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Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht. Der Zug von München nach Steinhausen war wie jeden Abend hoffnungslos überfüllt. Die junge Zahnarzthelferin Gerda Rauh stand irgendwo mitten im Gedränge und versuchte die Schwankungen des Eisenbahnwaggons einigermaßen aufzufangen, was ihr auch ganz gut gelang. Mittlerweile hatte sie ja schon Übung darin, denn eine Möglichkeit zum Festhalten hatte sie während der Heimfahrten nur selten. Der Zug hielt jetzt endlich in der Kreisstadt, wo viele Pendler ausstiegen. Gerda atmete auf. Die Luft im Abteil war trotz der geöffneten Fenster ziemlich stickig geworden. Zu allem Überfluß brannte jetzt auch noch die tieferstehende Sonne durch die Fenster und heizte den stehenden Waggon auf. Endlich setzte sich der Zug wieder in Bewegung und gewann an Geschwindigkeit. Gerda betrachtete die vorbeihuschende Landschaft und wußte, daß sie in ein paar Minuten den Steinhausener Bahnhof erreichen würde. Von dort hatte sie es nicht mehr weit bis zu der kleinen gemütlichen Dachwohnung, die sie mit ihrem Mann Ferdinand teilte. Sie würde die heißen Füße in einen Eimer mit kaltem Wasser stellen und… Der plötzlich heftig bremsende Zug riß Gerda aus ihren Gedanken. Sie versuchte Halt zu finden und drehte sich dabei mit einem kurzen Ruck um, doch ihre Hand griff ins Leere, und nur einem jungen Mann, der rasch von seinem Platz aufstand und sie festhielt, war es zu verdanken, daß sie nicht fiel. Der plötzliche, sehr heftige Schmerz, der in diesem Moment in ihren Unterleib fuhr, nahm Gerda fast den Atem. Der Mann, der sie noch immer stützte, sah sie besorgt an. »Was ist los?« fragte er. »Ist Ihnen nicht gut?« Gerda
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Der Zug von München nach Steinhausen war wie jeden Abend hoffnungslos überfüllt. Die junge Zahnarzthelferin Gerda Rauh stand irgendwo mitten im Gedränge und versuchte die Schwankungen des Eisenbahnwaggons einigermaßen aufzufangen, was ihr auch ganz gut gelang. Mittlerweile hatte sie ja schon Übung darin, denn eine Möglichkeit zum Festhalten hatte sie während der Heimfahrten nur selten.
Der Zug hielt jetzt endlich in der Kreisstadt, wo viele Pendler ausstiegen. Gerda atmete auf. Die Luft im Abteil war trotz der geöffneten Fenster ziemlich stickig geworden. Zu allem Überfluß brannte jetzt auch noch die tieferstehende Sonne durch die Fenster und heizte den stehenden Waggon auf.
Endlich setzte sich der Zug wieder in Bewegung und gewann an Geschwindigkeit. Gerda betrachtete die vorbeihuschende Landschaft und wußte, daß sie in ein paar Minuten den Steinhausener Bahnhof erreichen würde. Von dort hatte sie es nicht mehr weit bis zu der kleinen gemütlichen Dachwohnung, die sie mit ihrem Mann Ferdinand teilte. Sie würde die heißen Füße in einen Eimer mit kaltem Wasser stellen und…
Der plötzlich heftig bremsende Zug riß Gerda aus ihren Gedanken. Sie versuchte Halt zu finden und drehte sich dabei mit einem kurzen Ruck um, doch ihre Hand griff ins Leere, und nur einem jungen Mann, der rasch von seinem Platz aufstand und sie festhielt, war es zu verdanken, daß sie nicht fiel.
Der plötzliche, sehr heftige Schmerz, der in diesem Moment in ihren Unterleib fuhr, nahm Gerda fast den Atem. Der Mann, der sie noch immer stützte, sah sie besorgt an.
