Ein Fest im kleinen Friesencafé - Janne Mommsen - E-Book
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Ein Fest im kleinen Friesencafé E-Book

Janne Mommsen

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Beschreibung

Die Fortsetzung der warmherzigen Geschichte rund um das kleine Friesencafé, die sofort nach Erscheinen die Top Ten der Bestsellerliste erstürmte. Julia hat das kleine Friesencafé zum Laufen gebracht und kann sich nun malende Caféhaus-Besitzerin nennen. Doch die Saison neigt sich dem Ende, und Julia muss sehen, wie sie über den Winter kommt. Auch privat bleibt es herausfordernd: Ihre Annäherung an den jungen Bürgermeister Finn-Ole ist voller Missverständnisse. Und dann wird Finn-Ole auch noch auf die Nachbarinsel Amrum versetzt! Eine zarte Fernbeziehung mit Telefonaten und Blinkzeichen am nächtlichen Strand beginnt. Und der schnellste Weg zueinander führt über einen Fußweg bei Ebbe durchs Watt. Unterdessen besuchen Julias Oma Anita und Kapitän Hark einen Tanzkurs. Als Hark sich den Knöchel verstaucht, tanzt Anita mit dem attraktiven Tanzlehrer alleine weiter. Hark dreht innerlich durch vor Eifersucht, was ihn zu schweren Dummheiten verleitet … Gott sei Dank ist aus einem kuriosen Anlass ein rauschendes Fest im kleinen Friesencafé geplant. Es wird eine der schönsten Feiern, die die Insel je gesehen hat – auch für Finn-Ole, Julia, Hark und Anita.

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Seitenzahl: 233

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Janne Mommsen

Ein Fest im kleinen Friesencafé

Ein Inselroman

Roman

 

 

 

Über dieses Buch

Gefühlschaos und eine kräftige Brise Nordseeluft

 

Julia hat ihr kleines Friesencafé zum Laufen gebracht. Doch die Saison neigt sich dem Ende, und Julia muss sehen, wie sie über den Winter kommt. Auch privat bleibt es herausfordernd: Ihre Annäherung an den jungen Bürgermeister Finn-Ole ist voller Missverständnisse. Dann wird Finn-Ole auch noch auf die Nachbarinsel Amrum versetzt – der schnellste Weg zueinander führt durchs Watt …

Unterdessen besuchen Julias Oma Anita und Kapitän Hark einen Tanzkurs. Als Hark sich den Knöchel verstaucht, tanzt Anita mit dem attraktiven Tanzlehrer alleine weiter. Hark dreht innerlich durch, was ihn zu schweren Dummheiten verleitet ...

Gott sei Dank ist ein rauschendes Fest im kleinen Friesencafé geplant. Es soll eine der schönsten Feiern werden, die die Insel je gesehen hat – auch für Finn-Ole, Julia, Hark und Anita?

Die warmherzige Geschichte um das kleine Friesencafé geht weiter.

Vita

JANNE MOMMSEN hat in seinem früheren Leben als Krankenpfleger, Werftarbeiter und Traumschiffpianist gearbeitet. Inzwischen schreibt er überwiegend Romane und Theaterstücke. Mommsen hat in Nordfriesland gewohnt und kehrt immer wieder dorthin zurück, um sich der Urkraft der Gezeiten auszusetzen.

Impressum

Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, März 2022

Copyright © 2022 by Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.

Covergestaltung und -abbildung HAUPTMANN & KOMPANIE Werbeagentur, Zürich

Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation

Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

ISBN 978-3-644-00835-9

www.rowohlt.de

 

Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Printausgabe.

1

Der Schauer, der über der Insel Föhr niederging, spülte den Staub der vergangenen Tage fort. Als die Tropfen endlich von den Blättern verschwunden waren, ließ die Sonne den Himmel tintenblau aufleuchten. Von Westen her versetzte ein Windhauch die langen, dünnen Schilfhalme in sanfte Bewegungen, ihre Köpfe nickten im Takt des Windes, dazu zwitscherten See- und Landvögel. Allein über dem kleinen Friesencafé blieb eine kleine weiße Wolke stehen.

Die Menschen blinzelten lächelnd ins spätsommerliche Licht. Auf den Straßen tauchten überall Radfahrer auf, als wären sie gerade frisch aus dem Boden geschossen. Diejenigen, die während des Regens mit eingezogenen Beinen in den Strandkörben ausgeharrt hatten, bevölkerten nun wieder die Strände, als Erste sprangen die Kinder ins angenehm temperierte Wasser.

