Drache und Gott - Susanne Irmer - E-Book

Drache und Gott E-Book

Susanne Irmer

0,0
2,49 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Er weiss nicht was vor sich geht und warum plötzlich alle Interesse an ihm haben. Er will nur seine Ruhe und hin und wieder eine Flasche Wein köpfen. Doch das Schicksal hat wohl anderes mit ihm vor. Zusammen mit dem Hofzauberer geht er auf eine ungewollte Reise zu sich selbst.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis

Impressum

Drache und Gott

Wie schon so oft befand er sich wieder einmal auf dem Weg hinunter in den Kerker. Die Wachen hatten ihn grob gepackt und aus dem Saal geschleift. Draußen auf dem Gang hatten sie ihn losgelassen und verlegen gegrinst.

„Entschuldige“, sagte Rafal, der Hauptmann der Thronwache, „aber der König, du weißt ja.“

Er sah in das bärtige, alte Gesicht des Hauptmanns und nickte. „Mach dir nichts draus.“ Thul, der andere Wächter machte eine einladende Handbewegung ihm zu folgen. Der Weg war ihm vertraut. Seit Pacoreph die Macht ergriffen und sich die Krone von Triax aufs Haupt gesetzt hatte, vor sechs Jahren, wanderte er oft in den Kerker. Manchmal nur für ein paar Tage, manchmal aber auch für viele Monate. Der Kerkermeister Nung begrüßte ihn schon per Handschlag, wie ein Wirt seinen Stammgast. So bekam er natürlich auch stets „seine“ Zelle. Sie war die trockenste und die einzige mit einem schmalen Gitterfenster, durch das ein wenig Tageslicht drang. Der Ausblick war weniger angenehm, denn er ging hinaus auf den Hinterhof, wo die Hinrichtungen stattfanden, täglich fast, denn Pacoreph ließ jeden hinrichten, der ihm auch nur verdächtig erschien. Der Usurpator witterte überall Verrat. Nung verschloss die Tür hinter ihm und versprach bald eine Flasche Wein vorbeizubringen. Er setzte sich in das Stroh und lehnte sich gegen die raue, kalte Mauer. Wie lang würde er wohl dieses mal hier sitzen müssen? Müde nahm er sich seine bunte Kappe ab. Die kleinen Schellen daran klimperten leise. Achtlos warf er sie neben sich ins Stroh. Da er nichts besseres zu tun hatte, zog er seine kleine Flöte heraus und arbeitete an einigen neuen Melodien. Bald aber steckte er die Flöte wieder weg, denn er fühlte sich nicht danach. Das Stroh raschelte, als er aufstand und zu dem kleinen Fenster trat. Wenn er sich auf die Zehenspitzen stellte, konnte er den Hinterhof überblicken. Es war ein wunderschöner, sonniger Tag, die Guillotine und der Galgen warfen kräftige dunkle Schatten. Eine Krähe hüpfte an der Mauer entlang und pickte Insekten auf. Eine Weile sah er dem Vogel zu. Schon wollte er sich wieder hinsetzen, denn seine Beine taten ihm langsam weh, als er den Henker auf den Hof treten sah, gefolgt vom obersten Richter, von der obersten Priesterin der Kai-do-Lai und dem Delinquenten, der von zwei Wachen flankiert wurde. Die schwarzen Uniformen der Wachen glänzten im Sonnenlicht. Sie waren die Diener des Laoutang, die Ju-Tang und waren Pacoreph treu ergeben. Er stieß einen erstaunten Laut aus, als er den Verurteilten erkannte. Es war Trks, der Unterhändler des Nachbarkönigreichs Lrankrat, der mit einem Friedensangebot nach Triax gekommen war. Es war klar gewesen, dass Pacoreph nicht darauf eingehen würde, aber wer hätte gedacht, dass er ihn einfach hinrichten ließ? Lrankrat würde sein Heer gegen Triax in Marsch setzen und Pacoreph würde den Laoutang auf es hetzen. Er wandte sich von dem Fenster ab, denn er wollte dieser Hinrichtung nicht beiwohnen. Wieder ließ er sich auf dem Stroh nieder. Pacoreph würde also auch Lrankrat bezwingen, genauso wie er Tardet bezwungen hatte, das südliche Königreich. Es war in Kasten aufgeteilt. Die mächtigste Kaste war die der Priester. Zusammen mit der Kriegerkaste herrschte die Priesterkaste über Tardet, jetzt nach Pacorephs Willen, denn er hatte als Unterpfand die Te-dal-Jossatai, die Bewahrerin, die höchste und heiligste Person der Priesterkaste erst in seinem Palast gefangen gehalten und schließlich geheiratet. Die Te-dal-Jossatai war eine wunderschöne Frau mittleren Alters, die aber eine so tiefe Weisheit und Ruhe besaß, als wäre sie schon viele tausend Jahre alt. Er bewunderte sie. Gern betrachtete er ihr schönes Gesicht, doch der Blick ihrer intelligenten, ruhigen, smaragdgrünen Augen beunruhigte und verunsicherte ihn stets. Selten lächelte sie über seine Scherze, meist war sie ernst aber abwesend. Nur wenn er auf seiner Flöte spielte, lauschte sie aufmerksam, fast andächtig. Auch Pacoreph lachte selten über seine Scherze, so dass er sich oft fragte, warum sich der König einen Hofnarren hielt. Er kannte Pacoreph seit seiner Kindheit. Pacoreph hatte ihn aufgezogen, wenn er auch nicht wusste warum. Nach der Machtergreifung hatte er ihn zum Hofnarren befohlen, was ihn sehr überrascht hatte. Lieber wäre er weiter ein Diener gewesen, dann wäre er seinem Herrn Pacoreph wenigstens nicht dauernd unter die Augen gekommen. Sein Herr war oft grausam und launisch. Seine Macht stützte sich auf die Herrschaft über den Laoutang, von dem im Grunde niemand genau wusste, was er war. Die einen sagten er wäre ein Drachen, andere hielten ihn für einen Dämon, den Pacoreph mit seinen magischen Kräften heraufbeschworen hatte. Mit dem Laoutang hatte Pacoreph vor sechs Jahren das Heer des rechtmäßigen Königs Janteph besiegt. Die Wirkung des Dämons war unterschiedlich, wie sich erzählt wurde. Die starken, aufrechten Menschen brach er und tötete sie, die schwächeren Gemüter beherrschte er und machte sie zu seinen Dienern, sie wurden zu Ju-Tang. Für den Laoutang war in der Hauptstadt Liagan ein Tempel errichtet worden, der schwarze Tempel, wie er vom Volk genannt wurde. Dort wurde dem Dämon gehuldigt, dort war sein Gefängnis.

Ob Janteph getötet worden war, oder ob er sich noch in Gefangenschaft befand, wusste niemand. Er verschwand einfach. Die königliche Familie arrangierte sich mit dem Usurpator, der immerhin einem Seitenzweig der Herrscherfamilie entstammte. Seit dem Beginn des Reiches hatte der Zweig der Urtrag geherrscht. Zwar hatte es immer wieder Angriffe auf den Thron gegeben, vom Nebenzweig der Legrams, doch sie hatten sich bis vor sechs Jahren nicht durchsetzen können. Die Feindschaft der zwei Häuser lag bereits in der Gründung des Reiches. Der Sage zufolge hatten Urtrag und Legram das Reich gemeinsam gegründet und wollten sich die Herrschaft teilen, doch Urtrag betrog Legram. Er lockte ihn in einen Hinterhalt und tötete ihn um allein zu regieren. Natürlich stellte Urtrag es als Unfall hin. Die Familie Legrams wurde herzlich von Urtrag aufgenommen, doch die Legrams glaubten nicht an den Unfall und schworen ewige Feindschaft, die sich bis zum heutigen Tag erhalten hatte.

Die Stimme des Richters drang zu ihm in den Kerker, Worte konnte er aber nicht verstehen. Dann erklang die helle Stimme der Hohepriesterin. Die Kai-do-Lai hatten sich ebenfalls mit Pacoreph arrangiert und ihre Machtstellung nach einigen wenigen Abstrichen einigermaßen halten können. Die Priesterinnen besaßen das Vertrauen des Volkes und waren so eine feste Stütze von Pacorephs Macht.

Er hörte das scharrende Geräusch, als das Fallbeil hinaufgezogen wurde. Dann wurde es einige Minuten still. Das Beil krachte dumpf herab und die stille setzte wieder ein und wurde undurchdringlich.

Er legte sich zurück, die Hände unter dem Kopf. Scheinbar war er eingeschlafen, denn als er plötzlich hochschreckte, war es draußen dunkel. Nung hatte die Tür aufgeschlossen und stieß einen Gefangenen herein. Bevor er wieder ging, gab er ihm den versprochenen Wein. Dankend nahm er ihn entgegen und zog sich wieder auf sein Strohlager zurück. Er entkorkte die Flasche und nahm einen tiefen Zug von dem schweren Wein. Neugierig betrachtete er seinen Mitgefangenen. Es war ein großer, kräftiger Mann. Sein Gesicht war von kränklicher, grau blasser Farbe und sein kahlgeschorener Kopf, war mit dunklen Zeichen und Symbolen bemalt. Auch seine Kleidung war fremdländisch. Sie bestand aus eng anliegenden, samtig schimmernden blauen Hosen und einem schmucklosen Brustharnisch, der aussah als wäre er aus Horn. Sein Waffengurt war leer. Der Mann hatte sich in eine Ecke gesetzt und starrte leer vor sich auf den Boden.

