8,99 €
Er war etwa zwei Jahre alt, als er ausgesetzt wurde, angebunden an einen Laternenpfahl. Monatelang hoffte er in einem Tierheim auf ein richtiges Zuhause und fand es. Zweihundert Euro kostete das pechschwarze Glück, aber eigentlich war Paul unbezahlbar, das sollten alle schnell merken. Aus der Fundsache Paul sollte eine Glückssache werden. Der schönste Platz im Haus wurde sein Platz. Und als Paul sich eines Abends erstmals zum Schlafen auf den Rücken drehte und alle viere von sich streckte, da war er wirklich in seinem zweiten Leben angekommen – ein Leben, das noch viele Jahre dauern sollte.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2013
Elmar Schnitzer
Ein Glücksfall
namensPaul
LangenMüller
www.langen-mueller-verlag.de
© für die Originalausgabe und das eBook: 2013 LangenMüller in der F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten
Schutzumschlag: Wolfgang Heinzel
Umschlagfoto: shutterstock-images
Satz: EDV-Fotosatz Huber/Verlagsservice Pfeifer, Germering
ISBN 978-3-7844-8152-4
Für Margarita,
Maximilian, India
und Leopold,
Nicola und Burghardt,
Benjamin und Neele
Inhalt
Vorwort
1 Wiedergeburt in Freiheit
2 Mein Haus, mein Fluss, mein Wald
3 Die verhängnisvolle Macht der Vorurteile
4 Welch unfaires Spiel
5 Die Stunde der Wahrheit
6 Der Dämon aus dem Dunkel
7 Mensch, was tust du!
8 Mei, geht’s mir guat schlecht
9 Eine schicksalhafte Begegnung
10 Retter in der Not
11 Wenn sich der Hund zum Herrn aufschwingt
12 Dem Wesen auf der Spur
13 Vier Wörter für vier Pfoten
14 Ein Biss und die Folgen
15 Der Fall Paul
16 Das Unrecht bestraft sich selbst
17 Junggeselle Paul wird Mutter
18 Selbstbeherrschung macht den Genuss
19 Der Tod kommt als Erlöser
Nachwort: Was am Ende übrig bleibt
Vorwort
Das ist ein Buch über meinen Hund Paul. Er war misshandelt und ausgesetzt worden. Hoffte acht Monate im Tierheim in Hamburg auf ein Zuhause – und fand es bei uns, meiner Frau, meinem Sohn und mir.
Wir hatten einen Hund gesucht und haben einen Freund gefunden. Die Fundsache Paul ist zur Glückssache geworden, für uns alle. Bis der Krebs Paul nach über neun Jahren mit kalter Hand aus unserer Mitte riss.
Aber es ist auch ein Buch gegen Intoleranz und Vorurteile. Gegen eine Gesellschaft, die kein WIR mehr kennt, nur noch das ICH. Und für gegenseitige Achtung und gegenseitiges Verständnis. Für offene Arme und mitfühlende Herzen. Für mehr Miteinander und weniger Gegeneinander. Für mehr Achtung vor der Ethik und mehr Mut zur Moral.
Lernen wir von Paul. Lernen wir von denen, die keine Worte haben und trotzdem zu uns sprechen. Und uns zu besseren Menschen machen. Lernen wir von den Hunden.
Sie vergelten Liebe mit Liebe, aber niemals Hass mit Hass. Selbst dann nicht, wenn sie nur Schlimmes erlebt und Gutes nie erfahren haben.
Sie sind nicht böse und nicht heimtückisch, nicht habgierig und nicht neidisch. Sie sind nicht eifersüchtig und haben auch sonst keinerlei Abgründe. Trotzdem fühlen sie sich pudelwohl, vor allem im Rudel. Sie sind die bessere Gesellschaft!
1
Wiedergeburt in Freiheit
Ein Leben ohne Hund ist ein Irrtum.
Carl Zuckmayer
Lange bevor ich sie sah, hörte ich sie. Sie kläfften und heulten, bellten und jaulten. Laut, leise, schrill. Dumpf hallten ihre Stimmen durch den trüben Nachmittag. Ich hörte Zorn und Verzweiflung, Angst und Enttäuschung.
