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Die Evangelische Dorfkirche in Glienicke/Nordbahn wurde 1865 erbaut. Architekt Georg Gustav Erbkam schuf ein architektonisches Kleinod von schlichter Eleganz, das er als »Prototyp« für andere Kirchen in den brandenburgischen Dörfern verstanden wissen wollte. Das Buch erläutert das Gebnäude mit seiner Innenausstattung und geht den Veränderungen nach, denen es im Laufe seiner Geschichte unterworfen war.
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Seitenzahl: 97
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Herausgegeben vom Gemeindekirchenrat der Evangelischen Kirchengemeinde Glienicke / Nordbahn
Abbildungsverzeichnis
Zum Geleit
Vorwort
1 Eine einfache Fachwerkkirche
2 Das Kirchenpatronat
3 Achaz von Veltheim und die Grundsteinlegung 1864
4 Die neuerbaute Glienicker Kirche
5 Georg Gustav Erbkam
6 »Nun danket alle Gott«
7 Eine Glocke »zieht ins Feld«
8 Der Friedhof wird verlegt
9 Ein Instrument mit »typisch orgelmäßigem« Klang
10 Die erste Renovierung
11 Ein altes Foto, Kirchenfenster und ein Bombenangriff
12 Alles auf Anfang
13 Eberhard Tacke
14 Neue Glocken für die Kirche
15 »Die Tore stehen offen«
16 Eingerüstet (Teil 1: außen
)
17 Eingerüstet (Teil 2: innen
)
18 Als unsere Orgel plötzlich weg war
Ein jegliches hat seine Zeit…
Anhang
Die Glocken der Glienicker Kirchen
Quellen
Namenindex
Bildnachweis
1.1 Die Fachwerkkirche von 1705
1.2 Der »Sandkrug« in den 1930er Jahren
2.1 Herrenhaus Stolpe
2.2 Dorfkirche Stolpe
3.1 Gedenktafel für Achaz von Veltheim
3.2 Liederblatt zur Grundsteinlegung
3.3 Achaz von Veltheim / Gedenkstein
3.4 Das Veltheimsche »Schloss« in Schönfließ
4.1 Die Kirche von außen (Aufnahme ca. 1900)
4.2 Georg Erbkam / Die Schall-Luken im Kirchturm
4.3 Das Christus-Medallion
4.4 Die Kirche von innen (Aufnahme ca. 1900)
4.5 Der Deckel des Taufbeckens
4.6 Der Altarraum im Originalzustand
4.7 Kirche und Postagentur (Aufnahme ca. 1910)
4.8 Fial-Turm
5.1 Gruß aus Glienicke
6.1 Kirche und Dorfstraße (Aufnahme nach 1911)
7.1 Bekanntmachung vom 1.März 1917
8.1 Winterbild der Kirche (Aufnahme vor 1930)
8.2 Sommerbild der Kirche (Aufnahme vor 1930)
8.3 Der Altarraum 1936
9.1 Der Spieltisch der Glienicker Orgel
9.2 Die neueingebaute Orgel 1933
10.1 Die Kirche 1941 von von Westen her gesehen
10.2 Die Kirche 1941 von Osten her gesehen
10.3 Die Gestaltung der Decke 1937
11.1 Das Köstersche Haus
11.2 Das Köstersche Grundstück 1953
12.1 Der Innenraum der Kirche ca. 1960
13.1 Eberhard Tacke
13.2 Das Altarbild von Eberhard Tacke
14.1 Die Glocken im Kirchturm
14.2 Die Kirche ca. 1960
15.1 Der Innenraum in der Fassung von 1990 (Apsis)
15.2 Der Innenraum in der Fassung von 1990 (Empore)
16.1 Ersatz von Formsteinen an einer Uhreneinfassung
16.2 Ersatz von Ziegeln und Formsteinen am Turmdach
16.3 Die Kirche nach Abschluss der Außensanierung 2009
16.4 Die Kirche im Sommer 2010
17.1 Probefassung für den Anstrich des Bogens zur Apsis
17.2 Der eingerüstete Innenraum 2013
17.3 Der Innenraum der Kirche 2014
18.1 Aufbau des neuen Spieltisches der Orgel
18.2 Schnitt durch die Orgelempore
18.3 Blick ins Hauptwerk der Orgel
18.4 Die Orgel nach dem Umbau 2014
