Ein Bild aus glücklichen Tagen - Marie Francoise - E-Book

Ein Bild aus glücklichen Tagen E-Book

Marie Francoise

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Beschreibung

Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht.   Der Krankenwagen hielt mit blinkendem Blaulicht vor der Klinik an, während das Martinshorn mit einem letzten Aufjaulen verklang. Der Sanitäter, der am Steuer gesessen hatte, sprang heraus, lief nach hinten und riß die Hecktüren auf. Zusammen mit seinem Kollegen, der sich im hinteren Teil des Wagens aufgehalten hatte, holte er die Trage heraus, auf der die Patientin lag. Mit einem stählernen Rasseln klappten die Räder nach unten, dann schoben die beiden Sanitäter die fahrbare Trage durch die doppelflügeligen Eingangstüren. Ihnen folgte ein junger Mann, dessen Gesicht Angst und Sorge widerspiegelte, doch seine Augen blieben dabei seltsam unbeteiligt.   Oberschwester Lena Kaufmann kam den Sanitätern im Laufschritt entgegen.   »Was ist…«, begann sie, doch in diesem Moment erhaschte sie einen Blick auf die Patientin. Ihr Gesicht verlor sofort alle Farbe. »Hanni! Um Himmels willen…«   Die junge Frau auf der Trage wandte ihr schmerzverzerrtes Gesicht ab. Deutlicher hätte sie ihre Abneigung gegen die Oberschwester gar nicht zeigen können.   »Verdacht auf akute Appendizitis«, meldete jetzt der Sanitäter.   Oberschwester Lena nickte ein wenig zerstreut und wies zum rechten Flügel der Klinik. »In die Chirurgie.« Sie lief schon voraus, um den Chefarzt Dr. Gerrit Scheibler zu informieren.   »Alarmieren Sie das Team«, befahl er, während er in die Notaufnahme eilte und zu der jungen Patientin trat. Das erste, was ihm an ihr auffiel, war das wohlgerundete Bäuchlein, das auf eine Schwangerschaft hinwies.   »Ich bin Dr. Scheibler, der Chefarzt dieser Klinik«, stellte er sich vor.   »Hannelore Jung«, erwiderte die junge Frau leise, wobei sich in ihrem Gesicht noch immer Schmerzen abzeichneten.   »Keine Sorge, Frau Jung«, beruhigte Dr. Scheibler

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Dr. Daniel – 82 –Ein Bild aus glücklichen Tagen

Marie Francoise

  Der Krankenwagen hielt mit blinkendem Blaulicht vor der Klinik an, während das Martinshorn mit einem letzten Aufjaulen verklang. Der Sanitäter, der am Steuer gesessen hatte, sprang heraus, lief nach hinten und riß die Hecktüren auf. Zusammen mit seinem Kollegen, der sich im hinteren Teil des Wagens aufgehalten hatte, holte er die Trage heraus, auf der die Patientin lag. Mit einem stählernen Rasseln klappten die Räder nach unten, dann schoben die beiden Sanitäter die fahrbare Trage durch die doppelflügeligen Eingangstüren. Ihnen folgte ein junger Mann, dessen Gesicht Angst und Sorge widerspiegelte, doch seine Augen blieben dabei seltsam unbeteiligt.

  Oberschwester Lena Kaufmann kam den Sanitätern im Laufschritt entgegen.

  »Was ist…«, begann sie, doch in diesem Moment erhaschte sie einen Blick auf die Patientin. Ihr Gesicht verlor sofort alle Farbe. »Hanni! Um Himmels willen…«

  Die junge Frau auf der Trage wandte ihr schmerzverzerrtes Gesicht ab. Deutlicher hätte sie ihre Abneigung gegen die Oberschwester gar nicht zeigen können.

  »Verdacht auf akute Appendizitis«, meldete jetzt der Sanitäter.

  Oberschwester Lena nickte ein wenig zerstreut und wies zum rechten Flügel der Klinik. »In die Chirurgie.« Sie lief schon voraus, um den Chefarzt Dr. Gerrit Scheibler zu informieren.

  »Alarmieren Sie das Team«, befahl er, während er in die Notaufnahme eilte und zu der jungen Patientin trat. Das erste, was ihm an ihr auffiel, war das wohlgerundete Bäuchlein, das auf eine Schwangerschaft hinwies.

