Ehrenfrau - Nancy Hochstein - E-Book

Ehrenfrau E-Book

Nancy Hochstein

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ehrenamt: Fürsorge, Macht und Struktur Ehrenamt als Ort der Hoffnung und der Erschöpfung, der Möglichkeit und der Unsichtbarkeit: Nancy Hochstein verbindet in diesem Essay eigene aktivistische Erfahrungen mit einer scharfen Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse - und fordert, das Ehrenamt neu zu denken: als Raum feministischer Praxis, geteilter Verantwortung und radikaler Fürsorge. Eine persönliche und politische Abrechnung mit einem System, das auf unbezahlter Fürsorgearbeit basiert und sich dabei stillschweigend auf die Selbstverständlichkeit weiblichen Engagements verlässt. Ein leidenschaftlicher Essay über Verantwortung, Anerkennung und das Recht, nicht nur zu geben, sondern zu gestalten.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 42

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



„Mach weiter.

Hör nicht auf.

Du machst das großartig.

Du bist eine Frau, du kannst alles.“

S.

„Allein eine Frau zu sein,

das ist ein Ehrenamt.“

F.

– Leider ist keiner dieser Sachverhalte frei erfunden. –

Inhalt

Einleitung

Part 1: Ein Blick auf meine Geschichten

Die persönliche Ebene – Erfahrungen, Erlebnisse, Gefühle Was es heißt, eine engagierte Frau zu sein – zwischen Selbstanspruch, Erwartung und Erschöpfung

Part 2: Ein Blick auf die Gesellschaft

Strukturen, Muster, Macht Warum das Ehrenamt systemisch ungerecht ist – und wem das nützt

Part 3: Ein Ausblick in die Zukunft

Vision, Forderung, Perspektiven Wie ein Ehrenamt der Zukunft aussieht, das fair, sichtbar und feministisch ist

Danksagung

Einleitung

Ich schreibe dieses Buch, weil ich wütend bin – und weil ich liebe. Ich liebe das Ehrenamt, diese wandelbaren Räume, in denen Menschen sich kümmern, helfen, gestalten. Ich liebe die Kraft, die entsteht, wenn Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen, ohne dafür bezahlt zu werden. Aber ich bin auch wütend. Wütend, weil so vieles, was dort passiert, unsichtbar bleibt. Weil Fürsorgearbeit von Frauen immer noch als selbstverständlich gilt. Weil Frauen die tragenden Säulen des Ehrenamts sind – und doch selten sichtbar an seiner Spitze.

Dieses Buch ist kein Dankeschön für die „stillen Heldinnen“. Es ist ein lauter Ruf: Seht hin! Fragt nach! Verändert was!

Ich erzähle meine Geschichte, weil sie exemplarisch für so viele ist. Ich erzähle von Sitzungen und Wahlkämpfen, von Initiativen, die an Küchentischen geboren wurden, und von Strukturen, die sich nie gefragt haben, wem sie eigentlich dienen.

Ich verknüpfe persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlicher Analyse. Ich schaue auf Macht, auf Geschlecht, auf Ungleichheit – und auf das Potenzial, das im Ehrenamt liegt, wenn wir es endlich ernst nehmen. Dieses Buch ist eine Einladung, das Ehrenamt neu zu denken: als Ort feministischer Praxis, solidarischer Verantwortung und radikaler Fürsorge.

Denn das Ehrenamt muss revolutioniert werden, damit sich die Gesellschaft verändert: feministisch, solidarisch und radikal fürsorglich.

Part 1: Ein Blick auf meine Geschichten

Know your privileges

Eine Anmerkung vorab: Ich schreibe dieses Buch aus meiner ganz individuellen Perspektive – als weiße, deutsche, cis-geschlechtliche Frau mit bestimmten Privilegien, denen ich mir wohl bewusst bin. Ich weiß: Viele der Themen, die ich in diesem Essay beschreibe, treffen andere – insbesondere marginalisierte, queere oder mehrfach diskriminierte Menschen – noch härter, noch unsichtbarer, noch ungerechter. Ich kann nur für mich sprechen – aber ich schreibe in der Hoffnung, dass die Veränderungen, für die ich streite, uns allen zugutekommen. Aus dieser Nummer kommen wir nur gemeinsam raus!

It’s me, hi

Oft stelle ich mir die Frage: Warum kann ich nicht einfach mal still sein? Mal nichts tun, mal nicht an den nächsten Schritt, das nächste Projekt, die nächste Baustelle denken? Warum fehlt mir das verdammte Chillerin-Gen? Während andere abschalten, wegsehen oder abwinken, bleibt mein Blick hängen – an dem, was fehlt, was hakt, was ungerecht ist. Als hätte ich diesen Dauerantrieb fest eingebaut, als gäbe es keinen Ausschaltknopf.

Und gleichzeitig denke ich: „Alter, warum seid ihr alle so langsam? Warum muss immer ich es sein, die sich in diesen Irrsinn stürzt?“ Und dann ist es wieder da, dieses Gefühl: Wenn’s keiner macht, dann mach ich’s halt.

Aber warum eigentlich?

Die Macht der Macher*innen-Gene?

Manchmal kann das Ehrenamt Lücken in der eigenen Vita füllen – und steht für all das, wofür im Beruf vielleicht nie Platz war oder sein durfte. Ich denke dabei oft an meine Großmutter. Sie wäre die beste Pädagogin der Welt geworden, hätte sie sich nicht in der ehemaligen DDR 1966 in ihrer Abschlussprüfung systemkritisch geäußert. Stattdessen wurde ihr Wunsch, Erzieherin zu werden, politisch verhindert. Doch hat sie sich davon aufhalten lassen? Niemals. Neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Sachbearbeiterin (und Gleichstellungsbeauftragten! Auch drauf bin ich sehr stolz!), engagierte sie sich als „Bonus-Oma“, so kennt jeder Kindergarten meiner Heimat Oma I. heute trotzdem als Vorleserin, Geschichtenerzählerin und Mutmacherin. Sie hat Generationen von Kindern mit Fantasie, Wärme und Zuversicht begleitet; selbst dem Sächsischen Staatsministerium war das eine Auszeichnung wert – und bis heute lässt sie sich nicht bremsen. Die (noch) ältere Generation liegt ihr genauso am Herzen: In der aktiven Seniorenarbeit ist sie regelmäßig dabei, zockt die Damen und Herren beim Rommé gnadenlos ab und ist einfach da. Nicht, weil sie muss, sondern weil sie es kann. Weil sie einen Platz gefunden hat, wo ihre Energie und ihr Talent gebraucht werden und sie damit Erfüllung erfährt.

Vielleicht liegt es also in der Familie – diese Unruhe, dieser Wunsch, sich einzubringen. Vielleicht ist es aber auch ein Reflex auf die Welt, in der wir leben.

Woher kommt diese Lust, sich für null Euro in unbekannte Strukturen zu werfen?

Warum bin ich bereit, Zeit, Nerven und Energie zu investieren für etwas, das sich nicht in Geld auszahlt? Ist das Masochismus? Ein Helferinnen-Syndrom? Ein internalisiertes „Sei doch mal nützlich“? Oder einfach die pure Verzweiflung darüber, dass nichts passiert, wenn nicht irgendwer (aka: ich) den ersten Schritt macht?

Vielleicht ist es das: die ständige Jagd nach Sinn. In einer Welt, in der alles sofort gekauft,