Durch das offene Küchenfenster blickte Julia in den Garten im Innenhof, der von zwei uralten, leicht windschiefen Reetdachhäusern umgeben war. Die tief stehende Sonne tauchte die Szenerie in ein sattes ockergelbes Licht. Mitten auf der großen Rasenfläche stand ein alter Apfelbaum mit knorrigem Stamm, um ihn herum blühten Rosen, Margeriten und Petunien in allen Farben, neben dem kleinen Geräteschuppen streckte sich eine dichte Gruppe Zierbambus steil in den Himmel. Die Kräuter auf dem Hochbeet gaben dem Garten seinen eigenen Duft: Zu Thymian, Fenchel, Petersilie und Mooskrause kamen eine Reihe Dill und eine weitere mit Kerbel, Basilikum, Majoran, Schnittlauch und Melisse. Zwischen den Pflanzen hingen Spinnweben, die einen an der Nase kitzelten, wenn man sie zufällig streifte. Ein Libellenpärchen verharrte vor den lila Hyazinthen und zog dann weiter zum Bohnenkraut. Julia träumte davon, über die Beete zu schweben und die Blüten riesengroß vor sich zu sehen. Den Garten hatte Kapitän Hark Paulsen angelegt, der nebenan zusammen mit Julias Oma Anita wohnte. Die beiden hatten sich vor ein paar Wochen heftig ineinander verliebt, und das im zarten Alter von siebenundsechzig! Julia lächelte: Das sollte ihr Mut machen, wenn sie mit ihren dreißig Jahren wieder mal einen Anflug von Torschlusspanik bekam.

Die Äpfel, aus denen sie gerade einen Kuchen buk, stammten vom alten Baum gegenüber. Das Rezept war von Julias Oma, es gehörten Rosinen und Sultaninen hinein, ein bisschen Vanille, und als Besonderheit kam ein Hauch mildes Currypulver dazu.

Aus dem Ofen zog bereits ein verheißungsvoller Duft in den Garten. Auf der Rasenfläche vor den Blumen lagerte ein Dutzend Cafégäste auf Holzbänken, Liegen und Bistrostühlen. Die meisten waren barfuß. Wattführer Klaas Hinrich war auf seiner Liege eingeschlafen. Der beleibte bärtige Mann röchelte etwas, ein Zipfel seines weißen Hemdes war über den Bund seiner kurzen Cargohose gerutscht. Ein paar Meter entfernt döste Birte auf einem Stuhl. Die Endsechzigerin hatte sich ihre Haare rot gefärbt und zwei Zöpfe geflochten, dazu trug sie ein giftgrünes T-Shirt und eine weiße Latzhose. So könnte sie Pippi Langstrumpf als Großmutter geben, dachte Julia.

Daneben saßen Leevke und Antonia an einem blau lackierten Holztisch. Die beiden Dreizehnjährigen gaben sich betont lässig, dabei war dies ihr erster Cafébesuch ohne Eltern, bezahlt vom eigenen Taschengeld. Beide trugen Zahnspangen und tranken Rhabarberschorle. Leevkes Vater Jan war Reetdachdecker in Oldsum und hatte das kleine Friesencafé neu eingedeckt.

Elske, die blond gelockte Frau in Julias Alter, hatte ihr T-Shirt etwas hochgezogen und hielt ihren kugelrunden Schwangerenbauch in die Sonne. Als Julia auf Föhr angekommen war, hatte Elske sie herzlich bei sich aufgenommen, auch wenn sich das Zimmer im Keller schon bald als zu klein für Julias Staffeleien erwiesen hatte. Elske kam häufiger auf Kaffee und Kuchen ins kleine Friesencafé.

«Wann ist es so weit?», erkundigte sich Julia.

«Gestern», antwortete Elske und sandte einen flehentlichen Blick zum Himmel.

Julia lächelte. «Die friesische Sonne ist ja wohl die beste Einladung, auf die Welt zu kommen, oder?»

Elske beugte sich zu ihrem Bauch und gab das lächelnd an ihr Ungeborenes weiter: «Hast du gehört? Kannst kommen!»

Urs, der dünne, lange Schweizer mit den lockigen roten Haaren, saß in Jeans und weißem T-Shirt im Schatten des Apfelbaums an seinem Laptop, daneben lag sein Handy. Er hatte bei seiner Bestellung geklagt, dass er gerade unendlich viel zu tun habe. Seit einiger Zeit saß er reglos auf seinem Platz. Julia staunte, wie lange er so stillsitzen konnte, anscheinend dachte er angestrengt nach. Als sie näher kam, erkannte sie jedoch, dass er die Augen geschlossen hatte, offenbar hatte auch ihn die spätsommerliche Wärme zu einem Nickerchen verführt.