„Willst du einen Schluck?“, fragte er und hob die Flasche an. Der dunkle Blick des Fremden traf ihn und maß ihn ruhig und abschätzend. Scheinbar war der Fremde zu einem Ergebnis gekommen, denn er senkte wieder den Blick zu Boden und nahm keine Notiz mehr.

Er zuckte die Achseln und trank wieder einen Schluck Wein. Bald war die Flasche leer. Seine Glieder wurden angenehm schwer. Er legte sich aufs Stroh und schlief ein.

Das Geräusch der Kerkertür weckte ihn mitten in der Nacht. Müde setzte er sich auf, sein Kopf war schwer. Durch die offene Tür trat Nung mit einer Laterne. Sein Gesicht wurde von dem matten Licht nur schwach erhellt. Es wirkte entspannt und ruhig, als schliefe der Kerkermeister und tatsächlich waren seine Augen geschlossen. Trotzdem bewegte er sich sicher. Hinter ihm trat ein hohe, düstere Gestalt herein. Überrascht erkannte er Vigir den Zauberer und Ratgeber des Königs. Vigir ging zu dem Fremden, der zu dem Zauberer aufsah, sich sonst aber nicht rührte. Vigir zog ein schlankes, langes Messer aus dem weiten Ärmel seines schlichten Gewandes und gab es dem Fremden, der es entgegennahm. Der Zauberer drehte dem Fremden nun den Rücken zu, sein Blick fiel auf den Hofnarren. Die hellen Augen Vigirs sahen ihn lange ernst und nachdenklich an. Schließlich wandte er sich wieder dem Fremden zu, dessen Kopf ihm auf die Brust gesunken war. Blut glänzte auf seinem Harnisch aus dem der Knauf des Messers ragte. Vigir beugte sich hinab, zog das Messer heraus und barg es wieder in seinem Gewand. Einen Augenblick verharrte er noch bei dem Toten, dann wandte er sich ab und verließ mit Nung den Kerker. Dunkelheit breitete sich wieder aus. Er ließ sich wieder zurück ins Stroh sinken. Lange starrte er in die Dunkelheit und fragte sich ob er geträumt hatte. Seine Gedanken flossen nur träge, der Weinrausch umfing noch sein Gehirn. Das Bild der zusammengesunkenen Gestalt war dauernd vor seinen Augen.

Irgendwann musste er wieder eingeschlafen sein, denn als er erwachte, war es bereits morgen. Schmerzhaft stach ihm das grelle Sonnenlicht in die Augen. Mühsam stemmte er sich hoch, sein Kopf schmerzte zum Zerspringen. Eine lange Zeit saß er reglos mit geschlossenen Augen da, als ihm sein seltsamer Traum einfiel. Er öffnete die Augen und starrte entsetzt und ungläubig den Toten in der Ecke an. Er konnte es nicht glauben. Vigir war einfach hereinspaziert und hatte dem Fremden ein Messer gegeben mit dem dieser sich tötete. Es war unfassbar! Es war unmöglich! Wer war der Fremde? Was hatte er getan? Und was hatte der Zauberer mit dem Fremden zu tun? Er rieb sich die Augen und konnte irgendwie immer noch nicht glauben, dass der Tote da war. Gerade wollte er sich aufrappeln und hinübergehen, als die Tür krachend aufflog und Ju-Tang hereinstürmten. Sie untersuchten den Toten, dann wandten sie sich ihm zu. Einer packte ihn grob und riss ihn auf die Füße, ihm blieb nicht einmal Zeit seine Kappe aufzuraffen. Er wurde hinausgestoßen, schlug hin und schürfte sich Hände und Knie auf. Auf dem Gang standen noch mehr Ju-Tang, die Nung, der bereits in Ketten lag, bewachten. Sie wurden hinaufgeführt in den Thronsaal, wo sie bereits vom König erwartet wurden. Er war ein alter, magerer Mann, mit einem verbrauchten, zerfurchten Gesicht in dem nur die klugen, schwarzen Augen lebendig schienen. Sein Haar war frühzeitig ergraut und sehr kurz geschnitten. Wie seine Ju-Tang war der König in schwarz gekleidet, nur um seine Schultern lag ein Mantel in der Farbe des Königshauses, Lila. Niemand sonst außer dem König und seinem einstigen Nachfolger durften diese Farben tragen.

Die schwarzen Augen Pacorephs sprühten vor Zorn, als die Gefangenen hereingebracht wurden. Nung kniete nieder, sein Gesicht zeigte Verzweiflung und Unverständnis, er wusste nicht was er verbrochen haben sollte.. Er sank neben Nung nieder, aber mehr aus Benommenheit, in seinem Kopf drehte sich alles und er schmerzte unerträglich. Der Wein war zu schwer gewesen. Er fühlte sich so elend wie noch nie nach einem Rausch. Seine Aufmerksamkeit wurde schließlich von Vigir geweckt, der hereingetreten war, sich leicht vor Pacoreph verneigte und nun still neben dem Thron abwartete. Der König erhob sich und kam mit einer Geschmeidigkeit, die man aufgrund seines Alters nicht erwartet hätte, die zwei Stufen herab. Er senkte den Blick und sah nur noch die zwei glänzenden Stiefelspitzen des Königs. Zu seiner Erleichterung wandte sich der König erst an den Kerkermeister.

„Dein Gefangener ist tot. Erstochen. Wie konnte das passieren?“, erklang die scharfe Stimme Pacorephs. Ketten klirrten als Nung bittend die Hände hob.

„Ich weiß es nicht, Herr. Bitte, ich weiß es nicht. Niemand konnte in den Kerker gelangen.“

„Der Gefangene ist tot. Jemand hat ihn getötet, bevor wir ihn befragen konnten. Du weißt natürlich nichts davon. Niemand war im Kerker, sagst du. Dann bleiben nicht viele, die den Gefangenen getötet haben könnten. Genauer gesagt, kommst nur du, oder er in Frage.“

„Ich weiß nichts, Herr. Ich weiß nichts.“

„Die Folter wird dich schon zum Sprechen bringen. Schafft ihn fort!“ Die Ju-Tang ergriffen den Kerkermeister, der nun zu wimmern und zu bitten begonnen hatte, und schleppten ihn fort. „Und was hast du zu sagen, Narr?“, wandte sich der König nun an ihn. Er hatte sich ein wenig erholt und sah auf. Sein Blick streifte den Zauberer, der unbeteiligt zusah.

„Wer war der Gefangene?“, fragte er endlich. Der König verzog das Gesicht.

„Du bist ja besoffen“, stellte er angewidert fest. „Wo hattest du den Wein her?“ Er zuckte nur zur Antwort die Achseln. „Ach!“ Der König trat ihm mit dem Fuß ins Gesicht, dass seine Lippe aufplatzte. Er hielt sich sein schmerzendes Gesicht. Pacoreph stieg wieder die Stufen hinauf und ließ sich auf seinem Thron nieder. „Ich sollte dich auch foltern lassen.“ Pacoreph sah ihn hasserfüllt an. Einen Hass, den er nicht verstehen konnte. Er hatte dem König nie einen Grund gegeben ihn zu hassen. „Verschwinde, verdammt! Aus meinen Augen!“

Er ließ sich das nicht zweimal sagen. Sofort erhob er sich und zog sich in seine Kammer zurück. Sie lag sehr abseits im Flügel der Dienerschaft. Müde ließ er sich auf seinem Bett nieder. Der Kopfschmerz ließ ein wenig nach, als er still dalag mit geschlossenen Augen. Wieder musste er an Vigir denken. Nung wurde seinetwegen gefoltert und wusste nichts und der Zauberer nahm es stillschweigend hin. Sollte er zu Pacoreph gehen und ihm von Vigirs Besuch im Kerker erzählen? Was war der Gefangene gewesen? Und was hatte er getan? Woher war er gekommen, so seltsam sein Aussehen angemutet hatte? Er setzte sich auf. Er durfte nicht zulassen, dass Nung unschuldig gefoltert wurde. Langsam stand er auf und machte sich auf den Weg zurück zum Thronsaal. Auf einem der Gänge traf er die Königin und verneigte sich. Als er vorbeieilen wollte, hielt sie ihn mit einer sanften Berührung zurück. Überrascht wandte er sich um. Ihr schönes Gesicht war ernst.

„Ich möchte dich einen Augenblick sprechen, Ktaljan.“ Diese Worte erstaunten ihn noch mehr. Er hätte nicht einmal geglaubt, dass sie seinen Namen kannte.

„Gern. Was wünscht Ihr von mir?“

„Nicht hier“, sagte die Königin und sah sich vielsagend um. „Gehen wir in meine Räume.“ Er folgte ihr in den Salon. Sie lud ihn ein Platz zu nehmen, blieb aber selbst stehen. Interessiert wartete er ab was sie zu sagen hatte. „Hältst du dein Wort, wenn du es gibst?“, fragte sie endlich und sah ihn ernst und fest an. Ihr Blick schien ihm bis ins Herz sehen zu können. Er nickte verwirrt. „Versprich mir zu schweigen“, verlangte sie weiter. Ohne dass sie es aussprach wusste er was sie meinte. Lange starrte er sie sprachlos an.

„Das kann ich nicht. Nung ist unschuldig.“ Ihr schönes Gesicht wurde traurig.

