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Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht. »So ein Mist«, schimpfte Ilona Beckmann leise vor sich hin. »Was ist denn los?« wollte ihre Kusine Anita Steger wissen, mit der sie seit etwas mehr als einem halben Jahr ihre Wohnung teilte. »Meine Regel ist seit fünf Tagen überfällig«, antwortete Ilona ärgerlich. »Ich könnte wetten, daß ich schwanger bin.« »Ich dachte, du nimmst die Pille«, meinte Anita überrascht. Ilona winkte ab. »Schon lange nicht mehr. Ich hatte doch ständig mit Kreislaufproblemen und Übelkeit zu kämpfen, da habe ich sie eben abgesetzt.« Mißbilligend runzelte Anita die Stirn. »Das war aber ziemlich leichtsinnig von dir. Ich meine… du und Rolf, ihr lebt ja sicher nicht wie die Mönche.« »Willst du mich belehren?« fragte Ilona mit plötzlicher Aggressivität. »Natürlich haben Rolf und ich ein völlig normales Liebesleben, aber die Pille ist ja nicht die einzige Verhütungsmöglichkeit. Außerdem ist das alles ja wohl mein Problem.« Unwillkürlich wich Anita einen Schritt zurück. Sie kannte die unberechenbare Ilona lange genug, um zu wissen, wann sie vorsichtig sein mußte. »Ich wollte mich bestimmt nicht in deine Angelegenheiten einmischen«, versuchte sie ihre Kusine zu besänftigen. »Im übrigen… selbst wenn du schwanger wärst… Rolf ist ein anständiger Kerl. Der läßt dich bestimmt nicht sitzen.« Ilona ließ sich in den nächstbesten Sessel fallen und schlug die Beine übereinander, dann strich sie ihr langes, dunkles Haar zurück. Anita konnte nicht anders, als sie anzusehen. Wie sehr sie ihre Kusine doch um ihr gutes Aussehen beneidete! Ilona hatte wirklich alles, was sich eine Frau nur wünschen konnte: Eine Superfigur, feingemeißelte Gesichtszüge, ausdrucksvolle dunkle Augen und einen Mund, der zum Küssen
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2016
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»So ein Mist«, schimpfte Ilona Beckmann leise vor sich hin.
»Was ist denn los?« wollte ihre Kusine Anita Steger wissen, mit der sie seit etwas mehr als einem halben Jahr ihre Wohnung teilte.
»Meine Regel ist seit fünf Tagen überfällig«, antwortete Ilona ärgerlich. »Ich könnte wetten, daß ich schwanger bin.«
»Ich dachte, du nimmst die Pille«, meinte Anita überrascht.
Ilona winkte ab. »Schon lange nicht mehr. Ich hatte doch ständig mit Kreislaufproblemen und Übelkeit zu kämpfen, da habe ich sie eben abgesetzt.«
Mißbilligend runzelte Anita die Stirn. »Das war aber ziemlich leichtsinnig von dir. Ich meine… du und Rolf, ihr lebt ja sicher nicht wie die Mönche.«
»Willst du mich belehren?« fragte Ilona mit plötzlicher Aggressivität. »Natürlich haben Rolf und ich ein völlig normales Liebesleben, aber die Pille ist ja nicht die einzige Verhütungsmöglichkeit. Außerdem ist das alles ja wohl mein Problem.«
Unwillkürlich wich Anita einen Schritt zurück. Sie kannte die unberechenbare Ilona lange genug, um zu wissen, wann sie vorsichtig sein mußte.
