fand Benjamin seinen Freund auf dem Sofa. Der kaute an einem Stück kalter Pizza. Da sie am Vorabend Döner gehabt hatten, musste es Pizza von Vorgestern sein. Er nahm sich auch ein Stück aus der fettdurchtränkten Pappschachtel und setzte sich auf den Sessel gegenüber.

Vergeblich suchte er im Aschenbecher nach dem Stummel eines Joints, in dem noch ein Rest Gras auf ihn wartete. Als er keinen fand, griff er nach dem Grasbeutel, aber Martin hatte etwas dagegen. „Heute nicht“, sagte er.

„Warum?“, entgegnete Benjamin angefressen und legte sie zurück.

„Wir müssen klar sein, wenn wir das durchziehen wollen.“

„Das ist nicht dein Ernst. Das war doch eine reine Schnapsidee.“

„Überhaupt nicht. Es ist unsere einzige Möglichkeit, da irgendwie rauszukommen.“

„Und wenn wir es nicht reinschaffen? Wenn wir erwischt werden? Dann sperrt man uns ein.“

Martin wurde ungehalten. „Und wenn wir es nicht tun? Dann sind wir erst Recht am Arsch. Wir müssen es zumindest versuchen.“

„Und? Hast du eine Idee, wie wir reinkommen sollen?Ocean’s Eleven? Schonmal irgendwo eingebrochen? Häh?“

„Ich hab schon drüber nachgedacht…“

Mit einem Mal mal hellte sich Benjamins Gesicht auf. Seine Augen traten hervor wie von einem Geistesblitz bewegt, der sein Gehirn nach außern stülpte. „Ich hab’s. Wir steigen über’s Dach ein.“

Martin blickte skeptisch. „Ach? Und da sind die Türen offen? Von dort aus kommen wir überall hin?“

„Zum Haupteingang jedenfalls können wir nicht rein. Hintereingang? Auch ganz schlecht. Es muss auf dem Gebäude noch eine Türe geben. Für den Hausmeister.“

„Und die stemmen wir auf?“

„Jo.“ Benjamin grinste beim Gedanken daran. Auch er hatte die ungeschnittenen Haare mit Gel in Form gebracht. „Einen Werkzeugkasten haben wir ja.“

Martin erinnerte sich an das Ding, das sie seit dem Einzug vor acht Jahren nicht mehr angerührt hatten.

„Fragt sich nur, wie wir auf’s Dach kommen“, sagte Benjamin, spann dann aber den Gedanken sofort weiter und hob die Hand. „Natürlich! Über das Nachbargebäude!“

„Und wie kommen wir auf das Dach vom Nachbargebäude?“

„Da fällt uns schon etwas ein.“

„Und wenn die Agentur eine Alarmanlage hat?“, machte Martin seine Bedenken geltend und spuckte ein Stück harten Pizzarand aus.

„Wer will schon ins Arbeitsamt einbrechen?“, erwiderte Benjamin geistreich. Martin grinste. Dann arbeiteten sie den Plan weiter aus.

Um zwei Uhr ging Martin zum Chinesen um die Ecke und besorgte ihnen Nasi Goreng.

Um sieben Uhr Abends ging Benjamin zum Chinesen und besorgte ihnen Bami Goreng.

Dazwischen spielten siePro Evolution Soccer. Martin war besser.

Um neun Uhr widerstand Benjamin der Versuchung, ein Bier zu trinken.

Um zehn Uhr widerstand Martin der Versuchung, ein Bier zu trinken.

Um 11, um 12, um 13, um 14, um 15, um 16, um 17, um 18, um 19, um 20, um 21, um 22 Uhr und zwischendrin widerstanden beide der Versuchung, einen Joint zu rauchen.

Um 22:30 holte Benjamin den verstaubten Werkzeugkasten. Nur der Schraubenzieher und der Schraubenschlüssel waren angerostet.

Um 22:45 spielten sie ein Match Bayern gegen Manchester City. Benjamin spielte mit City und war besser. Martin schimpfte Dzeko eineverdammte Drecksauund Aguero einenDrecksgaucho.