Zwischen Stühlen und Tischen hatte Julia zwei Staffeleien mit Farbtuben, Pinseln und Papier bereitgestellt, an denen sich ausprobieren konnte, wer wollte. Einmal Picasso oder van Gogh sein oder wenigstens so tun, als ob! Gerade zeigte eine ältere Frau mit ausladendem Strohhut ihrem Mann, wie er den Pinsel am besten übers Papier führte. Malen zu können, war der Wunschtraum vieler, aber nur wenige trauten sich. Julia machte ihnen Mut, indem sie die Auffassung eines berühmten Künstlers verkündete, alle Menschen seien Kunstexperten – außer Kunstexperten.

Der Mann bemalte das Papier mit grünen und roten Kringeln. Dann drehte er sich zu Julia und hielt sein Werk vor das Küchenfenster. «Wie sieht es aus?»

«Oh, abstrakte Malerei», stellte Julia fest. «Sehr interessant und auch ein bisschen rätselhaft.»

«Wieso abstrakt?», beschwerte sich der Mann. «Das ist ein Pferd!»

Julia schaute überrascht auf das Gekrakel und versuchte angestrengt, dort ein Tier zu entdecken. «Oh ja, jetzt erkenne ich es auch», log sie, um ihm Mut zu machen.

Der Mann grinste. «Entschuldigung, das war ein blöder Witz. Natürlich ist es abstrakt – wer kriegt schon ein Pferd gut hin?»

Julia lachte und ging rein.

Als Nächstes erschien Postbotin Nina in der Tür, sie sog den Duft aus dem Backofen tief ein. «Liebe Julia, du könntest mich auf der Stelle zu einem glücklichen Menschen machen.»

«Gerne – was kann ich dafür tun?»

«Mir das allererste Stück von dem warmen Apfelkuchen geben.»

«Bekommst du! Dazu einen Latte macchiato?»

«Nee, die Süße konkurriert zu sehr mit dem Kuchen. Lieber einen pechschwarzen Crema ohne alles.»

«Gerne, aber fünf Minuten dauert es noch.» Für Julia hörte sich jede Bestellung in ihrem Café an wie Musik, sie liebte es, die Gäste zu verwöhnen. «Willst du den Crema vorweg?», fragte sie.

«Lieber dazu.»

«Den Kuchen mit Sahne?»

«Nee, pur.»

Briefe und Päckchen würden ihre Empfänger heute etwas später erreichen: Für ihren Lieblingskuchen ließ die Postbotin ihre Kunden glatt warten, was ein großes Kompliment an Julia und ihr kleines Friesencafé war.

Julia ging an die italienische Kaffeemaschine, um den Crema vorzubereiten. Schon der Kauf dieses Geräts hatte einen Heidenspaß gemacht. Die Namen der italienischen Maschinen klangen wie Opern: Brevetto Italiano, La Marzocco, La Orchestrale, La Pavoni. Die Deutschen hingegen nannten ihre Maschinen schnöde «Kaffeevollautomat» und hängten einfach ein paar Zahlen an den Firmennamen.

Bei ihr war es schließlich La Scala geworden.

In der gekühlten gläsernen Vitrine neben dem Tresen standen weitere selbst gebackene Torten und Kuchen. Julia liebte die ehemalige Scheune unter den starken Dachbalken, seit sie hier zum ersten Mal vorbeigekommen war. Die Bodendielen und die unverputzten roten Backsteinwände waren jahrhundertealt. Kaum zu glauben, dass hier früher mal Rinder gestanden hatten und Heu gelagert worden war. Inzwischen roch es im Gastraum so, wie es ihrer Meinung nach in einem guten Café riechen sollte: nach Kuchen und kräftigen Kaffeebohnen. An den Wänden hingen ihre selbst gemalten Bilder: Lichtstimmungen in der Marsch, das Meer bei Sonnenschein und Regen, der Tanz eines kleinen Mädchens in der Wyker Kurmuschel, Kitesurfer, die hoch in den Himmel flogen. Alles an diesem Ort hatte einen persönlichen Bezug, bis hin zu den alten Tischen und Caféstühlen, die ihre Oma vor Jahrzehnten in Paris ersteigert hatte. Manchmal stellte sich Julia vor, wer alles darauf gesessen haben könnte. Romy Schneider? Édith Piaf?

Sie ließ den Crema aus La Scala in die große Kaffeetasse mit dem friesisch-blauen Muster fließen und stellte sie auf ein hölzernes Tablett. Dann zog sie den dampfenden Apfelkuchen aus dem Ofen, schnitt vorsichtig ein Stück ab und brachte alles zusammen in den Garten. Nina saß auf der hölzernen Bank vor der rot geklinkerten Hauswand.

Genau dort hatte Julia bei der Eröffnungsfeier des Cafés die Hand von Finn-Ole gehalten, in den sie sehr verliebt war. Genau wie er in sie. Jedenfalls hatte es so ausgesehen.

Trotzdem hatte sie es vermasselt, und zwar so was von! Das ließ sich nicht wiedergutmachen, da war sie sicher. Ganz offensichtlich hatte sie in Beziehungsdingen eine Vollmacke.

