Doppelmaske - Petra Dieckhoff - E-Book

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Petra Dieckhoff

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Beschreibung

Unheimliches geschieht in einem Dorf am Rande eines Braunkohlereviers. Mitten in der Nacht läuten die Glocken der Friedhofskapelle. Katzen verschwinden und mancher Bewohner findet einen toten Vogel auf seiner Schwelle. Und immer stirbt dann ein Mensch in dem Haus, so heißt es. Schatten huschen nachts durch das Dorf. Es sollen verünglückte Bergleute sein, die umgehen, wenn dem Dorf und seinen Bewohnern Gefahr droht. Das Dorf soll abgerisen werden und dem Braunkohleabbau weichen. Die Dorfbwohner wehren sich. Die Situation spitzt sich zu, als die Journalistin Anna Sievers in das Dorf kommt. An Geister und Co glaubt sie nicht. Dennoch hat auch sie Begegnungen der unheimlichen Art. Ist doch etwas dran an den Gerüchten? Der Bergbauingenieur Witkowski ist Opfer eines nächtlichen Zwischenfalls. Anna Sievers findet den entscheidenden Hinweis auf die Übeltäter.

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Seitenzahl: 44

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Petra Dieckhoff

Doppelmaske

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Doppelmaske

Impressum neobooks

Doppelmaske

I

Im immer gleichen Rhythmus quietschte die Laterne am Dachfirst, wenn der Wind sie leicht hin und her schwang. Der schwache, gelbe Schein fiel in ihr Zimmer und malte bizarre Schatten auf die Wand. Hätte sie sich nur nie darauf eingelassen, sich in dieses gottverlassene Kaff in diesen gottverlassenen Gutshof zurückzuziehen, um ihren Auftrag zu Ende zu bringen. Dabei hatte sie sich das so schön gedacht, fernab jeder städtischen Abwechslung in Ruhe zu schreiben und zu recherchieren.

Sie musste sich ablenken, sonst sah sie noch Gespenster. Sie würde sich doch nicht von gruseligen Schatten und Quietsch-Geräuschen narren lassen. Sie griff nach ihrer Jeanssjacke, fuhr sich mit den Fingern durch ihr kurzes, dunkles Strubbelhaar, schnappte sich Handy und Geldbörse und eilte die Treppen hinunter aus dem Haus in ihr Auto. Auf dem Hinweg war sie an einer Kneipe vorbeigefahren.

Ein Potpourri von Gerüchen nach Bier, frisch gebratenen Buletten und Zigarettenqualm empfing sie, als sie die Tür „Zum goldenen Hirschen“ öffnete. Von Rauchverbot hatte man hier wohl noch nichts gehört. Der Bratenduft erinnerte sie daran, dass sie seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte. Oh ja, Bratkartoffeln gäbe es auch dazu, versicherte der Wirt.

„Mit Speck und Zwiebeln? Und was zu trinken?“, fragte er nach.

Sie war einverstanden, bestellte ein großes Pils dazu. Während sie wartete, schaute sie immer wieder verstohlen zum Nebentisch. Fünf Männer und eine Frau, im Alter zwischen 40 und 60 schätzte sie, unterhielten sich lebhaft. Bestimmt die Honoratioren des Dorfes. Ein goldfarbenes Schild mit dem Schriftzug „Stammtisch“ auf verschnörkeltem Gusseisengestell kündete davon, dass hier nur ausgewählte Gäste Platz nehmen durften. Sprachfetzen drangen an ihr Ohr, da war von einer Lara die Rede und Kirchenmusik und rosa Rosen. Offensichtlich planten sie eine Hochzeit.

Bulette und Bratkartoffeln schmeckten köstlich. Das Pils war genau richtig. Satt und zufrieden lehnte sie sich zurück und betrachtete ihre Umgebung. Klein war die Kneipe, die Wände mannshoch dunkel getäfelt, die Tapete darüber vom Tabakqualm und den Jahren dunkel gebeizt. Die Möbel altdeutsch rustikal. Gruselig altmodisch aber gemütlich.