»Was ist los?« fragte er. »Ist Ihnen nicht gut?«
Gerda konnte nur nicken. Der Mann überließ ihr bereitwillig seinen Platz, doch auch im Sitzen wurde der Schmerz nicht besser. Gerda fühlte Übelkeit aufsteigen.
Der Zug setzte sich jetzt wieder in Bewegung und erreichte wenige Minuten später Steinhausen. Langsam und mit sichtlicher Mühe erhob sich Gerda von ihrem Platz und schwankte aus dem Abteil. Der Schmerz tobte mit unverminderter Kraft weiter in ihr… nein, er wurde sogar von Minute zu Minute schlimmer.
Mühsam schleppte sich Gerda vom Bahnsteig hinunter, doch im Schatten des Bahnhofsgebäudes brach sie zusammen. Josef Breitmoser, der Bahnbeamte, der schon seit vielen Jahren hier in Steinhausen arbeitete, eilte heraus und beugte sich über die bewußtlose Frau.
»Meine Güte!« stieß er hervor, dann kehrte er schnellstens zu seinem Schalter zurück, riß den Hörer von der Gabel und alarmierte die Waldsee-Klinik. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis ein Krankenwagen mit Blaulicht und Martinshorn vor dem Bahnhof stehenblieb. Der Oberarzt Dr. Gerrit Scheibler sprang heraus und beugte sich über die Frau.
»Schock«, urteilte er, dann gab er den Sanitätern knappe Anweisungen, und die beiden Männer hoben Gerda auf eine fahrbare Trage.
»Sie ist plötzlich zusammengebrochen«, erklärte Josef Breitmoser hastig »Ist es was Schlimmes?«
»Das kann ich jetzt noch nicht sagen«, entgegnete Dr. Scheibler knapp, dann folgte er den beiden Sanitätern und stieg zu der bewußtlosen Frau in den Wagen. Die Türen schlugen zu, und der Krankenwagen brauste in Richtung Waldsee-Klinik davon.
Währenddessen behandelte Dr. Scheibler schon die Symptome des Schocks, und die Infusion zeigte rasch Wirkung. Gerda schlug die Augen auf und starrte den Mann, der sich mit besorgtem Gesicht über sie beugte, verständnislos an.
»Wie fühlen Sie sich?« wollte er jetzt wissen.
»Ich habe… schreckliche Schmerzen«, brachte Gerda mühsam hervor, dann tastete sie mit einer Hand über ihren Bauch.
»Hier… überall…«
»Keine Sorge, wir sind gleich in der Klinik«, versicherte Dr. Scheibler, und seine tiefe, warme Stimme vermochte Gerda ein wenig zu beruhigen.
In diesem Moment hielt der Krankenwagen auch schon mit einem Ruck an, die Türen wurden aufgerissen und die fahrbare Trage herausgehoben. Mit einem stählernen Rasseln klappten die Räder nach unten, dann fuhren die beiden Sanitäter die Patientin in die Klinik.
»Frau Bergmeier!« rief Dr. Scheibler der Sekretärin zu, als er im Laufschritt die Eingangshalle betrat. »Versuchen Sie sofort Dr. Daniel zu erreichen! Es ist möglich, daß ich ihn brauche!«
»In Ordnung, Herr Oberarzt«, beeilte sich Martha Bergmeier zu versichern, dann griff sie rasch nach dem Telefonhörer und wählte die Nummer von Dr. Daniels Praxis. Eigentlich war seine Sprechzeit bereits vorbei, und so konnte sie nur hoffen, daß es ihr dennoch gelingen würde, ihn zu erreichen.
*
Hermine Gruber, die Besitzerin des Gasthofes von Steinhausen, hatte sich mit der Tischdekoration die größte Mühe gegeben. Schließlich kam es ja nicht jeden Tag vor, daß im Goldenen Löwen Verlobung gefeiert wurde. Hochzeiten gab es hier des öfteren, aber Verlobungen waren schon etwas Besonderes für sie, noch dazu, weil es sich bei dem Paar um Dr. Robert Daniel und die Allgemeinmedizinerin Dr. Manon Carisi handelte.