Zum Glück hatte sie gerade alle Hände voll zu tun. Um die bösen Geister zu vertreiben, summte sie eine fröhliche Melodie vor sich hin. Nina konnte es kaum abwarten, den warmen Kuchen zu probieren. Mit dem dezenten Duft der Kräuter und Blumen bekam er eine ganz besondere Note.

Das ältere Pärchen an der Staffelei winkte Julia zu sich. «Bitte für uns auch zwei Stücke, wenn es geht, mit viel Sahne!»

In dem Moment wachte Klaas auf seiner Liege auf. Seine Haare waren verwuschelt. Der Mittvierziger führte Touristen durchs Watt auf die Nachbarinsel Amrum, dabei trug er immer seine altmodische weiße Schirmmütze, wie ein Kapitän. Wenn es mit der Tide passte, setzte er seine Gruppen drüben ab und wanderte allein zurück. Nach seiner Ankunft auf Föhr war es für ihn zur festen Gewohnheit geworden, im kleinen Friesencafé vorbeizuschauen.

«Moin miteinand», murmelte er. Diesen Willkommensgruß benutzte wohl nur ein Mensch auf dieser Welt: Klaas hatte eine Zeit lang als Kellner im bayrischen Wallfahrtsort Oberammergau gelebt, das war das sprachliche Überbleibsel davon.

«Ich bin vom Kuchenduft wach worden», murmelte er schlaftrunken und lächelte. «Passte perfekt zu meinem Traum.»

«Worum ging es?», erkundigte sich Julia.

«Habe ich leider schon vergessen, aber es war fantastisch.»

«Auch ein Stück?», bot Julia ihm an.

Er lächelte breit. «Zwei, bitte!»

«Die fallen aber groß aus.»

«Deswegen ja zwei.»

In dem Moment hob Urs den Blick von seinem Laptop. «Was ist das für ein herrlicher Chueche?», fragte er mit sympathischem Schweizer Akzent. In letzter Zeit besuchten immer mehr Schweizer die Insel Föhr und bewunderten die hiesige «Berglosigkeit». Mehr Kontrast zu den Alpen war kaum vorstellbar.

«Apfel», sagte Julia.

«Ah, jetzt rieche ich es auch.»

«Willst du ein Stück?»

Sie duzte alle Gäste, auf Föhr war das so üblich. Zumal viele aus Dänemark kamen: Dort war das «Sie» schon lange abgeschafft worden, allein die Königin wurde gesiezt.

«Wie viele von den Chueche hast du?», erkundigte sich Urs.

«Nur einen, aber der wird gerade schnell kleiner.»

«Ich will alle Stücke haben.»

«Wie meinst du das?»

«Die schicke ich per Kurier zu meiner Tante nach Zürich. Kannst du sie in ein Paket packen?»

Wattführer Klaas sprang von seiner Liege auf. «Moment!», protestierte er. «Das geht nicht.»

«Wieso nicht?», fragte Urs. «Ich bezahle ihn ja auch.»

«Julia, ich möchte doch lieber drei Stück haben», sagte Klaas schnell.

«Drei Stück?», wiederholte Urs.

Klaas rieb sich lächelnd den Bauch. «Was meinst du, warum ich so dick bin?»

Julia musste herzlich lachen und klopfte ihm auf die Schulter.

Das ältere Pärchen an der Staffelei protestierte ebenfalls. «Wir hatten auch bestellt.»

Für die Züricher Tante von Urs blieb nach Abzug aller Bestellungen am Ende gerade mal ein Stück übrig.

«Und wenn ich das Dreifache zahle?», flüsterte er und schaute Julia siegessicher in die Augen.

«Das wäre kein gutes Geschäft für mich.»

«Dann das Fünffache!»

Julia schüttelte den Kopf. «Wäre immer noch schlecht.»

«Wie das?»

«Wenn ich meine Gäste derart enttäusche, kommen sie nie wieder.»

Urs zuckte mit den Achseln, setzte sich wieder an seinen Laptop und starrte nachdenklich auf zwei Austernfischer, die sich auf dem Dachfirst des Hauses niedergelassen hatten.

Schließlich versorgte Julia all ihre Gäste mit dem warmen Apfelkuchen. Sie blickte sich um. Den strahlenden Augen nach zu urteilen, ging es ihnen damit hervorragend.

Nachdem er aufgegessen hatte, erhob sich Klaas von seiner Liege und stellte sich mitten auf den Rasen. Er setzte seine Schirmmütze auf, klatschte in die Hände und rief: «Ich bitte um eure hochgeschätzte Aufmerksamkeit!»

Alle starrten ihn erstaunt an: Was kam nun?