„Wenn du nicht schweigst werden viele Menschen sterben müssen und Nung kannst du nicht mehr helfen. Er hat bereits alles gestanden, seine Hinrichtung findet jetzt, in diesem Augenblick, statt.“

„Man muss sie aufhalten!“, rief er aus und stürzte zur Tür.

„Es ist zu spät“, erklang die sanfte Stimme der Königin beschwichtigend. Er hielt inne, als hätten ihre Worte Macht über ihn, und wandte sich wieder zu ihr um. Ihre smaragdgrünen Augen bekamen einen seltsamen Glanz. Ihre Rechte bewegte sich mit einem anmutigen, verwirrenden Rhythmus, der ihn in seinen Bann schlug. Seine Gedanken flossen plötzlich träge und mühsam dahin. In ihrer Linken blitzte etwas auf, wie ein Kristall. Aber der Gedanke entglitt ihm, wurde unwichtig. Die Bewegungen ihrer Rechten füllten sein Bewusstsein völlig und löschten alles andere aus. Er wankte und erwachte wie aus einem Traum. Benommen fuhr er sich über die Augen. Langsam klärte sich sein Geist und er sah die Königin an. Ein dumpfer Schmerz pochte hinter seinen Schläfen. Die Königin stand ruhig da. Langsam und bedeutungsvoll hob sie jetzt die Hand und öffnete die Faust. Ein blutroter Kristall lag auf ihrer Handfläche. Er starrte lange darauf, eine Ewigkeit wie ihm schien. Eine Gefahr für ihn schien von dem Stein auszugehen, auf dem ein matter Glanz lag. „Ich möchte nicht, dass dir etwas geschieht, Ktaljan, aber du willst Pacoreph etwas sagen und das kann ich nicht zulassen. Dies ist ein Seelenstein, dein Seelenstein. Wenn er zerstört wird, wirst du sterben.“ Ihre schmalen Finger schlossen sich um den Stein. Ihre Hand sank herab. „Du wirst schweigen oder sterben. Gib mir dein Wort, dass du schweigst.“ Stumm starrte er sie an. Ihre Worte wollten ihm nicht klar werden, doch er zweifelte nicht daran. Den Ernst ihrer Worte, konnte er an ihrem Gesicht ablesen und er fühlte auch in sich selbst die Gewissheit, dass sein Leben in ihrer Hand lag, im wahrsten Sinne des Wortes. Endlich löste sich seine Reglosigkeit. Er trat einen Schritt auf sie zu.

„Warum mein Wort, wenn Ihr schon mein Leben in Eurer Gewalt habt?“

Ein trauriger Zug trat in das schöne Gesicht der Königin. „Gib mir dein Wort und ich werde

den Seelenstein ausleeren.“

„Macht Euch keine Umstände“, entgegnete er plötzlich zornig, drehte sich um und ging hinaus. Er ging zurück in seine Kammer. Die Vorstellung dass sein Leben in der Hand der Königin lag, beunruhigte ihn seltsamerweise gar nicht sehr. Ruhig legte er sich auf sein Bett und starrte an die Decke. Sein Kopf schmerzte immer noch, seine Augen wurden langsam schwer. Nung war bereits hingerichtet worden, für eine Sache mit der er nichts zu tun gehabt hatte. Der Zauberer war schuldig, er hatte dem Gefangenen das Messer gegeben. Seine Pflicht wäre es gewesen Nung beizustehen aber was würde es jetzt noch helfen. Nung war tot, wozu sollte er jetzt noch sein Leben aufs Spiel setzen? Er war nie sehr mutig gewesen. An seine ersten Jugendjahre konnte er sich nicht erinnern. Pacoreph hatte ihn, als er sechs oder sieben war zu sich genommen, aus Gründen, die er nicht kannte. Mit Pacoreph hatte er allein auf dessen Burg gelebt, die sich einsam und abgeschieden, in den Gadoia-Bergen befand. Die ganzen Jahre hatte sich Pacoreph seinen Studien gewidmet, Ktaljan war sein Diener gewesen. Diese Arbeit hatte viel Mühe gekostet, viel Leid, da Pacoreph kein sehr gnädiger Herr war. Seine jetzige Aufgabe als Hofnarr, war wenigstens nicht ganz so mühselig, erschien ihm aber sinnlos. Viel schlimmer fand er es, dass Pacoreph ihn oft auch als Vorkoster verwendete. Auf keinen Fall wollte er sein Leben verlieren um das des Königs zu retten. Bis jetzt hatte er allerdings stets Glück gehabt. Drei der hauptberuflichen Vorkoster waren nämlich schon in Ausübung ihrer Pflicht dahingeschieden. Er merkte erst dass er eingenickt war, als er durch ein Klopfen an der Tür aufgeschreckt wurde. Ein Page trat herein und übermittelte den Wunsch des Königs ihn sehen zu wollen. Er eilte hinunter in die Halle. Der König sah sehr missgestimmt aus. Sie waren völlig allein dort. Die nachtschwarzen Augen Pacorephs betrachteten ihn mit einem undefinierbaren Ausdruck. Ktaljan verneigte sich tief, was seine Kopfschmerzen wieder zum Erwachen brachte. Ein beunruhigend langes Schweigen trat ein.

„Ktaljan“, sagte der König endlich und erhob sich. Ktaljan spannte sich. Es kam nicht oft vor, dass er vom König mit Namen angeredet wurde und wenn folgte meist etwas unangenehmes. Das letzte Mal als es geschehen war, hatte Pacoreph ihm das Lesen und Schreiben beigebracht, mit wenig Geduld und den strengsten Mitteln. Lieber hätte er es nie gelernt. Auch diese Anwandlung war Ktaljan unverständlich geblieben. Der König kam die Stufen herab und blieb dicht vor ihm stehen. Sie waren gleich groß, trotzdem fühlte sich Ktaljan neben Pacoreph immer klein und unbedeutend. Lange starrte der König ihn an. Obwohl er dessen Gesicht dicht vor Augen hatte, sah Ktaljan nichts sonst als diese tiefen, schwarzen Augen. Der König wandte sich ab und trat zum Fenster.

„Du hast mich nie nach irgend etwas gefragt.“ Ktaljan runzelte verwundert die Stirn und fragte sich worauf er hinaus wollte. „Interessiert es dich nicht wer deine Eltern waren?“

„Nein“, log Ktaljan. „Sie haben sich nie für mich interessiert, warum sollte ich mich dann für sie interessieren?“

Pacoreph fuhr herum, seine Augen sprühten vor Zorn und einem alten tief verwurzelten Hass. Deutlich wurde Ktaljan bewusst, dass er wieder einmal das Falsche gesagt hatte. Mit drei Schritten war der König bei Ktaljan und schlug ihm die Faust ins Gesicht. Er ging zu Boden, Blut lief ihm das Kinn hinab. Still und schicksalsergeben sah er zu seinem Herrn auf, der mit gespreizten Beinen über ihm stand, vor Zorn bebend. „Du bist ein Feigling, Ktaljan, ein Schwächling, eine Memme.“ Voller Verachtung spie er jedes Wort über ihm aus. Ktaljan rührte sich nicht. Niemals wäre er auf den Gedanken gekommen sich gegen seinen Herrn zu wehren, es war undenkbar. In ihm war auch nicht der Wunsch dazu. An sich hatte er schon immer eine gewisse Unfähigkeit zum Hass oder auch nur Zorn festgestellt. Der König vollführte eine wegwerfende Geste und ging mit weiten Schritten zur Tür und verließ den Raum. Krachend fiel die Tür hinter ihm ins Schloss

Ktaljan rappelte sich auf. Der Tag war wahrlich nicht einer seiner besten. Jetzt tat ihm nicht nur mehr sein Kopf sondern auch sein Kiefer weh. Blut schmeckte er in seinem Mund und fühlte einige lockere Zähne.

„Warum verschwindest du nicht von hier?“, fragte die leise aber klare Stimme des Zauberers. Unbemerkt war er durch eine der Seitentüren hereingetreten. Der Hofnarr wandte sich überrascht zu ihm um. Vigir trat näher. Sein schlichtes, weites Gewand raschelte leise, wenn er sich bewegte.

„Warum habt Ihr Nung geopfert?“

Verwirrt runzelte Vigir die Stirn. „Was?“, fragte er.

„Jetzt tut nicht so, als wüsstet Ihr nicht wovon ich spreche!“ Er bereute diese heftige Entgegnung bereits, weil sein Kiefer schmerzte. Der Blick des Zauberers blieb verständnislos.

„Ich weiß auch nicht wovon du sprichst.“

„Aber ich habe Euch doch gesehen heute Nacht!“

„Wo?“

„Im Kerker.“

„Ich war nicht dort.“ Ktaljan erlaubte sich eine Grimasse zu schneiden. „Haha! Aber was

interessiert es mich.“ Er ging zur Tür.

„Warte!“, hielt ihn der Zauberer zurück. „Wovon sprichst du?“ Er wollte ohne zu antworten hinausgehen. „Bleib!“, befahl der Zauberer deshalb scharf. Ktaljan wandte sich von der Tür ab, denn er wagte nicht zu gehen. Vigir war einer der mächtigsten Männer im Reich. „Ich will wissen was heute Nacht geschehen ist.“ Seine grauen Augen sahen Ktaljan kalt an. Das Alter des Zauberers war schwer zu schätzen. Sein schwarzes Haar zeigte keine Spur des Alters und sein Gesicht war zeitlos, weder alt noch jung. „Nun?“ Ktaljan war verwirrt. Der Zauberer schien wirklich nichts zu wissen. In was hatte er sich da nun wieder hineingeredet. Er dachte an den Seelenstein. Konnte er sich erlauben Vigir alles zu erzählen? Aber warum nicht, schließlich war der Zauberer selbst dort unten gewesen? Oder war es nur eine Täuschung gewesen? Wozu sollte der Zauberer aber heimlich in den Kerker schleichen? Bei seiner Macht hatte er das gar nicht nötig.