Die Planer am Nebentisch amüsierten sich über etwas, das flüsternd vermittelt worden war. Ob die über sie lachten? Kam wahrscheinlich nicht gerade oft vor, dass eine junge, fremde Frau abends in ihrer Kneipe auftauchte.

Sie hörte „Glockenläuten vergangen Nacht um drei“ nach einer Weile „Peterle verschwunden“ und schließlich „nachts nicht allein hin“. Du meine Güte wovon redeten die? War sie hier unter Spökenkieker geraten? In der Redaktion hatten sie gefrotzelt. Sie solle sich nicht wundern, hatten sie gesagt, wenn sie nachts unheimliche Geräusche hören würde oder ihr Bergleute über den Weg liefen, die vor langer Zeit gestorben seien. Sie hatte abgewinkt und gelacht. Wie konnte man nur an so einen Blödsinn glauben. Jetzt hörte sie: „...endlich aufhören. Stimmt's, junge Frau?“

„Oh, ja. Ehh...wie bitte? Meinen Sie mich?“

„Klar, doch.“

„Entschuldigung. Sagen Sie mir bitte, was Sie meinen?“

Der Sprecher, ein kleiner schmaler Mann mit hoher Stirn, wenig dunklem Haar und ungewöhnlich hoher Stimme sagte: „Wir haben uns über den Tagebau unterhalten und das Schluss sein muss damit. Die Geister unserer Kumpel aus dem Nachbardorf haben uns oft genug gewarnt.“

Sie erwiderte, dass sie genau deshalb hier sei. Sie sei auch der Meinung, der Tagebau tue der Umwelt nicht gut. Und darüber wolle sie in ihrer Zeitung schreiben.

„Ach, nee,“ sein etwas beleibter Sitznachbar, von dem sie später erfuhr, dass es sich um den Landwirt Anton Barnsen, handelte, mischte sich ein. „Dann hat unser Anruf beim Ostwestblatt doch genützt“.

Sie bestätigte, dass ihr durch einen Anruf die Idee gekommen sei, darüber zu schreiben.

„Kommen Sie doch zu uns an den Tisch und trinken Sie einen mit,“ sagte der kleine Schmale, der sich mit Schneider vorstellte.

Sie hätten schon gehört, dass im Wolterschen Hof jemand wohne.

„Ja stimmt, ich wohne für zwei Tage im Gutshof Wolter. Mein Name ist Anna Sievers“.

Barnsen beschwerte sich über Risse an seinem Wohnhaus und die Absenkung des Grundwassers. Sein Brunnen sei bereits versiegt. Schuld daran seien die Arbeiten in der Nachbarschaft. Dort, wo sie jetzt ein riesiges aufgebuddeltes Gelände sehen könne, habe mal ein schönes Dorf gestanden.

„Größer und schöner noch als unseres. Wenn hier auch alles plattgemacht wird, wo bleiben der Wald, die Äcker und die vielen Tiere, die dazu gehören?“, fragte eine Frau mit blond gefärbtem Haar , die ihr gegenüber saß.

Sie schätzte sie auf ungefähr 50 Jahre. Auf der Wiese am Waldrand gäbe es eine sehr seltene Orchideenart, die nur noch an ganz wenigen Plätzen in Deutschland wild wachse. Wenn Kohle abgebaut würde, hätten auch sie am Ende nur noch eine Mondlandschaft. Leute vom BUND hätten sich bereits mit den zuständigen Politikern und Betreibern zusammengesetzt.

„Die haben aber auch nichts erreicht,“ sagte ein kräftig gebauter hellblonder Mann, den sie auf Mitte vierzig schätzte, „die sollen nur nicht glauben, dass wir klein beigeben. Wir wissen schon, wie wir uns wehren.“

Der vierte Mann am Tisch gab ihm einen Stubs mit dem Ellenbogen und schüttelte leicht den Kopf.

„Erzählen Sie doch mal. Das ist für unsere Leser interessant.“

Der vierte Mann, etwas jünger als die anderen, der sich als Holger Kieling, Lehrer der Grundschule im Dorf, vorstellte, fuhr dazwischen:

„Sind Sie im Gutshof gut untergekommen? Haben Sie es bequem dort?“