18.5 Die Kirche nach Abschluss der Sanierungen 2014
»… Der Thurm aber bedarf einer reparation gar sehr, indem alles davon wancket und sich beweget wenn geläutet wird …«
»… Nachdem dieses Kirchlein, das 159 Jahre lang vielen Generationen als Gotteshaus gedient hatte, so baufällig geworden war, daß schon die Spatzen durch klaffende Lehmrisse raus- und reinflogen, Kerzen bei aufgebahrten Toten umrissen oder löschten und dadurch bei Totenwachen und Nachtwächtern Gruselszenen hervorriefen, wurde sie nach jahrelanger Klage abgerissen.«
Diese zwei alten aus unterschiedlichen Zeiträumen stammenden Notizen galten der 1705 erbauten ersten Glienicker Kirche, als sie sich offensichtlich schon in einem sehr beklagenswerten Zustand befand. Aus heutiger Sicht lassen diese Formulierungen einen eher schmunzeln als dass sie dramatisch klingen. Der damit 1864 ausgelöste Abrisstermin des Kirchleins gestattet es heute, den 150. Geburtstag unseres jetzigen Gotteshauses zu feiern.
Der zu betrachtende Zeitabschnitt von 150 Jahren hinterließ viele Hochs und Tiefs in der Historie, Gesellschaftsordnungen kamen und mussten gehen, Herrscher stiegen auf und fielen, aber die christlichen Werte hatten wohl ihren Bestand, trotzdem immer wieder versucht wurde, gegen sie anzugehen. Eine solche Periode war zum Beispiel das NS-System, dem sich die Bekennenden Christen widersetzten. Gleiches galt für die Zeit der sowjetischen Besatzungszone und die DDR-Epoche, wo der systemimmanente Atheismus von 1945 bis 1989 immer wieder versuchte, mit vielen Repressionen gegen Christen und kirchliches Leben vorzugehen.
In diesem Zusammenhang wollen wir Pfarrer Hermann Andrae (1911–1999) nicht vergessen, schon weil er die bisher längste Amtszeit in Glienickes Kirchengeschichte von 1946 bis 1981 innehatte. Von der Kanzel herab kritisierte er mit Mut und Aufrichtigkeit die vielen negativen Aspekte in dieser Epoche. Stasi-Spione saßen so manches Mal in Glienickes Kirche und verfassten ihre Berichte. In den Annalen der DDR-Orts-Chronik kamen nach dem Mauerfall solche Schriftstücke ans enthüllende Tageslicht.
Ab September 1989 regte sich in Glienicke öffentlich Widerstand gegen das DDR-System, der oft unter dem Schutz des Dachs der Kirche auch in unserem Heimatort als Konziliarer Gesprächskreis seinen Ausgang nahm. Nach dem Fall der Mauer konnte sich nach Jahrzehnten nun endlich wieder ein freies Kirchenleben entwickeln.
Die Innen- und Außensanierung des Kirchengebäudes in den letzten Jahren verbunden mit dem Umbau der Schuke-Orgel und äußerlicher Überarbeitung des Altars waren von maßgebender und zukunftsweiter Bedeutung. Die finanzierenden Aktionen »Stein für Stein« und »Ein Stern für unsere Dorfkirche« veranlassten viele Glienicker zu Spenden, und nicht zu vergessen die liebevolle sowie ausdauernde Aktivität vom »Orgel-Café«. Zusammen mit den maßgebenden Geldbeträgen offizieller Institutionen konnte das anfangs schwer vorstellbare Werk insgesamt gelingen … Gott sei Dank! War es nicht wie das Manna, was vom Himmel fiel (Altes Testament, 2. Buch Moses, Exodus, 16)⁈ Ein ganz herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!