Das Leid hat viele Töne und noch mehr Gesichter.
Mit jedem Schritt, den ich den Stimmen näher kam, schwollen sie noch ein bisschen lauter an. Ich folgte dem vielstimmigen Chor am Zaun entlang in einen Hof, umstanden von weißen Baracken in einer Wiese mit kahlen Winterbäumen und Büschen.
Dann sah ich die Stimmen. Sie saßen, standen oder hockten in ihren Käfigen. Große, kleine, hübsche, weniger hübsche. Alte, junge. Rassehunde, Kampfhunde, Mischlingshunde. Trächtige Hunde. Fundhunde des Tierheimes Süderstraße in Hamburg allesamt. Strandgut missverstandener Tierliebe und Gewalt. Als Geschenke erst geliebt, dann gehasst und schließlich mit einem Strick um den Hals an der Straße oder an einem Laternenpfahl vergessen. In gefährliche Waffen verwandelt, der Verwahrlosung und dem Hunger preisgegeben. Arme Hunde.
Meine Frau, mein Sohn und ich waren gekommen, um einem dieser Hunde eine Heimat zu geben. Eine Befreiung auch für uns. Unser letzter Hund war nach siebzehn Jahren gestorben. In unserem Garten liegt er begraben, bedeckt von einem großen, ovalen grauen Stein. Seinen Name habe ich selbst eingemeißelt. »Chou-Chou«. Liebling.
Mein Sohn und ich wünschten uns einen Rottweiler. Zwei befreundete Familien, die mit ihren Kindern, Katzen und Pferden auf dem Land leben, besaßen je eine Rottweiler-Hündin. Beide lehrten uns: Rottweiler sind gutmütig und wachsam, kinderlieb und absolut verlässlich.
Meine Frau hatte dennoch Bedenken gegen einen eigenen Rottweiler. So viel Hund, das war ihr nicht geheuer. Und so viel unbekannter Hund schon gar nicht.
Erwartungsvoll schritten wir durch die schier endlosen Gassen der Hoffnungslosigkeit. Nie werde ich deren viele Gesichter vergessen, nie die Blicke, mit denen mich Dutzende Augenpaare ansahen.
Wütende, verzweifelte, fragende, drängende, hoffnungsvolle, sehnsüchtige Blicke. Obwohl das Tierheim für diese Hunde kein Gefängnis ist, sondern Zuflucht, Hort liebevoller Betreuung. Aber viel zu selten Zwischenstation für ein neues Zuhause.
Weil es zu viele Hunde gibt.
345 000 Rassehunde, vom Affenpinscher bis zum Zwergspitz, und circa 155 000 Mischlinge werden nach Angaben des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) jährlich in Deutschland verkauft. Der schwarze Markt bietet überdies ungezählt viele Welpen an.
Und weil immer mehr Menschen immer weniger Achtung vor der Kreatur haben.
Ihre Hand reicht ihnen den Futternapf, sie lassen die Leine lang oder halten sie kurz. Ein Machtgefühl, das manche berauscht, nicht wenige bis zum Exzess.
Dem erschütternden Ergebnis begegnen wir hier auf Schritt und Tritt. Aus Vertrauen ist vielfach nackte Angst geworden, aus Zuneigung Ablehnung. Aus Freunden wurden Fremde, manchmal auch Feinde. Jedenfalls erweckten viele Hunde bei unserem Besuch im Tierheim diesen Eindruck. Gefletschte Zähne, aufgestellte Nackenhaare. Schnauzen, die sich durch das Eisen bohren würden, könnten sie die Menschen da draußen nur in ihre Fänge kriegen.
Kampfhunde schnellten vom Betonboden ihrer sechs Quadratmeter großen Käfige in die Luft und schnappten nach der Hand, die sie doch nicht erreichen konnten. Hunde, nicht viel kleiner, aber schwer wie junge Kälber, knurrten bedrohlich.
Sind sie tatsächlich aggressive Bestien oder wollen sie sich durch ihre Drohgebärden in Wahrheit nur vor der wirklichen Bestie schützen, den Menschen, derentwegen sie hier sind?