Um 22:55 Uhr standen beide auf und zogen sich Jacken an.

Um 22:56 Uhr fragte Benjamin: „Sollen wir nicht besser eine rauchen?“

Um 22:59 Uhr drückte Martin die Tüte aus.

Um 23:00 Uhr standen sie vor dem Haus auf der anderen Straßenseite, beide hatten sie eine Flasche Bier in der Hand.

II

„Okay. Klingeln“, sagte Benjamin und fuhr unschlüssig in der Luft über die Klingelleiste.

     „Mach schon!“, drängte Martin und stellte sein Bier ab.

     „Wo?“

     „Irgendwo. Nur nicht ganz oben.“

     Benjamin klingelte in der Mitte. Auch er stellte sein Bier ab. Nachdem niemand aufmachte, klingelte er unten.

    Sie hatten Glück. Jemand machte ihnen ungefragt auf. Sie traten ins Treppenhaus. Dann aber öffnete sich im ersten Stock eine Tür und eine männliche Stimme rief, wer denn da sei. Sie gingen unter der Treppe in Deckung und stellten sich tot, bis das Licht ausging

    „Okay. Jetzt die Jacken aus“, sagte Martin.

    Sie streiften die Jacken ab und legten sie unter die Treppe. Nach weiteren fünf Minuten gingen sie im Dunkeln ins oberste Stockwerk. Es gab zwei Wohnungen. Auf der rechten Seite klingelten sie. Den Werkzeugkasten trug Martin unter seinem weiten Wollpulli.

    Es dauerte eine Weile, dann machte ihnen ein Mann auf; Typ argloser Vater, breite Zähne, langer Mund, schmales Gesicht, Brille; und über allem: eine gedeihende Halbglatze. „Ja?“

     „Wir kommen von unten“, ergriff Benjamin die Initiative. „Unsere Toilette ist verstopft.“

    „Von wo kommen sie?“, fragte der Mann verdutzt und rührte sich keinen Fleck.

    „Ein Stockwerk tiefer“, sagte Martin. „Wir sind Nachbarn. Wir sind neu eingezogen, vielleicht haben Sie uns deshalb nicht…“

    „Mittschneider oder Fläßiger?“

    „Mittschneider“, sagte Martin.

    „Fläßiger“, sagte Benjamin fast gleichzeitig.

    „Er wohnt bei Fläßiger, ich bei Mittschneider“, erklärte Martin dem Mann, der nun sehr verwirrt dreinblickte.

    „Wusste gar nicht, dass beide ausgezogen sind…“

    „Das kann schnell gehen“, sagte Martin.

    Der Mann kratzte sich am Kopf. „Offenbar.“

     „Wir müssten mal bei Ihnen einkehren“, insistierte Benjamin mit gequältem Gesichtsausdruck.

     „Fäkal“, ergänzte Martin.

     Beide guckten sie untröstlich.

     Der Mann zuckte angewidert mit dem Mund. „Und in beiden Wohnungen ist die Toilette verstopft?“, wurde er misstrauisch.

     „Muss das gleiche Rohr sein“, erklärte Benjamin. „Irgendwie geht gar nichts mehr.“

     Voller Ekel zog der Mann die Augenbrauen hoch und fragte: „Und Sie müssen also beide gleichzeitig…?“ Er zeigte mit dem Daumen hinter sich.

    „Ja“, sagten die beiden Freunde synchron.

    „Na, dann“, brummte der erweichte Familienvater und tat einen Schritt zur Seite.

     Martin und Benjamin schoben sich in die enge Wohnung. Als der Mann Martins kastenförmigen Bauch erspähte, fragte er: „Was haben Sie da?“

    „Übergewicht“, sagte Martin.

    Der Beschwindelte guckte, als müsste er einem Leid tun.

    Martin ging als erster auf die Toilette. Als er sich eingesperrt hatte, wollte ihr unverhoffter Gastgeber von Benjamin wissen: „Und wohin gehen Sie, wenn Sie mal…äh?“

    „Balkon“, erwiderte Benjamin.

    Der Mann hielt sie nun endgültig für Barbaren.