Als Irene Hansen, die ältere verwitwete Schwester von Dr. Daniel, und Karina, seine vierundzwanzigjährige Tochter, auf den Gasthof zukamen, wieselte Hermine Gruber geschäftig hinaus.
»Grüß Gott, Frau Hansen«, rief sie freundlich, dann lächelte sie das junge Mädchen mit dem langen goldblonden Haar an. »Grüß dich, Karina. Mir scheint, der Herr Papa wird sich verspäten.«
Karina nickte schmunzelnd. »Das sind wir schon gewohnt, Frau Gruber. Im Privatleben war mein Vater bisher nur selten pünktlich, und ich nehme nicht an, daß sich das bei seiner Verlobung ändern wird.« Dann sah sie sich um. »Sind wir die ersten?«
Hermine Gruber nickte eifrig. »Aber es ist schon alles hergerichtet.« Sie eilte Irene und Karina voran in die Gaststube. »Den gemütlichen Nischentisch habe ich für Sie reserviert. Da sind Sie ungestört.«
»Das ist nett, Frau Gruber«, meinte Karina, dann fügte sie mit einem schelmischen Seitenblick hinzu: »Auf diese Weise ist die Verlobung meines Vaters morgen nicht gleich Tagesgespräch in Steinhausen.«
Eine flüchtige Röte huschte über Hermine Grubers Gesicht. Sie gehörte nämlich zu den berüchtigten Klatschtanten des Ortes, und natürlich würde es ihr nicht lange gelingen, die Verlobung von Dr. Daniel und Manon Carisi für sich zu behalten.
»Du bist unmöglich, Karina«, hielt Irene ihrer Nichte vor, als Hermine Gruber an einen anderen Tisch geeilt war, um sich nach den Wünschen der Gäste zu erkundigen.
Karina lachte fröhlich. »Das mußte ich einfach loswerden, sonst wäre ich daran erstickt. Und Tatsache ist nun mal, daß alles, was im Goldenen Löwen geschieht, innerhalb von zwei Tagen die Runde durch Steinhausen macht. Das kommt daher, daß Frau Gruber neben Frau Hauser und Frau Schütz die größte…« Sie verstummte, weil die Gasthofbesitzerin wieder zu Irene und ihr an den Tisch kam.
»Was darf ich Ihnen bringen?« erkundigt sie sich höflich.
Während Irene und Karina noch die Bestellung aufgaben, trat Karinas älterer Bruder Stefan mit seiner Freundin Darinka an den Tisch.
»Wie ich sehe, fehlt nur noch das Liebespaar«, stellte Stefan grinsend fest.
»Irrtum, Bruderherz«, entgegnete Karina jetzt. »Onkel Schorsch und Tante Margit kommen auch.«
Doch Stefan winkte ab. »Onkel Schorsch ist genauso ein Arbeitstier wie Papa. Wenn die pünktlich sind, fresse ich einen Besen.«
»Guten Appetit!« erklang in diesem Moment die Stimme von Dr. Georg Sommer, der seit vielen Jahren Dr. Daniels bester Freund war. »Das Arbeitstier ist bereits hier.«
»Wo habt ihr denn euer Töchterchen?« erkundigte sich Karina bei Dr. Sommers Frau.
Margit seufzte. »Wir haben Biggi schweren Herzens bei
der Babysitterin zurückgelassen, weil auch wir natürlich wissen, daß eine Verlobungsfeier im Gasthof nicht der geeignete Aufenthaltsort für eine Einjährige ist.«
»Wie ich sehe, bin ich nicht die letzte«, stellte Manon Carisi fest, die jetzt etwas atemlos an den Tisch trat.
»Dieses Privileg behauptet mein geliebter Bruder für sich«, meinte Irene lächelnd. »Er war bisher noch bei jeder Feier der letzte.«
»Vorausgesetzt, er kommt überhaupt«, feixte Dr. Sommer und ahnte gar nicht, wie nahe er der Wahrheit mit seinen Worten kam.