„Ihr wart unten im Kerker, Herr. Ich hatte Wein getrunken und mich dann hingelegt. In der Nacht wache ich auf-—„Er begann wild zu kichern um Zeit zu gewinnen.

„Und?“, fragte Vigir hart.

„Es war furchtbar, Herr. Lauter Ratten! Alles voll Ratten. Riesige, quiekende Biester mit rotglühenden Augen. Und....und mitten in den Ratten sah ich Euch. Es war, als wenn Ihr tanztet. Es war furchtbar.“ Der Blick von Vigirs hellen Augen bohrte sich ernst und angespannt in den seinen. Er zwang sich dem Blick fest zu begegnen.

„Vielleicht willst du lieber ein paar Fragen auf der Folter beantworten? Oder willst du vielleicht dass dir der König die Fragen stellt.“

„Mehr ist aber nicht geschehen. Mir reicht es jedenfalls.“ Einen Augenblick sah Vigir ihn noch zweifelnd an, dann machte er eine wegwerfende Handbewegung.

„Verschwinde du Spinner.“

Er ging rasch, bevor es sich Vigir anders überlegen konnte. Wieder zog er sich in seine Kammer zurück. Dort wusch er sich erst einmal sein Gesicht, dann legte er sich wieder in sein Bett. Der Tag war es wirklich nicht wert begonnen worden zu sein. Er öffnete seinen Nachtkasten und holte eine Flasche Wein heraus. Das war das einzige, was Trost spendete. Die Flasche war bald ausgetrunken und der Rausch ergriff mit angenehmer Schwere Besitz von ihm. Seine Gedanken flossen träge dahin. Die Worte Vigirs gingen ihm ständig durch den Sinn. Er solle von hier verschwinden. Aber wohin sollte er gehen? Hier hatte er sein Auskommen in einem gewohnten Leben. Eigentlich ging es ihm gut. Hoffentlich achtete die Königin gut auf seinen Seelenstein. Wer war es wohl gewesen, der unten im Kerker war, wenn nicht Vigir? Und was hatte die Königin damit zu tun? Er schob die Gedanken beiseite. Was ging ihn die Sache schon an, schließlich war er nur Pacorephs Narr und würde es immer bleiben. Er deckte sich zu und schlief ein.

Es war Nacht, als er erwachte. Regen prasselte an sein kleines Fenster. Der Wind heulte draußen um das Schloss Schwerfällig schwang er die Beine aus dem Bett. Seine Kehle war wie ausgedörrt, weshalb er einen Krug Wasser trank. Da er nicht mehr schlafen konnte, ging er hinaus in die leeren Gänge des Schlosses. Er kam nicht weit, denn er wurde von Ju-Tang aufgegriffen, die verstärkt das Schloss bewachten.

„Was soll das?“, protestierte er, als sie ihn zu dem Wachraum zu ihrem Hauptmann brachten. Dieser ließ ihn Platz nehmen und schickte seine Soldaten wieder auf Posten.

„Wo wolltest du hin?“

„Nirgends“, entgegnete Ktaljan achselzuckend. „Jedenfalls bin ich nicht mit einem bestimmten Ziel herumgelaufen. Am Tag habe ich ein wenig getrunken, eingeschlafen und jetzt wieder aufgewacht. Natürlich kann ich nun nicht mehr schlafen, habe grässlichen Durst und mir geht es mehr als dreckig. Willst du noch etwas wissen?“

„Du solltest die Sache nicht zu leicht nehmen. Ich müsste dich einkerkern, da du gegen den Befehl des Königs verstoßen hast. Niemand darf sich zu so später Stunde auf den Gängen aufhalten.“

„Ich wusste nichts von diesem unsinnigen Befehl. Warum wurde er erlassen?“

„Weißt du etwa nichts von dem Attentat auf den König? Da musst du ja wirklich ziemlich betrunken gewesen sein.“

„Wer war denn der Attentäter?“, fragte Ktaljan wenig erstaunt, denn Anschläge auf den König waren bereits fast alltäglich. Das einzig überraschende war, dass deshalb die Wachen verstärkt worden waren.

„Ein ziemlich fremdländischer Mann, wie ich gehört habe“, erklärte der Hauptmann. „Es heißt auch, dass er vom Kerkermeister umgebracht wurde, bevor er befragt werden konnte. Eine ziemlich verworrene Sache.“ Er wollte weiterreden, doch die Worte blieben ihm förmlich im Halse stecken. In seine Augen trat ein erschreckter Ausdruck und sein Gesicht verlor alle Farbe. Er sprang mit einer so heftigen Bewegung auf, dass sein Stuhl umfiel. Ktaljan drehte sich um, um zu ergründen was dem Hauptmann solche Furcht einflößte. Es war ein großer, kräftiger Mann in der Uniform der Ju-Tang. Sein bärtiges Gesicht war blass und hohlwangig. Der Blick seiner Augen war unerbittlich und kalt.

Ktaljan hatte ihn nicht sofort erkannt, denn er hatte ihn nur ein einziges Mal gesehen, flüchtig und aus großer Entfernung. Er trat nicht oft in der Öffentlichkeit auf. Es war Smin, der Herr der Ju-Tang. Niemand wusste genau ob Pacoreph Smins Herr war oder Smin Pacorephs. Es gab verschiedentliche Gerüchte. Ktaljan erhob sich nun ebenfalls und hoffte, dass er Smin durch sein Zögern nicht verärgert hatte. Smin trat näher. Der Hauptmann senkte den Blick zu Boden. Vor seinem Herrn schien er zusammenzuschrumpfen. Ein Ktaljan wohlvertrautes Phänomen.

„Wie lautet der Befehl, Stai?“, fragte Smin. Er setzte sich auf Ktaljans Stuhl und legte die Füße auf den Tisch.

„Jeder, der auf den Gängen angetroffen wird, muss sofort eingesperrt werden, bis der König über ihn befunden hat“, erklärte Stai hastig.

„Was hast du getan?“

„Ich....ich. Die Posten brachten mir ihn, Herr. Und ich....ich dachte..... Er ist doch nur der Hofnarr—„ Der Hauptmann verstummte. Ein langes Schweigen trat ein. „Ich war ungehorsam, Herr“, erklärte Stai schließlich leise. Seine Schultern sanken ergeben herab.

„Geh!“, befahl Smin. „Der Tempel wartet.“

Ktaljan hätte es kaum für möglich gehalten aber der Hauptmann wurde noch blasser.

„Herr, es – „

„Geh!“, wiederholte Smin unwiderruflich. Der Hauptmann verneigte sich und ging. Ktaljan trat der Schweiß auf die Stirn. Was würde ihn erwarten? „Du bist also Ktaljan der Narr“, wandte sich Smin an ihn.

„Ich wusste gar nicht, dass ich so bekannt bin.“

„Bekannter als du glaubst.“ Er lächelte dünn. „Es ist gut, dass ich dich zufällig getroffen habe,

sonst hätte ich dich sicher irgendwann aufgesucht.“

„Mich, Herr?“, fragte Ktaljan verblüfft. „Warum? Ich bin doch nur---„

„Der Hofnarr des Königs, ich weiß“, vollendete Smin den Satz. „Setz dich!“ Ktaljan folgte zögernd der Aufforderung. Er fühlte sich ausgesprochen unwohl. „Gefällt dir diese Aufgabe?“ Als Antwort zuckte er nur gleichmütig die Achseln. „Willst du in meinen Dienst treten?“ Ktaljan starrte den Ju-Tang an. Die Stille dehnte sich aus und wurde drückend.

„Ich....glaube nicht, dass der König damit einverstanden wäre.“

Smin machte eine abfällige Handbewegung. „Wir brauchen es ihm schließlich nicht

erzählen.“

Angestrengt dachte Ktaljan über dieses Angebot nach. Er mochte Pacoreph nicht, aber ob Smin die bessere Wahl war, wagte er zu bezweifeln. Würde er Ju-Tang werden müssen um in seinen Dienst zu treten? Und welchen Lohn würde er für seine Dienste erwarten dürfen? Allerdings konnte er sich leisten Smin eine Absage zu erteilen? „Ich bin der falsche Mann für Eure Zwecke. Mir stehen hier nicht alle Türen offen, im Gegenteil.“

Smin runzelte leicht die Stirn. Scheinbar waren Ktaljans Gedanken deutlich auf seinem Gesicht zu lesen. „Auch das lass meine Sorge sein“, sagte er dann aber nur.

