Du bist, was du isst. - Prof. Dr. Eva Barlösius - E-Book

Du bist, was du isst. E-Book

Prof. Dr. Eva Barlösius

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Beschreibung

Gesellschaftliche Typisierungen und sozialstrukturelle Klassifizierungen finden auch anhand dessen statt, was Menschen essen. Während der regelmäßige Genuss von Fleisch seit der Erfindung des Ackerbaus für ein Privileg sozial bevorzugter Schichten stand, sehen sich heute damit zumeist sozial benachteiligte Menschen assoziiert – allerdings als Makel statt als positives Distinktionsmerkmal, weshalb sie sich häufig genötigt sehen, sich für den Inhalt ihres Einkaufswagens zu rechtfertigen. Die Soziologin Eva Barlösius beschäftigt sich seit Langem mit der "Soziologie des Essens" und beleuchtet in ihrem Beitrag in Kursbuch 204 die Position von Müttern, die sich dieser sozialen Essensungleichheit ausgesetzt sehen.

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Seitenzahl: 19

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Eva BarlösiusDu bist, was du isstEine Widerstandsnotiz gegen kulturelle und soziale Abwertungen

Die Autorin

Impressum

Eva BarlösiusDu bist, was du isstEine Widerstandsnotiz gegen kulturelle und soziale Abwertungen

»A: ›Obst und Gemüse ist teuer.‹B: ›Ja, es ist teuer.‹C: ›Ja, da kannst du besser ein Stück Fleisch kaufen, wie dass ich jetzt sage, ich kaufe mal so eine richtig große Schale Obst und Gemüse. Das kann ich mir nicht leisten, also wenigstens nicht in der Winterzeit.‹C: ›Das sind ja Überlegungen, wenn du ein Stück Fleisch kaufst, ne, für 2,99 im Angebot, wie viel Obst kriegst du dafür?‹E: ›Weintrauben 2,99 das Kilo.‹C: ›Ja, ja.‹E: ›Himbeeren 1,49, das läppert sich dann so zusammen.‹C: ›Ja genau, dann überlegt man schon, ne, was ist jetzt besser.‹«

Diese Gesprächssequenz stammt aus einer Gruppendiskussion mit Müttern, deren Kinder als zu dick klassifiziert werden.1 Die Mütter sehen sich überall und ständig mit der gesellschaftlichen Aufforderung konfrontiert, dafür Sorge zu tragen, dass sich ihre Kinder gesund ernähren und abnehmen. In der Kita, der Schule, beim Kinder- und Jugendarzt, in zahlreichen TV-Sendungen – allerorten und fortwährend wird ihnen mitgeteilt, dass sie ihrer elterlichen Verantwortung nicht nachkommen, wenn ihre Kinder dick bleiben oder gar noch weiter zunehmen. Diese Vorhaltung wie auch die Reaktion der Mütter darauf – das soll der Beitrag zeigen – sind von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um soziale Ungleichheiten geprägt. Damit soll keineswegs gesagt werden, dass es für die Kinder nicht besser wäre, wenn sie abnehmen würden. Vielmehr gilt es zu zeigen, dass die Art und Weise, wie die Aufforderung an die Mütter – und selbstverständlich auch an die Väter – herangetragen wird, von diesen als durch soziale Ungleichheiten bestimmt wahrgenommen wird und ihre Antworten darauf abgestimmt sind.