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Eine Frauenleiche wird angeschwemmt verpackt in einem Müllsack. Das Kommissarenduo Schneiderjahn und Paulsen haben einen besonders heimtückischen Mord aufzuklären, denn die Frau lebte noch als sie ins Wasser geworfen wurde. In kriminalistischer Kleinarbeit finden sie die Identität der Toten heraus. Eine Frankfurterin, die sich in der (fiktiven) Kreisstadt Fennstedt um eine Stelle an einer Realschule beworben hat. Wer könnte den Tod einer Lehrerin wollen? Ihr Lebensgefährte, um einige Jahre jünger als sie? Ehemalige Schulfreunde, die es zu etwas gebracht haben und die sie zufällig in der Stadt trifft? Die beiden Kommissare, die in ihrer Lebensweise unterschiedlicher nicht sein können, ergänzen sich in der Polizeiarbeit so gut, dass sie bald den wahren Mörder finden.
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Seitenzahl: 33
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Petra Dieckhoff
Kein Stilles Wasser
Krimikurzgeschichte
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kein Stilles Wasser
Impressum neobooks
Es ist einer dieser trüben und feuchtkalten Februarvormittage, die nichts Gutes verheißen. Die halbe Nacht hat sie wach gelegen, weil unablässig der Wind den Regen gegen die Fenster gepeitscht hat. Noch dazu taut es seit ein paar Tagen in den Bergen. Der Bach, der normalerweise friedlich an ihrem Grundstück vorbeigurgelt, hat sich zu einem wilden Fluss verwandelt. Gestern erst hat sie Plastiktüten, dicke Äste, ein Kinderwagenrad und einen verbeulten, platten Fußball aus dem Schlamm aufgesammelt, der auf ihren Rasen geschwemmt worden war.
Die Wassermassen könnten bald ihr ganzes Grundstück unter Wasser setzen, fürchtet sie. Sie schaudert und wickelt ihre dicke rote Strickjacke fester um sich. Wenigstens hat es jetzt aufgehört zu regnen. Da liegt doch schon wieder etwas am Ufer. Sie bindet mit einem Gummiband ihre langen braunen Haare im Nacken zusammen, öffnet die Terrassentür, tritt in rot-weiß gepunktete Gummistiefel und stapft quer über den Rasen zum Bach hinunter. Vorsichtig tastet sie sich über den rutschigen Grund vor. Eine große Handtasche. Völlig durchweicht und voller Matsch. Sie nimmt die Tasche mit rein. Ihr Handy klingelt.
„Rita, treffe ich dich jetzt zu Hause an?“
„Ja klar, ich hab doch heute Vormittag frei, schon vergessen, alter Mann? Übrigens, erstmal guten Morgen, Herr Kommissar.“
„Moin, Kollegin, aber mal im Ernst. Kannst du bitte trotz freien Vormittags kommen? Wir haben einen Todesfall, vermutlich Mord.“
Thorsten Paulsen gibt seiner jungen Kollegin, frisch gekürte Kriminalhauptkommissarin, Rita Schneiderjahn, an, wo er sie treffen will, nicht ohne ihr zu versichern, dass sie die Überstunden dafür in der kommenden Woche abfeiern kann.
Rita Schneiderjahn zieht sich in Windeseile um, wählt die neuen engen Jeans, die ihre schlanken langen Beine so schön zur Geltung bringen, dazu die hohen schwarzen Lederstiefel und wegen des Schietwetters eine blaue Steppjacke. Obwohl jetzt gerade mal kein Wasser von oben fällt, steckt sie einen Schirm ein. Nur eine halbe Stunde später trifft sie ihren Kollegen vor einem Einfamilienhaus, mit dem hier üblichen Vorgärtchen: -Holzzaun, viel Rasen, pflegeleichte Hartriegelsträucher-. Sie ist den knappen Kilometer zu Fuß gegangen. Vor einigen Jahren, zur gleichen Zeit als auch ihre Reihenhaussiedlung gebaut wurde, war diese Einfamilienhaussiedlung mit Wassergrundstück, wie es in der Ausschreibung geheißen hatte, entstanden.
Schneiderjahn winkt dem kleinen Paulsen, wie sie ihn bei sich nennt, zu. Der 55-jährige überschlanke Kriminaloberkommissar ist fast einen Kopf kleiner als sie. Der antwortet mit einem Nicken. „Hmm, neue Jacke, Chef?“, sie befühlt das weiche Leder und nickt anerkennend, „aber ist das nicht 'nen bisschen kalt?“. Paulsen grinst: „Ist gefüttert.“
Er hebt gerade die Hand, um auf den Klingelknopf zu drücken, da wird die Tür schon von einer kleinen, leicht rundlichen, dunkelhaarigen Frau, um die vierzig, wie Schneiderjahn schätzt, geöffnet.
„Frau Feldmann?“, Paulsen schaut sie fragend an, „Sie haben die Kollegen angerufen und einen Leichenfund gemeldet?“
Frau Feldman nickt, reicht Paulsen und Schneiderjahn die Hand und bittet sie in ein helles, freundliches Zimmer mit großen Fenstern und einer zum Garten offenen Terrassentür. Von dort schaut ihnen ein großer, kräftiger Mann entgegen, etwa im gleichen Alter wie Frau Feldmann, der sich als Nachbar Björn Thiemann vorstellt.
Die beiden Beamten gehen auf die in weiße Overalls gekleideten Männer und Frauen vom Kriminaltechnischen Dienst im Garten zu. Paulsen hatte sie schon von der Dienststelle aus benachrichtigt. Nachbar Björn Thiemann beobachtet von der Terrasse aus wie die Kriminalbeamten sich mit ihren Kollegen unterhalten.
Tina Feldmann hat inzwischen Tee aufgebrüht, mehr um sich abzulenken von dem grausigen Geschehen in ihrem Garten als aus Höflichkeit. Das Angebot einer heißen Tasse Tee nehmen gerne alle an.
Paulsen nimmt einen großen Schluck „Hm, der ist gut.“
„Darjeeling, first flash.“
„Hmhm. Frau Feldmann, Sie haben die Leiche der Frau gefunden? Schildern Sie mal wie es dazu gekommen ist.“
Tina Feldmann erzählt, dass sie, wie an jedem Tag seit dem Dauerregen, nachsehen wollte, ob wieder was angeschwemmt wurde.