Klaas ließ den Blick über die Gäste kreisen, breitete die Arme aus und stimmte mit zart schmelzender Tenorstimme ein altes norddeutsches Liebeslied an, dabei zelebrierte er jeden Ton wie eine italienische Arie: «Dat du min Leevsten büst, dat du wol weeßt …»

Einige Gäste sangen den Refrain leise mit: «… Kumm bi de Nacht, kumm bi de Nacht …»

Großmutter Pippi Langstrumpf wachte auf und stieg sofort mit ein. Julias Blick schweifte zum Himmel über dem kleinen Friesencafé.

Obwohl alles perfekt war, stand dort immer noch die kleine weiße Wolke.

2

Am nächsten Tag sah die Welt komplett anders aus. Als Julia morgens in Slip und T-Shirt in den Gastraum tapste, um sich einen Kaffee zu machen, prasselten Regentropfen gegen die Scheiben des Cafés. Vom Reetdach stürzten reißende Bäche herunter, die Welt verschwamm im Unklaren. Julia konnte vage erkennen, wie Liegen und Stühle im Garten hin und her flogen, sie hatte vergessen, sie am Abend zuvor reinzubringen. Ein echter Anfängerfehler. Barfuß, wie sie war, rannte sie hinaus.

Ihr zweiter Fehler war gewesen, bei dem Wetter «mal eben» ohne Jacke rauszugehen. Nach wenigen Sekunden war sie nass bis auf die Haut. Als sie alles im Schuppen verstaut hatte, war ihr so kalt, dass ihre Zähne klapperten.

Zum Glück befand sich ihre Dreizimmerwohnung direkt neben dem Café. Sie eilte ins Badezimmer, pulte sich aus der Kleidung, die an ihrem Körper klebte, und sprang unter die Dusche. Die heißen Wasserstrahlen fühlten sich an wie Nadelstiche, dann wurde ihr angenehm warm, sodass sie gar nicht mehr wegwollte. Auf vieles in der Zivilisation hätte sie verzichten können, aber auf eine warme Dusche: äußerst ungern.

Nachdem sie sich mit einem Frotteehandtuch trocken gerubbelt hatte, fühlte sie sich wie ein neuer Mensch. Sie huschte ins Schlafzimmer, um sich frische Sachen anzuziehen. Im Raum duftete es angenehm nach Sandelholz. Ihre Kleidung lag in einem alten japanischen Schrank, den Hark ihr überlassen hatte. Julia liebte die kunstvollen Intarsienarbeiten in den Türen, das Möbelstück hatte ganz andere Maße als die europäischen und war aus Eibenholz gearbeitet. Ihre Ikea-Möbel hatte Julia, als sie von Gelsenkirchen hierhergezogen war, an Freunde und Bekannte verschenkt. Nur das geliebte breite Bett hatte sie mit auf die Insel genommen, durch nichts konnte es ersetzt werden. Seit sie auf der Insel lebte, schlief sie so tief wie nie zuvor, was mit Sicherheit am typischen Reizklima an der Nordsee lag. Nicht umsonst kamen viele Menschen nach Föhr, um sich von der Meeresluft heilen zu lassen.

Sie blickte durch die Sprossenfenster in den Garten. Draußen tobte sich der Sturm weiter aus, es regnete immer noch senkrecht und waagerecht. Sie zog einen dunkelgrünen Wollpullover an, den ihre Oma vor Jahren für sie gestrickt hatte. Dazu kamen ihre enge Lieblingsjeans und leichte Sandalen.

Sie ging zurück in den leeren Gastraum. Ihre Haare waren immer noch nass, aber das störte sie nicht, sie würde heute drinnen bleiben. Das Licht über dem On-Knopf der Kaffeemaschine leuchtete grün, in der Vitrine warteten schmackhafte Kuchen und Torten auf die Gäste. Ob bei diesem Schietwetter überhaupt jemand kam?

Sie ließ melancholische Fado-Musik aus Portugal über die Boxen laufen, ganz leise, den Regen wollte sie auch noch hören. Dann bereitete sie sich an der Scala einen Milchkaffee zu. Gegenüber dem Tresen hingen die bunten Gemälde, die sie von den Föhrer Lieblingsorten ihrer Mutter gemalt hatte. Sie zeigten die Farben der Insel, Meeresblau traf auf sattes Wiesengrün. Aus ihrem Blumengeschäft in Gelsenkirchen hatte Julia unzählige Blumen mit hierher genommen. Vor der Stirnwand neben der Gemäldegalerie stand ein hüfthoher Altar mit mehreren Stufen. Hier wuchsen Flamingoblumen, deren knallrote Hochblätter wie Blüten aussahen, Einblatt mit grünem Blätterwerk und weißer Hochblüte sowie das flammende Käthchen. Dazu kamen Bromelien, ein paar Orchideen und in einer Ecke Seychellenbambus, der ungefähr einen Meter hoch wurde.