  »Ich bin Dr. Scheibler, der Chefarzt dieser Klinik«, stellte er sich vor.

  »Hannelore Jung«, erwiderte die junge Frau leise, wobei sich in ihrem Gesicht noch immer Schmerzen abzeichneten.

  »Keine Sorge, Frau Jung«, beruhigte Dr. Scheibler sie. »Sie sind hier in guten Händen.« Er schwieg kurz. »Haben Sie Ihren Mutterpaß bei sich?«

  Hannelore zögerte, dann schüttelte sie den Kopf. »Ich war bei keinem Arzt.«

  Entsetzt starrte Dr. Scheibler sie an, ging aber dann nicht näher auf diesen in seinen Augen unverzeihlichen Leichtsinn ein, sondern erkundigte sich: »Wann hatten Sie zuletzt ihre Tage?«

  Nach kurzem Überlegen nannte Hannelore ihm das Datum. Dr. Scheibler rechnete rasch nach und kam zu dem Ergebnis, daß die junge Frau jetzt etwa in der achtzehnten Schwangerschaftswoche sein mußte. Vorsichtig tastete er nach dem Blinddarm und stellte fest, daß die Bauchdecke in diesem Bereich hart und angespannt war. Als er leichten Druck ausübte, zuckte die Patientin zusammen.

  »Mußten Sie sich übergeben?« wollte Dr. Scheibler wissen.

  Hannelore nickte. »Zweimal.« Sie schwieg kurz. »Mein Mann hat vier Semester Medizin studiert, bevor er auf Jura umsattelte. Er meint, es könnte nur der Blinddarm sein.«

  Der Chefarzt nickte. »Das ist vermutlich sogar richtig, aber ich kann auch andere Ursachen noch nicht völlig ausschließen. Ich werde mir Ihren Bauch auf Ultraschall ansehen und dann entscheiden, ob wir operieren müssen.«

  »Wäre das… gefährlich? Ich meine… für das Baby?«

  Dr. Scheibler blickte die junge Frau an. »Ich will Sie zwar nicht kritisieren, aber aufgrund der Tatsache, daß Sie in achtzehn Wochen nicht ein einziges Mal beim Arzt waren, sich also um das Gedeihen Ihres Kindes wohl nicht allzu viele Gedanken gemacht haben, kann ich Ihre jetzige Sorge nicht ganz nachvollziehen.«

  Hannelore errötete. »Ich weiß schon, was Sie jetzt von mir denken, aber… es ist alles ganz anders…«

  »Im Moment haben wir leider keine Zeit, um eingehender darüber zu sprechen«, meinte Dr. Scheibler, dann verteilte er das spezielle Gel auf dem Bauch der Patientin und ließ den Schallkopf darübergleiten. Ursprünglich hatte er sichergehen wollen, daß keine gestielte Eierstockzyste die Ursache für den akuten Bauch der jungen Frau wäre, doch was er jetzt entdeckte, war noch weit besorgniserregender.

  »Das Team steht bereit«, meldete Oberschwester Lena in diesem Moment. Zögernd trat sie näher und wollte gerade etwas sagen, doch Dr. Scheibler kam ihr zuvor.

  »Rufen Sie bitte Dr. Daniel her, schnell«, drängte er.

Lena warf der Patientin einen raschen, überaus besorgten Blick zu, leistete der Aufforderung des Chefarztes aber unverzüglich Folge und eilte in den Nebenraum.

  In der Praxis von Dr. Robert Daniel meldete sich wie immer die junge Empfangsdame Gabi Meindl. Oberschwester Lena hielt sich gar nicht damit auf, sich weiterverbinden zu lassen.

  »Fräulein Meindl, hier ist Lena Kaufmann«, gab sie sich zu erkennen. »Schicken Sie Dr. Daniel bitte unverzüglich in die WaldseeKlinik. Ein dringender Notfall.«

  Dann legte sie auf und blieb mit bebenden Händen neben dem Telefon stehen.

  »Was ist denn nun mit Hanni?« erklang hinter ihr plötzlich eine ungeduldige Männerstimme.

  Lena drehte sich um und sah sich unvermittelt ihrem Schwiegersohn Harald Jung gegenüber.