Die nun vorliegende repräsentative Schrift zur Baugeschichte der Kirche ist in ihrer Qualität die bisher umfassendste Ausarbeitung zur Glienicker Kirchengeschichte. Sie wird damit integrierter Bestandteil der Orts-Chronik und hat darüber hinaus ihre Bedeutung auch für die Kirchenhistorie der Region. Seien diesem Werk viele Leserinnen und Leser gewünscht!
Mit dem Abschlussall’ dieser Maßnahmen konnte wohl der Geburtstagstisch unserer Kirche zu ihrem 150. Geburtstag für die Festwoche vom 10. bis 17. Mai 2015 nicht besser gedeckt werden!
Glienicke/Nordbahn, im April 2015
Joachim KullmannOrts-Chronist
Dies ist die Chronik der Dorfkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Glienicke/Nordbahn, verfasst aus Anlass des 150. Jahrestages ihrer Weihe am 23. Mai 1865. Auch wenn die Entwicklung der Kirchengemeinde den Kontext dieser Bau-Chronik bildet, auf den häufig Bezug genommen wird, so ist dies keine Gemeindechronik. Der Geschichte der Kirchengemeinde wird im kommenden Jahr zu gedenken sein, wenn sich am 1. Oktober 2016 ihre Gründung als selbstständige Gemeinde zum 70. Mal jährt. Insofern erzählt diese Chronik nicht vom Wesentlichen. Sie erzählt hauptsächlich von der Hülle, nicht vom Inhalt. Aber sie erzählt von einem Erbe, das es zu bewahren gilt. Sie erzählt von dieser Aufgabe, der sich über 150 Jahre Generationen von Gemeindegliedern immer wieder neu gestellt haben.
Die Recherche für eine Chronik ist in der Regel ein andauernder und fortlaufender Prozess. Dabei sind nicht nur die Archive mitunter überbordende und fast unerschöpfliche Quellen, aus denen immer wieder unverhofft neue Dokumente auftauchen. Häufig führt auch das Erscheinen z. B. einer solchen Bau-Chronik dazu, dass bei vielen Menschen Erinnerungen und bisher nur mündlich im Freundeskreis vorgetragene Erzählungen wachgerufen werden. Auch kehren manche in Schubladen und Kisten verstaute alte Dokumente und Fotos ins Bewusstsein zurück. Ob der Chronist, die Chronistin von der Existenz solcher Schätze erfahren, ist häufig nicht eine Frage der Sorgfalt oder des guten Willens, sondern vielfach des puren Zufalls. So Sie, liebe Leserinnen und Leser, also über Ergänzungen oder Korrekturen zu dieser Broschüre verfügen, zögern Sie nicht, sich in der Kirchengemeinde zu melden. Wenn notwendig, soll es gern eine aktualisierte und verbesserte zweite Auflage geben.
Dank
Diese Chronik kann auf verschiedene Vorarbeiten zurückgreifen. Hier sind vor allem die Aufsätze zu nennen, die 1990 in einer namenlosen, kopierten Broschüre als »Kleine Kirchengeschichte von Glienicke« erschienen. Dank und Anerkennung gelten daher den Autorinnen und Autoren der damals recherchierten und erarbeiteten Beiträge: Pfr. Hermann Andrae, Jürgen Haustein, Maria Kubath, Heinz Ney und Willi Sauer. Für zahlreiche Hinweise und Anmerkungen danke ich Sonnhild Müller und Birgit Reukauf. Außerdem waren mir die Arbeiten und die persönliche Unterstützung des Orts-Chronisten Joachim Kullmann eine wertvolle Hilfe. Alexander Ergang stellte einen Beitrag über den Orgelumbau zur Verfügung, Burghard Rübcke v. Veltheim erlaubte der Gemeinde die weitere Verwendung seines Redemanuskripts. Last not least sei dem Gemeindekirchenrat für die Herausgabe dieses Buches gedankt.
Glienicke/Nordbahn, Ostern 2015
Claus P. Wagener
Die erste Gliernicker Kirche 1705–1864
Länger als die 150 Jahre, länger, als es unsere heutige Kirche gibt, stand am gleichen Ort ihr Vorgängerbau: 159 Jahre lud eine einfache Fachwerkkirche zum Gottesdienst.