»Ich wollte mich bestimmt nicht in deine Angelegenheiten einmischen«, versuchte sie ihre Kusine zu besänftigen. »Im übrigen… selbst wenn du schwanger wärst… Rolf ist ein anständiger Kerl. Der läßt dich bestimmt nicht sitzen.«
Ilona ließ sich in den nächstbesten Sessel fallen und schlug die Beine übereinander, dann strich sie ihr langes, dunkles Haar zurück. Anita konnte nicht anders, als sie anzusehen. Wie sehr sie ihre Kusine doch um ihr gutes Aussehen beneidete! Ilona hatte wirklich alles, was sich eine Frau nur wünschen konnte: Eine Superfigur, feingemeißelte Gesichtszüge, ausdrucksvolle dunkle Augen und einen Mund, der zum Küssen einlud. Anita wußte, daß sie damit nicht konkurrieren konnte und im Grunde wollte sie es auch gar nicht. Schließlich wußte sie, daß Ilona für ihr Aussehen eine ganze Menge tat: Joggen, Aerobic, Fitneßtraining, keine Süßigkeiten, keine Nudeln, keine Pizza – nur ausgewogene, gesunde Ernährung. Allein da hätte Anita schon kapituliert, dafür aß sie viel zu gern. Nun war sie ja auch nicht dick, aber mit Ilonas Traummaßen konnte sie natürlich nicht mithalten.
Im übrigen war Anita der Meinung, daß es besser war, nicht so gut auszusehen und dafür einen gefestigteren Charakter zu besitzen. Daran haperte es bei ihrer schönen Kusine nämlich ganz gewaltig, doch vielleicht war es eben wirklich so, daß man nicht alles haben konnte. Möglicherweise lag es aber auch an Ilonas Elternhaus. Ilona war nämlich das, was man ein verwöhntes Einzelkind nannte. Sie hatte grundsätzlich alles bekommen, was sie gewollt hatte, vor allem, weil ihre Eltern auch finanziell dazu in der Lage gewesen waren. Das Ergebnis dieser Erziehung war nun eine egoistische junge Frau, die immer mehr wollte und die trotz eines außergewöhnlichen guten Verdienstes nie mit ihrem Geld auskam, obwohl ihre Eltern ihr dazu auch noch monatlich einen beachtlichen Zuschuß gewährten.
»Ach weißt du, das mit Rolf…«, begann Ilona und riß Anita damit aus ihren Gedanken. »Irgendwie ist es nicht so das Wahre.«
Völlig fassungslos starrte Anita sie an. »Heißt das… du willst Schluß machen?« Sie schüttelte den Kopf. »Bist du denn noch zu retten? Einen Mann wie ihn findest du nie wieder! Rolf ist…«
»Willst du ihn haben?« fragte Ilona beinahe herausfordernd.
Mißbilligend schüttelte Anita den Kopf. »Du sprichst über ihn, als wäre er ein Stück Kuchen oder…«
»Du stehst doch so auf Süßigkeiten.« Wieder war da dieser herausfordernde Ton, der Anita so abstieß.
»Ilona, ich glaube, du bist ein bißchen durcheinander«, meinte sie. »Die mögliche Schwangerschaft…«
»Damit hat das gar nichts zu tun«, wehrte Ilona ab. »Weißt du, Rolf ist ein Familientier. In letzter Zeit spricht er immer öfter über Heirat und so. Das paßt mir nicht. Ich will nicht heiraten… jetzt jedenfalls noch nicht. Und wenn überhaupt, dann bestimmt nicht einen Mann wie Rolf, der noch weniger hat als ich selbst.«
»Du hast doch nicht wenig«, korrigierte Anita nachdrücklich. »Der Punkt ist nur, daß du mit Geld nicht umgehen kannst. Schau, ich verdiene gerade mal halb so viel wie du und bekomme von meinen Eltern keinen monatlichen Zuschuß. Trotzdem bin ich immer flüssig.«
Abschätzig betrachtete Ilona sie. »Das wäre ich auch, wenn ich in solchen Klamotten herumlaufen würde.«
Unwillkürlich blickte Anita an sich herab. Sicher, ihre Kleidung stammte aus keiner Boutique, aber sie war modisch und eben nur halb so teuer, wie das, was Ilona im allgemeinen trug.