Opfer sind sie in jedem Fall. Kein Hund kommt aggressiv zur Welt, es sei denn, er hat einen Gendefekt.
Leider wissen nur diese Vierbeiner, was sie durch uns Zweibeiner erlitten und erduldet haben. Was sie treibt. Aber sie können es uns nicht mitteilen, jedenfalls nicht mit Worten. Und um es uns in ihrer Sprache verständlich zu machen, müssten wir sie erst von uns überzeugen. Das jedoch lassen sie nicht zu. Der Teufelskreis Schicksal hat sie in ihre Mitte genommen und lässt sie nicht mehr heraus.
Auch zwei Rottweilern begegneten wir auf unserem Rundgang. Der eine, ein mächtiger Rüde mit einem Riesenschädel, fuhr sofort an der Käfigtür hoch, stellte sich auf die Hinterbeine und zeigte uns die Zähne. Kein Bedarf, sollte das wohl heißen.
Der andere war wesentlich schmaler, auch jünger, vielleicht ein Jahr alt. Seine Schlappohren hatte man ihm gelassen, aber die Rute war kupiert. Einem Hund die Rute abzuhacken, das ist so, als ob man einem Menschen die Zunge herausschneidet. Die Rute ist die Zunge der Hunde. Sie sprechen mit ihr. Signalisieren ihren Artgenossen und uns Menschen ihren Gemütszustand, ihre Gefühle. Sagen, ob sie jemanden mögen. Oder eher nicht. Ob sie Abstand wollen oder Nähe, ob sie kuschelig drauf sind oder Lust auf eine Auseinandersetzung haben. Ohne Rute sind sie stumm.
Das macht das Kupieren doppelt grausam, sinnlos war es immer. In Deutschland ist es inzwischen verboten. Aber in etlichen Nachbarländern blitzen weiterhin Beile oder Scheren, verhallen die Schmerzensschreie kupierter Welpen ungehört.
Nur eine schmale Mauer trennte die beiden Rottweiler im Hundehaus des Tierheims voneinander. Aber zwischen ihnen lagen Welten. So unfreundlich und unnahbar der eine, so freundlich und Nähe suchend der andere. Weil er mit dem daumenlangen Stummelschwänzchen, das ihm seine Menschen gelassen haben, nicht mehr wirklich wedeln konnte, schaukelte er sein komplettes Hinterteil hin und her, winselte in höchsten Tönen und rollte die Augen. Die Botschaft war klar: He, ich mag euch. Mögt ihr mich doch auch! Bitte! Die Botschaft kam an.
»Wollen wir ihn einmal herausnehmen und sehen, wie er sich benimmt?«, fragte ich meinen Sohn. Er war sichtlich berührt, schüttelte aber den Kopf und wies mit dem rechten Zeigefinger auf ein Schild an der Tür: Besitzer ein Jahr in Haft!
»Und nach seiner Entlassung steht er bei uns vor der Tür und fordert seinen Hund zurück.« Schnell gingen wir weiter.
Hoffnung und Angst, Aggression und Depression sind Dauergäste im Tierheim. Zwei Schäferhunde, denen das Alter die Schnauzen grau gefärbt hat, reagierten gar nicht mehr auf Besucher. Zu viele haben schon vor ihren Käfigen gestanden. Keiner hat sich ihrer erbarmt. Schließlich haben sie alle Hoffnung fahren lassen und zeigen das jetzt deutlich.
Walter, einer Rhodesian-Ridgeback-Mischung, erging es nicht anders. Die einzige Waffe, die er zu seinem Schutz einsetzen kann, war Ablehnung. Und von ihr machte er Gebrauch, drehte sich abrupt von uns weg, lief auf seinen dünnen Beinen davon und verschwand durch einen Lederlappen in seine Schlafbox. Ein lustiges Bild, wenn es nicht zum Heulen gewesen wäre. Armer Walter. Mit Ablehnung gewinnt man keine Herzen.