Bis zum Bau dieser Kirche hatte das kleine Dörfchen Glienicke eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Mehrmals lag es wüst und verlassen, aber auch sonst viel zu klein und zu arm, um eine eigene Kirchezu rechtfertigen oder gar einen Pfarrer ernähren zu können. So zog die Einwohnerschaft jeden Sonntag über die Sandberge und durch die Heidelandschaft am Vorwerk Zerndorf vorbei (der heutige Zerndorfer Weg in Frohnau 1) nach Stolpe, zu dessen Gut und Kirche Glienicke gehörte.
Der Dreißigjährige Krieg 1618–1648 hinterließ ein weitgehend verwüstetes Land: Auch im Barnim wurden aufgrund der stark dezimierten Bevölkerung viele Orte und Felder aufgegeben. Das Dorf Glienicke lag »gantz wueste«, wie der Chronist Landreuther noch 1652 vermerkte. Doch in der Folgezeit gelang hier der Wiederaufbau, der Ort blühte auf, und diesmal war es von Dauer. Grund war eine Pferdewechselstsation. Das Gut Stolpe, zu dem auch Glienicke gehörte, war in den Besitz des Großen Kurfürsten gekommen und der hatte es seiner Gemahlin Louise Henriette geschenkt. Die Kurfürstin legte Stolpe mit ihrem Gut Bötzow zusammen, das sie zum Schloss Oranienburg ausbaute. Aus diesem Anlass wurde ein Kutsch- und Reitweg von Berlin nach Oranienburg gebaut (die heutige B 96) und bei Glienicke eine Pferdewechselstation angelegt. Rund um den ersten Hof, dem Gasthaus »Sandkrug« (an der heutigen Ecke Hauptstraße/Oranienburger Chausee) und der Pferdetränke (dem heutigen Dorfteich) wurden Bauern als Heulieferanten für die Futterstelle angesiedelt.2
Hinter dem Gebäude des »Sandkrugs« ist in der Mitte des Bildes die Glienicker Fachwerkkirche von 1705 zu erkennen (Zeichnung von 1740).
1705, also schon knapp 60 Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, war Glienicke so weit gewachsen, dass hier eine eigene Kirche als »Predigtstätte« der Kirchengemeinde Stolpe errichtet und zu Himmelfahrt eingeweiht werden konnte. Die Bewohnerinnen und Bewohner Glienickes mussten sich nun nicht mehr zur Stolper Kirche bemühen, sondern der Pfarrer kam fortan von dort zu den Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen herübergeritten.
Der »Sandkrug« – die »Keimzelle« Glienickes – in den 1930er Jahren.
Der Unterhalt für die neue Kirche wurde aus mehreren Quellen finanziert: Die Glienicker Bauern hatten eine Abgabe, den »Kirchenzehnten« zu entrichten, auch gab es nun kirchliche Äcker und Wälder, die an die Bauern verpachtet wurden und schließlich waren für die Amtshandlungen Gebühren zu entrichten.
Die Kirche bestand aus einem einfachen Fachwerkbau mit einem Ziegeldach. Die Gewerke (»Felder«) des Fachwerks waren mit Lehm ausgefüllt. Die Größe betrug etwa 7,5 x 12 Meter. Die Grundstruktur war die gleiche wie heute: Der Turm mit dem Eingang befand sich auf der Westseite, ihm gegenüber, im Osten (oder: Richtung Jerusalem) der Altar mit der darüber auf einem Balkon angeordneten Kanzel. Links vom Altar stand die Kirchenbank für den Pfarrer, rechts die für den Küster, auf der auch die Schulkinder ihren Platz hatten. Im Kirchraum standen 15 Kirchenbänke: 8 mit 33 Plätzen für Frauen, 7 mit 25 Plätzen für Männer. An der Westseite des Kirchraumes (also vor dem Kirchturm) gab es eine Empore für die Knechte. Im Turm hingen zwei »metallene« (wahrscheinlich: eiserne) Glocken, 1745 wurden sie durch eine bronzene ersetzt. Rund um die Kirche befand sich – wie allgemein üblich – der Friedhof des kleinen Dorfes, der von einer Mauer umschlossen wurde.