    „Haben Sie keinen?“, fragte Benjamin.

    Doch der Mann war schon wortlos in die Küche geflohen. Gerade als Benjamin in die Toilette huschen wollte, ging eine Tür auf und ein kleines Mädchen blickte ihn mit schwarzen Kulleraugen an. Er fand einen zermatschten Marsriegel in der Hosentasche und reichte ihn dem Kind. Dann ließ er sich von Martin aufmachen.

     Sein Freund hatte bereits das Toilettenfenster aus den Angeln gehoben und den Werkzeugkasten nach draußen gestellt. Jetzt machte er sich dran, seinen Bauch durch das nicht gerade große Fenster zu zwängen. Dieses führte tatsächlich geradewegs hinaus auf das geteerte und mit Kieseln belegte Dach. Gerade als Martin seine Bauchmuskeln erfolgreich bemüht hatte und nach draußen verschwunden war, hörte Benjamin ein heftiges Klopfen und ein ärgerliches Rufen aus dem Wohnungsflur. Auch eine Frauenstimme war zu vernehmen. Er machte einen Satz durch die Luke. Er hatte es geschafft. Das war der Beweis: Er war weniger fett als sein Freund!

     Martin erwartete seinen Mitstreiter im Mondschein. Hier oben ging ein unangenehmer Wind. Doch das war ihm egal. Alles fand sich vor wie vermutet. Man musste nur einen halben Meter Spalt und noch einmal etwa so viel Höhenunterschied zwischen den Häusern überspringen, und man war auf dem Dach des Arbeitsamts. Hier befand sich auch ein Aufbau mit einer Tür. Gleich würden sie im Inneren der heiligen Hallen verschwinden.

    Es konnte nicht mehr lange dauern, und der hysterische Heimwerker würde die Toilettentüre aufgebrochen haben. Sie mussten also schnell vorgehen. Benjamin öffnete den Werkzeugkasten und nahm sämtliche großen Geräte heraus. Damit bearbeiteten sie die grüne Metalltüre. Oben, unten, links, rechts. Gleichzeitig. Allein. Doch nichts zu machen.

     „Wir hätten ein Stemmeisen mitnehmen sollen“, meinte Benjamin entgeistert.

    Martin atmete schnell. „Scheiß drauf“, sagte er und deutete auf ein vergittertes Fenster.

    Das Gitter ließ sich ohne Probleme entfernen. Das Glas in den Fensterrahmen ebenfalls. Schließlich brachen sie auch den Fensterrahmen heraus. Kurz danach hörten sie die Toilettentüre des Nachbarn bersten. Sie gelangten schneller durch das Fenster als eine Maus in ihr Mauseloch. Drinnen stellten sie sich einmal mehr tot. Nach einer kurzen Verschnaufpause tasteten sie sich langsam im Dunkeln vorwärts.

     „Oh, Mann. Wir hätten eine Taschenlampe mitnehmen sollen“, sagte Benjamin. Es klang wie ein Vorwurf. Der ihn selbst ausnahm.

    „Du hättest deine Augen mitnehmen sollen“, sagte Martin mit einem Siegerlächeln und schaltete das Licht an. Sie befanden sich in einem Treppenhaus. Ihre Haare waren wieder so durcheinander wie immer. Benjamins Sweatshirt hatte unschöne Staubschlieren.

    Aber wie sie aussahen, war für sie jetzt ohne Bedeutung. Denn gerade wurden ihre kühnsten Träume übertroffen: Tatsächlich war keine der Türen verschlossen. Man konnte sich mühelos im gesamten Gebäude bewegen. Martin hatte Recht behalten: Es gab keine Alarmanlage. Grinsend, sich immer wieder ungläubig anschauend, durchstreiften sie die Flure dieses ehrwürdigen Ortes, in dem die Knappen des Nichtstuns zu Rittern der Arbeit geschlagen wurden. Wären sie in die Krypta des Petersdoms eingebrochen, es hätte nicht feierlicher sein können. Genau ein einziges Mal waren sie zuvor hier gewesen. Unter allerdings vollkommen anderen Vorzeichen.