  »Das fragst du ausgerechnet mich?« entgegnete sie in eigenartigem Ton, bevor sie voller Bitterkeit hinzufügte: »In den letzten Jahren war ich doch immer die Letzte, die etwas über Hanni erfahren hat.«

  »Müssen wir das etwa jetzt ausdiskutieren?« fragte Harald gereizt.

  Lena senkte den Kopf. »Hanni ist meine Tochter…«

  »Stieftochter«, verbesserte Harald nachdrücklich. »Und das hast du sie auch immer spüren lassen.«

  »Das ist nicht wahr!« verteidigte sich Lena. »Das bildet sich Hanni erst ein, seit sie weiß, daß sie nicht meine leibliche Tochter ist, aber…« Mit plötzlicher Niedergeschlagenheit winkte sie ab. »Was rede ich überhaupt. Ihr glaubt mir ja sowieso nicht.«

  Sie drückte sich an Harald vorbei auf den Flur und sah im selben Moment Dr. Daniel durch die undurchsichtige Glastür kommen. Spontan eilte sie ihm entgegen.

  »Eine schwangere Patientin mit Verdacht auf akute Appendizitis«, informierte sie ihn sofort.

  Dr. Daniel kannte Lena Kaufmann lange genug, um ihren verstörten Gesichtsausdruck zu bemerken. Immerhin hatte sie lange als Sprechstundenhilfe in seiner Praxis gearbeitet. Seit Eröffnung der WaldseeKlinik war sie nun hier als Oberschwester tätig, trotzdem bestand zwischen ihr und Dr. Daniel noch eine gewisse Vertrautheit, die von jahrelanger Zusammenarbeit herrührte.

  »Ist alles in Ordnung, Frau Kaufmann?« fragte er besorgt, während er an ihrer Seite zur Notaufnahme eilte.

  Lena nickte nur, und dann gab es für Dr. Daniel ohnehin keine Möglichkeit mehr nachzuhaken, denn Dr. Scheibler kam ihm schon entgegen.

  »Robert, gut, daß Sie so schnell kommen konnten«, meinte er und dämpfte seine Stimme. »Ich habe da drinnen eine Patientin mit einer akuten Appendizitis, aber das ist noch nicht das Schlimmste. Sie ist ungefähr in der achtzehnten Schwangerschaftswoche, doch der Fetus…« Er schwieg kurz. »Zuerst ist mir nur aufgefallen, daß er zu klein ist, aber bei näherem Hinsehen… er bewegt sich nicht, und es ist auch keine Herztätigkeit auszumachen.«

  Erschrocken preßte Lena eine Hand vor den Mund. Erstaunt sahen die beiden Ärzte sie an, doch bevor einer von ihnen auch nur eine Frage stellen konnte, lief die Oberschwester bereits in Richtung Eingangshalle davon.

  Dr. Daniel wäre ihr gerne gefolgt, doch im Moment war die Patientin einfach wichtiger.

  »Weiß sie es schon?« fragte er.

  Dr. Scheibler schüttelte den Kopf. »Ich möchte, daß Sie sich das vorher auch noch anschauen. Vielleicht habe ich mich ja getäuscht.«

  Das hielt Dr. Daniel allerdings für sehr unwahrscheinlich, denn Dr. Scheibler war nicht nur ein erstklassiger Chirurg, sondern verfügte auch auf gynäkologischem Gebiet über viel Erfahrung. Immerhin hatte er einige Jahre in der ThierschKlinik gearbeitet, und der dortige Chefarzt, Professor Rudolf Thiersch, verlangte seinen Ärzten wirklich alles ab.

  Dr. Daniel betrat die Notaufnahme, stellte sich der jungen Frau vor und machte dann seinerseits noch eine Ultraschallaufnahme, die Dr. Scheiblers Diagnose aber bestätigte.

  »Frau Jung, ich habe da eine sehr schlimme Nachricht für Sie«, begann Dr. Daniel so behutsam, wie es in diesem Fall überhaupt möglich war.