Durch die bunten Blüten und die freundlichen Bilder herrschte im Gastraum immer Sommer.

Normalerweise konnte Julia Regenwetter durchaus etwas abgewinnen: im Trockenen sitzen, ein heißes Getränk schlürfen und dem Treiben draußen zusehen oder mit einem guten Buch auf der Couch unter einer warmen Wolldecke – mehr Gemütlichkeit gab es für sie auf dieser Welt nicht. Als Cafébesitzerin sah sie das nun etwas anders.

Die Saison ging langsam zu Ende, das war deutlich zu spüren. Natürlich kam das im September nicht unerwartet. Aber ihr kleines Friesencafé tatsächlich leer zu erleben, bereitete ihr Sorgen. So würde es im Winter bestimmt häufig werden, wenn kaum Feriengäste auf Föhr waren.

Sie hatte sich kopfüber in die Verwirklichung ihres Traumes gestürzt, ohne das Geschäftliche bis ins Letzte durchkalkuliert zu haben. Im kleinen Friesencafé steckten ihre gesamten Ersparnisse, die gerade für die Erstausstattung gereicht hatten. Weitere Reserven besaß sie nicht. Wenn sie Pech hatte, überlebte das Café nicht einmal bis Weihnachten. Klar, ihre Oma würde sie im Zweifelsfall nicht hängen lassen, aber das kleine Friesencafé musste sich selbst tragen, sonst hatte es keinen Zweck. Ihr musste dringend etwas einfallen.

Immerhin hatte sie eine Anfrage von Enno erhalten, einem Kellner aus Wyk. Er wollte hier bald einen Tanzkurs geben, jeden Mittwochabend, das würde ihr regelmäßig eine kleine Miete einbringen. Was sie weiterhin über die dunkle Zeit retten konnte, waren Feste der Feuerwehr, der Adventskaffee der Landfrauen und des Lions Clubs und was es sonst noch auf der Insel gab. Doch da durfte sie sich nichts vormachen, die Claims hier waren fest abgesteckt: Allein in Oldsum gab es zwei weitere Cafés, denen sie nicht einfach die Kundschaft wegschnappen durfte. Gegen private Feste wie Geburtstage und Jubiläen konnte allerdings niemand etwas haben. Also war das jetzt die Aufgabe: Sie musste überall streuen, dass man bei ihr großartig feiern konnte. Ihr kleines Friesencafé gab es ja noch nicht so lange, das wäre für einige bestimmt mal etwas anderes.

Und wenn trotzdem niemand kam?

Mensch, reiß dich zusammen, so pessimistisch bist du doch sonst nicht, murmelte sie und nahm einen großen Schluck Milchkaffee, der sich warm in ihrem Bauch ausbreitete. Aber woher sollte sie auch den Mut nehmen, wenn es in Strömen pladderte und bis Mittag kein einziger Gast auftauchte?

Draußen hüpften die Tropfen auf der Sitzfläche der Gartenbank auf und ab. Am liebsten hätte sie das Möbel auf der Stelle zersägt und zum Sperrmüll gebracht. Was eine schlechte Idee gewesen wäre, war dieser Platz bei ihren Cafégästen doch äußerst beliebt. Außerdem hätte es nichts geändert.

Sie alleine war schuld gewesen. Wieso hatte sie ausgerechnet den Mann vertrieben, nach dem sie sich am meisten sehnte? Nach der Eröffnungsparty hatte sie mit ihm auf genau dieser Bank im Garten gesessen, ihre Hände hatten sich das erste Mal vorsichtig berührt. Ihre Liebe war auf einem guten, hoffnungsvollen Weg gewesen. Und was machte sie? Sprang auf, stürmte ohne eine Erklärung in die Küche, um dort wie eine Irre Geschirr in die Maschine zu räumen! Sie hatte ihn einfach sitzen gelassen. Als sie eine halbe Stunde später zurück zur Bank kam, war er natürlich weg. Wen wunderte es? Was war bloß in sie gefahren? Er musste denken, dass sie vor ihm geflohen war. Oder dass sie nicht ganz dicht war.

Inzwischen hatte sie genug darüber nachgegrübelt, um zu wissen, dass der Eklat mit Finn-Ole nichts mit ihrem Ex-Freund Rafael zu tun hatte. Ja, der hatte sie betrogen, und das war schlimm gewesen. Aber es war lange her, und dass das Leben weiterging, war nicht nur ein Kalenderspruch. Rafael war ein Hallodri gewesen, der sich nicht binden konnte, das hatte sie gekränkt, zumal sie es wirklich früher hätte merken können. Aber letztlich war sie mit ihm einmal falsch abgebogen, darüber war sie inzwischen hinweg.