Eine Frauenstimme dröhnte durch die Lautsprecher am Hundehaus: »Das Tierheim schließt um 16 Uhr.« Noch zwanzig Minuten. Wir würden wohl keinen Hund mehr für uns finden an diesem Tag. Aber statt zum Ausgang strebte ich wie von Geisterhand geleitet auf drei mit Maschendraht eingezäunte Freigehege am äußeren Rand des Tierheimgeländes zu. In zweien bellten ein Bernhardiner und ein Riesenschnauzer.
An der Innenseite der Tür zum dritten kauerte ein schwarzes Bündel auf der vom Regen feuchten Erde, so zusammengekrümmt, dass man nicht erkennen konnte, wo vorne ist und wo hinten. Vorsichtig, sehr vorsichtig streichelte ich mit der Hand durch den Zaun über das dichte, schwarze Fell, da, wo ich den Rücken vermutete. Ganz wohl war mir dabei nicht. Ich spürte Druck auf meinen Fingern. Das schwarze Bündel presste sich mit seinen geschätzten vierzig Kilogramm gegen meine Hand. Schließlich wandte es mir seinen Kopf zu. Ich blickte in zwei knopfgroße dunkelbraune Augen. Nie zuvor sah ich solch ein stummes Flehen.
Die Leiterin des Hundehauses kam mit dem Schlüssel, eine stämmige Frau mit feuerrotem Haar und Sommersprossen. Sie sah aus wie Mel Gibsons Ehefrau im schottischen Freiheitsdrama »Braveheart«. Und so war sie auch, rau, aber herzlich. Mutter Löwenherz.
»Das ist Pluto. Er heißt so, weil er so eine niedliche Knuddelschnauze hat wie der Pluto im Comic«, dröhnte sie mit ihrem Bass, öffnete die Gittertür einen Spalt breit, streifte Pluto mit routiniertem Griff ein breites schwarzes Lederhalsband über, an dem eine braune Leine hing. Dann: Tür auf. Ein Satz, ein Schrei! »Nein!«
Pluto, voller Freude, dass er endlich heraus durfte, war mit einem Luftsprung aus der Tür geschnellt – und direkt vor meiner Frau gelandet.
»Was ist denn, was haben Sie denn?«, fragte die Rothaarige meine Frau amüsiert und drückte mir die Leine in die Hand:
»Gehen Sie ein bisschen spazieren mit Pluto, dahinten, zwischen den Gehegen, damit Sie sich kennenlernen.« Damit ließ sie uns allein.
Mutter Löwenherz ist eine von 40 Pflegerinnen und Pflegern, die sich Jahr für Jahr für rund 10 000 Tiere aufopfern, die in dem Hamburger Heim abgegeben werden, davon 1600 Hunde.
Wäre ihr Beruf nicht ihre Berufung, sie wären hier falsch. Tiere kennen keinen Feierabend und auch kein Wochenende. Sie fragen auch nicht nach den Sprechzeiten des Doktors, bevor sie erkranken. Sie fragen nach Liebe, 24 Stunden am Tag.
In drei Jahren lernen die Pflegekräfte alles rund um Hund, Katze, Maus, von der Anatomie bis zur Verhaltenskunde. So wichtig die Theorie ist, so entscheidend ist der herzliche Umgang mit der Kreatur. Den kann man nicht lernen. Der muss einem gegeben sein. Die Zuneigung ihrer Schützlinge entschädigt sie für ihre Arbeit.
Pluto hat ihr Herz mit seinen Augen erobert, aber auch mit seiner hübschen Gestalt. Er war ein Bild von einem Hund, wie gemalt so schön, mit Schlappohren und langer Rute. Und irgendwie auch erhaben.
Schweigend schlenderten wir mit ihm über das insgesamt fünf Hektar große Gelände mit Stallgebäuden und Freilaufflächen. Fünf Millionen Euro im Jahr verschlingt der Unterhalt. 500 solcher von Vereinen getragene Heime bündelt allein der Deutsche Tierschutzbund. 94 000 Tiere finden dort übers Jahr Futter und ein Dach über dem Kopf. 20 500 Hunde, 41 000 Katzen, 6000 Vögel. Aber auch Exoten wie Leguane und schwarze Spinnen.