  Hannelore erschrak. »Ist mein Kind behindert?«

  Dr. Daniel schüttelte den Kopf. »Nein, Frau Jung, es geht um etwas völlig anderes.« Er überlegte einen Moment, doch es gab keine schonende Art, ihr die Wahrheit beizubringen – schon gar nicht, wenn es so eilte wie jetzt. »Die Aufnahmen, die Dr. Scheibler und ich gemacht haben, bestätigen, daß das Ungeborene… nicht mehr am Leben ist.«

  Aus weit aufgerissenen Augen starrte Hannelore den Arzt an, dann schüttelte sie den Kopf – erst langsam, dann immer heftiger.

  »Das glaube ich nicht!« stieß sie hervor. »Das hat sie Ihnen nur eingeredet! Sie kann es nicht ertragen, daß ich ein Kind bekomme! Sie kann es nicht ertragen, weil ihre leibliche Tochter unfruchtbar ist!«

  »Wer kann das nicht ertragen?« hakte Dr. Daniel vorsichtig nach.

  »Meine Stiefmutter! Sie will, daß Sie mein Kind abtreiben! Wieviel bezahlt sie Ihnen dafür?«

  »Frau Jung, beruhigen Sie sich doch«, bat Dr. Daniel in seiner warmherzigen Art, die in seinen Patientinnen normalerweise so viel Vertrauen weckte, aber zu Hannelore war selbst damit kaum durchzudringen. »Wir sind Ärzte… sehr verantwortungsbewußte Ärzte sogar. Was Sie da vermuten, wäre nicht nur eine illegale Abtreibung – es wäre darüber hinaus ein Verbrechen.« Seine Stimme wurde noch eindringlicher. »Frau Jung, bitte glauben Sie uns, Ihr Baby ist im Mutterleib gestorben und zwar nicht erst heute, sondern vermutlich schon vor mehreren Tagen, und wenn wir dieses tote Kind nicht schnellstens holen, dann geraten Sie selbst in Lebensgefahr.«

  Dr. Daniel bemerkte den noch immer skeptischen Blick der Patientin und schaltete den Bildschirm wieder ein.

  »Sicher kennen Sie Ultraschallaufnahmen von den üblichen Vorsorgeuntersuchungen«, meinte er, doch Hannelore schüttelte nur den Kopf.

  »Ich war nie beim Arzt«, gestand sie leise.

  »Sie waren nie…«, begann Dr. Daniel fassungslos.

  »Ich weiß schon, was Sie jetzt denken«, entgegnete Hannelore voller Bitterkeit. »Sie glauben, das Baby wäre mir gleichgültig, aber so ist es nicht. Es ist mir alles andere als gleichgültig!«

  »Das glaube ich Ihnen«, meinte Dr. Daniel und fing dabei den drängenden Blick des Chefarztes auf. Sie hatten jetzt nicht mehr viel Zeit, wenn Hannelore nicht in einen lebensbedrohenden Zustand geraten sollte. Der Blinddarm konnte durchbrechen, ganz zu schweigen von der Gefahr, die von dem toten Fetus ausging.

  »Sehen Sie, hier ist das Herz Ihres Babys«, erklärte Dr. Daniel und wies auf eine Stelle des Bildes, von dem Hannelore nur helle und dunkle Schatten erkennen konnte. »Würde es noch leben, könnten Sie die Herztätigkeit sehen.«

  »Sie können mir viel erzählen«, entgegnete die junge Frau starrköpfig. »Wenn Sie mein Baby töten, verklage ich Sie. Ich werde die ganze Klinik verklagen!«

  »Begreifen Sie doch, es ist tot«, versuchte Dr. Daniel es noch einmal. »Und Sie werden auch sterben, wenn wir nicht bald operieren.« Er griff nach ihrer Hand. »Vertrauen Sie mir, Frau Jung. Ich würde einen solchen Eingriff niemals vornehmen, wenn das Baby noch am Leben wäre.« Er schwieg kurz. »Im übrigen kenne ich Ihre Stiefmutter gar nicht.«

  Hannelore sah ihn eine Weile an, dann flüsterte sie: »Doch, Sie kennen sie. Sie wissen wohl nur nicht, daß sie meine Stiefmutter ist.« Sie zögerte einen Moment, ehe sie nickte. »Führen Sie die Operation durch.«

*

  »Mit der Narkose muß es jetzt ganz schnell gehen!« drängte Dr. Daniel seinen zukünftigen Schwiegersohn Dr. Jeff Parker, der hier in der Klinik als Anästhesist tätig war.