*
Dr. Robert Daniel, auf den im Augenblick alles wartete, wollte tatsächlich gerade die Praxis verlassen, doch das Klingeln des Telefons hielt ihn davon ab. Er zögerte, warf einen raschen Blick auf die Uhr und entschloß sich dann doch, an den Apparat zu gehen. Es konnte ja etwas Dringendes sein.
»Waldsee-Klinik, Bergmeier«, gab sich die Sekretärin zu erkennen. »Ein Notfall, Herr Direktor. Dr. Scheibler sagt, daß er Sie brauchen würde.«
Im selben Moment hatte Dr. Daniel sein Privatleben vergessen. Er war jetzt nur noch Arzt und erreichte innerhalb weniger Minuten die Waldsee-Klinik, deren Direktor er war.
In knappen Worten schilderte Dr. Scheibler, was er inzwischen von Gerda Rauh erfahren hat-
te.
»Die Untersuchung, die ich gleich nach der Ankunft in der Klinik durchgeführt habe, hat ergeben, daß eine Reizung des Bauchfells mit einer erheblichen Anspannung der Bauchdecke den Schock verursacht hat«, fuhr er fort. »Diese Anspannung ist auf der linken Seite besonders ausgeprägt, und nach den Angaben der Patientin verspürt sie auch hier den sehr hefti-
gen Schmerz. Eileiterschwangerschaft kann ausgeschlossen werden. Die Frau hatte bis gestern ihre Tage.«
Dr. Daniel nickte knapp. »Die von Ihnen geschilderten Symptome deuten auf eine Eierstockgeschwulst hin, die plötzlich geplatzt ist. Wir müssen sofort operieren.«
»Damit hatte ich schon gerechnet«, meinte Dr. Scheibler. »Der OP ist vorbereitet.«
»Gut, dann nichts wie los«, meinte Dr. Daniel. »Hier geht es um Leben und Tod.«
Als Dr. Daniel und Dr. Scheibler vom Waschraum aus in den Operationssaal traten, hatte der Anästhesist Dr. Jeffrey Parker bereits die Narkose eingeleitet und war nun dabei, die Patientin zu intubieren.
»Sie können anfangen, Ro-bert«, erklärte er, während er seinen Platz am Kopfende einnahm, um so die Werte der Patientin kontrollieren zu können.
Dr. Daniel setzte den Bauchschnitt.
»Meine Güte«, stieß der Oberarzt hervor, als er die Wundhaken ansetzte, um Dr. Daniel freie Sicht auf das Operationsfeld zu verschaffen.
»Das war wirklich in letzter Minute«, meinte Dr. Daniel, während er vorsichtig die bläulich verfärbte, faustgroße Zyste herausnahm, dann kontrollierte er die Gebärmutter, doch hier ergaben sich keine Auffälligkeiten. Auch der rechte Eileiter und Eierstock wiesen keine krankhaften Veränderungen auf, der linke war jedoch nicht mehr zu retten.
»Damit sinken ihre Chancen auf ein Kind um fünfzig Prozent«, stellte Dr. Scheibler fest, während er zusah, wie Dr. Daniel den Eileiter entfernte.
Der Arzt nickte. »Leider, aber in diesem Fall gab es keine andere Entscheidung.«
»Ich weiß«, seufzte Dr. Scheibler. »Trotzdem tut mir so etwas gerade bei sehr jungen Frauen immer besonders leid.«
»Mir auch, Gerrit«, meinte Dr. Daniel, dann prüfte er sorgfältig, ob es zu keinen weiteren Blutungen mehr kam, bevor er die Wunde schloß.
»Ich werde hierbleiben, bis sie aufwacht«, beschloß Dr. Daniel spontan.
»Ich habe heute Nachtdienst und könnte mich auch um die Frau kümmern«, bot Dr. Scheibler an.