„Ich muss mir das erst noch überlegen.“

„Nein.“ Smin nahm die Füße vom Tisch und setzte sich auf. „Ich will jetzt eine Antwort. Ja

oder nein.“

„Wenn ich nein sagte, wäre das nicht mein Todesurteil?“

Jetzt lächelte Smin und sein blasses Gesicht entspannte sich. Es war klar, dass er mit dieser

Frage gerechnet hatte. „Nein. Du hast freie Entscheidungsmöglichkeit.“

Jetzt war es an Ktaljan die Stirn zu runzeln und zwar zweifelnd. „Was wären meine

Aufgaben?“

„Die würden sich finden.“

„Was bekäme ich?“

„Hinge davon ab was mir deine Informationen nutzen.“

„Also keine Sicherheiten.“

„Nein.“

Einen Augenblick zögerte er noch, dann schüttelte er den Kopf. „Das ist nichts für mich,

Herr.“

„Gut, wie du willst“, sagte er fast sanft. „Sieh mich an!“ Sein Ton wurde zwingend und der Ausdruck seiner hellen Augen änderte sich, wurde still. Ktaljan konnte seinen Blick nicht mehr abwenden. Er versank in den Augen des anderen wie in einem tiefen Brunnen, in eine undurchdringliche Dunkelheit. Plötzlich erklang die ruhige Stimme Smins, entfernt scheinbar aber deutlich. „Du wirst vergessen!“ „Ja“, hörte er sich selbst sagen. „Du wirst vergessen, dass ich da war. Du wirst vergessen, dass du mit mir sprachst! Vergiss! Vergiss jetzt!“ Die ferne Stimme verklang. Ktaljan fühlte Verwirrung und wusste nicht warum. Wie aus einem flüchtigen Schlaf schreckte er plötzlich auf. Er sah sich um und fragte sich was er allein im Wachraum der Ju-Tang machte. War er betrunken gewesen, als er hierher kam? Um einer Entdeckung zu entgehen ging er rasch zur Tür, spähte auf den Gang und trat hinaus, als er gesehen hatte dass er leer war. Während er auf dem Weg zu seiner Kammer war, versuchte er sich in Erinnerung zu rufen wie er in den Wachraum gekommen war, aber das letzte was er erinnerte war, dass er eine Flasche Wein geleert hatte. Er bog ab, da er sich nicht müde fühlte. Er öffnete eine Balkontür und trat hinaus. Ktaljan trat an die Brüstung und atmete tief die regenschwere Nachtluft ein. Der große Hof lag in undurchdringlicher Finsternis, ebenso wie der kleinere Vorhof. Wolken verhingen den Mond, man konnte nicht sehr weit sehen. Ein leises, klirrendes Geräusch drang an sein Ohr. Etwas kratzte über den Stein, dann wurde es still. Ktaljan sah sich um, angespannt lauschte er. Zunächst blieb es still, dann hörte man das unterdrückte Keuchen von jemandem, der etwas anstrengendes tat. Bald wusste er auch was, denn nicht weit von ihm zog sich eine Gestalt über das Geländer und verharrte eine Weile um sich zu verschnaufen. Ktaljan hatte sich niedergeduckt um nicht gesehen zu werden. Das gleiche tat der Attentäter, dafür hielt Ktaljan den nächtlichen Besucher jedenfalls, und war nicht mehr zu sehen. Das Schlafzimmer des Königs war nicht weit. Da Ktaljan glaubte, dass der Attentäter es auf den König abgesehen hatte, kroch er langsam an der Brüstung entlang darauf zu. Schließlich setzte er sich, sah sich um und lauschte, konnte aber nichts mehr von dem Attentäter sehen oder hören. Wo war er geblieben? Er kroch noch ein Stück weiter zu der Stelle wo der Haken mit dem Seil hing. Vorsichtig nahm er den Haken und zog das Seil hoch und wickelte es auf. Nachdem er noch lange gelauscht hatte, ohne etwas zu hören, stand er auf und ging in seine Kammer. Dort entzündete er erst einmal eine Kerze um den Haken zu betrachten. Er war nicht sehr groß und aus geschwärzten, stumpfen Metall. Das Seil war ebenfalls schwarz und sehr dünn, trotzdem strapazierfähig. Zwei Fragen beschäftigten ihn. Wer war der Attentäter und wohin war er verschwunden? Achselzuckend legte er Haken und Seil unters Bett und versuchte zu schlafen.

Der Morgen kam düster und regnerisch. Ktaljan war schon früh auf den Beinen und ging zum Frühstück hinunter in die Gesindeküche. Berta, die Köchin, ließ ihm sogar ein paar Spiegeleier zukommen, die er dem Kellermeister im Austausch zu einer Flasche Wein überließ. In der Gesindeküche wurde nie viel gesprochen, wie er im Vertrauen von Berta erfuhr, war das aber erst so seit Pacoreph da war. Seitdem musste man auf den Jahrmarkt gehen um guten Klatsch zu hören, was Berta oft tat.

Er war noch dabei sein Frühstück herunterzuwürgen, als ein Page ihm einen Zettel zuschob. Er faltete ihn auf. Zwei Worte standen darauf: Komm. Stein. Unverfängliche Worte, die er sofort verstand. Er ließ sein Frühstück stehen, erinnerte den Kellermeister noch einmal an den Wein, bevor er zu den Gemächern der Königin ging. Sie erwartete ihn bereits. Ihr schönes Gesicht war blass

„Ktaljan“, begann sie und ihre Stimme klang fast erleichtert. „Du musst etwas für mich tun....“ Sie konnte nicht weitersprechen, denn Pacoreph trat herein. Das Gesicht der Königin wurde übergangslos steinern, ausdruckslos. Ktaljan bewunderte diese Selbstbeherrschung und gleichzeitig verfluchte er den König, denn er hätte gern erfahren was die Königin gewollt hatte. Pacorephs Gesicht verfinsterte sich als er seinen Narren sah.

„Was willst du hier?“, fragte er schroff.

„Ich wollte, dass er mir auf der Flöte vorspielt“, antwortete die Königin an Ktaljans statt. „Was

wünschst du?“

„Ich wünsche ein paar Erklärungen.“ Die schwarzen Augen verengten sich. Ktaljan spürte augenblicklich wie er vor diesen Augen innerlich zusammensank. Die Schultern der Te-dal-Jossatai schienen sich dagegen zu straffen, sie schien nur noch fester zu werden.

„Worüber?“, fragte sie kühl.

„Darüber.“ Er griff in seine Hosentasche und zog ein kleines Medaillon an einer Silberkette heraus. Für einen Augenblick geriet die Festung der Selbstbeherrschung der Königin ins Wanken, dann hatte sie sich wieder in der Gewalt.

„Du hättest es nicht berühren dürfen. Mit deiner unwürdigen Hand hast du es entweiht.“ Die Stimme der Königin war zornig und entsetzt zugleich.

„Ach.“ Ein böses Lächeln breitete sich auf den harten Zügen Pacorephs aus. „Sag mir was es ist.“

„Es ist nicht für dich. Gib es mir! Gib es zurück!“ Es war als befehle sie einem Bediensteten. Fordernd streckte sie ihm die Hand entgegen. Lange starrte der König die Frau vor sich an. Ktaljan erwartete jeden Augenblick, dass er sich auf sie stürzen würde, aber nichts dergleichen geschah. Langsam und bedeutungsvoll legte er sich das Medaillon um den Hals. „Das, Pacoreph, wirst du irgendwann mit deinem Leben bezahlen müssen.“

„Das, Alinia, wollte ich dir auch gerade versprechen.“ Er lächelte, plötzlich wurde er ernst. „Wo ist er?“

„Ich weiß nicht wovon du sprichst.“

Der König trat dichter zu ihr. „Ich stelle diese Frage nur noch einmal: Wo ist der Bote?“ Schweigend standen sich die beiden gegenüber. „Gut“, sagte Pacoreph schließlich. „Du wirst diesen Raum bis morgen nicht verlassen. Morgen wirst du dem Folterer übergeben werden. Übermorgen wirst du sterben.“ Auf dem Fuß drehte er sich um und verließ den Raum. Die Königin ließ sich auf das Sofa niedersinken. Aber sie war stark. Einen Augenblick nur gab sie sich der Schwäche hin, dann gewann sie ihre Entschlossenheit zurück.

„Ktaljan“, wandte sie sich an ihn. Er saß verwirrt dort. Es war für ihn nicht fassbar, dass Pacoreph die Te-dal-Jossatai einfach hinrichten lassen würde. Tardet würde das nicht hinnehmen. „Ktaljan“, wiederholte die Königin eindringlich. „Übermorgen werde ich tot sein. Ich werde dir das Kra-Mant anvertrauen. Es bleibt keine Zeit dir alles zu erklären. Das Kra-Mant muss gerettet werden. Du musst es nach Tardet bringen in den Geheimen Tempel. Um jeden Preis muss es dorthin gelangen, verstehst du?“

„Er wird Euch doch nicht töten. Ich verstehe kein Wort.“

„Das brauchst du nicht. Versprich mir, dass du das Kra-Mant in den Geheimen Tempel

bringst. Versprich es! Versprich es!“

„Was ist mit meinem Seelenstein?“

Etwas Mutloses trat in ihre grünen Augen. „Ich besitze ihn nicht mehr.“

„Was?“

„Er wurde mir entwendet. Ich weiß nicht von wem. Es ist möglich, dass Pacoreph ihn besitzt.“

„Das heißt, dass ich vielleicht schon tot bin., bevor ich das Stadttor mit dem Kra-Mant erreiche. Was ist es?“

Die Königin zögerte einen Augenblick. „Es ist das Wissen der Priesterkaste von Beginn an. Pacoreph muss vernichtet werden. Ktaljan, aber wenn er das Kra-Mant jemals erhält, wird er ewig herrschen. Wirst du es nach Tardet bringen?“

Er dachte an den Seelenstein, den Pacoreph vielleicht besaß. Vielleicht würde er abwarten bis er das Kra-Mant hatte und ihn dann erpressen? Gegen Pacoreph würde er dann nicht bestehen können. Sollte er dieses Risiko eingehen? Würde sie es eingehen wollen? „Ich werde es versuchen. Aber ich warne Euch, wenn Pacoreph mich je zu fassen bekommt, werde ich mich ihm beugen. Ich bin kein mutiger Mann.“

„Das, Ktaljan“, sie lächelte flüchtig und mitleidig, „verstehe ich. Besser als du vielleicht jetzt glauben magst. Doch wollen wir hoffen, dass es dazu nicht kommt. Höre! Bevor ich hingerichtet werde, wird man mir einen letzten Wunsch erfüllen. Du wirst ein letztes Mal für mich auf deiner Flöte spielen, dann werde ich bereit sein und dir das Kra-Mant übergeben können. Halte dich also bereit. Jetzt geh, damit wir keinen Verdacht erregen.“

„Was hat es mit dem Medaillon auf sich?“, fragte er, ohne sich von der Stelle zu rühren, als habe er ihre Aufforderung nicht gehört.