Viel schlimmer war die große Angst, die tief in ihr steckte: Sie hatte ganz grundsätzlich Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen. Ob das am frühen Tod ihrer Mutter lag? Da war sie noch ein Kleinkind gewesen, zwei Jahre alt. Dass Mamita nicht mehr da war, hatte sie bestimmt gespürt. Aber durfte man damit alles erklären?

Sie seufzte und stellte ihren leeren Kaffeebecher in die Spüle. Klar war: Zu viel alleine herumsitzen war nicht förderlich, um Probleme zu lösen.

 

Gegen Mittag tauchte dann doch jemand auf und erlöste sie von ihren trüben Gedanken: Urs. Der Schweizer betrat barfuß das Café, seine Leinenschuhe hielt er in den Händen, Jacke und Jeans waren patschnass. Julia fiel mal wieder auf, wie groß er war. Er stellte sich zu ihr an den Tresen.

«Soll ich dir einen Föhn bringen?», fragte sie.

«Merci vielmals, ein Handtuch genügt.»

Sie fischte ein frisches orangefarbenes Geschirrhandtuch hervor und reichte es ihm. Er rubbelte sich damit seine lockigen Haare trocken.

«Und, wie hat der Kuchen deiner Tante geschmeckt?» Das Stück Apfelkuchen hatte er tatsächlich gestern per Luftkurier in die Schweiz geschickt.

«Sie hat ihn nicht gegessen», gab er mit traurigem Blick zu.

«Wieso nicht?»

Er sah sie entschuldigend an. «Es lag an Felicitas.»

«Wer ist Felicitas?»

«Ihr Cockerspaniel. Felicitas hat den Apfelkuchen vom Tisch weggefressen, als Tantchen nicht aufgepasst hat.»

Womit immerhin bewiesen war, dass ihr Rezept auch als Hundekuchen funktionierte.

Urs deutete auf die Wand mit den Gemälden, die von kleinen Strahlern in Szene gesetzt wurden.

«Habe ich dir schon einmal gesagt, dass ich deine Bilder famos finde?»

Famos? Diese Vokabel kannte sie nur von ihrer Oma.

«Danke.»

«Du hast ein tolles Gefühl für das Licht hier im Norden.»

«Ja, das ist aber auch sehr besonders.»

«Ich würde es gerne mit in die Schweiz nehmen.»

Sie lachte. «Soll ich das Licht für dich einpacken?»

«Ja, bitte», sagte er. «Und zwar sowohl die obere als auch die untere Reihe.»

Julia hielt das zunächst für einen Witz, bis er sie ernst ansah und fragte: «Was willst du dafür haben?»

«Was? – Äh, keine Ahnung», stammelte sie.

«Zehntausend für alle?»

«Zehntausend?» Das war eine unglaubliche Summe!

Er wiegte den Kopf hin und her. «Okay, fünfzehn.»

«Äh …»

«Ich muss sie haben!»

Erst jetzt fand Julia wieder zu sich. «Tut mir leid, die Bilder sind unverkäuflich.»

Er lächelte. «Das ist immer eine Frage des Preises, oder? – Dreißig!»

Urs schien ziemlich viel Geld zu besitzen. Abgesehen davon waren ihre Bilder das ganz bestimmt nicht wert. Sie war keine berühmte Künstlerin, sondern gelernte Floristin mit Meisterbrief, die nebenbei malte.

Urs hatte sich in Oldsum ein edles Reetdachhaus mit einem kleinen Schwimmbad und Whirlpool gemietet, weil seine Villa am Zürichsee gerade von Grund auf renoviert wurde.

Aber Julia zweifelte nicht einen Augenblick. Die Geschichte der Bilder, die hier hingen, war komplizierter. Sie zeigten Orte auf Föhr, die ihre Mutter, als sie noch lebte, aufgesucht hatte. Indem Julia sie nachgemalt hatte, hatte sie auf eine Art zu ihrer Mutter zurückgefunden. Dieses Gefühl würde sie nie wieder hergeben, für kein Geld der Welt. Aber das ging ihn nichts an.

«Tut mir leid.»

«Holla, die Waldfee, du weißt, wie man verhandelt, Julia.» Er lächelte begeistert. «Willst du nicht in meine Firma einsteigen? Jemand wie dich können wir im Verkauf bestens gebrauchen.»

«Im Ernst?»

«Aber ja!»

Für einen kurzen Moment sah Julia sich als Geschäftsfrau an einem Verhandlungstisch – absurd!

«Auf keinen Fall, das geht leider nicht», sagte sie bestimmt. «Ohne meine Bilder wäre das kleine Friesencafé ein anderer Ort.»