  »Da behaltet ihr die Patientin eine halbe Ewigkeit in der Notaufnahme, aber bei mir muß es dann immer ganz schnell gehen«, grummelte Dr. Parker.

  »Du sollst dich nicht beklagen, Jeff, sondern zusehen, daß du…« begann Dr. Scheibler streng.

  Abwehrend hob Dr. Parker beide Hände. »Nun friß mich nicht gleich auf. Ich beeile mich ja schon.«

  »Hoffentlich«, knurrte Dr. Daniel, während er hinter Dr. Scheibler den Waschraum betrat.

  Währenddessen leitete Dr. Parker bei der Patientin die Narkose ein, und dabei kam sogar die routinierte OPSchwester Petra Dölling ins Schwitzen. Sie kannte Dr. Parkers schnelle Arbeitsweise zur Genüge, doch heute war sein Tempo wirklich rekordverdächtig.

  »Wollen Sie mich vor der Operation schon fertigmachen?« fragte Petra, als Dr. Parker dabei war, die Patientin zu intubieren.

  »Tut mir leid«, murmelte der junge Anästhesist, während er den Tubus schnell aber mit der gebotenen Vorsicht tiefer schob. »Befehl von ganz oben. Der Direktor persönlich hat angeordnet, daß es schnell gehen muß.«

  »Bei Ihnen geht’s doch sowieso schnell«, wandte Petra ein, dann nahm sie ihren Platz am OPTisch ein, während Dr. Daniel, Dr. Scheibler, die Oberärztin Dr. Lisa Walther und der Assistenzarzt Dr. Rainer Köhler in den Operationssaal traten.

  »Tubus ist drin«, meldete Dr. Parker. »Ihr könnt anfangen.«

  Völlig außer Atem stürzte nun auch die zweite OPSchwester Monika Merten herein.

  »Sie brauchen mich hier?« stieß sie hervor.

  »Ja, Monika, kommen Sie zu mir«, bat Dr. Daniel. »Wir haben eine Missed abortion.«

  Monika wußte, was das bedeutete, und bereitete routiniert alle Instrumente vor, die Dr. Daniel dafür benötigen würde. Währenddessen setzte Dr. Daniel bei Hannelore eine Injektion, und Schwester Monika wußte, daß er der Patientin Prostaglandine gespritzt hatte, die eine Wehentätigkeit auslösen sollten.

  In der Zwischenzeit hatte Dr. Scheibler schon den Schnitt für die Appendektomie gesetzt.

  »Das war wirklich in letzter Minute«, urteilte er aufatmend, während er fachmännisch den entzündeten Blinddarm entfernte.

  Dr. Daniel begann indessen vorsichtig, mit Dehnungsstiften die Zervix zu weiten, dann nahm er die Sprengung der Fruchtblase vor.

  »Blutdruck fällt, Pulsfrequenz steigt«, meldete sich Dr. Parker zu Wort. »Schockgefahr.«

  »Blutgruppenbestimmung und Kreuzprobe«, ordnete Dr. Daniel an. »Danach Dauertropf mit PPL und Venenkatheter. Sobald genügend blutgruppengleiches, gekreuztes Blut bereitsteht, Transfusion einleiten.« Er wandte sich dem Chefarzt zu. »Ich bräuchte Sie jetzt dringend im Labor.«

  Dr. Scheibler nickte. »Ich bin hier soweit fertig.«

  Ohne Aufforderung übernahm Dr. Lisa Walther seinen Platz und beendete den Eingriff, während der Chefarzt schon die Anweisungen von Dr. Daniel entgegennahm.

  »Ich brauche eine Bestimmung des Fibrinogengehalts, außerdem Thrombozyten und Thrombinzeitbestimmung«, erklärte Dr. Daniel.

  »In Ordnung«, entgegnete Dr. Scheibler, nahm von Schwester Monika, die die Situation auf Anhieb richtig eingeschätzt und der Patientin Blut abgenommen hatte, die Probe entgegen und eilte damit ins Labor.

  »Blutdruck steigt wieder, Puls fast im Normbereich«, meldete sich der Anästhesist.