„Es ist nicht nötig für dich das zu wissen. Geh jetzt!“

Er stand auf und ging zur Tür. „Ich glaube nicht, dass er es tun wird“, wandte er sich noch

einmal um.

„So schlecht kennst du deinen Herrn?“, sagte sie still.

Einen Augenblick ruhten seine Augen noch auf ihrer unbeugsamen Gestalt, dann ließ er sie allein. Ju-Tang hielten vor der Tür Wache. Er wollte in seine Kammer doch es wurde ihm nicht gestattet. Er musste in den Thronsaal, Lieder singen, akrobatische Kunststücke vorführen, scherzen und Witze reißen und nie war es ihm so schwer gefallen wie am heutigen Tag, denn in den nachtschwarzen Augen Pacorephs sah er nur den Tod der Königin und er wurde ihm mit jeder Minute mehr zur Gewissheit. Gnade war ein Wort, das sein Herr nicht kannte. Welche dunklen Abgründe mussten in seiner Seele aufklaffen, wie tief konnte man stürzen in die Schrecken dieser Dunkelheit! Ktaljan musste Pacoreph überall hin begleiten, eine Grausamkeit, die er selbst ihm nicht zugetraut hatte. Die Folterkammern waren nichts für den Hofnarren, selbst nicht wenn er die Gemarterten nicht gekannt hätte. Den Qualen der Königin aber zusehen zu müssen war mehr als unerträglich und verdunkelte sein Herz. Tiefer Schrecken erfüllte ihn und erst jetzt wurde ihm klar was Furcht war. Wie eine eiserne Faust hielt sie ihn gepackt , zerquetschte ihn unbarmherzig und zum ersten Mal im Leben empfand er Hass, einen abgrundtiefen Hass gegen den König, gegen den Folterer. Er wollte sich auf sie stürzen, ihre Seelenkälte aus ihnen herausprügeln aber er stand wie versteinert und sah wie die schmalen Hände in, von kranken Hirnen erdachten, Apparaturen zersplitterten, wie das Blut träge den Boden färbte und der Schmerz den Körper spannte wie eine Bogensehne, die reißen würde. Das Gesicht verzerrt zu einem Abbild des Grauens, der Mund zu klein diesen Schmerz zu bergen, der die Schreie zu einem schrecklichen unmenschlichen Laut werden ließ. Und die Augen, die smaragdenen Augen, flirrende Seen der Stille, der Ruhe, fast der Erheiterung. Ktaljan starrte in diese Augen, die nichts gemein hatten mit der Qual dieses Körpers. Mit der in ihnen wohnenden Gelassenheit schienen sie die Gräuel Pacorephs zu verhöhnen, ihn zu narren. Dieser Körper, er bedeutete nichts mehr und so bedeuteten die Schmerzen ebenso nichts mehr. Die Te-dal-Jossatai war nicht dieser zerbrochene Bogen, auf dem der Tod die ersten Klänge angeschlagen hatte. Sie war der Pfeil, der davongeschnellt war, fort in unerreichbare Ferne. Sie war der Grausamkeit Pacorephs entschlüpft, leise und unbemerkt, er hatte keine Macht mehr über sie.

Die ganze Nacht lag er wach auf seinem Bett und hatte immer diese stillen, smaragdenen Augen vor sich. Wo nahm sie diese Stärke her, diese Unbeugsamkeit? Er bewunderte sie und bemitleidete sie gleichzeitig. Seine Gedanken drehten sich um den morgigen Tag. Er hatte bereits ein paar Vorräte gehamstert. Vorausgesetzt er würde jemals aus der Stadt herauskommen. Ständig hatte er das Gefühl, dass Pacoreph von allem wusste und nur den Moment abwartete, in dem die Königin Ktaljan das Kra-Mant übergeben würde. Er fragte sich, ob er sich bewaffnen sollte, selbst wenn er keine Erfahrung hatte im Umgang mit Waffen. Zeit seines Lebens hatte er kein Schwert oder Bogen in der Hand gehabt. Es würde also nicht viel nützen, schon gar nicht wenn er Pacoreph gegenüberstehen würde. Also entschloss er sich unbewaffnet zu gehen.

Der Morgen dämmerte herauf, als er zur Königin gerufen wurde. Sie saß in einem kleinen, sauberen Raum, in den das erste Licht des Tages drang und in sanfte Dämmerung hüllte, die gnädig ihren geschundenen Körper vor ihm verbarg. Sie kauerte auf dem Boden. Er setzte sich zu ihr und begann auf seiner Flöte zu spielen, während sie leise und schleppend zu ihm sprach. Ihre Stimme war leiderfüllt, sie war gebrochen. Und er erkannte was es für sie bedeutete den Kra-Mant aufzugeben. Es hieß das Leid ihres Körpers auf sich zu nehmen, den Schmerz, auch wenn er nur noch kurze Zeit dauern mochte, zu ertragen und zu verzweifeln. Ihre verstümmelte Hand hob sich und berührte seine Stirn, Ruhe erfüllte ihn. Dann sank ihre Hand herab auf seine Brust. Einen Augenblick verweilte sie dort. Plötzlich durchzuckte ihn ein brennender Schmerz. Er krümmte sich zusammen und biss in das Mundstück seiner Flöte um nicht zu schreien und alles zu verraten.

„Geh jetzt!“, flüsterte die Te-dal-Jossatai mit vor Schmerz rauer Stimme. „Sei so stark wie du kannst, Ktaljan. Lebewohl.“ Ihre Gestalt schien zusammenzusinken. Und als Ktaljan aufstand und zur Tür ging, glaubte er sie weinen zu hören. Er wollte sich noch einmal umwenden sie zu trösten aber etwas warnte ihn davor. So öffnete er die Tür und trat hinaus, wo der Henker schon wartete. Ktaljan wandte sich ab und er musste sich zusammenreißen um nicht kopflos wegzurennen. Zu allem Unglück kam ihm, auf dem Weg nach oben, auch noch Pacoreph entgegen. Er senkte den Blick wurde aber trotzdem vom König aufgehalten.

„Na? Mit deinem Flötenspiel Trost gespendet?“

Er wagte nicht seinen Herrn anzusehen, aus Furcht er könnte in seinen Augen lesen. „Ja“,

brachte er nur lahm heraus.

„Erschüttert, dein zartes Gemüt?“

„Bitte, Herr, darf ich gehen?“ Lange spürte er den prüfenden, nachdenklichen Blick des

Königs auf sich. Die Stille zog sich endlos hin.

„Nein.“

Das Wort traf Ktaljan wie ein Faustschlag ins Gesicht. Die Verlesung seines eigenen Todesurteils hätte ihm nicht schrecklicher sein können als die Aussicht dem Tod der Königin beiwohnen zu müssen. Das würde er nicht durchstehen. Obwohl er wusste, dass es den Beschluss des Königs nur bestärken würde, sagte er: „Bitte nicht, Herr.“ Erneut trat ein schier endloses Schweigen ein. Schließlich stieß der König einen leisen Seufzer aus, der Ktaljan erstaunt aufsehen ließ. Einen Augenblick war ein Schatten von Milde in den schwarzen Augen, der aber sofort der Kälte Platz machte und dem Zorn.

„Verschwinde schon!“, befahl er dann unwillig.

Ktaljan rannte davon, hinauf in seine Kammer. Dort holte er sein Bündel unter dem Bett hervor. Seine Brust, wo die Te-dal-Jossatai ihn berührt hatte, schmerzte. Er fühlte mit der Hand nach der Stelle. Etwas Hartes war dort. Das Kra-Mant. Er hielt sich nicht weiter damit auf es näher zu untersuchen, sondern verließ den Palast. Den Wachen erzählte er er wolle auf den Markt gehen. Sie ließen ihn ohne weiteres passieren. Ungehindert eilte er durch die engen Straßen, auf denen das geschäftige Treiben der Menschen schon begonnen hatte. Das Stadttor erreichte er bald und glaubte schon fast es geschafft zu haben, als die Torwächter zu ihm traten.