Urs überlegte einen Moment. «Das verstehe ich sogar. Du bist hier mit deinem Café verwurzelt, deswegen komme ich auch so gerne. Aber könntest du nicht einfach alles noch einmal malen?»

Julia schüttelte den Kopf. «Wenn ich die Bilder kopiere, werden sie nicht genauso.»

Dabei war die Versuchung für sie viel größer, als sie ihm zeigte. Das Geld von Urs würde sie locker über den Winter bringen. Wurden Kopien wirklich schlechter als die Originale? Sie konnte es wenigstens probieren, oder? Was sagte ihr Gefühl? Das klopfte ihr für ihre Hartnäckigkeit anerkennend auf die Schulter, während ihr Verstand fassungslos den Kopf schüttelte: «Wie kannst du nur so blöd sein?»

Auf was sollte sie hören?

«Tut mir leid, das kann ich nicht», flüsterte sie.

«Ist das wirklich dein letztes Wort?»

«Leider ja.»

Urs überlegte einen Moment. «Dann nehme ich ein Stück Friesentorte und einen doppelten Espresso.»

«Geht aufs Haus», sagte Julia.

«Ich komme wieder», versprach Urs. «Wir reden weiter, wenn du es bereut hast.»

«Jederzeit gerne.» Sie brachte ihm das Stück Torte und bereitete den Espresso zu. Falls sie pleiteging, weil sie sich für ihr Gefühl entschieden hatte – würde sie sich das je verzeihen?

Blieb ein Traum vielleicht einfach nur ein Traum?

 

Als Urs sich verabschiedet hatte, schnappte sich Julia einen der Pariser Stühle und setzte sich an ihre Staffelei, wo ein Gemälde vom Garten ihres Cafés in Arbeit war. Käme das kleine Friesencafé nicht über den Winter, würde sie die Insel wohl verlassen müssen. Sie betrachtete die Blumen und Kräuter, die sie bereits auf die Leinwand getupft hatte. Jeder noch so kleine Punkt auf dem Bild war ihr vertraut. Ihr Herz schlug höher. Sie liebte es, wenn ein Gemälde Gestalt annahm, aus einer Idee in ihrem Kopf ein Abbild der Wirklichkeit wurde.

Als es an der Tür klopfte, schrak sie hoch.

«Ist offen!», rief sie.

«Moin!»

Ein Paar trat ein, beide von oben bis unten in Wetterkleidung, wie sie Fischer trugen: dunkelblaue Kunststofflatzhose und Jacke mit Kapuze, an der einige Rinnsale zu Boden liefen. Ihre Gesichter waren unter den langen Schals nicht zu erkennen. Anscheinend waren sie trotz des Sturms mit dem Rad gekommen – Respekt! Zwei Gäste waren besser als kein Gast, dachte Julia.

Andererseits würden zwei Gäste sie auch nicht retten. Doch da sollte sie sich täuschen.

3

Erst als sie sich ihrer Regenkleidung entledigt hatten, erkannte Julia Esther, die im Alkersumer Kunstmuseum an der Kasse arbeitete, und Roland, deren breitschultrigen Mann. Er trug wie so oft ein schwarzes T-Shirt mit Harley-Davidson-Aufschrift, der dichte Vollbart war sein Markenzeichen. Er führte einen Klempnerbetrieb mit einem Dutzend Angestellten, seine Dienste waren auf der Insel hoch gefragt. Unter anderem hatte er die gesamte Rohrinstallation im Friesencafé und in Julias und Harks Wohnung gelegt.

«Willkommen, nehmt Platz! Was möchtet ihr trinken?»

«Auf jeden Fall was Warmes», meinte Esther, «vielleicht Kakao mit Rum, wenn ihr habt.»

«Aber klar doch.» Sie blickte Roland an. «Für dich auch einen?»

«Nee, für mich bitte einen Manhattan.»

Das war das Nationalgetränk der Insel, das Auswanderer von New York nach Föhr zurückgebracht hatten und das in jedem Haushalt auf der Insel vorrätig war. Während sie die Getränke vorbereitete, sprachen ihre Gäste kein Wort. Sie spielten auch nicht mit ihren Handys, sondern starrten stoisch aneinander vorbei ins Leere.

«Bitte schön», sie stellte die Getränke auf den Tisch, «Sünjhaid.»

«Föl thoonk.»

Roland nahm einen großen Schluck. «Das tut gut.»

Esther nickte. Nach einer Pause sagte sie: «Sag mal, Julia, könnten wir das kleine Friesencafé eventuell für unsere Silberhochzeit mieten?»

Julia blickte sie erstaunt an. Hatte sie richtig gehört? Silberhochzeit? Ein Schauder lief ihr den Rücken herunter. In diesem Moment bekam sie wieder das Gefühl, dass das kleine Friesencafé das war, für das sie es immer gehalten hatte: ein Glücksort!