»Weißt du, ich habe von Kindheit an gelernt, mit Geld umzugehen«, entgegnete Anita ruhig. Mit der Zeit hatte sie gelernt, über Ilonas herablassende Art hinwegzusehen. »Außerdem habe ich festgestellt, daß Gutes nicht unbedingt teuer sein muß. Ich kaufe keinen Ramsch, aber ich weigere mich auch, für ein Kleid ein halbes Vermögen hinzulegen.«
Ilona seufzte abgrundtief. Sie haßte es, von ihrer Kusine belehrt zu werden, noch dazu, weil Anita ja zwei Jahre jünger war als sie.
Überhaupt hätte sie sich ohrfeigen mögen, weil sie dieser gemeinsamen Wohnung zugestimmt hatte. Andererseits – was waren ihr schon für Alternativen geblieben? Die Miete war gestiegen und Ilona war ohnehin immer knapp bei Kasse. Inzwischen war es schon so, daß Anita die Wohnungsmiete schon fast allein bezahlte. Ilona steuerte höchstens zu den Nebenkosten etwas dazu. Aus diesem Grund durfte sie Anita auch nicht zu sehr vor den Kopf stoßen.
»Ich glaube, es ist besser, wenn wir dieses Thema jetzt nicht weiter vertiefen«, lenkte Ilona daher ab. »Jeder soll sich sein Leben so einteilen, wie er es für richtig hält.«
Anita zögerte kurz, stellte die Frage, die sich ihr aufdrängte, aber doch. »Was wirst du tun, wenn du tatsächlich schwanger bist?« Dabei glaubte sie die Antwort schon zu kennen. Ilona würde auch für ihr eigenes Baby auf nichts verzichten, davon war Anita überzeugt. In diesem Fall würde ihre Kusine aber auch nur eine Möglichkeit haben: Abtreibung.
Ilona zeigte ein raffiniertes Lächeln. »Ich werde für mein Kind einen Vater suchen, der anständige Alimente zahlt.«
Verständnislos sah Anita sie an. »Aber… das Baby ist doch von Rolf – immer vorausgesetzt, du bist überhaupt schwanger. Das Ausbleiben deiner Regel kann ja auch andere Gründe haben.«
»Und welche?« fragte Ilona fast provokativ.
Etwas vage zuckte Anita die Schultern. »Weiß ich nicht. Ich bin ja keine Ärztin, aber ich denke mir…«
»Hör auf zu denken«, riet Ilona ihr grob. »Ich bin absolut sicher, daß für das Ausbleiben meiner Regel eine Schwangerschaft verantwortlich ist.« Sie stand auf, trat an ihren Schreibtisch und holte eine alte Tageszeitung heraus, die sie vor Anita auf den Tisch legte.
Kaiserschnitt vor laufender Kamera! stand als groß aufgemachte Schlagzeile über dem Bericht auf der Titelseite.
Der Name des Steinhausener Gynäkologen Dr. Robert Daniel ist seit der dramatischen Operation, bei der er der berühmten Moderatorin Amrei Huber und ihrem Baby das Leben rettete, in aller Munde…
Ratlos blickte Anita auf. »Warum zeigst du mir das?«
Ilona tippte auf ein Bild, das Dr. Daniel neben Amrei Huber zeigte. »Das ist der passende Vater für mein Kind.«
»Wie bitte?« fragte Anita entsetzt, sah von dem Bild zu Ilona und wieder zurück. »Ich verstehe nicht – du bist doch vielleicht schon schwanger…«
»Na und?« entgegnete Ilona ungerührt. »Im Moment weiß das außer mir doch keiner.«
Anita schüttelte den Kopf. »Du bist ja verrückt! Glaubst du allen Ernstes, du kannst diesem Mann«, sie deutete auf das Foto, »so mir nichts dir nichts ein Baby unterjubeln? Er ist Gynäkologe! Allein daran wird es schon scheitern. Denkst du vielleicht, der merkt es nicht, wenn das Baby früher kommt als berechnet?«
»Kaum ein Baby hält sich an den errechneten Geburtstermin«, belehrte Ilona sie. »Ich selbst kam drei Wochen zu früh. Das hat mir meine Mutter oft genug erzählt.«
Wieder schüttelte Anita den Kopf. »Trotzdem wird es nicht funktionieren. Bevor dieser Dr. Daniel Alimente zahlt, wird er einen Vaterschaftstest verlangen – vorausgesetzt, du kriegst ihn überhaupt herum, was ich bezweifle.«
Stolz reckte Ilona den Kopf hoch. »Er ist auch nur ein Mann. Wenn ich mich vor seinen Augen ausziehe, wird er nur noch einen Gedanken haben: Mit mir ins Bett zu steigen.« Sie schwieg kurz. Ein überhebliches Lächeln spielte um ihre Lippen. »Was den Vaterschaftstest angeht, so wird er sich das schwer überlegen. Er ist nämlich nicht nur verheiratet, sondern durch diese Operation vor laufender Kamera auch berühmt geworden. Glaubst du, daß er das riskiert? Nein!« Sie lachte auf. »Er wird stillschweigend seine Alimente zahlen, damit nur ja nie jemand etwas von seinem Seitensprung erfährt!«
*
»Robert?« rief die Steinhausener Allgemeinmedizinerin Dr. Manon Daniel fragend in das Sprechzimmer ihres Mannes hinein.