„Du bist Ktaljan“, sagte einer der Ju-Tang. „Dir ist es nicht erlaubt die Tore zu durchschreiten.“

Ktaljan sah den Ju-Tang sprachlos an. Er war ein Gefangener in dieser Stadt. Eingesperrt von Pacoreph. Mit einem kurzen Nicken bedeutete er den Soldaten, dass er verstanden hatte. Ruhig, weil völlig überfahren, wandte er sich um und mischte sich unter die Menschen. Erst nach ein paar Schritten kam sein Denken wieder in Gang. Fieberhaft überlegte er wie er aus der Stadt kommen könnte. Schlimm war, dass er nicht einmal Gold hatte jemanden zu bestechen. Ziellos eilte er durch die Straßen und landete schließlich auf dem großen Marktplatz. Dort wurde Handel getrieben und Gaukler unterhielten die Menschen mit ihren Kunststücken. Ktaljan gesellte sich zu einer Gruppe, die um einen Taschenspieler herumstand und ihm zusah, wie er Kaninchen aus dem Hut zog und Tauben und Karten. Eine Weile starrte er auf den Gaukler, dann wandte er sich ab und ging weiter über den Platz. Ihm blieb keine Zeit. Die Hinrichtung musste längst stattgefunden haben. Die Ju-Tang suchten ihn sicher schon. Aufmerksam sah er sich in der Menge um und erspähte, was er befürchtet hatte: Ju-Tang. Mehrere waren auf den Platz ausgeschwärmt, scheinbar auf der Suche nach etwas, was er nur zu gut kannte. Er fragte sich wo er hin sollte. Zunächst flüchtete er sich in das Zelt einer Wahrsagerin. Drinnen war es dunkel, nur zwei Kerzen erhellten schwach den Tisch an dem die Alte saß. Sie war in die bunte Tracht des fahrenden Volkes gekleidet, behängt mit Goldschmuck. Ihre dunklen Augen sahen ihn überrascht an, da er nur dastand und sich nicht rührte. Schließlich besann er sich und setzte sich zu ihr an den Tisch.

„Sei gegrüßt“, sagte sie mit dunkler, geheimnisschwerer Stimme, während sie mit geschickten Händen die Karten mischte.

„Ich kann dich aber nicht bezahlen“, warnte Ktaljan sie hastig und erwartete nun eigentlich von ihr hinausgeworfen zu werden. Aber sie mischte ruhig weiter. „Mein Bündel kannst du als Bezahlung haben aber da ist nur Brot drin.“ Jetzt sah sie ihn an und bedeutete ihm zu schweigen. Dann legte sie die Karten aus.

„Dort der Bube, in der Mitte von allem“, erklärte sie. „Dicht bei ihm aber liegt der Tod, hier das Verhängnis. Aber hier, entfernt und doch mächtig, der schwarze Drache. Nicht viel Glück wird dir begegnen mein junger Freund. Das Licht decke ich auf und dort das geflügelte Pferd.“ Eine lange Zeit starrte sie auf die Karten hinab. Schließlich deckte sie zwei weitere auf. Ihre Augen weiteten sich erschreckt. „Der König, der sich selbst tötet“, flüsterte sie. Hastig raffte sie die Karten zusammen. „Geh fort!“, verlangte sie dann.

„Ich kann nicht“, brach es aus Ktaljan heraus. „Sie suchen mich. Ich brauche ein Versteck und muss aus Liagan heraus. Hilf mir.“

Die Wahrsagerin zögerte lange. „Gut.“ Sie löste einen Ohrring und gab ihm diesen. „Geh in die Talergasse. Dort wohnt in einem weißen Haus Ser der Viehhändler. Gib ihm diesen Ohrring, er wird dir helfen. Und nimm dein Bündel mit.“

Ktaljan nahm den Ohrring. Vorsichtig spähte er hinaus, bevor er auf den Platz trat. Er schlich sich durch die Stadt. Jeden Moment glaubte er angehalten zu werden. Wo immer er Ju-Tang sah, wich er ihnen aus, weshalb er sehr lange brauchte um die Gasse zu erreichen. Er klopfte an die Tür des besagten Hauses. Ser selbst war es, der ihm öffnete. Er war ein grobschlächtiger Mann, der nach Mist roch. Ohne ein Wort nahm er den Ohrring der Wahrsagerin und ließ Ktaljan eintreten. Er führte ihn in den Hinterhof zu den Ställen. Es waren Schweineställe, in denen sich an die fünfzig Schweine drängten. Der Gestank war betäubend. Ser öffnete den hintersten der Ställe.

„Hier wirst du warten bis zur Nacht“, erklärte Ser. „Falls sie die Ställe durchsuchen deck dich mit Mist zu.“ Ser schloss die Tür hinter ihm. Die Schweine kamen neugierig heran und schnüffelten an seinen Beinen. Er verscheuchte sie und zog sich in eine Ecke zurück. Dort schob er etwas Stroh zusammen und setzte sich. Der Gestank war überwältigend. Er holte den Wein aus seinem Bündel. Eine wirksame Medizin für alles. Nach der halben Flasche störte ihn der Gestank nicht mehr und nach der ganzen begann er ein Gespräch mit einem intelligent dreinblickenden Schwein, das sich neben ihm niedergelassen hatte. Sodann schlief er ein.

Geweckt wurde er eher unsanft, nämlich von Ju-Tang. Sie scheuchten die quiekenden Schweine fort und zerrten ihn heraus. Man hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht Ser zu verhaften. Der Viehhändler lag tot im Haus. Seine Frau kniete wehklagend neben ihm, raufte sich die Haare und verfluchte die Ju-Tang. Ktaljan wurde in Ketten gelegt, draußen auf der Straße. Im Laufschritt ging es zum Schloss hinauf, denn die Soldaten waren beritten. Ktaljan dankte den Göttern, als sie endlich im Schlosshof anlangten. Keuchend stand er da, sein Kopf dröhnte, ihm war schlecht vom Laufen und er wusste eigentlich noch gar nicht recht was vor sich ging. Ihm wurde auch keine Zeit gelassen sich zu besinnen, denn zwei Ju-Tang packten ihn, warfen ihn in die Pferdetränke und schrubbten ihn unsanft ab. Seine Gegenwehr war zwecklos. Fröstelnd und triefnass führten sie ihn dann Pacoreph unten in den Kerkern vor. Im Wachraum standen sie sich allein gegenüber. Ktaljan wurde klar, dass seine letzte Stunde geschlagen hatte. Er sah es in den dunklen Abgründen von Pacorephs Augen. Schicksalsergeben stand er still in einer Wasserpfütze. Der König stand ebenso reglos, aber seine Reglosigkeit war nur ein Ausdruck seines Zorns. Ktaljan stand erstarrt. Er war gescheitert. Er war nicht einmal aus Liagan herausgekommen. Wer mochte Ser verraten haben? Und für welchen Preis? Die Guillotine wartete nun auf ihn. Was ihn schreckte war der Gedanke an Folter. Würde er gefoltert werden?

„Alinia hat dir das Kra-Mant überlassen“, sagte Pacoreph mit tödlich kalter Stimme. Er trat vor und riss ihm das Hemd auf. Unwillkürlich sah er auf seine Brust hinab. Wo die Te-dal-Jossatai ihn berührt hatte war ein kleiner, funkelnder Fleck. Vorsichtig berührte er ihn, er war warm und hart. Es schien als pulsierte etwas darin. „Ausgerechnet dir.“ Der König ging auf und ab. „Glaubtest du wirklich mir entgehen zu können?“ Er blieb wieder vor ihm stehen. „Auf die Knie, wenn ich mit dir rede!“, befahl er dann scharf. Ktaljan gehorchte augenblicklich. Die Ketten an seinen Handgelenken rasselten kalt. Aufgebracht schritt Pacoreph wieder im Raum herum. Ktaljan erwartete jeden Augenblick geschlagen zu werden aber sein Herr tat es nicht. „Du weißt, dass du dafür sterben wirst. Morgen früh. Fast schade aber unvermeidlich.“ Einen Augenblick sah er Ktaljan noch an, dann ging er hinaus. Die Ju-Tang führten ihn in einen Kerker. Dumpf schlug die schwere Tür hinter ihm zu. Frustriert ließ sich Ktaljan in einer Ecke nieder. Er hatte auf ganzer Linie versagt. Der Gedanke an seine eigene Hinrichtung ließ ihn seltsamerweise kalt, was vielleicht an seinem noch nicht überwundenen Rausch lag. Gern hätte er jetzt noch eine Flasche Wein gehabt. Die Stunden schlichen still dahin. Sicher war es schon Nacht. Er konnte das nicht beurteilen, denn in seinem Gefängnis gab es kein Fenster. Er konnte nicht schlafen. Stunde um Stunde saß er in seiner Ecke und starrte vor sich hin. Sein eigenes Versagen war ihm einfach unfassbar Wie hatte er nur so dumm sein können zu glauben mit dem Kra-Mant entkommen zu können. Er dachte an seinen letzten Aufenthalt in einem der Kerker. Würde ihn jemand wie den Attentäter vor der Hinrichtung retten? Wer aber sollte an dem Hofnarren des Königs interessiert sein? Niemand. Er würde morgen den Weg zum Schafott gehen. Niemand würde ihn vermissen, bald wäre er vergessen. Nichts von ihm würde bleiben. Er dachte diese Gedanken immer wieder und begann sich langsam mit seinem Schicksal abzufinden. Wenn er es recht bedachte, hatte er Übung darin. Gegen sein Los hatte er eigentlich nie aufbegehrt und wenn er es doch einmal getan hatte, war es sinnlos gewesen, genauso wie diesmal. Er ließ seinen Kopf gegen die Wand sinken. Ihm war kalt. Immer noch hatte er den Geruch der Schweine in der Nase. Er schreckte auf, als er hörte, dass die Tür geöffnet wurde. Er konnte nicht glauben, dass es schon so weit sein sollte. Ein mattes Licht, das von einer Laterne ausging, fiel herein. Eine Gestalt in einem schlichten dunklen Gewand trat herein. Erstaunt erkannte Ktaljan das Gesicht des Zauberers, der nun zu ihm trat und sich vor ihn hinkniete.