Nur das Berliner Tierheim ist noch größer, das größte Europas. Eine Betonstadt an der Peripherie der Hauptstadt, 16 Hektar riesig. Das entspricht zwanzig Fußballfeldern. Mit Bauernhof, Exotenhaus, Krankenhaus, Friedhof. Und einem Reha-Zentrum für Problemhunde. Trainer machen sie dort fit für draußen, für die Menschen. 85 Prozent der Berliner Hunde gelten aufgrund falscher Behandlung durch ihre Besitzer als unvermittelbar.
Äußerlich gelassen, aber innerlich voller Spannung passierten wir mit Pluto die Käfiggassen. Die Hunde hinter den Gittern zeigten sich weit weniger gelassen. Wie würde Pluto reagieren?
Er interessierte sich nur für uns. Musterte uns von der Seite, beschnüffelte uns, hob kurz das Bein, kehrte zurück, tappte brav zwischen meinem Sohn und mir dahin, als sei er ein Blinder, der geleitet werden muss. Mir war, als lächelte er. Natürlich ist das Unsinn, sentimentaler Quatsch. Hunde lächeln doch nicht. Oder doch?
Nach zehn Minuten mussten wir ins Hundehaus zurück. Meine Frau witterte ihre Chance. »Geht doch in den nächsten Tagen noch mal länger mit Pluto spazieren, damit ihr ihn besser einschätzen lernt. Dann können wir uns ja entscheiden«, versuchte sie uns zu überreden, den Rottweiler im Tierheim zu lassen, jedenfalls zunächst. Ihr Herz hatte ja gesagt – aber ihr Verstand sagte nein.
Mein Sohn und ich schauten uns an und nickten uns zu. Unsere Entscheidung war gefallen.
Mit breitem Grinsen erwartete uns Mutter Löwenherz im Büro des Hundehauses. »Und, wollen Sie den Hund«, fragte sie provokant. Sie hatte uns durchschaut, von Anfang an. Eine Frau aus dem Leben, die die Menschen kennt und deshalb die Tiere liebt. »Da ist noch ein Lastwagenfahrer. Der möchte Pluto auch haben«, meinte sie beiläufig und setzte sich auf ihrem Schemel hinter dem hellen Holztresen aufrecht in Positur. »Der war auch schon einige Male mit ihm spazieren. Aber so ein Hund gehört doch nicht in einen Lastwagen. Oder!«
Sie knallte mit dem Wort wie mit einer Peitsche, um sich sofort mit sanfter Stimme meiner Frau zuzuwenden: »Und Sie? Wollen Sie den Hund auch?«
»Nein!«
»Na gut«, meinte Mutter Löwenherz, kramte, als hätte sie ja gehört, Plutos gelben Impfpass aus einer Schublade. Und feuerte ihre nächste Frage ab: »Und wer füttert den Hund? Und ist tagsüber für ihn da?«
»Ich!«
Sie hatte meine Frau kalt erwischt und freute sich diebisch. Ein Blinder hätte ihr das angesehen.
Pluto war unser! Und wir die seinen.
200 Euro haben wir für unser pechschwarzes Glück bezahlt. Als ich die Scheine aus der Hosentasche wühlte, fiel mir eine Erkenntnis von Fritz Herdi ein: »Ein Hund ist der einzige Freund, den man sich für Geld kaufen kann«. Dieser Hund war unbezahlbar. Das sollten wir schnell merken.
Der Kalender meiner Uhr zeigte den 25. Januar 2002, und der tief graue Nachmittag ging nahtlos in die Nacht über, als wir die Heimfahrt antraten, in zwei Autos. Der Rücksitz im blauen Golf meines Sohnes war mit Pluto voll belegt. Mutter Löwenherz hatte uns Halsband, Leine und nur wenige Informationen über Pluto mitgegeben:
Dass er etwa zwei Jahre alt ist, dass er am 20. Mai 2001 gefunden worden war, angebunden an einen Laternenpfahl, also acht lange Monate im Tierheim verbrachte und dass er panische Angst hatte vor allem und jedem, als ihn die Polizei gebracht hat.