     Es roch penetrant nach Putzmittel. Das oberste Stockwerk bestand nur aus Büroräumen und einem Wartesaal. Keine Server, keine Aktenregale, keine Karteikästen. Ein paar Rechner, Schreibtische, Drehstühle, das war alles. Nichts vom dem, wonach sie gesucht hatten. Auch nicht das, wonach Benjamin wohl parallel Ausschau gehalten hatte, denn er offenbarte sich jetzt seinem Freund: „Ich muss pissen.“

    „Dann geh halt auf die Toilette“, meinte Martin belustigt und ließ leise ein Konfirmandenblase folgen.

    „Hier ist keine“, bemerkte Benjamin mit zunehmender Ungeduld.

    „Dann halt ein Stockwerk drunter.“

    Doch auch dort fanden sie keine Örtlichkeiten.

    „Sorry, Matti“, sagte Benjamin und riss sich den Hosenschlitz auf, sobald sie wieder ihm Treppenhaus waren.

     „Oh, Mann“, stöhnte sein Begleiter und schlug die Hände vor die Augen. Dann hörte er ein Plätschern.

     Sekunden später stand er neben dem Größeren, der sein Glied abschüttelte.

    „Das Bier“, meinte Benjamin entschuldigend.

    „Hmm“, grummelte Martin unangenehm berührt und missbrauchte ebenfalls die Stufen.

     Als sie sich erleichtert hatten, schlug Benjamin vor, gleich im Keller nach dem Archiv zu suchen, doch Martin beharrte darauf, systematisch vorzugehen. Benjamin spürte noch Reue und kam auf die Aktion von gerade eben zurück. Er meinte, das wäre nicht so schlimm wie den Akt der Zerstörung, den Martin gestern vorgeschlagen hätte. „Is gut“, erwiderte dieser.

    Noch bevor sie die Türe zum nächsten Stockwerk aufstießen, warf Martin eine weitaus wichtigere Frage auf: „Wie kommen wir hier eigentlich wieder raus?“

     Benjamin blieb stehen: „Das fragst du mich? Das hier war doch deine Idee.“

     „Unsere“, bestand Martin.

     „Meinetwegen unsere. Trotzdem waren wir zu blöd, uns Gedanken darüber zu machen. Das sollten wir vielleicht jetzt tun.“

    „Warum jetzt?“

    „Weil wir vielleicht gleich schnell hier raus müssen.“

    „Wieso?“ Martin setzte sich auf eine Treppenstufe.

    „Weil die Server wahrscheinlich mit einer Alarmanlage verbunden sind. Auf jeden Fall merkt es jemand irgendwo, wenn sie ausgehen.“

     Martin stuzte. „Meinst du?“

     „Manchmal frag ich mich, ob du überhaupt studiert hast.“

     „Danke, Benni. Das tue ich bei dir auch manchmal.“

     „Ja?“

     „Ja, Herr Historiker. Du bist häufig ganz schön schwer von Begriff. Und viel weißt du inzwischen auch nicht mehr. Außer den Kadern von sämtlichen europäischen Erstligisten.“

     „Ja, Herr Philosoph.“ Benjamin hob seine vorspringende Nase. „Es kann halt nicht jeder so belesen sein wie du. Obwohl, du vergisst auch gerne mal was. Zum Beispiel Abspülen und Einkaufen. Was?“

     „Oh, ja. Lass uns weiter streiten. Wir haben bis morgen um fünf Zeit. Dann kommt der Hausmeister.“ Martin schnellte in den Stand.

     Benjamin klopfte sich die Hose ab; überall Staub und Dreck. Auch er war bereit, seinen Hitzkopf zu kühlen. „Wir finden schon einen Weg. Notfalls wieder über die Dächer.“

     „Hehe.“ Martin amüsierte der Gedanke. „Assassin’s Creed für Übergewichtige.“ Er legte seinen Arm auf Benjamins Schulter.

     Für einen Moment blickten die blauen Augen des Norwegers gütig auf den gelockten Gefährten hinunter. Es roch nach Urin.

     „Okay. Weiter geht’s“, verkündete Benjamin und stieß die Tür auf.