„Was wollt Ihr?“, fragte Ktaljan, als sich Vigir schweigend an seinen Ketten zuschaffen machte. Schließlich befreite er ihn davon.

„Komm!“, befahl der Zauberer. Er ging voraus, Ktaljan folgte ihm. Was bewog Vigir dazu ihn aus dem Kerker zu holen? Bevor er die Frage laut aussprechen konnte, sagte Vigir: „Halt den Mund bis ich dir wieder erlaube zu sprechen!“ Er gehorchte und schwieg und versuchte dem rasch ausschreitenden Zauberer auf den Fersen zu bleiben. Ohne Aufsehen zu erregen schritten sie durch das ganze Schloss Es war als wären sie unsichtbar, denn die Wachen nahmen keine Notiz von ihnen. Wahrscheinlich hatte Vigir einen Zauber über sie gelegt, vermutete Ktaljan. Sie überquerten die Höfe und gelangten hinunter in die Stadt. Die Straßen waren leer und dunkel. Die Läden der Fenster waren fest verschlossen. Kein Licht drang aus einem der Häuser. Ihre Schritte hallten hohl in den Gassen wider. Von einem Torwächter wurde ihnen die kleine Pforte im Tor geöffnet. Sie waren frei. Das Tor und die Stadt verschwanden bald in der Dunkelheit. An einem der Brunnen an der Straße hatte der Zauberer Pferde bereitgestellt. Sie stiegen auf und trabten durch die Nacht. Ktaljan fragte sich ob er nun sprechen durfte, beschloss aber zu warten bis es ihm der Zauberer erlaubte. Die ganze Nacht ritten sie. Irgendwann waren sie von der Hauptstraße abgebogen. Ktaljan wusste nicht wohin sie ritten, er kannte sich in der Gegend nicht aus. Bei Sonnenaufgang erreichten sie ein verfallenes Haus. Vom Weg aus war es nicht zu sehen, so überwuchert und zugewachsen war es. Sie waren noch ein Stück weiter geritten, dann erst vom Weg abgebogen und in einem großen Bogen zur Ruine zurückgekehrt. Das Gras würde sich sicher aufgerichtet haben bis ihre Verfolger hier vorbeikommen mochten. Hinter einer von Farn überwucherten Mauer banden sie die Pferde an, für jeden Reiter auf der Straße unsichtbar. Vigir ging ohne großes Zögern auf einen Holunderbusch zu, der mitten in den Ruinen stand. Er hob die tiefhängenden Äste vorsichtig an. Eine schmale Luke wurde sichtbar, die der Zauberer nun öffnete.

„Steig hinunter!“, befahl er barsch. Sein Gesicht war grau vor Erschöpfung. Während Ktaljan hinunterstieg, holte Vigir sein Bündel und folgte ihm. Er entzündete eine Laterne, bevor er die Luke über ihnen schloss Sie befanden sich in einer kleinen Höhle. Es roch nach Erde und Feuchtigkeit. Ktaljan stand da und beobachtete wie Vigir seinen Mantel auf dem Boden ausbreitete, sich darauf ausstreckte, sein Bündel unter den Kopf legte und die Augen schloss

„Ihr wollt jetzt schlafen?“, fragte Ktaljan ungläubig. Der Zauberer öffnete die Augen und stützte sich auf einen Ellenbogen auf.

„Reg mich jetzt nicht noch auf! Ich bin müde. Es ist ziemlich anstrengend Zauberer zu sein, weißt du. Am besten du schläfst auch.“ Er blies die Laterne aus, es wurde stockfinster. Ktaljan bekam in dieser undurchdringlichen Finsternis das Gefühl in einem Grab zu sein. Es machte ihm angst.

„Bitte, könntet Ihr dann wenigstens das Licht an lassen?“

„Oh, verdammt!“, hörte er den Zauberer fluchen. „Langsam verstehe ich Pacorephs Vergnügen daran dich dauernd zu schikanieren.“ Obwohl er das sagte, entzündete er erneut die Laterne. „Darf ich jetzt schlafen?“ Vigir wandte ihm den Rücken zu. Bald hörte Ktaljan seine tiefen, ruhigen Atemzüge. Lange saß er da, starrte auf den Rücken des Zauberers und wurde selbst langsam müde. Schließlich kauerte er sich auf der kalten Erde zusammen und schlief ein.

Der Zauberer weckte ihn. „Komm! Es ist Abend.“ Er stieg hinauf. Die Laterne war ausgebrannt. Die Dämmerung lag über dem Land. Die frische Luft tat Ktaljan gut, er atmete sie tief ein. Vigir hatte sich auf einem Mauerrest niedergelassen.

„Warum habt Ihr mich aus dem Kerker geholt?“ Das alterslose Gesicht mit den hellen Augen wandte sich ihm zu.

„Glaubst du, dass ich zusehe wie Pacoreph das Kra-Mant bekommt? Verwünscht sei diese verfluchte Priesterin! Ausgerechnet einem Idioten wie dir muss sie es überlassen! Andererseits, ein anderer hätte es sicher nicht angenommen.“

Unwillkürlich tastete Ktaljan nach seiner Brust. „Ich dachte---„

„Du dachtest!“, fuhr der Zauberer zornig auf. „Jahrelange Arbeit! So viele Mühen und dann kommt ein versoffener Leibeigener, der alles zunichte macht! Ich besaß das Vertrauen des Königs, mühsam errungen bei diesem misstrauischen Thronräuber! Und jetzt das! Wenn du das Kra-Mant nicht besäßest, ich könnte dich umbringen.“

Verwirrt starrte Ktaljan Vigir an. „Wollt Ihr es etwa?“, fragte er dann und wich einen Schritt zurück. Er würde das Kra-Mant nötigenfalls mit seinem Leben verteidigen. Doch Vigir tat, was er nicht erwartet hatte, er lachte, hart und spöttisch.

„Du meinst das Kra-Mant? Lieber sinke ich auf der Stelle tot nieder, bevor ich mir das Kra-Mant aneignen würde. Ich verzichte dankend.“ Er stand auf und ging zu den Pferden. Ktaljan lief hinter ihm her.

„Heißt das Ihr wollt mir helfen es nach Tardet zu bringen?“

Vigir rang die Hände. „Kann es so viel Dummheit auf einem Haufen geben? Das letzte was

ich zulasse ist, dass du das Kra-Mant nach Tardet bringst.“

„Ich werde nach Tardet gehen und Ihr werdet mich nicht daran hindern.“

„Mein lieber Freund, es würde mir wirklich große Genugtuung bereiten dich persönlich zum Geheimen Tempel zu bringen, leider darf ich es nicht zulassen. Was glaubst du, was die Priesterinnen im Geheimen Tempel mit dir machen werden?“

„Ich werde ihnen das Kra-Mant übergeben.“

Wieder lachte der Zauberer scharf und ohne Erheiterung „Alinia hat wirklich mit sicherer Hand den größten Trottel in ganz Liagan ausgewählt! Das Kra-Mant übergeben! Man fasst es nicht. Sie werden dich umbringen. Das Kra-Mant wird nur frei, wenn die Person die es besitzt stirbt. Das ist die einzige Art auf die man es übergeben kann.“ Er schwang sich in den Sattel. Ktaljan stand wie versteinert.

„Das.....ist nicht wahr“, rief er schließlich. „Die Te-dal-Jossatai hat es mir auch übergeben als sie noch lebte.“

„Ja aber ihr Tod stand bevor und sie war die Te-dal-Jossatai. Beides kannst du nicht von dir behaupten. Jetzt steig endlich auf, wir müssen los.“

„Wo wollt Ihr hin?“

„Das überlass ganz mir. Hör auf zu denken und tu was ich sage. Stell dir einfach vor ich wäre Pacoreph.“ Seine Stimme klang gereizt. Ktaljan löste sich aus seiner Erstarrung und saß auf.

„Was ist mit den Ju-Tang?“

„Sie sind ausgeschwärmt. Jede Ortschaft wird bewacht sein, deshalb müssen wir sie meiden. Sicher hat Pacoreph eine Belohnung auf deinen Kopf ausgesetzt. Trau also keinem und halte dich verborgen und unauffällig.“ Sie wendeten die Pferde und ritten querfeldein in Richtung Norden. Bald hatten sie die bestellten Felder hinter sich gelassen und ritten durch endlose Wälder. Bald wurde der Weg aber so unwegsam, dass sie absteigen und die Pferde führen mussten

„Ich habe Hunger und Durst“, bemerkte Ktaljan. Die Nacht war schon weit fortgeschritten. Der Mond war fast untergegangen. Eine Eule stieß einen Ruf aus. In den Bäumen rauschte unheimlich der Wind. Ktaljan fröstelte. Seit die Ju-Tang ihn in die Pferdetränke geworfen hatten, war er nicht mehr warm geworden. Selbst das Laufen half nichts.