»Da wirst du im Moment kein Glück haben, Manon«, erklärte ihr Stiefsohn Stefan, der hier gerade etliche Bücher wälzte. »Papa ist schon vor einer halben Stunde zur Waldsee-Klinik hinübergefahren. Ich bin ihm auch nur noch zwischen Tür und Angel begegnet.«
Mit einem tiefen Seufzer ließ sich Manon auf einen der beiden Sessel fallen, die Dr. Daniels Schreibtisch gegenüberstanden.
»Ich wünschte, ich würde meinen Mann gelegentlich mal zu Gesicht bekommen«, meinte Manon mit leiser Bitterkeit. »Seit Karinas Hochzeit ist er noch seltener zu Hause als vorher.«
Lächelnd schüttelte Stefan den Kopf. »Das kommt dir nur so vor.« Er zuckte die Schultern. »Vielleicht leidet Papa aber auch ein wenig. Er würde es zwar niemals zugeben, aber ich schätze, er ist auf Jeff ein bißchen eifersüchtig – obwohl er ihn von Herzen mag, aber immerhin ist er jetzt der wichtigste Mann in Karinas Leben, und so etwas soll Väter bekanntlich sehr schmerzen.« Er schwieg kurz. »Dazu kommt, daß Karinas Hochzeit durch diese Entführungs- und Erpressungsgeschichte mehr als dramatisch verlaufen ist. Wahrscheinlich ist Papa einfach noch ein bißchen überdreht.«
Manon nickte. »Schon möglich.« Sie seufzte erneut. »An mir ist die ganze Sache auch nicht spurlos vorübergegangen. Ich hatte schreckliche Angst um Karina.« Dabei wollte sie nicht eingestehen, daß es genau das war, was sie jetzt belastete.
Nach all den Aufregungen sehnte sie sich nun ganz besonders nach der Geborgenheit, die sie bei ihrem Mann empfand, doch Dr. Daniel stand unaufhörlich im Streß – eine Tatsache, die Manon noch zusätzlich Sorgen bereitete.
»Papa weiß sehr gut, was er aushalten kann«, meinte Stefan, als hätte er ihre Gedanken gelesen.