»Das ist sehr nett, Gerrit, und fassen Sie es nicht als mangelndes Vertrauen auf, aber in den ersten Stunden würde ich lieber selbst nach der Patientin sehen.«
Dr. Scheibler lächelte. »Wie Sie meinen, Robert. Keine Sorge, ich weiß schon, daß Sie nicht aus Mißtrauen in meine ärztlichen Fähigkeiten so handeln.«
In der Zwischenzeit hatte Dr. Parker die Patientin in den Aufwachraum gebracht. Dorthin ging nun auch Dr. Daniel. Er kontrollierte Puls und Blutdruck, doch insoweit war alles in Ordnung.
Es dauerte dann auch nicht allzu lange, bis Gerda Rauh die Augen aufschlug. Dr. Daniel beugte sich über sie und berührte ihre Wange.
»Nun, wie fühlen Sie sich?« fragte er.
»Ich… ich weiß nicht«, stammelte die junge Frau. »Was ist… passiert? Der Arzt hat mich untersucht, und dann… dann weiß ich plötzlich nichts mehr.«
»Das glaube ich gern«, erwiderte Dr. Daniel. »Wir mußten Sie ganz schnell operieren.«
»Operieren?« wiederholte Gerda mühsam. »Aber… warum denn?« Ihre Augenlider begannen zu flattern. Die Nachwirkungen der Narkose machten sie noch sehr müde, doch gewaltsam zwang sie sich wachzubleiben. Sie hatte so viele Fragen…
»Schlafen Sie wieder«, riet Dr. Daniel ihr. »Sie sind noch müde von der Narkose. Morgen können wir in Ruhe über alles sprechen.«
»Was war das?« flüsterte sie. »Dieser schlimme Schmerz…« Aber noch bevor sie den Satz beenden konnte, fielen ihr die Augen zu.
Dr. Daniel kontrollierte noch einmal Puls und Blutdruck, dann brachte er die Patientin persönlich auf die Station in ein freies Einzelzimmer. Er würde noch warten, bis sie ein zweites Mal zu sich kam, dann konnte er beruhigt nach Hause fahren.
Seine Verlobung mit Manon Carisi hatte er total vergessen…
*
Um elf Uhr abends brach die Verlobungsgesellschaft auf. Bis jetzt hatte man vergeblich auf Dr. Daniel gewartet, und mit seinem Erscheinen konnte wohl auch nicht mehr gerechnet werden.
»Also, an deiner Stelle wäre ich jetzt stinksauer«, erklärte Irene entschieden.
Doch Manon zuckte nur die Schultern. »Es wird bestimmt einen Notfall gegeben haben.«
»Ich glaube, du hättest sogar noch Verständnis, wenn er dich im Brautkleid vor dem Altar warten ließe«, vermutete Dr. Sommer, dann schüttelte er lächelnd den Kopf. »Eine so fabelhafte Frau hat dieser Flegel gar nicht verdient.«
»Ich bitte dich, Schorsch, Robert ist alles andere als ein Flegel«, erklärte Manon mit leisem Tadel in der Stimme.
»Nun aber aufgepaßt, Onkel Schorsch«, meinte Stefan grinsend. »Wenn du Papa noch mal beleidigst, bekommst du von Manon wahrscheinlich mit dem Nudelholz eins übergebraten.«
»Sieht ganz so aus«, stimmte Dr. Sommer seufzend zu, dann sah er Manon an. »Ich wollte deinem Fast-Verlobten bestimmt nicht zu nahe treten, aber allerhand ist es schon, daß er dich ausgerechnet heute versetzt hat.«
»Ich sagte schon, es war bestimmt ein Notfall«, erklärte Manon. »Immerhin haben wir in der Villa und in der Praxis angerufen, aber niemand hat sich gemeldet. Er kann also weder über seinen Krankenakten noch vor dem Fernseher eingeschlafen sein. Und Schwester Irmgard konnte uns nur sagen, daß Dr. Scheibler operiert. Vielleicht war Robert auch mit im OP.«
»So wird’s wohl gewesen sein«, lenkte Dr. Sommer ein, weil er spürte, daß Manon innerlich zutiefst enttäuscht war, auch wenn sie Dr. Daniel