»Bist du da so sicher?« fragte Manon zweifelnd zurück, dann schüttelte sie den Kopf. »Robert denkt an alles und jeden, nur er selbst bleibt dabei auf der Strecke.«
Impulsiv nahm Stefan seine Stiefmutter in den Arm. »Ich glaube, jetzt siehst du zu schwarz, Manon. Papa bleibt nicht auf der Strecke, dafür sorgst du schon.« Er lächelte. »Meine Güte, hat der ein Glück, daß er dich hat.«
Manon mußte lachen. »Das hast du lieb gesagt, Stefan.« Sie warf einen Blick auf die aufgeschlagenen Bücher. »Nun halte ich dich aber nicht mehr auf. Wie ich sehe, bist du gerade am Lernen.«
Jetzt war es Stefan, der tief aufseufzte. »Onkel Schorsch hat mich vor ein großes Problem gestellt. Es geht um eine junge Frau mit Symptomen, wie ich sie noch nie erlebt habe, dabei habe ich während meiner Assistenzzeit in der Waldsee-Klinik bei Wolfgang und Gerrit wirklich eine Menge gelernt.« Er grinste. »Bloß gut, daß ich einen Vater habe, der in seinem Sprechzimmer über eine bestens ausgestattete gynäkologische Bibliothek verfügt.«
Manon nickte. »Dein Vater ist ein erstklassiger Arzt, der zumindest in seinem Fachgebiet Gynäkologie immer auf dem neuesten Entwicklungsstand der Medizin ist.«
»Was wird da über mich geplaudert?«
Mit dem ihm eigenen herzlichen Lächeln stand Dr. Daniel in der geöffneten Tür.
Stefan grinste seinen Vater an. »Normalerweise hört der Lauscher an der Wand immer seine eigene Schand’, aber du stellst dabei die rühmliche Ausnahme dar. Über dich gibt es nichts Schandhaftes zu berichten.«
»Ich habe das untrügliche Gefühl, daß mein Sohn irgend etwas von mir will«, vermutete Dr. Daniel schmunzelnd, dann blickte er seine Frau an. »Weißt du, früher, wenn Stefan mit seinem Taschengeld nicht über die Runden gekommen ist und er einen kleinen Zuschuß wollte, hat er mir auch immer Honig um den Mund geschmiert.«
»Das mußte ich ja«, verteidigte sich Stefan. »Schießlich war mein Taschengeld nicht gerade üppig bemessen. Große Sprünge konnte ich damit nicht machen.«
Manon mußte schmunzeln. »Wenn ich das so höre, drängt sich mir der Verdacht auf, daß du mit Stefan und Karina weitaus strenger warst als jetzt mit Tessa.«
»Gar nicht wahr«, grummelte Dr. Daniel verlegen. Er wußte nämlich ganz genau, daß ihn sein kleines, quirliges Adoptivtöchterchen buchstäblich um den Finger wickeln konnte, und natürlich erlaubte er Tessa sehr viel mehr als es einst bei seinen beiden jetzt erwachsenen Kindern der Fall gewesen war.
»Was hat nun diese Versammlung in meinem Sprechzimmer zu bedeuten?« lenkte er dann rasch ab.
Stefan deutete auf die Bücher. »Ich suche nur ein paar Antworten, und wenn ich mir die Bücher für ein, zwei Stunden mitnehmen darf, störe ich dich hier auch nicht weiter.«
»Natürlich darfst du«, stimmte Dr. Daniel bereitwillig zu. »Aber es steht Auf Wiedersehen drauf.«
»Also, Papa, habe ich jemals ein Buch, das ich mir von dir geliehen habe, nicht zurückgebracht?« fragte Stefan entrüstet.
»Ja«, antwortete Dr. Daniel mit einem gutmütigen Schmunzeln. »Und zwar mehr als einmal.«
Stefan errötete tief. Er wußte, daß sein Vater recht hatte, allerdings war er zu jener Zeit auch noch jünger und irgendwie schludriger gewesen.
»Heute abend stehen die Bücher wieder in deinem Schrank«, versprach Stefan, dann zog er eilig ab.
Dr. Daniel sah ihm nach, und dabei merkte man ihm an, wie stolz er auf seinen Sohn war – trotz mancher kleiner Fehler, die er gar nicht leugnen wollte. Dann wandte er sich Manon zu und nahm sie zärtlich in die Arme.
»Und was führt dich hierher?« fragte er.
»Die Sehnsucht nach dir«, antwortete Manon und fügte halb scherzhaft hinzu: »Wenn ich dich nicht ab und zu in der Praxis besuche, dann erkenne ich dich womöglich irgendwann nicht mehr, wenn du dich mal nach Hause verirrst.«
